Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

12.12.2006. In der Lettre beschreibt Bora Cosic die Dekadenz der Belgrader Kultur. Der Economist rügt die Macho-Kultur der deutschen Presse. In Vanity Fair überlegt Christopher Hitchens, warum Frauen ihn nie zum Lachen bringen. Der New Yorker weiß, welches Buch Verleger jedes Jahr aufs Neue glücklich macht. Al-Sharq al-Awsat berichtet über Auseinandersetzungen im Arabischen Schriftstellerverband. Im Figaro fordert Pascal Bruckner eine Kultur des Mutes im Westen. Die London Review beobachtet ein Beispiel von Biosentimentalität. Tygodnik berichtet, wie der Papst in Istanbul beinahe zum Islam übergetreten wäre.

Lettre International (Deutschland), 11.12.2006

Ihre 75. Ausgabe feiert die Lettre mit wunderbarem neuen Papier für die Zeitschrift. Auf matt glänzenden Seiten erinnert sich Bora Cosic an den serbischen Schriftsteller Marko Ristic, dessen im Irrenhaus geschriebenen Roman "Der Vampir" und die Belgrader Surrealistenszene der dreißiger Jahre. "Einer von ihnen ohrfeigte an einem öffentlichen Ort einen konventionellen Literaturkritiker, ein anderer aß im vornehmen Stadtcafe in aller Seelenruhe eine zerschnittene Schabe. Manche von ihnen kamen aus bescheidenen Beamtenfamilien, andere waren sehr reich. So nahm einer von ihnen jeden Abend seine Fliege mit einer Rasierklinge ab." Belgrad war in Sachen Umstürzung aller Werte ganz vone mit dabei, meint Cosic. "Das müsste auch jeder europäische Journalist, ob er nun aus Portugal oder aus Island kommt, im Auge haben, wenn er hin und wieder über mein Land als eine völlig primitive Gegend schreibt, wo nur das Messer Verständigungsmittel sei. Und ich behaupte, dass das Belgrader Umfeld weit von der primitiven Mentalität, wie sie Levy-Bruhl postuliert hat, entfernt ist. Es ist ganz im Gegenteil schon längst in die Dekadenz abgeglitten."

Der Aufstand der Ungarn 1956 hat einiges bewirkt, gerade weil er gescheitert ist, konstatiert der Schriftsteller Peter Nadas. "Die ungarische Revolution hat eine qualitative Veränderung im Verhältnis der Großmächte zueinander erzwungen. Sie hat der heißen Phase des Kalten Krieges ein Ende gesetzt, die Gefahr eines Atomkrieges verringert und die Epoche der friedlichen Koexistenz als ein für beide gegnerischen Seiten akzeptables Minimum erzwungen. Erzwungen jedoch nicht durch den Sieg der 'res publica' oder der Demokratie, sondern durch deren Niederlage." Hier ein Auszug.

Auszugsweise zu lesen gibt es außerdem Mike Davis' Porträt der neoliberalistischen Modellstadt Dubai, Michel Braudeaus Apologie der Fälschung sowie ein Gespräch zwischen Boris Groys und Carl Hegemann über kommunistische Spuren in den Religionen.

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Economist (UK), 08.12.2006

Der Economist rügt die Macho-Kultur der deutschen Presse, die sich unter anderem darin äußert, dass Frauen in den Führungspositionen der Zeitungen dramatisch unterrepräsentiert seien. Dass mehr Spitzenpositionen von Frauen besetzt werden, so der Economist (der angibt, dass ein Drittel seiner Spitzenkräfte Frauen sind), "könnte nicht nur die weibliche Leserschaft vergrößern, sondern sich ähnlich positiv auf den Journalismus auswirken, wie Angela Merkels Kanzlerschaft auf die politische Kultur. Kritik beiseite - Sie vertritt einen bodenständigen, sachlichen Stil, und genau das ist es, was Deutschlands aufgeblasenem politischen Journalismus gut tun würde."

Dazu gibt's eine kleine Grafik: am aufgeblasensten sind danach Spiegel, Wirtschaftswoche und Handelsblatt (0 Prozent weibliche Führungskräfte, am zweitschlechtesten steht die FAZ da mit 6,25 Prozent, und am fortschrittlichsten ist die Welt mit 31 Prozent).

