Bücherschau der Woche
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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Magazinrundschau
Eloquente Nichtskönner
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
31.03.2009. Im Spectator erklärt John Cleese einem Kritiker, was ein Kritiker ist. In Tygodnik Powszechny gelingt dem Philosophen Jean-Luc Marion doch noch der Gottesbeweis. In Prospect findet Hanif Kureishi heutige Texte ängstlich, die Autoren schreckensstarr. Im New Yorker skizziert Seymour Hersh eine komplizierte und kluge Diplomatie gegenüber Syrien und dem Iran. Der Espresso beobachtet die kalabrische Mafia beim ptt. Wired lässt sich erzählen, wie der größte Diamantenraub der Geschichte ablief. n+1 ist glücklich, dass die Deutschen wieder seltsamen Sex haben. Viel zu ernst findet die Gazeta Wyborcza die Berliner Inszenierung von Maslowskas "Wir kommen gut klar mit uns". In der NYT erhitzt Freeman Dyson das Klima.
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The Spectator (Großbritannien), 25.03.2009
John Cleese, der Monty-Python-Veteran, wird in Zukunft als Teilzeitkolumnist für den Spectator arbeiten. In seinem ersten Beitrag zählt er mit diebischer Freude die ganzen Verrisse auf, die er hier seit dreißig Jahren abbekommt: "Was immer man macht, es wird immer Kritiker geben, die das nicht mögen. Da kann man sich nur wünschen, dass sie für Journale schreiben, die eine so winzige Auflage haben wie der Spectator vor 20 Jahren. Es ist auch tröstlich zu wissen, dass diese Kritiken nie von Kollegen aus der Kreativbranche oder vielleicht sogar von jemand gelesen werden, der einem einen Job anbieten will. So gesehen war eine Watschn in diesem Blatt nur wenig schmerzhafter als sagen wir, im Zagreb Boten. Ein Exkurs: Interessante Ideen kommen oft aus der Welt des Managements. Ein nützliches Konzept ist etwa der 'eloquente Nichtskönner'. Das ist eine Person, die klar, stichhaltig und überzeugend über etwas reden kann, ohne die Realität der Sache zu begreifen, die ihre Worte beschreiben. Solch eine Person ist gefährlich für eine Organisation, weil sie sehr überzeugend klingen kann, obwohl sie nicht die leiseste Ahnung hat, worüber sie eigentlich spricht. Es ist wirklich komisch, dass Leute, die weder Dialoge schreiben noch sie spielen oder aufführen können, dass diese Leute jene beurteilen sollen, die das können."
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Tygodnik Powszechny (Polen), 29.03.2009
Im Interview mit der polnischen Wochenzeitung sagt der französische Philosoph Jean-Luc Marion über sein Fach: "Philosophie ist verantwortlich für alles, was nicht heißt, dass sie die direkte Verantwortung für die eine oder andere Einzelfrage ist. Sie antwortet nicht auf Detailfragen oder Bedürfnisse - dafür gibt es die Wissenschaft, Technik oder Kultur. Philosophie ist eine Öffnung, sie öffnet den Raum für alle anderen Fragen". Außerdem geht es um die Frage, ob Gott existiert: "Gott existiert, aber was folgt daraus, wenn doch die Kaffeetasse vor mir auch existiert? Ich glaube an Gott nicht deswegen, weil er existiert, sondern weil Gott Gott ist. Man kann nicht an alles glauben, was existiert!"
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Prospect (Großbritannien), 01.04.2009
Kenan Malik, der in der englischsprachigen Welt offenbar ganz allein dafür sorgen muss, dass der Jahrestag der Fatwa gegen Rushdie nicht totgeschwiegen wird, hat den Schriftsteller Hanif Kureishi zum Gespräch getroffen: "Die Fatwa war für Kureishi eine traumatische Erfahrung. 'Sie hat meine Themen, mein Schreiben verändert. Anders als Salman hatte ich mich nie wirklich für den Islam interessiert. Ich stamme aus einer muslimischen Familie. Aber sie gehörten alle der Mittelschicht an - Intellektuelle, Journalisten, Schriftsteller - sehr antiklerikal. Ich war Atheist, wie Salman, wie viele Asiaten unserer Generation. Ich habe mich für Dinge wie Rasse, Identität, Hybridität interessiert, aber nie für den Islam. Die Fatwa hat all das verändert. Ich habe begonnen, dem Fundamentalismus nachzuforschen. Ich habe begonnen, Moscheen aufzusuchen, habe mit Islamisten gesprochen." Die Auswirkungen der Fatwa hält Kureishi für gewaltig: "'Heute', ist sich Kureishi sicher, 'hätte keiner mehr den Mut, die 'Satanischen Verse' zu schreiben, geschweige denn zu veröffentlichen. Die Texte von heute sind ängstlich, weil die Autoren schreckensstarr sind.'"
