Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Temporäre Realitätsflucht in beide Richtungen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

02.04.2013. In der Welt spricht der große Songwriter Stephen Stills über seine Schwerhörigkeit und über seine Ideen für Hörhilfen, die nicht barbarisch sind. In der FAZ empfiehlt Dominik Graf Fritz Umgelters Fernsehfünfteiler "Am grünen Strand der Spree" von 1960. Die taz begeistert sich für die Punk-Künstlerin Linder. Die FAZ berichtet außerdem über den Kauf der Social-Reading-Plattform Goodreads durch Amazon. Auf der Seite wasjournalistenverdienen erzählen sich Journalisten, wie sie von Medien bezahlt werden. Spiegel Online erinnert an die Sympathien westlicher Intellektueller für Pol Pot.

TAZ, 02.04.2013

Mit Begeisterung hat sich Julian Weber im Pariser Musée d'Art Moderne eine Schau der Künstlerin Linder angesehen, die mit ihren Collagen den Stil der englischen Punk-Cover geprägt hatte: "Sich selbst inszeniert die Künstlerin in einer Fotografie des Modefotografen Tim Walker als miedergepanzerte Hausfrau, die den Rasen eines Reihenhauses staubsaugt ("Oh Grateful Colors, bright Looks II" 2009). Stärker wirken ihre Collagen, in denen sie Gesichter von Pornodarstellern mit riesigen Augen und Mündern verfremdet. Den aufgetunten Pornokörpern von heute setzt Linder noch mehr Food Design entgegen, platziert noch größere Tortenstücke im Intimbereich. Aber sie sagt auch, dass sie Abbildungen aus den siebziger Jahren bevorzugt."

Weiteres: Fatma Aydemir liest erschüttert die Autobiografie der Semiya Simsek, Tochter des NSU-Mordopfers Enver Simsek. Einen müden Justin Bieber hat Jenny Zylka beim Konzert in Berlin erlebt. Micha Brumlik wirft einen Blick auf die Werbestrategien der evangelischen Kirche. Nuancen und etwas Empathie vermisste Katrin Bettina Müller in Michael Thalheimers Berliner Inszenierung der "Geschichten aus dem Wiener Wald".

Und Tom.

Stichwörter: Berlin

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Welt, 02.04.2013

Der große Songwriter Stephen Stills, der gerade mit einer CD-Box Bilanz zieht, spricht im Interview mit Jan Küveler auch über seine Schwerhörigkeit, unter der er seit seine Kindheit leidet: "Ich war ja nie ganz taub, Beethoventaub, mit dem Kopf auf dem Boden. In Louisiana kamen sie mit einem Bus an die Schulen und haben den Kindern Röhrchen ins Ohr gesteckt. Da entdeckten sie bei mir den Hörverlust, vor allem auf bestimmten Frequenzen. Inzwischen weiß ich viel mehr darüber. Ich bin übrigens entschlossen, eine gute Hörhilfe zu entwickeln. Was es nämlich bislang so gibt, ist barbarisch!"

Hier sein später "Treetop Flyer":



Weitere Artikel: Wolf Lepenies klärt über das "Rating Game" auf, mit dem sich die Amerikaner über die Bedeutung ihrer Präsidenten auseinandersetzen - und über missgünstige Republikaner die Barack Obama keinen Platz im Olymp gönnen.

Besprochen werden ein Auftritt Justin Biebers in Berlin und Georges Courteline Stück "Sklaven", inzeniert von Andreas Kriegenburg, am Deutschen Theater.

Stichwörter: Berlin

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Spiegel Online, 02.04.2013

Oskar Piegsa stellt Peter Fröberg Idlings  Buch "Pol Pots Lächeln" vor, das die Reise einiger schwedischer Intellektueller nach Kambodscha im Jahr 1978 nachzeichnet - die nichts von den Massakern mitbekamen und mit Pol Pot Austern schlürften, womit sie nicht allein waren: "Mit seinem Buch beschreibt Peter Fröberg Idling nicht nur den Irrtum einiger Individuen, sondern den einer ganzen Generation westlicher Linker: Auch in der Bundesrepublik genoss Pol Pot seinerzeit Sympathien, so etwa beim Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW). Dessen damaliger Chef Joscha Schmierer machte unter Joschka Fischer Karriere im Planungsstab des Auswärtigen Amtes."

