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Magazinrundschau
Frauen mit flaumigen Schnurrbärten
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
11.08.2009. In Outlook India findet Amartya Sen eine Tonne anderer Dinge über einem Körnchen Wahrheit. In Al Ahram wünscht sich Amr Hamzawy ein nationales Aufklärungsprojekt für Ägypten. Wo ist die große Idee?, ruft Dominic Sandbrook im New Statesman. In Odra erzählt der Künstler Jerzy Kosalka, wie sein eigenes Kunstwerk ihn schockiert hat. In Walrus beklagt der Künstler Stan Douglas, dass sein Kunstwerk niemanden schockiert hat. Der Economist diagnostiziert die Malaisen der deutschen Wirtschaft. In openDemocracy erinnert James R. Mensch an die Ermordung von acht Journalisten in Peru. Dawn weiß, warum Homosexualität bis zum 19. Jahrhundert in muslimischen Kulturen geduldet wurde.
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Outlook India (Indien), 17.08.2009
Im Interview wendet sich der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen gegen den Antiamerikanismus der indischen Linken: "Es steckt ein Körnchen Wahrheit in der Ansicht, dass der amerikanische Imperialismus die Geißel der Welt sei. Aber dieses Körnchen ist begraben unter einer Tonne anderer Dinge. Wie kann man nur das eine betonen und alles andere vergessen - den internationalen Terrorismus, die Fundamentalismen in der ganzen Welt, den Fortbestand diktatorischer Regimes ob im Sudan oder mehr in unserer Nähe, wie in Burma, den mangelnden Fortschritt der Demokratie in den letzten Jahren, unsere eigenen Probleme wie Hunger und Unterernährung, die unsere Linke zuerst laut und deutlich kritisieren müsste?"
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Al Ahram Weekly (Ägypten), 11.08.2009
Seit 2004 wird die Liste der verbotenen Romane, Gedichte, Forschungsarbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften stetig länger und länger, kritisiert Amr Hamzawy. Immer wieder werde in Ägypten Religion dazu benutzt, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Befördert werde dies durch widersprüchliche Artikel in der Verfassung. Diese Widersprüchlichkeit werde durch Regierung und Gerichte verstärkt, so dass eine "Grauzone" entstanden sei, in der Zensur einfach werde. "Ohne Zweifel ist die Unschlüssigkeit des Staates darin begründet, dass es ihm an einem nationalen Aufklärungsprojekt fehlt. Es ist ihm auch nicht gelungen, einen religiösen Diskurs anzuregen, der aufklärerische Werte unterstützt".
Wer wissen will, wie die ägyptische Jugend denkt und fühlt, sollte sich die Inszenierungen beim El-Saqia-Theaterfestival ansehen, empfiehlt Nehad Selaiha. "Dieses Jahr haben die Künstler einmütig beschlossen, alle Vorsicht in den Wind zu schießen und ihrer Trauer und Frustration so laut und gewaltsam wie möglich Ausdruck zu verleihen. Festivals dieser Art mögen ästhetisch nicht sehr befriedigend sein, aber als sozial-politische Ereignisse sind sie von unschätzbarem Wert", schreibt sie und geht dann ausführlich auf einzelne Inszenierungen ein.
Weitere Artikel: Hani Mustafa überlegt, welche Chancen Ahmed Mahers Wettbewerbsbeitrag beim Filmfestival in Venedig hat. Letzte Woche hat sich Abdel-Moneim Said gefragt, warum kein Araber je auf dem Mond gelandet ist, und kam zu dem Schluss, dass man kaum Israelis und Amerikanern die Schuld daran geben kann. Diese Woche sieht er sich von Robert Fisk, einem "Mann, der von vielen arabischen Nationalisten und Linken gefeiert wird", im Independent bestätigt.
