Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Brot, Senf und Baseballspiele

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

02.03.2010. Der New Yorker erzählt, wie schurkische Fußpfleger um ein Haar Amerikas Gesundheitssystem ruiniert hätten. In Polityka erklärt der Kapuscinski-Biograf Artur Domoslawski, wie man Kapuscinskis Reportagen lesen muss. In Tygodnik fordert Zygmunt Bauman mehr Verständnis für Kapuscinski. Chinas Führung isst grün, berichtet NZZ-Folio. Magyar Narancs erklärt, warum es richtig ist, die Leugnung des Holocaust unter Strafe zu stellen. In Le Point fragt Jorge Semprun: Ist Claude Lanzmann der einzige, der über die Shoah sprechen darf? Wired erzählt, wie Google lernte einen Hot Dog von einem poschierten Hündchen zu unterscheiden.

The New Yorker (USA), 08.03.2010

Bild zum ArtikelJeffrey Toobin widmet sich einem Verbrechertyp, der so nur im amerikanischen Gesundheitssystem denkbar ist: dem schurkischen Fußpfleger. Toobin geht in seinem Artikel den dunklen Machenschaften der New Yorker Fußpflegekette Citywide Foot Care nach, die wegen gefälschter Rechnungen (hat nur Nägel geschnitten, aber Krankenkassen die Entfernung von Hühneraugen und Warzen berechnet) ins Kreuzfeuer geraten ist. Mit Folgen, die einen Europäer doch eher fassungslos machen: Auf dieses Weise konnte ein Fußpfleger sein Einkommen binnen eines einzigen Jahres von 34.694 auf 484.493 Dollar steigern, ein anderer sitzt inzwischen in der Todeszelle, weil er einen Zeugen umgebracht hat. Glenn Gastwirth, Geschäftsführer der American Podiatric Medical Association, gibt zu bedenken: "Schwarze Schafe finden sich in jedem Berufsfeld. Die meisten Fußpfleger arbeiten hart und sind mitfühlende Individuen, die versuchen, im Leben ihrer Patienten etwas zu bewirken. Wir sagen gern, dass wir Fußpfleger Amerika auf den Beinen halten."


Weiteres: In einem ausführlichen Porträt zeichnet David Denby die Karriere und künstlerische Entwicklung von Clint Eastwood nach. Anthony Lane schreibt über Geschichte und Zukunft des 3-D-Films. Sasha Frere-Jones porträtiert den amerikanischen Sänger und Songschreiber Bill Withers. Denby bespricht Roman Polanskis "The Ghostwirter". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Ask Me If I Care" von Jennifer Egan und Lyrik von W.S. Merwin und Derek Mahon.

nach oben

Polityka (Polen), 01.03.2010

Bild zum ArtikelZum Entsetzen der Polen scheint Artur Domoslawski mit seiner Biografie die Reporterlegende Ryszard Kapuscinski ein wenig entzaubert haben. Kapuscinski hat mindestens genauso gut gedichtet wie berichtet! Im Interview mit Daniel Passent beschreibt (hier auf Deutsch) Domoslawski das Vorgehen Kapuscinskis: "In 'König der Könige' beschreitet Kapuscinski eindeutig das Gebiet der Literatur. Die Hofschranzen sprechen dort in einer barocken Sprache, und ihre Äußerungen sind gewählt literarisch konstruiert. Um diese Geschichte - und in dieser Form - schreiben zu können, las er Barockliteratur. Einer seiner Literatenfreunde meint, 'König der Könige' sei der bedeutendste polnische Roman des 20. Jahrhunderts! Daran ist etwas Wahres. Deshalb bin ich skeptisch gegenüber der Kritik von engen Spezialisten. 'König der Könige' oder 'Schah-in-schah' wie Lehrbücher der Geschichte Äthiopiens und des Irans zu lesen, ist ein Irrtum. Kapuscinski präsentiert bestimmte intellektuelle Konstruktionen, er universalisiert menschliche Verhaltensweisen und die Mechanismen gesellschaftlicher Erschütterungen. Ich ziehe es vor, dieses Buch als ein Traktat über die Macht zu lesen und nicht als eine Geschichte über den Feudalherrscher Äthiopiens."

