Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Ich habe ein Leben

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

27.09.2011. The Morning Call berichtet von den erbarmunglsoen Arbeitsbedingungen bei Amazon. In Eurozine widerspricht Steve Sem-Sandberg dem Anspruch auf Authentizität in der Lagerliteratur. Le Monde vermisst die Linken auf der Seite der Unordnung. Telerama fährt mit der tunesischen Regisseurin Nadia El Fani Taxi. Im Espresso verteidigt Umberto Eco die italienischen Universitäten. Elet es Irodalom warnt vor dem ungarischen Volks- und Umerziehungsplan. Polityka meldet unfroh, dass junge Polen den Westeuropäern immer ähnlicher werden. Und die NY Times empfängt einen Marihuana rauchenden Dauergast mit viel Gepäck.

The Morning Call (USA), 17.09.2011

Nirgends lässt es sich so bequem und billig shoppen wie bei Amazon.com. Was den online-Handel angeht, sind sie einfach die besten. So lange man nicht in Amazons Lagern arbeiten muss. Spencer Soper hat mit zwanzig Arbeitern gesprochen, die - geködert mit der Aussicht auf eine unwahrscheinliche Festanstellung - im Sommer bei über 40 Grad Hitze erbarmungslos immer höhere Quote machen mussten. Karen Salasky, die zuvor als Kellnerin und Sekretärin gearbeitet hatte, erzählt: "An einem heißen Junitag fühlte sie sich nicht gut. Ihre Finger kribbelten und ihr Körper fühlte sich taub an. Sie ging auf die Toilette. Ein ISS-Manager kam und fragte, ob sie okay sei. Sie sagte, nein. Man brachte sie in einem Rollstuhl in einen Raum mit Aircondition, wo Sanitäter sie untersuchten, während Manager ihr Fragen stellten und Notizen machten. 'Ich war wirklich sauer und sagte: Alles worum ihr euch kümmert, sind eure Quoten, nicht das Wohlergeben der Leute', sagte sie. 'Ich habe noch nie für einen Arbeitgeber gearbeitet, der Sanitäter draußen warten hatte, die sich um Hitzeopfer kümmern sollten.'" Die Hallen werden nicht gekühlt. Kurze Zeit später wurde Salasky gefeuert. "Ich habe immer bei Amazon gekauft", sagt sie, "ich werde nie wieder bei Amazon kaufen."

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The New Republic (USA), 22.09.2011

Bild zum ArtikelSeit es E-Books gibt, ist es leichter als je zuvor, eine aktualisierte Version eines Textes zu veröffentlichen. Das gab es natürlich auch schon bei gedruckten Büchern, aber Laura Bennett erkennt einen großen Unterschied: Beim E-Book "ersetzt die revidierte Version buchstäblich den ursprünglichen Text. Einmal heruntergeladen, verdrängt in den meisten Fällen das neue E-Book den originalen Text, als hätte dieser nie existiert. Bei gedruckten Büchern kann eine zweite Fassung neben der ersten existieren, ein E-Book dagegen löscht die Aufzeichnung dessen, was davor war."

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Eurozine (Österreich), 23.09.2011

Bild zum ArtikelDürfen nur Zeitzeugen über Lager, Krieg und Vernichtung schreiben? Ist "das Zeitalter der Gulag-Literatur, die uns den Atem verschlägt" mit Levi, Schalamow und Kertesz zu Ende, wie Zeit-Redakteurin Iris Radisch in ihrer Kritik an Herta Müllers Roman "Atemschaukel" behauptete? Der schwedische Autor Steve Sem-Sandberg, dessen Roman "Die Elenden von Lodz" gerade auf Deutsch erschienen ist, widerspricht heftig: "Statt über den Krieg und dessen konkrete Opfer zu sprechen, beschäftigen wir uns schamlos mit unserem eigenen Verhältnis zu dem, was geschehen ist, oft mit flagellantischen Formulierungen wie: 'Wer bin ich denn schon...', 'Mit welchem Recht kann ich...' etc., als sei die gesamte Diskussion darüber, was den Holocaust ermöglicht hat, erst dann real greifbar, wenn sie sich auf ein uns selbst betreffendes psychologisches Problem zurückführen lässt. Darin steckt Feigheit. Wir fordern Authentizität von jeder Zeugnisnahme. Doch indem wir darauf bestehen, dass nur diejenigen, die es am eigenen Leib erlebt haben, zum Erzählen berechtigt sind, geben wir zu erkennen, dass wir im Innersten nicht berührt sind, dass eine Grenze zwischen uns und ihnen verläuft. Da jene Opfer sind, und sich somit notgedrungen außerhalb unseres eigenen Verständnishorizonts befinden, wird uns keine andere Haltung abverlangt als die des zu nichts verpflichtenden Kniefalls." (Hier noch ein Interview mit Sem-Sandberg über seinen Roman in der Welt.)