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The New Statesman (Großbritannien), 10.08.2009
Wir befinden uns an einem politischen Wendepunkt, aber etwas Wichtiges fehlt, klagt Dominic Sandbrook. "Die große Idee. ... Warum haben unsere politischen Führer - intelligente, nachdenkliche Männer und Frauen, die an den besten Institutionen Britanniens ausgebildet wurde - so schmerzlich und enttäuschend wenige neue Ideen?" Ein Grund ist der Werdegang heutiger Politiker, meint er. "Moderne Politiker treten von einer exklusiven Blase in die nächste. Wir haben heute eine Art Schmalspur-Version der französischen Ecole Nationale d'Administration. Aus ihr geht eine politische Klasse hervor, die in Oxford und Cambridge ausgebildet wurde, ein paar Jahre als Berater gearbeitet haben und dann in sichere Positionen und Jobs in Ministerien katapultiert werden - eine Welt, in der Ideen keine große Rolle spielen".
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Odra (Polen), 09.08.2009
In einem Interview erzählt der Künstler Jerzy Kosalka, wie verstörend seine Kunst auf ihn zurückwirkte, als sie mit der Realität in Berührung kam: "Während eines Breslauer Festivals wollte ich am Bahnhof eine Skulptur ausstellen, die 'Kybernetischer Bettler' hieß. Es handelt sich dabei um die Nachbildung einer Hand auf einem Stock, die mithilfe eines Walkman-Motors bewegt wird. Ich kam fünfzehn Minuten, bevor es anfangen sollte, postierte mich an einem Tunnel, und als gerade die Menschen aus dem Zug kamen, sah ich einen Mann im Rollstuhl mit Hirnlähmung. Er bettelte, seine Hand zitterte, mehr noch, hinter seinem Rücken standen seine selbstgemalten Bilder. Eine Künstlerkollege! Ich bekam Panik, schweißüberströmt rannte ich davon. Die Sache schien offensichtlich - ich würde diesen Menschen mit meiner künstlerischen Geste verspotten. Wenn er diese Bilder nicht dabei gehabt hätte, wäre ich vielleicht da geblieben. Später erfuhr ich, dass er von meinem Happening wusste und die Chance nutzen wollte, seine eigenen Bilder loszuwerden."
Nur im Print: Es scheint, als ob das Thema polnisch-jüdischer Beziehungen in den Medien wieder verstärkt aufgegriffen wird. Das mag weniger als Nachhall der Bücher von Jan T. Gross interpretiert werden (wir berichteten), und schon eher als Reaktion auf den hierzulande heiß diskutierten Spiegel-Artikel über Hitlers europäische Helfer, aber vor allem gibt es dazu eine Reihe von neuen Publikationen, von denen Magdalena Bajer zwei vorstellt. Der Sammelband "Polacy i Zydzi - kwestia otwarta" (eine Übersetzung des 2006 erschienenen "Rethinking Poles and Jews") und die Essaysammlung der bekannten Literaturhistorikerin Maria Janion (hier eine ausführliche Besprechung) machen bewusst, "wie wenig wir eigentlich über die Quellen der Stereotype, Phobien und Sensibilitäten, die normale Beziehungen zwischen Polen und Juden erschweren oder gar vereiteln", so Bajer.
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The Economist (Großbritannien), 07.08.2009
Auf den Titel gebracht hat es die deutsche Wirtschaft. Als Kompliment ist das aber nicht zu begreifen. In gleich drei Artikeln werden Malaisen diagnostiziert: Die Ökonomie sei derzeit zu unausgeglichen, vor allem, wenn es darum geht, neue Firmen und damit neue Jobs zu schaffen: "In einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Weltbank, wo man am besten eine Firma gründen kann, stand Deutschland an 102. Stelle von 181 Ländern. Start-up-Kapital ist knapper als irgendwo sonst."
Weitere Artikel widmen sich unserer Exportabhängigkeit und der Neigung deutscher Vorstände zur Skandalproduktion. (Um das Maß voll zu machen: Newsweek behauptete kürzlich, die Deutschen seien zu technikfeindlich und ruinierten so ihre Chancen, sich in neuen Industrien zu behaupten.)
