Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Ein Schlechtfühl-Luxusangebot

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

04.07.2013. Für die Zeit begibt sich Clemens Setz ganz tief ins Deep Net. Außerdem schickt die Zeit  ein moralisches Care-Paket nach Amerika, das zur Zeit nicht die Energie habe, sich selbst zu korrigieren. Die NZZ verabschiedet sämtliche Freiheitsideen, die sich je mit dem Internet verbanden. Zeit.de fragt, ob Snowden zum Wahlkampfthema werden kann - für die SPD wäre das nicht so komfortabel. Der Freitag reanimiert die leider eingeschlafene Debatte um die Öffentlich-Rechtlichen. In der Homotaz erinnert sich Elmar Kraushaar an die Befreiung der Schwulenbewegung durch Michel Foucault.

TAZ, 04.07.2013

Unter der Überschrift "Mein bester Freund ist Hetero" bringt die taz eine ressortübergreifende Homo-taz zum Thema Freundschaft.

Elmar Kraushaar etwa erinnert sich an die Zeit, als die schwule Community sich noch "als Opfer" fühlte und in einer "Sackgasse gelandet" war. "Bis wir auf Michel Foucault stießen, auf 'Von der Freundschaft als Lebensweise', ein Gespräch, das der Philosoph mit Vertretern der französischen Schwulenzeitschrift Gai Pied geführt hatte. Was für ein Paukenschlag: 'Homosexualität ist keine Form des Begehrens, sondern etwas Begehrenswertes.' Und noch einer: 'Es liegt an uns, zu einer homosexuellen Askese zu gelangen, die uns an uns selbst arbeiten und eine Lebensart erfinden läßt, die noch unwahrscheinlich scheint.' ... Uns stockte der Atem."

Weitere Artikel in Auswahl: Paniz Musavi protokolliert eine Freundschaft zwischen zwei Iranerinnen in Beirut, von denen eine aus dem Iran, eine aus Deutschland stammt. Paul Taylan Kilic beschreibt "Mann-männliches Freundschaftsleben" in muslimischen Communitys. Denisz Yücel berichtet über den größten Gay Pride in Istanbul am Wochenende, nachdem Schwule und Lesben bei den Protesten auf dem Taksim-Platz in erster Reihe gekämpft hatten. Zu lesen sind außerdem ein Gespräch mit der weltweit einzigen transsexuellen Abgeordneten Anna Grodzka, die im polnischen Parlament sitzt, sowie ein Gespräch zwischen Hella von Sinnen und Jürgen Domian über Homosexualität im Showbusiness.

Und Tom.

nach oben

Weitere Medien, 04.07.2013

Das Editorial Board der New York Times kann die europäische Aufregung über die Spionageaktivitäten überhaupt nicht verstehen. Und dass mit dem Datentausch fröhlich nationale Gesetze umgangen werden: großes Schulterzucken. "N.S.A. listening in on ordinary Europeans is perfectly legal under United States law; the agency is prohibited only from snooping on Americans without court authorization. German intelligence agencies are similarly prohibited from spying on Germans. It is naïve to assume that allied intelligence agencies do not share data that may be off limits to one and not the other."

Bei Spon sieht das Thomas Darnstädt ganz anders. Rechtsbruch ist Rechtsbruch, egal, wer ihn begeht. "Ankläger in Karlsruhe und bei vielen Staatsanwaltschaften prüfen an einer Staatsaffäre herum, die es nicht ausgeschlossen erscheinen lässt, dass der Chef des US-Geheimdienstes NSA nicht anders als sein britischer Kollege Sir Ian Robert Lobban nach deutschem Recht als Krimineller zu behandeln ist. Das millionenfache Abgreifen von Kommunikationsdaten deutscher Bürger durch NSA und den Briten-Dienst GCHQ, der Versuch, deutsche Politiker zu belauschen, gilt hierzulande als 'Ausspähen von Daten' (Gefängnis bis zu drei Jahren), 'Abfangen von Daten' (zwei Jahre) - oder sogar als 'Geheimdienstliche Agententätigkeit' (bis zu zehn Jahren). Verdächtig sind nicht nur die ausländischen Dienste. Auch die Verantwortlichen des bundesdeutschen Verfassungsschutzes und des Bundesnachrichtendienstes könnten, wenn sie von den Aktionen gewusst oder gar daran partizipiert haben, als Angeklagte vor deutschen Gerichten landen. "

Wird Snowden zum Wahlkampfthema, fragt Lenz Jacobsen auf zeit.de. Für die SPD sieht's jedenfalls schon mal wieder ziemlich doof aus: "Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt war jahrelang Frank-Walter Steinmeier, später Kanzlerkandidat und heute Fraktionschef." Und SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz "kann nicht erkennen, dass der Mann [Edward Snowden] politisch verfolgt wird". Jacobsens Kommentar: "Womit die SPD auf einer Linie mit der Regierung liegt, gegen die sie doch eigentlich erfolgreich sein will. Nur einzelne SPD-Abgeordnete wie der Netzpolitiker Lars Klingbeil können sich eine Aufnahme Snowdens in Deutschland vorstellen. Für eine Kampagne reicht das nicht."

Auch die Papierpost wird in den USA flächendeckend kontrolliert, berichtet Ron Nixon in der New York Times, und zwar im Rahmen des Mail Isolation Control and Tracking program, das seit den Anthrax-Attacken von 2001 läuft und "im Rahmen dessen die Computer des Postal Service das Äußere sämtlicher Postsendungen fotografieren, die in den USA versandt werden - etwa 160 Milliarden Stück im letzten Jahr. Es ist nicht bekannt, wie lange die Regierung diese Bilder aufhebt."

(via BoingBoing) Das Magazin Dissenter druckt einen Brief des CIA-Whistleblowers John Kiriakou an Edward Snowden, in dem er seine Sympathie bekundet und einige gute Ratschläge gibt. Zum Beispiel: niemals mit dem FBI zu kooperieren.  Kiriakou hatte bekannt gemacht, dass Folter von der Regierung Bush abgesegnet war und quasilegal praktiziert wurde. Daraufhin wurde er wegen Spionage angeklagt und sitzt jetzt im Gefängnis. "Snowden has mentioned Kiriakou. He considers him an example of 'how overly-harsh responses to public-interest whistle-blowing only escalate the scale, scope, and skill involved in future disclosures.' He was aware of his case before he blew the whistle and it was a preview of what he needed to prepare for after his act of conscience", schreibt dazu Kevin Gosztola in Dissenter.

Egal ob Muslimbrüder oder (einige, nicht alle, hoffen wir) Angehörige der ägyptischen Opposition: Herumtrampeln auf israelischen Fahnen ist stets beliebt: Eldad Beck kommentiert in der Jüdischen Allgemeinen: "Zweieinhalb Jahre nach Ausbruch des Arabischen Frühlings und ein Jahr nach der Wahl eines islamistischen Präsidenten erlebt Ägypten derzeit die tiefste Krise seiner jüngeren Geschichte. Doch auch in dieser höchst schwierigen Stunde bleibt eines konstant: der kranke Hass auf Israel und die Juden."

nach oben

Aus den Blogs, 04.07.2013

Der Blogger Richard Gutjahr spricht mit dem Spiegel-Journalisten Holger Stark, der an der Snowden-Titelgeschichte mitgearbeitet hat. Er versucht unter anderem zu verstehen, warum die Spiegel-Geschichte so einschlug, während die Berichte des Guardian zum Teil floppten: "Da sind aus meiner Sicht auch echte Hämmer dabei gewesen, wie zum Beispiel die Überwachung des G20-Gipfels in London durch den britischen Nachrichtendienst. Die Resonanz in deutschen Medien: gering. Jetzt in diesem Fall muss irgendeine kritische Masse erreicht worden sein, wahrscheinlich die Kombination aus dem direkten Lauschangriff auf die EU einerseits und den exorbitant hohen Zahlen an Verbindungsdaten, die allein in Deutschland gesammelt worden sind."

Vor dem Kanzleramt findet heute Vormittag eine Demonstration statt, die die Aufnahme Edward Snowdens fordert. Der Perlentaucher schließt sich dem Aufruf an: "Deutsche Behörden haben in der Vergangenheit Hinweisgebern aus dem Ausland die Aufnahme in Zeugenschutzprogramme angeboten, weil sie Fälle von Steuerkriminalität aufgedeckt hatten. Bei einem Menschen, der massenhafte Verstöße gegen Bürgerrechte öffentlich macht, sollte das ebenso selbstverständlich sein."

Anzeige

Twitterfeed der Verlage

nach oben

NZZ, 04.07.2013

Mit Wehmut zitiert der Medienwissenschafter Tilman Baumgärtel die Freiheitsutopien von John Perry Barlow, Timothy Leary und Howard Rheingold aus der Frühphase des Internets und wundert sich über deren Naivität angesichts einer Technologie, die alle Möglichkeiten zur Totalüberwachung bot: "der Computer als das 'gründlichste' Speichermedium in der Geschichte der Menschheit; das Domain Name System (DNS) mit seinen Root-Servern, das bis heute vom amerikanischen Handelsministerium kontrolliert wird; das IP-Adressen-System, das jeden Rechner identifizierbar macht, indem es ihm eine Zahlenkombination als Adresse zuweist - und der unverschlüsselte Versand von Informationen über ein globales Netz von Servern, die die Daten weiterverbreiten, indem sie sie von einem Rechner zum nächsten kopieren."

Weiteres: Die dokumentarische Vielfalt im aktuellen türkischen Kino spreche "ebenso von der unbewältigten Fülle der Probleme wie von der in den letzten Jahren gewachsenen Möglichkeit, diese endlich zu benennen, zu bebildern und anzugehen", meint Amin Farzanefar in einem Artikel über die Filmszene in der Türkei. Geneviève Lüscher berichtet von der Berliner Ausstellung über Uruk, die älteste Großstadt der Welt.

Besprochen werden Marion Vernoux' Film "Les beaux jours" (den Michèle Wannaz "wohltuend unaufgeregt" findet) und Bücher, darunter Amy Waldmans Roman "Der amerikanische Architekt" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Stichwörter: Timothy Leary

nach oben

Freitag, 04.07.2013

Die Diskussion um die Öffentlich-Rechtlichen ist (gewiss zu deren Zufriedenheit) ja leider eingeschlafen. Wer bis jetzt nicht die Zwangsgebühr entrichtete, dem drohen allerdings Sanktionen. Die Gruppe Remote Control, die gegen die Gebühr kämpft, kommt noch mal auf das Thema zurück. Der "Radioapparat" sei ja ausgestorben, aber "der Apparat als Institution ist alles andere als verschwunden. Wir schauen - mit jugendlichem Widerwillen - auf die gegenwärtigen Strukturen des Rundfunkapparats und stellen fest: Die sind undemokratisch, intransparent und patriarchal wie eh und je. Die von den Nutzern zusammengetragenen Produktionsmittel werden nicht öffentlich ausgeschrieben, das Programm wird vorgeschrieben und hinter den verschlossenen Türen privater Tochterfirmen von ARD und ZDF produziert."

Stichwörter: ARD, ZDF

nach oben

Welt, 04.07.2013

Tilman Krause liest Jochen Missfeldts neue Biografie des heute kaum mehr relevanten Theordor Storm und beleuchtet auch ein problematisches Kapitel seines Lebens: Storms Liebe zu Mädchen an der Schwelle der Pubertät. Besprochen werden Filme, darunter Pedro Almodóvars Komödie "Fliegende Liebende". Im Forum zeiht Richard Herzinger die Verteidiger Edward Snowdons der Heuchelei und des Antiamerikanismus.

nach oben

SZ, 04.07.2013

Sehr sehr groß berichten Bastian Brinkmann und Hakan Tanriverdi über den "Adblocker" und vertiefen Blogartikel (hier), die herausgefunden haben, dass Adblock Plus eine Firma ist, die gegen Geld bestimmte Werbung eben doch durchlässt: "Wenn ein Adblock-Plus-Nutzer auf Web.de etwa 'Goldpreis' in die Google-Suche eingibt, sieht er viele Anzeigen von Goldhändlern - so viele, dass auf einem 13-Zoll-Bildschirm nur ein echter Treffer ganz unten am Bildschirmrand zu sehen ist." Der Hinweis, dass die Süddeutsche eine Intitative gegen Adblocker untestützt, fehlt nicht. Auch die FR berichtet heute.

Durchaus interessant, aber keineswegs voll gelungen findet Viktoria Grossmann die Ausstellung "Cross-Borders" im ZKM in Karlsruhe, die Arbeiten von Künstlerinnen aus dem arabischen Raum zeigt. "Die Frage, ob Kunst politisch sein soll, ist für diese Frauen, für die jedes Wort, das sie laut sagen, ein politisches Statement ist, ein Luxusproblem Demokratieverwöhnter. Manches in der Ausstellung ist dann allerdings erwartbar. ... Die Präsentation der Ausstellung macht sich das allzu sehr zu eigen und kommt recht volkskundlich daher."

Weitere Artikel: Der Historiker Timothy Garton Ash wünscht sich im Gespräch mit Stephan Speicher, dass Frankreich und Großbritannien besser mit Deutschland zusammenarbeiten: "Wenn diese beiden mit ihrem Selbstbewusstsein, mit ihren Erfahrungen mitmachen würden, dann hätten wir Europa." Nach jüngsten positiveren Meldungen zum Stand der Dinge bei der Hamburger Elbphilharmonie fragt sich Till Briegleb dennoch, wie es bei derart konzentrierten Kompetenzen zu diesem fast schon zehn Jahre andauernden Debakel kommen konnte. Dorion Weickmann sorgt sich um den Tanz, der sich gegenüber der öffentlichen Hand zunehmend in der Defensive befindet. Fritz Göttler freut sich, dass Robert Aldrichs 1977 in München enstandener Film "Ultimatum" beim Filmfest München ungekürzt zu sehen ist. Daselbst sichtet Rainer Gansera zudem neue deutsche Produktionen "mit einer erfreulichen Vielfalt an Sujets, Genres und Arbeiten, die auch stilistisch Neuland suchen."

Besprochen werden die US-Komödie "Taffe Mädels" mit Sandra Bullock und das Popliteratendebüt "Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen" von Sterne-Sänger Frank Spilker (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

nach oben

FAZ, 04.07.2013

Nach dem NSA-Skandal macht Felix von Leitner (alias fefe) im Gespräch mit Michael Hanfeld nicht allzu viele Hoffnungen, was die Situation in Deutschland betrifft: Hier "sieht die Situation zwar im Detail nicht ganz so übel aus, aber auch bei uns kann die Polizei Mail-Anbieter zur Herausgabe verpflichten. ... Da kann am Ende GMX nichts dafür, wenn die Gesetzeslage so ist. Letztlich ist es unsere Schuld als Wähler, dass wir es so weit haben kommen lassen." In seinem Blog hat von Leitner das unbearbeitete Transkript des Gesprächs veröffentlicht.

Außerdem: Laut Bundesverfassungsrichter a.D. Paul Kirchhof untergräbt das Umsatzsteuersystem, wonach am Ende Umsatzsteuer abgeführt wird, die sich das Gegenüber beim Finanzamt wiederholt, die Autorität des Steuersystems. Jan Wiele kritisiert Konzertmitschnitte auf Youtube.

Im Gespräch auf der Medienseite stellt ZDF-Intendant Norbert Himmler dem eigenen Haus Glanznoten aus: Er lobt nicht nur die Weltkriegs-Schmonzette "Unsere Mütter, unsere Väter", sondern gestattet auch einen Ausblick auf zwei kommende Serien des Senders, die unter Eindrücken neuer amerikanischer Serien entstanden sind: Neben einer "eher konventionellen" Serie darf man sich auch auf eine "ausgefallene" freuen, in der "es um Sorgerechtsfragen oder um verschwundene Mütter oder Väter" geht. Wir sind begeistert!

Besprochen werden drei amerikanische Ausstellungen zum Werk des Lichtkünstlers James Turrell, die Aufführung von Karlheinz Stockhausens "Samstag aus Licht" in München, Asteris Koutoulas' Dokumentarfilm "Recyling Medea", Pia Marais' neuer Film "Layla Fourie", der israelische Film "Fill the Void", den die Regisseurin Rama Burshtein heute in Berlin vorstellt, und Bücher, darunter Rainer G. Schmidts Neuübersetzung von Victor Hugos "L'Homme qui rit" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

nach oben

Zeit, 04.07.2013

Der Schriftsteller Clemens Setz begibt sich ins Deep Net, einen anonymen, unkontrollierbaren Bereich des Internets: "Es ist der neutrale Boden, auf dem sich verfolgte oder von Zensur bedrohte Menschen frei äußern können. Es ist auch der Höllen-Spielplatz, den man besuchen kann, wenn es einem zu gut geht, wenn man sich zu sehr zu Hause fühlt auf der Welt, wenn man völlig frei atmet und dabei eine dumpfe Meldung schlechten Gewissens empfängt. Ein Schlechtfühl-Luxusangebot. Die notwendige, immer schon dazugedachte Schattenseite. Und als solche: ein schwindelerregend vollständiges Bild des menschlichen Geistes in unserem Jahrhundert."

Auf den vorderen Seiten dominiert weiterhin der NSA-Skandal. "Amerika hat derzeit nicht die Kraft zu Selbstkorrektur", befindet Andrea Böhm in ihrem Leitartikel und hofft auf "Bündnishilfe" durch eine empörte Weltöffentlichkeit. Matthias Nass porträtiert den NSA-Chef Keith Alexander. Der Autor Uwe Tellkamp und Verteidigungsminister Thomas de Maiziere diskutieren über Abhören, Drohnen, gezieltes Töten und Mut. Tina Hildebrandt und Matthias Krupa gehen der (auch vom Perlentaucher gestellten) Frage nach Angela Merkels Mitwisserschaft nach: "Mit jedem Tag, an dem sich die US-Regierung nicht äußert und sich die deutsche Regierung nicht äußern kann oder will, wächst Edward Snowdens Deutungsmacht."

Jochen Bittner und Yassin Musharbash erläutern das Vorgehen der verschiedenen in den Überwachungsskandal verwickelten Geheimdienste und halten fest: "Die NSA übermittelt dem BND Informationen über deutsche Bürger, die der deutsche Dienst nicht hätte sammeln dürfen, die er aber entgegennehmen darf. Deutsche Geheimdienstler konnten aus dem Material, das ihnen von der NSA überlassen wird, so schon seit Jahren schließen, dass die USA flächendeckend Daten aus dem Internetverkehr fischen."

Weitere Artikel: Wolfram Goertz stellt die aufstrebende Opernregisseurin Tatjana Gürbaca vor. Ursula März wundert sich über die dürftige Unterstützung aus dem Kulturmilieu für Peer Steinbrücks Wahlkampf. Tobias Gohlis empfiehlt die zehn besten Krimis des Monats. Die kürzlich aus vierwöchiger Haft in Tunesien entlassene Femen-Aktivistin Josephine Witt verwahrt sich im Interview gegen den Vorwurf, ihre Protestaktion hätte der Sache der tunesischen Frauen geschadet: "Meine Brüste schaden niemandem. Außer dem Patriarchat - und darüber bin ich froh."

Besprochen werden Pedro Almodóvars neuer Film "Fliegende Liebende" ("dessen Haltbarkeitsdatum schon zur Erstaufführung längst abgelaufen scheint", wie Merten Worthmann enttäuscht feststellt) und Bücher, darunter Reinhard Jirgls Roman "Nichts von euch auf Erden" (mehr in unserer Bücherschau heute um 14 Uhr).

nach oben

Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons