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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Ihr wolltet frisches Blut

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

05.05.2009. The Nation porträtiert den bulgarischen Mafioso und Autor Georgi Stoev, der genauso ermordet wurde, wie er es in seinen Büchern beschrieben hat. In Nepszabadsag erklärt der Dichter Akos Szilagyi, warum ein Gesetz gegen Holocaustleugnung nicht die Meinungsfreiheit einschränkt. Der New Yorker wünscht sich mehr Befehlsverantwortung. In der Gazeta Wyborcza fordert Roza Thun von den Polen mehr Leidenschaft für die EU. Im New Statesman glaubt Andrew Orlowski nicht an den Long Tail im Internet. In der NYT erklärt Russell Shorto den Unterschied zwischen einem Holländer und einem Amerikaner.

Nation (USA), 18.05.2009

Dimiter Kenarov porträtiert Georgi Stoev, einen ehemaligen Mafioso und Autor mehrerer autobiografischer Romane über die bulgarische Mafia. Einen Auftragsmord schildert er in einem seiner Romane so: zwei Schüsse in den Rücken, ein Kontrollschuss in den Kopf, und dann ruhig weggehen, denn gestellt wird man doch nicht. Genauso wurde Stoev vor einem Jahr ermordet. In Bulgarien streitet man bis heute über den Wahrheitsgehalt seiner Romane, so Kenarov, aber vielleicht wurde Stoev erschossen, weil er ein Tabu übertreten hatte. Und das bestand nicht darin, dass er einem ehemaligen Minister Mafiakontakte, sondern dass er ihm eine schwule Beziehung zu einem Ko-Mafioso nachsagte: "Diese Behauptung war in der bulgarischen Chauvi-Gesellschaft eine schwere Beleidigung, viel schlimmer als die Behauptung, jemand sei ein Verbrecher. Die Story wurde in allen Zeitungen und Talkshows immer wieder recycelt und diskutiert, bis sie fast als Tatsache akzeptiert war." Stoev hatte in einer Talkshow seine Ermordung selbst vorausgesagt.

Außerdem: Marc Perelman beschreibt das Aufleben der "linken" Linken in Frankreich, stellt aber keine neue Revolution in Aussicht.

Stichwörter: Bulgarien

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Nepszabadsag (Ungarn), 02.05.2009

Nach einer Demonstration von Neonazis in Budapest am 18. April wurde in Ungarn der Ruf nach einer Bestrafung der Holocaustleugnung lauter. Der Dichter und Literaturwissenschaftler Akos Szilagyi hätte damit kein Problem, denn seiner Ansicht nach ist die Leugnung von Auschwitz keine Meinungsäußerung, da heute der Fortschritt der Kultur an der Entfernung gemessen wird, die zwischen dieser Kultur und dem "in ihr verborgenem, schrecklichen Potenzial" (Safranski) liegt – und die Leugnung von Auschwitz eine Annäherung an dieses schreckliche Potenzial darstelle. "So gesehen ist die Leugnung der historischen Tatsache von Auschwitz dasselbe wie die Leugnung des Menschen, der Welt, Europas, des Christentums und der Freiheit in Auschwitz. So gesehen haben die Menschheit, die europäische Kultur und die demokratischen Freiheitsrechte keinen unversöhnlicheren Feind als den Auschwitz-Leugner. [...] Entsprechend verbietet die Legislative in diesem einzigen konkreten Fall (!) nicht die Äußerung einer noch so widerwärtigen, empörenden und unglaublichen 'Sondermeinung', sondern sie verteidigt die Existenzgrundlage dieser Welt nach Auschwitz."

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Monde (Frankreich), 02.05.2009

Jacques Mandelbaum, Filmkritiker von Le Monde, sieht eine ganze Welle politischer Dokumentarfilme auf Frankreich zurollen. Der Erfolg der Michael-Moore-Filme mag im Hintergrund stehen, auch die Tatsache, dass die Fernsehsender immer weniger zu derartigen Inhalten fähig sind. Aber es kommt noch etwas anderes hinzu: der Live-Aspekt, der nach dem Musik- nun auch das Filmbusiness retten soll. Mandelbaum zitiert einen Verleiher: "Die Begegnung zwischen dem Publikum und den Filmleuten ist wesentlich für diese Art von Filmstart. Das ist nicht irgendeine wilde Talkshowrunde. Die Leute haben einfach Lust sich das anzusehen, sie sind mit völligem Ernst bei der Sache. Das ist eine entscheidende Luftzufuhr für die heutige Landschaft, genau diese Art der Präsentation kann die Zukunft des Kinos sichern."