Archiv: Economist

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Tygodnik Powszechny (Polen), 10.12.2006

In der liberal-katholischen Wochenzeitung analysiert Marek Zajac den Papstbesuch in der Türkei. "'Wäre Benedikt XVI. zwei Tage länger in der Türkei, wäre er zum Islam übergetreten', schrieb ein türkischer Publizist. Tatsächlich verlief die Reise anders als erwartet. Der Papst wollte dem Dialog mit der orthodoxen Kirche einen neuen Impuls verleihen - und schrieb ein neues Kapitel in der Geschichte der Kontakte mit dem Islam." Zajac erinnert auch an die Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Besuch Johannes Paul II. 1979 - damals hatte die türkische Öffentlichkeit sehr sensibel auf alle Gesten reagiert, die einer Manifestation der christlichen Religion ähnlich sahen. Heute erntete Benedikt XVI. Anerkennung für sein Gebet in der Blauen Moschee.

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Outlook India (Indien), 18.12.2006

Er kommt spät und wäre das Todesurteil gegen Mohammed Afzal planmäßig am 10. Oktober vollstreckt worden, zu spät: Fünf Jahre nach dem Anschlag auf das indische Parlament und dem umstrittenen Eilprozess gegen den vermeintlichen Strippenzieher Afzal, bringt Penguin mit "13 December: A Reader" einen Essayband heraus, in dem u. a. die Schriftstellerin Arundhati Roy, eine Wiederaufnahme des Verfahrens fordert: "Eine ordentliche Untersuchung, keine politische Hexenjagd, hätte festzustellen, welche Rolle etwa die Geheimdienste spielen. Beweisfälschung und die krasse Missachtung verfahrensrechtlicher Normen sind bloß die Spitze des Eisbergs ... Es mag utopisch sein anzunehmen, die Regierung werde so mutig sein, die Wahrheit herauszufinden. Ein gewisses Maß an Feigheit ist anscheinend jeder Regierung eigen. Aber die Hoffnung bleibt." Mehr aus dem Vorabdruck.

Weiteres: Dileep Padgaonkar staunt über das politische Know-how in einem Band mit ausgewählten Reden von Premierminister Manmohan Singh. Girish Karnad lobt die Präzision in den "Collected Stories" von Shama Futehally. Und Ravina Rawal prüft die gastgeberischen Kompetenzen ausländischer Diplomaten: "Die Deutschen werden dafür gelobt, dass sie oft einladen und große Mengen an Bier, Würstchen und ernster Konversation anbieten. Experten beschweren sich nur, dass ihre Parties oft überfüllt sind."

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Vanity Fair (USA), 01.12.2006

Als die große Tragödie eines jeden Mannes erkennt Christopher Hitchens, dass die Dinge, die er am meisten mag, nicht zusammen zu haben sind: Frauen und Witze. "Es gibt etwas, was Sie niemals von einem männlichen Freund hören werden, auch wenn er noch so hymnisch von seiner neuen Flamme schwärmt: 'Sie ist großartig, lebt ihr eigenes Leben und, Mann, bringt die mich zum Lachen.'... Warum also sind Männer, durchschnittlich und insgesamt betrachtet, lustiger als Frauen? Nun, sie müssen es einfach sein. Die schwerste Aufgabe, die sich einem Mann im Leben stellt, ist, dem anderen Geschlecht zu imponieren, und Mutter Natur (wie wir sie lachend nennen), ist zu Männern einfach nicht so freundlich. Tatsächlich rüstet sie viele Geschlechtsgenossen ziemlich schlecht für diesen großen Kampf aus. Ein durchschnittlicher Mann hat nur eine Chance: Er muss die Lady zum Lachen bringen... Frauen müssen sich nicht in gleicher Weise für Männer attraktiv machen. Sie sind es schon."

