Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Werben Sie gute Spione an

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

04.03.2008. Die London Review of Books sorgt sich um den Second-hand-Journalismus von Zeitungen. Prospect macht uns bekannt mit der chinesischen Intellektuellenszene. Al Ahram erklärt, warum die Ägypter am liebsten Fahnen made in China kaufen. Caffe Europa fragt: wo war Tariq Ramadan, als Milan Kunderas Bücher auf der Buchmesse in Kairo verboten wurden. Der Guardian macht Bekanntschaft mit Luthers PR-Mann. Die Gazeta Wyborcza untersucht das Selbstbewusstsein polnischer Arbeitnehmer.

London Review of Books (Großbritannien), 06.03.2008

Bild zum ArtikelIn seinem Buch "Flat Earth News" (zu deutsch etwa: "Nachrichten von der Weltscheibe") stellt der Journalist und Reporter Nick Davies dem britischen Journalismus ein verheerendes Zeugnis aus. Leider, meint John Lanchester in seiner Rezension, hat er nur allzu recht: ""Der Stand der Dinge ist heute, dass 'der Kern des aktuellen Journalismus' darin besteht, 'weitgehend unüberprüftes Second-Hand-Material rasch umzuverpacken, viel davon einzig dazu bestimmt, den politischen oder kommerziellen Interessen derjenigen, die dieses Material liefern, zu dienen'... 'Flat Earth News' erklärt genau, wie der Druck aussieht, der Tag für Tag auf die Praxis des Journalismus ausgeübt wird. Geschichten müssen billig sein, das heißt 'schnell zu recherchieren' und 'gefahrlos zu publizieren'; sie müssen 'gesicherte Tatsachen auswählen', vorzugsweise aus offiziellen Quellen; sie müssen 'den elektrischen Zaun meiden', d.h. sie dürfen sich gar nicht erst auf potenzielle Quellen von Ärger wie das Verleumdungsrecht und die Israel-Lobby einlassen; sie müssen auf 'allgemein akzeptierten Ideen' beruhen und dürfen keinen von der Mehrheit gehegten Ansichten widersprechen; sie müssen komplizierte oder voraussetzungsreiche Themen meiden und immer 'beide Seiten einer Sache darstellen'."


Weitere Artikel: Andrew O'Hagan erzählt in allen Details, die er herausfinden konnte, die Geschichten von Anthony Wakefield und John Spahr, eines britischen und eines amerikanischen Opfers des Irakkriegs, die beide am 2. Mai 2005 ums Leben kamen. Als Korrespondent in Israel hat Yonatan Mendel erlebt, wie die israelischen Journalisten immer dann, wenn es um den Konflikt mit den Arabern geht, ihre Unparteilichkeit verlieren. Jeremy Harding denkt über "atrocity museums" nach, Museen also, die Gräuel ausstellen. Peter Campbell hat die große Peter-Doig-Retrospektive in der Tate Britain besucht.

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Rue89 (Frankreich), 01.03.2008

Rue 89 stellt das Buch "Triomphe de la vulgarite" (Editions de l?Olivier) über Sarkozys Frankreich vor, und dessen Autor Marc-Vincent Howlett, Philosoph und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Angewandte Künste, der zwar noch nicht so bekannt sei, dessen "Wut, treffsichere Rhetorik und präzise Attacken" jedoch sehr viel versprechend seien. "Nicolas Sarkozy ist in keiner Weise ein neuer oder innovativer Politiker. Howlett zeigt mit heiterer Schärfe, was für ein Sarkozy ist: 'Er gibt sich gern für jemanden anderen aus. Er könnte Putin und/oder Busch sein. Er will uns überzeugen, dass er das Gesicht der Welt verändern wird, indem er der Welt ins Gesicht sieht; doch was er ansieht, ist nicht die Welt. Giscard d'Estaing wollte Frankreich tief in die Augen blicken. Nicolas Sarkozy schaut auf seine Amtsgenossen.' Das Neue an diesem Essay ist, dass es darin weder um Vermenschlichungstaktik und 'Bling-Bling', die Einwanderungspolitik und Diskriminierung, noch um den enthemmten Liberalismus geht, wenn er die Vulgarität des neuen Bewohners des Elysee-Palasts angreift. Sondern um Sarkozys Verhältnis zur Macht und zur Geschichte."