Weitere Artikel: In der Titelgeschichte "Nach dem Kapitalismus" vergleicht Geoff Mulgan den Kapitalismus von heute in einem Gedankenexperiment mit der Monarchie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bartle Bull fürchtet, dass aus Obama das Undenkbare wird: ein zweiter Jimmy Carter. Aatish Taseer berichtet von seiner Reise ins Land seiner Vorfahren, nämlich nach Pakistan. Jamie Bartlett und Michael King erklären den Trick im Umgang mit Al Qaida: Es muss gelingen, die Terror-Organisation langweilig erscheinen zu lassen. Colin Murphy fragt, wie lebendig das Werk Samuel Becketts noch ist.
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Le Figaro (Frankreich), 27.03.2009
"Sinnentleerte Supermärkte" seien aus Museen geworden, wettert der Philosoph und ehemalige französische Minister für Jugend, Bildung und Wissenschaft Luc Ferry in einem kurzen Interview anlässlich des Erscheinens seines Essays "Homo aestheticus" (LGF). Die Vermassung der Museen sei eine Form "höchster Verdummung der Konsumgesellschaft", die nicht mal merke, dass sie sich in einem tiefen Paradox befinde: das absolut Subversive sei zum populären Einheitsbrei geworden. "Wenn man im Musee du quai Branly einer Schulklasse oder einer Busladung Touristen folgt, hört man vor einer Maske der Dogon Bemerkungen wie: 'Das hätte ich aber nicht gern im Wohnzimmer hängen', und religiöse Symbole werden für Kunstwerke gehalten, weil wir deren Bedeutung verloren haben. Das ist nicht besonders erfreulich."
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Al Ahram Weekly (Ägypten), 26.03.2009
Amr Hamzawy nimmt den ersten Bericht des Cairo Institute for Human Rights Studies (CIHRS) über Menschenrechte in der arabischen Welt zum Anlass, den Totalitarismus und die Demagogie in der arabischen Welt zu untersuchen. "Die Welle von Wahlsiegen für religiöse Parteien und Kräfte haben arabische Linke, Nationalisten und sogar Liberale das Phänomen mit einem Achselzucken quittiert. Mit grober Vereinfachung schrieben sie es einem 'falschen Bewusstsein der Massen' zu, einer Übergangsphase oder sahen es als Zeichen der politischen Apathie der 'säkularen Mehrheit', die das Feld gutgerüsteten islamistischen Kräften überlassen habe. Die antidemokratische Demagogie liegt hier in der Bereitschaft, Fakten von ihrer sozialen Substanz zu trennen und sie zu Argumenten zu verbiegen, die die Überzeugung des Sprechers belegen. Die demagogische Zugriff auf Geschichte zeigt sich auch in dem plumpen Umgang mit dem Holocaust im Europa der dreißiger und vierziger Jahre."
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The New Yorker (USA), 06.04.2009
In einem wie immer akribisch recherchierten Artikel untersucht Seymour M. Hersh die anhaltende Bereitschaft Syriens für einen Frieden mit Israel und das Interesse des Landes an einem Anschluss an den Westen - eine Chance für die Obama-Regierung, so Hersh, als Verhandlungsvermittler für den Frieden im Nahen Osten aktiv zu werden. Eine für alle Seiten motivierende Schlüsselrolle habe dabei der Iran, da Syriens Präsident Bashar Assad das Land nicht an den Rand drängen, sondern in Gespräche über die Region einbeziehen wolle - unter Beteiligung Amerikas und eventuell sogar Israels. Entscheidend sei, dass die bisherige Bush-Politik ein Ende nehme. Hersh resümiert: "Das Weiße Haus muss in den nächsten Monaten schwierige diplomatische Entscheidungen treffen. Assad hat der Obama-Regierung erklärt, sein Land könne den amerikanischen Rückzug aus dem Irak erleichtern. Syrien könnte den USA auch bei Gesprächen mit dem Iran unterstützen, und im Gegenzug könnten die Iraner zu Alliierten im benachbarten Afghanistan werden, wo die Obama-Regierung darum ringt, mit der Taliban-Bedrohung und ihrem stärker werdenden Engagement in diesem Land fertig zu werden - und den langjährigen Einsatz für das Wohl Israels zu erhalten. Jedes dieser Szenarien hat Schattenseiten. Sie alle aufzulösen wird schwierig und erfordert komplizierte und kluge Diplomatie - die Art von Diplomatie, die in den letzten acht Jahren verschwunden ist und die Obamas Team nun beweisen muss, dass sie sie beherrscht."
