Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Ihr wolltet frisches Blut

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

05.05.2009. The Nation porträtiert den bulgarischen Mafioso und Autor Georgi Stoev, der genauso ermordet wurde, wie er es in seinen Büchern beschrieben hat. In Nepszabadsag erklärt der Dichter Akos Szilagyi, warum ein Gesetz gegen Holocaustleugnung nicht die Meinungsfreiheit einschränkt. Der New Yorker wünscht sich mehr Befehlsverantwortung. In der Gazeta Wyborcza fordert Roza Thun von den Polen mehr Leidenschaft für die EU. Im New Statesman glaubt Andrew Orlowski nicht an den Long Tail im Internet. In der NYT erklärt Russell Shorto den Unterschied zwischen einem Holländer und einem Amerikaner.

The Nation (USA) , 18.05.2009

Bild zum ArtikelDimiter Kenarov porträtiert Georgi Stoev, einen ehemaligen Mafioso und Autor mehrerer autobiografischer Romane über die bulgarische Mafia. Einen Auftragsmord schildert er in einem seiner Romane so: zwei Schüsse in den Rücken, ein Kontrollschuss in den Kopf, und dann ruhig weggehen, denn gestellt wird man doch nicht. Genauso wurde Stoev vor einem Jahr ermordet. In Bulgarien streitet man bis heute über den Wahrheitsgehalt seiner Romane, so Kenarov, aber vielleicht wurde Stoev erschossen, weil er ein Tabu übertreten hatte. Und das bestand nicht darin, dass er einem ehemaligen Minister Mafiakontakte, sondern dass er ihm eine schwule Beziehung zu einem Ko-Mafioso nachsagte: "Diese Behauptung war in der bulgarischen Chauvi-Gesellschaft eine schwere Beleidigung, viel schlimmer als die Behauptung, jemand sei ein Verbrecher. Die Story wurde in allen Zeitungen und Talkshows immer wieder recycelt und diskutiert, bis sie fast als Tatsache akzeptiert war." Stoev hatte in einer Talkshow seine Ermordung selbst vorausgesagt.

Außerdem: Marc Perelman beschreibt das Aufleben der "linken" Linken in Frankreich, stellt aber keine neue Revolution in Aussicht.

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Nepszabadsag (Ungarn) , 02.05.2009

Bild zum ArtikelNach einer Demonstration von Neonazis in Budapest am 18. April wurde in Ungarn der Ruf nach einer Bestrafung der Holocaustleugnung lauter. Der Dichter und Literaturwissenschaftler Akos Szilagyi hätte damit kein Problem, denn seiner Ansicht nach ist die Leugnung von Auschwitz keine Meinungsäußerung, da heute der Fortschritt der Kultur an der Entfernung gemessen wird, die zwischen dieser Kultur und dem "in ihr verborgenem, schrecklichen Potenzial" (Safranski) liegt – und die Leugnung von Auschwitz eine Annäherung an dieses schreckliche Potenzial darstelle. "So gesehen ist die Leugnung der historischen Tatsache von Auschwitz dasselbe wie die Leugnung des Menschen, der Welt, Europas, des Christentums und der Freiheit in Auschwitz. So gesehen haben die Menschheit, die europäische Kultur und die demokratischen Freiheitsrechte keinen unversöhnlicheren Feind als den Auschwitz-Leugner. [...] Entsprechend verbietet die Legislative in diesem einzigen konkreten Fall (!) nicht die Äußerung einer noch so widerwärtigen, empörenden und unglaublichen 'Sondermeinung', sondern sie verteidigt die Existenzgrundlage dieser Welt nach Auschwitz."

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Le Monde (Frankreich) , 02.05.2009

Jacques Mandelbaum, Filmkritiker von Le Monde, sieht eine ganze Welle politischer Dokumentarfilme auf Frankreich zurollen. Der Erfolg der Michael-Moore-Filme mag im Hintergrund stehen, auch die Tatsache, dass die Fernsehsender immer weniger zu derartigen Inhalten fähig sind. Aber es kommt noch etwas anderes hinzu: der Live-Aspekt, der nach dem Musik- nun auch das Filmbusiness retten soll. Mandelbaum zitiert einen Verleiher: "Die Begegnung zwischen dem Publikum und den Filmleuten ist wesentlich für diese Art von Filmstart. Das ist nicht irgendeine wilde Talkshowrunde. Die Leute haben einfach Lust sich das anzusehen, sie sind mit völligem Ernst bei der Sache. Das ist eine entscheidende Luftzufuhr für die heutige Landschaft, genau diese Art der Präsentation kann die Zukunft des Kinos sichern."