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Prospect (Großbritannien), 01.03.2008

Bild zum Artikel In seiner faszinierenden Titelgeschichte berichtet Mark Leonard aus dem Inneren der chinesischen Universitäts- und Intellektuellenszene, in der er drei Jahre lang recherchiert hat. Vergleichsweise offen wird hier über die Zukunft Chinas und über Staats- und Ökonomiemodelle diskutiert. Nach Jahren der Dominanz einer marktwirtschaftsliberalen "neuen Rechten" erstarkt jetzt eine "neue Linke", die über mögliche sozialdemokratische Optionen für China nachdenkt: "Wang Hui ist eine der Führungsfiguren dieser neuen Linken, einer losen Gruppierung von Intellektuellen, die zunehmend die öffentliche Stimmung und den Ton politischer Debatten bestimmen. Wang Hui hat ursprünglich nicht Politik, sondern Literatur studiert, wurde aber durch seine Rolle in den Studentendemonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahr 1989 politisiert. Wie die meisten jungen Intellektuellen glaubte er damals fest an das Potenzial des Marktes. Nach dem Massaker aber zog sich Wang Hui in die Berge zurück, wo er zwei Jahre in einem Versteck verbrachte und Bekanntschaft mit Bauern und Arbeitern schloss. Seine Erfahrungen in dieser Situation haben zu Zweifeln an der Gerechtigkeit des unregulierten freien Marktes geführt und ihn zur Überzeugung gebracht, dass der Staat bei der Verhinderung von Ungleichheit eine wichtige Rolle zu spielen hat."


Weitere Artikel: Trevor Phillips bespricht Shelby Steeles Buch "Obama, ein gefesselter Mann", in dem der konservative schwarze Autor erklärt, dass Barack Obama das Versprechen eines geeinten Amerika nicht wird halten können: die riesigen Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß seien auf Dauer nämlich nicht vergessen zu machen. Robert Reich wiederum hat nichts dagegen, dass Amerika bei Barack Obama Inspiration für einen Neuanfang sucht. Jonathan Wolff kommentiert die Tatsache, dass Großbritannien heute mehr Leute ins Gefängnis sperrt denn je zuvor.

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Al Ahram Weekly (Ägypten), 27.02.2008

Bild zum ArtikelAuch auf ägyptischen Märkten sieht man immer mehr chinesische Waren, notiert Dena Rashed. Sie sind oft billiger und besser als die heimischen Produkte. Beim Afrika Cup in Kairo wurde das besonders schmerzhaft deutlich. "Ich muss zugeben, dass viele Leute eigens nach den Nationalflaggen fragten, die in China hergestellt wurden, weil sie länger halten', sagt Abdu Gouda, der beim Ahli Club in Kairo arbeitet und seit vierzig Jahren vor dessen Tor die Wimpel des Clubs sowie ägyptische Nationalflaggen verkauft. Gouda kauft die Flaggen in Al-Moski, wo Großhändler Hunderte von anderen Kunden mit verschiedensten Waren versorgen. Ägyptische Flaggen sind ein paar Pfund teurer als chinesische, und sie sind laut Gouda eben auch nicht so gut."

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The New Yorker (USA), 10.03.2008

Bild zum ArtikelIn einem wunderbaren Essay über das Wesen der Garderobe amerikanischer Comic-Helden entwickelt Michael Chabon Grundlagen zu einer Theorie der Transformation durch eine "zweite Haut". Bestechend belegt er sie anhand einer Spielszene aus seiner Kindheit, in der er und ein Freund sich mittels Badetüchern in Superhelden verwandelten: "Indem wir redeten, unsere Capes zuknoteten und Flip-Flops gegen unsere Fußsohlen klatschten transformierten wir nicht nur uns selbst. Auf unserem Weg zum Pool transformierten wir die Welt, formten sie zu einem Ort, in dem dieses möglich war: Dass die Wiedergeburt eines Artus-Ritters in Gesellschaft eines heiligen mittelamerikanischen Hexenmeisters Trost und Kameradschaft finden konnte. Ein paar Jungs aus Columbia oder Cleveland konnten sich eine komplette Welt superheldenhafter Abenteuer ausdenken. (...) Dafür mussten wir nur der ständigen Einladung folgen, welche die Superhelden-Comics mittels eines Handtuchs an uns richteten. Es war eine Einladung, in die Welt ihrer Geschichte einzutreten, am aktuellen Geschehen der Comics teilzuhaben. Und mit dem Zuknoten eines magischen Badetuchs etwas zu tragen, was wir in uns verborgen wussten."


Weitere Artikel: Lauren Collins porträtiert Michelle Obama, die die Rolle der amerikanischen Politikerehefrau derzeit neu erfindet. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Raj, Bohemian" von Hari Kunzru und Lyrik von Dan Chiasson und Stephen Dunn.

