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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

12.12.2006. In der Lettre beschreibt Bora Cosic die Dekadenz der Belgrader Kultur. Der Economist rügt die Macho-Kultur der deutschen Presse. In Vanity Fair überlegt Christopher Hitchens, warum Frauen ihn nie zum Lachen bringen. Der New Yorker weiß, welches Buch Verleger jedes Jahr aufs Neue glücklich macht. Al-Sharq al-Awsat berichtet über Auseinandersetzungen im Arabischen Schriftstellerverband. Im Figaro fordert Pascal Bruckner eine Kultur des Mutes im Westen. Die London Review beobachtet ein Beispiel von Biosentimentalität. Tygodnik berichtet, wie der Papst in Istanbul beinahe zum Islam übergetreten wäre.

Lettre International (Deutschland), 11.12.2006

Ihre 75. Ausgabe feiert die Lettre mit wunderbarem neuen Papier für die Zeitschrift. Auf matt glänzenden Seiten erinnert sich Bora Cosic an den serbischen Schriftsteller Marko Ristic, dessen im Irrenhaus geschriebenen Roman "Der Vampir" und die Belgrader Surrealistenszene der dreißiger Jahre. "Einer von ihnen ohrfeigte an einem öffentlichen Ort einen konventionellen Literaturkritiker, ein anderer aß im vornehmen Stadtcafe in aller Seelenruhe eine zerschnittene Schabe. Manche von ihnen kamen aus bescheidenen Beamtenfamilien, andere waren sehr reich. So nahm einer von ihnen jeden Abend seine Fliege mit einer Rasierklinge ab." Belgrad war in Sachen Umstürzung aller Werte ganz vone mit dabei, meint Cosic. "Das müsste auch jeder europäische Journalist, ob er nun aus Portugal oder aus Island kommt, im Auge haben, wenn er hin und wieder über mein Land als eine völlig primitive Gegend schreibt, wo nur das Messer Verständigungsmittel sei. Und ich behaupte, dass das Belgrader Umfeld weit von der primitiven Mentalität, wie sie Levy-Bruhl postuliert hat, entfernt ist. Es ist ganz im Gegenteil schon längst in die Dekadenz abgeglitten."

Der Aufstand der Ungarn 1956 hat einiges bewirkt, gerade weil er gescheitert ist, konstatiert der Schriftsteller Peter Nadas. "Die ungarische Revolution hat eine qualitative Veränderung im Verhältnis der Großmächte zueinander erzwungen. Sie hat der heißen Phase des Kalten Krieges ein Ende gesetzt, die Gefahr eines Atomkrieges verringert und die Epoche der friedlichen Koexistenz als ein für beide gegnerischen Seiten akzeptables Minimum erzwungen. Erzwungen jedoch nicht durch den Sieg der 'res publica' oder der Demokratie, sondern durch deren Niederlage." Hier ein Auszug.

Auszugsweise zu lesen gibt es außerdem Mike Davis' Porträt der neoliberalistischen Modellstadt Dubai, Michel Braudeaus Apologie der Fälschung sowie ein Gespräch zwischen Boris Groys und Carl Hegemann über kommunistische Spuren in den Religionen.

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Economist (UK), 08.12.2006

Der Economist rügt die Macho-Kultur der deutschen Presse, die sich unter anderem darin äußert, dass Frauen in den Führungspositionen der Zeitungen dramatisch unterrepräsentiert seien. Dass mehr Spitzenpositionen von Frauen besetzt werden, so der Economist (der angibt, dass ein Drittel seiner Spitzenkräfte Frauen sind), "könnte nicht nur die weibliche Leserschaft vergrößern, sondern sich ähnlich positiv auf den Journalismus auswirken, wie Angela Merkels Kanzlerschaft auf die politische Kultur. Kritik beiseite - Sie vertritt einen bodenständigen, sachlichen Stil, und genau das ist es, was Deutschlands aufgeblasenem politischen Journalismus gut tun würde."

Dazu gibt's eine kleine Grafik: am aufgeblasensten sind danach Spiegel, Wirtschaftswoche und Handelsblatt (0 Prozent weibliche Führungskräfte, am zweitschlechtesten steht die FAZ da mit 6,25 Prozent, und am fortschrittlichsten ist die Welt mit 31 Prozent).

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Tygodnik Powszechny (Polen), 10.12.2006

In der liberal-katholischen Wochenzeitung analysiert Marek Zajac den Papstbesuch in der Türkei. "'Wäre Benedikt XVI. zwei Tage länger in der Türkei, wäre er zum Islam übergetreten', schrieb ein türkischer Publizist. Tatsächlich verlief die Reise anders als erwartet. Der Papst wollte dem Dialog mit der orthodoxen Kirche einen neuen Impuls verleihen - und schrieb ein neues Kapitel in der Geschichte der Kontakte mit dem Islam." Zajac erinnert auch an die Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Besuch Johannes Paul II. 1979 - damals hatte die türkische Öffentlichkeit sehr sensibel auf alle Gesten reagiert, die einer Manifestation der christlichen Religion ähnlich sahen. Heute erntete Benedikt XVI. Anerkennung für sein Gebet in der Blauen Moschee.

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Outlook India (Indien), 18.12.2006

Er kommt spät und wäre das Todesurteil gegen Mohammed Afzal planmäßig am 10. Oktober vollstreckt worden, zu spät: Fünf Jahre nach dem Anschlag auf das indische Parlament und dem umstrittenen Eilprozess gegen den vermeintlichen Strippenzieher Afzal, bringt Penguin mit "13 December: A Reader" einen Essayband heraus, in dem u. a. die Schriftstellerin Arundhati Roy, eine Wiederaufnahme des Verfahrens fordert: "Eine ordentliche Untersuchung, keine politische Hexenjagd, hätte festzustellen, welche Rolle etwa die Geheimdienste spielen. Beweisfälschung und die krasse Missachtung verfahrensrechtlicher Normen sind bloß die Spitze des Eisbergs ... Es mag utopisch sein anzunehmen, die Regierung werde so mutig sein, die Wahrheit herauszufinden. Ein gewisses Maß an Feigheit ist anscheinend jeder Regierung eigen. Aber die Hoffnung bleibt." Mehr aus dem Vorabdruck.

Weiteres: Dileep Padgaonkar staunt über das politische Know-how in einem Band mit ausgewählten Reden von Premierminister Manmohan Singh. Girish Karnad lobt die Präzision in den "Collected Stories" von Shama Futehally. Und Ravina Rawal prüft die gastgeberischen Kompetenzen ausländischer Diplomaten: "Die Deutschen werden dafür gelobt, dass sie oft einladen und große Mengen an Bier, Würstchen und ernster Konversation anbieten. Experten beschweren sich nur, dass ihre Parties oft überfüllt sind."

Stichwörter: Arundhati Roy

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Vanity Fair (USA), 01.12.2006

Als die große Tragödie eines jeden Mannes erkennt Christopher Hitchens, dass die Dinge, die er am meisten mag, nicht zusammen zu haben sind: Frauen und Witze. "Es gibt etwas, was Sie niemals von einem männlichen Freund hören werden, auch wenn er noch so hymnisch von seiner neuen Flamme schwärmt: 'Sie ist großartig, lebt ihr eigenes Leben und, Mann, bringt die mich zum Lachen.'... Warum also sind Männer, durchschnittlich und insgesamt betrachtet, lustiger als Frauen? Nun, sie müssen es einfach sein. Die schwerste Aufgabe, die sich einem Mann im Leben stellt, ist, dem anderen Geschlecht zu imponieren, und Mutter Natur (wie wir sie lachend nennen), ist zu Männern einfach nicht so freundlich. Tatsächlich rüstet sie viele Geschlechtsgenossen ziemlich schlecht für diesen großen Kampf aus. Ein durchschnittlicher Mann hat nur eine Chance: Er muss die Lady zum Lachen bringen... Frauen müssen sich nicht in gleicher Weise für Männer attraktiv machen. Sie sind es schon."

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al-Sharq al-Awsat (Saudi Arabien / Vereinigtes Königreich), 11.12.2006

Fragen der Kultur sind immer auch politische Fragen. Davon handelt Muhammad Abu Zaids Bericht über die jüngste Generalversammlung des Arabischen Schriftstellerverbandes in Kairo. Siebenundzwanzig Jahre nachdem die Zentrale aus Protest gegen den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag von Kairo nach Bagdad verlegt worden war, kehrt sie nach Kairo zurück. Unter turbulenten Bedingungen. So wurde die Teilnahme der irakischen Delegation in Frage gestellt, da diese, so der Vorwurf, von einer der USA-hörigen Regierung abhängig sei. Abu Zaid gibt die irakische Erwiderung wie folgt wieder: Anders als viele nationale Verbände, die von diktatorischen Regimen eingesetzt worden seien, "ist unsere Einrichtung eine unabhängige kulturelle NGO, die keinerlei Verbindung zur irakischen Regierung oder zum irakischen Kultusministerium unterhält. Sie steht fern jeden Einflusses der Besatzungstruppen." Der Vorsitzende des ägyptischen Einzelverbandes, Mohamed Salmawi, der die Vorwürfe lanciert hatte, wurde dennoch zum neuen Generalsekretär des arabischen Dachverbandes ernannt.

Skeptisch sieht Osama Alaysa die Zukunft des palästinensischen Kinofilms. Während sie bei internationalen Festivals auf großes Interesse stoßen, blieben in Palästina die Säle selbst bei kostenlosen Aufführungen oft leer. Unter den aktuellen Bedingungen, so Alaysa, verfalle eine vormals lebendige Kinokultur: "Auf dem Höhepunkt der palästinensischen Revolution waren Dokumentarfilme ein Teil des Kampfes, der von arabischen Cineasten im Allgemeinen und von palästinensischen im Besonderen geführt wurde. Die (palästinensische) Sache wartet weiter auf eine Lösung, eine Intifada reiht sich an die nächste. Und Europa finanziert weiter palästinensische Filme. Dies alleine aber reicht nicht aus. Das Kino kann sich nicht erholen, wenn es von der Bevölkerung selbst nicht willkommen geheißen wird."

Stichwörter: Intifada, Abu Zaid

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Foglio (Italien), 11.12.2006

Der Schauspieler Giampero Mughini erinnert sich an die glorreichen siebziger Jahre, als er sich mit dem Regisseur Nanni Moretti anfreundete und sie "Ecce bombo" drehten. "Eine der beiden Szenen spielte auf der Terasse der Wohnung einer jungen und reichen römischen Bürgerlichen. Einige Jahre später musste diese Frau einige Tage im Gefängnis verbringen, weil sie angeblich einen roten Terroristen beherbergte. An dem Abend als wir in die Wohnung kamen, um die Szene für Nannis Film zu drehen, saß tatsächlich einer auf der Couch. Ich hatte ihn 1977 bei den Demonstrationen gesehen, wo er sich fürchterlich aufführte."

Weiteres: Fabio Canessa entdeckt den anarchisch angehauchten, aber attraktiven Intellektuellen Luciano Bianciardi als einen der vielschichtigsten italienischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Und Ugo Bertone poträtiert den Mexikaner Carlos Slim Helu, der nun Brasiliens Telekommunikation aufkauft.

Stichwörter: Nanni Moretti

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New Yorker (USA), 18.12.2006

Daniel Radosh erklärt, warum die Bibel Verleger so glücklich macht. "Die geläufige Beobachtung, dass die Bibel das meistverkaufte Buch aller Zeiten sei, überdeckt eine viel verblüffendere Tatsache: Die Bibel ist das meistverkaufte Buch des Jahres - und zwar in jedem Jahr. Zu ermitteln, wie viele Bibeln in den Vereinigten Staaten verkauft werden, ist so gut wie unmöglich, eine vorsichtige Schätzung geht allerdings davon aus, dass die Amerikaner 2005 rund 25 Millionen Bibeln erworben haben - also doppelt so viele Exemplare wie der neueste Harry Potter. Der Betrag, der jährlich für Bibeln ausgegeben wird, wird auf mehr als eine halbe Milliarde Dollar geschätzt."

Weitere Artikel: In einer ausführlichen Reportage geht Jerome Groopman der Frage nach, ob Todkranke noch in der Versuchsphase befindliche Medikamente bekommen sollten. Hendrik Hertzberg kommentiert den Irak-Report der amerikanischen Untersuchungsgruppe. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The First Sense" von Nadine Gordimer.

Wyatt Mason porträtiert den indischen Schriftsteller R. K. Narayan. Anthony Lane rezensiert den neuen Hannibal-Lecter-Roman "Hannibal Rising" von Thomas Harris. John Lahr stellt Inszenierungen der Theaterstücke "The Voysey Inheritance" und "Two Trains Running" vor. Und Anthony Lane sah im Kino "The Good German" von Steven Soderbergh mit George Clooney und Cate Blanchett und das "pathologische Kunstwerk" "Apocalypto" von Mel Gibson.

Nur im Print: ein Artikel über die Anthropologie des Aufruhrs und Lyrik.

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Figaro (Frankreich), 11.12.2006

Am kommenden Donnerstag treffen sich in Paris zahlreiche Intellektuelle und Politiker, um die Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft gegenüber der gegenwärtigen Atompolitik des Iran zu demonstrieren. Einige der Teilnehmer erläutern im Figaro vorab ihre Beweggründe, daran teilzunehmen. Der Philosoph Andre Glucksmann etwa erklärt: "Wir sind gewarnt: Die Bombe der islamischen Revolution ist nicht 'wie die anderen', sie transportiert eine spezifische Gefahr, indem sie die Risiken einer apokalyptischen Fehlentwicklung vervielfacht. Stanley Kubrick hat alles vorausgesehen, außer Teheran." Und der Schriftsteller Pascal Bruckner schreibt: "Europa sollte den kleinen persischen Führer [im Original auf Deutsch, d. Red.] wenigstens als einen Feind betrachten, ihn auch als einen solchen bezeichnen und an der Seite der Vereinigten Staaten keinerlei Optionen ausschließen, auch nicht eine militärische. Aber um eine Diktatur zu beenden, müsste man zu einer Kultur des Muts zurückfinden, um die es auf unserem alten Kontinent nicht gerade zum Besten bestellt ist."

Im Figaro Litteraire erklärt der Mittelalterexperte Jacques Le Goff die Bedeutung des Nationalgefühls und der Kenntnis der Geschichte für die aktuelle Politik.

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London Review of Books (UK), 14.12.2006

Eine äußerst anregende Lektüre, nämlich Lesley Sharps anthropologische Betrachtung der Organtransplantation und ihrer Folgen ("Strange Harvest: Organ Transplants, Denatured Bodies and the Transformed Self") empfiehlt Ian Hacking. "In der Welt der Organtransplantationen hat die Technologie eine neue Art der Verwandschaft geschaffen. Viele Empfänger fühlen sich mit der Familie ihres Spenders sehr verbunden, wobei die Bindung zur Mutter besonders stark ist. (...) Vor fünfzehn Jahren führte der Anthropologe Paul Rabinow den Begriff der 'Biosozialität' ein, um die auf modernen Biotechnologien beruhenden gemeinschaftlichen Bindungen zu bezeichnen. Sharp gibt zu bedenken, dass wir vielleicht eher die Zeugen einer Art Biosentimentalität sind."

Weitere Artikel: John Lanchester wird das ungute Gefühl nicht los, dass Tom Bowers Biografie des mittlerweile wegen Betrugs vor Gericht stehenden aufstiegsgeilen Zeitungsverleger-Ehepaars Black ("Conrad and Lady Black: Dancing on the Edge") vor Schadenfreude nur so trieft. Lorna Scott Fox lobt die politische Feminisierung Chiles. Und Michael Wood hat sich buchstäblich verzaubern lassen von Christopher Nolans komplex-verstricktem Magierfilm "The Prestige".

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Gazeta Wyborcza (Polen), 09.12.2006

Für Waclaw Radziwinowicz besteht ein Zusammenhang zwischen den Morden an Anna Politkowskaja und Alexander Litwinenko und dem Ende der Putin-Ära 2008. "'Putins Gefolgsleute wollen ihn nicht gehen lassen', kolportiert Alexander Pumpianski, Redakteur der bekannten Wochenzeitung Nowoje Wremja, eine unter Mokauer Beobachtern kreisende Spekulationen. Sie seien sogar bereit zu töten, damit die Welt glaubt, Putin sei ein neuer Lukaschenko. Denn dann gäbe es für Putin nur eine Möglichkeit - sich krampfhaft an der Macht zu halten. Sie sind bereit, Chaos im Land heraufzubeschwören, um seinen Abgang unmöglich zu machen."

Weitere Artikel: Wilhelm Sasnal ist der momentan angesagteste polnische Maler und Zeichner. Im Interview verrät er, wie seine Werke entstehen: "Sampeln. Ich kann keine Fiktion, keine Abstraktion produzieren. Vielleicht male ich dokumentarische Bilder? Oder will keine neuen Vorstellungen hinzufügen zu dem, was schon da ist? Wozu auch?" Abdruckt ist schließlich eine Rede, die Jurij Andruchowytsch auf einer Konferenz zur Bedeutung Jerzy Giedroycs hielt. Es geht dabei um die ewige Frage nach den Grenzen Europas, den Platz der Ukraine und die Rolle der EU, die der Schriftsteller als "eine Art psychologischer Ersatz: eine Ansammlung postimperialer Loser, die es nicht im Alleingang geschafft haben, Supermacht zu werden" definiert.

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Point (Frankreich), 07.12.2006

Anlässlich des Erscheinens der französischen Übersetzung seines Buchs "Im Weltinnenraum des Kapitals" ("Le palais de cristal") erklärt der Philosoph Peter Sloterdijk in einem Interview mit Elisabeth Levy, wie die Globalisierung durch die großen Entdeckungen am Ende des 15. Jahrhunderts ausgelöst wurde. "Das entscheidende Merkmal der frühen Moderne war die weltweite Vernetzung, ausgelöst durch die Expansion der Europäer. Sie begannen die Welt ernst zu nehmen - zunächst als ein Objekt, auf dem man sich frei bewegen und das man erforschen kann, aber zugleich als ein Objekt, das sich erobern und ausbeuten lässt. Europa war also der Ausgangspunkt dieser 'Eroberung der Welt', was durch das Wechselspiel von Aktion und Reaktion zu einer Welt führte, wie wir sie heute kennen: ein Universum, in dem das Gesetz des 'Handelns aus der Distanz' regiert - Telekommunikation, Telekonflikt, Telegewalt, Teleobszönität, Telehilfe, Telebarmherzigkeit. Nur ein telerealistischer Gedanke kann eine solche Welt interpretieren, bilden und reformieren."

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New York Times (USA), 10.12.2006

Die Schriftstellerin Cynthia Ozick schildert eindrucksvoll ihre ethische Bekehrung durch Leo Baecks Essay "Romantische Religion": "In meiner Jugend stand ich auf 'Weltschmerz, Schwärmerei, Welttrunkenheit', diese entfesselten Wagnerschen Emotionen ... Durch Baecks Revision des romantischen Zaubers - seines Jubels, seiner Trauer und seiner illusorischen Schönheit - erschien mir das alles nur noch abstoßend ... Wo führte das schon hin? Zu Eitelkeit, Größenwahn und ins Delirium. Das war Dionysos. Ich wählte Rabbi Baeck."

Weitere Artikel: Simon Winders Buch über 007 (Auszug "The Man Who Saved Britain") nennt Isaac Chotiner achtungsvoll "geopolitische Kunstkritik". Edward Lewine findet John Grishams Tatsachenbericht "The Innocent Man" über einen authentischen Mordfall und Justizirrtum lange nicht so packend wie Capotes "Kaltblütig". Rachel Donadio porträtiert die einflussreiche Literaturwissenschaftlerin und Lyrikkennerin Helen Vendler. Joel Brouwer empfiehlt neue Gedichte von Frederick Seidel, Erin Belieu u. a. Und Jim Holt blättert vergnügt in Alain de Bottons Buch über glückbringende Bauten (Auszug "The Architecture of Happiness").

Stichwörter: Cynthia Ozick

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Archiv: Magazinrundschau

Ein Sonnenbad in der digitalen Geselligkeit

28.10.2014. Péter Nádas erklärt in Élet és Irodalom, was er von seinen Übersetzern über seine Texte lernt. Wired sorgt sich um die seelische Belastung der Internet-Zensoren. Atlantic und Guardian lesen Stephen Kotkins große neue Stalin-Biografie. In Damaskus lässt sich der Krieg mittlerweile ganz gut ignorieren, berichtet die NYRB. Outlook India untersucht, wieviel Mephisto im Smartphone steckt. Der New Yorker rät in Ernährungsfragen von Selbstdiagnosen ab. Und Slate.fr fragt: Fällt der Paella-Tourismus der katalanischen Autonomiebewegung zum Opfer? Mehr lesen

Raum für ein paar härtere Fragen

20.10.2014. Nicht das Virus, sondern das katastrophale Gesundheitswesen in Liberia ist schuld an Ebola, schreibt Harvard-Experte Paul Farmer in der LRB. Micromega verortet Papst Franziskus zwischen Sein und Schein. Vice betreibt die Archäologie des Northern Soul. In Quietus verlangt Teju Cole mehr Gehör für Nigeria. Télérama schüttet die Gräben zwischen den Generationen zu. Wenn Hector Abad mit nur einer einzigen Website auf eine einsame Insel surfen dürfte, dann wäre das die Wikipedia, erklärt er in El Espectador. Mehr lesen

Wie mit weißer Tinte geschrieben

14.10.2014. Drei amerikanische Medien sehen schwarz in Afrika: Die Newsweek überprüft George Clooneys Engagement für den Südsudan. Der New Yorker schildert die von Frankreich gerade so gestoppte Selbstzerfleischung der Zentralafrikanischen Republik. In der New Republic bezweifelt Martha Nussbaum den Sinn westlichen Engagements. Ungarische Magazine beschreiben, wie Intellektuelle sich vom Regime glattschleifen lassen. Im New Statesman unterhält sich Grayson Perry mit Martin Amis. Télérama widmet sich der krisenhaften Beziehung von Truffaut und Godard. Mehr lesen

Sex ist Komödie

07.10.2014. Der New Yorker begleitet die Müllmänner von Kairo. Nepszabadsag fragt, warum die EU einen Mann zum Bildungskommissar ernennen will, der in Ungarn die Medien kastriert hat. In Perfil erzählt Martin Kohan, warum die Vergangenheit nichts Unverrückbares ist. In Slate.fr erklärt Luc Dardenne, warum seine Filme mehr Intuition als Moral haben. Das New York Magazine lässt Drohnen fliegen. Der Mars ist die Grenze, ruft Elon Musk in Aeon. Mehr lesen

Silber unter das Blau

30.09.2014. Vice erzählt, wie die internationale Frauenbrigade Al-Khansa-Brigade des IS die Frauen im syrischen Raqqa inspiziert. Der New Yorker schildert, wie geschickt die Kurden für einen eigenen Staat kämpfen. Außerdem bewundert er die Schattierungen von Blau des Malers Chris Ofili auf Trinidad. Fortune stellt die ENIAC-Frauen vor, die das Programmieren erfanden. Bloomberg erzählt, warum die USA längst ein Mittel gegen Ebola haben könnten. Linkiesta staunt, wie gut die chinesische mit der italienischen Mafia kann. Die BBC porträtiert den erfolgreichen griechischen Bankräuber und Volkshelden Vassilis Paleokostas. Mehr lesen

Aurale Zwischenposition

23.09.2014. Vanity Fair erklärt, warum gerade die schnelle Hilfe die Verbreitung des Ebola-Virus begünstigt hat. La vie des idees schildert die ungleiche Behandlung von Muslimen und Juden in Frankreich. Medium begleitet freiwillige Rettungshelfer durch Aleppo. Der Guardian versinkt in der Korruption Timbuktus. IndieWire analysiert den komplexen Signifikanten in Steven Soderberghs Mini-Serie "The Knick". Die Financial Times fragt sich, ob Firmen-PR der neue Journalismus ist. Die New York Times weiß, wann Politiker zu Promis wurden. Mehr lesen

Dieser Ahhhhhhh-Moment

16.09.2014. In El Pais Semanal erklärt Javier Cercas, warum Katalonien nicht Schottland ist. Im Guardian lehnt Howard Jacobson den totalen Sieg im Diskurs ab. Mehr erhabene Kunst fordert in Nepszabadsag der neue Direktor der Budapester Kunsthalle. Der New Statesman porträtiert den Bürger als Kriegsberichterstatter. The Atlantic besucht einen afghanischen Jungen, der ein Mädchen ist. Die Hudson Review trauert mit Berlioz um Hamlet. Der New Yorker sucht Wonder Women. Mehr lesen

Maoistische Synthese der Oppositionen

11.09.2014. Diese Woche war die Magazinrundschau so riesig, dass wir sie geteilt haben. Heute also der zweite Teil mit einem sehr lesenswerten Artikel von Assaf Sharon in der NYRB über die verfehlte Politik Netanjahus. Bookforum stellt eine Geschichte Gazas vor. Im Guardian gerät AL Kennedy über einen goldenen Ferrari ins Grübeln. In Eurozine beschreibt der Soziologe Boris Dubin die Machtlosigkeit der russischen Gesellschaft. Und das New York Magazine stellt die CEO Martine Rothblatt vor, die ihre Ehefrau als Computer hat nachbauen lassen. Mehr lesen

Zentrum und Peripherie

09.09.2014. Die London Review besucht die Ostukraine und stellt fest: alles Übel begann auf der Krim. Im Mittelweg 36 streitet Reinhard Merkel das ab: die Krim hat die Seperation doch gewählt. Die Blätter machen die Lösegeldzahlungen der EU verantwortlich für den Gewaltmarkt im Nahen Osten. Das Schreibheft erinnert an den Lyriker Uwe Greßmann. Pitchfork und Telerama trauern den analogen Zeiten nach. Und der New Yorker fragt, warum ein Arbeiter bei McDonalds so wenig verdient, dass er auf staatliche Essensmarken angewiesen ist. Mehr lesen

Allein die Schrift!

02.09.2014. Bloomberg Businessweek macht sich jung und guckt AwesomenessTV. Der Merkur staunt über die Textlastigkeit der Suhrkamp-Kultur. Das Chicago Magazine erinnert daran, wer zuerst Handys wollte: die Polizei. The Verge schildert den Titanenkampf zwischen Uber und Lyft. In HVG denkt Péter Esterházy über Kleinkariertheit nach. Die Poetry Foundation bewundert den "Emperor of Ice-Cream". Mehr lesen

Kompass des Bösen

26.08.2014. Im Spectator gibt der Historiker Tom Holland einen Einblick in die religiösen Vielfalt Mesopotamiens, die die Isis gerade zerstört. Vanity Fair erzählt die Geschichte der Madame Claude. Dawn stellt ein Buch über den muslimischen Zionismus in Pakistan vor. Kathrin Passig denkt in Funkkorrespondenz über die Nützlichkeit irrationaler Argumente nach. Die Public Domain Review erzählt, wie das Lachgas den Schriftstellern und Wissenschaftlern die Sprache verschlug. Das TLS liest eine neue Brecht-Biografie. Mehr lesen

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
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Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

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