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Stichwörter: Michael Moore

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New Yorker (USA), 11.05.2009

In einem Kommentar zum Umgang der amerikanischen Regierung mit den für Folterungen Verantwortlichen weist Philip Gourevitch darauf hin, dass die einzigen, die wegen solcher Vergehen hinter Gittern gesessen hatten, zehn einfache US-Soldaten waren, die an den Übergriffen in Abu Ghraib beteiligt gewesen waren; nur noch einer von ihnen, der damals diensthabende Corporal Charles A. Graner, Jr., sei derzeit inhaftiert. Seine Vorgesetzten genössen dagegen noch immer ihre Freiheit und "den CIA-Verhörbeamten, die Gefangenen Jahre lang Schlimmeres zufügten als Graner in den finstersten Tagen in Abu Ghraib, wurde Immunität zugesichert. Sollte volle Gerechtigkeit unmöglich sein, können doch gewiss einige Ungerechtigkeiten korrigiert werden. Wann immer – wie in Nürnberg, Den Haag, Phnom Penh oder Kigali - gerichtlich über Staatsverbrechen geurteilt wird, gilt das Prinzip der Befehlsverantwortung, derzufolge für die befehlenden Vorgesetzten eine höhere Verantwortlichkeit gilt als für die einfachen Soldaten, die Befehle ausführten."

Weiteres: Malcolm Gladwell untersucht am Beispiel des indischstämmigen amerikanischen Softwareentwicklers Vivek Ranadive, der die eigentlich chancenlose Mädchen-Basketball-Mannschaft seiner Tochter zum Landesmeister machte, das David-gegen-Goliath-Prinzip: demnach müssen Unterlegene bzw. Außenseiter einfach Goliaths Regeln ignorieren. Judith Thurman bespricht Jennifer Scanlons Biografie "Bad Girls Go Everywhere" über Helen Gurley Brown, die 32 Jahre lang Chefredakteurin von Cosmopolitan war. Sasha Frere-Jones stellt die vierköpfige Band Grizzly Bear aus Brooklyn vor, deren Stärke ihr Gesang ist. Und David Denby sah im Kino Gavin Hoods Actionfilm "X-Men Origins: Wolverine", das Drama "Fighting" von Dito Montiel und James Tobacks Dokfilm "Tyson" über den Boxer Mike Tyson. Zu lesen ist außerdem J.G. Ballards "The Autobiography of J.G.B." und Lyrik von Richard Wilbur, C.D. Wright und Heather McHugh.

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Al Ahram Weekly (Ägypten), 30.04.2009

Nehad Selaiha beklagt die verpasste Chance, das ägyptische Theater ein bisschen zu modernisieren: Sie hat gerade Bahig Ismails Stück "Al-Ghoula" (Die Menschenfresserin) gesehen, das als folkloristisches Melodram wohl eher unsubtil von der Unterdrückung der Frauen eines fiktiven Beduinenstammes erzählt. Selaiha hält die Inszenierung für keinen guten Start der National Heritage Theatre Company, wie das Kairoer Al-Ghad-Theater von nun an heißt: "Anstatt der Tatsache ins Auge zu blicken, dass alle staatlichen Theaterensembles längst die Orientierung verloren haben und sich seit Jahren ohne Philosophie und Konzept durchwursteln, begnügen sich die Herren der staatlichen Theater-Organisation, mit neuen Namen zu jonglieren. Deswegen trägt das Al-Ghad-Ensemble jetzt einen anderen Namen, aber nicht das Theater-Gebäude, das weiterhin Al-Ghad heißt, und ich bezweifle sehr, dass der neue Name auch einen politischen Wechsel mit sich bringen oder überhaupt einen Unterschied machen wird."

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Prospect (UK), 01.05.2009

In einem Briefwechsel denken die Medienexperten Steven Johnson und Paul Starr über die Zukunft der Zeitung nach. Johnson ist optimistisch und glaubt, dass das neue System, das nach den gegenwärtigen Umwälzungen existieren wird, eine Verbesserung darstellen kann: "Eine Art, über die gegenwärtige Transformation nachzudenken, besteht darin, Medien als Ökosysteme zu begreifen. Die Art und Weise, in der in den heutigen Medien Information zirkulieren kann, ist viel näher am Modell des Ökosystems als es bei den alten, industriellen Versionen der Massenmedien der Fall war. Die neue Welt ist diverser, stärker vernetzt, ein System, in dem die Information freier fließt."

