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Magazinrundschau
Lesen, aber nicht berühren
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust.
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openDemocracy (Großbritannien), 25.11.2011
Der marokkanische Arzt und Aktivist Hisham Almiraat erklärt, warum er und viele andere Marokkaner letzten Freitag die Wahlen boykottiert haben: Zunächst mal, weil die neue Verfassung keine fairen Wahlen garantiert. "Aber der vielleicht wichtigste Grund für den Boykott ist die Welle der Freiheit, die durch die Region fegt. Wir wollen der Welt beweisen, dass wir nicht weniger wert sind als unsere tunesischen Nachbarn. Jede Woche gehen tapferen junge marokkanische Demonstranten auf die Straße, um friedlich zu protestieren: Sie wollen eine richtige Demokratie - jetzt. Sie haben die blumigen Versprechungen satt, die seit Mitte der Neunziger Veränderungen versprechen und dann wieder zurückziehen."
Zwei Tage vor den Marokkanern haben die Tunesier gewählt. Der Blogger und Aktivist Kacem Jlidi vergleicht die Lage in seinem Land mit der in Ägypten und stellt fest, dass die Ägypter es schwerer haben. Aber er erklärt auch, wie man die Leute zu den Wahlurnen bringt: mittels Bürgerengagement und neuer Technik. "Viele Aktivisten und neu geformte NGOs reisten durch das Land und trafen sich mit jungen Leuten und Frauen aus den ärmeren Schichten, um sie zum Wählen zu ermutigen. Zusätzlich nutzten sie die sozialen Medien, um Netzwerke von Familie und Freunden anzuregen, sich auch registrieren zu lassen und wählen zu gehen."
Außerdem: Abgedruckt ist ein Auszug aus Anya Lipskas Krimi "Where the devil can't go", der unter polnischen Immigranten in London spielt.
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Le Monde (Frankreich), 25.11.2011
Die arabische Welt braucht einen zweiten Anlauf, schreibt der Journalist, Schriftsteller und Dramaturg Driss Ksikes, derzeit Chefredakteur der marokkanischen Ausgabe von Tel quel. Tocqueville habe gelehrt, dass selbst eine erfolgreiche Revolution noch keine Garantie für einen klaren Bruch mit der alten autokratischen Ordnung sei. Er zweifelt vor allem an den alten ökonomischen und intellektuellen Eliten der Länder, die es ganz gut in den alten Regimes ausgehalten haben. Wenn sie tatsächlich für eine modernisierte Politik stünden, müssten sie jetzt für ihre Ideen kämpfen, um sich gegen die kulturellen und religiösen Autokratien zu wehren. "Werden sie den Mut dazu aufbringen, den Willen? Ich bezweifle es stark. Und ich befürchte, angesichts dieser herrschenden Feigheit, dass die unserem Land versprochene Demokratie zu einem marktschreierischen Verkaufsslogan wird - wenn dies nicht schon längst der Fall ist - ohne kulturelle Verankerung, mit dem nur bei jedem Urnengang gewedelt wird. Der Berg der 'Empörten' hätte eine Maus geboren. Mehr nicht!"
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The New Statesman (Großbritannien), 28.11.2011
"Der Körper der Muslimbrüder ist schneller gewachsen als ihr Hirn", schreibt Fawaz A. Gerges, Nahostexperte an der London School of Economics, in einem ausführlichen Hintergrundartikel zum Aufstieg der Muslimbrüder in Ägypten. Der Erfolg bei den Wahlen könnte sie zerreißen - nicht nur wegen des Streits zwischen den konservativen und fortschrittlichen Kräfte innerhalb der Bruderschaft. "Wenn sie eine Mehrheit gewinnen und die Regierung bilden, werden sie liefern müssen. Bedenkt man die Größe der Probleme Ägyptens und den Mangel an klar formulierten Vorschlägen für die Schaffung von Arbeitsplätzen, dann stehen die Wetten gegen sie. Und wenn sie versagen, werden ihre Wahlkampfparolen - 'Islam ist die Lösung' - mit Macht auf sie zurückschlagen."
Lesen darf man jetzt auch Richard Evans' Aufmacher aus der letzten Woche, der den Briten erklärt, dass die Deutschen keineswegs ein "Viertes Reich" zu errichten wünschen, wie einige Kommentatoren behauptet haben, aber gern eine Inflation wie in den zwanziger Jahren vermeiden möchten.