Anthony Gottlieb bespricht die Biografie "The House of Wittgenstein: A Familiy at War". Sasha Frere-Jones stellt das Album "No Line on the Horizon" von U2 vor. Und Anthony Lane sah im Kino Rob Lettermans Science-Fiction-Animationsfilm "Monsters vs. Aliens" und Emmanuel Mourets französische Liebeskomödie "Küss mich bitte" ("Un baiser s'il vous plait"). Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Visitation" von Brad Watson und Lyrik von A.S. Byatt und Lawrence Raab.
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Literaturen (Deutschland), 01.04.2009
Aram Lintzel untersucht in seiner Netzkarte-Kolumne diesmal, welche Formen der Hass im Web so annimmt: "Die Seite www.hatebook.org ... folgt dem paradoxen Motto 'Everybody loves to hate' und versteht sich als ein 'antisoziales Programm', das seine Mitglieder von den Hassobjekten dieser Welt 'disconnected'. Wenn Facebook dazu dient, soziales Kapital - das heißt: Freunde und Beziehungen - anzuhäufen, dann ist Hatebook in diesem Sinne eine Kapitalvernichtungsmaschine. Wer die Aufforderung ernst nimmt, sein 'Hate-Profile' zu 'pimpen', also aufzumotzen, und die Felder 'Books I hate' oder 'Interests that suck' ausfüllt, der, so könnte man sagen, kappt mit diesen konkreten Negationen bewusst die Verbindungen ans produktive Netzwerk der Medien, Märkte und Meinungen. Da macht es auch nichts, dass hier wie bei so vielen Web 2.0-Phänomenen die Frage, wie ernst oder ironisch das alles gemeint ist, meist unentscheidbar bleibt."
(Nachtrag: ein Leser macht uns gerade darauf aufmerksam, dass dies die "Netzkarte" aus dem letzten Heft ist. Offenbar war die Webseite von Literaturen heute morgen noch nicht vollständig aktualisiert.)
Sehr viel positiver gestimmt ist der Titel des neuen Hefts: Da geht es nämlich um den Erfolg und die Frage, an AutorInnen und Verlage, wie man ihn mit Büchern hat. Nichts davon ist online. Aber ein Sätzchen sei doch zitiert aus dem Gespräch des Lektors Wolfgang Hörner, der Buchhändlerin Ruth Klinkenberg, dem Autor Tilman Rammstedt und der Verlegerin Elisabeth Ruge. Letztere meint über den Sinn von Anzeigen: "Und wenn man sich überlegt, dass zwei Anzeigen in der FAZ oder der Süddeutschen bei vielen Verlagen der Vorauszahlung für den Roman entsprechen, die man einem jungen Autor gegenüber leistet, dann ist das doch verrückt. Da muss man sich fragen, ob eine solche Ausgabe wirklich sinnvoll ist." (Natürlich nicht, schalten Sie im Perlentaucher!)
Weiteres: Das Kriminal hat diesmal Frauke Meyer-Gosau verfasst, es geht um Jan Costin Wagners neuen Roman "Im Winter der Löwen". (Online ist nicht zu erfahren, ob der Kolumnenautor Franz Schuh einmalig oder auf Dauer aus dem Weg geräumt wurde.) In ihrer "Beiseite"-Kolumne erzählt Sibylle Berg von einem, der die Schweizer hassen und diesem Hass eine Form zu geben lernt. Diesmal berichtet die Autorin A.S. Byatt, was sie gerade liest.
Besprochen werden Jan Schüttes Isaac-B.-Singer-Verfilmung "Späte Liebe" sowie John Dickies Kulinarik-Sachbuch "Delizia! Die Italiener und ihre Küche", Viktor Jerofejews neues Buch über die "Russische Apokalypse", Cord Riechelmanns Hörbuch "Die Stimmen der Tiere" und Herfried Münklers Ideengeschichte "Die Deutschen und ihre Mythen".
