Bücher der Saison
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Die Strukturbrüche sind hausgemacht
Der "Heidelberger Appell" lenkt nur von einem Versäumnis der Verlage ab: Sie haben sich nicht rechtzeitig um die Digitalisierung von Büchern und daran zu knüpfende Fragen gekümmert.
Matthias Ulmer
25.03.2009 um 16:35:27 Uhr
Lieber Herr Wischenbart, ich freue mich, dass Sie die Aktivitäten des Buchhandels anerkennen, vor allem im Bezug auf Libreka. Ich kann allerdings die Rüge, die Verlage hätten sich nicht um die Digitalisierung gekümmert nicht nachvollziehen. Ja, natürlich, es hätte noch schneller gehen können. Aber noch haben wir wohl kaum etwas versäumt. Der Start der E-Books in Deutschland - vielleicht das erste kommerzielle Anzeichen in dieser Richtung - war ein ausschließlich vom Buchhandel initiiertes, inszeniertes und orchestriertes Ereignis. Leider ist die Resonanz auf Seiten der Leser und Käufer noch gering. Aber auch das ist eher kein Zeichen dafür, dass man bisher etwas versäumt hat. Es steht eben alles noch am Anfang.
Die Kostenrechnung für ein E-Book mag für Außenstehende schwierig nachzuvollziehen sein. Irgendwo ist sie auch müßig, solange die Investitionen das mehr als hundertfache der Erlöse betragen. Wenn wir irgend wann mal am Break even sind, dann mag die Begründung, dass man für die Auslieferung des E-Book keinen LkW benötigt interessant sein. Aktuell ist das E-Book mit oder ohne LkW in den roten Zahlen und ein niedriger Preis kann über ein paar gesparte Cent (mehr kosten auch bei einem großen Buch der Laster nicht) kaum begründet werden. Economies of Scale wird es geben, wenn es eine "Scale" gibt.
Ich gebe Ihnen Recht, auch ich sehe die Bedrohung durch Google als nicht so groß an. Dennoch: was Google macht ist ein schlichter Rechtsbruch, eine bewußte Rechtsbeugung. Man mag es als müßig bezeichnen dagegen zu protestieren. Es ist aber für viele eine Frage der Wahrhaftigkeit das nicht einfach hinzunehmen, sondern dagegen zu protestieren und sich - im Rahmen des möglichen - zu wehren. Und die Rechtsbeugung von einem Großen ermuntert auch andere dazu, wie wir aktuell leidvoll erfahren müssen.
Darüber hinaus wogt eine gespenstige Welle des Sozialismus durch das Land. Da wird die massenweise Enteignung propagiert, werden Ermächtigungsgesetze geplant, werden Zwangsveröffentlichungen vorgeschrieben, wird Linientreue über die Androhung des Entzugs der Subsistenzgrundlagen angedroht, wird die Vergesellschaftung des Wissens gefordert. Man hat das Gefühl, da haben einige seit Sylvester vergessen mit dem Trinken irgendwann wieder aufzuhören.
Es ist peinlich gegen eine Kultur-Flatrate anschreiben zu müssen. Aber wenn sich nicht allen Lesern schon beim Gedanken an ein solch totalitäres Instrument die Nackenhaare aufstellen, dann muss man eben appellieren und mahnen: wehret den Anfängen.
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