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Merkur (Deutschland), 01.12.2011
Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel verabschieden sich vom Merkur. In ihrem letzten gemeinsamen Heft blicken sie auf die fast drei Jahrzehnte zurück, in denen sie das Land Ästhetik und Politik lehrten.
Bohrer zum Beispiel in seinem ersten programmatischen Essay: "Dieser Aufsatz mit dem Titel 'Die Ästhetik des Staates' hatte als Motto einen Satz von Albert Camus: 'Kein Volk kann außerhalb der Schönheit leben.' Das war durchaus polemisch gedacht, denn mir schien, dass diese bundesrepublikanische Gesellschaft, vor allem ihre Intelligenz, in der Tat außerhalb des Camusschen Prinzips lebte. Und so war der Aufsatz auch eine ironisch-utopische Parabel über 'Opulenz, Provinzialität und Konformismus' der alten Bundesrepublik und gipfelte in einer Charakteristik des grünen Milieus der berühmt gewordenen Reformuniversität Bielefeld."
Scheel schreibt über seine Arbeit am Text und am Autor: "Ich wollte unbedingt diesem Kreis edler Menschen angehören, das war meine 'Gesellschaft vom Turm' - und ich musste nun schmerzlich erfahren: Je mehr man einen Autor bewundert, umso frustrierender ist es, ihm nahezukommen. Es gibt Ausnahmen, die schönste in meinem Merkur-Leben war Robert Gernhardt... Merke: Geschätzte Autoren soll man lesen, aber nicht berühren."
Außerdem: Kathrin Passig geht der Frage nach, warum sich viele Zeitungen so schwer damit tun, ihre Artikel kommentieren zu lassen. Michael Rutschky widmet sich Fragen des erzählerischen Standpunkts von Tageszeitungsjournalisten. Jonathan Keates ergründet das Engländertum.
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London Review of Books (Großbritannien), 01.12.2011
Der Schriftsteller Tim Parks liest sich akribisch durch den zweiten Band der gesammelten Briefe Samuel Becketts, die mitunter auch den Blick auf eine Urszene der Künstlerpersona gestatten: "So kam der gefeierte Mythos eines Schriftstellers in die Welt, der allein mit seiner Kunst befasst ist, blind gegenüber kommerziellen Erwägungen und somit gewissermaßen jenen Schriftstellern überlegen, die sich freudig mit Scheck in der Hand vor ein Mikrofon stellen. Es war ein Mythos, der sich schlussendlich als Vorteil für Beckett herausstellen sollte, sowohl bei der Kritik als auch in kommerzieller Hinsicht."
James Meek übermittelt detaillierte Reiseeindrücke aus Griechenland und zeichnet darin in vielen Begegnungen mit Einheimischen ein bedrückendes Bild. Aber winzige Hoffnungsschimmer gibt es auch: "Stefanos Vostanis, der Barbour-Jacken tragende, englisch erzogene 28-Jährige, der die Catsacoulis Ölabfüllanlage seiner Familie leitet, gibt mir ein Ouzoglas voll mit Öl aus Lesbos - mild und golden, nicht wie das pfeffrige, grünliche Öl aus Kreta. 'Ich glaube, dass es in den nächsten zehn Jahren eine Umverteilung der Ressourcen geben wird', sagt er. 'Wer in einem Laden arbeitet, wird den Laden schließen und sich auf die Dinge konzentrieren, bei denen das Land einen Wettbewerbsvorteil hat. Das ist hoffnungsvoll. Natürlich, wenn man viele Jahre in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet hat, ist es hart, von dort zu den Oliven zu gehen.'"