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L'Espresso (Italien), 26.03.2009
Europa haben sie bereits erobert, jetzt kommen Afrika und vor allem die USA dran: Für die kalabrische Mafia, die 'Ndrangheta, sind Krisenzeiten gute Zeiten, schreibt Antonio Nicaso. Jetzt können sie expandieren. Vor Ort sind sie schon lange. "Heute herrscht die 'Ndrangheta in den Vereinigten Staaten, ohne dass sie Befehle geben. Und sie kommunizieren, ohne zu reden. Wie kürzlich in Manhattan: Ein Broker der 'Ndrine wurde am Tisch eines Restaurants beobachtet, in Begleitung von drei Drogenhändlern. Der kalabrische Broker und die drei mexikanischen Drogentypen haben erstmal Fisch bestellt und dann begonnen, mit ihren Blackberrys Textnachrichten per ptt - push to talk - auszutauschen. Eines der wenigen Systeme, das man ebenso wie Skype nicht abhören kann. Sie blieben praktisch das ganze Essen lang stumm, von der Languste bis zum Krabbencocktail, und schickten sich Textnachrichten, um ihre Geschäfte abzuwickeln. High Tech und Blutsbande - die Kraft der 'Ndrangheta liegt genau darin: sich an jede Situation anzupassen ohne ihre Wurzeln zu verraten, ohne vom Vorbild der 'ehrenwerten' Gesellschaft mit Regeln und Werten abzuweichen, wie sie von der Mitte des 19. Jahrhunderts an von Vater zu Sohn weitergegeben wurde."
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Wired (USA), 01.04.2009
Leonardo Notarbartolo wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er den größten Diamantenraub der Geschichte organisiert haben soll: Diamanten, Gold und Juwelen im Wert von 100 Millionen Dollar, die 2003 aus dem Antwerpener Diamantencenter gestohlen wurden. Die Beute ist bis heute verschwunden. Noch im Gefängnis, erzählt er Joshua Davis seine höchst spannende Geschichte: Notarbartolo kam oft nach Antwerpen. "Wenn er seine gestohlene Ware verkaufen wollte, handelte er nur mit einigen wenigen Käufern, denen er vertraute. Als er diesmal seinen Espresso austrank, kam einer von ihnen - ein jüdischer Händler - herein und setzte sich neben ihn, um zu plaudern: 'Eigentlich würde ich gerne mit dir über eine etwas ungewöhnliche Sache sprechen', sagte der Händler beiläufig. 'Können wir ein bisschen gehen?' Sie gingen raus und als sie den District verlassen hatten, nahm der Dealer das Gespräch wieder auf. Sein Ton hatte sich verändert, die Beiläufigkeit war verschwunden. 'Ich würde dich gerne für einen Raub anheuern', sagte er. 'Einen großen Raub.' Die Abmachung war einfach. Für eine erste Zahlung von 100.000 Euro sollte Notarbartolo eine einfache Frage beantworten: Konnte die Kammer im Antwerpener Diamantencenter ausgeraubt werden?" Mit ein bisschen Hilfe ging es dann, aber stellen Sie sich die Überraschung vor, als Notarbartolo und seine Kumpels die Tür aufmachten und ... Lesen Sie das selbst und gucken Sie sich das Video an!
Außerdem: Andrew Curry stellt das deutsche Brettspiel "Die Siedler von Catan" und seinen Erfinder, den Zahntechniker Klaus Teuber vor. "Die Siedler", seit ihrer Erfindung 1988 in 30 Sprachen übersetzt und 15 Millionen mal verkauft, ist "die Mona Lisa der Brettspiel-Renaissance", so Curry. Und Erin Biba schreibt über MoPhO, das Stanford Mobile Phone Orchestra.
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The Times Literary Supplement (Großbritannien), 27.03.2009
Im Kopf von Puschkin: In seinem Buch "Pushkin's Lyric Intelligence" versucht Andrew Kahn, dem geistigen Horizont des russischen Nationaldichters nachzuspüren und hat sich dafür systematisch durch hunderte von Bänden gelesen, die Puschkin einst als Lektüre dienten. Damit beschreitet Kahn ganz neue Wege der Forschung, meint Rachel Polonsky. "Kahn benutzt B. G. Modzalevskys kommentierten Katalog der Bibliothek [Puschkins], der die ausgeschnittenen Seiten und die von Puschkin hinzugefügten Randbemerkungen und Kommentare verzeichnet. Er versucht nicht wie frühere Kritiker, Quellen zu identifizieren, sondern das Denken des Dichters durch Lyrik zurückzuverfolgen. Kahns Puschkin ist ein Dichter der Ideen, der intellektuelle Erbe eines 'langen achtzehnten Jahrhunderts', aber einer, der das 'Urteil suspendiert', der seine trügerisch einfachen und transparenten Gedichte als Gelegenheit nutzt für die Dramatisierung dieser Ideen und um einen 'lyrischen Sprecher zu schaffen, der laut denkt'."
