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Magazinrundschau
Alle Guten sind lustig
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
02.02.2010. Alle Macht den Garagenfirmen! In Wired feiert Chris Anderson die nächste industrielle Revolution. Im Espresso erklärt Umberto Eco, warum einige Leute immer noch glauben, die Erde sei eine Scheibe. Der Boston Globe besingt sein Kamel - im Nabati-Stil. In El Pais Semanal beklagt der Soziologe Edgar Morin die Trägheit Europas. Outlook India fragt, warum die Aussies die Inder hassen. Odra und Tygodnik diskutieren immer noch den Wert der Freiheit für die Literatur. In open democracy klagt Salome Surabischwili über die welken Blüten der georgischen Rosenrevolution. In Prospect erklärt Martin Amis haargenau, was einen guten Autor ausmacht. Die NYT porträtiert einen waschechten Dschihadisten aus Alabama.
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Wired (USA), 01.02.2010
Nach den jüngsten Diskussionen über die Fast-Monopolisten im Netz - Google, Amazon, Microsoft, Apple - ist es ziemlich überraschend, wie fest Chris Anderson noch an die Idee der Garagenfirma glaubt, die den Giganten Paroli bietet - jetzt auch in der Hardware. Im Autobau zum Beispiel. Oder beim Bau von Autopilotsystemen. Andersons Artikel ist gespickt mit Links, so dass Sie seine Thesen überprüfen können. Man liest das skeptisch, aber Andersons Optimismus ist einfach umwerfend: Kleine Produktionsstätten, wie die Chinesen sie zum Beispiel anbieten, das Netz, in dem Sie diese Produktionsstätten finden, und immer billiger werdende Hardware führen zu einer neuen industriellen Revolution. Wir sind schon mittendrin, meint Anderson. Beim Mittagessen mit Mark Hatch, Manager von Techshop, denkt dieser laut "über den Bogen der Produktionsgeschichte nach. Mit dem Aufstieg der Fabriken im industriellen Zeitalter, ärgerte sich Marx, konnte ein Kaufmann die Werkzeuge für seinen Handel nicht mehr bezahlen. Die Ökonomie der Größenordnung der industriellen Produktion musterte das Individuum aus. Die Vorteile dieser Industrialisierung waren niedrigere Preise und bessere Qualität, aber der Preis dafür war Einförmigkeit. Kombiniert mit riesigen Verkäufern wurde der Markt immer mehr dominiert von den Früchten der Massenproduktion: Waren, die für jedermann entworfen waren, mit dem Resultat beschränkter Vielfältigkeit und Wahlmöglichkeiten. Aber heute werden diese Produktionswerkzeuge so billig, dass sie wieder im Bereich von Individuen liegen. Moderne Fräsmaschinen, die früher 150.000 Euro kosteten gibt es jetzt zum Preis von fast 4.000 Euro, dank chinesischer Kopien. Jedermanns Garage ist eine potentielle Hightechfabrik. Marx wäre entzückt."
Außerdem: Yudhijit Bhattacharjee erzählt, wie ein Spion, der nur mit Mühe Lesen und Schreiben gelernt hatte, die schlauesten Kryptografen der USA vor ein Rätsel stellte.
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L'Espresso (Italien), 29.01.2010
Umberto Eco liebt Gottes großen Zoo. Am meisten die exotischen, etwas schrägen Exemplare. Zum Beispiel jene Gruppe von Besserwissern, die sich auch lange nach Kopernikus nicht mit der Erde als Kugel und der Sonne als Zentrum abfinden wollen. "Wer die kopernikanische These bis zum Ende des 17. Jahrhunderts ablehnte, war in guter Gesellschaft, oft Seite an Seite mit renommierten Gelehrten. Die meisten Abhandlungen erschienen aber erst im 19. und 20. Jahrhundert und sind außerordentlich interessant. Da gibt es etwa den Abt Matalene, der im Jahr 1842 nachwies, dass die Sonne einen Durchmesser von 32 Zentimetern besitzt (das hat im übrigen schon Epikur behauptet, nur 22 Jahrhunderte früher), oder Victor Marcucci, für den die Erde flach war, und zwar mit Korsika in der Mitte (...) Im Jahr 1956 gründete ein Mitglied der Royal Astronomical Society, Samuel Shenton, die Flat Earth Society (die immerhin einen Twitter-Account hat). In den Sechzigern hatte die Nasa Bilder mit der Ansicht der Erde vom Weltraum aus veröffentlicht und nun konnte keiner mehr behaupten, sie sei nicht rund. Doch Shenton meinte, dass diese Bilder nur den Laien täuschen könnten: Das gesamte Weltraumprogramm sei eine Montage, und die Mondlandung ein cineastisches Kabinettstückchen, das die Öffentlichkeit dazu bringen soll, an eine runde Erde zu glauben." Shentons Nachfolger, Charles Kenneth Johnson, glaubte, "dass im Falle einer runden Erde ja eine größere Wasseransammlung auch gebogen sein müsste. Er aber habe die Oberflächen des Lake Tahoe und der Salton Sea überprüft und nicht die Spur einer Krümmung entdeckt."