Der französische Historiker Pierre Manent erklärt im Interview mit der polnischen Zeitschrift Res Publica Nowa (von Eurozine ins Englische übersetzt), was die europäische Idee wieder beflügeln könnte: innereuropäische Emigration, und das Gefühl einer nationalen Stärke, die es erst erlaubt, europäisch zu denken. Polen sagt er dabei eine wichtige Rolle voraus.

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Telerama (Frankreich), 23.09.2011

Bild zum ArtikelPünktlich zur Rentree bekommt Frankreich seinen Plagiatsskandal und unter Verdacht steht der Literaturkritiker und journalistische Tausendsassa Joseph Mace-Scaron. Er spricht von "Leihgaben" und Intertextualität. Emmanuelle Anizon sieht darin eher gängige Praxis im Journalismus. Statt selbst zu recherchieren und zu schreiben, bedient sich jeder nach Herzenslust an einem riesigen Textbuffett aus Pressemittleiungen und Klappentexten: "Der Journalismus ist zu einer einzigen riesigen Plagiatsmaschine geworden. Das Fernsehen kopiert die Printmedien, die wiederum vom Internet abschreiben... und umgekehrt, ohne das auch nur irgendjemand wüsste, wer die eigentliche Quelle ist."


Noch vor der "Jasminrevolution" und dem Sturz des Diktators Ben Ali, brachte die tunesische Regisseurin Nadia El Fani im Sommer 2010 mit ihrer Kamera einen gewagten Vorschlag unter die Menschen - die Einführung des Laizismus. Mathilde Blottiere präsentiert den daraus entstandenen Dokumentarfilm "Laicite inch'Allah", den die Filmemacherin anhand dreier Ausschnitte kommentiert. In den kleinen alltäglichen Begegnungen, die sie dokumentiert, ohne ihre Kamera zu verstecken, setzt die Filmemacherin auf Konfrontation: "Als ich das Thema Ramadan anspreche, stelle ich fest, dass der Taxifahrer gut reagiert. Ich schalte die Kamera ein und sage ihm, dass ich Atheistin bin. In Tunesien ist das eine subversives Bekenntnis, aber als Filmemacherin bin ich zu dieser Provokation bereit. Ich bin dazu da um der Gesellschaft den Kopf zu streicheln, sondern um sie gegen den Strich zu bürsten und neue Ideen voran zu bringen."

Jeremie Couston porträtiert die britische Schauspielerin und frühere Athletin Tilda Swinton, die in ihrem kreativen Langstreckenlauf meist ihrem Instinkt gefolgt sei: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich Karriere gemacht habe, aber ich habe ein Leben."

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Le Monde (Frankreich), 24.09.2011

Bild zum ArtikelDie Linke ist nicht mehr links, klagt der Soziologe mit dem schönen Namen Geoffroy de Lagasnerie in einem lesenswerten Essay für Le Monde. Und sie verrät sich, von der gemäßigten Linken bis zur radikalen Modephilosophie a la Badiou in ihrem Antiliberalismus, den sie als Kritik des Neoliberalismus ausgibt. In Wirklichkeit versteckt sich dahinter ein Autoritarismus, meint Lagasnerie: "Demnach entwickelt sich die Logik des Marktes und des Eigeninteresses auf Kosten der Treue zur Moral, der Religion, des Staates, der Politik et cetera. Diese Führungsmächte verlieren ihre bindende Kraft. Und der verbreitete Ungehorsam soll dann zu katastrophalen Folgen führen." Lagasnerie fordert dagegen: "Wir müssen uns entschlossen auf die Seite der Unordnung, der Dissidenz und also der Emazipation stellen."