Weitere Artikel: Anlässlich von Stephen Kings neuem Roman "11.22.63", in dem ein Zeitreisender das Attentat auf Kennedy zu verhindern versucht, blättert sich der Historiker Colin Kidd durch kanonische und entlegene Theorien zur Ermordung des US-Präsidenten. Michael Wood verteidigt George Clooneys neuen Film "The Ides of March" gegen dessen amerikanische Kritiker. Andrew O'Hagan amüsiert sich prächtig bei der Lektüre des augenzwinkernden Militärsachbuchs "The Official ARRSE Guide". Julian Bell zeigt sich sehr von den Gemälden Claude Lorrains beeindruckt, die derzeit in Oxford ausgestellt werden :
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El Pais Semanal (Spanien), 28.11.2011
Juan Diego Quesada unterhält sich mit Candido Lopez, dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters Antonio Lopez Sierra. Candido selbst überlebt heute in Madrid zwischen Notübernachtung, Suppenküche und Altkleiderausgabe; sein Vater führte u. a. am 2. März 1974 die zu trauriger Berühmtheit gelangte Exekution des Anarchisten Salvador Puig Antich aus. "Mein Vater war ein harter Hund, aber immer wenn er jemanden hinrichten musste, betrank er sich, glaub mir." Zuvor hatte der Vater - der sich auch freiwillig zur Blauen Division gemeldet hatte - zeitweilig als Straßenfeger in Deutschland gearbeitet; um die Rückreise nach Spanien nicht selbst bezahlen zu müssen, täuschte er angeblich eine Syphiliserkrankung vor. Eine reguläre "Ausbildung" zum Henker gab es offensichtlich nicht - Candidos Vater wurde von einem andalusischen Henker in die Berufsgeheimnisse eingeweiht, der Gedichte schrieb, täglich in die Messe ging und seine Opfer darum beneidete, dass sie die Schwelle zur Ewigkeit überschreiten durften. "Hättest du das Amt von deinem Vater übernommen? - Ja, und meine Hände hätten nicht gezittert. Ich war von früh auf darauf vorbereitet."
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The Economist (Großbritannien), 26.11.2011
Angela Merkel steht derzeit wegen ihrer verzagten Haltung in der Eurokrise heftig in der Kritik der ausländischen Kommentatoren: "Jetzt ist sie, neben Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, die zentrale Figur in einer Wirtschaftsvariante der Kubakrise. Man sagt von ihr, sie turtele mit dem Weltuntergang, indem sie sklavisch an den Dogmen von Deutschlands kerngesunder Währung festhält und gegenüber den Steuerzahlern katzbuckelt, die nicht verstehen können, warum der Erhalt des Euros es wert sein sollte, dafür etwas zu bezahlen."
Weitere Artikel: "Im Vergleich mit den Anti-Piraterie-Gesetzen anderer Länder ist SOPA in der Tat drakonisch", berichtet dieser Artikel über den Stop Online Piracy Act (mehr), der in den USA gerade vor dem Kongress diskutiert wird. Die "Verschwundenen" aus der Zeit der Junta-Regierung Argentiniens beschäftigen auch die Gegenwartsliteratur des Landes, wie dieser Überblicksartikel nachzeichnet. Einen Überblick über den Stand der Dinge in der offenbar recht prosperierenden islamischen Comedy bietet dieser Artikel.
Besprochen werden "IQ84", der neue Roman von Haruki Murakami, ein Buch über den Aktivist Cesar Chavez, eine Ausstellung im Van Gogh Museum Amsterdam, die dem Einfluss der frühen Fotografie auf die Malerei des 19. Jahrhunderts nachgeht, sowie ein umfassender Prachtband über chinesische Keramik (siehe auch diese Website).
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Elet es Irodalom (Ungarn), 25.11.2011
Die Ernennung der bekennenden Rechtsradikalen György Dörner und Istvan Csurka an die Spitze des Budapester Uj Szinhaz (Neues Theater) ist nach Ansicht des Theaterkritikers Tamas Koltai nur zum Teil den politischen Zuständen in Ungarn zu verdanken. Die andere Ursache ist die altbackene Auffassung der ungarischen Theaterszene (die freie Szene ausgenommen) vom "öffentlichen Theater" sowie der Opportunismus, mit dem sie sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten - offenbar aus Angst, auf dem freien Markt ihre Rolle als Wertevermittler einzubüßen - zu sehr von der Politik beeinflussen ließ (einen ähnlichen Standpunkt vertrat kürzlich auch Arpad Schilling, Gründer des unabhängigen Kretakör-Theaters, mehr dazu hier). Das künftige "Hinterland-Theater" von Dörner und Csurka sei die erste Frucht dieses Opportunismus, meint Koltai: "Man könnte sagen, dass wir es verdient haben [ein Theater an die Rechtsradikalen zu verlieren]. Zumindest tragen wir eine Mitschuld daran, dass es soweit kommen konnte. Vielleicht war diese Schmach notwendig, um endlich klar zu sehen."