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The Boston Globe (USA), 31.01.2010
Chris Wright, der zur Zeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebt, nimmt an einem Wettbewerb für Gedichte über das Kamel statt. Er rechnet sich allerdings wenig Chancen aus, den als ersten Preis ausgelobten Range Rover zu gewinnen: Das Gedicht muss nämlich im Nabati-Stil verfasst sein. Nabati ist derzeit, nicht zuletzt durch die Nabati-Talent-Show "Million's Poet" ungeheuer populär. Auch die Regierung, schreibt Wright, unterstützt es finanzkräftig, weil Nabati für eine arabische Kultur steht, die viele in den modernen Emiraten vermissen. Es ist eine uralte Tradition, aber dem Breakdance ähnlicher als dem Menuett. "Es soll locker und spontan sein, in einer alltäglichen Sprache vorgetragen, gewöhnliche Dinge ansprechend. Die Regeln sind verhandelbar: Wenn es sich beim Verspeisen einer Platte al Haree gut anhört, hat man einen Treffer gelandet. Und während Nabati-Themen zwar gelegentlich zum Lyrischen tendieren - Si'dun Al Wajis 'Mein Herz ist entflammt von Ängsten' fällt einem ein - ist es doch genauso gut möglich, ein Gedicht darüber zu hören, wessen Ziegen auf wessen Territorium herumgestreunt sind. 'Nabati', sagt Ghassan Al Hassan, ein Nabati-Forscher und Jurymitglied bei 'Million's Poet', spricht die Sprache der einfachen Leute.'"
Hier ein kurzer Bericht über den Wettbewerb von Gulf News TV bei Youtube. Frauen dürfen übrigens auch mitmachen:
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El Pais Semanal (Spanien), 31.01.2010
"Europa liegt im Tiefschlaf", meint der 88-jährige französische Soziologe Edgar Morin (s. a. hier) kurz vor seinem Aufbruch zu einem Brasilien-Besuch im Interview: "Es gibt einen auffälligen Unterschied zwischen der Vitalität mehrerer lateinamerikanischer Länder und dem, was zur Zeit in Europa los ist. Dort scheint es eine große Bereitschaft zu geben, die Probleme zu benennen, ja, sich an ihre Lösung zu machen, hier dagegen hat man den Eindruck einer allgemeinen Lähmung und Lethargie. Es gibt eine große Angst vor der Zukunft. Wenn dann wie hier in Europa die Gegenwart zur einzigen Zukunft wird, dann wird diese Gegenwart als bloße Gefahr erlebt und es kommt zum Rückgriff auf die Vergangenheit, die religiöse Identität, die Vorstellung, Europa sei Eigentum der Christen - aber die Demokratie ist keine christliche Erfindung, sie stammt von den Griechen ab, Wissenschaft und Technik sind nicht christlich, das moderne Europa ist nicht christlich, und den Laizismus gibt es auch in anderen Zivilisationen."