nach oben

Tygodnik Powszechny (Polen), 28.02.2010

Bild zum ArtikelDas Kulturthema der Woche in Polen war der Streit um Artur Domoslawskis Biografie "Kapuscinski Non Fiction". Die Witwe Kapuscinskis hatte vergeblich versucht, die Veröffentlichung per Gerichtsbeschluss zu verhindern, und auch von anderer Seite, etwa dem früheren Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, kam Kritik auf, noch bevor das Buch veröffentlicht war. In Tygodnik meldet sich der Soziologe Zygmunt Bauman zu Wort, der auf die Kontroverse nicht eingeht, aber - sehr diskret - das Engagement Kapuscinskis für seine kommunistische Überzeugung thematisiert: "Wir sind alle Nutznießer dessen, was Ryszard Kapuscinski entdeckt, aufgespürt, beobachtet und uns vermacht hatte. Dank Artur Domoslawski, dem Autor der Biografie, wissen wir auch, welchen Preis dieser unermüdliche Reporter gezwungen war, zu zahlen, und welcher Bezahlung er zustimmte, um das Wissen ansammeln zu können, das er in Weisheit verwandelte. Den Preis, den er wohl am schmerzlichsten zu spüren bekam, war eine nicht enden wollende Reihe von Enttäuschungen und unerfüllter Hoffnungen, und der bittere Nachgeschmack dessen; das Gefühl der eigenen Machtlosigkeit, die Machtlosigkeit des Wortes angesichts der Übermacht des Bösen".


Außerdem ist eine Sonderbeilage dem Chopin-Jahr gewidmet.

nach oben

Literaturen (Deutschland), 01.03.2010

Bild zum ArtikelKlaus Nüchtern hat Philip Roths neuestes Opus "Demütigung" gelesen und muss feststellen, dass der Sexomane Roth mal wieder "keine Gefangenen macht": "Sollte Philip Roth je schriftliche Auskunft über sein Gesamtwerk geben wollen, der Titel 'Sexualität und Wahrscheinlichkeit' wäre ein sehr brauchbarer und ausgesprochen selbstironischer Titel. Gemessen an der Latte des eigenen Oeuvres sind Alex und Pegeen, das Paar aus 'Die Demütigung', nur mäßig auffällig... Ehrensache also, dass Roth die Schraube der Unwahrscheinlichkeit in seinem jüngsten Roman nochmal ein wenig angezogen hat: 'Dann führte er sie zum Sofa im Wohnzimmer, wo sie, unter seinem Blick heftig errötend, die Jeans auszog und zum ersten Mal seit dem College mit einem Mann schlief. Und er schlief zum ersten Mal in seinem Leben mit einer Lesbe.'"


Die Titelgeschichte ist dem Schriftsteller Mark Twain als "Erfinder des amerikanischen Romans" gewidmet. Michael Köhlmeier und Ronald Dücker schreiben über Leben und Werk des Autors im Heft - online  wird die Titel-These leider nicht weiter erläutert, stattdessen gibt es nur eine knappe Chronik und Kurzbesprechungen neuer deutscher Bücher mit Texten von Twain. Jochen Schmidt denkt über "Mein Gehen" nach. Ingo Schulze meditiert ost-westlich über das "Ankommen" und das "Beitreten". Aram Lintzel wird auf der Suche nach Lektüre fürs Handy im Netz fündig. Besprochen werden Dirk Schümers kurze Geschichte des Wanderns mit dem Titel "Zu Fuß",  Hans-Ulrich Gumbrechts Westküsten-Betrachtungen "California Graffitti", Tiqquns Theorie-Geschnetzeltes "Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens", Hörbücher für Bildungsreisende und Peter Jacksons Alice-Sebold-Verfilmung "In meinem Himmel".

nach oben

NZZ Folio (Schweiz), 01.03.2010

Bild zum ArtikelChinas Führung verzehrt ausschließlich grüne Lebensmittel, berichtet Bernhard Bartsch. Die ökologische Landwirtschaft ist zum Trend geworden. Zumindest für diejenigen, die es sich leisten können, den zwei bis dreifachen Preis für Kürbisse, Schlangengurken und Bittermelonen zu zahlen. Mit seiner riesigen Landbevölkerung hätte China beste Voraussetzungen dafür, internationales Exportland für Bioprodukte zu werden. Allerdings ist das Ansehen der chinesischen Qualitätskontrolleure nicht das beste: "Zwar verfügt auch China über Zertifikate, deren Standards zumindest auf dem Papier internationalen Vergleichen standhalten. Doch das Image der chinesischen Produktkontrolleure ist schlecht - selbst bei chinesischen Konsumenten. 'Letztlich ist man in China vor Betrug und Korruption nie sicher', sagt der Liuminying-Kunde Wang. 'Aber da ich jede Woche sehe, wie die Bauern hier arbeiten, glaube ich ihnen einfach, etwas anderes bleibt mir nicht übrig.' Ausländische Importeure können es dagegen nicht beim Vertrauen lassen und sehen sich deswegen häufig gezwungen, selbst nach europäischen Standards zu testen."


Weitere Artikel zum Thema: Bernhard Pötter erzählt, wie aus einer Handvoll Hippies der schlagkräftige "Ökomulti" Greenpeace wurde. Ute Eberle erzählt, wie die niederländische Stadt Venlo zur "C 2 C Modellstadt" ausgebaut wird - C 2 C, "cradle to cradle", bedeutet, dass kein Abfall entsteht, weil alle Materialien wiederverwendet werden. Und Marcel Hänggi erklärt den Handel mit CO2-Abgaben.

In der Duftnote feiert Luca Turin den dreiunddreißigsten Geburtstag von Yves Saint Laurents Parfüm "Opium". Nicht nur das Parfüm, auch die erste Anzeige dafür war toll: "Der Werbespruch lautete 'Pour les femmes qui s'adonnent a Yves Saint Laurent' (die sich YSL hingeben). Die Frauen in den Anzeigen, obschon vollständig bekleidet, wirkten so, als habe das große schwule Genie etwas entdeckt, was noch besser sei als Sex."

nach oben

Odra (Polen), 01.03.2010

Bild zum ArtikelDas Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe der Breslauer Monatsschrift sind Medien. In seinem (leider falsch verlinkten) Beitrag überlegt Marcin Adamczak, inwieweit Piraterie hilft, die Kulturindustrie weiterzuentwickeln. Er greift die These auf, Internetnutzer seien mittlerweile fester Bestandteil von Vermarktungsstrategien der großen Unterhaltungskonzerne. "Die große Zahl von Usern, die auf YouTube falsche oder parodistische Filmtrailer platziert, Untertitel oder Synchronstimmen austauscht, mit Photoshop Plakate verändert oder Filme in Blogs und Portalen beschreibt, wirkt - ähnlich wie Internetpiraterie - in Wahrheit im Rahmen des Systems, das von der Medienindustrie bestimmt und kontrolliert wird. Das Gejammer und die Piraterie werden von den Konzernen ausgenutzt.  (...) Wehe dem, der auf YouTube nicht parodiert wird!".


Ewa Stachniak ist in zweierlei Hinsicht eine Grenzgängerin. Die in Kanada lebende Polin überschreitet in ihren Büchern die Grenze zwischen Geschichte und Literatur und rechnet sich zudem zu den wenigen Autorinnen, die explizit eine "herstory" schreiben wollen. "Für mich ist das eine natürliche Konsequenz meines Bedürfnisses, polnische Geschichte aus meinem, also auch weiblichen Blickwinkel zu überdenken. Ich sehe Geschichte als eine Erzählung, in der wir dauernd fragen, wer wir sind. Indem wir antworten, bestimmen wir nicht nur unser Verhältnis zur Vergangenheit und ihren Einfluss auf die Gegenwart, sondern entdecken damit auch die Bedingungen und Grenzen unserer Identität. Diese Definition von Geschichte setzt die Relativität der Erfahrung voraus und ein stetes Bedürfnis nach Neuinterpretation der Vergangenheit, insbesondere aus anderen als den traditionellen Perspektiven. Und wir haben viele geerbt: aus dem Schulunterricht, universitären Vorlesungen, politischen Wirrungen, bis zu den Erzählungen unserer Eltern und Großeltern. Sie sind keine festen Werte, haben ihre Beschränkungen. Und deshalb sind sie es wert, überdacht, revidiert oder ergänzt zu werden um andere, vergessene oder übergangene Stimmen, auch von außerhalb."

nach oben

El Espectador (Kolumbien), 27.02.2010

Bild zum Artikel"Sire, es gibt noch Richter in Berlin." Hector Abad feiert einen wichtigen Sieg der kolumbianischen Zivilgesellschaft mit einem Zitat aus der preußischen Geschichte. Mit dem Sieg eines Müllers vor Gericht gegen die Baupläne Friedrichs des Großen - höchstwahrscheinlich eine wohlmeinende Erfindung - vergleicht Abad die Entscheidung der kolumbianischen Verfassungsrichter, Präsident Alvaro Uribes Bestrebungen, entgegen der Verfassung doch noch eine dritte Amtszeit zu absolvieren, eine Absage zu erteilen: "Es gibt also auch noch Richter in Bogota. Dieses Urteil bedeutet einen Sieg des Rechtstaates über den 'Meinungsstaat'. Eine momentane Mehrheit genügt also doch nicht, um die Verfassung in einem ihrer wichtigsten Punkte zu ändern. Überhaupt verdanken wir die meisten der wenigen politischen und gesellschaftlichen Fortschritte der letzten fast zwanzig Jahre dem seinerzeit neugeschaffenen Verfassungsgericht: Es verhalf den Vertriebenen zu ihrem Recht, erlaubte die Euthanasie und machte es möglich, dass viele Jahre lang in Kolumbien der persönliche Drogenkonsum straffrei war. Auch dass Frauen, die nach einer Vergewaltigung abtreiben, keine Gefängnisstrafe mehr droht, haben wir ihm zu verdanken. Es gibt also auch glückliche Momente im Leben einer Nation, in denen man spürt, dass man auf das Wachstum und die Reife des eigenen Landes vertrauen kann."

nach oben

Magyar Narancs (Ungarn), 25.02.2010

Bild zum ArtikelAn seinem letzten Arbeitstag vor den (für April angesetzten) Parlamentswahlen hat das ungarische Parlament ein Gesetz zum Verbot der Holocaust-Leugnung verabschiedet, welcher Tatbestand nun mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden kann. "Richtig. Oder vielmehr: Endlich", findet die Wochenzeitung Magyar Narancs und begrüßt auch die konkrete und explizite Beschreibung des Verbotsobjektes: "Natürlich könnte man auch die Verherrlichung weiterer Verbrechen verbieten, doch sind diese in der heutigen ungarischen Öffentlichkeit kaum präsent, der Rassenhass hingegen schon. Jenes Universum, zu dessen wichtigsten Topoi die Leugnung bzw. Relativierung des Holocausts gehört, hämmert heute bereits ans Tor des Parlaments. Wir glauben zwar nicht, dass das Verbot dem ein Ende setzen wird, aber es markiert wenigstens eine symbolische Grenze. [...] Es mag sein, dass es nur wenige offene Holocaustleugner gibt. Es mag sein, dass dieses Gesetz nie oder nur selten wird angewendet werden müssen. Wir brauchen es trotzdem. Schon um unsertwillen. Damit wir es ab und zu aus dem Schrank nehmen und es uns anschauen können. Und um uns darüber freuen zu können, dass es so etwas in unserem Land gibt, dass sich unser Staat inzwischen soweit verändert hat, dass er nicht akzeptiert, wenn der gewaltsame Tod von 600.000 seiner Bürger von den Nachfolgern der Mörder geleugnet wird."

nach oben

Le point (Frankreich), 25.02.2010

Bild zum ArtikelAus Anlass des Erscheinens des Sammelbands "Une tombe au creux des nuages" mit Vorträgen zu den Themen Europa und Erinnerung, erklärt der Schriftsteller Jorge Semprun in einem Gespräch, weshalb er das Wort Shoah nicht besonders mag: Weil dieser etwas antiquierte hebräische Ausdruck die irrationale Seite des Antisemitismus betone, auch wenn er nicht ganz so "unanständig" sei wie der Begriff Holocaust, der "willentliches Opfer" bedeute. Er bevorzuge das klare Wort "Vernichtung". Semprun äußert sich auch zur Bedeutung des Schriftstellers für die Bewahrung der Erinnerung an die Judenvernichtung und die Auseinandersetzung zwischen Yannick Haenel und Claude Lanzmann: "Warum sollten nur Historiker oder Soziologen darüber berichten? Nur der Romanautor kann die Erinnerung wieder lebendig werden lassen, indem er sich ihrer in einem fiktiven Werk bemächtigt... Ich befürworte [Haenels Buch] prinzipiell und unterstütze vor allem seine Vorgehensweise. Wenn die jungen Romanautoren sich nicht mehr der Erinnerung bemächtigen dürfen, wird sie willkürlich und feierlich. In der Literatur gibt es kein Tabu, allerdings moralische Regeln, an die sich jeder halten muss. Das heißt, dass diese Debatte ein anderes Problem aufwirft, das man irgendwann anschneiden muss: Ist Claude Lanzmann der Einzige, der das Recht hat, über die Shoah zu sprechen?"

nach oben

Wired (USA), 18.04.2010

Bild zum ArtikelSteven Levy muss in den Kommentaren zu seinem Artikel über Googles Algorithmen einiges einstecken: Zu "fan-boyish" lautet ein häufiger Vorwurf und er ist nicht ganz falsch. Trotzdem lernt man einiges: "Nehmen Sie zum Beispiel die Art, wie Googles Maschine lernt, welche Wörter Synonyme sind. 'Wir haben sehr früh eine vertrackte Sache gelernt', sagt [der Google-Programmierer Amit] Singhal. 'Menschen wechseln die Wörter in ihrer Suchanfrage. So würde jemand Hundebilder suchen und dann Welpenbilder. Das lehrte uns, das Hunde und Welpen austauschbar sind. Wir haben auch gelernt, dass wenn man Wasser kocht, es heißes Wasser ist. Wir haben von Menschen Semantik neu gelernt und das war ein großer Vorteil.' Aber es gab Hürden. Googles Synonym-System verstand, dass ein Hund gleichbedeutend mit einem Welpen ist und das kochendes Wasser heiß ist. Aber es schloss daraus auch, dass ein Hot Dog dasselbe ist wie ein kochender Welpe. Das Problem wurde 2002 durch eine Idee gelöst, die auf den Theorien des Philosophen Ludwig Wittgenstein basierte. Er hatte analysiert, wie Wörter durch ihren Zusammenhang definiert werden. Während Google Millionen von Dokumenten und Webseiten durchsuchte und archivierte, analysierte es nun, welche Wörter in der Nähe von anderen Wörtern standen. Hot Dog würde in Suchergebnissen gefunden werden, die auch Brot, Senf und Baseballspiele beinhalteten - nicht poschiertes Hündchen. Das half dem Algorithmus zu verstehen, was Hot Dog - und Millionen anderer Begriffe - bedeutet. 'Wenn Sie heute Gandhi bio eintippen, wissen wir, Bio bedeutet Biografie', sagt Singhal. 'Und wenn Sie bio warfare eintippen, bedeutet es biologisch.'"

nach oben

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Archiv: Magazinrundschau

Morbid-intimes Sentiment

07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen

Pakt des Nicht-Lesens

31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen

So roch die Welt der Männer

24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen

Ständige Verwirrung

17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

Hm, das ist komisch

10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen

Das Ohr des Präsidenten

03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen

Blicken Sie ins Dunkel

20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen

Die Treppe für Texte

13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen

Diese glühbirnenköpfige Kreatur

06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen

Lesen, aber nicht berühren

29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen

Ein veritabler Brocken

22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen

Aber man vibriert

15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen

Das Kulturerbe der Muppets

08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar NarancsMehr lesen

Die Früchte der Revolution

01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen

Warum nicht alles?

25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Magazinrundschau