Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Eine Räuberpistole sondergleichen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

29.06.2013. In The Nation warnt Jaron Lanier, Prism könne zu einem Regime der subtilen Konformität führen. Die Amerikaner halten trotz allem an ihrer Vorstellung vom Internet als Freiheitsmaschine fest, erläutert Thomas Frank in der FAZ. In der SZ beschwört Bild-Chef Mathias Döpfner eine Renaissance der Inhalte. Die taz denkt über Richard David Precht und das Talkshow-Paradoxon des modernen Intellektuellen nach: entweder gehört oder ernst genommen werden. Und die Welt würdigt das deutsche Literaturpreis-System in seiner Gesamtschönheit.

Weitere Medien, 29.06.2013

In The Nation erklärt Jaron Lanier, warum das Sammeln von Metadaten gefährlich sein kann, vor allem, wenn der Staat es tut: Es könnte die Einleitung sein "zu einem Regime der langsamen, subtilen Konformität. Mit Metadaten kann eine Regierung gezielte, nicht nachweisbare Unterdrückungsmethoden anwenden. Ein Programm wie Prism könnte an ein geheimes ziviles Verteidigungsprogramm angekoppelt werden, bei dem eine bestimmte Gruppe von Menschen zusätzliche Schritte unternehmen muss, wenn sie zum Beispiel einen Kredit beantragen. Unser geheimes Fisa Gericht würde erfahren, dass jene, die möglicherweise Verbindungen zu Terroristen haben - wenn auch nur in einem ganz vagen, statistischen Sinne - zusätzlich überprüft werden müssen, bevor sie amerikanisches Grundeigentum erwerben dürfen. (Es könnte schließlich Teil eines terroristischen Plans sein.)"

Hat sie etwas zu verbergen? Für Spon hat Judith Horchert prism-mäßig ihre digitale Kommunikation der letzten Jahre durchforstet und weiß es selbst nicht so genau. Was würde der Geheimdienst wohl aus solchen Kommunikationsfetzen machen:
'Irgendwo in der Lüneburger Heide haben sie das Ding hochgehen lassen und sind auf unbestimmte Zeit krank geschrieben.'
'In Taschen- und Trekkinggeschäften ist offenbar schon der Begriff RFID völlig unbekannt. Ich geh mal Alufolie kaufen.'
'Sie wird von Interpol gesucht; es wird vermutet, dass sie in den asiatischen Untergrund abgetaucht ist.'
'Statt sich auf die Revolution vorzubereiten, stehen die Leute vor den Kneipen und gucken Fußball.'"

Bei Carta erinnert Jürgen Drommert daran, dass in einer Demokratie nicht der Bürger sich legitimieren muss, sondern der Staat, dem eben diese Bürger "Machtbefugnisse eingeräumt haben, auch die heikle Befugnis also, ihre Freiheiten und Rechte einzuschränken. Wenn da einer misstrauisch zu sein hat, ist es zuerst der Bürger, nicht der Staat. ... Was aber schwerer wiegt: Wer sich als Bürger klaglos ein Grundrecht abnehmen lässt wie ein Gör den in den Dreck gefallenen Lutscher, mit dem ist kein Staat zu machen. Außer eben ein Überwachungsstaat."

In The Nation sieht Jonathan Schell das ähnlich: Es findet gerade eine Revolution statt, warnt er. Eine Revolution der Regierung gegen die fundamentalsten Gesetze Amerikas, von Beamten ausgeführt, die geschworen haben, eben diese Gesetze hochzuhalten und zu verteidigen. Aber man muss sich auch dagegen wehren wollen: "Wir brauchen eine Konterrevolution - eine amerikanische Restauration, die zu den Grundsätzen zurückführt, auf denen die Republik gegründet wurde. Edward Snowden wusste, was er zu tun hatte. ... Er begründete seine Aktion auf den besten Traditionen dieses Landes, von denen die jetzigen Führer sich abgewendet haben, aber die die heutige Generation der Amerikaner immer noch mit ihm teilt, hofft er. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir herausfinden, ob er damit Recht hat."

