Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 13.02 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

In die Provinz!

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

26.01.2010. Das Magazin beschreibt in einer Reportage die zunehmenden Amokdrohungen von Schülern. Der Spectator warnt die Londoner City vor den mörderischen Dominas in der Schweiz. In Sinn und Form erinnert Marc Fumaroli an einen, dessen Name nicht genannt werden darf: Mario Praz. Im New Humanist erinnert sich Laurie Taylor an die heiligen Männer, die ihn als Kind missbrauchten. Der Guardian fragt, warum Piet Mondrian so viel bekannter ist als Theo von Doesburg. Und in der NYRB fragt Garri Kasparow die Schachprogrammierer: Warum seid ihr so uninspiriert?

Das Magazin (Schweiz), 24.01.2010

Bild zum ArtikelIn der Schweiz haben sich die Amokdrohungen von Schülern 2009 im Vergleich zu 2008 verdoppelt, berichtet Rico Czerwinski in einer Reportage. Interessant ist, dass sich viele dieser "Droher" nicht als Täter, sondern als Opfer begreifen. Und ihre Eltern sehen das oft genauso. Als der St. Gallener Bedrohungspsychologe Hermann Blöchlinger die Mutter eines 14jährigen Jungen trifft, der in einem Chat gedroht hatte, seine Mitschülerin zu erschießen, "beschuldigt sie ihn, Hermann Blöchlinger. Er bedrohe die Zukunft ihres Sohnes. Einsicht in eigene Schuld oder ins Fehlverhalten ihres Sohnes zeigt Frau H. nicht. Sie rückt stattdessen die Schuld anderer in den Vordergrund. Natürlich habe es Konflikte gegeben, natürlich habe sich Michi wehren müssen, die anderen hätten ihn ja immer geplagt, gemobbt, schließlich hätten ihn sogar die Lehrer von der Schule verwiesen. Und ernst zu nehmen sei diese Drohung ja nicht. 'Die Mutter verstand nicht, dass solche Drohungen Konsequenzen haben müssten. Sie schien auch die Wirkung solcher Drohungen auf andere nicht zu verstehen. Mir fällt einfach auf, dass vielen dieser Drohungen typische Charakterzüge zugrunde liegen, die interessanterweise auch oft bei den Eltern anzutreffen sind', sagt Hermann Blöchlinger."


Und: Georg Diez porträtiert die 17jährige Helene Hegemann, die gerade mit ihrem Roman "Axolotl Roadkill" Furore macht.

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The Spectator (Großbritannien), 22.01.2010

Bild zum ArtikelWegen Gordon Browns Steuerplänen bereitet sich die halbe Londoner City auf einen Umzug nach Genf oder Zürich vor, wie Martin Vander Weyer meldet. "Wenn ihre Pläne schon so weit gediehen sind, dass sie sich tatsächlich zwischen einem der beiden schweizerischen Finanzzentren entscheiden müssen, hier ein schneller Lehrgang: Beide Städte sind erschreckend klein gegenüber London, und in beiden sind Büroflächen knapp. Die Memoiren des Privatbankiers Hans J. Baer 'It's not all about money' ist ein nützlicher Führer zu der fremdenfeindlichen Dumpfheit der Zwergenstadt Zürich. Genf ist kosmopolitischer, und es gibt ein gutes Steak im Cafe de Paris in der Rue du Mont Blanc - aber dann gibt es da auch das Risiko, von seiner Domina im Latexanzug erschossen zu werden, wie es dem Finanzier Edouard Stern in seinem Appartement in der Rue de Villereuse im Jahr 2005 passiert ist. Alles in allem würde ich empfehlen, doch in Mayfair zu bleiben." Mit einer Orange im Mund?