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The New Yorker (USA), 08.02.2010
Als "Pathfinder" porträtiert John Lahr den Dramatiker und Schauspieler Sam Shepard, dessen jüngstes Stück "Ages of Moon" derzeit die Atlantic Theatre Company spielt. Über seine Anfangszeit, als er mit 19 Jahren nach New York kam, erfahren wir: "'Es war absolutes Glück, dass ich zufällig genau hinkam, als diese ganze Off-Off Broadway-Chose anfing.' Shepard war von der Farm seines Vaters in Kalifornien geflüchtet und acht Monate lang als Schauspieler mit einer christlichen Theatergruppe, den Bishop's Company Repertory Players, im Bus durchs Land getingelt. Schauspielen war seine Fahrkarte; beim Vorsprechen vor der Bishop's Company war er so nervös, dass er die Regieanweisungen vortrug ... Sobald er sich in Manhattan niedergelassen hatte - 'Man kam sich vor wie ein Kind im Vergnügungspark? - trieb er sich in der Stadt herum und versuchte sich als ,Schauspieler, Schriftsteller, Musiker, was sich so ergab'. Er hatte keine Beziehungen, kein Geld (er spendete Blut, um sich einen Cheeseburger leisten zu können) und nichts, worauf er zurückgreifen konnte, als sein schlaksiges, wortkarges Western-Charisma."
Weiteres: Adam Gopnik, Lillian Ross und John Seabrook erinnern sich an J.D. Salinger (hier vier Fotos des Schriftstellers aus den Sechzigern aus Ross? Privatsammlung). In einem Brief aus Haiti schildert Jon Lee Anderson die unermüdliche Arbeit einer Frau, die für ihre Nachbarschaft sorgt. Paul Goldberger besichtigt den Burj Khalifa in Dubai. Anthony Lane sah im Kino den Thriller "Edge of Darkness" von Martin Campbell mit Mel Gibson und den Filmklassiker "The Red Shoes" von Michael Powell und Emeric Pressburger Zu lesen ist außerdem die Erzählung "William Burns" von Roberto Bolano und Lyrik von Mark Doty und Jane Hirshfeld.
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Elet es Irodalom (Ungarn), 22.01.2010
Auf der Korruptions-Rangliste von Transparency International liegt Ungarn meistens um den 40. Platz, ganz unabhängig von der politischen Färbung der jeweiligen Regierung. Das bedeutet auch, dass das Land von besonders schwerwiegenden Fällen der Korruption (mit Verwicklung eines amtierenden Ministerpräsidenten wie in Kroatien oder Verstrickung führender Politiker mit der Mafia wie in Bulgarien oder der Verquickung von Sex und Geld wie in Nordirland) bislang verschont geblieben ist. Was dem Journalisten Ivan Lipovecz bei den großen europäischen Korruptionsgeschichten jedoch auffällt, ist, dass sie zumeist von der Presse entdeckt und aufgeklärt werden - und nicht vom politischen Rivalen. Das wünscht sich Lipovecz - angesichts der Ankündigung der ungarischen Opposition, nach den Wahlen ordentlich "aufzuräumen" - auch für sein eigenes Land: "Das hätten wir auch hierzulande nötig: Anstatt dass nämlich die rivalisierenden politischen Kräfte sich gegenseitig den Inhalt des Nachttopfs auf den Kopf des jeweils anderen kippen (während sie einen schützenden Helm über den eigenen stülpen), sollte vielmehr die Presse die nötige Zivilcourage und berufliche Ambitionen an den Tag legen und ähnliche Fälle aufklären."
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Outlook India (Indien), 08.02.2010
"Warum hassen uns die Aussies?" fragt Outlook im Titel und wirft in mehreren Artikeln einen Blick auf die Serie von Gewalttaten gegen indische Studenten in Australien, was dort auch "curry bashing" genannt wird. Diese Studenten, die oftmals in den ärmlichen Vierteln der Stadt wohnen und in Nachtschichten arbeiten, gelten als leichte Ziele. Aber John Brumby (Labour), Ministerpräsident des Staates Victoria, wo es in den Jahren 2007/08 1.447 gewalttätige Übergriffe gegen Inder gab, sagt im Interview, dass einige, aber nicht alle dieser Vorfälle rassistisch motiviert seien. "Raubüberfälle sind die einzigen Straftaten, bei denen Inder als Opfer überrepräsentiert sind."
Aber "die links-liberalen Parteien glauben, dass die Angriffe gegen Inder, oder zumindest einige von ihnen, einen rassistischen Hintergrund haben", schreibt Pranay Sharma und fügt hinzu: "In Australien gibt es so etwas wie 'unterdrückten Rassismus', der bei der kleinsten Provokation, unter Alkoholeinfluss oder einfach grundlos beim Anblick eines Inders ausbrechen kann."