Janet Malcolm beschreibt das boshafte Vergnügen an der Lektüre von Cecily von Ziegesars Bestseller-Serie "Gossip Girl" (deutsch: "Ist es nicht schön, gemein zu sein?") über weibliche Teenager der New Yorker Oberschicht. John Lanchester bespricht einen Band über Düfte: "Perfumes: The Guide" (Viking), geschrieben vom wunderbaren Luca Turin (mehr hier). Und David Denby sah im Kino den Thriller "The Bank Job" von Roger Donaldson und Jacques Rivettes Verfilmung einer Balzac-Novelle "Die Herzogin von Langeais" ("Ne touchez pas la hache"), die letztes Jahr auf der Berlinale lief.

Nur im Print: Porträts des Ehepaars Isabel und Ruben Toledo, Künstler und Modedesignerin, sowie eines Pariser Designers, der Iggy Pop nacheifert, und ein Bericht über neuen technischen Schnickschnack.

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Caffe Europa (Italien), 01.03.2008

David Bidussa erinnert Tariq Ramadan und alle jene, die die Einladung israelischer Schriftsteller zur Buchmesse in Turin kritisierten, daran, dass es in den arabischen Ländern immer noch weit mehr zu kritisieren gibt als in Norditalien. "Die Attitüde von Tariq Ramadan und der Vereinigung der arabischen Schriftsteller ist nicht so sehr fragwürdig in dem, was sie sagen, sondern vor allem durch das, was sie nicht verteidigen, nämlich die Freiheit. In den Tagen, in denen Tariq Ramadan den Boykott der Buchmessen von Turin und Paris forderte, wurde Milan Kundera auf der Buchmesse in Kairo zensiert und seine Bücher nicht zugelassen. Keiner von denen, die sich als große Verteidiger der Freiheit präsentieren und die Unterdrückung geißeln - allen voran Tariq Ramadan - keiner hat sich die Zeit genommen, hat Worte gefunden oder einen Weg, aus dem Klagechor über Israel auszuscheren, um in Kairo für die Freiheit des Buches einzutreten."

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The Guardian (Großbritannien), 01.03.2008

Bild zum ArtikelDie Ausstellung zu Lucas Cranach in der Royal Academy zeigt Eamon Duffy, dass Künstler keine unbändigen Individualisten sein müssen, die gegen jeden moralischen und ästhetischen Zwang aufbegehren. Sie können auch einfach "geniale Geschäftsleute" sein: "Als enger Freund Martin Luthers erschuf Cranach mehr oder weniger im Alleingang das visuelle Vokabular für Luthers Rebellion gegen die Katholische Kirche. Cranach vermaß die Entwicklung seines Freundes vom glutäugigen Mönch zum maßgeblichen Reformer in einer Reihe von Porträtdrucken und Gemälden. Seine Massen-Produktion machte Luther zum bekanntesten Gesicht im Europa des 16 Jahrhunderts und zur definitiven Ikone der neuen Religion. Doch selbst in seiner Hochzeit als Luthers PR-Mann arbeitete er ebenso hart an lukrativen Aufträgen für den mächtigsten katholischen Geistlichen in Deutschland: Kardinal Albrecht von Brandenburg, eben der Mann, dessen unverhohlener Ablasshandel Luther überhaupt erst zum Protest bewegt hatte. Freundschaft, Kunst und ideologische Reinheit waren schön und gut, aber für Cranach war Geschäft vor allem Geschäft."


Die Briten bewundern John Milton, doch sie lieben ihn nicht, bedauert die Schriftstellerin Claire Tomalin, die ihn für den aufregendsten britischen Dichter hält, kein Gedicht könne mit "Paradise Lost" mithalten: "Milton bringt einen zum Nachdenken, er zieht einen in die Auseinandersetzung über Macht, Gut und Böse, über Verantwortung, Unschuld und das Recht zu wissen. Er zeigt Gott, der uns dieses Recht vorenthält, aber wir wissen, dass Milton selbst dieses Recht in seinem wütenden Essay "Areopagitica" über die Freiheit der Presse verteidigt hat."