Weitere Artikel: Gabriel Paquette erklärt, was Tabak und Schokolade mit dem symbolischen Universum der lateinamerikanischen Ureinwohner zu tun haben. Michael Downes hat in John Tyrrells zweitem Band einer Leos-Janacek-Biografie eine Menge über das Liebesleben des tschechischen Komponisten gelernt, etwa über seine Affäre mit der Schauspielerin Gabriela Horvatova, mit der die zwei nicht hinterm Berg hielten: "Horvatova selbst war wenig diskret: Sie unterzeichnete Postkarten, die Janacek seiner Frau Zdenka aus dem Urlaub in Luhacovice schickte, und als sie sein Haus in Brno besuchte, platzierte sie ihr eigenes Bild an der Wand, indem sie zwei Ölbilder von Janacek und Zdenka auseinanderhängte, die das Paar als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte."
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Gazeta Wyborcza (Polen), 28.03.2009
Ziemlich enttäuscht zeigt sich Joanna Derkaczew von dem vielversprechenden Projekt des Warschauer Teatr Rozmaitosci und der Berliner Schaubühne, in Koproduktion Dorota Maslowskas Stück "Miedzy nami dobrze jest" (Wir kommen gut klar mit uns) in der Regie von Grzegorz Jarzyna auf die Bühne zu bringen: "Etwas Schlimmeres konnte Maslowskas Text kaum passieren. Nicht alles geht in der Aufführung verloren, aber das polnische Theater wird als anachronistisch und prätentiös dargestellt. 'Modern' wird mit Laptops, Designercouch und Smooth Jazz im Hintergrund gleich gesetzt". Zwischen einschläfernden Clubsounds und Spasmen geht das Groteske des Originaltexts verloren, findet Derkaczew: "Trauma, Leid, Martyrologie. Ohne Anführungszeichen. Ganz ernst".
"Das heutige Europa wird eher von Erinnerung dominiert, als von Geschichte. Und mit der Erinnerung ist es so, dass Sie Ihre haben und ich meine, und das war's. Über Geschichte kann man diskutieren, über Erinnerung nicht". Der amerikanische Historiker Timothy Snyder zweifelt auch daran, dass man die schreckliche und komplizierte Geschichte Mittelosteuropas dem Westen, vor allem den Amerikanern, erklären kann. Statt einer gemeinsamen Geschichtsnarration brauche man ein Verständnis für die gegenseitige Geschichte, betont Snyder. "Europa steht vor der Frage nach weiteren Erweiterungen. Man zeigt auf die gemeinsame Kultur, aber wie sollte man darüber reden, wenn es kein europäisches Geschichtsverständnis gibt?"
Der damalige amerikanische Botschafter in Warschau, John Davies, scheint 1989 besser verstanden zu haben, was passierte, als die Beteiligten, schreibt Maciej Stasinski. Seine Berichte an Washington wurden vor drei Jahren veröffentlicht. "Die Lektüre seiner Briefe sind eine Lektion in politischer Brillanz und gesundem Menschenverstand", lobt Stasinski.
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n+1 (USA), 01.04.2009
Giles Harvey hat Roberto Bolanos Roman "2666" nicht gerade gehasst, aber er hatte oft das Gefühl, "dass '2666' mich nicht besonders mochte": "Runde Charaktere, Ereignisse, bewegende Beschreibungen: Bolano scheint hierfür keinen Sinn zu haben. Samuel Beckett, der Dichterfürst des Scheiterns, brauchte nur ein paar Seiten Dialog oder Prosa, um eine Endlosigkeit qualvoller Langeweile zu suggerieren; Bolano hat sich entschieden, uns diese Langeweile selbst erfahren zu lassen, über 900 Seiten. Dieser epische Minimalismus ist ein fragwürdiges Unternehmen. Ein Ergebnis ist, dass das Buch Gefahr läuft, langweilig, formlos und hässlich zu sein, eine Gefahr, der es, meiner Meinung nach, nicht ganz entgeht. Bolano spielt ein ernsthaftes Spiel und es ist etwas Mutiges darin, wie er seine Sicht - davon, wieviel Literatur wissen und tun kann - in solch extremen Längen verfolgt hat. Dennoch tun wir einem Schriftsteller unrecht, wenn wir nur seine Absichten betrachten. Ein Kunstwerk, wenn wir uns auf die konzeptionelle Ebene begeben - um uns dazu zu bringen, über das nachzudenken, was wir wissen - muss als erstes die Pflicht erfüllen, zu gefallen. Ansonsten wird es zu einer Lehrstunde, einer bloßen Darstellung."