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L'Espresso (Italien), 21.09.2011

Bild zum ArtikelUmberto Eco wirft sich mächtig in die Bresche für die Universitäten, die seiner Meinug nach einer beispiellosen Diffamierungskampagne durch den Regierungschef ausgesetzt sind - Silvio Berlusconi. "Wer sehen will, wie genervt der Ministerpräsident von der Universität ist, der sollte auf www.governoberlusconi.it gehen. Dort rennt die Regierung unseres Landes vehement gegen die Unis an, immerhin eine Institution, die zumindest zum Teil direkt von der Regierung abhängt. Das ist so, als würde die Regierung die Streitkräfte attackieren ... Die Debatten um Einzelheiten der Reform von (Bildungsministerin) Maria Stelli Gelmini und um die nicht nachvollziehbaren aber trotzdem alltäglichen Angriffe Berlusconis auf die Gerichte hat uns gleichsam vergessen lassen, dass Berlusconi auch eine Schlacht gegen die Universitäten führt, ein Hort kritischen Denkens, der ihn stört. Die Kürzungen der Mittel verkrüppeln die Universitäten, und von überallher stürzen dann auch noch furchtbare Meldungen auf sie ein über Professoren, die gute Noten an jene Eleven verteilen, mit denen sie schlafen, während andere ihre Schwestern, Ehefrauen und Geliebten in die Katheder hieven. Dazu kommen dann internationale Rankings, in denen die italienischen Universitäten in Richtung Burkina Faso abstürzen."

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Elet es Irodalom (Ungarn), 23.09.2011

Bild zum ArtikelDie ungarische Regierung will das Bildungswesen umbauen und von der kommunalen in die staatliche Kompetenz übertragen. Derzeit wird ein "Erziehungsgesetz" erarbeitet, das der Bildungsexperte Janos Szüdi im Interview mit Eszter Radai als nationalen Volks- und Umerziehungsplan bezeichnet: "Das Ziel der derzeit vorangetriebenen, totalen Verstaatlichung des Bildungswesens ist, Kontrolle über der Gesellschaft zu erlangen und zu behalten. In einem verstaatlichten Bildungswesen wird allein vom Staat bestimmt, wo und welche Schulen betrieben werden können, wer unterrichten darf und wer nicht, was und aus welchem Lehrbuch unterrichtet werden muss und welche Werte und Verhaltensformen die Schulen vermitteln beziehungsweise erzwingen müssen. Dies wird aus der Ablehnung des Prinzips 'Bildung als Dienstleistung' deutlich, indem die Bildung zu einer 'öffentlich-rechtlichen' Angelegenheit erklärt wird. Dies bedeutet nämlich nichts anderes, dass es außer dem Staat niemanden etwas angeht, was in der Schule passiert."

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Magyar Narancs (Ungarn), 15.09.2011

Bild zum ArtikelNach Ansicht der Politologin Anna Unger ist die Euro-Krise keine wirtschaftliche, sondern eine politische Krise, eine Krise der Institutionen der EU: "Die Krise des Euro ist der klare, aber auch sehr teure Beweis dafür, wie viel Geld uns die Verlangsamung der europäischen Integration, der ins Stocken geratene Föderalisierungsprozess kostet... Wir müssen an die EU-Verfassung ran, einen anderen Ausweg gibt es kaum. Sie muss durch eine strenge, gemeinsame Haushaltsregulierung ergänzt werden: mit der Schaffung der gemeinsamen Rahmenbedingungen einer künftigen Finanzpolitik und mit der Kontrolle der Einhaltung dieser Regeln durch die EU selbst. Vielleicht ist das blanker Idealismus, da man von den Regierungen und den Parlamenten der Mitgliedsländer kaum erwarten kann, auf die Bestimmung der Haushaltspolitik zu verzichten, die ja in einem nicht unerheblichen Zusammenhang mit ihrer Wiederwahl steht. Doch die vor einem Jahr geäußerten Worte von EU-Kommissionspräsident Barroso sind auch heute wahr: entweder, wir schwimmen zusammen, oder wir werden einzeln - aber schnell nacheinander - untergehen."