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Sinn und Form (Deutschland), 25.01.2010

Bild zum ArtikelDer Literaturwissenschaftler Marc Fumaroli schreibt über den italienischen Komparatisten Mario Praz, Verfasser eines berühmten Werks über die "schwarze Romantik" (mehr hier). Praz starb 1982, aber noch heute bekreuzigen sich einige Wissenschaftler, wenn sie seinen Namen hören. Einen Auszug aus dem Essay kann man online lesen, hier der Anfang: "Mario Praz. Bis vor kurzem (obwohl er bereits 1982 starb) geschah es mitunter schon bei der Andeutung seines Namens, daß ein italienischer Gesprächspartner Ihnen mit einer Hand den Mund zuhielt und die Finger der anderen beschwörend kreuzte. L'Innominabile! Und dann überhäufte man den Ausländer, der ahnungslos, unbedacht oder dumm genug gewesen war, auf Okkultes anzuspielen, zur Erbauung mit mehr oder weniger tragischen Geschichten, um die verhängnisvolle Macht des 'Unnennbaren' zu beweisen, dessen Name noch immer Furcht einflößte. Nomen, numen. Das ging vom völligen Stromausfall bei einem Fest, das der Professor soeben verlassen hatte, bis zum Unfall eines Unglücklichen, der dem schrecklichen jettatore über den Weg gelaufen war."


Außerdem lesen kann man einen Auszug aus einem Essay des George-Biografen Thomas Karlauf, der sich mit der Frage auseinandersetzt, was George, Stauffenberg und Hitler verbindet, und einen Auszug aus den Erinnerungen des Komponisten Rudolf Wagner-Regeny an das Ende des Zweiten Weltkriegs.

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New Humanist (Großbritannien), 01.01.2010

Bild zum ArtikelKritik am Islam reicht nicht aus. Kritik an Religion ist besser, wie die irische Auseinandersetzung um massenhaften Missbrauch von Jugendlichen (meist Jungen) durch Priester und Kirchenangestellte in irischen Heimen zeigt (die in deutschen Medien nicht so intensiv aufgegriffen wird). Laurie Taylor liest für den New Humanist die erschütternden offiziellen Berichte zum Phänomen - und erinnert sich an seine eigene Zeit in einem britischen katholischen Internat, wo er selbst missbraucht wurde. Er hatte einen Freund, dem es noch schlimmer erging, weil er hübscher war: "Wir sprachen darüber. Wir wussten, es war nicht recht. Aber wir saßen in der Falle, die von so vielen Opfern katholischer Priester beschrieben worden ist. Unser zutiefst verinnerlichter religiöser Glaube machte es fast unmöglich anzunehmen, dass Priester etwas anderes als heilige Männer sei könnten. Irgendwie mussten wir die Sünder sein."


Außerdem unterhält sich der Philosoph AC Grayling mit seinem Kollegen Tzvetan Todorov, der eine Verteidigung der Aufklärung geschrieben hat (englische Ausgabe), aber nicht so weit gehen will, auch den westlichen Begriff der Menschenrechte zu verteidigen: "Ich beobachte - und das ist der Grund, warum ich skeptisch bin - dass Menschenrechte heute benutzt werden, um eine westliche Überlegenheit zu rechtfertigen. Und sobald wir sehen, dass die Rechte irgendwo anders nicht genauso respektiert werden wie bei uns, dann sehen wir diese Länder als unter uns stehend an und glauben vielleicht gar, dass sie Strafe verdienen." Auch der große Dunkelmann John Gray hat das Buch besprochen und beschuldigt Todorov doch glatt des "Fundamentalismus der Aufklärung"!

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ResetDoc (Italien), 15.01.2010

Resetdoc hat in einem Offenen Brief die Generaldirektorin der Unesco, Irina Bokova, aufgefordert, den Weltphilosophentag nicht ausgerechnet im Iran abzuhalten. "Unserer Meinung nach sollte Irans Kandidatur für die nächste Sitzung nicht als normale Rotation in Betracht gezogen werden, da wir mit den jüngsten Vorkommnissen schmerzlich erfahren haben, wie Menschen im Iran für ihre Ideen eingesperrt werden können und ihr Leben riskieren. Die junge Frau, die im Juni zum Symbol der Proteste nach den Wahlen wurde, Neda Agha Soltan, besaß Abschlüsse in Theologie und Philosophie."


Hier die Liste der bisherigen Unterzeichner.