Als laut New York Times neue Studien über aufhellende Hautcremes zeigten, dass viele dieser Cremes nicht nur Quecksilber, sondern auch Steroide enthalten, hob sich kaum eine Augenbraue. In der Tat hat der "Aufhellungs-Markt" in Indien eine jährliche Wachstumsrate von 20 bis 25 Prozent zu verzeichnen. Shefalee Vasudev fragt angesichts dieser alarmierenden Tendenz: "Warum sind Bollywoodstars, die sich als global-lokale Botschafter verstehen, bereit, für Produkte zu werben, von deren Sicherheit sie nicht hundertprozentig überzeugt sind? Katrina Kaif, die von Natur aus hellhäutig ist, verkauft 'Olay's Natural White' (youtube). Preity Zinta, eine weitere von Natur aus hellhäutige Frau, war vor nicht allzu langer Zeit das Gesicht von 'Fem's Herbal Bleach'. 'Es ist kein Bleichmittel, es ist ein Durchbruch', hieß es in der Werbeanzeige. Wow! Sonam Kapoor verkauft L'Oreals 'White Perfect' (youtube) und Deepika Padukone Neutrogenas 'Fine Fairness'-Serie (youtube)." Andere Firmen, die Aufheller anbieten sind: Ponds (Whitening Creme), Nivea (Withening range for the asian man), Estee Lauder (Cyber White Ex), Chanel (White Essentiel Precision) und Dior (Prestige White). Und was ist eigentlich in Bräunungsmitteln?
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Merkur (Deutschland), 01.02.2010
James Bowman, langjähriger Filmkritiker der New York Sun und inzwischen bekennender Griesgram beklagt noch einmal den Verlust der Wirklichkeit im Kino, das mit seinen Fantasy-Produktionen nurmehr Kinder und Zyniker bediene. "Die Redakteure stimmten entweder mit mir überein oder tolerierten meine immer verschrobenere kritische Haltung. Schließlich aber, gegen Ende des Jahres 2007, reichte ich eine Filmkritik dieser Art ein, bei der einem neuen, jüngeren Redakteur der Geduldsfaden riss: 'Natürlich ist es Fake', schrieb er mir offensichtlich verärgert, 'es ist ein Film!'. Er dachte vielleicht, dass ich dachte, dieser Film oder jener Film sei oder sollte eine genaue fotografische Aufzeichnung von Ereignissen sein, die sich auf dieser Welt, die wir immer öfter als real zu bezeichnen genötigt sind, tatsächlich zugetragen hatten, aber ich bezweifle es. Es ist wahrscheinlicher, dass er einfach festgestellt hatte, dass die Aussage, ein Film oder irgendein anderes offenkundig zur darstellenden Kunst gehöriges Werk weise keine Ähnlichkeit zur Realität auf , keine legitime kritische Reaktion mehr darstellt." (Hier das Original aus The New Atlantis)
Weiteres: Karl Otto Hondrich erzählt von Charly, seinem schlauen Hund, und Tiger, der kranken Katze: "Der Mensch schaut auf sein Tier. Es rührt ihn, wie gut er es kennt und wie ähnlich es ihm ist." In der Ökologiekolumne beschreibt Hansjörg Küster die Dynamik der Natur. Christian Caryl schwärmt von den Pixar-Studios. Und Jürgen Kocka widmet sich in der Geschichtskolumne der Kapitalismusforschung.
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Prospect (Großbritannien), 01.02.2010
Martin Amis, ein mit einem nicht jedermann verständlichen Selbstbewusstsein gesegneter Autor, erklärt im Interview, dass ihm Literatur, die kein Vergnügen bereitet, gestohlen bleiben kann: "Also Coetzee, zum Beispiel. Sein ganzer Stil ist darauf ausgerichtet, dem Leser absolut keinen Spaß zu bereiten.... Ich habe eines seiner Bücher gelesen und wusste gleich, der hat kein Talent. Die Verweigerung des Lustprinzips hat viele Anhänger. Aber ich bin ganz dem Vergnügen verpflichtet... Wenn mir etwas keine Lust bereitet, dann interessiert es mich nicht. Ich meine, schauen Sie sich doch um: Dickens, George Eliot, Jane Austen, Smollet, Fielding, die sind alle lustig. Alle Guten sind lustig. Richardson nicht - und er taugt auch nichts. Dostojewski ist lustig: Der Doppelgänger, das ist zum Brüllen. Tolstoi ist lustig, weil er einfach so wunderbar wahr und rein ist. Gogol, lustig. Flaubert, lustig. Dickens. Alle Guten sind lustig."