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The New Yorker (USA), 05.12.2011
In einem Essay beschäftigt sich Adam Gopnik mit der erfolgreichen Fantasy-Literatur für Teenies und junge Erwachsene. Ausgehend von Tolkien erkundet er die gesamte Bandbreite des Genres, von T. H. White (Der König auf Camelot) über Christopher Paolini (Eragon) bis zu Stephenie Meyer (Twilight) und springt in munteren Vergleichen dazwischen hin und her. Ein Teil des Erfolgs beruhe darauf, dass die jungendlichen Leser die Bücher eher als Mythen denn als Geschichten läsen, der Erzählbogen mache kurioserweise den geringsten Anteil ihrer Attraktivität aus. Als zentrales und einendes Motiv sieht er folgendes: "Was bei Tolkien und seinen Nachfolgern an die Stelle der Psychologie tritt - und die Geschichten davon abhält, öde und fremd zu erscheinen - ist das, was in der Heldenliteratur der Psychologie voranging: ein überwältigender Sinn für Geschichte und damit ein Sinn für Verlust. Die permanente Beschwörung von Verlust oder schwindendem Ruhm - Numenor ist gefallen, die Elben verlassen Mittelerde - übernehmen die emotionale Aufgabe, die verwirrte Köpfe in der realistischen Literatur übernehmen. Wir wissen, dass Westernesse verloren ist, noch bevor wir wissen, was zum Teufel Westernesse überhaupt ist, und unsere Empfindung angesichts dieses Verlusts erreicht die Dimension jener, die es verloren haben."
Weiteres: James Surowiecki schreibt über die "katastrophale Sturheit" Europas und die vermeidbare Euro-Krise. George Packer porträtiert einen Arbeitslosen, der in der Occupy-Bewegung Anschluss fand. Und Anthony Lane sah im Kino "Shame" von Steve McQueen und Julia Leighs Drama "Sleepping Beauty".
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Rue89 (Frankreich), 27.11.2011
Er freue sich, wenn seine Bücher als Raubkopie im Netz stünden und auf der ganzen Welt gelesen würden, erklärt Umberto Eco in einem Interview. "Keine Technologie hat eine vorherige jemals völlig ausgelöscht: die Fotografie nicht die Malerei, das Flugzeug nicht den Zug etc. Deshalb halte ich eine Zukunft, in der Menschen auf ihrem iPad lesen, für durchaus vorstellbar. Das Überleben des Buchs dagegen hat mit seiner physischen Natur zu tun. Wenn Sie im Keller die Bücher finden, die sie mit acht Jahren gelesen haben, haben die immer noch Ihre Fingerabdrücke und Kritzeleien, die sie hineingemacht haben. Das Buch ist ein Objekt, das sie an Ihre Kindheit erinnert! Das Buch auf einem USB-Stick, das Sie im Keller finden, wird nie die gleiche Bedeutung haben."
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L'Espresso (Italien), 28.11.2011
"Paolo Lopriore, der jüngst in Alicante mit dem Premio Internacional Lo Mejor de la Gastronomia ausgezeichnet wurde, hat das Publikum mit einem Rezept begeistert, das uns an einen Klassiker der italienischen Küche erinnert: Spaghetti pomodoro e basilico", berichtet L'Espresso. Die recht überraschende Ausführung des Rezepts muss man sich auf der Website des Espresso im Video ansehen.
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Slate (USA), 28.11.2011
Sam Kean hat mit großem Vergnügen Richard Rhodes' Buch "Hedy's Folly" gelesen, das eine der schönsten - und schlechtesten - Schauspielerinnen Hollywoods als Erfinderin würdigt. Hedy Lamarr erfand zusammen mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren. Das Ziel war, Torpedos per Funkfernsteuerung zu lenken. "Am Ende war Lamarrs und Antheils System zu kompliziert für die plumpen Torpedos, die die USA während des Krieges benutzten. Lamarr beförderte die Niederlage der Deutschen weit effektiver, als sie für 25 Millionen Dollar Kriegsanleihen verkaufte." Das Frequenzsprungverfahren war lange vergessen, doch heute wird es für GPS, Wi-Fi, Mobiltelefone und Bluetooth benutzt.