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The New Yorker (USA) , 11.05.2009

Bild zum ArtikelIn einem Kommentar zum Umgang der amerikanischen Regierung mit den für Folterungen Verantwortlichen weist Philip Gourevitch darauf hin, dass die einzigen, die wegen solcher Vergehen hinter Gittern gesessen hatten, zehn einfache US-Soldaten waren, die an den Übergriffen in Abu Ghraib beteiligt gewesen waren; nur noch einer von ihnen, der damals diensthabende Corporal Charles A. Graner, Jr., sei derzeit inhaftiert. Seine Vorgesetzten genössen dagegen noch immer ihre Freiheit und "den CIA-Verhörbeamten, die Gefangenen Jahre lang Schlimmeres zufügten als Graner in den finstersten Tagen in Abu Ghraib, wurde Immunität zugesichert. Sollte volle Gerechtigkeit unmöglich sein, können doch gewiss einige Ungerechtigkeiten korrigiert werden. Wann immer – wie in Nürnberg, Den Haag, Phnom Penh oder Kigali - gerichtlich über Staatsverbrechen geurteilt wird, gilt das Prinzip der Befehlsverantwortung, derzufolge für die befehlenden Vorgesetzten eine höhere Verantwortlichkeit gilt als für die einfachen Soldaten, die Befehle ausführten."

Weiteres: Malcolm Gladwell untersucht am Beispiel des indischstämmigen amerikanischen Softwareentwicklers Vivek Ranadive, der die eigentlich chancenlose Mädchen-Basketball-Mannschaft seiner Tochter zum Landesmeister machte, das David-gegen-Goliath-Prinzip: demnach müssen Unterlegene bzw. Außenseiter einfach Goliaths Regeln ignorieren. Judith Thurman bespricht Jennifer Scanlons Biografie "Bad Girls Go Everywhere" über Helen Gurley Brown, die 32 Jahre lang Chefredakteurin von Cosmopolitan war. Sasha Frere-Jones stellt die vierköpfige Band Grizzly Bear aus Brooklyn vor, deren Stärke ihr Gesang ist. Und David Denby sah im Kino Gavin Hoods Actionfilm "X-Men Origins: Wolverine", das Drama "Fighting" von Dito Montiel und James Tobacks Dokfilm "Tyson" über den Boxer Mike Tyson. Zu lesen ist außerdem J.G. Ballards "The Autobiography of J.G.B." und Lyrik von Richard Wilbur, C.D. Wright und Heather McHugh.

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Al Ahram Weekly (Ägypten) , 30.04.2009

Bild zum ArtikelNehad Selaiha beklagt die verpasste Chance, das ägyptische Theater ein bisschen zu modernisieren: Sie hat gerade Bahig Ismails Stück "Al-Ghoula" (Die Menschenfresserin) gesehen, das als folkloristisches Melodram wohl eher unsubtil von der Unterdrückung der Frauen eines fiktiven Beduinenstammes erzählt. Selaiha hält die Inszenierung für keinen guten Start der National Heritage Theatre Company, wie das Kairoer Al-Ghad-Theater von nun an heißt: "Anstatt der Tatsache ins Auge zu blicken, dass alle staatlichen Theaterensembles längst die Orientierung verloren haben und sich seit Jahren ohne Philosophie und Konzept durchwursteln, begnügen sich die Herren der staatlichen Theater-Organisation, mit neuen Namen zu jonglieren. Deswegen trägt das Al-Ghad-Ensemble jetzt einen anderen Namen, aber nicht das Theater-Gebäude, das weiterhin Al-Ghad heißt, und ich bezweifle sehr, dass der neue Name auch einen politischen Wechsel mit sich bringen oder überhaupt einen Unterschied machen wird."