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Odra (Polen), 01.02.2010
Was nützt Literatur in einem Land, in dem sechzig Prozent der Menschen angeben, nichts zu lesen? Der Dichter und Literaturkritiker Jaroslaw Klejnocki (hier ein älterer Artikel auf Deutsch) gibt sich realistisch: "Die formierende Rolle der Literatur ist für die Jugend von heute kein Thema mehr. Die Konsequenzen werden in fünfzehn Jahren zu Tage treten, wenn diese Generation das Steuer übernimmt. Lesen kann wieder zum elitären Zeitvertreib werden, wie vor einigen hundert Jahren. Ich weiß nicht, wie das die Poesie beeinflussen wird, aber wenn die Gesellschaft endlich das anvisierte materielle Niveau erreicht, werden die Menschen vielleicht etwas vermissen, und vielleicht wird der eine oder andere die Zeit finden, um etwas zu lesen. Es ist aber aussichtslos darauf zu hoffen, dass Poesie in Polen massenhaft gelesen wird. Dichter wurden in diesem Land nie gelesen, sie werden jetzt nicht gelesen, und werden es auch in Zukunft nicht." In dieser Situation käme es darauf an, die Qualität der Sprache zu pflegen, statt um die Gunst der Massen zu buhlen, so Klejnocki.
Ein ganzer Textblock ist Berlin heute gewidmet, unter anderem als Nachgang zum künstlerischen Teil der Ausstellung "Wir, Berliner!" und zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Thematisch schließt Bartek Konopkas Dokumentarfilm "Mauer Hase" (der polnische Titel heißt wortwörtlich übersetzt: "Kaninchen a la berlinois") an, der auch für den Oscar nominiert wurde. Bei Youtube kann man ihn in mehreren Teilen sehen. "Mauer Hase" und Izabela Plucinskas Animationsfilm "Esterhazy" zeigen eine ungewöhnliche doppelte Außenseiterperspektive, schreibt Marta Brzezinska. "Das deutsche Kino sucht nach einer Formel, um die jüngste Geschichte zu erzählen. Noch schafft man es nicht, einen distanzierten Blick darauf zu werfen, die Kaninchenperspektive einzunehmen". Diesen Versuch haben nun zwei junge Polen unternommen.
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Tygodnik Powszechny (Polen), 31.01.2010
Fortgesetzt wird die Debatte über Nutzen und Nachteil der Freiheit für polnische Schriftsteller nach 1989. Für Dariusz Nowacki haben die meisten den Übergang in die neue Zeit besser gemeistert als manchmal behauptet wird. Auch die negativen Folgen der Kommerzialisierung hielten sich auch in Grenzen. "Nach 1989 haben es die Dichter am besten verstanden, die Freiheit auszunutzen. Die Kraft der Poesie liegt darin, dass sie jenseits von Experten- und Genießerkreisen über keinerlei gesellschaftlichen Einfluss verfügt. Sie ist somit frei von Macht. Im Gegensatz zur Prosa, ist die Dichtung nicht verwickelt in Markt und Medien, unterliegt keinerlei Politisierung und Ideologisierung." Während das soziale Engagement von Prosawerken sich meistens negativ auf die literarische Qualität auswirkt, arbeiten Dichter an kreativen Gegendiskursen. Nur, dass es kaum jemand wahrnimmt, resümiert Nowacki.
Der Krakauer Philosophieprofessor Jan Hartmann sieht den aufgeklärten Menschen an einem tragischen Punkt angekommen - vor lauter Kultur und Rationalität ist ihm die religiöse Bindung abhanden gekommen. "In unserer modernen Welt kam es zu einer Katastrophe von galaktischen Ausmaßen, aber es wird weder Sühne noch Vergebung geben. Denn Gott ist tot. Es ist etwas Schreckliches passiert, aber nur Verrückte und Visionäre erfassen das Grauen dieses Ereignisses - der Glaube hat uns verlassen, es wird keine Religion mehr geben. Wie kam es dazu? Wir haben einfach erkannt, dass es lächerlich wäre, an einer Offenbarung und an einem Gott festzuhalten, da es so viele andere Götter und Offenbarungen gibt. Der Mensch aber, frei und rational, hat den Punkt erreicht, wo er seiner Einsamkeit auf dem Gipfel der Natur entgegen blicken kann".