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Polityka (Polen), 23.09.2011

Bild zum ArtikelJunge Polen werden ihren westeuropäischen Altersgenossen immer ähnlicher, meldet Wawrzyniec Smocznyksi, hier auf Deutsch, nach Leküre des Regierungsberichts "Mlodzi 2011": Sie sind individualistisch, hedonistisch - und arbeitslos. Auch in Polen ist die  Jugendarbeitslosigkeit mittlerweile doppelt so hoch wie der Durchschnitt, ein Großteil der Jungen jobbt in Zeitverträgen oder unbezahlten Praktika: "Während junge Polen immer noch die Hoffnung auf Wohlstand und Aufstieg haben, geben ihre Altersgenossen in Frankreich, Spanien und Griechenland sie allmählich auf. Über den entwickelten Ländern schwebt die Gefahr einer verlorenen Generation, der ersten seit dem Zweiten Weltkrieg, der er schlechter ergehen könnte als der vorangegangenen. Ein Vorbote der sozialen Krise sind die Unruhen mit Beteiligung von Jugendlichen, die seit einigen Jahren ausbrechen: brennende Pariser Vorstädte, Straßenschlachten im Zentrum von Athen, Massendemonstrationen in Madrid und jüngst die Ausschreitungen in London. Warschau drohen solche Szenen noch nicht, aber Polen biegt in dieselbe Sackgasse ein."

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The New York Review of Books (USA), 13.10.2011

Bild zum ArtikelBisher haben die USA nach ihren Krieges immer schnell zu ihrem gewohnten Recht zurückgefunden. Warum, fragt Mark Danner, finden sie jetzt nicht aus ihrem Ausnahmezustand heraus? "Diese Jahre, während derer im Namen der Sicherheit, einige unserer alltäglichsten Rechte und Freiheiten eingeschränkt oder außer Kraft gesetzt wurden, diese Jahre, in denen wir in einer anderen Zeit leben. Diese andere Zeiten umfasst mittlerweile zehn Jahre - in der amerikanischen Geschichte bisher die längste - und ein Ende ist nicht absehbar. Tatsächlich gehört genau die Endlosigkeit dieses Zustands - ein Merkmal, das bei seiner Verhängung besonders betont wurde - und die breite Akzeptanz dieser Endlosigkeit, die zunehmende Normalisierung des Ausnahmezustands, zu seinen besonderen Kennzeichen."


Max Rodenbeck berichtet in einer Reportage aus Libyen über die offenbar recht gute Behandlung, die Gaddafis gefangene Offiziere durch die Rebellen erfahren. Der selbst unter Gaddafi gefolterte Fathy Sherif erklärt das so: "'Genau wegen ihrer eigenen Grausamkeit werden wir ihnen einen absolut fairen Prozess machen', sagt Sherif und fügt hinzu, dass jedes Gericht sie sowieso zum Tode verurteilen wird."

Besprochen werden außerdem Pauls Hendricksons Porträt "Hemingway?s Boat" und Jonathan Rabans Buch "Driving Home". Auf George Soros' Artikel zur Eurokrise haben wir ja schon in der Feuilletonrundschau verwiesen.

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The New York Times (USA), 25.09.2011

Tom Bissell hat Neal Stephensons neuen Roman "Reamde" gelesen. Der Plot ist, wie Bissell versichert, komplett absurd und es kommen Online-Rollenspiele, eine afrikanische Waise, ein chinesischer Hacker, ein britischer Dschihadist und manches mehr darin vor. Höchst unterhaltsam und informativ findet Bissell das, manchen Schwächen zum Trotz. Am schönsten ist aber seine grundsätzliche Beschreibung des Romanciers Stephenson: "Sagen wir, Romanautoren sind wie unangekündigte Besucher. Während Norman Mailer und Saul Bellow männlich an der Tür pochen, klopfen Jonathan Franzen und Zadie Smith recht höflich... Neal Stephenson allerdings umweht ein vager Marihuana-Duft, und er hat eine Menge Koffer dabei. Vielleicht kann er ein paar wenige Tage Unterschlupf finden? Zwei Wochen später ist er immer noch da. Und du wirst ihn nicht los. Nicht, weil er unangenehm wäre, sondern weil er so interessant ist. Dann wachst du eines Morgens auf und er ist weg. Du bist ein bisschen erleichtert, aber du vermisst ihn auch. Und du wünschtest, er hätte das Zeug, das er raucht, zurückgelassen, denn alles, was einem Menschen erlaubt, sechs 1000-Seiten-Romane in zwölf Jahren zu schreiben, ist das Gesundheits- und Knastrisiko wert."