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Eurozine (Österreich), 21.01.2010

Bild zum ArtikelJames Hawes singt ein melancholisches Liebeslied auf Prag, eine der schönsten historischen Städte Europas und gleichzeitig die Las Vegas ähnlichste. Dessen Geschichte so komplex ist, dass Verdrängung zum Überleben gehört. "Von allen Symbolen der verdrängten tschechisch-deutsch-jüdischen Geschichte ist eines der bemerkenswertesten das Heim für nervenkranke Soldaten, das Kafka zwischen 1916 und 17 mitbegründete und das mehr oder weniger vollständig erhalten ist, an einem Ort, der in Kafkas Tagen den wundervollen Namen 'Frankenstein' trug. Man könnte meinen, dass 'Dr. Kafkas Heim für nervenkranke Soldaten in Frankenstein' ein unwiderstehlicher Magnet für junge Filmregisseure ist. Tatsächlich ist es den Touristen vollkommen unbekannt und kaum besser bekannt bei Wissenschaftlern, obwohl es das einzige Relikt aus Kafkas Leben ist, das seinen fast heiligenmäßigen Ruf wirklich bestätigt. (...) Warum wird dieser Ort so ignoriert? Ich glaube die Antwort ist einfach: weil dies bis 1945 deutschsprachiges Gebiet war, und Kafkas Nervenanstalt war (wie er ausdrücklich bekundete) ausschließlich für deutschsprachige Soldaten gegründet worden. Der brave Soldat Schwejk, wie traumatisiert auch immer, hätte Kafkas sprachliche Hürde schlicht nicht überwunden."


Weitere Artikel: Kazys Varnelis zitiert sich durch die jüngere Theoriegeschichte von Deleuze bis Castells, von Habermas bis Jameson und versucht dabei zu erklären, was der Anbruch der Netzwerkkultur zu bedeuten hat.

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Elet es Irodalom (Ungarn), 15.01.2010

Bild zum ArtikelAngesichts des Minarettentscheids in der Schweiz erinnert der Schriftsteller Attila Sausic an ähnliche Konflikte in Deutschland wie das Kopftuch-Urteil oder den Streit um den Bau der Kölner Moschee, gegen sich etwa der Publizist Ralph Giordano mit grundsätzlich islamkritischen Argumenten ausgesprochen hatte. Sausic rekapituliert die Ansichten Giordanos und kritisiert sie als stellenweise überzogen und "nicht gerade glücklich": "Die Ausführungen Giordanos zeigen, auf welch schmalen und wackeligen Steg sich die liberalen Menschenrechtler hinauswagen, wenn sie eine Minderheit nicht beschützen, sondern kritisieren wollen. Dennoch können sie auf diesem Weg weiter gelangen als der Linksliberalismus, der es sich im politisch Korrekten bequem gemacht hat und der die Ausbreitung der Rechtspopulisten in Europa zwar nervös beobachtet, der aber, außer deren modernisierten Rassismus' bloßzustellen, nicht bereit ist, sich im Wesentlichen und ganz konkret damit auseinander zu setzen, weshalb die Popularität des neuen Rechtsextremismus zunimmt."

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openDemocracy (Großbritannien), 21.01.2010

Bild zum ArtikelJohnny Ryan und Stefan Halper sehen den Streit Google vs. China als säkularen Streit zwischen einem Kapitalismus der Nerds mit seinen Freiheitsidealen und einem autoritären Staatskapitalismus a la chinoise. Und es ist keineswegs so, dass Google hier leichthin einen Markt aufgibt, auf dem das Unternehmen erfolglos war, meinen die Autoren: "Wenn Google China aufgibt, wird Baidu mit höchster Wahrscheinlichkeit profitieren und könnte in kommenden Dekaden auch eine Bedrohung jenseits chinesischer Grenzen bedeuten. Der Sprung der Baidu-Aktie um 14 Prozent nach oben am 13. Januar, dem Tag nach der Google-Erklärung, könnte ein früher Keim kommender Trends sein."


Außerdem bringt OpenDemocracy ein angenehm optimistisches Gespräch über die Chancen Russlands, zur Demokratie zu werden. Gesprächspartner sind Boris Dolgin vom Magazin polit.ru und der außenpolitische Experte Dmitry Trenin, der sich eine enge Beziehung Russlands zur EU wünscht: "In ökonomischen, sozialen, humanitären und allen anderen Aspekten. Es sollte in Sicherheitsfragen auch mit den Vereinigten Staaten kooperieren. Es sollte eine reale Partnerschaft entwickeln, eine, die ihres Namens würdig ist, meine ich. Das heißt nicht, dass wir nicht auch mit mit China, Japan oder Korea zusammenarbeiten. Aber eine Zusammenarbeit mit Europa wird der Motor dieses Prozesses sein."