Archiv: Vanity Fair
Stichwörter: Christopher Hitchens

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al-Sharq al-Awsat (Saudi Arabien / Vereinigtes Königreich), 11.12.2006

Fragen der Kultur sind immer auch politische Fragen. Davon handelt Muhammad Abu Zaids Bericht über die jüngste Generalversammlung des Arabischen Schriftstellerverbandes in Kairo. Siebenundzwanzig Jahre nachdem die Zentrale aus Protest gegen den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag von Kairo nach Bagdad verlegt worden war, kehrt sie nach Kairo zurück. Unter turbulenten Bedingungen. So wurde die Teilnahme der irakischen Delegation in Frage gestellt, da diese, so der Vorwurf, von einer der USA-hörigen Regierung abhängig sei. Abu Zaid gibt die irakische Erwiderung wie folgt wieder: Anders als viele nationale Verbände, die von diktatorischen Regimen eingesetzt worden seien, "ist unsere Einrichtung eine unabhängige kulturelle NGO, die keinerlei Verbindung zur irakischen Regierung oder zum irakischen Kultusministerium unterhält. Sie steht fern jeden Einflusses der Besatzungstruppen." Der Vorsitzende des ägyptischen Einzelverbandes, Mohamed Salmawi, der die Vorwürfe lanciert hatte, wurde dennoch zum neuen Generalsekretär des arabischen Dachverbandes ernannt.

Skeptisch sieht Osama Alaysa die Zukunft des palästinensischen Kinofilms. Während sie bei internationalen Festivals auf großes Interesse stoßen, blieben in Palästina die Säle selbst bei kostenlosen Aufführungen oft leer. Unter den aktuellen Bedingungen, so Alaysa, verfalle eine vormals lebendige Kinokultur: "Auf dem Höhepunkt der palästinensischen Revolution waren Dokumentarfilme ein Teil des Kampfes, der von arabischen Cineasten im Allgemeinen und von palästinensischen im Besonderen geführt wurde. Die (palästinensische) Sache wartet weiter auf eine Lösung, eine Intifada reiht sich an die nächste. Und Europa finanziert weiter palästinensische Filme. Dies alleine aber reicht nicht aus. Das Kino kann sich nicht erholen, wenn es von der Bevölkerung selbst nicht willkommen geheißen wird."

Stichwörter: Intifada

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Foglio (Italien), 11.12.2006

Der Schauspieler Giampero Mughini erinnert sich an die glorreichen siebziger Jahre, als er sich mit dem Regisseur Nanni Moretti anfreundete und sie "Ecce bombo" drehten. "Eine der beiden Szenen spielte auf der Terasse der Wohnung einer jungen und reichen römischen Bürgerlichen. Einige Jahre später musste diese Frau einige Tage im Gefängnis verbringen, weil sie angeblich einen roten Terroristen beherbergte. An dem Abend als wir in die Wohnung kamen, um die Szene für Nannis Film zu drehen, saß tatsächlich einer auf der Couch. Ich hatte ihn 1977 bei den Demonstrationen gesehen, wo er sich fürchterlich aufführte."

Weiteres: Fabio Canessa entdeckt den anarchisch angehauchten, aber attraktiven Intellektuellen Luciano Bianciardi als einen der vielschichtigsten italienischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Und Ugo Bertone poträtiert den Mexikaner Carlos Slim Helu, der nun Brasiliens Telekommunikation aufkauft.

Archiv: Foglio

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New Yorker (USA), 18.12.2006

Daniel Radosh erklärt, warum die Bibel Verleger so glücklich macht. "Die geläufige Beobachtung, dass die Bibel das meistverkaufte Buch aller Zeiten sei, überdeckt eine viel verblüffendere Tatsache: Die Bibel ist das meistverkaufte Buch des Jahres - und zwar in jedem Jahr. Zu ermitteln, wie viele Bibeln in den Vereinigten Staaten verkauft werden, ist so gut wie unmöglich, eine vorsichtige Schätzung geht allerdings davon aus, dass die Amerikaner 2005 rund 25 Millionen Bibeln erworben haben - also doppelt so viele Exemplare wie der neueste Harry Potter. Der Betrag, der jährlich für Bibeln ausgegeben wird, wird auf mehr als eine halbe Milliarde Dollar geschätzt."

Weitere Artikel: In einer ausführlichen Reportage geht Jerome Groopman der Frage nach, ob Todkranke noch in der Versuchsphase befindliche Medikamente bekommen sollten. Hendrik Hertzberg kommentiert den Irak-Report der amerikanischen Untersuchungsgruppe. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The First Sense" von Nadine Gordimer.