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Prospect (UK) , 01.05.2009

Bild zum ArtikelIn einem Briefwechsel denken die Medienexperten Steven Johnson und Paul Starr über die Zukunft der Zeitung nach. Johnson ist optimistisch und glaubt, dass das neue System, das nach den gegenwärtigen Umwälzungen existieren wird, eine Verbesserung darstellen kann: "Eine Art, über die gegenwärtige Transformation nachzudenken, besteht darin, Medien als Ökosysteme zu begreifen. Die Art und Weise, in der in den heutigen Medien Information zirkulieren kann, ist viel näher am Modell des Ökosystems als es bei den alten, industriellen Versionen der Massenmedien der Fall war. Die neue Welt ist diverser, stärker vernetzt, ein System, in dem die Information freier fließt."

Anders sieht das Paul Starr, der Johnson im schneidenden Tonfalle eines Berufsoffiziers als Aggregator abbürstet, der sich an den Inhalten anderer mästet. Starr befürchtet nicht nur das Ende des investigativen Journalismus. Auch die breite Masse werden im Internet immer dümmer: "Wer eine Zeitung kauft, mag sich vor allem für den Sportteil oder das Kreuzworträtsel interessieren, aber trotzdem einen Blick auf die vorderen Seiten werfen und etwas über die Stadt und die Welt erfahren. Online gehen die Leute, die sich für Sport oder Rätsel interessieren, direkt zu den spezialisierten Angeboten und vermeiden so den Kontakt mit Nachrichten und Debatten, die gesellschaftliche Ereignisse im allgemeinen betreffen." Starrs Artikel in The New Republic über die Zeitungen war da um einiges differenzierter.

Weitere Artikel in einer spannenden Prospect-Ausgabe: Meghnad Desai porträtiert die indische Politikerin Mayawati, die realistische Aussichten hat, als erste Angehörige der niedrigsten, nämlich der Dalit-Kaste, bei den gerade laufenden Wahlen Ministerpräsidentin zu werden - ein Sieg, der "noch eindrucksvoller wäre als die Präsidentschaft Obamas". Christopher Caldwell hält die europäische "Ideologie der Toleranz" für ein Hindernis bei der Integration von Immigranten. Edward Gottesman plädiert für eine E-Mail-Steuer zur Spam-Beseitigung. Philip Hunter referiert neueste Erkenntnisse über ein Gen, das manch einen auf Alkoholgenuss mit Kreativität reagieren lässt. Der Geschichtsprofessor Peter Baldwin sieht nicht erst seit Obama gar keine so großen Unterschiede mehr zwischen den USA und Europa.

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Gazeta Wyborcza (Polen) , 30.04.2009

Am 1. Mai jährte sich zum fünften Mal Polens Beitritt zur Europäischen Union. Neben dem allgemeinen Schulterklopfen (O-Ton Adam Michnik: "Niemand hätte gedacht, dass alles so gut gehen wird"), spricht die Vertreterin der EU-Kommission in Polen, Roza Thun, zur Abwechslung über die nicht erfüllten Erwartungen: "Während meiner Reisen durch Europa sehe ich, wie alle mit der Stimme Polens rechnen, wie die kleineren neuen Mitgliedsländer regelrecht auf sie warten. Ein französischer Diplomat sagte mir: Ihr wolltet frisches Blut, eure Leidenschaft in die Union einbringen. Wir sind des Gestaltens schon etwas müde, wir brauchen neue Ideen. Wo sind diese Ideen, wo die Leidenschaft?"

Für neue Ideen in der Gestaltung der polnisch-russischen Beziehungen plädiert Rafal Zasun. "Wahrscheinlich wird man die Kontroversen um Gas, Geschichte, den Raketenschirm und andere komplizierte Fragen nicht lösen können, aber das heißt nicht, dass man sich beleidigt den Rücken zukehren sollte. Das ist die schlimmstmögliche Strategie." Während andere Länder schon lange auf die Reformer im Kreml setzten, versuche niemand, diese Gruppe für Polen zu interessieren. "Die Unfähigkeit, unter der jungen russischen Elite Freunde zu gewinnen, ist eine Niederlage unserer Diplomaten, Politiker, aber auch der Journalisten, die über Russland schreiben", resümiert Zasun.