Außerdem: W.G. Sebalds "Schwindel. Gefühle" und "Die Ausgewanderten" sind in polnischer Übersetzung wieder aufgelegt worden und "Die Ringe des Satrun" neu erschienen, was Grzegorz Jankowicz sehr freut. Im Krakauer "Kunst-Bunker" werden die Jahre 1985-1995 in der polnischen Video-Kunst als "Verstecktes Jahrzehnt" gefeiert, was Agnieszka Sabor quer zur politischen Periodisierung lesen will: "Die Zäsur 1985-1995 richtet die Aufmerksamkeit auf eine riesige Veränderung, die damals stattgefunden hat. Sie betraf nicht nur die Wirtschaft oder Technologie, sondern vor allem die Identität. Die in diesen Jahren entstandene Kunst hat diese Veränderungen nicht nur festgehalten, sie hat sie mit provoziert." Als jene Veränderung wird vor allem die Neuverhandlung des Verhältnisses von öffentlich und privat anerkannt.
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The Walrus Magazine (Kanada), 01.03.2010
Nav Purewal liest in einem interessanten Essay mehrere Romane von Immigranten, die sich mit der Situation in Kanada auseinandersetzen. Die Unterschiede zwischen dem englisch- und dem französischsprachigen Kanada exemplifiziert Purewal unter anderem an dem Roman "Cockroach" (Auszug) des aus dem Libanon stammenden Autors Rawi Hage, der im Quebec spielt: "Quebec leidet in gewisser Hinsicht unter den genau umgekehrten Problemen von Toronto. Während Toronto eine klar definierte Kultur fehlt, an die Immigranten Anschluss finden könnten, hält Quebec krampfhaft an einer immer weniger haltbaren homogenen Identität fest. Es ist sozusagen die größte ethnische Enklave des Landes, und seine unermüdlichen Anstrengungen, seine einzigartige Kultur zu erhalten, können eine Fremdenfeindlichkeit hervor bringen, die in weniger verknöcherten Kulturen so nicht möglich wäre."
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Salon.eu.sk (Slowakei), 27.01.2010
Martin Simecka denkt über Korruption in den postkommunistischen Ländern nach und findet einige Vergleichpunkte zum Regime der Geheimdienste unter den Kommunisten: "Die Geheimdienste und ihre Agenten funktionierten nach dem gleichen Prinzip von Mitwisserschaft und Komplizentum, von engen Verbindungen und Mauern des Schweigens. Sogar die Motive, die die Leute in diese geschlossene Welt treiben, ähneln sich, von der Lust auf Besitz bis hin zu Verzweiflung, etwa wenn Du Deiner Mutter helfen willst und bereit bist, dem Doktor alles dafür zu geben, so wie einst viele Leute eine IM-Erklärung unterzeichneten, weil sie hofften, ihre Familien zu schützen."
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openDemocracy (Großbritannien), 29.01.2010
Die ehemalige georgische Außenministerin Salome Surabischwili klagt über die "welken Blüten der georgischen Rosenrevolution". Sie gibt dem Präsidenten Michail Saakaschwili die Hauptschuld daran, dass Georgien wieder in Armut und Korruption versinkt und verflucht den Tag seiner Wiederwahl vor drei Jahren: "Michail Saakaschwili hat die taktische Skrupellosigkeit seiner Wahlkämpfe zum Prinzip seiner Machtausübung erhoben. Es ist, als wäre er im Amt nicht erwachsen geworden, als wäre er unfähig, dass abweichende Stimmen und Verantwortlichkeit eine Regierung überhaupt nur aufrechterhalten. Das Ergebnis ist ein Land, in dem Geschichte rückwärts zu laufen scheint. Wir sind keine Diktatur, aber die Tendenz ist klar."
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Le Nouvel Observateur (Frankreich), 28.01.2010
In einem Streitgespräch unterhalten sich Bernard-Henri Levy und der slowenische Philosoph Slavoj Zizek über die Zukunft der Linken und die Rückkehr der kommunistischen Idee. Der "nouveau philosophe" Levy zeigt sich "entsetzt" über diese "Wiedererweckung einer Leiche" und erzählt: "In einem Gespräch im Nouvel Observateur hat Michel Foucault Folgendes zu mir gesagt: 'Die Frage der vergangenen Jahrhunderte lautet: Ist die Revolution möglich? Die Frage des modernen Zeitalters lautet: Ist die Revolution wünschenswert?' Ich antworte darauf genau wie er mit Nein." Der Marxist Zizek hält "in aller Bescheidenheit" dagegen, dass der Kommunismus unabhängig von seinen "Einfältigkeiten" eine Antwort auf die "katastrophalen Antagonismen des gegenwärtigen Kapitalismus" wie globale Umweltzerstörung, Segregation oder Biotechnologie sein könne: "Diese Privatisierung, ja diese Zerstörung von allem, was uns gemeinsam ist, dieser Erpressungsversuch selbst der Substanz unserer physischen und sozialen Existenz, all das ruft zwangsweise den Wunsch hervor, neue Formen kollektiver Entscheidungen auftauchen zu sehen. Sie weder der Zukunft, noch dem Markt, noch dem Staat zu überlassen - das ist für mich Kommunismus."
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The Times Literary Supplement (Großbritannien), 26.01.2010
Zum Holocaustgedenktag druckt das TLS eine redigierte Fassung von Will Selfs Vorlesung über W.G. Sebald: "Sebald lesen bedeutet, mit der europäischen Geschichte konfrontiert zu werden. Nicht mit der Geschichte als ideologisch determiniertem diachronischen Phänomen - wie es von den Hegelianern und Spenglerianern vorgeschlagen wurde - und auch nicht als synchronisches Phänomen, das zum Onjekt baudrillardscher postmoderner Analyse werden kann. Für Sebald ist Geschichte statt dessen ein Palimpsest, dessen Bedeutung nur geahnt werden kann, indem man hier ein wenig wegradiert, dort ein wenig hinzufügt und dann - am wichtigsten - einen Schritt zurücktritt, um einen synoptischen Blick tun zu können, der in seinem Wesen suspekt bleibt. Ich glaube es ist dieser verführerische Überblick - den Sebald uns immer wieder in Erinnerung ruft mit seinen Schriften über die Arbeiten niederländischer Landschaftsmaler und englischer Aquarellisten - der zum Teil unsere Bereitschaft erklärt, Sebald eine spezifisch moralische Vorrangstellung und damit implizit eine Geschichtsschreibung zuzuschreiben, was er ausdrücklich abgelehnt hat. Für die englischsprachige Welt - und vor allem die Engländer - ist Sebald der ersehnte 'gute Deutsche'; er ist alles, was Speer sein wollte, aber nie sein konnte."
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Al Ahram Weekly (Ägypten), 01.02.2010
Mohamed Abdel-Baky resümiert kurz den Streit um den Niqab, den das Gesicht bedeckenden Schleier, in Ägypten. So hat das oberste Verwaltungsgericht entschieden, dass Universitäten den Studentinnen den Niqab auch während der Examen nicht verbieten dürfen. "In einem sechseitigen Urteil erklärt das Gericht, dass 'das Verbot, den Niqab zu tragen, keine legale Basis hat und die persönlichen Freiheiten verletzt, die die Verfassung garantiert'." Andererseits hatte im Oktober Sheikh Mohamed Sayed Tantawi, der Großimam von Al Azhar, den Niqab vom Campus der Universität von Al Azhar, den Klassenzimmern und Schlafsälen verbannt. "Tantawis Vorgehen wurde von Statements begleitet, wonach der Niqab 'aus Sicherheitsgründen' nicht länger in den Frauenwohnheimen getragen werden dürfe."
Zur Buchmesse in Kairo bringt Gamal Nkrumah dem Ehrengast Russland ein Ständchen. Injy El-Kashef erzählt von ihrem Auftritt bei Oprah Winfrey, wo sie über ägyptische Frauen, Heirat, Scheidung und den Schleier sprach. Nehad Selaiha war bei einer Theateraufführung die Samuel Johnsons Klage, sogar ein schlechter Text könne Vorlage für eine erfolgreiche Theatervorstellung sein, als richtig erwies - wenn vielleicht auch nicht ganz in dem Sinne wie Johnson das meinte.
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The Nation (USA), 15.02.2010
Im dritten Teil seiner Memoiren, "Summertime", lässt J.M. Coetzee seinen Biografen Interviews mit fünf Menschen führen, die den Autor aus früheren Jahren kannten, darunter zwei einstige Liebhaberinnen. Joanna Scott hat mit diesem Buch tiefere Einblicke in das Denken eines Schriftstellers erhalten, als sie jemals zu hoffen wagte, wie sie erklärt: "Aber was erfahren wir am Ende über diesen Schriftsteller? Wir erfahren, dass er mit Gleichgüligkeit, Verachtung und Verwirrung von eben den Frauen betrachtet wurde, von denen er sich erhofft hatte, sie würden ihn inspirieren. Er kann nicht sagen, wann sie genug von ihm hatten. Sie können sein Genie nicht erkennen."
Mit Interesse, aber ohne rechte Überzeugung hat Alice Kaplan die Biografie des Literaturkritikers Ramon Fernandez gelesen, der sich 1936 dem faschistischen Parti Populaire von Jacques Doriot anschloss und einer der eifrigsten Kollaborateure mit den Nazis in Frankreichs wurde. Geschrieben hat sie sein Sohn, der inzwischen 80-jährige Schriftsteller Dominique Fernandez, der ausführlich beschreibe, wie sehr sein Vater Hitler, Goebbels und den ebenfalls "brutal antisemitischen" Doriot bewunderte, aber auch etliche Anekdoten aufführt, die seinen Vater entschuldigen sollen. "Es ist schwer, eine Familiengeschichte gegen eine literarische Lektüre aufzuwiegen, und Literatur gegen die Archive. Für Historiker sind sie nicht gleich. Für den Sohn existieren sie nebeneinander, Fußnoten des Herzens."
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Polityka (Polen), 01.02.2010
Wer sich für die polnische Radiolandschaft interessiert, erhält von Joanna Solska eine gute Einführung (hier auf Deutsch). Nach der Wende gründeten vor allem aus Frankreich zurückgekehrte Journalisten neue private Sender wie Radio FM und Radio Zet, während die Staatssender noch nicht einmal live sendeten: "Um einen Rundfunksender zu gründen, reichte es aus, ein altes Sendegerät zu besitzen, das man für den Preis eines altersschwachen Maluchs erwerben konnte. Stanislaw Tyczynski, der Gründer von Radio Malopolska FUN, des späteren RMF FM, hatte einige Jahre in Frankreich gelebt, von wo er 5.000 Dollar und zwei Computer mitbrachte."
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The New York Times (USA), 31.01.2010
Omar Hammami aus Daphne, Alabama, ist heute einer der Hauptterroristen in Somalia. Kriegsname: Abu Mansoor Al-Amriki. Andrea Elliott erzählt in einer unendlich geduldigen und detailreichen Reportage seine Geschichte: "Trotz des Namens, den er von seinem Vater hat - einem syrischen Einwanderer - war Hammami mindestens so alabamisch wie seine Mutter, eine warmherzige, offene Frau, die immer mal wieder Kosenamen und wie 'Darlin' und 'Sugar' in ihre Unterhaltung einstreut. Erzogen wurde Omar als Südstaatenbaptist. Er ging ins Bibellager und sang zu Weihnachten "Away in a Manger". Als Teenager schwankten seine Leidenschaften zwischen Shakespeare und Kurt Cobain, Fußball und Nintendo. In seiner Pubertät war er ein furchtloser, rebellischer Teenager mit rauem Humor. 'Es war cool mit ihm zusammen zu sein', sagt Trey Gunter, der seinerzeit sein bester Freund war. 'Man wusste gleich, dass er ein geborener Anführer war.'"
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Morbid-intimes Sentiment
07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen
Pakt des Nicht-Lesens
31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen
So roch die Welt der Männer
24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen
Ständige Verwirrung
17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen
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Hm, das ist komisch
10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen
Das Ohr des Präsidenten
03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen
Blicken Sie ins Dunkel
20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen
Die Treppe für Texte
13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen
Diese glühbirnenköpfige Kreatur
06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen
Lesen, aber nicht berühren
29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen
Ein veritabler Brocken
22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen
Aber man vibriert
15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen
Das Kulturerbe der Muppets
08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar Narancs. Mehr lesen
Die Früchte der Revolution
01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen
Warum nicht alles?
25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen