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Nepszabadsag (Ungarn), 01.03.2008

Der Medienwissenschaftler Peter György porträtiert den umstrittenen polnischen Künstler Artur Zmijewski, der eine Ausstellung in Budapest hat. Gezeigt wird unter anderem das Video "80064", in dem ein Auschwitz-Überlebender seine Häftlingsnummer neu tätowieren lässt (mehr hier und hier): "All die Provokationen Zmijewskis, seine mit kühlem Kopf durchdachten, komplizierten Werke zielen auf die polnische Gesellschaft ab - auf das Land, das sich als Opfer eines schrecklichen Krieges versteht. Denn Abwehrhaltung und Verdrängung können nicht mit humanistischer Pädagogik aufgelöst werden. Zmijewski will - so scheint es - eine Gesellschaft mit weniger Lügen, Selbstmitleid und Gratisstolz... Filme wie 'Roman eines Schicksallosen' oder 'Der Pianist' sind Musterexemplare für eine scheiternde humanistische Pädagogik, die Erlösung und Katharsis verspricht, selbst wenn es dafür keinen Grund gibt. Die ungleich kompliziertere und risikoreichere Ästhetik, die Zmijewski verfolgt - die in ihren Werken neue Zusammenhänge und Horizonte schafft - zwingt zur Selbsterkenntnis. Sie beruhigt uns nicht, sondern sorgt für Verwirrung und bringt uns aus der Fassung."

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The Spectator (Großbritannien), 01.03.2008

Bild zum ArtikelAls er noch Redakteur beim Independent war, entwickelte Charles Leadbeater unter anderem die "Bridget Jones"-Kolumne. Als freier Autor wendet er sich anderen Innovationen zu und hat jetzt ein Buch über die Kreativität der Masse im Internet geschrieben. Matthew d'Ancona lässt sich dankbar erklären, wie traditionell doch vieles im Internet ist. "Tatsächlich glaubt Leadbeater, dass die Internetgemeinde in vielerlei Hinsicht eine Wiederbeschwörung alten Brauchtums und gemeinsamer Traditionen ist, die von der industriellen Organisation des 20. Jahrhunderts verschüttet wurden. 'Dieses ganze Gerede davon, das Internet sei etwas Neues, ist falsch', sagt er. 'Es funktioniert dann am besten, wenn auf Älteres zurückgegriffen wird .' Dass eine Ansammlung von Amateuren Inhalte erstellt und miteinander teilt, das sei der Kern der Brauchtumskultur, nur für die digitale Ära aktualisiert. Peer-to-Peer-Empfehlungen bilden den Kern modernen Marketings und sozialer Netzwerke. Zum ersten Mal tauchte dieses Verfahren in den wissenschaftlichen Zeitschriften des 17. Jahrhunderts auf."

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Gazeta Wyborcza (Polen), 04.03.2008

Nach Jahrzehnten politisch missbrauchter Klassenkampfrhetorik und der wilden Transformationsperiode scheint sich das Selbstverständnis der polnischen Arbeitnehmer zu stabilisieren, konstatiert im Interview der Soziologe Juliusz Gardawski. Als "Arbeiterklasse" oder gar "Proletariat" will sich kaum jemand bezeichnen, aber "in den Umfragen wird eine klare Trennung zwischen Herrschenden und Beherrschten sichtbar. Wenn man dann aber nach Konflikten fragt, wird über Ideologie gesprochen, nicht über ökonomische Interessen. Konflikte über Eigentum oder Kapital gibt es scheinbar nicht". Die unter anderem durch Migration entspannte Arbeitsmarktsituation hat immerhin dazu geführt, dass sich die Menschen immer mehr trauen, für ihre Rechte einzutreten - ein wichtiger Akt war vor kurzem ein Streik in der Supermarktkette "Tesco", der erste dieser Art bei einem privaten Arbeitgeber.

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The Times Literary Supplement (Großbritannien), 29.02.2008

George Brock liest eine Reihe von Neuerscheinungen zu Nordirland, die ihm vor allem Antwort auf das große Rätsel gaben, warum eigentlich die IRA bereit war, zu relativ wenig Bedingungen so viel preiszugeben: Sie war heillos vom MI5 unterwandert, selbst Freddie Scappaticci, Chef der gefürchteten Sicherheitsabteilung der IRA, arbeitete für die Briten. "Wenn es Lehren aus dem Anti-Terror-Kampf in Ulster zu ziehen gibt, dann diese: "Werben Sie gute Spione an. Werben Sie noch mehr an. Dann lassen Sie die Zeit für Sie arbeiten. Die Morde, das lange Warten und die Komprosmisse der Exit-Strategie werden die Moderaten zermürben. Dann warten Sie noch ein wenig. Danach dürfen die Politiker kommen."


Warum sieht alle Welt Lateinamerika nach links driften?, fragt sich David Gallagher vom vom chilenischen Centro de Estudios Publicos. In Argentinien übernimmt Cristina Kirchner das Präsidentenamt von ihrem Mann Nestor und wird in peronistischer Tradition weiterregieren - also "weniger Marx als Mussolini". Und in Venezuela? "Hugo Chavez finanziert populistische, anti-kapitalistische Politiker in ganz Lateinamerika, kein Land ist immun gegen seinen Einfluss. Mit seinem 'bolivarischen' Traum von der Einheit des Kontinents unter seiner Ägide ist er der neue Imperialist der Region. Seltsamerweise kommt Chavez damit durch, sich als Mann der Linken zu verkaufen. Dabei ist sein autoritärer Populismus näher am Faschismus. Die großen Nutznießer seiner bolivarischen Revolution sind Chavez' eigene Megalomanie und eine neue Brut sogenannter Boligarchen."

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Odra (Polen), 04.03.2008

Über die gerade in Frankfurt/Main gezeigte Ausstellung "Hans Poelzig (1869-1936). Architekt-Lehrer-Künstler" schreibt Mateusz Hartwich: "Die sehr gelungene und gestaltete Ausstellung kontextualisiert klug das Werk Poelzigs. Auf abstrakterer Ebene zeigt sie die ambivalenten Verbindungen zwischen Avantgarde und Gebrauchskunst - im 20. Jahrhundert nicht selten politisch missbraucht. Sie mythologisiert den Modernismus nicht, und macht aus ihrem Helden keine Gottheit. (...) Es ist auch gelungen, den typischen Fehler für Architekturausstellungen zu vermeiden: die Fetischisierung von Plänen, die oft nur für Eingeweihte lesbar sind." Etwas bedauerlich sei jedoch, dass das Architekturmuseum in Wroclaw/Breslau, das sich mit den Bauten der Moderne in dieser Stadt (u.a. Poelzigs) intensiv auseinandersetzt, lediglich als Leihgeber fungierte und nicht in die Konzeption einbezogen wurde.

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The New York Times (USA), 02.03.2008

Bild zum ArtikelGershom Gorenberg berichtet im Sonntagsmagazin über wachsende Spannungen zwischen den amerikanischen und israelischen Juden. Wer als amerikanischer Jude in Israel einwandern will, bekommt häufig Schwiergikeiten mit den religiösen Behörden des Landes, die unter anderem entscheiden, wer überhaupt ein Jude ist: "Seth Farber ist ein orthodoxer Rabbi amerikanischer Herkunft. Seine Organisation - Itim, das 'Jewish Life Information Center' - hilft Israelis bei der Orientierung in der Bürokratie des Rabbinats. Er erklärte mir, dass die Ansprüche des Rabbinats an die Beweise für das Judentum einer Person so streng sind wie noch nie, viel strenger als sich die meisten amerikanischen Juden vorstellen können. Im Blick auf jüdische Organisationen, vor allem die wesentlichen Gemeinde- und philanthropischen Organisationen des amerikanischen Judentums sagt er: 'Achtzig Prozent der Vorstände in diesen Vereinen würden den Standard nicht erreichen.'"


Außerdem schreibt Elizabeth Weil über eine immer stärkere Tendenz zur Geschlechtertrennung an amerikanischen Schulen. Und Andrew Meier porträtiert den exzentrischen russischen Romancier und Politiker Edward Limonov.

In der Book Review bespricht Patrick Cockburn das Buch "Dreams and Shadows - The Future of the Middle East" (Auszug), in dem die Reporterin Robin Wright ein recht optimistisches Bild über die gemäßigte Opposition in vielen arabischen Staaten entwirft: "Der islamische Extremismus ist nicht mehr die wichtigste, interessanteste oder dynamischste Kraft im Nahen Osten." Und hier das erste Kapiel aus Stephen Kings neuem Roman "Duma Key".

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Archiv: Magazinrundschau

Morbid-intimes Sentiment

07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen

Pakt des Nicht-Lesens

31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen

So roch die Welt der Männer

24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen

Ständige Verwirrung

17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

Hm, das ist komisch

10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen

Das Ohr des Präsidenten

03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen

Blicken Sie ins Dunkel

20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen

Die Treppe für Texte

13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen

Diese glühbirnenköpfige Kreatur

06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen

Lesen, aber nicht berühren

29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen

Ein veritabler Brocken

22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen

Aber man vibriert

15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen

Das Kulturerbe der Muppets

08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar NarancsMehr lesen

Die Früchte der Revolution

01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen

Warum nicht alles?

25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen

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