Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

13.10.2003. In Le Point warnt Bernard-Henri Levy die Globalisierungsgegner vor dem Antisemitismus der Islamisten. Das New York Times Magazine stellt den neuen Think tank der Demokraten vor. In El Malpensante ärgert sich der Schriftsteller Andres Burgos über Gabriel Garcia Marquez, der lieber Whiskey trinkt, statt Castro zu kritisieren. In Cambio schreibt Garcia Marquez selbst über seine literarischen Erweckungserlebnisse. Auch der NouvelObs befasst sich mit Gabo. Im TLS wundert sich George Steiner über die Gründlichkeit, mit der die Deutschen Adornos Geburtstag feiern.

Le Monde des livres (Frankreich), 10.10.2003

In Frankreich gilt Warlam Schalamow als einer der bedeutendsten Autoren des vergangenen Jahrhunderts, in Deutschland ist er nahezu unbekannt. Auch der Russlandschwerpunkt der Buchmesse scheint keinen deutschen Verlag bewogen zu haben, ihn dem hiesigen Publikum bekannter zu machen. Schalamow hat über den Gulag geschrieben, wie Solschenitzyn - aber als Schriftsteller ziehen ihn viele Leser in Frankreich Solschenitzyn vor. Die Editions Verdier bringen nun eine autoritative Ausgabe seiner Recits de Kolyma" - 1.760 Seiten (hier das Vorwort und ein Auszug). Und Patrick Kechichian beschreibt Schalamows Schreibmethode: "Der Leser betrachtet das Geschehen nicht wie durch eine Vitrine, als ein betroffener, aber unbeteiligter Zuschauer, sondern Schalamow führt ihn mitten in den beschriebenen Raum."

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The New Yorker (USA), 20.10.2003

Bild zum ArtikelDie Ausgabe in dieser Woche ist eine Art Kinospecial, das in mehreren Texten die Frage klärt, wie heutzutage Filme gemacht werden. In einem ausführlichen Porträt stellt Ian Parker den "Drehbuch-Guru" Robert McKee vor. Der empfiehlt in seinen Kursen Berufsanfängern unter anderem, sich auch mal zu fragen, ob sie überhaupt Talent haben, und erklärt ihnen, warum "ein Thriller wahrscheinlich kein Thriller wird". Ganz schlimm sind demnach unter anderem "billige Überraschungseffekte, ein falscher Schluss" sowie "ein Loblied auf den Bösewicht".


Fortgesetzt wird der Grundkurs Kino mit kleinen Porträts von Vertretern typischer Berufe in der Filmszene: Tondesigner (hier), Best Boy (hier), Kostümbildner (hier), Komponist (hier), Requisiteur (hier) und - sehr interessant! - Waffenspezialist ("Für einen normalen Banküberfall kommen vier verschiedene Waffen in Frage"; hier).

Weiteres: Louis Menand widmet Bernardo Bertoluccis neuem Film "The Dreamers" eine wunderbar recherchierte, weit ausholende Besprechung. Anthony Lane beglückwünscht in seiner Kritik von Christine Jeffs Film "Sylvia" den Autor und die Regisseurin ausdrücklich zu ihrem "Mut", den Film über das Leben von Sylvia Plath (Gwyneth Paltrow) überhaupt gewagt zu haben. Zu seiner Zeit als Buchkritiker einer Tageszeitung habe nämlich noch die "unumstößliche Regel" gegolten: "Schreibe oder veröffentliche unter keinen Umständen irgendetwas zum Thema Sylvia Plath, vor allen Dingen nichts, das mit ihrer Heirat mit Ted Hughes zu tun hat." Peter Schjeldahl stellt eine El Greco-Ausstellung im Metropolitan Museum vor, Hilton Als bespricht die Inszenierung von zwei Einaktern von Edward Albee und Samuel Beckett, und Alex Ross gratuliert dem amerikanischen Komponisten Ned Rorem zum achtzigsten Geburtstag. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Pond, with Mud" von Donald Antrim.

Nur in der Printausgabe: die restlichen Beiträge des Kinospecials, darunter ein Text von Don DeLillo über den Tag eines Filmstars in Rom, Porträts eines Hollywoodstarlets und des Regisseurs Quentin Tarantino, Reportagen über Stuntmänner, Drehbuchautoren und einen Kameramann. Und schließlich Lyrik von Philip Larkin, W. S. Merwin und Charles Simic.