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Tygodnik Powszechny (Polen), 24.01.2010

Bild zum ArtikelWas brachte die Freiheit den Schriftstellern? Nur Bedeutungsverlust und Kommerz, wie oft behauptet wird. Nach 1989 profitierte die Literatur von ungeheuren neuen Ausdrucksmöglichkeiten, findet die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Inga Iwasiow. "Ich kann nicht alle Tendenzen, Themen, Ästhetiken und Rituale der letzten zwanzig Jahre aufzählen. So schwierig es ist, diesen Katalog zu erstellen, so unmöglich ist es zu behaupten, dass wir nur mit der Vorrangstellung der Medien ringen und Schriftsteller ihre Rolle als Experten für Werte, Politik und die Seele eingebüßt haben. Es passiert tatsächlich viel mehr, Errungenschaften und Niederlagen gehen Hand in Hand. Es passiert viel mehr, als wir sehen wollen, wenn wir über den Verlust des Ansehens und die Marginalisierung in der Welt des Marktes, der leichten Unterhaltung und der Medien sprechen." Statt über fehlende Anerkennung zu klagen, schlägt Iwasiow Schriftstellern vor, in die Provinz zu gehen, wo sie noch die Möglichkeit hätten, mit interessierten Lesern in Kontakt zu treten, statt um die Gunst der Fernsehzuschauer zu buhlen.

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The Nation (USA), 08.02.2010

Bild zum ArtikelDie Kolumnistin und Dichterin Katha Pollitt beschreibt die Notlage der 24jährigen Nazia Quazi, IT-Spezialistin mit indischer und kanadischer Staatsangehörigkeit, die seit zwei Jahren in Saudi Arabien festsitzt. Nach saudischem Recht braucht sie für die Ausreise die Zustimmung ihres Vaters und der weigert sich. Am meisten empört sich Pollitt über die kanadischen Behörden, die auf taub geschaltet haben. "Mehrere Personen, mit denen ich gesprochen habe, deuteten an, dass es für den Fall relevant ist, dass die Quazis Muslime sind: die [kanadische] Botschaft in Riyadh will sich nicht in etwas einmischen, was sie als muslimischen Familienstreit betrachtet." Für die Familie Quazi "ist es irrelevant, dass Nazia eine 24jährige Collegeabsolventin ist. Ihre Gefühle, Ängste, Wünsche und Rechte sind bedeutungslos. Was zählt ist, dass der Vater Nazias Freund missbilligt. Aber das ist das Problem der Quazis. Es ist kein Grund für Kanada zuzulassen, dass Nazia ihrer Rechte beraubt wird. Wie weit haben es Frauen gebracht, wenn ein demokratisches säkulares Land wie Kanada es einem Vater erlaubt, seine erwachsene Tochter im Käfig saudischer Gesetze einzusperren?" Hier erzählt Nazia ihre Geschichte selbst.

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London Review of Books (Großbritannien), 28.01.2010

Bild zum ArtikelDie Schriftstellerin Anne Enright versucht sich an einem Psychogramm von Iris Robinson, der Politikerin, die Nordirland (und möglicherweise auch ihren Ehemann, den Premierminister) erst mit ihren Äußerungen zur Homosexualität ("eine Schande") und dann mit ihrer Affäre mit einem 19jährigen - sowie den diesem dabei gewährten Vergünstigungen - verstörte: "Wie weit darf es eine Frau nach oben schaffen? Ist es verrückt für eine Frau, die in Sozialwohnungen aufwuchs, ihre neue Villa mit handgemalten Wandfresken zu schmücken und jeden einzelnen Raum thematisch unterschiedlich zu dekorieren (orientalisch, schottisch, italienisch)? Ist es ein wenig gaga, im Arbeitszimmer einen handgemeißelten, drei Meter hohen, drei Tonnen schweren Kamin zu haben, entworfen und eingerichtet ganz nach den eigenen Vorstellungen? Ist es plemplem, wenn man sich eine Tapete kauft mit der handgedruckten Aufschrift 'Non magni pendis quia contigit' ('Man weiß das leicht Erworbene nicht zu schätzen.') - oder ist das alles einfach nur kontraproduktiv, weil es so klar zeigt, dass man die Schule schon mit sechzehn verlassen hat?"


Weitere Artikel: Daniel Soar denkt über den geheimdienstlichen Datenbank-Fehler nach, der dazu führte, dass der Unterhosenbomber Umar Farouk Abdul Mutallab an Bord eines Flugzeugs gelangte. Michael Hofmann nutzt die Lektüre der Übersetzung von Stefan Zweigs "Die Welt von gestern" für ein Porträt des Autors. Perry Anderson liest neue Bücher über den aktuellen Stand von Chinas Aufstieg zur Weltmacht. Gleich über zwei neue Bücher zur Jahrhunderflut in Paris im Jahr 1910 schreibt Jeremy Harding. In Maßen beeindruckt zeigt sich Michael Wood von James Camerons Fantasyfilm "Avatar".

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Nepszabadsag (Ungarn), 23.01.2010

Bild zum ArtikelDie Ungarn sind enttäuscht von der Demokratie, weil sie sie falsch verstehen, glaubt der Verhaltensforscher Vilmos Csanyi und schlägt vor, sich mit diesem Begriff bis zu den Parlamentswahlen im April noch verstärkt auseinander zu setzen: "Die meisten halten die Demokratie für einen institutionalisierten Wohltäter, der Rechte verteilt, die Bedürftigen unterstützt und den Menschen den Weg zum allgemein gültigen Guten weist. [...] Dabei ist die Demokratie nichts anderes als eine hoch entwickelte kulturelle Institution zur Regelung der biologischen Aggression und somit die vielleicht wichtigste Erfindung der menschlichen Kultur."

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The Guardian (Großbritannien), 23.01.2010

Anlässlich einer bevorstehenden Ausstellung in der Londoner Tate Modern überlegt Simon Mawer, warum ein Künstler, der so einflussreich und brillant war wie Theo van Doesburg am Ende nur eine Fußnote in der Geschichte der Avantgarde geblieben ist. Doesburg war ein enger Freund Mondrians. Die beiden produzierten eine zeitlang fast identische Gemälde, bis van Doesburg es wagte, in seinen Bildern die Diagonale einzuführen und so einen Bruch zwischen den beiden auslöste. "Beide Künstler kamen aus der holländischen gegenständliche Malerei und fanden genau zur selben Zeit zur vollkommenen Abstraktion. Aber während Mondrian sein Leben lang bei seinen freudlosen geometrischen Gemälden blieb, hatte van Doesburg andere Ideen, dutzende sogar. Was findet man, wenn man Mondrian zu verstehen versucht? Einen abstrakten Maler, ziemlich eigenbrötlerisch, ziemlich streng. Versucht man das gleiche bei van Doesburg, ist er glitschig wie ein Aal. Maler, Dichter, Kunstkritiker, Designer, Typograf, Architekt, Performance-Künstler - er war all diese Dinge und mehr. Prometheus selbst. Ein Fuchs zum Igel Mondrian."


Außerdem: Der Autor Chinua Achebe beschreibt seine komplizierte Beziehung zu Nigeria. Sarah Crown spricht mit E.L. Doctorow über dessen neuen Roman "Homer and Langley". Martin Amis schreibt über das Schreiben an seinem Roman "Time's Arrow". Nick Fraser hat "Four Lions" gesehen, Chris Morris' Filmsatire über "Dschihadisten". Und Julian Barnes schickt eine Kurzgeschichte mit dem Titel: "Sleeping with John Updike".

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Osteuropa (Deutschland), 27.01.2010

Die Zeitschrift Osteuropa fragt in einem Themenheft, was von der slawischen Idee nach dem Panslawismus geblieben ist. Der Historiker Stefan Troebst freut sich in einem jetzt online gestellten Text zwar über die neue Slawisierung der Europäischen Union, macht aber deutlich, dass der Slawismus eine Konstruktion ist: "Die Annahme eines sämtliche Slaw(ischsprachig)en in Raum und Zeit verbindenden kulturellen, gar biologistischen Elements hat viele Gesichter: Periodisch fungiert sie als politisch wirksames transnationales Identifikationsmuster; sie stellt einen Bezugsrahmen kulturwissenschaftlicher Forschung dar; und sie ist bis heute ein höchst produktiver Mythos in Kunst und Literatur. Die essentialistische Vorstellung einer ethnogenetischen 'Verwandtschaft' aller Slawen, der Existenz einer slawischen Urheimat ('Allslawien') samt slawischer Ursprache, gar der Herausbildung einer natio slavica sind dabei frühneuzeitlichen Ursprungs."

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Al Ahram Weekly (Ägypten), 21.01.2010

Bild zum ArtikelAijaz Zaka Syed von der Khaleej Times verurteilt mit deutlichen Worten Selbstmordattentate und weist darauf hin, dass in Mekka der Großmufti Scheik Abdel-Aziz Al-Sheikh gerade "eine ungewöhnlich starke Sprache" benutzt habe, um Selbstmordattentate zu verurteilen: "Muslime auf der ganzen Welt vor Extremisten warnend, bezeichnete der Großmufti das Gespenst des Terrors und der Selbstmordattentate als 'Fluch der muslimischen Länder'. Er nannte den Extremismus und den Todeskult der Selbstmordattentate 'das ernsteste Problem' der muslimischen Gemeinschaften."


Außerdem: Weihnachten waren in Nagaa Hamadi sechs Kopten vor ihrer Kirche erschossen worden (mehr hier). Muqtedar Khan erinnert daran, dass Mohammed 628 n.Chr. einer Delegation von Christen aus dem St. Katherinen-Kloster in einem Schutzbrief versprochen habe, bis zum jüngsten Tag alle Christen zu beschützen.

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The New York Review of Books (USA), 11.02.2010

Schachweltmeister Garri Kasparow gibt gern zu, dass er die Niederlage gegen Deep Blue 1997 nicht leicht verkraftet hat. Aber was hat IBM der Sieg genutzt? Was haben die Programmierer daraus gemacht? "Den Traum, künstliche Intelligenz zu schaffen, die sich am menschlichen Denken orientiert, haben wir aufgegeben. Stattdessen bekommen wir jedes Jahr neue Schachprogramme und neue Versionen von alten, die alle auf dem gleichen in den sechziger und siebziger Jahren entwickelten Programmierkonzept beruhen: einen Zug auszuwählen, nachdem Millionen von Möglichkeiten durchgerechnet wurden. Wie so vieles andere auch in unserer an Technologie reichen und an Innovationen armen Welt, sind die Schachprogramme dem Markt und der Logik der kleinen Draufgabe zum Opfer gefallen. Brute-Force-Programme spielen das beste Schach, warum sich also mit etwas anderem aufhalten? Warum Zeit und Geld vergeuden, um mit neuen und innovativen Ideen zu experimentieren, wenn wir wissen, was klappt? Solches Denken sollte jeden entsetzen, der sich einen Wissenschaftler nennt, doch es scheint tragischerweise die Norm zu sein. Unsere besten Köpfe sind in die Finanzentwicklung statt in die reelle Programmierung gegangen - mit katastrophalen Folgen für beide Seiten."


Anne Applebaum lobt Michael Scammells bereits oft besprochene Biografie Arthur Koestlers ein und ist sehr dankbar für Scammells Hinweis auf Koestlers recht unbekannte Reportagen "Scum of the Earth" über Flüchtlinge in Frankreich: "Sie waren eine Offenbarung: erstaunlich frisch, klar und relevant erklären sie Frankreichs schnellen Kollaps 1940, sondern beleuchten auch die Schwierigkeiten, die Frankreich und andere europäische Länder bei der Integration von 'Ausländern' sogar heute noch haben."

Weiteres: Ahmed Rashid fragt, wann die USA und ihre Verbündeten bereit sein werden, mit den Taliban zu verhandeln. "Denn ein militärischer Sieg ist nicht in Sicht, und einen anderen Weg, den Krieg zu beenden, der bereits seit 30 Jahren andauert, gibt es nicht." Jerome Groopman klärt, ob und wie die offenbar gerade in Mode gekommene Verhaltensökonomie das Gesundheitssystem verbessern kann.

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Archiv: Magazinrundschau

Morbid-intimes Sentiment

07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen

Pakt des Nicht-Lesens

31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen

So roch die Welt der Männer

24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen

Ständige Verwirrung

17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

Hm, das ist komisch

10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen

Das Ohr des Präsidenten

03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen

Blicken Sie ins Dunkel

20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen

Die Treppe für Texte

13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen

Diese glühbirnenköpfige Kreatur

06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen

Lesen, aber nicht berühren

29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen

Ein veritabler Brocken

22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen

Aber man vibriert

15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen

Das Kulturerbe der Muppets

08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar NarancsMehr lesen

Die Früchte der Revolution

01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen

Warum nicht alles?

25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen

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