Anders sieht das Paul Starr, der Johnson im schneidenden Tonfalle eines Berufsoffiziers als Aggregator abbürstet, der sich an den Inhalten anderer mästet. Starr befürchtet nicht nur das Ende des investigativen Journalismus. Auch die breite Masse werden im Internet immer dümmer: "Wer eine Zeitung kauft, mag sich vor allem für den Sportteil oder das Kreuzworträtsel interessieren, aber trotzdem einen Blick auf die vorderen Seiten werfen und etwas über die Stadt und die Welt erfahren. Online gehen die Leute, die sich für Sport oder Rätsel interessieren, direkt zu den spezialisierten Angeboten und vermeiden so den Kontakt mit Nachrichten und Debatten, die gesellschaftliche Ereignisse im allgemeinen betreffen." Starrs Artikel in The New Republic über die Zeitungen war da um einiges differenzierter.

Weitere Artikel in einer spannenden Prospect-Ausgabe: Meghnad Desai porträtiert die indische Politikerin Mayawati, die realistische Aussichten hat, als erste Angehörige der niedrigsten, nämlich der Dalit-Kaste, bei den gerade laufenden Wahlen Ministerpräsidentin zu werden - ein Sieg, der "noch eindrucksvoller wäre als die Präsidentschaft Obamas". Christopher Caldwell hält die europäische "Ideologie der Toleranz" für ein Hindernis bei der Integration von Immigranten. Edward Gottesman plädiert für eine E-Mail-Steuer zur Spam-Beseitigung. Philip Hunter referiert neueste Erkenntnisse über ein Gen, das manch einen auf Alkoholgenuss mit Kreativität reagieren lässt. Der Geschichtsprofessor Peter Baldwin sieht nicht erst seit Obama gar keine so großen Unterschiede mehr zwischen den USA und Europa.

Stichwörter: Peter Baldwin

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Gazeta Wyborcza (Polen), 30.04.2009

Am 1. Mai jährte sich zum fünften Mal Polens Beitritt zur Europäischen Union. Neben dem allgemeinen Schulterklopfen (O-Ton Adam Michnik: "Niemand hätte gedacht, dass alles so gut gehen wird"), spricht die Vertreterin der EU-Kommission in Polen, Roza Thun, zur Abwechslung über die nicht erfüllten Erwartungen: "Während meiner Reisen durch Europa sehe ich, wie alle mit der Stimme Polens rechnen, wie die kleineren neuen Mitgliedsländer regelrecht auf sie warten. Ein französischer Diplomat sagte mir: Ihr wolltet frisches Blut, eure Leidenschaft in die Union einbringen. Wir sind des Gestaltens schon etwas müde, wir brauchen neue Ideen. Wo sind diese Ideen, wo die Leidenschaft?"

Für neue Ideen in der Gestaltung der polnisch-russischen Beziehungen plädiert Rafal Zasun. "Wahrscheinlich wird man die Kontroversen um Gas, Geschichte, den Raketenschirm und andere komplizierte Fragen nicht lösen können, aber das heißt nicht, dass man sich beleidigt den Rücken zukehren sollte. Das ist die schlimmstmögliche Strategie." Während andere Länder schon lange auf die Reformer im Kreml setzten, versuche niemand, diese Gruppe für Polen zu interessieren. "Die Unfähigkeit, unter der jungen russischen Elite Freunde zu gewinnen, ist eine Niederlage unserer Diplomaten, Politiker, aber auch der Journalisten, die über Russland schreiben", resümiert Zasun.

"Wenn ich das Recht habe, Soldaten ans andere Ende der Welt zu schicken, dann habe ich um so mehr das Recht, Kameras zu schicken. Vielleicht ist es gar besser, Kameras zu schicken, um später keine Soldaten schicken zu müssen", so antwortet der Regisseur Krzysztof Krauze auf die Frage, warum er einen Film über den Genozid in Ruanda macht. Polen sei nicht der Nabel der Welt, und man könne nicht immer nur Filme über Solidarnosc, den Runden Tisch oder den Papst drehen: "Es gibt viele Arten zu leben, aber unsere soll die einzig richtige sein. Und die sehen wir in all unseren Filmen. Diese hochmütige Art, wir wüssten besser, wie zu leben... Wir sollten einmal erzählen, dass wir es nicht besser wissen. Das allein wird schon interessant sein. Darauf basierte der Erfolg Kieslowskis."

Stichwörter: Adam Michnik

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New Statesman (UK), 30.04.2009

Geradezu allergisch reagiert Andrew Orlowski auf Chris Andersons neues Buch "Free: the Future of a Radical Price", in dem Anderson die Freeconomics des Internets mit neuen Modellen firmeninterner Gegenfinanzierung retten möchte (hier der Essay zu dem Buch). Schon Andersons "The Long Tail" habe sich als Wired-typischer Mix aus manifest-destiny-Rhetorik und opportunistischer Verkaufe erwiesen, meint Orlowski: "Die implizierte Botschaft war, dass die Kleinen gewinnen würden. Viele Leute glaubten, dass Web 2.0 würde die Welt ein wenig fairer machen und lehnten jeden Beweis des Gegenteils ab. Erst vergangenes Jahr zeichnete sich mit einer großangelegten Studie zu Musikverkäufen im Internet ein etwas deutlicheres Bild digitaler Märkte ab. Der Ökonom Will Page und der Online-Händler Andrew Bud fanden heraus, dass die meisten Lieder, die online erhältlich waren, nie heruntergeladen wurden und dass die Konzentration weiter vorangeschritten war als jemals zuvor. Bei den Tauschbörsen zeigte sich das gleiche Muster. Obwohl es nie so billig war, ein riesiges Warenlager zu unterhalten, waren die Waren nichts oder nur wenig wert."

Außerdem: Bill Thompson zeichnet nach, wie kontraproduktiv der erste Sieg über Pirate Bay ist. Tom Hodgkinson findet, dass alle Technologie eh nur ein mieses kapitalistisches Konstrukt ist. Mark Fisher fürchtet, dass das Web kulturelle Innovationen verhindert, weil wir zu beschäftigt sind mit Archivieren, um noch irgendwas zu erfinden. Und James Harkin erklärt, warum feedback loops im Netz nicht unbedingt die Demokratisierung fördern.

Stichwörter: Mark Fisher

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Espresso (Italien), 30.04.2009

Wie inzwischen jeder weiß, will sich Silvio Berlusconis Frau Veronica Lario scheiden lassen. Die mit dem Espresso verbandelte Tageszeitung Repubblica rühmt sich, die Trennung mit einem Artikel vom 28. April ausgelöst zu haben. Der enthüllte, "wie der Premierminister in der Nacht zum Sonntag eine Villa in Casoria besucht hat, wo man den 18. Geburtstag von Noemi Letizia feierte. Sie ist schön, blond, studiert Werbedesign an der Universität von Neapel und träumt von einer Fernsehkarriere, und zwar so sehr, dass sie ein 'Buch' mit Fotos von sich an den Premierminister persönlich schickte. Das Fotoalbum hat den Funken überspringen lassen. Das Mädchen nennt Berlusconi 'Papi'. Zu den Journalisten sagte sie später, dass sie ihn seit längerem kenne und immer wieder mal in Mailand oder Rom treffe, 'weil der Arme so viel arbeitet und nicht immer nach Neapel kommen kann'. Der Cavaliere schenkte ihr eine Kette aus gelbem und weißem Gold mit einem Brillantanhänger." Veronica Lario reagierte recht trocken auf die nächtlichen Ausflüge ihres 72-jährigen Noch-Ehegatten: "Das hat mich wirklich erstaunt, denn er kam nie zu irgendeinem 18. Geburtstag seiner Kinder, obwohl er eingeladen war", sagte sie La Stampa.

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Qantara (Deutschland), 30.04.2009

Warum gibt es in der muslimischen Welt kaum Forschungseinrichtungen, die die Kultur und Geschichte des Westens studieren, fragt Maulana Waris Mazhari, ein schiitischer Gelehrter aus Indien. "Noch heute dominieren bei unseren Religionsgelehrten die gleichen stereotypen Sichtweisen über den Westen, die auch die Sicht des Westens auf die Muslime und den Islam zur Zeit der Kreuzzüge kennzeichneten. Die Ulema glauben noch immer, dass der Westen einzig für Trunkenheit steht, für sexuelle Freizügigkeit, Unmoral und alle anderen Formen liederlicher Gelüste und Vergnügungen – und so vermitteln sie es auch den Gläubigen. Dieser Ansatz verhinderte, dass wir von den guten Seiten, die der Westen zu bieten hat, hätten lernen können, und dies schließt viele Aspekte unseres eigenen wissenschaftlichen Erbes ein, die der Westen von uns übernahm und weiterentwickelte."

Außerdem: Bülent Ucar, Professor für Islamische Religionspädagogik in Osnabrück, kritisiert im Interview die Ungleichbehandlung von Islam und Christentum in Deutschland.

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New York Times (USA), 03.05.2009

Russell Shorto, Autor eines lesenswerten Buchs über die Frühgeschichte von New York, lebt heute in Amsterdam. Mit viel Sympathie beschreibt er für das Sunday Magazine den niederländischen Sozialstaat und hält entgegen dem amerikanischen Vorurteil fest, dass der soziale Ausgleich keineswegs nur staatlich, sondern gesellschaftlich - etwa durch Wohnungsbaugenossenschaften - organisiert ist. Aber dann stimmt er doch auch einem anderen Ex-Pat zu, der den Mentalitätsunterschied zwischen Europäern und Amerikanern so beschreibt: "Wenn du einem Niederländer sagst, dass du seine Steuern um 500 Euro erhöhst. um die Armen zu unterstützen, dann wird er das okay finden. Aber wenn du sagst, dass du seine Steuern um 500 Euro kürzt, damit er die Armen unterstützen kann, dann wird er das nicht tun. Die Holländer machen das nicht von selbst. Sie finden, dass das System das tun muss. Einem Amerikaner erscheint das als Mangel an Eigeninitiative."

Außerdem: Alex Witchel schreibt ein episches Porträt über Colm Toibin, dessen neuester Roman in Brooklyn spielt (hier die Besprechung der Times). Präsident Obama höchst selbst wird zu seiner Wirtschaftspolkitik interviewt.

Und der Times-Kolumnist Nicholas Kristof bespricht Richard Dowdens Buch "Altered States, Ordinary Miracles" (Lesung des Autors), dessen sehr kritische Bilanz westlicher Hilfe für Afrika er zustimmend zitiert: "'Auch die Hilfsindustrie hat ein Interesse daran, das Bild der Afrikaner als hoffnungslose Opfer endloser Kriege und Hungersnöte aufrechtzuerhalten', schreibt Dowden. 'So gut ihre Absicht anfangs gewesen sein mögen - die Hilfsorganisationen haben dazu beigetragen das immergleiche deprimierende Afrika-Bild zu schaffen. Sie und die Journalisten bestärken sich gegenseitig.'"

Stichwörter: Brooklyn, Colm Toibin

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Archiv: Magazinrundschau

Raum für ein paar härtere Fragen

20.10.2014. Nicht das Virus, sondern das katastrophale Gesundheitswesen in Liberia ist schuld an Ebola, schreibt Harvard-Experte Paul Farmer in der LRB. Micromega verortet Papst Franziskus zwischen Sein und Schein. Vice betreibt die Archäologie des Northern Soul. In Quietus verlangt Teju Cole mehr Gehör für Nigeria. Télérama schüttet die Gräben zwischen den Generationen zu. Wenn Hector Abad mit nur einer einzigen Website auf eine einsame Insel surfen dürfte, dann wäre das die Wikipedia, erklärt er in El Espectador. Mehr lesen

Wie mit weißer Tinte geschrieben

14.10.2014. Drei amerikanische Medien sehen schwarz in Afrika: Die Newsweek überprüft George Clooneys Engagement für den Südsudan. Der New Yorker schildert die von Frankreich gerade so gestoppte Selbstzerfleischung der Zentralafrikanischen Republik. In der New Republic bezweifelt Martha Nussbaum den Sinn westlichen Engagements. Ungarische Magazine beschreiben, wie Intellektuelle sich vom Regime glattschleifen lassen. Im New Statesman unterhält sich Grayson Perry mit Martin Amis. Télérama widmet sich der krisenhaften Beziehung von Truffaut und Godard. Mehr lesen

Sex ist Komödie

07.10.2014. Der New Yorker begleitet die Müllmänner von Kairo. Nepszabadsag fragt, warum die EU einen Mann zum Bildungskommissar ernennen will, der in Ungarn die Medien kastriert hat. In Perfil erzählt Martin Kohan, warum die Vergangenheit nichts Unverrückbares ist. In Slate.fr erklärt Luc Dardenne, warum seine Filme mehr Intuition als Moral haben. Das New York Magazine lässt Drohnen fliegen. Der Mars ist die Grenze, ruft Elon Musk in Aeon. Mehr lesen

Silber unter das Blau

30.09.2014. Vice erzählt, wie die internationale Frauenbrigade Al-Khansa-Brigade des IS die Frauen im syrischen Raqqa inspiziert. Der New Yorker schildert, wie geschickt die Kurden für einen eigenen Staat kämpfen. Außerdem bewundert er die Schattierungen von Blau des Malers Chris Ofili auf Trinidad. Fortune stellt die ENIAC-Frauen vor, die das Programmieren erfanden. Bloomberg erzählt, warum die USA längst ein Mittel gegen Ebola haben könnten. Linkiesta staunt, wie gut die chinesische mit der italienischen Mafia kann. Die BBC porträtiert den erfolgreichen griechischen Bankräuber und Volkshelden Vassilis Paleokostas. Mehr lesen

Aurale Zwischenposition

23.09.2014. Vanity Fair erklärt, warum gerade die schnelle Hilfe die Verbreitung des Ebola-Virus begünstigt hat. La vie des idees schildert die ungleiche Behandlung von Muslimen und Juden in Frankreich. Medium begleitet freiwillige Rettungshelfer durch Aleppo. Der Guardian versinkt in der Korruption Timbuktus. IndieWire analysiert den komplexen Signifikanten in Steven Soderberghs Mini-Serie "The Knick". Die Financial Times fragt sich, ob Firmen-PR der neue Journalismus ist. Die New York Times weiß, wann Politiker zu Promis wurden. Mehr lesen

Dieser Ahhhhhhh-Moment

16.09.2014. In El Pais Semanal erklärt Javier Cercas, warum Katalonien nicht Schottland ist. Im Guardian lehnt Howard Jacobson den totalen Sieg im Diskurs ab. Mehr erhabene Kunst fordert in Nepszabadsag der neue Direktor der Budapester Kunsthalle. Der New Statesman porträtiert den Bürger als Kriegsberichterstatter. The Atlantic besucht einen afghanischen Jungen, der ein Mädchen ist. Die Hudson Review trauert mit Berlioz um Hamlet. Der New Yorker sucht Wonder Women. Mehr lesen

Maoistische Synthese der Oppositionen

11.09.2014. Diese Woche war die Magazinrundschau so riesig, dass wir sie geteilt haben. Heute also der zweite Teil mit einem sehr lesenswerten Artikel von Assaf Sharon in der NYRB über die verfehlte Politik Netanjahus. Bookforum stellt eine Geschichte Gazas vor. Im Guardian gerät AL Kennedy über einen goldenen Ferrari ins Grübeln. In Eurozine beschreibt der Soziologe Boris Dubin die Machtlosigkeit der russischen Gesellschaft. Und das New York Magazine stellt die CEO Martine Rothblatt vor, die ihre Ehefrau als Computer hat nachbauen lassen. Mehr lesen

Zentrum und Peripherie

09.09.2014. Die London Review besucht die Ostukraine und stellt fest: alles Übel begann auf der Krim. Im Mittelweg 36 streitet Reinhard Merkel das ab: die Krim hat die Seperation doch gewählt. Die Blätter machen die Lösegeldzahlungen der EU verantwortlich für den Gewaltmarkt im Nahen Osten. Das Schreibheft erinnert an den Lyriker Uwe Greßmann. Pitchfork und Telerama trauern den analogen Zeiten nach. Und der New Yorker fragt, warum ein Arbeiter bei McDonalds so wenig verdient, dass er auf staatliche Essensmarken angewiesen ist. Mehr lesen

Allein die Schrift!

02.09.2014. Bloomberg Businessweek macht sich jung und guckt AwesomenessTV. Der Merkur staunt über die Textlastigkeit der Suhrkamp-Kultur. Das Chicago Magazine erinnert daran, wer zuerst Handys wollte: die Polizei. The Verge schildert den Titanenkampf zwischen Uber und Lyft. In HVG denkt Péter Esterházy über Kleinkariertheit nach. Die Poetry Foundation bewundert den "Emperor of Ice-Cream". Mehr lesen

Kompass des Bösen

26.08.2014. Im Spectator gibt der Historiker Tom Holland einen Einblick in die religiösen Vielfalt Mesopotamiens, die die Isis gerade zerstört. Vanity Fair erzählt die Geschichte der Madame Claude. Dawn stellt ein Buch über den muslimischen Zionismus in Pakistan vor. Kathrin Passig denkt in Funkkorrespondenz über die Nützlichkeit irrationaler Argumente nach. Die Public Domain Review erzählt, wie das Lachgas den Schriftstellern und Wissenschaftlern die Sprache verschlug. Das TLS liest eine neue Brecht-Biografie. Mehr lesen

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
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Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

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