"Wenn ich das Recht habe, Soldaten ans andere Ende der Welt zu schicken, dann habe ich um so mehr das Recht, Kameras zu schicken. Vielleicht ist es gar besser, Kameras zu schicken, um später keine Soldaten schicken zu müssen", so antwortet der Regisseur Krzysztof Krauze auf die Frage, warum er einen Film über den Genozid in Ruanda macht. Polen sei nicht der Nabel der Welt, und man könne nicht immer nur Filme über Solidarnosc, den Runden Tisch oder den Papst drehen: "Es gibt viele Arten zu leben, aber unsere soll die einzig richtige sein. Und die sehen wir in all unseren Filmen. Diese hochmütige Art, wir wüssten besser, wie zu leben... Wir sollten einmal erzählen, dass wir es nicht besser wissen. Das allein wird schon interessant sein. Darauf basierte der Erfolg Kieslowskis."

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The New Statesman (UK) , 30.04.2009

Bild zum ArtikelGeradezu allergisch reagiert Andrew Orlowski auf Chris Andersons neues Buch "Free: the Future of a Radical Price", in dem Anderson die Freeconomics des Internets mit neuen Modellen firmeninterner Gegenfinanzierung retten möchte (hier der Essay zu dem Buch). Schon Andersons "The Long Tail" habe sich als Wired-typischer Mix aus manifest-destiny-Rhetorik und opportunistischer Verkaufe erwiesen, meint Orlowski: "Die implizierte Botschaft war, dass die Kleinen gewinnen würden. Viele Leute glaubten, dass Web 2.0 würde die Welt ein wenig fairer machen und lehnten jeden Beweis des Gegenteils ab. Erst vergangenes Jahr zeichnete sich mit einer großangelegten Studie zu Musikverkäufen im Internet ein etwas deutlicheres Bild digitaler Märkte ab. Der Ökonom Will Page und der Online-Händler Andrew Bud fanden heraus, dass die meisten Lieder, die online erhältlich waren, nie heruntergeladen wurden und dass die Konzentration weiter vorangeschritten war als jemals zuvor. Bei den Tauschbörsen zeigte sich das gleiche Muster. Obwohl es nie so billig war, ein riesiges Warenlager zu unterhalten, waren die Waren nichts oder nur wenig wert."

Außerdem: Bill Thompson zeichnet nach, wie kontraproduktiv der erste Sieg über Pirate Bay ist. Tom Hodgkinson findet, dass alle Technologie eh nur ein mieses kapitalistisches Konstrukt ist. Mark Fisher fürchtet, dass das Web kulturelle Innovationen verhindert, weil wir zu beschäftigt sind mit Archivieren, um noch irgendwas zu erfinden. Und James Harkin erklärt, warum feedback loops im Netz nicht unbedingt die Demokratisierung fördern.

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L'Espresso (Italien) , 30.04.2009

Bild zum ArtikelWie inzwischen jeder weiß, will sich Silvio Berlusconis Frau Veronica Lario scheiden lassen. Die mit dem Espresso verbandelte Tageszeitung Repubblica rühmt sich, die Trennung mit einem Artikel vom 28. April ausgelöst zu haben. Der enthüllte, "wie der Premierminister in der Nacht zum Sonntag eine Villa in Casoria besucht hat, wo man den 18. Geburtstag von Noemi Letizia feierte. Sie ist schön, blond, studiert Werbedesign an der Universität von Neapel und träumt von einer Fernsehkarriere, und zwar so sehr, dass sie ein 'Buch' mit Fotos von sich an den Premierminister persönlich schickte. Das Fotoalbum hat den Funken überspringen lassen. Das Mädchen nennt Berlusconi 'Papi'. Zu den Journalisten sagte sie später, dass sie ihn seit längerem kenne und immer wieder mal in Mailand oder Rom treffe, 'weil der Arme so viel arbeitet und nicht immer nach Neapel kommen kann'. Der Cavaliere schenkte ihr eine Kette aus gelbem und weißem Gold mit einem Brillantanhänger." Veronica Lario reagierte recht trocken auf die nächtlichen Ausflüge ihres 72-jährigen Noch-Ehegatten: "Das hat mich wirklich erstaunt, denn er kam nie zu irgendeinem 18. Geburtstag seiner Kinder, obwohl er eingeladen war", sagte sie La Stampa.