Die USA haben extrem scharfe Gesetze gegen Sexualstraftäter - nicht zuletzt eine Art öffentlichen Pranger, der für jedermann einsichtig ist. Der Economist formuliert entschiedene Zweifel an dieser Praxis: "Insgesamt sind 674.000 Amerikaner in diesen Sexualstraftäter-Registern vermerkt - mehr als die Einwohner von Vermont, North Dakota oder Wyoming.... Laut Human Rights Watch gibt es in mindestens fünf Staaten die Verpflichtung zur Aufnahme ins Register, wenn jemand eine Prostituierte aufsucht, 29 fordern sie bei einverständigem Geschlechtsverkehr zwischen Minderjährigen und 32 für Exhibitionisten."
Mit sehr viel Zustimmung, als eine Art Summe seiner Werke, wird die neue Studie "Die Idee der Gerechtigkeit" von Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen besprochen, in der er sich mit den Gerechtigkeitstheorien von John Rawls auseinandersetzt: "Die praktische Stoßrichtung von Sens Argument ist, dass gerechte Institutionen keineswegs soziale Gerechtigkeit gewährleisten. Man könne überdies soziale Ungerechtigkeiten erkennen, ohne zu wissen, wie eine vollkommen faire Gesellschaft sich einrichten oder begründen lässt. Die Philosophie von John Rawls ist, wenngleich im Prinzip lobenswert, zu theoretisch und hat politische Philosophen von jenen Übeln der wirklichen Welt abgelenkt, die sich beseitigen lassen."
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openDemocracy (Großbritannien), 07.08.2009
Lira Walejewa erzählt vom Leben in Nischni Nowgorod in Krisenzeiten. Die Gorki Automobil Werke laufen oft nur auf Kurzarbeit, Mütter warnen ihre Kinder vor Männern, die hungrige Kinder zu ernähren haben und zu allem fähig sind. Trotzdem scheint sich das Leben zu entspannen: "Wir sind nicht mehr nur mit zweitrangigen Finanzfragen beschäftigt - ich glaube, die Menschen denken jetzt weniger furchtsam über ihre Zukunft nach als früher. Einige wechseln ihre Jobs, andere fangen an, in ihrer Wohnung zu heimwerkern oder legen sich ein Haustier zu. Und die Leute kaufen immer noch auf Kredit. Letztes Jahr gab es mehr schwangere Frauen bei der Arbeit als jemals zuvor. Und die Freunde scheinen einer nach dem anderen zu heiraten."
James R. Mensch denkt über den Zusammenhang von öffentlicher Blindheit, gesellschaftlichem Ausschluss und Gewalt nach. Als Beispiel erinnert er an den Tod von acht Journalisten in einem Quechua-Dorf in Peru: Das Militär hatte gerade die Terroristen des Leuchtenden Pfads vertreiben und die Botschaft ausgegeben, alle Fremden, die zu Fuß kämen, zu töten: "Drei Tage später, am 26. Januar 1983 betraten die Reporter das Dorf. Nach fruchtlosen Versuchen zu erklären, wer und was sie sind, und verzweifelten Bitten, zur Polizei gebracht zu werden, wurden sie totgeschlagen. Laut Bericht, war 'das Töten grausam', mangels Waffen benutzten die Indigenen ihre Farmwerkzeuge. Es dauerte jedoch nicht länger als dreißig Minuten."