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El Malpensante (Kolumbien), 01.09.2003

Bild zum ArtikelIn Lateinamerika tobt eine Auseinandersetzung zwischen den literarischen Generationen. Besonders in der Kritik ist dabei Gabriel Garcia Marquez, "eine Art Papst, dessen bloße Anwesenheit reflexartig Lobeshymnen und ein kollektives Niederknien hervorruft", wie der kolumbianische Jungschriftsteller Andres Burgos in der jetzt freigegebenen Septembernummer von El Malpensante spottet. Burgos Kritik bezieht sich dabei vor allem auf die "außerliterarische" Dimension des Nobelpreisträgers, der ansonsten nach wie vor als glänzender Geschichtenerzähler besticht - davon immerhin hat Burgos sich bei einem Workshop mit dem Meister an der Internationalen Filmschule in Kuba überzeugen können. Trotzdem: "Er ist wie ein alternder Pistolero, der all seine Trümpfe schon ausgespielt hat und von dem nunmehr keine überraschende Wendung mehr zu erwarten ist." Statt "seine Haltung zu Kuba ändern, wie es sich Susan Sontag von ihm wünscht, sich mit seinen Gegnern zu verständigen, oder sich mit den jungen Pistoleros, die seinen Weg kreuzen, zu messen", ziehe Garcia Marquez es vor, "mit wenig bekannten Drehbuchschreibern unwahrscheinliche Filme zu entwerfen, mit seinen mächtigen Freunden Whisky zu trinken und sein Leben auf dem Papier nachzuformen". (Das sind halt die Freuden des Alters!)


Sehr viel unhöflicher über Garcia Marquez äußerte sich in einem kürzlich veröffentlichten Interview bei Radar der Shootingstar der kolumbianischen Literatur Efraim Medina Reyes (hier ein süßes Foto), dessen vergnügliche "Masturbationstechniken zwischen Batman und Robin" nach großem Erfolg in Italien auch in Deutschland schon einen Verlag gefunden haben sollen. "Garcia Marquez (der Mensch, nicht der Schriftsteller) ist ein Idiot, und man sollte seinen Äußerungen nicht zuviel Beachtung schenken. Genau wie er die Welt durch seine Erzählungen bereicherte, hat er sie mit seiner Anwesenheit ärmer gemacht. Seine Literatur ist gut, aber ihm mangelt es an gedanklicher Tiefe. Immer wenn er den Mund aufmacht, schämen wir uns", wetterte Medina Reyes unlängst.

Ach, und übrigens: In der ehrwürdigen Paris Review finden wir eine riesenhafte "orale Biografie" über Garcia Marquez von Silvana Paternostro.

Auch El Malpensante veröffentlicht ebenso wie andere lateinamerikanische Magazine Roberto Bolanos Generalabrechung mit dem derzeitigen lateinamerikanischen Literaturbetrieb (Perlentaucher berichtete). Weiterhin in dieser ausgezeichneten kolumbianischen Kulturzeitschrift zu finden: eine Reportage über einen kuriosen Nebenschauplatz des weltweiten Kampfes gegen Al Qaida: das Länderdreieck zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien in der Nähe der Iguazu-Wasserfälle.

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Cambio (Kolumbien), 12.10.2003

Bild zum ArtikelZufall oder nicht, Gabriel Garcia Marquez beschreibt seinerseits im kolumbianischen Nachrichtenmagazin Cambio wie er es selbst mit literarischen Vorbildern hielt. Anfang der sechziger Jahre, als er für einen von Max Aub geleiteten Radiosender arbeitete, entdeckte er den Mexikaner Juan Rulfo und dessen Roman "Pedro Paramo". "Seit jener ungeheuren Nacht, in der ich, fast zehn Jahre zuvor, in einem düsteren Studentenwohnheim in Bogota 'Die Verwandlung' von Kafka gelesen hatte, war ich nicht so beeindruckt", erzählt er. Seine Begeisterung sei soweit gegangen, dass er das Buch auswendig rezitieren konnte. Rulfos gesamtes Werk umfasst dabei kaum mehr als 300 Seiten. "Fast so viele und, wie ich meine, bleibende, wie diejenigen, die wir von Sophokles kennen".

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The Times Literary Supplement (UK), 10.10.2003

Bild zum ArtikelMit einem gewissen Befremden betrachtet George Steiner den zurückliegenden Adorno-Sommer, all die Tagungen und Veröffentlichungen von Briefwechseln, Biografien und Erinnerungen: "Ist diese Flut Beweis einer bewundernswerten Gründlichkeit und Großzügigkeit des deutschen Verlagswesens oder eher Beweis einer Sucht nach Hegelscher Totalität?"


Jeremy Adler ist dagegen ganz zufrieden damit, was die Deutschen in letzter Zeit so alles über Kafka geschrieben haben und empfiehlt Hanns Zischlers "Kafka geht ins Kino" (von 1996) und Peter Demetz' "Die Flugschau von Brescia", die nun beide ins Englische übersetzt wurden. Angela Hewitt rühmt Charles Rosens "Piano Notes", und ist auch kein bisschen überrascht, dass Rosen empfiehlt, "Bücher zu lesen, am besten Krimis, während man eine schwierige Passage übt. Mein eigener Klavierlehrer, ein Franzose, pflegte die Marseillaise zu singen, wenn er etwas teuflisch Schweres spielte (meist eine schnelle Passage in einem zeitgenössischen, atonalen Stück), um zu sehen, ob es in die automatischen Reflexe übergegangen ist."

Christopher Chippindale lobt Francis Pryos überzeugende Darstellung der britischen Frühgeschichte "Britain BC". Zu lesen ist außerdem erstmals in englischer Übersetzung Algernon Charles Swinburnes Ode an den "teuren und ehrenwerten" Marquis de Sade, "Charenton en 1810", die Swinburne allerdings verfasst hatte, bevor er irgendetwas von de Sade lesen durfte (mehr hier).

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Le point (Frankreich), 08.10.2003

Bild zum ArtikelBernard-Henri Levy greift in seinem wöchentlichen bloc-notes eine Debatte auf, die auch in anderen franzöischen Medien von sich reden macht: Es scheint, dass die Kreise der Globalisierungsgegner (die in Frankreich neuerdings als "altermondialistes" firmieren) von Islamisten unterwandert werden. In einem Forum von Globalisierungsgegnern wurde ein Text des islamistischen Genfer Intellektuellen Tariq Ramadan veröffentlicht, der in den französischen Intellektuellen wie Andre Glucksmann, Pascal Bruckner und Levy selbst eine fünfte Kolonne Israels sieht. Levy attackiert die Globalisierungsgegner: Er sei nicht gegen ihr Anliegen: "Ich respektiere ihren Kampf. Aber wenn sie, nur um die Vorstädte nicht zu brüskieren, derartige Argumente zulassen, wenn sie aus List oder Taktik, auch nur einen Moment lang den Antisemitismus als eine legitime Ausdrucksform der Revolte erscheinen lassen, dann ist das ein Desaster, nicht nur für sie selbst, sondern für die Allgemeinheit."


Der omnipräsente Soziologe Alain Duhamel zieht durch die Medien und diskutiert über den Niedergang Frankreichs, diesmal mit Nicolas Baverez, der wie Duhamel ("Le desarroi francais", Plon) ein Buch über das Thema geschrieben hat. "La France qui tombe". Er spricht noch mal über die vielen Hitzetoten unter Frankreichs Alten im Sommer. "Wir brüsten uns mit dem besten Gesundheitssystem der Welt, aber wir haben in dieesem Sommer 15.000 Personen sterben lassen, weil 30 Prozent der Krankenhausbetten nicht zu belegen waren, fünfzig Prozent davon in der Pariser Region, und das alles wegen der 35-Stunden-Woche. In einem Departement wie Hauts-de-Seine gab es im Sommer noch ganze zwei frei praktizierende Ärzte, weil alle andere in Ferien waren." Ein Land macht Urlaub!

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Outlook India (Indien), 20.10.2003

Bild zum ArtikelDas Titelthema: Indiens verborgene Kriege. Überall im riesigen Land, erinnert Saba Naqvi Bhaumik, führen noch immer separatistische Bewegungen und marxistisch-maoistische Naxaliten ihre oft bereits Jahrzehnte andauernden Kämpfe. Wie habe es ein revolutionärer Liedermacher ausgedrückt: "So lange der Bauch hungrig ist, wird das Feuer brennen." Denn Ursache sei das Versagen des Staates, die sozialen und ökonomischen Probleme der rückständigsten ländlichen Gebiete zu lösen. Anstatt Probleme wie Armut und Ausbeutung anzugehen, streite sich die politische Klasse der Gegenwart vor allem über Religion. Und zusätzlich habe der 11. September einen solchen Hype über islamistischen Terrorismus erzeugt, dass alle anderen Probleme unter den Tisch fielen.


Seema Sirohi nimmt die Rekrutierungsbemühungen des US-Geheimdienstes CIA unter die Lupe, der scheinbar dringend Hilfe benötigt, um die nächste asiatische Krise präzise vorherzusagen. Also werden Anzeigen geschaltet, in denen Experten gesucht werden, die sich in Südasien, dem mittleren Osten und außerdem "in den Bereichen des Waffenhandels, der Wirtschaft und des internationalen Finanzwesens" auskennen. "Frei übersetzt: Suchen Whiz Kids, die die Temperatur der Seitengassen von Karachi erspüren können, die Blutfehden der Stammeshäuptlinge von Peshawar verstehen, das Manifest der BJP auf offene und versteckte Programme hin lesen und die komplexe Finanzhexerei spurenfreier Hawala-Transaktionen entwirren, die von Südasiaten zu einer wahren Kunst vervollkommnet wurde. Die Entlohnung: eine Chance, in Washington auf der Höhe moderner Politik mitzumischen."

Außerdem: Anita Pratap blickt auf eine gespaltene US-amerikanische Nation, fragt sich, wo ihr berühmter Teamgeist geblieben ist und gibt die Antwort: Die Republikaner unter Bush haben ihn zerrieben. Pramila N. Phatarphekar preist die reichen kulinarischen Traditionen eines bescheidenen - und bedrohten - muslimischen Viertel von Delhi, die jetzt in einem Kochbuch festgehalten wurden: "Recipes from an Urban Village". Und Amitava Kumar bespricht den ersten Roman der Pulitzer-Preisträgerin Jhumpa Lahiri.

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London Review of Books (UK), 09.10.2003

Bild zum ArtikelIm Diary erzählt Rebecca Solnit über lange Fahrten durch den amerikanischen Westen und glaubt dem auf der Spur zu sein, was der Amerika ist. Sie erinnert sich an ihre Fahrten durch die trockenen Landschaften. "Darüberhinaus kann man von allem, was über die USA gesagt wird, auch das Gegenteil sagen. Wir sind ohne Wurzeln, bloß sind wir auch Hopis, die über Jahrhunderte hinweg sesshaft geblieben sind. Wir sind gewalttätig, bloß sind wir auch die Friedfertigen aus San Fransisco, die gegen Atomwaffen protestierten. Wir sind Verbraucher, bloß ist dieser Westen voll von visionären Umweltschützern, und so weiter und so fort. Das Schlechte in diesem Land neigt dazu, seinen Gegenpart hervorzubringen. Und die Landschaft des Westens scheint die Bühne zu sein, auf der solchen Dramen ausgetragen werden: ein grenzenloser Raum, in dem alles verwirklicht werden kann, ein moralischer Boden, hier, wo dein Schatten unglaublich weit reicht, wenn die Sonne untergeht, wo du groß scheinst, und einsam."


Weitere Artikel: Sukhdev Sandhu rollt erst einmal die Einwanderungs-Geschichte der Londoner Brick Lane auf, um seine Kritik an Monica Alis gleichnamigem Roman-Debüt zu begründen: kein schlechter Roman, der aber zu achtlos mit Sprache umgeht und eher zum ethnisch kolorierten Fernsehscript geraten ist. Sheila Fitzpatrick hat vier Bücher über das Leben im sowjetischen Russland gelesen, und dabei besonders an Stephen Lovells brillanter Studie ("Summerfolk 1710-2000") über Geschichte und Bedeutung der Datscha Gefallen gefunden. In Shorts Cuts erzählt Thomas Jones von einer eintägigen Reise durch Botswana und rügt AIDS-lose Literatur, und Peter Campbell weiß jetzt, wie man Pferde zeichnet - und neue Girls.

Nur im Print zu lesen: Was Andrew O'Hagan von Überwachung denkt.

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The Economist (UK), 10.10.2003

Bild zum ArtikelEs hört sich an wie ein sowjetisches Märchen, findet der Economist, doch es ist bittere Wirklichkeit. Am Wahltag waren die Straßen von Tschetscheniens Hauptstadt Grosny wie leergefegt. Und doch: "Die Wahlbeteiligung in der Hauptstadt betrug 98 Prozent. Das gleiche Bild zeigte sich im benachbarten Sawodskoij-Bezirk, einer Hochburg der radikal-islamisch Wahhabiten, die Achmad Kadyrow geschworen hat, zu vernichten. Auf Abdullah Bugajew, einen der übriggebliebenen Kandidaten der Opposition, fielen 6 Prozent der gesamten Stimmen, doch nur knapp über 1 Prozent im nordwestlichen Nadterechnij-Bezirk, der eigentlich als seine Hochburg gilt. 'Man würde sich ähnlichen Zuspruch für Anstand, Rechtmäßigkeit und Glasnost auch in den anderen Regionen wünschen', erklärte ein Mitglied des gesamtrussischen Wahlkommitees. Er meinte das nicht ironisch." Und wäre dem so gewesen, der Economist hätte nicht gelacht.


Weitere Artikel: Fette Zigarren, fettes Gehalt, fette Abfindungen: Der Ärger über verschwenderische Chef-Etagen ist berechtigt, so der Economist in seinem Titel, doch sollte nicht der Staat eingreifen, sondern die Aktieninhaber. Mit Arnies Wahl zum Gouverneur von Kalifornien haben die Republikaner vielleicht endlich den Weg in die amerikanische Gegen-Kultur gefunden, meint der Economist. Ob sie deshalb aber gleich Blumen im Haar tragen werden ? Die großen britischen Parteien weigern sich, die Immigration zum Thema zu machen, und der Economist findet das gut so. Gelesen hat der Economist diesmal Susan Greenfields Blick in die Zukunft ("Tomorrow's People"), der den Menschen des hypertechnologisierten Zeitalters treffend und warnend beschreibt.

Platon hatte Recht! Wissenschaftler vermuten jetzt, dass das Universum ein Dodekahedron ist, also ein geometrischer Körper mit pentagonalen Flächen. Platon assoziierte diese - perfekt symmetrische - Form mit der göttlichen Quintessenz, also mit der Schöpfungsidee.

Nur im Print zu lesen: Soll es ein britisches FBI geben?

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Der Spiegel (Deutschland), 13.10.2003

Bild zum ArtikelIn einem kurzen Interview erklärt die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi die Menschenrechte für universelle Werte: "Die Menschenrechte sind einzigartig und überall gleich, sie können nicht von Land zu Land unterschiedlich ausgelegt werden. Die Kulturen sind verschieden, aber das setzt die Geltung der Prinzipien nicht außer Kraft. Es gibt nur unterschiedliche Wege, sie durchzusetzen." Auch der Islam, erklärt sie weiter, sei "absolut vereinbar mit einer modernen Demokratie".


Marco Evers betrachtet Arnold Schwarzeneggers Beraterstab und versucht so herauszufinden, was für eine Politik von dem Mann zu erwarten ist. So fragt er etwa, welchen Einfluss Schwarzeneggers Frau, die Demokratin Maria Shriver, haben wird. "'Ich kriege viele Ratschläge von Maria', sagt Schwarzeneggers Vordenker Dreier, aber 'manchmal muss ich sie daran erinnern, dass ihr Mann Republikaner ist.'"

Nur im Print: ein Interview mit Quentin Tarantino über Gewalt im Film. Und ein Interview mit Wolf Biermann über seine freie Übersetzung eines Gedichts von Bob Dylan. Der Titel steht diesmal ganz im Zeichen der in Berlin geplanten Reformen.

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Le Nouvel Observateur (Frankreich), 09.10.2003

Bild zum ArtikelDer Nouvel Obs präsentiert ein kleines Dossier über Gabriel Garcia Marquez. Anlass ist das Erscheinen der französischen Übersetzung des ersten Bandes seiner Memoiren. Es äußert sich zu Marquez zum Beispiel Milan Kundera, der seine Freundschaft und Bewunderung erklärt. Veröffentlicht wird aber auch eine Hymne von Fidel Castro himself über seinen Schrifstellerkumpel: "Gabo hat mich in das 'Laster der Lektüre von Bestsellern als das einzige Mittel zur Reinigung von den Wirkungen der Lektüre von Parteidokumenten' eingeführt. Außerdem hat er mich davon überzeugt, bei meiner Wiedergeburt als Schriftsteller zur Welt zu kommen..." Im Zusammenhang hiermit wird eine Biografie des Journalisten Serge Raffy über Fidel Castro vorgestellt. Im Interview erläutert Raffy, wie er, ein einstiger Bewunderer, zu einem scharfen Kritiker von Castros "tropischem Gulag" wurde.


Auch der NouvelObs bringt, wie Le point, eine Geschichte über den Islamisten  Tariq Ramadan, der sein Texte in Internetzirkeln der Globalisierungsgegner veröffentlicht. In der gleichen Nummer ein Gespräch mit dem Politologen Vincent Geisser, der eine steigende "Islamophobie" in Frankreich beklagt.

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The New York Times (USA), 12.10.2003

Bild zum Artikel"Die englische Sprache ist eine Kaskade aus Wörtern und Bedeutungen und Gebrauchsformen, und die formidable Idee bestand darin, sie alle zu erfassen." Simon Winchesters Entstehungsgeschichte des Oxford English Dictionary muss sich hinter der Brillanz ihres Gegenstands selbst nicht verstecken, jubelt William F. Buckley. 1875 gab der Leiter des Projekts nach fünfzehn Jahren entnervt auf und reichte den Stab an James Murray weiter, der keinerlei akademischen Abschluss vorweisen konnte. Murray schätzte die vor ihm liegende Arbeit auf zehn Jahre, es wurden fünfzig. "The Meaning of Everything" ist voll von "Wissen und frischen Einsichten", schreibt Buckley, der Winchesters Hingabe an die Geschichte ebenso wie dessen "außerordentlich lesbaren" Stil bewundert.


Ward Just fühlt sich durch Arthur Gelbs Erinnerungen an sein Leben als Bürojunge bis hin zum stellvertretenden Herausgeber der New York Times in die Tage von Zigarettenrauch und manuellen Schreibmaschinen zurückversetzt. Sehr amüsant findet Caryn James Diane Johnsons (mehr) neuen Roman "Affairs", der seinen Vorgängern an hinterlistigem Witz und elegantem Stil in nichts nachstehe und diese in Bezug auf die anspruchsvolle Erzählform und den breiten kulturellen Blickwinkel sogar noch übertreffe. Elaine Sciolino schätzt Madeleine Albrights "Madam Secretary", die mit Bill Woodward geschriebenen, sehr offenen und persönlichen Memoiren der ehemaligen Außenministerin unter Bill Clinton. Und Annabel Davis-Goff zeigt mit ihrem neuen Roman "The Fox's Walk" (erstes Kapitel) erneut, dass es möglich ist, über Irlands Geschichte zu schreiben, ohne in Bitterkeit oder Sentimentalität zu verfallen, wie Alice Truax lobend feststellt.

Im New York Times Magazine: Die neuen Ideen der Republikaner wurden in konservativen Think tanks geboren. Matt Bai berichtet, wie John Podesta, der ehemalige Stabschef von Bill Clinton, den neo-cons jetzt Paroli bieten will: Mit einem neuen Think tank für Demokraten, dem Center for American Progress. Hier soll der neue Liberalismus ausgetüftelt werden.

Weitere Artikel: Helen Epstein beschreibt in einer langen Reportage die Gesundheitsprobleme in den ärmeren Vierteln US-amerikanischer Städte: Immer mehr jüngere Menschen leiden an Krankheiten, die man sonst nur mit älteren verbindet: Krebs, Herzinfarkt, Asthma, Diabetes, rheumatische Arthritis ... Und Cathy Horyn zeichnet ein liebevolles Porträt des französischen Designers Jean Paul Gaultier, der im nächsten Frühjahr seine erste Kollektion für Hermes vorstellen wird.

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Archiv: Magazinrundschau

Affenspiel des Teufels

21.05.2013. Wired sucht im Labor von Henry Markram nach einem Minimum von Gehirn. In le Monde fordert Liao Yiwu mehr Courage von westlichen Sinologen. Im Espresso fordert Marco Travaglio mehr Courage gegen Berlusconi. In der LRB betrachtet John Lanchester durch Google Glasses das große Schweigen. HVG erinnert an die Samisdat-Zeitschrift Neues Symposion. Rue 89 warnt vor dem reaktionären japanischen Premier Shinzo Abe. Der Dallas Observer umarmt einen kleinen Roboter. Vanity Fair erzählt die verzwickte Geschichte des Blockbusters "World War Z". Mehr lesen

1. Katzen trampeln nicht

14.05.2013. In New Republic findet es Margaret Atwood ganz einfach, die neuen Medien zu verstehen. Man kann sogar selbst Regeln für sie setzen, meint Roberto Saviano in La Republicca. Der New Yorker untersucht Vor- und Nachteile der Online-Universität. Der Believer erinnert an den Künstler Sadakichi Hartmann. Terrence Malick arbeitet mehr als man meint, versichert die Los Angeles Review of Books. Bloomberg Businessweek schaut unter die riesige Motorhaube von Netflix. Das New York Magazine porträtiert einen unglaublich souveränen Michael Douglas. Mehr lesen

Stürme von Judasküssen

07.05.2013. In der London Review of Books zeichnet Ian Sinclair ein aasiges Bild von der Beerdigung Margaret Thatchers. Das New York Magazine erklärt, wie für ein balloon toy von Jeff Koons der Preis von 30 Millionen Dollar gesetzt wird. In Frankreich möchte der Regisseur Michel Hazanavicius die Internetprovider für die Filmfinanzierung anzapfen. In Amerika möchte Susan Crawford die Telekoms gründlich renovieren, um endlich überall schnelles und günstiges Internet zu haben. Der Antisemitismus vergiftet alles in Ungarn, ruft in Nepszabadsag der Politiker Béla Markó. Drogenkonsum wird erst durch Informationsmangel richtig gefährlich, lernt der GuardianMehr lesen

Übermaß an Liebe

30.04.2013. n+1 geht den Tonarten Hilary Mantels nach. The New Republic bewundert die chinesische Einfachheit des georgianischen Dichters Edward Thomas. Slate.fr sucht eine neue revolutionäre Klasse. Rumänische Filmregisseure werden auf der ganzen Welt geachtet, nur nicht in Rumänien, lesen wir in HVG. In The National Interest sucht Walter Laqueur vergeblich nach der vielbeschworenen Marx-Renaissance. Der New Yorker liest Bücher über den amerikanischen Drohneneinsatz. Der Guardian erleidet den Liebestod. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

#surreal

23.04.2013. Das Attentat von Boston wird vor allem den Tschetschenen schaden, fürchtet The Atlantic. Das New York Magazin beobachtet die Verdrängungstaktiken der Chassidim in New York. In Rumpus erklärt Aleksandar Hemon, warum nur die ganz Privilegierten glauben, es gebe keinen Fortschritt. Die LRB singt dem russischen Performancekünstler Vladik Monroe ein Abschiedslied. In Eurozine erklärt Etgar Keret das Hebräische als Literatursprache. Dem Murdoch-Imperium geht's prächtig, meldet Bloomberg Businessweek. In der NYRB ärgert sich John Gray über den inkohärenten Mischmasch der Marxschen Philosophie. In Bidoun erzählt Larry Gagosian, warum Cy Twombly den armenischen Maler Arshile Gorky liebte. Mehr lesen

Selbstzensur ist ein Thema

16.04.2013. Wer Mathematik besser verstehen will, sollte stricken, empfiehlt der American Scientist. The Quarterly Conversation erklärt, warum Czesław Miłosz Kalifornien liebte. Elet es Irodalom besucht eine Robert-Capa-Ausstellung. Der New Yorker porträtiert die Mars-Pioniere Adam Steltzner und John Grotzinger. In n+1 erklärt Sally Potter, warum sie den Hass auf Margaret Thatcher frauenfeindlich findet. In La regle du jeu erklärt Atiq Rahimi, warum sich globale Krisen immer in Afghanistan kristallisieren. Der Global Mail besucht Flüchtlinge im indonesischen Sex-Ferienort Cisaru. Vanity Fair porträtiert Felix Baumgartner. Mehr lesen

Amoralische Landschaften

09.04.2013. In The Virginia Quarterly Review sieht der Verleger Richard Nash Bücher im Cockpit in die Zukunft fliegen. Rue 89 erklärt das chinesisch-koreanische Verhältnis. Micromega beobachtet weibliche Proteste beim Weltsozialforum in Tunis. In The Brooklyn Rail erklärt der Regisseur Olivier Assayas, warum die Siebziger für den Einzelnen so gefährlich sein konnten. Im New Yorker kennt Susan Faludi dafür ein konkretes Beispiel: die Feministin Shulamith Firestone. Vice schildert die Situation der Roma in Slowakien. Die NYRB lernt von Lawrence Wright, wie das amerikanische Finanzamt aus Scientology eine Religion machte. Mehr lesen

Erst Geld macht Medien

02.04.2013. In der LRB fragt John Lanchester, warum Fantasy vom literarischen Publikum gesnobbt wird. Der New Yorker erklärt am Beispiel von Vice, wie man im Internet mit Inhalten Geld verdient. Für Salon.eu.sk besucht Andrzej Stasiuk die lebenslustigen Goralen. Die Lettre feiert ihren Fünfundzwanzigsten. Slate.fr berichtet über israelische Mafiakriege. Der Hollywood Reporter besucht einen Pionier des Filmnerdtums im Netz. HVG durchleuchtet am Beispiel von Janos Esterhazy die Abgründe der slowakisch-ungarischen Beziehungen. Mehr lesen

Das ist reines Zocken

25.03.2013. Le Monde fragt, wer ist der Guru von Beppe Grillo und präsentiert Gianroberto Casaleggio als leicht unheimliche New-Age-Figur. Espresso bringt ein apokalyptisches Video Casaleggios. The Atlantic erzählt, warum der jordanische König nicht so demokratisch sein kann wie er möchte. Elet es Irodalom stellt ein Buch über "Ungarische Besatzungstruppen in der Sowjetunion" vor. La vie des idees erzählt, wie man in Frankreich den Tod laizisiert hat. Im Guardian erklärt Taiye Selasi, warum sie die Frage "Wo kommst du her?" kaum beantworten kann. Fast Company lernt von Kickstarter, warum Mädchen mit Lithografieprojekten immer zu bevorzugen sind. Wired möchte nicht Verleger sein. Mehr lesen

Am Ende als Helden gefeiert

19.03.2013. Vanity Fair erzählt, wie London zum sicheren Hafen der Oligarchen und Superreichen wurde. The Nation stößt bei jungen Griechen auf eine regelrechte Aufbruchsstimmung. The New Statesman fürchtet dagegen das wohlhabende und sichere Deutschland. Die LRB blickt auf die verfahrene Situation in Ägypten. In der New York Times graut Martin Caparros vor dem heiligen Geist, der nun noch kräftiger durch Argentinien wehen wird. Letras Libres hofft auf die heilsame Wirkung legalen Marihuanas in den USA. Der New Yorker stellt die meistgehasste Frau Australiens vor. Und Telerama wiegt sich zu den samtenen Klängen des kapverdischen Morna. Mehr lesen

Zu neuem Funde

12.03.2013. Die NYT erzählt, wie Amazon und Apple auf dem Weg zur Weltherrschaft einen Markt für gebrauchte digitale Güter aufbauen. Elet es Irodalom gefallen die frischen jungen Gesichter, die die italienischen Wahlen in die Politik gespült haben. Je langweiliger Politik ist, desto besser, meint Javier Cercas in der Monde diplo. In The New Republic erinnert sich Paul Berman an die prächtig gepanzerten Backen von Hugo Chavez. Der New Yorker freut sich über seinen Überbiss. Port Magazine porträtiert den ugandischen Kaffeeproduzenten Andrew Rugasira als guten Kapitalisten. Buzzfeed porträtiert die mexikanische Lehrerin Elsa Hernandez Gonzalez als wahre Speerspitze im Kampf gegen Drogen. N+1 porträtiert den Filmemacher Michael Haneke als Sadomodernen. Mehr lesen

Er tänzelte mit Grazie

05.03.2013. Der Rolling Stone schildert die Selbstverständlichkeit, mit der in der US-Army vergewaltigt wird. In Accents beschreibt Jean Jourdheuil die Musik in Heiner Müllers Füßen. Men's Journal begleitet einen Ex-Medienmogul und einen Evangelikalenführer zum Treffen mit einem Kannibalen in Liberia. Der Spectator versteht nicht, warum Britten Mahler Elgar vorzog. In Bloomberg besteht Evernote-Gründer Rob Walker darauf, dass sein Dienst antisozial ist. Rue 89 beobachtet den Neo-Luddismus. Die NYRB sucht Islamisten in Mali.  Mehr lesen

Harvey explodierte

26.02.2013. In The Brooklyn Rail erzählt der Animationsfilmer Ralph Bakshi, warum er Glück hatte, arm aufzuwachsen. Die NYT erklärt, warum wir Zucker, Salz und Fett nicht widerstehen können. Genau darum muss der Staat uns vor uns selbst schützen, lernt die NYRB. Und The Atlantic sammelt schon mal die Daten, die beweisen, wie sehr wir beim Essen gesündigt haben. Im New Statesman singt Jeannette Winterson ein Loblied auf den kreativen androgynen Geist. Im Guardian erzählt Aleksandar Hemon, warum er als Erwachsener seine ästhetischen Prinzipien revidieren musste. Und in El Pais erklärt Sergio Alvarez, warum der magische Realismus nicht mehr zeitgemäß ist. Mehr lesen

Bringt mir die Kosmologen!

19.02.2013. In La vie des idées erklärt Timothy Snyder den Historikerstreit für erledigt. In The New Republic fragt Ian McEwan, warum er sich für irgendeinen Henry interessieren soll. Die Global Mail beschreibt die grauenvollen Hexenjagden in Papua-Neuguinea. In Syrien macht jeder seinen eigenen Aufstand, seufzt die LRB. Gibt's diesmal auch Frauen, fragt Wired angesichts der geplanten neuen Star-Wars-Folgen. Bloomberg warnt vor chinesischen Hackern. Im Espresso geißelt Roberto Saviano die italienischen Konservativen. In der NYT lassen junge Republikaner aus ähnlichen Gründen die Köpfe hängen. Mehr lesen

Forensische Romanze

12.02.2013. In Newsweek liest Simon Schama aus den Knochen Richards III. Die Financial Times besucht die Amazon-Sklaven im britischen Städtchen Rugeley. Im New York Magazine erzählt Oscar de la Renta, wie der Schuldeneintreiber von Tennesse Willliams über ihn herfiel. In Salon schreibt Adam Michnik an Michail Chodorkowski. The Nation feiert den Avantgardisten Wiktor Schklowski. In Slate.fr holt uns Michel Serres in die Zukunft zurück. Und in n+1 singt Valery Nugatov ein Liebeslied an die zeitgenössische Kunst. Mehr lesen

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