Wyatt Mason porträtiert den indischen Schriftsteller R. K. Narayan. Anthony Lane rezensiert den neuen Hannibal-Lecter-Roman "Hannibal Rising" von Thomas Harris. John Lahr stellt Inszenierungen der Theaterstücke "The Voysey Inheritance" und "Two Trains Running" vor. Und Anthony Lane sah im Kino "The Good German" von Steven Soderbergh mit George Clooney und Cate Blanchett und das "pathologische Kunstwerk" "Apocalypto" von Mel Gibson.

Nur im Print: ein Artikel über die Anthropologie des Aufruhrs und Lyrik.

Archiv: New Yorker

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Figaro (Frankreich), 11.12.2006

Am kommenden Donnerstag treffen sich in Paris zahlreiche Intellektuelle und Politiker, um die Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft gegenüber der gegenwärtigen Atompolitik des Iran zu demonstrieren. Einige der Teilnehmer erläutern im Figaro vorab ihre Beweggründe, daran teilzunehmen. Der Philosoph Andre Glucksmann etwa erklärt: "Wir sind gewarnt: Die Bombe der islamischen Revolution ist nicht 'wie die anderen', sie transportiert eine spezifische Gefahr, indem sie die Risiken einer apokalyptischen Fehlentwicklung vervielfacht. Stanley Kubrick hat alles vorausgesehen, außer Teheran." Und der Schriftsteller Pascal Bruckner schreibt: "Europa sollte den kleinen persischen Führer [im Original auf Deutsch, d. Red.] wenigstens als einen Feind betrachten, ihn auch als einen solchen bezeichnen und an der Seite der Vereinigten Staaten keinerlei Optionen ausschließen, auch nicht eine militärische. Aber um eine Diktatur zu beenden, müsste man zu einer Kultur des Muts zurückfinden, um die es auf unserem alten Kontinent nicht gerade zum Besten bestellt ist."

Im Figaro Litteraire erklärt der Mittelalterexperte Jacques Le Goff die Bedeutung des Nationalgefühls und der Kenntnis der Geschichte für die aktuelle Politik.

Archiv: Figaro
Stichwörter: Andre Glucksmann

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London Review of Books (UK), 14.12.2006

Eine äußerst anregende Lektüre, nämlich Lesley Sharps anthropologische Betrachtung der Organtransplantation und ihrer Folgen ("Strange Harvest: Organ Transplants, Denatured Bodies and the Transformed Self") empfiehlt Ian Hacking. "In der Welt der Organtransplantationen hat die Technologie eine neue Art der Verwandschaft geschaffen. Viele Empfänger fühlen sich mit der Familie ihres Spenders sehr verbunden, wobei die Bindung zur Mutter besonders stark ist. (...) Vor fünfzehn Jahren führte der Anthropologe Paul Rabinow den Begriff der 'Biosozialität' ein, um die auf modernen Biotechnologien beruhenden gemeinschaftlichen Bindungen zu bezeichnen. Sharp gibt zu bedenken, dass wir vielleicht eher die Zeugen einer Art Biosentimentalität sind."

Weitere Artikel: John Lanchester wird das ungute Gefühl nicht los, dass Tom Bowers Biografie des mittlerweile wegen Betrugs vor Gericht stehenden aufstiegsgeilen Zeitungsverleger-Ehepaars Black ("Conrad and Lady Black: Dancing on the Edge") vor Schadenfreude nur so trieft. Lorna Scott Fox lobt die politische Feminisierung Chiles. Und Michael Wood hat sich buchstäblich verzaubern lassen von Christopher Nolans komplex-verstricktem Magierfilm "The Prestige".

Stichwörter: John Lanchester

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Gazeta Wyborcza (Polen), 09.12.2006

Für Waclaw Radziwinowicz besteht ein Zusammenhang zwischen den Morden an Anna Politkowskaja und Alexander Litwinenko und dem Ende der Putin-Ära 2008. "'Putins Gefolgsleute wollen ihn nicht gehen lassen', kolportiert Alexander Pumpianski, Redakteur der bekannten Wochenzeitung Nowoje Wremja, eine unter Mokauer Beobachtern kreisende Spekulationen. Sie seien sogar bereit zu töten, damit die Welt glaubt, Putin sei ein neuer Lukaschenko. Denn dann gäbe es für Putin nur eine Möglichkeit - sich krampfhaft an der Macht zu halten. Sie sind bereit, Chaos im Land heraufzubeschwören, um seinen Abgang unmöglich zu machen."

Weitere Artikel: Wilhelm Sasnal ist der momentan angesagteste polnische Maler und Zeichner. Im Interview verrät er, wie seine Werke entstehen: "Sampeln. Ich kann keine Fiktion, keine Abstraktion produzieren. Vielleicht male ich dokumentarische Bilder? Oder will keine neuen Vorstellungen hinzufügen zu dem, was schon da ist? Wozu auch?" Abdruckt ist schließlich eine Rede, die Jurij Andruchowytsch auf einer Konferenz zur Bedeutung Jerzy Giedroycs hielt. Es geht dabei um die ewige Frage nach den Grenzen Europas, den Platz der Ukraine und die Rolle der EU, die der Schriftsteller als "eine Art psychologischer Ersatz: eine Ansammlung postimperialer Loser, die es nicht im Alleingang geschafft haben, Supermacht zu werden" definiert.

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Point (Frankreich), 07.12.2006

Anlässlich des Erscheinens der französischen Übersetzung seines Buchs "Im Weltinnenraum des Kapitals" ("Le palais de cristal") erklärt der Philosoph Peter Sloterdijk in einem Interview mit Elisabeth Levy, wie die Globalisierung durch die großen Entdeckungen am Ende des 15. Jahrhunderts ausgelöst wurde. "Das entscheidende Merkmal der frühen Moderne war die weltweite Vernetzung, ausgelöst durch die Expansion der Europäer. Sie begannen die Welt ernst zu nehmen - zunächst als ein Objekt, auf dem man sich frei bewegen und das man erforschen kann, aber zugleich als ein Objekt, das sich erobern und ausbeuten lässt. Europa war also der Ausgangspunkt dieser 'Eroberung der Welt', was durch das Wechselspiel von Aktion und Reaktion zu einer Welt führte, wie wir sie heute kennen: ein Universum, in dem das Gesetz des 'Handelns aus der Distanz' regiert - Telekommunikation, Telekonflikt, Telegewalt, Teleobszönität, Telehilfe, Telebarmherzigkeit. Nur ein telerealistischer Gedanke kann eine solche Welt interpretieren, bilden und reformieren."

Archiv: Point
Stichwörter: Globalisierung

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New York Times (USA), 10.12.2006

Die Schriftstellerin Cynthia Ozick schildert eindrucksvoll ihre ethische Bekehrung durch Leo Baecks Essay "Romantische Religion": "In meiner Jugend stand ich auf 'Weltschmerz, Schwärmerei, Welttrunkenheit', diese entfesselten Wagnerschen Emotionen ... Durch Baecks Revision des romantischen Zaubers - seines Jubels, seiner Trauer und seiner illusorischen Schönheit - erschien mir das alles nur noch abstoßend ... Wo führte das schon hin? Zu Eitelkeit, Größenwahn und ins Delirium. Das war Dionysos. Ich wählte Rabbi Baeck."

Weitere Artikel: Simon Winders Buch über 007 (Auszug "The Man Who Saved Britain") nennt Isaac Chotiner achtungsvoll "geopolitische Kunstkritik". Edward Lewine findet John Grishams Tatsachenbericht "The Innocent Man" über einen authentischen Mordfall und Justizirrtum lange nicht so packend wie Capotes "Kaltblütig". Rachel Donadio porträtiert die einflussreiche Literaturwissenschaftlerin und Lyrikkennerin Helen Vendler. Joel Brouwer empfiehlt neue Gedichte von Frederick Seidel, Erin Belieu u. a. Und Jim Holt blättert vergnügt in Alain de Bottons Buch über glückbringende Bauten (Auszug "The Architecture of Happiness").

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Archiv: Magazinrundschau

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

So viel Schönheit

15.07.2014. Der Globe and Mail stellt Larry, den Hummer vor. Der Pacific Standard porträtiert die "Organ-Detektivin" Nancy Scheper-Hughes. Fördert Truvada, die "morning-after"-Pille gegen HIV, heißen Sex unter Homosexuellen, fragt das New York Magazine. Die LRB hat wenig Hoffnung für den Irak, etwas mehr für in Brooklyn lebende Literaten. Der argentinische Autor Martín Caparrós besichtigt für El Pais Semanal den größten Tresorraum der Welt für die Superreichen. Selbst Thomas Piketty betrachtet die Ungleichheit durch die Brille des Westens, murrt Le monde diplomatique. Und die NYT betrachtet den Ebookmarkt according to Amazon. Mehr lesen

Spieler ohne Trainer

08.07.2014. Film Comment analysiert den Poliziotteschi, den italienischen Polizeithriller der 60er und 70er Jahre. In Repubblica wartet Roberto Saviano auf den Moment, an dem die Ndrangheta wieder zur Messe geht. Im Guardian feiert Zadie Smith die  eiskalte Präzision J. G. Ballards. Im New Yorker erinnert Héctor Tobar daran, wie vor vier Jahren  über 33 chilenischen Bergleuten die Erde einstürzte.  In Eurozine meint Thomas Piketty: Mehr Wettbewerb ist auch nicht die Lösung. Und die NYT ist froh, kein SEEBÖWE zu sein. Mehr lesen

Noch etwas Allzuwörtliches

01.07.2014. Osteuropa begutachtet die neue russische Kampfpropaganda. In Open Democracy erklärt Nadja Tolokonnikowa rechten und linken Anhängern Putins: Menschenrechte sollten nicht nur im Westen gelten. Der Merkur bittet, zwischen digitaler Literatur und Netzliteratur zu unterscheiden. Eurozine untersucht Film als Metapher. Die NYRB erklärt, warum die Stärkung von Konsumentenrechten eine Stärkung Amazons zur Folge hat. Atlantic denkt über Afghanistan nach Karzai nach. Und Tablet porträtiert BHL als homme d'honneur. Mehr lesen

Kritikimmuner Springteufel

24.06.2014. Der Hollywood Reporter porträtiert den schwedischen Regisseur Malik Bendjelloul, der vor wenigen Wochen Selbstmord beging. Der New Yorker zertrümmert die Diskontinuitätstheorie. Im Guardian erklärt Will Self den Verwandtschaftsgrad von neolithisch und neoliberal. In Valleywag erklärt Lawrence Lessig, warum Silicon Valley im Moment ein guter Bündnispartner ist. Der Rolling Stone bestaunt den Nipster. Wired sagt Servus zur Netzneutralität. Und die NYT fragt: Thirtysomethings, wollt ihr ewig bei euren Eltern leben? Mehr lesen

Das Gehirn in Technicolor

17.06.2014. La vie des idees fragt: Hat Musik eine Farbe? Ohne Gott keine universalen Werte, bescheinigt John Gray im New Statesman Kenan Malik. Tin House besucht den Special-Effects-Künstler Tom Savini. Die LRB feiert Polke, die NYRB feiert El Greco, der Howler feiert den Torwart. Der Guardian setzt den großen Säuferinnen der Literaturgeschichte ein Denkmal. Immerhin kann man es mit Drogen auch mit 90 Jahren noch zum Millionär bringen, erzählt die New York Times. Mehr lesen

Hack es durch

11.06.2014. William T. Vollmann feiert den irakischen Autor Hassan Blasim in Bookforum als Meister des außerordentlichen Grauens. In der Paris Review denkt Karl Ove Knausgaard beim Anblick eines Genicks an Mord. Den Guardian gruselt die Umsetzung sarrazinscher Eugenik in China. Eurozine beklagt den Verfall der brasilianischen Architektur. La vie des idees spielt um einen Job bei L'Oreal. Mehr lesen