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L'Espresso (Italien), 07.08.2009
Umberto Eco schreibt seine Kolumne bestimmt nicht mit der Hand. Aber er denkt darüber nach, was die Menschheit verliert, wenn sie das Schreiben mit einem Stift aufgibt: die Langsamkeit. "Die Kunst der Kalligraphie erzieht zur Kontrolle der Hand und der Koordination von Fingern und Gehirn. [Stefano] Bartezzaghi macht [in einem Artikel in der Tageszeitung Repubblica, hier als pdf] darauf aufmerksam, dass es beim Schreiben mit der Hand notwendig ist, sich die Phrase vorher zu überlegen. Auf jeden Fall ermöglicht das manuelle Schreiben durch den Widerstand, den Stift und Papier entgegenbringen, eine reflexive Entschleunigung. Viele Schriftsteller, auch wenn sie das Schreiben mit dem Computer gewöhnt sind, haben bisweilen das Gefühl dass sie gerne wie die Sumerer auf eine Tontafel meißeln würden, um Ruhe in ihr Denken zu bringen. Die jungen Leute schreiben immer mehr mit dem Computer und dem Handy. Doch die Menschheit hat es gelernt, jene Tätigkeiten, die die Zivilisation als Notwendigkeit ausgemustert hat, als Tätigkeiten wiederzuentdecken, die sportliche und ästhetische Bedürfnisse befriedigen."
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The Walrus Magazine (Kanada), 01.08.2009
Leigh Kamping-Carder erzählt, wie der Künstler Stan Douglas die Gastown Riots nachgestellt und fotografiert hat. Die Riots fanden in den frühen Siebzigern statt, als Hippies ein Viertel in Vancouver besetzt hatten und von der Polizei vertrieben wurden. Douglas hat diese Szene mit achtzig Schauspielern nachgestellt. Das Foto wird bald in eben diesem Viertel zu besichtigen sein, in einem Komplex mit Läden, Büros und Wohnungen, der auf dem Grund des gesprengten Woodrow Kaufhauses steht. Douglas ist verstört, dass sein Auftraggeber, der Bauträger, von seinem Werk entzückt ist: "'Ich dachte, ich sei sehr subversiv, aber niemand hat sich beschwert', sagt er. 'Was zum Teufel geht da vor sich?' 'Es ist vielleicht ein bisschen kontrovers', sagt ein Repräsentant des Bauträgers. 'Es ist bestimmt kein Wohlfühl-Foto. Es zeigt eher einen Wendepunkt in der Geschichte, darüber sind wir froh. Wir finden, das Foto ist etwas, über das man reden kann, über das man diskutieren kann, und darum geht's doch in der Kunst, richtig?'"
In einem längeren, nachdenklichen Text bedauert es der BBC-Journalist Nick Fraser, dass Europa "keine Identität enwickelt hat", die auf seinen von allen EU-Mitgliedern geteilten demokratischen Prinzipien beruht, aber er gibt die Hoffnung noch nicht auf.
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Dawn (Pakistan), 07.08.2009
Huma Yusuf hat an der medizinischen Hochschule in Karachi einen Vortrag über Islam und Homosexualität gehört. Bis zum 19. Jahrhundert war die muslimische Welt relativ tolerant im Umgang mit Homosexuellen, referiert sie. Das lag unter anderem daran, dass in den islamischen Kulturen "die selben Auffassungen von Schönheit für Männer und Frauen galten. Der Vortragende zeigte mehrere Miniaturmalereien aus der Ära Abbasid, in der Männer und Frauen ununterscheidbar waren (betrachten Sie die berühmten Illustrationen von Sha Abbas mit einem Wein-Jungen). Männer trugen Make-Up und hüllten sich in Kleider und Juwelen, während Frauen mit flaumigen Schnurrbärten als besonders attraktiv galten (offenbar malten sich Frauen sogar Schnurrbärte auf, um hübscher zu erscheinen)." Erst die Kolonialmächte, mit ihrer strikten Vorstellung davon, was männlich und was weiblich ist, bereiteten dieser Laxheit ein Ende.
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Das Magazin (Schweiz), 31.07.2009
Michele Roten war in Varanasi, im Nordosten Indiens. Für Hindus ist es ein heiliger Ort. Für Europäer ist es eine Prüfung. "Varanasi ist der schrecklichste Ort der Welt. Es ist viel zu heiss. Es ist laut. Es stinkt. Hier sind viel zu viele Menschen. Hier werden öffentlich Tote verbrannt. Überall ist Scheiße. Hundescheiße, Kuhscheiße, Ziegenscheiße, Affenscheiße, Menschenscheiße. Und Abfall. Und Dreck. Man wird belogen und betrogen und abgezogen. Der Strom fällt täglich mehrmals aus. Es gibt keinen Alkohol. Irgendwann kriegt man unweigerlich Durchfall. Und trotzdem ist es so schön, dass man sich freut, schlafen zu gehen, weil es bedeutet, hier wieder aufwachen zu können."
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The New York Times (USA), 10.08.2009
In einer riesenhaften Reportage (ausgedruckt 18 volle Din A 4-Seiten) über Hamid Karzai vor den afghanischen Wahlen stellt Elizabeth Rubin unter anderem die Frage, wann sich das anfangs recht positive Bild des Manns und - damit verknüpft - des Erfolgs der internationalen Afghanistan-Mission gedreht hat: "Wenn es einen klaren Wendepunkt gab, an dem die Regierung Karzai ihren Zugriff verlor, dann war das im Frühjahr 2006. An einem sonnigen Morgen des Mai verlor ein amerikanischer Soldat in einem Konvoi nördlich von Kabul die Kontrolle über seinen Laster und krachte in den Morgenstau. Fünf Menschen wurden getötet. Noch viel mehr wurden verletzt. Die Afghanen begannen, die amerikanischen Fahrzeuge mit Steinen zu bewerfen. Die Amerikaner schossen in die Luft. Kurze Zeit später ging das Gerücht, dass betrunkene amerikanische Soldaten ein Massaker in der Zivilbevölkerung angerichtet hätten."
Zeitungskrise, wieder einmal. Michael Sokolove besucht für das New York Times Magazine den neuen Hauptinvestor des Philadelphia Inquirer und seiner boulevardesken Schwester The Daily News, Brian Tierney, einen durchaus skandalumwitterten Mann, über den die Journalisten der Zeitungen früher recherchierten. Nun ist er ihr Retter, und Sokolove zitiert mit Wohlwollen seinen Beschluss, den Online-Auftritt der Zeitungen wieder zahlbar zu machen: "In einer von Selbszweifeln geplagten Branche hat Tierney den Vorzug der Deutlichkeit. Er mag nicht immer recht haben, aber er hat Emphase. Nichts kann die seiner Ansicht nach immer noch mächtigen Druckerpressen aufhalten. Ganz bestimmt nicht Fernsehen und Radio, deren Nachrichtenredaktionen meistens von den Vorgaben der Zeitungen abhängen. Und auch nicht Blogs oder der entstehende stiftungsgeförderte Journalismus. 'Wir machen die Drecksarbeit', sagt Tierney, als wäre er ein Boss aus der Schwerindustrie. 'Was im Web entsteht, fügt etwas hinzu. Da gratuliere ich. Lasst tausend Blumen blühen. Aber wenn die denken, dass sie kurz- oder mittelfristig die Antwort auf die Probleme sind, dann machen sie sich ja wohl über sich selber lustig."
Archiv: Magazinrundschau
Morbid-intimes Sentiment
07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen
Pakt des Nicht-Lesens
31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen
So roch die Welt der Männer
24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen
Ständige Verwirrung
17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Archiv: Magazinrundschau
Hm, das ist komisch
10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen
Das Ohr des Präsidenten
03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen
Blicken Sie ins Dunkel
20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen
Die Treppe für Texte
13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen
Diese glühbirnenköpfige Kreatur
06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen
Lesen, aber nicht berühren
29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen
Ein veritabler Brocken
22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen
Aber man vibriert
15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen
Das Kulturerbe der Muppets
08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar Narancs. Mehr lesen
Die Früchte der Revolution
01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen
Warum nicht alles?
25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen








