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Magazinrundschau
Wahrheit als Lüge
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
30.10.2012. n+1 sucht den Derrida in Franzen. In Vozpópuli erklärt Javier Cercas, warum er gegen die Unabhängigkeit Kataloniens ist. In The Atlantic beschreibt Teju Cole die brutale Mobjustiz in Nigeria. Wer sich als Opfer fühlt, ist meist auch fremdenfeindlich, stellt der Sozialpsychologe Micha? Bilewicz in Elet es Irodalom fest. Auch Wired weiß nicht, was im Inneren von Peter Molyneuxs Würfel steckt. Beckett wollte nie bezaubern, notiert der New Statesman. Und der Guardian erklärt, warum Georges Simenon den Nobelpreis verdient hätte.
n+1 | Vozpópuli | The Atlantic | Elet es Irodalom | The New Republic | Slate.fr | Wired | Nepszabadsag | The Times Literary Supplement | The New Statesman | Telerama | The Guardian
n+1 (USA), 24.10.2012
In den 80er Jahren führte an großen Theoretikern wie Derrida, Foucault und Habermas kein Weg vorbei. Die Konjunktur ihrer Theorien ist heute abgeklungen, doch jetzt spürt Nicholas Dames ihre Spätfolgen an unerwarteter Stelle auf: in den Protagonisten der realistischen Romane von amerikanischen Autoren wie Jeffrey Euginides, Jonathan Franzen, Sam Lipsyte, Jennifer Egan, Ben Lerner, Lorrie Moore und Teju Cole: "Diese Romane kennzeichnet ein gnadenloser Drang zur Analyse des trügerischen Wesens von Zeichen. Doch dieser Drang wird beschrieben, nicht nachempfunden. Realismus beruht auf dem - wenn auch brüchigen - Glauben an die Zuverlässigkeit von Zeichen. Es ist ein Glauben, den diese Protagonisten nicht ohne Weiteres teilen. Und so treiben sie sich unbehaglich in ihren eigenen Romanen herum."
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Vozpópuli (Spanien), 27.10.2012
In Vozpópuli, einem neuen spanischen Internetmagazin, äußern sich mehrere in Katalonien lebende Autoren und Publizisten zur Frage der angestrebten katalanischen Unabhängigkeit. Klartext riskiert vor allem der Schriftsteller Javier Cercas, der, in der Extremadura geboren, als Kind einer Familie von Binnenmigranten in Katalonien aufgewachsen ist: "Ich liebe Abenteuer, aber nur in der Literatur. Wenn ich höre, dass wir uns demnächst auf unbekanntes Terrain vorwagen sollen, beginne ich zu zittern. Künstler und Wissenschaftler müssen das tun, um Neues zu entdecken. Politiker dagegen müssen genau wissen, wo sie den Fuß hinsetzen, sonst stürzen wir alle in die Tiefe. Und davor habe ich Angst. Ich bestehe auf meinem Recht, Angst zu haben. Unsere Eltern haben uns dieses Land in einem sehr ordentlichen Zustand übergeben, und ich will meinem Sohn meinerseits keine Katastrophe hinterlassen. Ich bin kein Anhänger der Unabhängigkeit, ich kann nicht erkennen, wohin diese uns führen soll, und weil ich das nicht erkennen kann, bin ich nicht dafür."
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The Atlantic (USA), 24.10.2012
Als Zeichen für eine krisenhafte Modernität wertet der Autor Teju Cole die Vorfälle von Lynchjustiz, die sich immer wieder und in sehr brutaler Form in Nigeria ereignen. Anfang Oktober etwa wurden vier des Diebstahls beschuldigte Männer bei lebendigem Leib verbrannt. Ein häufiger Anlass zur Bildung eines Mobs ist aber auch der vermeintliche Penisklau, eine in Westafrika verbreitete Form der Hysterie. Aus heiterem Himmel glauben Männer plötzlich, sie seien um ihre Männlichkeit gebracht worden: "Im Jahr 2011 beschuldigte in Gusau der Bankangestellte Idowu Olatunji den Journalisten Saminu Ibrahim des Penisklaus. Auf einmal befand sich Ibrahim in tödlicher Gefahr. Eine Menge umzingelte ihn mit mörderischer Absicht, und nur die Anwesenheit eines geistesgegenwärtigen Polizisten bewahrte ihn vor einem grausigen Tod. Was diesen Fall aber wirklich ungewöhnlich machte und zu einem Lehrbuchfall für Nigerias Neurosen und verwirrte Modernität, war, dass Ibrahim später Olatunji wegen Verleumdung und falscher Beschuldigung vor Gericht brachte. Er beantwortete das Gesetz des Dschungels mit dem bürgerlichen Recht. Und genau an diesem Punkt verschwand die Geschichte aus der Öffentlichkeit."
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Elet es Irodalom (Ungarn), 26.10.2012
Die Listen der Stasi-Mitarbeiter werden in Ungarn auch noch 23 Jahre nach der Wende unter Verschluss gehalten; nur gelegentlich wird ein Spitzel enttarnt, was jedes mal wieder eine Diskussion darüber auslöst, ob und wie man mit dieser jüngsten Vergangenheit umgehen soll. Der ungarische Historiker Gábor Gyáni ist - mit Verweis auf Elias Canetti, demzufolge das Geheimnis eines der zentralen Wesensmerkmale der Macht ist - ausdrücklich für eine Veröffentlichung der Akten: "Solange nicht jeder, der einst als Spitzel tätig war, als solcher enttarnt wird (wofür es keine allzu realistischen Chancen gibt), wird das schädliche geistig-moralische Erbe der Diktatur unverändert fortwirken. Mit der Offenlegung der Identität der Informanten könnte die vor gar nicht allzu langer Zeit noch ganz normal und legal praktizierte Konfiszierung des Geheimnisses durch die Macht endgültig aufgekündigt werden. Wenn wir die diesbezüglichen, strengstens geheimgehaltenen Fakten der einstigen Diktatur nicht erfahren wollen, betrachten wir diese auch nicht als unser eigen und erkennen diese Informations-Wiedergutmachung weiterhin nicht als einen legitimen Anspruch an. Die Vergangenheit, unsere Vergangenheit gehört somit immer noch nicht uns."
Im Gespräch mit dem ungarischen Publizisten János Széky stellt der Sozialpsychologe Micha? Bilewicz fest, dass in Polen und Ungarn - wo Jugendliche bei Demonstrationen "Gestern Moskau, heute Brüssel" skandierten und sich damit offenbar weiterhin als Unterdrückte sehen - auch der Geschichtsunterricht die Fremdenfeindlichkeit verstärken kann: "Der Geschichtsunterricht in der Schule verfestigt gedankliche Muster, die wir in Polen als Opferidentität bezeichnen. Die Menschen sind der Auffassung, dass die Gruppe, der sie angehören, stets ein Opfer gewesen ist. Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich anhand dieser Opferidentität der Antisemitismus sehr gut erklären lässt. Wenn wir herausfinden wollen, ob jemand antisemitisch ist oder nicht, dann ist die einfachste Methode, ihn danach zu fragen, ob seiner Meinung nach die Polen öfter eine Opferrolle gespielt hatten als andere Gruppen. Bejaht er die Frage und meint, wir seien stets Opfer gewesen, dann ist es fast sicher, dass diese Person auch antisemitisch ist. Und dieser verblüffende Zusammenhang ergab sich auch aus anderen Studien, nämlich dass sich in den Tiefen der Xenophobie und des Rechtsradikalismus dieses Gefühl der Opferrolle verbirgt."
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The New Republic (USA), 19.10.2012
Für seinen neuen Roman "Rue Darwin" wurde dem algerischen Schriftsteller Boualem Sansal der diesjährige Prix du roman arabe zuerkannt, doch die Preisverleihung im Juni wurde abgesagt, das Preisgeld nicht ausgezahlt. Olivier Poivre D'Arvor, Direktor von France Culture, trat daraufhin aus der Jury zurück und schilderte die Vorgänge in einem offenen Brief in der Libération. Paul Berman berichtet in The New Republic von der Affaire und sieht die Verbindung von Literatur und Politik von vornherein zum Scheitern verurteilt: "Es war löblich von der Jury, Boualem Sansal den Preis zuzuerkennen. Und die Botschafter der Arabischen Liga blamierten sich, indem sie die Verleihung verhinderten. Die Aufgabe eines Romanciers besteht darin, Wahrheit als Lüge - oder Fiktion - zu tarnen; die Aufgabe von Diplomaten ist es, Lügen als Wahrheit zu tarnen. Es war wohl eine törichte Vorstellung, dass sich Diplomaten und Romanciers zusammentun und gegenseitig Ehrungen und Komplimente spenden könnten."
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Slate.fr (Frankreich), 29.10.2012
Die deutsche Debatte um ein Leistungsschutzrecht hat die französischen Politiker inspiriert, ihrer Lieblingstätigkeit nachzugehen: neue Steuern zu erfinden. Google und verwandte Dienste soll jetzt eine Linksteuer für die Presse abführen. Johan Hufnagel erinnert in Slate.fr daran, dass die Zeitungen in Frankreich heute nur noch ein Hobby von sehr reichen Leuten sind und auch schon Staatsknete bekommen: "Die Presse befindet sich in der Krise und einige der Milliardäre, die die wichtigsten Titel besitzen, werden alles tun, um nicht in ihre Rettung investieren zu müssen. Also muss man andere Lösungen finden um zu überleben - um so mehr, als die Leser die Kioske meiden und die 500 Millionen Euro Subventionen, die die Presse laut dem Syndicat de la presse indépendante d'information en ligne (Spiil) ohnehin schon erhält, besseren Zwecken zugeführt werden müssten als die Kassen von Zeitungen zu füllen, die sich nicht ändern und der heutigen Welt anpassen wollen."
Google-Hierarch Eric Schmidt ist schon auf dem Weg nach Frankreich und wird François Hollande höchstselbst treffen, meldet unterdes das Blog owni.fr.
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Wired (USA), 12.10.2012
In den 80ern und 90ern schuf Peter Molyneux Computerspiele-Klassiker wie "Populous" und "Theme Park", die mit ausgefuchster künstlicher Intelligenz und originellen Spielideen brillierten. Dann kamen lange Zeit nie gehaltene Versprechungen und gescheiterte Projekte, berichtet Jason Tanz - bis der Fake-Twitteraccount @PeterMolydeux mit einer Abfolge aberwitziger Spielvorschläge (ein Beispiel) den Kult um den Spielemeister neu befeuerte: Seitdem arbeitet Molyneux an einem neuen, größenwahnsinnigen Online-Spieleprojekt namens "Curiosity": "Die Idee ist so hochtrabend, dass sie glatt einem Tweet von @PeteryMolydeux entsprungen sein könnte: Die ganze Welt versucht, sich den Weg ins Innere eines riesigen Würfels zu bahnen und nur dem Spieler, dem dies als erstem gelingt, ist es gestattet, das versteckte Geheimnis im Innern zu entdecken. ... Unterdessen wird das Team von Molyneux ständig Daten sammeln. Was sind die effektivsten Methoden, um Leute dazu zu motivieren, sich dem Spiel anzuschließen? Wie lange wird es dauern, bis die Leute alle knapp 60 Milliarden Miniwürfel abgetragen haben, aus denen sich der Würfel zusammensetzt. Und wie wird der Gewinner am Ende die Nachricht von dem, was sich im Innern befindet, verbreiten? Molyneux hat niemandem verraten, was sich im Würfel befindet - nicht seiner Frau, nicht seinem Sohn, auch nicht seinen Mitarbeitern."
Weitere Artikel: Knapp eine Woche lang gastierte Wired-Autor Charles Graeber auf der Neuseeländer Ranch von Kim Dotcom, der ihm während dieses Aufenthalts - unter anderem mit Frühstück abends um kurz vor 10 - ausführlich seine Lebensgeschichte, die Ungerechtigkeiten, die ihm widerfuhren, und seine Pläne für die Zukunft - ein Sharehoster, der von den Behörden nicht mehr dingfest gemacht werden können soll - schilderte. Steven Levy staunt bei der Visite in Googles Serverfarmen manchen Bauklotz. Chris Anderson spricht in der "Icons"-Gesprächsreihe mit dem 41-jährigen Internet-, Raumfahrt-, Elektroautos-, Solaranlagenunternehmer Elon Musk, der - ganz "Bond-Style" - aus dem Pazifik Raketen zum Mars schießt, um seinem Traum, auf dem roten Planeten Pflanzen zu pflanzen, näher zu kommen. Außerdem erklärt James Verini , wie der virtuelle Popstar Hatsune Miku Japan im Sturm erobert hat. In Japan gibt sie holografische Konzerte:
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Nepszabadsag (Ungarn), 21.10.2012
Neulich wurde der Schriftsteller Imre Kertész vom regierungsnahen Fernsehen als "Schriftsteller ungarischer Herkunft" bezeichnet. Mit der (inzwischen "richtiggestellten") Formulierung sollte offenbar der Ambivalenz des jetzigen Regierungskurses in Sachen Kertész Rechnung getragen werden. Diese sonnt sich zwar im Nobelpreiserfolg von Kertesz, betrachtet sie ihn aber als Feind Ungarns, weil er Ungarn und seinen Antisemitismus immer wieder kritisiert hat. Schon mit der Schreibweise "Imre Kertész" (statt ungarisch "Kertész Imre") wird er oft als "Nicht-Ungar" abgestempelt. Dagegen argumentieren andere, man könne einem ungarischen Schriftsteller die Zugehörigkeit zur Nation auch dann nicht absprechen, wenn er sich selbst nicht zum Ungarntum bekennt. Dies ist jedoch auch ganz und gar kertészfeindlich, findet der Publizist Sándor Révész: "Die Negation dieser Zugehörigkeit ist alles andere als ein bedauerlicher verbaler Ausrutscher. Dieses 'Nicht-Bekennen' ist vielmehr eine vielfach bekräftigte, zentrale Aussage im zuletzt erschienenen Tagebuch von Kertész [aus den Jahren 2001-2003]. Hier nur einige Zitate, von vielen: 'ich verfüge über keine ungarische Identität...', 'man hat in mir die Solidarität gegenüber Ungarn ausgerottet...', außer der Sprache bin ich mit Ungarn in keiner Weise verbunden...', 'ich gehöre nicht zur ungarischen Literatur, kann ihr nicht angehören...'. Was Kertész hier von sich weist, ist nicht die Zugehörigkeit zum Ungarntum oder zur ungarischen Literatur, sondern die Zugehörigkeit überhaupt. Radikaler Pessimismus, radikaler Individualismus, eine Abscheu gegenüber jede Form von kollektiver Identität - das ist Kertész. [...] Man müsste einfach nur akzeptieren, dass er ist, wie er ist und nur zu sich selbst gehört."
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The Times Literary Supplement (UK), 26.10.2012
Nicht rundum gelungen findet Lidija Haas Lois Banners Marilyn-Biografie, aber sie ist ihrer Ansicht nach doch ein Schritt auf dem Weg, Marilyn nicht nur als Opfer oder Dummchen zu begreifen, sondern als ganz reale Person. Eine schöne Passage zeigt, dass Monroe nicht einfach emotional und beruflich von anderen Personen abhing, sondern aus einem guten Rat das Beste zu machen wusste: Vor Drehbeginn von "Some like it hot" protestierte sie in einer Unterhaltung mit Lee Strasberg gegen die Dummheit ihrer Figur, die Jack Lemmons und Tony Curtis' Verkleidung nicht durchschaut. Strasberg dachte einen Moment darüber nach und bot ihr aus dem Stegreif eine Lösung an: Sie durchschaut sie nicht, weil sie es nicht will. Sugar Kane ist die Art von Frau, von der sich andere Frauen fernhalten, und zum ersten Mal 'sind hier plötzlich zwei Frauen, die ihre Freundinnen sein wollen'. Marilyn verstand, dass darin eine geniale Einfachheit lag, die funktionieren konnte."
Besprochen werden außerdem Tom Williams' neue Raymond-Chandler-Biografie und Johannes Graves Caspar-David-Friedrich-Monografie.
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The New Statesman (UK), 11.10.2012
"James Joyce wollte selbst in seinen hintergründigsten Passagen seine Leser bezaubern", Beckett fiel das im Traum nicht ein, lernt Christopher Reid bei der Lektüre der Gedichte Becketts, besonders der frühen, in den 30er Jahren entstandenen. "Der Beckett dieser Periode schien entschlossen, so rätselhaft zu sein wie die Narrenszenen der elisabethanischen Dramen, mit ihrem Rotwelsch und ihren dahingeworfenen Anspielungen. Nur ist der Argot hier eine sorgfältig bearbeitete Kostbarkeit und die Anspielungen beziehen sich meistens auf Aspekte in Becketts Leben, über die nur er Bescheid wusste. Die Anmerkungen der Herausgeber sind besonders in dieser Hinsicht erhellend." Am besten fand Reid das letzte Gedicht, ein 53-Zeiler von großer Musikalität, der so beginnt:
"folly -
folly for to -
for to -
what is the word -
folly from this -
all this -
folly from all this -
..."
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Telerama (Frankreich), 27.10.2012
Laurent Rigoulet unterhält sich mit David Simon, dessen Serie "Treme" in die vierte Saison geht. Schauplatz ist diesmal nicht Baltimore wie in "The Wire", sondern New Orleans nach Katrina. Der Sturm habe die ganze Grausamkeit des Krisenkapitalismus enthüllt, so Simon, aber auch noch etwas anderes: "Ich habe fünf Jahre in dieser Stadt verbracht, und was ich dort beobachtet habe, ist umwerfend. Ich bin kein Nationalist, aber ich glaube, ich werde in meinem Leben keine bessere Gelegenheit erleben, über Patriotismus in Aktion zu berichten. Auf der Ebene einer Stadt, gewiss, aber im Geist eines Amerikas des New Deal, in dem es noch wünschenswert war, sich mit einem kollektiven Ideal zu identifizieren."
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The Guardian (UK), 27.10.2012
Mark Lawson hat sich auf Grand Tour durch das kriminalistische Europa begeben und etwa Wichtiges herausgefunden: "Meine Nachforschungen ergaben, dass Georges Simenon den größten Einfluss auf den europäischen Krimi hat. In Rom zeigte mir Andrea Camilleri - Schöpfer des sizialinischen Inspektors Montalbano - die komplette Reihe der Maigret-Romane in seinen Regalen. In Berlin hielt Jakob Arjouni, einer der führenden deutsche Krimi-Autoren, den kompletten Simenon nah bei seinem Schreibtisch. PD James nennt Simenon ebenfalls als ihren Meister und bestätigt damit ein literarisches Nachleben, das Andre Gide Recht gibt: Der belgische Schriftsteller hätte den Nobelpreis für Literatur bekommen sollen."
Außerdem: Anatol Lieven bespricht - nicht immer, aber meistens zustimmend - Anne Applebaums neues Buch "Iron Curtain: The Crushing of Eastern Europe 1944-56".
Archiv: Magazinrundschau
Köstliches Tabu
18.06.2013. Bloomberg besucht das nordkoreanische Kunststudio Mansudae. Ungarn zählt zu den unreligiösesten Ländern Europas, meldet Elet es Irodalom. Eurozine schmeckt eine kräftige Dosis Guy Debord in den Reden der heutigen russischen Opposition. Pitchfork lernt von Pussy Riot den größten Unterschied zwischen den USA und Russland. Granta erliegt den Verlockungen indischer Eis-Lollies. Der New Statesman feiert die Dichterin Charlotte Mew, die London Review den Fotografen Garry Winogrand, Hazlitt den Comickünstler Gengoroh Tagame und die New York Times den Maler James Turrell. Mehr lesen
Das Konzept eines Gottes
11.06.2013. Jawohl, es ging am Taksim auch um Alkohol und zwar zurecht, meint Atlantic. In Eurozine bezweifelt Timothy Snyder, dass Antisemitismus der Grund für den Holocaust war. GQ erzählt die Geschichte von Kim Jong-ils Sushi-Meister. Elet es Irodolam ahnt, warum wütende Antikommunisten in Ungarn an der Aufarbeitung des Kommunismus nur mäßig interessiert sind. The Believer lässt den Comic-Hexenmeister Alan Moore zu Wort kommen. Mehr lesen
Die Reichen und die Diebe
04.06.2013. Manchmal sind sogar Zeitungen dafür, das Urheberrecht zu vereinfachen, lernt der Economist. Nur die Medien glauben, die Aufständischen hätten den Bürgerkrieg in Syrien schon gewonnen, meint die London Review of Books. In Osteuropa überlegt Olga Radetzkaja, warum der nationalbolschewistische Autor Zakhar Prilepin im deutschen Literaturbetrieb so wohlige Schauer auslöst. In Nepszabadsag sieht Laszlo Vegel eine Befriedung der serbischen Nationalisten aufschimmern. In Le Monde sieht Boualem Sansal schwarz für Algerien. Die Financial Times sieht gar nicht schwarz für Somalia. Die New York Review of Books möchte keine Kreuzfahrt nach Venedig machen, danke. Mehr lesen
Orgien der Untreue
28.05.2013. Im New Yorker spielt David Sedaris Gästezimmer-Gambit. In El Pais Semanal hat Javier Cercas andere Sorgen als die Monarchie. Der Rolling Stone besucht Daft Punk. Verehrung für den ältesten Sohn kann tödlich sein, stellt die NYRB mit Blick auf Mutter und Vater Tsarnaev fest. In National Geographic träumt Phyllis Batumbil vom traditionellen Aboriginesleben, aber mit Webseite. MicroMega findet in Italien keinen Arzt für eine Abtreibung. Der Economist verschlüsselt jetzt auf Photonenbasis. Wieviel sexuelle Lust darf eine Frau haben, bevor die Gesellschaft zerspringt, fragt die NYT. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Archiv: Magazinrundschau
Affenspiel des Teufels
21.05.2013. In El Pais Semanal joggt Martín Caparrós mit dem Ex-General, Ex-Präsidenten, Ex-Retter des Vaterlands, Ex-Sträfling und Ex-Mörder Jorge Rafael Videla. Wired sucht im Labor von Henry Markram nach einem Minimum von Gehirn. In le Monde fordert Liao Yiwu mehr Courage von westlichen Sinologen. Im Espresso fordert Marco Travaglio mehr Courage gegen Berlusconi. In der LRB betrachtet John Lanchester durch Google Glasses das große Schweigen. HVG erinnert an die Samisdat-Zeitschrift Neues Symposion. Rue 89 warnt vor dem reaktionären japanischen Premier Shinzo Abe. Der Dallas Observer umarmt einen kleinen Roboter. Vanity Fair erzählt die verzwickte Geschichte des Blockbusters "World War Z". Mehr lesen
1. Katzen trampeln nicht
14.05.2013. In New Republic findet es Margaret Atwood ganz einfach, die neuen Medien zu verstehen. Man kann sogar selbst Regeln für sie setzen, meint Roberto Saviano in La Republicca. Der New Yorker untersucht Vor- und Nachteile der Online-Universität. Der Believer erinnert an den Künstler Sadakichi Hartmann. Terrence Malick arbeitet mehr als man meint, versichert die Los Angeles Review of Books. Bloomberg Businessweek schaut unter die riesige Motorhaube von Netflix. Das New York Magazine porträtiert einen unglaublich souveränen Michael Douglas. Mehr lesen
Stürme von Judasküssen
07.05.2013. In der London Review of Books zeichnet Ian Sinclair ein aasiges Bild von der Beerdigung Margaret Thatchers. Das New York Magazine erklärt, wie für ein balloon toy von Jeff Koons der Preis von 30 Millionen Dollar gesetzt wird. In Frankreich möchte der Regisseur Michel Hazanavicius die Internetprovider für die Filmfinanzierung anzapfen. In Amerika möchte Susan Crawford die Telekoms gründlich renovieren, um endlich überall schnelles und günstiges Internet zu haben. Der Antisemitismus vergiftet alles in Ungarn, ruft in Nepszabadsag der Politiker Béla Markó. Drogenkonsum wird erst durch Informationsmangel richtig gefährlich, lernt der Guardian. Mehr lesen
Übermaß an Liebe
30.04.2013. n+1 geht den Tonarten Hilary Mantels nach. The New Republic bewundert die chinesische Einfachheit des georgianischen Dichters Edward Thomas. Slate.fr sucht eine neue revolutionäre Klasse. Rumänische Filmregisseure werden auf der ganzen Welt geachtet, nur nicht in Rumänien, lesen wir in HVG. In The National Interest sucht Walter Laqueur vergeblich nach der vielbeschworenen Marx-Renaissance. Der New Yorker liest Bücher über den amerikanischen Drohneneinsatz. Der Guardian erleidet den Liebestod. Mehr lesen
#surreal
23.04.2013. Das Attentat von Boston wird vor allem den Tschetschenen schaden, fürchtet The Atlantic. Das New York Magazin beobachtet die Verdrängungstaktiken der Chassidim in New York. In Rumpus erklärt Aleksandar Hemon, warum nur die ganz Privilegierten glauben, es gebe keinen Fortschritt. Die LRB singt dem russischen Performancekünstler Vladik Monroe ein Abschiedslied. In Eurozine erklärt Etgar Keret das Hebräische als Literatursprache. Dem Murdoch-Imperium geht's prächtig, meldet Bloomberg Businessweek. In der NYRB ärgert sich John Gray über den inkohärenten Mischmasch der Marxschen Philosophie. In Bidoun erzählt Larry Gagosian, warum Cy Twombly den armenischen Maler Arshile Gorky liebte. Mehr lesen
Selbstzensur ist ein Thema
16.04.2013. Wer Mathematik besser verstehen will, sollte stricken, empfiehlt der American Scientist. The Quarterly Conversation erklärt, warum Czesław Miłosz Kalifornien liebte. Elet es Irodalom besucht eine Robert-Capa-Ausstellung. Der New Yorker porträtiert die Mars-Pioniere Adam Steltzner und John Grotzinger. In n+1 erklärt Sally Potter, warum sie den Hass auf Margaret Thatcher frauenfeindlich findet. In La regle du jeu erklärt Atiq Rahimi, warum sich globale Krisen immer in Afghanistan kristallisieren. Der Global Mail besucht Flüchtlinge im indonesischen Sex-Ferienort Cisaru. Vanity Fair porträtiert Felix Baumgartner. Mehr lesen
Amoralische Landschaften
09.04.2013. In The Virginia Quarterly Review sieht der Verleger Richard Nash Bücher im Cockpit in die Zukunft fliegen. Rue 89 erklärt das chinesisch-koreanische Verhältnis. Micromega beobachtet weibliche Proteste beim Weltsozialforum in Tunis. In The Brooklyn Rail erklärt der Regisseur Olivier Assayas, warum die Siebziger für den Einzelnen so gefährlich sein konnten. Im New Yorker kennt Susan Faludi dafür ein konkretes Beispiel: die Feministin Shulamith Firestone. Vice schildert die Situation der Roma in Slowakien. Die NYRB lernt von Lawrence Wright, wie das amerikanische Finanzamt aus Scientology eine Religion machte. Mehr lesen
Erst Geld macht Medien
02.04.2013. In der LRB fragt John Lanchester, warum Fantasy vom literarischen Publikum gesnobbt wird. Der New Yorker erklärt am Beispiel von Vice, wie man im Internet mit Inhalten Geld verdient. Für Salon.eu.sk besucht Andrzej Stasiuk die lebenslustigen Goralen. Die Lettre feiert ihren Fünfundzwanzigsten. Slate.fr berichtet über israelische Mafiakriege. Der Hollywood Reporter besucht einen Pionier des Filmnerdtums im Netz. HVG durchleuchtet am Beispiel von Janos Esterhazy die Abgründe der slowakisch-ungarischen Beziehungen. Mehr lesen
Das ist reines Zocken
25.03.2013. Le Monde fragt, wer ist der Guru von Beppe Grillo und präsentiert Gianroberto Casaleggio als leicht unheimliche New-Age-Figur. Espresso bringt ein apokalyptisches Video Casaleggios. The Atlantic erzählt, warum der jordanische König nicht so demokratisch sein kann wie er möchte. Elet es Irodalom stellt ein Buch über "Ungarische Besatzungstruppen in der Sowjetunion" vor. La vie des idees erzählt, wie man in Frankreich den Tod laizisiert hat. Im Guardian erklärt Taiye Selasi, warum sie die Frage "Wo kommst du her?" kaum beantworten kann. Fast Company lernt von Kickstarter, warum Mädchen mit Lithografieprojekten immer zu bevorzugen sind. Wired möchte nicht Verleger sein. Mehr lesen
Am Ende als Helden gefeiert
19.03.2013. Vanity Fair erzählt, wie London zum sicheren Hafen der Oligarchen und Superreichen wurde. The Nation stößt bei jungen Griechen auf eine regelrechte Aufbruchsstimmung. The New Statesman fürchtet dagegen das wohlhabende und sichere Deutschland. Die LRB blickt auf die verfahrene Situation in Ägypten. In der New York Times graut Martin Caparros vor dem heiligen Geist, der nun noch kräftiger durch Argentinien wehen wird. Letras Libres hofft auf die heilsame Wirkung legalen Marihuanas in den USA. Der New Yorker stellt die meistgehasste Frau Australiens vor. Und Telerama wiegt sich zu den samtenen Klängen des kapverdischen Morna. Mehr lesen
Zu neuem Funde
12.03.2013. Die NYT erzählt, wie Amazon und Apple auf dem Weg zur Weltherrschaft einen Markt für gebrauchte digitale Güter aufbauen. Elet es Irodalom gefallen die frischen jungen Gesichter, die die italienischen Wahlen in die Politik gespült haben. Je langweiliger Politik ist, desto besser, meint Javier Cercas in der Monde diplo. In The New Republic erinnert sich Paul Berman an die prächtig gepanzerten Backen von Hugo Chavez. Der New Yorker freut sich über seinen Überbiss. Port Magazine porträtiert den ugandischen Kaffeeproduzenten Andrew Rugasira als guten Kapitalisten. Buzzfeed porträtiert die mexikanische Lehrerin Elsa Hernandez Gonzalez als wahre Speerspitze im Kampf gegen Drogen. N+1 porträtiert den Filmemacher Michael Haneke als Sadomodernen. Mehr lesen