Niemals peinlich

06.06.2014. Die NYRB überlegt, wer alles Schuld ist am wachsenden Terrorismus in Afghanistan. Im New Statesman erinnert John Gray an Maos Freunde in der akademischen Welt. Der New Yorker porträtiert den englischen Schriftsteller Edward St. Aubyn. Rue89 widmet sich den neuen Porn Studies. In der LARB beschuldigt Muhammad Idrees Ahmad Seymour Hersh, im Falle Syriens profaschistischer Propaganda aufgesessen zu sein. In Eurozine erklärt Peter Sloterdijk, warum es in Deutschland keine digitale Kompetenz gibt. Mehr lesen

Atonale Geschichtsschreibung

30.05.2014. Der New Yorker begibt sich unter die israelischen Expats in Berlin. Rue 89 denkt über Open Source in der Medizin nach. Bloomberg Businessweek hört "Stairway to Heaven" von Randy California. Der spanischsprachige Buchmarkt gehört den Deutschen, meldet die Revista Anfibia. Elet es Irodalom sucht nach der Zwölftontechnik der Geschichtsschreibung. Die New York Times sorgt sich um unseren von Hackern bedrohten Vagusnerv. Im Guardian erklärt der Juraprof Eben Moglen: Der Kampf gegen Massenüberwachung ist so legitim wie der Kampf gegen die Sklaverei. Mehr lesen

So wurde Rebellion zur neuen Mitte

23.05.2014. Salon erledigt den Nonkonformismus mit Normcore. Berlusconi ist für Matteo Renzi, was Thatcher für Blair war: ein Vorbild, notiert die London Review of Books. Die Zeit versucht in der Ostukraine eine prorussische Demo zu begleiten. The New Republic erklärt, wie Putin das russische Internet kaputt macht. Die Jerusalem Post spendiert dem Prinzen Fahd bin Sultan bin Abdul Aziz Al Saud eine Portion Viagra. Im Spiegel schreibt Cordt Schnibben über seinen Vater, den Werwolf. Das New York Magazine überlegt, warum die Chefredakteurin der New York Times Jill Abramson gefeuert wurde. Mehr lesen

Ungebändigte Improvisation

16.05.2014. The New Republic schickt eine Reportage vom Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik. Warum haben deutsche Jungjournalisten keine Ahnung vom Netz, fragt Lousy Pennies. GQ übt Lachen für Hollywoodchefs. Im TLS bewundert Julian Barnes die Negativa Simenons. Mosaic erklärt, warum Tiere beim Winterschlaf keinen Herzinfarkt erleiden. La vie des idees reist nach Mekka. Mehr lesen

Krieg um Kameras

09.05.2014. In der London Review rollt der Historiker Richard Evans noch einmal den Reichstagsbrand auf. Der Merkur besucht das rumänische Hafenstädtchen Calafat. Slate.fr denkt über Glück und Gleichheit nach. Im Corriere della Sera staunt Gerhard Richter immer noch über die Gläubigkeit der RAF. In Nepszabadsag erklärt die Dichterin Krisztina Tóth die Gründe für ihre schlecht gelaunte Perspektivlosigkeit. In der Huffington Post.fr fordert Patrick Ndungidi die afrikanischen Filmregisseure auf, den eigenen Markt zu erobern. Der New Yorker schlürft eine Dosis Soylent. Mehr lesen

Der Wert absoluter Freiheit

02.05.2014. In Wired besucht Gideon Lewis-Kraus die nervenzehrende Welt der Start-Ups. In HVG möchte der Jazzgitarrist Ferenc Snétberger keineswegs als "Vorzeigezigeuner" tituliert werden. Der New Yorker folgt dem mexikanischen Drogenboss El Chapo in seinen stillen Ruhestand hinter Gittern. Rue 89 spielt die saitenlose Harfe. Und die New York Times informiert uns, dass wir demnächst von unseren Haustieren verklagt werden könnten. Mehr lesen

Mit einem müden Lächeln

25.04.2014. Das TLS prophezeit uns eine Zukunft als Insektenfresser. In La vie des idees erklärt der Juraprof Yann Kerbrat, woher das Recht auf Sezession kommt. Der Guardian porträtiert Chris Marker als "bricoleur". In HVG sucht die ungarische Regisseurin Márta Mészáros noch Geld für ihren Film über vergewaltigte Frauen im Zweiten Weltkrieg. Mehr lesen

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