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Twitterfeed der Verlage

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NZZ, 02.04.2013

Mehr erwartet hatte sich Peter Hagmann von der Lyoner Uraufführung der Polit-Oper "Claude", für die Robert Badinter das Libretto nach einer von ihm entdeckten Novelle Victor Hugos geschrieben hatte. Martin Zingg stellt den schweizerisch-rumänischen Schriftsteller Marius Daniel Popescu vor. Joachim Güntner widmet sich dem Problem des funktionalen Analphabetismus.

Besprochen werden eine Herodes-Ausstellung im Jerusalemer Israel-Museum, die sich an die Rehabilitierung des verfemten Königs macht, sowie Neuerscheinungen von und über Bertolt Bertolt.

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Aus den Blogs, 02.04.2013

(Via Peter Glaser) Auf dieser Seite erzählen sich freie Journalisten, was sie von den Medien so für Honorare bekommen und ob die Medien zuverlässig zahlen.

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SZ, 02.04.2013

Felix Stephan beobachtet ein Seminar der kostenintensiven, verlagseigenen Schriftstellerschule von Bastei Lübbe und attestiert diesem den gelungenen "Kunstgriff, die temporäre Realitätsflucht in beide Richtungen zu verkaufen, an die Leser und die Autoren". Für einen "Glücksfall" hält Gottfried Knapp die wegen Bauarbeiten neu und dichter sortierte Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, die jetzt auch seltener gezeigte Bilder aus der Sammlung ausstellt. Sehr angetan ist Andrian Kreye von Evgeny Morozovs neuem, netzkritischen Buch, in dem dieser den "Solutionism" der Digitalkultur, das Diktat zur Mach- und Lösbarkeit geißelt. Ira Mazzoni stellt drei aktuelle Restitutionsverfahren von Nazibeutekunst vor. Der Asperger-Autist ist zu einem neuen Sympathieträger in Serien und Filmen geworden, stellt Lara Weisbrod fest. Reinhard J. Brembeck resümiert das Lyoner Opernfestival Justice/Injustice. Lothar Müller gratuliert dem ungarischen Autor György Konrád zum 80. Geburtstag.

Besprochen wird das neue Strokes-Album, das Jens-Christian Rabe gleichermaßen gegen "Gelegenheitsindierocktrottel" und "Besserwisser" verteidigt.

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FAZ, 02.04.2013

In höchsten Tönen preist Dominik Graf eine uralte Fernsehserie aus besseren Tagen der öffentlich-rechtlichen Anstalten, Fritz Umgelters Fünfteiler "Am grünen Strand der Spree" (gedreht 1960, neu auf DVD), in dem fünf Freunde die Kriegszeit Revue passieren lassen. Auch der Holocaust wird in der Serie thematisiert: "Dort an der Hinrichtungsstätte ist der Film nur noch Schnee und langes Schweigen und das dezente Knattern von Maschinengewehren (von Effekt-Vertonung damals noch keine Spur)."

Weitere Artikel: Patrick Bahners berichtet im Aufmacher vom Kauf der Social Reading-Plattform Goodreads durch Amazon (das sich ja auch schon die Antiquariate abebooks und ZVAB einverleibt hat und auf dem Weg zum Monopol befindet).

Besprochen werden eine große Ausstellung über Pompeiji im British Museum, Ödön von Horvaths "Geschichten aus dem Wienerwald" am Deutschen Theater Berlin, Konzerte der Berliner Maerzmusik, eine Aufnahme von Muzio Clementis "Gradus ad Parnassum", eingespielt von Alessandro Marangoni und Bücher (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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