Weitere Artikel: Maureen Dowd schreibt sehr freundlich über Roger Eberts Autobiografie, Christopher Hitchens bespricht Christopher Turners Wilhelm-Reich-Buch "Adventures in the Orgasmotron". In seiner "Reading Life"-Kolumne widmet sich Geoff Dyer der Kunst des Signierens von Büchern.

Bild zum ArtikelFürs Magazine schickt Robert F. Worth eine lange Reportage aus Libyen, in dem sich die Überzeugungen nach der Niederlage Gaddafis verdächtig schnell ändern: "In allen Militärlagern, die ich besuchte, fand ich Uniformen und Stiefel der Soldaten, die sie in dem Moment von sich geworfen hatten, in dem sie ihre Sandalen und Dschellabas überstreiften und in ihre Privatwohnungen flüchteten. Sogar die Gefangenen der Rebellen, mit denen ich in den improvisierten Gefängnissen sprach, hatten ihre alte Identität aufgegeben oder sie jedenfalls modifiziert: 'Ich habe mein Gewehr kein einziges Mal abgefeuert', sagten sie. 'Ich habe es nur des Geldes wegen getan'. 'Ich habe für sie gekämpft, weil ich ihren Lügen geglaubt habe.'"

Und online ist ein ellenlanges, unbearbeitetes Interview zu lesen, in dem Nicholas Kristof versucht, Irans Präsidenten Mahmud Achmadinedschad zu konkreten Aussagen zu bewegen.

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Archiv: Magazinrundschau

Liebe, Revolution und Verrat

22.05.2012. Die Tscherkessen möchten 2014 keine Olympischen Winterspiele in Sotschi: Man könnte auf den Knochen ihrer ermordeten Vorfahren Ski fahren, berichtet Newsweek. Die Italiener müssen verstehen, dass Demokratie auch ohne Spektakel eine interessante Sache ist, meint Roberto Saviano im Espresso. Museen, fürchtet die türkische Regierung, ruft der Economist. Die LRB reist nach Syrien. Der New Yorker porträtiert Fidel Castros "Nacht-und-Nebel-Mann" William Alexander Morgan. Das Smithsonian Magazine steht staunend vor dem größten Salzsee der Welt. Mehr lesen

Nur Geld wird nie müde

15.05.2012. Mark Zuckerberg hat heute Geburtstag. 28 Jahre alt wird er und noch diese Woche voraussichtlich 25 Milliarden Dollar schwer: New York Magazine und New York Times? Sind beeindruckt. Der Economist? Nicht so sehr. Le Monde diplomatique wundert sich über die griechischen Kommunisten. Die Franzosen wollen keine Frühaufsteher mehr sein, glaubt Elet es Irodalom. Sie sollten sich ein Beispiel an den Chinesen nehmen, findet Eric Hobsbawm in MicroMega. In Le Monde macht sich Driss Ksikes Sorgen über die Islamisten in Marokko. In Litauen gewinnt gerade der Mob gegen die Gerichte, erzählt Open Democracy. Al Ahram stellt ein Orchesterr für blinde Mädchen vor.  Mehr lesen

Sehnsucht nach absoluter Zeitgenossenschaft

08.05.2012. Die Zukunft der Lyrik liegt im "unkreativen Schreiben", behauptet die Boston Review. Gute Übersetzer beherrschen das Handwerk des Mamporrero, behauptet El Espectador. Seit es Internet gibt, machen Bücher über Musik dem Leser mehr, dem Autor weniger Spaß, behauptet das TLS. Micromega fordert mehr Commons. In Le Monde diskutieren Edgar Morin und Francois Hollande über Multikulturalismus. Was ist in den USA mit dem Säkularismus passiert, fragt der New Humanist. Der Hollywood Reporter meint: Gar nicht so übel, dieser Kim Dotcom. Mehr lesen