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TAZ, 29.06.2013

Ufz. Fast zweieinhalb Seiten schreibt Peter Unfried über den derzeit liebsten Prügelknaben des Feuilletons, Fernseh-Philosoph Richard David Precht, dem er in dessen Wohnung beim Adornosuchen zuschaut. Woher kommt die geballte Ablehnung, fragt sich Unfried. Liegt es am guten Aussehen, den langen Haaren? Es "gilt eben das Talkshow-Paradoxon: Ein Intellektueller, der nicht im Fernsehen ist, wird nicht gehört. Ein Intellektueller, der im Fernsehen ist, wird nicht mehr ernst genommen. ... Interessant: Der Philosoph Peter Sloterdijk - langhaarig - galt so lange als schlimm, wie er mit dem 'Philosophischen Quartett' auf Sendung war. Als Precht den Sendeplatz übernahm, war Sloterdijk ein Licht in dunkler Nacht und seine Sendung das letzte Refugium des Intellektuellen an einem öffentlich-rechtlichen Ort. Überhaupt: Je bekannter Precht wurde, desto weniger galt Sloterdijk als Philosophen-Hallodri."

Fatma Aydemir unterhält sich mit der Schriftstellerin Gaye Boralioglu über die Türkei nach der Niederschlagung der Proteste: "Es herrscht Revolutionsstimmung. ... Wir dachten, die heutige Jugend sei apolitisch. Nun stellt sich heraus, dass die jungen Menschen sich hinter ihren Computern mit kräftigem Humor, sensiblem Gerechtigkeitssinn und strahlendem Verstand auf diesen Aufstand vorbereitet hatten."

Außerdem: Den Sozialpsychologen Christian Schneider stimmt es nachdenklich, "dass nach wie vor Günter Grass die Rolle des Topintellektuellen der Bundesrepublik besetzen kann". Andreas Hartmann hat eine Lesung von Tom Kummer besucht. Susanne Messmer unterhält sich ausführlich mit Tresor-Betreiber Dimitri Hegemann, der sich - selbst deutlich jenseits der 50 - langsam vorstellen kann, ein Altenheim in Brandenburg zu eröffnen, "für Leute wie uns, die anders gelebt haben". York Schäfer stellt Brian Shimkovitz' musikarchäologische Ausgrabungen im Bereich afrikanischer Populärmusik vor, die Shimkovitz in seinem Blog präsentiert. Gelegentlich baut er daraus auch DJ-Sets und wippt dazu:



Besprochen werden die Schau "Wir sind hier nicht zum Spaß!" im Kunstraum Kreuzberg, die sich mit der Berliner Subkultur der 90er befasst, die große Ausstellung über Bernd Eichinger im Filmmuseum Berlin und Bücher, darunter William Gibsons Essayband "Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

Und Tom.

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Welt, 29.06.2013

Angesichts des in seiner finanziellen Existenz bedrohten Bachmann-Preises würdigt Joseph Wälzholz in der Literarischen Welt einmal grundsätzlich die deutsche Liebe zum Dichter: "Es handelt sich, mit einem Wort, um das weltweit beste Literaturpreissystem. Nahezu stündlich werden hier irgendwo Literaturpreise verliehen, zurückgegeben oder ersonnen. Sogar Literaturprofis verlieren angesichts der schieren Fülle bisweilen den Überblick. Sicher, jeder kennt den Bachmann-Preis, den Büchner-Preis, den Kleist-Preis und natürlich den Deutschen Buchpreis, doch was ist mit den unzähligen anderen: Alleine in den letzten oder nächsten Monaten oder Wochen wurden oder werden etwa der Hohenemser Literaturpreis verliehen, der Schweizer Literaturpreis, der Solothurner Literaturpreis, der GWK Förderpreis für Literatur, der DeLiALiebesromanliteraturpreis oder der Meerbuscher Literaturpreis."

Außerdem: Echt gut gefallen hat Helene Hegemann das neue Werk "Zungenküsse mit Hyänen" ihrer Schriftstellerkollegin Else Buschheuer: "Ostdeutsche 'Eyes Wide Shut'-Fantasien. Die eigentlich ganz geil sind." Als einen Autor von "berserkerhafter Intensität" erkennt Annett Gröschner Thomas Brasch in der Gesamtausgabe seiner Gedichte "Sie nennen das Schrei". Wolf Lepenies erinnert sich an den "wilden Denker" Henning Ritter.

Für das Feuilleton reist Gerhard Gnauck nach Litauen und stellt fest: "Kulturell gehören die katholischen Litauer zum alten Westen Europas; der Westen weiß es nur noch nicht."

Weiteres: Unmögliches und Wunder hat Manur Brug Zeugnis bei der Eröffnung der Münchner Festspiele mit Verdis Troubadour" erlebt. Eckhard Fuhr besucht den alle Zeiten überdauernden Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, der sich nun aber immerhin der Forschung öffnet. Sascha Lehnertz war bei der Vorstellung der französischen Vanity Fair, die - gewohnt gewagt - Scarlett Johansson mit Alain Badiou kombiniert. Andrea Seibel geht mit dem Fernsehmoderator Ali Aslan essen. Peter Dittmar schreibt den Nachruf auf den Mode-Fotografen Bert Stern.

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NZZ, 29.06.2013

In Literatur und Kunst spürt Gabriele Detterer im Werk der Künstler Jeff Koons, Bruce Nauman und Ed Ruscha der "in den USA spannungsreichen Beziehung zwischen dem hohen Wert der Geldvermehrung und der tiefen Sehnsucht nach religiöser Erweckung und Erlösung" nach. Mehr um Geldvermehrung als um Erlösung, aber auch um Inspiration geht es laut Sabine B. Vogel Künstlern wie Damien Hirst, Wim Delvoye, Howard Hodgkin sowie ebenfalls Koons und Ruscha, die bedeutende private Kunstsammlungen angelegt haben.

Besprochen werden Bücher, darunter "Die Sängerin aus dem Ghetto", Agata Tuszynskas Biografie der Warschauer Sängerin Wiera Gran (mehr in unserer Bücherschau heute um 14 Uhr).

"Ich bin berühmt dafür, immer Schwarz zu tragen, dick zu sein und viel zu reden. Aber alles, was über mich geschrieben wird, ist eine Parodie", zitiert Marion Löhndorf im Feuilleton die britische Modedesignerin Louise Wilson, zu deren Schülern Stars wie Alexander McQueen, John Galliano und Mary Katrantzou gehören. Löhndorf hat Wilson in London besucht und erfahren, was "tough love" für Studenten ist: "In Louise Wilsons Master-Studiengängen werde gearbeitet, sagt sie, als gälte es, den 'Kanal-Tunnel zu graben. Wir machen extrem viele Überstunden. Wir haben außerordentlich hohe Standards. Wir wollen nicht die Besten sein, aber wir wollen besser sein als andere.'"

Weiteres: Marc Zitzmann hat sich die Straßburger deutsch-französische Architekturausstellung "Interférences" angesehen und findet sie "materialreich und klug strukturiert". Aldo Keel schildert die schwierige Bewältigung von Anders Breiviks Greueltat in Norwegen. Der Schriftsteller Karl-Heinz Ott ist schlaflos.

Stichwörter: Jeff Koons, London, Ed Ruscha, USA

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Weitere Medien, 29.06.2013

Helmut Schmidt wird in Deutschland wie ein Buddha verehrt. Sabine Pamperrien hat in seinem neuesten Bestseller "Ein letzter Besuch", wo er mit Singapurs ehemaligen Herrscher Lee Kuan Yew plaudert, folgende Passage aufgeschnappt und erzählt sie in der Jüdischen Allgemeinen weiter: "'Muss man also darüber nachdenken, Menschen zu töten?', fragt Schmidt im Laufe des Gesprächs über den bevorstehenden Kollaps der Rentenversicherungen durch zunehmende Überalterung. Lee entgegnet: 'Natürlich nicht!' Doch Schmidt denkt schon laut weiter: 'In Deutschland leiden heute schon 1,5 Millionen Menschen an schwerer Demenz. Wie viele Demenzkranke haben Sie hier?' Nein, das Buch dokumentiert nicht, dass Lee und Schmidts Protegé Mathias Nass, der das Gespräch moderierte, nachhakten."

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SZ, 29.06.2013

Im großen Gespräch auf der Medienseite unterstreicht Mathias Döpfner nochmals, dass man sich doch darüber freuen könne, dass der Qualitätsjournalismus von Bild online endlich nicht mehr frei zugänglich ist. Weiterhin sieht er blühende Zeiten aufknospen: "Ich bin mir aber sicher, dass wir vor einer Renaissance der Inhalte stehen. Die technologiebetrunkene Anfangsphase der digitalen Revolution endet langsam." In Springers Personalpolitik will sich das jedoch so gar nicht abbilden: 200 Stellen aus dem Kernbereich stehen zwar zur Disposition, doch "in der Summe schaffen wir Arbeitsplätze, zum Beispiel stellen wir gerade 150 Softwareentwickler und IT-Fachkräfte ein."

Weitere Artikel: Gut besuchte Veranstaltungen, unterhaltsame Gespräche und philosophische Splittergruppen mit Flugblatt-Aktionen gab es auch: Pudelwohl fühlt sich Bernd Dörries auf der phil.Cologne. Andrian Kreye schreibt den Nachruf auf den Fotograf Bert Stern. Außerdem schreiben die SZ-Autoren auf einer Doppelseite anlässlich des alle vier Jahre in Landshut stattfindenden Mittelalter-Spektakels allerlei Kluges über Mittelalter-Nostalgie.

Besprochen werden der Film "We Steal Secrets" über die WikiLeaks-Affäre (der Julian Assange gar nicht passt, wie sie sich diesem annotierten Transcript des Films entnehmen lässt), Caroline Links neuer Film "Exit Marrakech", den das Filmfest München zeigt, Verdis "Il Trovatore" an der Bayerischen Staatsoper und Bücher, darunter Henning Ritters "Schreie der Verwundeten" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

Die von den SZ-Volontären betreute Wochenendbeilage versammelt Beiträge zum Thema Nähe und Distanz. Unter anderem geht es um einen Escort-Boy für Damen, um eine Liebe, die mittels zweier versteckter CDs über den Tod hinausgeht, und im Gespräch mit Rockstar Jared Leto und dessen Bruder Shannon über das Geschwister-Dasein.

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FAZ, 29.06.2013

Die Empörung über Prism fällt in den USA auch deshalb verhalten aus, weil die Amerikaner dem Narrativ vom Internet als "Freiheitsmaschine" anhängen, argumentiert der amerikanische Publizist Thomas Frank: "Seit langem erklären uns die großen Propheten der neoliberalen Rechten, dass die Macht des Internets uns von allen Formen der Diktatur befreien wird, weshalb sie auch die Abschaffung von Unternehmensteuern und die Rücknahme der Bankenaufsicht verlangen. Die gemäßigten Demokraten sehen das ähnlich: Schafft Internetfreiheit, sagt das US-Außenministerium, und die anderen Freiheiten werden automatisch folgen. Die empörte Linke ihrerseits denkt sich das Smartphone als Instrument, das für weltweite Aufklärung sorgen und die Flammen des Aufbegehrens schüren wird."

Weiteres: Der von der Deutschen Kinemathek ausgestellte Nachlass Bernd Eichingers "schärft die Konturen des Rätsels, das Eichinger war", meint Andreas Kilb. Besprochen werden Inszenierungen von Stockhausens "Samstag aus Licht" bei Musica viva in München und Verdis "Trovatore" bei den Münchner Opernfestspielen, außerdem Xavier Dolans Film "Laurence Anyways" und Bücher, darunter Donald Ray Pollocks Erzählzyklus "Knockemstiff" (mehr in unserer Bücherschau heute um 14 Uhr).

"Eine Räuberpistole sondergleichen, filmreif", verspricht Michael Hanfeld auf der Medienseite und erzählt die Geschichte von Sigurdur Thordarson, einem Wikileaks-Mitarbeiter, der sich offenbar als FBI-Informant betätigt hat (mehr hier bei Wired, für die Kevin Poulsen die Sache aufgedeckt hat). In Bilder und Zeiten (nur online) geht es um Berlin: Die französische Historikerin Diana Pinto berichtet von der Ausstellung "Zerstörte Vielfalt" über den NS-Terror: "Das im Übermaß verwendete 'Nie mehr!', das sich auf die Nazivergangenheit bezieht, ist endlich einem viel optimistischeren 'Noch einmal!' gewichen und meint jetzt eine Stadt, die nach einer neuen, zentralen Rolle im Gefüge des 21. Jahrhunderts strebt." Mit engagiertem Wohnungsbau könne Berlin zeigen, das es "mehr zu bieten hat als die Kommerzialisierung und Nostalgisierung des Zentrums unter den Augen einer staunend-sentimentalischen Politik, die alle Gestaltungsansprüche an private Akteure delegiert hat", hofft Niklas Maak. Marcus Jauer informiert über Katastophentourismus zur BER-Baustelle.

In der Frankfurter Anthologie stellt Mathias Mayer das Gedicht "Nach neuen Meeren" von Friedrich Nietzsche vor:

"Dorthin - will ich; und ich traue
mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, ins Blaue
treibt mein Genueser Schiff.
..."

Stichwörter: Berlin, Internet, München, USA

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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