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Qantara (Deutschland) , 30.04.2009

Warum gibt es in der muslimischen Welt kaum Forschungseinrichtungen, die die Kultur und Geschichte des Westens studieren, fragt Maulana Waris Mazhari, ein schiitischer Gelehrter aus Indien. "Noch heute dominieren bei unseren Religionsgelehrten die gleichen stereotypen Sichtweisen über den Westen, die auch die Sicht des Westens auf die Muslime und den Islam zur Zeit der Kreuzzüge kennzeichneten. Die Ulema glauben noch immer, dass der Westen einzig für Trunkenheit steht, für sexuelle Freizügigkeit, Unmoral und alle anderen Formen liederlicher Gelüste und Vergnügungen – und so vermitteln sie es auch den Gläubigen. Dieser Ansatz verhinderte, dass wir von den guten Seiten, die der Westen zu bieten hat, hätten lernen können, und dies schließt viele Aspekte unseres eigenen wissenschaftlichen Erbes ein, die der Westen von uns übernahm und weiterentwickelte."

Außerdem: Bülent Ucar, Professor für Islamische Religionspädagogik in Osnabrück, kritisiert im Interview die Ungleichbehandlung von Islam und Christentum in Deutschland.

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The New York Times (USA) , 03.05.2009

Bild zum ArtikelRussell Shorto, Autor eines lesenswerten Buchs über die Frühgeschichte von New York, lebt heute in Amsterdam. Mit viel Sympathie beschreibt er für das Sunday Magazine den niederländischen Sozialstaat und hält entgegen dem amerikanischen Vorurteil fest, dass der soziale Ausgleich keineswegs nur staatlich, sondern gesellschaftlich - etwa durch Wohnungsbaugenossenschaften - organisiert ist. Aber dann stimmt er doch auch einem anderen Ex-Pat zu, der den Mentalitätsunterschied zwischen Europäern und Amerikanern so beschreibt: "Wenn du einem Niederländer sagst, dass du seine Steuern um 500 Euro erhöhst. um die Armen zu unterstützen, dann wird er das okay finden. Aber wenn du sagst, dass du seine Steuern um 500 Euro kürzt, damit er die Armen unterstützen kann, dann wird er das nicht tun. Die Holländer machen das nicht von selbst. Sie finden, dass das System das tun muss. Einem Amerikaner erscheint das als Mangel an Eigeninitiative."

Außerdem: Alex Witchel schreibt ein episches Porträt über Colm Toibin, dessen neuester Roman in Brooklyn spielt (hier die Besprechung der Times). Präsident Obama höchst selbst wird zu seiner Wirtschaftspolkitik interviewt.

Und der Times-Kolumnist Nicholas Kristof bespricht Richard Dowdens Buch "Altered States, Ordinary Miracles" (Lesung des Autors), dessen sehr kritische Bilanz westlicher Hilfe für Afrika er zustimmend zitiert: "'Auch die Hilfsindustrie hat ein Interesse daran, das Bild der Afrikaner als hoffnungslose Opfer endloser Kriege und Hungersnöte aufrechtzuerhalten', schreibt Dowden. 'So gut ihre Absicht anfangs gewesen sein mögen - die Hilfsorganisationen haben dazu beigetragen das immergleiche deprimierende Afrika-Bild zu schaffen. Sie und die Journalisten bestärken sich gegenseitig.'"

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Archiv: Magazinrundschau

Ein Puzzle im Dunkeln

19.04.2014. The Nation beschreibt, wie Künstler sich immer eifriger in Historiker verwandeln. Michel Houellebecq entpuppt sich in Le Point als Größenwahnsinniger. In Osteuropa erzählt Jörg Baberowski, wie der Zar Russland im Ersten Weltkrieg in einen unkontrollierbaren Gewaltraum verwandelte. Die NYRB blickt ins trostlos korrupte Uganda. In Telerama hofft Maïssa Bey in Algerien noch auf einen Wandel. Die NYT hört den Motherless Child Blues. Mehr lesen

Alles sündig Freudvolle

11.04.2014. In der London Review of Books erklärt Seymour Hersh, warum die türkische Regierung für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich sein könnte. Nautilus beleuchtet die Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts. In Eurozine erklärt Karl Ove Knausgård, wie er schreibt und welche Bedeutung sein Lektor hat. Le Monde untersucht die Dynamik des Völkermords. Der New Yorker liest vegetarische Kochbücher. Mehr lesen

Allegorien der Liebe

04.04.2014. Die NYT entdeckt die französische Küche neu. Die LRB besucht Veronese. Eurozine dokumentiert die Gender-Diskussion in Polen. Der Merkur erzählt die Geschichte des weißen südafrikanischen Antiapartheidkämpfers Edward Vincent Swart. La vie des idées beobachtet die Rückkehr des biologischen Rassekonzepts. Vanity Fair bringt eine Reportage über die größte Privatarmee der Welt, die G4S. Mehr lesen

Poesie und Transzendenz

28.03.2014. Die Huffington Post begutachtet den Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Im Guardian erklärt Chimamanda Ngozi Adichie den Unterschied zwischen westlichem und afrikanischem Sexismus. In Eurozine denkt Kenan Malik über sakrale Kunst nach. Die NYRB begibt sich auf Containerschifffahrt. Das TLS walkt eine Toga. Und der New Yorker fragt, was eigentlich bei der Belagerung von Waco 1993 schief ging. Mehr lesen

Als Denker befreit

21.03.2014. Walter Benjamin lebt - jedenfalls in Frankreich und den USA, melden Le Monde und der Chronicle. Der New Yorker präpariert die zersetzende Wirkung des Dekonstruktivismus am Beispiel Paul de Mans heraus. Im SZ Magazin singt der Videokünstler Matthew Barney ein Loblied auf den Widerstand. Elet es Irodalom hat ein Problem mit dem von der jüdischen Gemeinde Ungarns geplanten Haus des Zusammenlebens. Krieg ist kein Würzmittel für Mittelstandsgeschichten, knurrt The New Republic Lorrie Moore an. Mehr lesen

Das Land der sauberen Hände

14.03.2014. Mario Vargas Llosa erklärt in El País die Wut der Protestler in Venezuela. Der New Yorker rollt nach 40 Jahren den Mord an Kitty Genovese wieder auf. New Yorks Hipster werden von Darwin eingeholt, meldet Slate.fr: Anpassung ist die neue Abhebung. Marcel Ophüls erzählt in Les Inrocks, weshalb Spielfilme befriedigender sind als Dokumentationen. Und Men's Journal berichtet von Chinas boomendem Elfenbeinmarkt. Mehr lesen

Zurück in die Petrischale

07.03.2014. Elet es Irodalom muss hören, wie im ungarischen Radio die Demonstranten in Kiew als "Heckenschützen" und "Terroristen" beschrieben werden. Im Merkur empfiehlt András Bruck den ungarischen Liberalen etwas weniger Kultiviertheit. In der New York Review of Books stellt Timothy Snyder klar, dass Janukowitschs Oligarchen das reaktionäre Regime bildeten, vor dem die russische Propaganda so gern warnt. Slate begutachtet Vampire als Rockstars. In artechock geißelt Rüdiger Suchsland am Beispiel der Beltracchi-Doku das auf den Hund gekommene Selbst­ver­s­tändnis deutscher Kritiker. Mehr lesen

Anonymer, göttlicher Unbekannter

28.02.2014. In The Intercept erklärt Glenn Greenwald, wie die NSA gezielt den Ruf von Kritikern zerstört. La vie des idees betrachtet einen Fotoband über den stalinistischen Terror. The New Republic fühlt sich unwohler vor den Bildern der Futuristen. In Eurozine empfiehlt David Runciman eine Koordinierung der nationalen Wahlen in Europa. In der Boston Review erzählt der Journalist Uki Goñi, wie er mit einem Nonnenmörder die Nacht durchtanzte. Mehr lesen

Die Leute wollen Brot, Würde und Freiheit

21.02.2014. Keine Region hat unter Hitler und Stalin so schwer gelitten wie die Ukraine, erläutert Timothy Snyder in Télérama. Mac McClelland berichtet im Magazin der NYTimes aus einem türkischen Lager für syrische Flüchtlinge. In Guernica erklärt Masha Gessen, warum sie aus Russland ausgewandert ist. Nepszabadsag informiert über die Kontroverse über das ungarische Holocaust-Gedenkjahr. Und Chapati Mystery präsentiert pakistanischen Rap. Mehr lesen

Braten und Schnaps

14.02.2014. Bei edge.org schlägt Kevin Kelly Transparenz für alle vor, auch für die NSA. Die NYT schildert die letzten Tage Philip Seymour Hoffmans. Bei Eurozine beschreibt Volodymyr Yermolenko das Paradox im Herzen der ukrainischen Rebellion. Der New Statesman besucht eine Ausstellung über die Arbeiter-Spartakiade. Mediapart sucht 50 Millionen Euro von Gaddafi und findet sie bei Sarkozy. In Aeon philosophiert Aaron Ben-Zeev über die romantische Liebe. Mehr lesen

Ein zweiter Martini

07.02.2014. Berlinalebedingt kommt die Magschau ein bisschen später als sonst - pardon! In der LRB schildert die Historikerin Barbara Taylor die Zeitlosigkeit der Verzweiflung in psychiatrischen Krankenhäusern. In Nepszabadsag erklärt der Philosoph Gáspár Miklós Tamás, warum er die metaphorische Geografie von "Westen" und "Osten" ablehnt. in Eurozine begibt sich Stephan Ruß-Mohl auf die Suche nach der europäischen Öffentlichkeit, findet sie aber nicht. Die New Republic zerreißt Benjamin Britten, aber nicht ganz. Und Atlantic zieht am Männerbart. Mehr lesen

So etwas wie ein Wunderkind

31.01.2014. Washingtonian sucht den Mörder von Daniel Pearl. n+1 hört boeremusiek. Im Merkur macht Horst Meier kurzen Prozess mit dem Verfassungsschutz. In Vice erzählt Moe Tucker, wie sie das Trommeln lernte. Der Guardian schildert den Krieg Putins gegen die Moderne. Das New York Magazine trifft Chen Guangbiao, möglicherweise eines Tages Besitzer der New York Times. In Eurozine beharrt Jason Wilson darauf: Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung. Mehr lesen

Englishness ist eine Praxis

27.01.2014. In Elet es Irodalom protestieren 26 Historiker gegen ein geplantes Mahnmal, das an die deutsche Besatzung 1944 erinnern soll. Die LRB beobachtet anerkennend, wie sich die französischen Provinzstädte von Paris emanzipieren. Eurogamer erzählt, wie die Briten mit Monopoly den Zweiten Weltkrieg gewannen. Spiked überlegt, wann Pop das Zeitliche segnete. In der Paris Review erlebt David Cronenberg mit siebzig eine Verwandlung, wie sie Gregor Samsa auch nicht schlimmer widerfuhr. The New Republic lässt kein gutes Haar an Edward Snowden, Glenn Greenwald und Julian Assange. Mehr lesen

Die Scheuklappen der Historiker

14.01.2014. Bloomberg Businessweek erforscht die Welt der Bitcoins. Nationalismus ist Provinzialisierung, ruft Félix de Azúa in El Pais Semanal den katalanischen Politikern zu. Medium verliert sich in den eleganten Zeitlupenvideos Adam Magyars. Buchpreisbindung ist elitär, behauptet in Le Point der Schriftsteller Gaspard Koenig. Gentlemen's Quarterly sucht einen offenen Drogentunnel. In Guernica löst Ari Shavit den Nahostkonflikt in Minischritten. Und Vice erlebt eine Wiederauferstehung als Diamant. Mehr lesen

Der Geist kann tun und sein

07.01.2014. Medium liefert einen kleinen Einblick in die Folgen der Kameraüberwachung in Britannien. In französischen Magazinen kommentieren Pascale Bruckner und Bernard-Henri Levy das geplante Auftrittsverbot für den antisemitischen Komiker Dieudonné. Im Merkur denkt Ernst-Wilhelm Händler über Simmel und die Finanzmärkte nach. Das Boston Magazine untersucht die unrühmliche Rolle des MIT beim Tod von Aaron Swartz. In Commentary schreibt David Gelernter der Kognitionswissenschaft "Das Hirn ist kein Computer" ins Stammbuch. Cabinet feiert den Erfinder des Pfannkuchen-Make-ups, Max Factor. Mehr lesen

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