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Magyar Narancs (Ungarn), 17.11.2011
Der israelische Schriftsteller Etgar Keret war einer der Hauptkoordinatoren der sozialen Massendemonstrationen der letzten Zeit in Israel. Diese Demonstrationen, sagt er im Interview, werden sich nicht sofort auf die Politik auswirken, aber sie haben schon das gesellschaftliche Gewebe verändert: "Die Politiker benutzen die Angst ums Überleben zur Rechtfertigung jedes Unrechts. Der größte Erfolg der Protestwelle besteht nicht im Erreichen konkreter Ziele, sondern darin, dass sich dieser Diskurs nun ändert. Es war fantastisch, dass Universitätsprofessoren zusammen mit ihren Studenten demonstrierten, und dass sich die Obdachlosen zu ihnen gesellten. Viele gehören in Israel starken Gemeinschaften an, aber die so genannte Mehrheit, die Säkularen, verbindet solch ein Gemeinschaftsgefühl nicht. Jetzt haben sie sich einander zugewandt und damit begonnen, miteinander zu reden. Das wird auch die Parteipolitik zur Erneuerung zwingen, weil es für einen Wahlsieg nicht mehr ausreichen wird, uns mit dem Iran Angst einzujagen."
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The Guardian (Großbritannien), 28.11.2011
In der Literatur kann man Erfolg einfach nicht voraussagen, meint Umberto Eco im Interview: "Mir hat man immer vorgeworfen, ich sei zu gebildet und philosophisch, zu schwierig. Dann schrieb ich einen Roman, der überhaupt nicht gebildet war und Alltagssprache benutzte, "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana". Von all meinen Romanen hat sich dieser am schlechtesten verkauft. Vielleicht schreibe ich für Masochisten."
Weitere Artikel: Roy Greenslade fragt Andrew Rashbass, Chef der Economist Group, warum der Economist so erfolgreich ist, während rings um ihn herum die Magazine sterben, und wie er es mit dem Internet hält. John Banville liest einen schlecht geschriebenen, aber dennoch faszinierenden Roman von Michel Schneider über Marilyn Monroes Beziehung zu ihrem Psychiater. Nicholas Wroe porträtiert John Grisham. Und Jonathan Glancey pickt sich für die Serie "Mein Lieblingsfilm" den Laurel-und-Hardy-Klassiker "Way Out West" heraus. Was wir zum Anlass nehmen, Ihnen eine der schönsten Tanzszenen der Filmgeschichte zu zeigen:
Archiv: Magazinrundschau
Liebe, Revolution und Verrat
22.05.2012. Die Tscherkessen möchten 2014 keine Olympischen Winterspiele in Sotschi: Man könnte auf den Knochen ihrer ermordeten Vorfahren Ski fahren, berichtet Newsweek. Die Italiener müssen verstehen, dass Demokratie auch ohne Spektakel eine interessante Sache ist, meint Roberto Saviano im Espresso. Museen, fürchtet die türkische Regierung, ruft der Economist. Die LRB reist nach Syrien. Der New Yorker porträtiert Fidel Castros "Nacht-und-Nebel-Mann" William Alexander Morgan. Das Smithsonian Magazine steht staunend vor dem größten Salzsee der Welt. Mehr lesen
Nur Geld wird nie müde
15.05.2012. Mark Zuckerberg hat heute Geburtstag. 28 Jahre alt wird er und noch diese Woche voraussichtlich 25 Milliarden Dollar schwer: New York Magazine und New York Times? Sind beeindruckt. Der Economist? Nicht so sehr. Le Monde diplomatique wundert sich über die griechischen Kommunisten. Die Franzosen wollen keine Frühaufsteher mehr sein, glaubt Elet es Irodalom. Sie sollten sich ein Beispiel an den Chinesen nehmen, findet Eric Hobsbawm in MicroMega. In Le Monde macht sich Driss Ksikes Sorgen über die Islamisten in Marokko. In Litauen gewinnt gerade der Mob gegen die Gerichte, erzählt Open Democracy. Al Ahram stellt ein Orchesterr für blinde Mädchen vor. Mehr lesen
Sehnsucht nach absoluter Zeitgenossenschaft
08.05.2012. Die Zukunft der Lyrik liegt im "unkreativen Schreiben", behauptet die Boston Review. Gute Übersetzer beherrschen das Handwerk des Mamporrero, behauptet El Espectador. Seit es Internet gibt, machen Bücher über Musik dem Leser mehr, dem Autor weniger Spaß, behauptet das TLS. Micromega fordert mehr Commons. In Le Monde diskutieren Edgar Morin und Francois Hollande über Multikulturalismus. Was ist in den USA mit dem Säkularismus passiert, fragt der New Humanist. Der Hollywood Reporter meint: Gar nicht so übel, dieser Kim Dotcom. Mehr lesen
Wie eine Tulpe in der Wüste
01.05.2012. Fast Company begutachtet das gemeinsame gute Werk eines verteilten Spekulanten und eines Jesuitenpaters. In Al Ahram sieht Youssef Rakha, wie die ägyptische Revolution verraten wird. In Eurozine debattieren Timothy Garton Ash, Jeremy Waldron und Kenan Malik über Redefreiheit. Der New Yorker lernt, wie man ein Iphone hypnotisiert. In Vanity Fair erzählt Jeff Daniels, warum Schauspieler auf Zack sein müssen, wenn sie Sorkin spielen. New Republic beschäftigt sich mit den vier Göttinnen der Billboard Charts. Im Merkur erklärt Beate Rössler: Junge Frauen, es gibt keine Gleichberechtigung. In Elet es Irodalom debattieren Claudio Magris und Peter Esterhazy über Provinzialität und Weltbürgertum. Die NYT sucht afghanische Dichterinnen. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Archiv: Magazinrundschau
Und sagen kein Wort
24.04.2012. Frauen könnten die Verlierer der Arabellion werden, fürchtet Mona Eltahawy in Foreign Policy. Der Reporter des Smithsonian Magazine besichtigt nackt das neue Kunstmuseum auf Tasmanien. Der Espresso lacht und weint über Roberto Benigni. In The New Republic wirft Adam Thirlwell Claude Lanzmanns Shoah-Bild Mystizismus vor. Elet es Irodalom würdigt Laszlo Földenyis intellektuelle Empfindsamkeit. In der London Review of Books porträtiert Jacqueline Rose Marilyn Monroe als Feministin. Maisonneuve erklärt am Beispiel von Schneeräumverträgen in Montreal, wie Korruption funktioniert. In Granta erzählt Julie Otsuka eine Geschichte japanischer Katalogbräute. Mehr lesen
Um die Prinzessin zu retten
17.04.2012. Amazons Preisdruck wird am Ende auch für die Kunden nicht gut sein, warnt Slate. In El Espectador überlegt Hector Abad, welche Länder besser Kolonien geblieben wären. The Atlantic porträtiert den Videospiel-Erfinder Jonathan Blow als Künstler. In Le Monde verteidigt Frederic Beigbeder den Realismus in der Literatur. Im Guardian kritisiert Ma Jian die Londoner Buchmesse für ihren Kotau vor der chinesischen Zensurbehörde. In Morning News verliert Alex Jung seine Angst vor einem nicht männlichen Kleidungsstück. Mehr lesen
Preziöser Puritanismus
10.04.2012. Reason erklärt, warum im Journalismus die Verlierer die Geschichte schreiben. Salon.eu.sk erklärt, worin sich Tschechen und Slowaken unterscheiden. In der New York Review of Books erklärt J.M. Coetzee, warum Werther sterben musste. Mehr lesen
Sun Tzu trifft John Locke
03.04.2012. Vanity Fair berichtet vom World War 3.0. Im Merkur feiert Michael Maar den Schriftsteller Wolfgang Herrndorf. In der New York Review of Books liest Neal Ascherson die Geschichte des Großen Afrikanischen Kriegs im Kongo. In Slate.fr verteidigt der spanische Regisseur Alex de la Iglesia die "Internetpiraterie". In The New Republic lernt Timothy Snyder mit Paul Prestons Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs etwas über die Selbstkolonialisierung Europas. In Frontline erklärt Shajahan Madampat: Islamismus ist auch in seiner gemäßigten Form nicht mit Demokratie vereinbar. Der New Yorker beschreibt die Nöte der Spielcasinos in Macau. Mehr lesen
Etwas wie die Frauenrechte
27.03.2012. Die Republikaner führen einen Krieg gegen die Frauen, erklärt das New York Magazine. Vielleicht, weil Frauen sich gern in aller Öffentlichkeit Pornos vorlesen, behauptet jedenfalls die Verlegerin Beatriz de Moura in El Pais Semanal. Im Guardian denkt Ian McEwan über Originalität nach. In Le Monde fragt Abdennour Bidar, ob nicht vielleicht der Islam selbst krank ist. Der Chronicle berichtet über einen Streit um Noam Chomskys Universalgrammatik. In Slate winkt Chomsky ab: Die menschliche Natur ändert sich nie. Polityka erinnert an die Aktion Reinhardt. Prospect propagiert den Post-Liberalismus. Wired steht vor dem größten Spionagezentrum der Welt. Mehr lesen
Hübsch hässlich
20.03.2012. Der New Yorker betrachtet die jolie laide von Schiaparelli und Prada. In Telerama greift Benjamin Stora nach dem Boomerang Algerien. Fürchtet euch vor chinesischem Geld, ruft Slavenka Drakulic in Eurozine den Venezianern zu. In Atlantic findet Michael J. Sandel nichts mehr, das nicht zu kaufen ist. Jonathan Steel reist für die London Review of Books durch Syrien. In The New Republic stellt Paul Berman ein Buch über liberale muslimische Denker vor. Das TLS liest eine Geschichte der Rhetorik. Mehr lesen
Die Kunst der Kalt-Akquise
13.03.2012. In Perfil erklärt der Autor Martin Kohan, warum Argentinien mit den Falklandinseln gleich weniger argentinisch wäre. In Il sole 24 ore beschreibt Armando Massarenti die Italiener als Analphabeten, die auf einem Schatz sitzen. Der Economist stellt die japanische Kunstguerillatruppe ChimPom vor. Vanity Fair lernt von der Washington Post, dass in revolutionären Zeiten Vorsicht keine Tugend ist. Polityka stellt den polnischen Bestseller der Saison vor: Danuta Walesas Autobiografie. Die New York Times reist mit Radioheads Johnny Greenwood nach Krakau. Mehr lesen
Drei Millionen an Sevcik
06.03.2012. Im Merkur flaniert Stephan Wackwitz durch Tiflis. Auch in Indien hat man in den Achtzigern schöne Stummfilme gemacht, meint Outlook India. Bloomberg Businessweek setzt sich bei den Samwars ins Kuckucksnest. Prospect amüsiert sich über Putin. Salon.eu.sk lernt, wie man slowenische Politiker besticht. In Wired erzählt George Dyson, wie der Computer entstand: aus dem Schlamm des Zweiten Weltkriegs und dem Himmel der Mathematik. Das New York Magazine porträtiert Filmlegende Mike Nichols. Mehr lesen
Frauen an der Front
28.02.2012. In Guernica beschreibt Aleksandar Hemon den Wahnsinn an bosnischen Schulen, ethnische Identität mit dem Lehrplan zu festigen. In Eurozine erklärt Klaus-Michael Bogdal, warum die Rom-Völker Verachtung und Faszination auslösen. Elet es Irodalom lobt die Hygiene-Besessenheit deutscher Journalisten. Der Economist erklärt, warum man Iran besser nicht bombardiert. Vanity Fair würdigt Kriegsreporterinnen. Die New York Times beschreibt die Carl Laemmles von Nigeria. Mehr lesen
Herz aus Bronze
21.02.2012. Einen Krieg gegen Frauenrechte diagnostiziert The New Republic in den USA. Wer nackte Frauen aufs Titelbild einer Zeitschrift bringt, soll sich nicht beschweren, wenn er im Knast landet, findet Rue89. In Elet es Irodalom erklärt die Historikerin Mirta Núñez Díaz-Balart, warum die Wunden aus der Franco-Diktatur nie verheilen konnten. In Eurozine sehen Stephen Holmes und Ivan Krastev wenig Gemeinsamkeit zwischen den Protesten in Russland und in der arabischen Welt. In der London Review of Books schäumt Edward Luttwak über eine Übersetzung: die Ilias ohne den 10. Gesang? Ohne den Helm mit den Hauern vom weißzahnigen Schwein? Unmöglich! Mehr lesen
Wir müssen noch modern werden
14.02.2012. In Letras Libras streiten Enrique Krauze und Javier Sicilia über das richtige Quäntchen Anarchismus. In Elet es Irodalom überlegt Bálint Kádár, wie Budapest vom Berlin-Image profitieren kann. In Le Monde gibt Imre Kertesz Ungarn für die Demokratie praktisch verloren. Polityka kennt die Inspiration jedes Dichters und auch Wislawa Szymborskas: Ich weiß nicht. Im Guardian umkreist Richard Sennett Montaignes Katze. Das TLS versinkt in einer Geschichte der Monster. Für Commentary ist Christopher Hitchens der Justin Bieber Richard Dreyfuss'. Mehr lesen