Die klebrigen Seiten von Charlotte Roches "Feuchtgebieten" geben Justin E. H. Smith die verspätete Gelegenheit, ein paar Dinge loszuwerden, die ihm zum Sexleben der Deutschen aufgefallen sind. "Wenn ich ehrlich sein darf, sie sind mir lange zu gesund vorgekommen. Deutsche Jugendliche haben Sex mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie sich an der Universität für Kurse einschreiben, Clubs beitreten, Hobbys kultivieren. (...) Viele Leser denken jetzt: Einen Moment mal. Deutschland? Kommen da nicht all die alten Fetisch-Pornos her? Sind Fassbinder und Klaus Nomi nicht auf ihre Weise alle deutsche Perverse? Ja, aber das war vor einer Generation oder es war die stereotype Verdichtung von Verhaltensformen, die man vor einer Generation gefunden haben mag. Heutzutage ist alles genauso normal wie sich die Fußballweltmeisterschaft anzuschauen. (...) Roche sollte daher ein Lob zuteil werden, zumindest dafür, dass sie die deutsche Sexualität wieder seltsam gemacht hat."
Weitere Artikel: Nikil Saval liest Alex Ross' "The Rest is Noise", eine Neuerzählung des europäischen und amerikanischen 20. Jahrhunderts aus der Perspektive der klassischen Musik - ein Buch, das bei seinen zumeist entzückten Kritikern das "verzweifelte Bedürfnis" hervorgerufen hat, "Berge von CDs zu kaufen". Deirdre Foley-Mendelssohn bespricht drei englische Übersetzungen von Per Pettersons Romanen.
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Elet es Irodalom (Ungarn), 20.03.2009
Der ungarische Schriftsteller Gergely Peterfy muss 2008 ein gutes Jahr gehabt haben: Nach vier Prosabänden und einem Märchenroman ist sein erster "richtiger" - und hervorragender! - Roman ("Tod in Buda") erschienen, und sein Buch "Baggersee" wurde auf Deutsch veröffentlicht - mit 144 Seiten vielleicht eher eine Erzählung als ein Roman. Auf die Frage, warum Romane im allgemeinen höher eingeschätzt werden als Erzählungen, antwortet Peterfy: Es sei schon so, "dass auch ich die gründlich erzählten, reich orchestrierten Geschichten bevorzuge, dass auch ich das Großorchester mag - die unterschiedlichen Instrumentengruppen, die separaten kleinen Soli, die schlauen Konstruktionen und die beeindruckenden Wechsel im Tempo. Das Großorchesterhafte, die reiche Orchestrierung eines gründlich zu Ende erzählten Textes - dies erweckt beim Leser den Eindruck, dass es sich um eine große Einheit handelt. Beethovens 7. Sinfonie macht einen anderen Eindruck auf mich als die Appassionata. Lang sind sie zwar beide, aber aufgrund der reichen Orchestrierung, der Vielfalt der Themen, der Ansprüche und des schöpferischen Kampfes betrachte ich die Siebte eher als einen Roman."
Vor kurzem ist in Ungarn ein Rat installiert worden, der das Land Ungarn als Marke bewerben soll. Janos Szeky zweifelt an dem Erfolg dieser Initiative: "So eine Propaganda haben große, reiche Staaten, die als Maß der Entwicklung gelten, nicht nötig. Vielmehr wollen sich auf diese Weise Staaten beliebter machen, die mehr oder weniger an der Peripherie leben, nicht ausreichend anerkannt sind und mehr ins Zentrum dringen wollen. Dafür müssen sie beweisen, dass sie in irgendeiner Sache, die auch das Zentrum hoch schätzt, hervorragend sind - entweder mit einer Sache, die auch für das Zentrum charakteristisch ist (z.B. die Kunst), oder mit einer Eigenart (romantische Landschaften, billige, kunterbunte Märkte mit seltsam gekleideten Onkelchen und Tantchen). Was hat Ungarn auf diesem Feld zu bieten? [...] Hass, Angst, Paranoia, Unbeholfenheit und die allgemeine Idiotie, die in den letzten Jahren an die Oberfläche getreten sind, sind für unser Land zwar charakteristisch, machen es aber noch lange nicht beliebt. Weshalb sollte man denn ein Land mögen, das so derb zu sich selbst ist?"