Wie eine Tulpe in der Wüste

01.05.2012. Fast Company begutachtet das gemeinsame gute Werk eines verteilten Spekulanten und eines Jesuitenpaters. In Al Ahram sieht Youssef Rakha, wie die ägyptische Revolution verraten wird. In Eurozine debattieren Timothy Garton Ash, Jeremy Waldron und Kenan Malik über Redefreiheit. Der New Yorker lernt, wie man ein Iphone hypnotisiert. In Vanity Fair erzählt Jeff Daniels, warum Schauspieler auf Zack sein müssen, wenn sie Sorkin spielen. New Republic beschäftigt sich mit den vier Göttinnen der Billboard Charts. Im Merkur erklärt Beate Rössler: Junge Frauen, es gibt keine Gleichberechtigung. In Elet es Irodalom debattieren Claudio Magris und Peter Esterhazy über Provinzialität und Weltbürgertum. Die NYT sucht afghanische Dichterinnen. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

Und sagen kein Wort

24.04.2012. Frauen könnten die Verlierer der Arabellion werden, fürchtet Mona Eltahawy in Foreign Policy.  Der Reporter des Smithsonian Magazine besichtigt nackt das neue Kunstmuseum auf Tasmanien. Der Espresso lacht und weint über Roberto Benigni. In The New Republic wirft Adam Thirlwell Claude Lanzmanns Shoah-Bild Mystizismus vor. Elet es Irodalom würdigt Laszlo Földenyis intellektuelle Empfindsamkeit. In der London Review of Books porträtiert Jacqueline Rose Marilyn Monroe als Feministin. Maisonneuve erklärt am Beispiel von Schneeräumverträgen in Montreal, wie Korruption funktioniert. In Granta erzählt Julie Otsuka eine Geschichte japanischer Katalogbräute. Mehr lesen

Um die Prinzessin zu retten

17.04.2012. Amazons Preisdruck wird am Ende auch für die Kunden nicht gut sein, warnt Slate. In El Espectador überlegt Hector Abad, welche Länder besser Kolonien geblieben wären. The Atlantic porträtiert den Videospiel-Erfinder Jonathan Blow als Künstler. In Le Monde verteidigt Frederic Beigbeder den Realismus in der Literatur. Im Guardian kritisiert Ma Jian die Londoner Buchmesse für ihren Kotau vor der chinesischen Zensurbehörde. In Morning News verliert Alex Jung seine Angst vor einem nicht männlichen Kleidungsstück. Mehr lesen

Preziöser Puritanismus

10.04.2012. Reason erklärt, warum im Journalismus die Verlierer die Geschichte schreiben. Salon.eu.sk erklärt, worin sich Tschechen und Slowaken unterscheiden. In der New York Review of Books erklärt J.M. Coetzee, warum Werther sterben musste. Mehr lesen

Sun Tzu trifft John Locke

03.04.2012. Vanity Fair berichtet vom World War 3.0. Im Merkur feiert Michael Maar den Schriftsteller Wolfgang Herrndorf. In der New York Review of Books liest Neal Ascherson die Geschichte des Großen Afrikanischen Kriegs im Kongo. In Slate.fr verteidigt der spanische Regisseur Alex de la Iglesia die "Internetpiraterie". In The New Republic lernt Timothy Snyder mit Paul Prestons Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs etwas über die Selbstkolonialisierung Europas. In Frontline erklärt Shajahan Madampat: Islamismus ist auch in seiner gemäßigten Form nicht mit Demokratie vereinbar. Der New Yorker beschreibt die Nöte der Spielcasinos in Macau. Mehr lesen

Etwas wie die Frauenrechte

27.03.2012. Die Republikaner führen einen Krieg gegen die Frauen, erklärt das New York Magazine. Vielleicht, weil Frauen sich gern in aller Öffentlichkeit Pornos vorlesen, behauptet jedenfalls die Verlegerin Beatriz de Moura in El Pais Semanal. Im Guardian denkt Ian McEwan über Originalität nach. In Le Monde fragt Abdennour Bidar, ob nicht vielleicht der Islam selbst krank ist. Der Chronicle berichtet über einen Streit um Noam Chomskys Universalgrammatik. In Slate winkt Chomsky ab: Die menschliche Natur ändert sich nie. Polityka erinnert an die Aktion Reinhardt. Prospect propagiert den Post-Liberalismus. Wired steht vor dem größten Spionagezentrum der Welt. Mehr lesen

Hübsch hässlich

20.03.2012. Der New Yorker betrachtet die jolie laide von Schiaparelli und Prada. In Telerama greift Benjamin Stora nach dem Boomerang Algerien. Fürchtet euch vor chinesischem Geld, ruft Slavenka Drakulic in Eurozine den Venezianern zu. In Atlantic findet Michael J. Sandel nichts mehr, das nicht zu kaufen ist. Jonathan Steel reist für die London Review of Books durch Syrien. In The New Republic stellt Paul Berman ein Buch über liberale muslimische Denker vor. Das TLS liest eine Geschichte der Rhetorik. Mehr lesen

Die Kunst der Kalt-Akquise

13.03.2012. In Perfil erklärt der Autor Martin Kohan, warum Argentinien mit den Falklandinseln gleich weniger argentinisch wäre. In Il sole 24 ore beschreibt Armando Massarenti die Italiener als Analphabeten, die auf einem Schatz sitzen. Der Economist stellt die japanische Kunstguerillatruppe ChimPom vor. Vanity Fair lernt von der Washington Post, dass in revolutionären Zeiten Vorsicht keine Tugend ist. Polityka stellt den polnischen Bestseller der Saison vor: Danuta Walesas Autobiografie. Die New York Times reist mit Radioheads Johnny Greenwood nach Krakau. Mehr lesen

Drei Millionen an Sevcik

06.03.2012. Im Merkur flaniert Stephan Wackwitz durch Tiflis. Auch in Indien hat man in den Achtzigern schöne Stummfilme gemacht, meint Outlook India. Bloomberg Businessweek setzt sich bei den Samwars ins Kuckucksnest. Prospect amüsiert sich über Putin. Salon.eu.sk lernt, wie man slowenische Politiker besticht. In Wired erzählt George Dyson, wie der Computer entstand: aus dem Schlamm des Zweiten Weltkriegs und dem Himmel der Mathematik. Das New York Magazine porträtiert Filmlegende Mike Nichols. Mehr lesen

Frauen an der Front

28.02.2012. In Guernica beschreibt Aleksandar Hemon den Wahnsinn an bosnischen Schulen, ethnische Identität mit dem Lehrplan zu festigen. In Eurozine erklärt Klaus-Michael Bogdal, warum die Rom-Völker Verachtung und Faszination auslösen. Elet es Irodalom lobt die Hygiene-Besessenheit deutscher Journalisten. Der Economist erklärt, warum man Iran besser nicht bombardiert. Vanity Fair würdigt Kriegsreporterinnen. Die New York Times beschreibt die Carl Laemmles von Nigeria. Mehr lesen

Herz aus Bronze

21.02.2012. Einen Krieg gegen Frauenrechte diagnostiziert The New Republic in den USA. Wer nackte Frauen aufs Titelbild einer Zeitschrift bringt, soll sich nicht beschweren, wenn er im Knast landet, findet Rue89. In Elet es Irodalom erklärt die Historikerin Mirta Núñez Díaz-Balart, warum die Wunden aus der Franco-Diktatur nie verheilen konnten. In Eurozine sehen Stephen Holmes und Ivan Krastev wenig Gemeinsamkeit zwischen den Protesten in Russland und in der arabischen Welt. In der London Review of Books schäumt Edward Luttwak über eine Übersetzung: die Ilias ohne den 10. Gesang? Ohne den Helm mit den Hauern vom weißzahnigen Schwein? Unmöglich! Mehr lesen

Wir müssen noch modern werden

14.02.2012. In Letras Libras streiten Enrique Krauze und Javier Sicilia über das richtige Quäntchen Anarchismus. In Elet es Irodalom überlegt Bálint Kádár, wie Budapest vom Berlin-Image profitieren kann. In Le Monde gibt Imre Kertesz Ungarn für die Demokratie praktisch verloren. Polityka kennt die Inspiration jedes Dichters und auch Wislawa Szymborskas: Ich weiß nicht. Im Guardian umkreist Richard Sennett Montaignes Katze. Das TLS versinkt in einer Geschichte der Monster. Für Commentary ist Christopher Hitchens der Justin Bieber Richard Dreyfuss'. Mehr lesen

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