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The Economist (Großbritannien), 27.03.2009
Was ist dran am neuen amerikanischen Populismus, der sich vor allem gegen die Finanzinstitutionen richtet? Sein Fundament ist stabil, fürchtet der Economist, und belegt das mit statistischen Daten, die einen großen Verlust des Vertrauens in Institutionen allgemein belegen: "Eine Umfrage zu den Entwicklungen der Gesellschaft erhebt seit 1972 statistische Daten (unter anderem) zum Vertrauen in wichtige Institutionen. Die vorläufigen Zahlen für 2009 zeigen einen markanten Absturz des Vertrauens in alle US-Institutionen, mit der Ausnahme des Militärs und des Bildungssektors. Der Anteil derjenigen, die 'großes Vertrauen' haben, fiel zwischen 2000 und 2008 fürs Big Business von 30 auf 16 Prozent, für die Banken von 30 auf 19 Prozent, für die organisierte Religion von 29 auf 20 Prozent, für die Exekutive von 14 auf 11 und für den Kongress von 13 auf 11 Prozent. Gestiegen war es fürs Militär, auf 52 Prozent. Das sind die Zahlen, aus denen unerfreuliche Bewegungen gemacht sind."
In gleich zwei Artikeln im Wirtschafts-Sonderteil wird erklärt, dass das nun erhältliche indische Billigauto Tata Nano (rund 1600 Euro teuer; Bild) erstens ein erstaunliches Fahrvergnügen bereitet und warum es zweitens die Probleme seines Produzenten nicht unbedingt lösen wird. In weiteren Artikeln geht es etwa um die Erfolge von Online-Partnervermittlungen in Krisenzeiten, um Cowboy-Dichtung. Besprochen wird unter anderem Alain de Bottons neuer Essayband über "Lust und Ärger der Arbeit" (mehr auf seiner Website).
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ResetDoc (Italien), 30.03.2009
Reset wirft einen Blick auf den bereits im Vorfeld feststehenden Sieg von Präsident Abdelaziz Bouteflika bei den algerischen Wahlen am 9. April. Der Journalist Mahmoud Belhimer beschreibt, wie Bouteflika die Begrenzung der Amtszeit abgeschafft hat; Oppositionsparteien boykottieren die Wahlen und glaubwürdige Oppositionsführer weigern sich, mit der Presse zu sprechen. In dem Bewusstsein, dass die Wahrnehmung dieses abgekarteten Spiels die Apathie der Wähler erhöht hat, "eilen [die Behörden], um das einzige zu retten, was noch auf dem Spiel steht: eine ehrenvolle Höhe der Wahlbeteiligung. (...) Arabische Regime sind erfolgreich darin, totalitäre Mittel selbst in scheinbaren Demokratien zu entwickeln. Das ist wirklich die eiserne Hand im Samthandschuh. Sie erhalten ihre Macht, indem sie gewisse 'pluralistische' Aktivitäten tolerieren, die genau kontrolliert werden, um nicht die etablierte Ordnung zu stören."
Marco Cesario interviewt den algerischen Schriftsteller Mohammed Benchicou, Autor von "Bouteflika: An Algerian Deception": Um "die zwei großen Probleme illegale Immigration und Terrorismus, die derzeit Europa erfassen, zu lösen" "muss die Europäische Union unbedingt verstehen, dass die Stabilisierung der Länder, die die südlichen Ufer des Mittelmeers überblicken, die Demokratisierung der politischen Macht in diesen Ländern einschließt." Cesario spricht auch mit Benjamin Stora, einem Pariser Geschichtsprofessor, der viele Essays über den Algerienkrieg verfasst hat.
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The Guardian (Großbritannien), 30.03.2009
PD Smith hat staunend "The Lives of Ants" von Laurent Keller und Elisabeth Gordon gelesen und gelernt, dass Ameisen entweder Kommunisten oder Bioterroristen sind: "Keller hält es ganz mit den Ameisenforschern EO Wilson und Bert Hölldobler, die so pointiert formuliert haben: 'Es scheint, dass der Sozialismus unter bestimmten Bedingungen tatsächlich funktioniert. Karl Marx hatte nur die falsche Spezies.' Weberameisen bauen Nester in Bäume, indem sie Blätter mit der Seide zusammenknüpfen, die ihre Larven produzieren. Das Maß an Zusammenarbeit, das für die Bildung solch komplexer Strukturen erforderlich ist, ist beeindruckend, ein Beispiel von Schwarm-Intelligenz, in der komplexe Strukturen nicht aufgrund eines Planes entstehen, sondern durch die Interaktion von Individuen, die einfachen Verhaltensregeln folgen. Doch trotz ihrer matriarchalen, kommunistischen Ordnung sind Ameisen eine der aggressivsten Spezies des Planeten, sie führen gegen andere Arten genauso Krieg wie gegen ihre eigene."
"Attraktiv und witzig" findet James Campbell den amerikanischen Schauspieler und Dramatiker Wallace Shawn und gibt aus dessen neuem Stück "Grasses of a Thousand Colours" eine Kostprobe: "Die Leute reden heutzutage über ihre Penisse und Vaginas in der Öffentlichkeit, auf Parties... Das hat sich alles so verändert. Ich selbst rede über meinen Schwanz oft, um ehrlich zu sein, weil er mich interessiert, und um ganz ehrlich zu sein, ist er eigentlich das einzige, was mich interessiert."
Weiteres: Schriftsteller Richard Ford stellt klar, dass sein Frank Bascombe kein Jedermann ist. Simon Callow preist Simon Louvishs Charlie-Chaplin-Biografie "The Tramp's Odyssey". Brian Dillon kann auch nach einem halbem Jahrhundert nicht abschließend sagen, was in Chris Markers halbstündigem Meisterwerk "La Jetee" alles steckt.
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Salon.eu.sk (Slowakei), 31.03.2009
Zsolt Holop zeichnet ein niederschmetterndes Bild der ungarischen Wirtschaft und der Politik (hier auf Englisch). Beide stehen vor dem Bankrott. Wie konnte es soweit kommen? "Es ist wert festgehalten zu werden, dass die Ungarn den Fall des Kommunismus und den Regimewechsel nicht sehr ernst genommen haben. Sie haben immer zu den Österreichern aufgeblickt - so wie die Slowaken sich immer mit den Tschechen verglichen haben - sie dachten, der Übergang zu einer Marktwirtschaft würde einfach bedeuten, dass sie bald in österreichischem Wohlstand baden. ... Eine oberflächliche Wahrnehmung der Wirklichkeit im Sozialismus und die Annehmlichkeiten der Kadar-Jahre haben die Ungarn daran gehindert, die Dinge zu sehen wie sie wirklich waren. Das könnte auch erklären, warum das Land nach der ersten Freigabe der Preise 1990 paralysiert war, während die Tschechen die Schocktherapie ohne größeren Umbruch überlebten."
Martin Simecka ruft in die Slowakei: Will the real Robert Fico please stand up?
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The New York Times (USA), 30.03.2009
Nicholas Dawidoff schreibt für das Sunday Magazine ein episches Porträt über den berühmtesten aller Klimaskeptiker, den in Princeton lehrenden Physiker Freeman Dyson, der anders als viele klimaskeptische Populisten als einer der bedeutendsten lebenden Physiker gilt. Er bezweifelt die Hochrechnungen aus Klimamodellen, die etwa Al Gore in seinem Film präsentiert, mit wissenschaftlichen Argumenten. Aber er betont auch, dass hier ein politischer Streit um ein divergierendes Natur- und Menschenbild tobt. Er hat keine Sehnsucht nach der englischen Klassengesellschaft, in der er aufwuchs, schreibt Dawidoff , "aber was er an England liebte, war die Landschaft. Die erfolgreiche Verwandlung einer Wildnis und Sumpflandschaft hatte ein vollständig neues grünes Ökosystem geschaffen, das es Pflanzen, Tieren und Menschen erlaubte, in einer 'Gemeinschaft der Arten' zu leben. Dyson hatte immer eine starke Antipathie gegen die Idee, dass es so etwas wie ein optimales Ökosystem gibt - 'Leben ist stete Veränderung' -, und er verabscheut die Idee, dass Männer und Frauen etwas der Natur Entgegengesetztes seien, dass sie 'sich für ihr Menschsein entschuldigen' müssen. Menschen, so sagt er, haben die Pflicht, die Natur zu verändern, um überleben zu können."
Auf den Reiseseiten staunt Nicholas Kulish über die Kultur der Lesungen und Open-Mike-Wettbewerbe im düster winterlichen Berlin.
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Morbid-intimes Sentiment
07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen
Pakt des Nicht-Lesens
31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen
So roch die Welt der Männer
24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen
Ständige Verwirrung
17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Hm, das ist komisch
10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen
Das Ohr des Präsidenten
03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen
Blicken Sie ins Dunkel
20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen
Die Treppe für Texte
13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen
Diese glühbirnenköpfige Kreatur
06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen
Lesen, aber nicht berühren
29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen
Ein veritabler Brocken
22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen
Aber man vibriert
15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen
Das Kulturerbe der Muppets
08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar Narancs. Mehr lesen
Die Früchte der Revolution
01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen
Warum nicht alles?
25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen








