Aus dem Archiv

Heute in den Feuilletons

Kauder will prüfen lassen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.02.2013. Spiegel online sagt leise Servus zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Anlass für eine Schimpfkanonade der FAZ über den Urheberrechtsvernichter Google. In der taz erklärt der Regisseur Kamboziya Partovi, warum ein schwaches Urheberrecht im Iran verbotenen Regisseuren nützt. In der NZZ huldigt Michail Schischkin Sergei Rachmaninow. In der Welt denkt Dan Diner über linken Antisemitismus nach. Die FR staunt über den Medienhansdampf Martin Kippenberger. In der SZ verficht Rick Smolan einen Big-Data-Humanismus.

Spiegel Online, 23.02.2013

Tja, wenn schon der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag die Diskussion um das Leistungsschutzrecht einen "rechtspolitischen Eiertanz" nennt und verfassungsrechtliche Bedenken anmeldet, dann muss das Gesetzesvorhaben wohl Makulatur sein. Siegfried Kauder (CDU) hat gestern in einer spektakulären Pressekonferenz Abstand vom Gesetzesvorhaben genommen, berichtet Ole Reißmann: "Bevor das Google-Gesetz verabschiedet wird, sollen Verfassungsrechtler dazu Stellung nehmen. Kauder möchte prüfen lassen, warum die Presseverlage durch das Gesetz bevorzugt werden sollen und inwiefern dadurch die Informationsfreiheit beeinträchtigt wird. Außerdem bemängelt der Rechtsexperte, dass die Regierung das Gesetz nicht in Brüssel vorgelegt hat." Auch Philipp Rösler, so berichtet Reißmann weiter, hat von dem Gesetzesvorhaben Abstand genommen.

Aus den Blogs, 23.02.2013

Thomas Knüwer kommentiert in Indiskretion Ehrensache die allerjüngsten Entwicklungen zum Leistungsschutzrecht: "Das heißt nicht, dass jenes Gesetz schon vom Tisch wäre. Doch sah es vor einigen Wochen noch so aus, als passiere es garantiert vor dem Sommer den Bundestag, so kippt die Stimmungslage nun spürbar."

Mathias Schindler berichtet  auf Netzpolitik über den "Totalschaden" beim Leistungsschutzrecht, der bei Siegfried Kauders Pressekonferenz deutlich wurde. Kleines Detail aus Kauders Äußerungen: "Er wolle, so Siegfried Kauder wörtlich, dem Bundespräsidenten empfehlen, das Gesetz zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger nicht zu unterzeichnen."

John Weitzmann vermutet, ebenfalls bei Netzpolitik, dass das Leistungsschutzrecht nicht aus Vernunftgründen entfällt, sondern weil man eine kleine unscheinbare EU-Richtlinie übersehen hat: "98/48/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Juli 1998 zur Änderung der Richtlinie 98/34/EG über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften".

Interessant in diesem Zusammenhang: Das Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestags, auf dem man die Anhörung der Presseverlegeram Mittwoch in voller Länge hören und sehen kann.
Stichwörter: Leistungsschutzrecht

NZZ, 23.02.2013

Michail Schischkin schreibt eine bewegende Hommage auf Sergei Rachmaninow und widerspricht den russischen Mächtigen, die gern behaupteten, russische Künstler verstummten in der Emigration. Im Gegenteil, so Schischkin, einige der größten Werke der russischen Kultur entstanden im 20. Jahrhundert außerhalb Russlands. "Als Rachmaninow, Bunin und Tausende von Vertretern der 'kreativen Klasse', wie man heute sagen würde, in die Emigration gingen, nahmen sie ihr eigenes Russland, dessen große Kultur mit. Sie selbst waren ja seine große Kultur. Das Land wurde für mehrere Generationen zugeschlossen, es versank im Sumpf des Obskurantismus und Mittelalters, aus welchem es bis zum heutigen Tage nicht herauszuwachsen vermag. Es ist bereits ein fremdes Land gewesen."

Eines der Werke, die Schischkin erwähnt: Die "Toteninsel".



Außerdem in Literatur und Kunst: Der Basler Philosoph Emil Angehrn schreibt "über das Vertrauen, das die Philosophie in die Menschen und in die Welt setzt". Der Medienwissenschaftler Bernhard Dotzler schreibt zum hundertsten Todestag  Ferdinand de Saussures. Und Uwe Justus Wenzel erinnert an Paul Ricoeur, der in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden wäre.

Das Feuilleton übernimmt aus der New Republic Ian McEwans Essay über seine Zweifel an der Literatur. Die ägyptische Schriftstellerin Mansura Eseddin träumt sich schlaflos als Macbeth. Besprochen wird eine Ausstellung über die "Mode der 1970er Jahre" im Münchner Stadtmuseum.
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Welt, 23.02.2013

Dan Diner nimmt Wolfgang Kraushaars Buch über "München 1970" zum Anlass für einen Essay über linken Antisemitismus in der Bundesrepublik der siebziger Jahre: "Ausgehend von einer schrill vorgetragenen Berufung auf einen seinerseits problematischen Antifaschismus, der zunehmend antiimperialistisch wurde, stellte sich eine dramatische Verkehrung der Wirklichkeit ein. Emblematisch dafür steht die Aussage Ulrike Meinhofs, die im Prozess gegen Horst Mahler Ende 1972 als Zeugin geladen war. Sie forderte, das deutsche Volk von den Verbrechen 'des Faschismus' freizusprechen - als Voraussetzung für dessen Mobilisierung für 'unseren revolutionären Kampf'. Dabei wird dem Antisemitismus eine 'seinem Wesen' nach antikapitalistische und durchaus positive Natur bescheinigt."

Weitere Artikel in der Literarischen Welt: Michael Schleicher unterhält sich mit Franz Xaver Kroetz, der an neuen Gedichten arbeitet. Klaus Harpprecht möchte in seine Kolumne Varnhagen "nicht nur als Schatten Rahels" gewürdigt sehen.

Besprochen werden Ernst-Wilhelm Händlers neuer Roman "Der Überlebende", eine Biografie über Leonard Cohen, eine Studie über den "Wutbürger" und neue Miniaturen von Botho Strauß, außerdem ein Band über 13 Hochzeitspaare auf der Titanic.

Im Feuilleton stellt Uwe Schmitt den Dokumentarfilm "The Invisible War" über Vergewaltigungen im amerikanischen Militär vor, der zu den Oscar-Kandidaten dieses Jahres gehört.  Barbara Möller macht leicht säuerliche Anmerkungen zur Verleihung des August-Bebel-Preises an den im Hause Springer nicht so beliebten Günter Wallraff. Und Mara Delius berichtet von der Pressekonferenz zu Wolfgang Kraushaars Buch über "München 1970".

Weitere Medien, 23.02.2013

In der FR / Berliner Zeitung staunt Ingeborg Ruthe nicht schlecht beim Flanieren durch die große, Martin Kippenberger gewidmete Ausstellung, die heute im Hamburger Bahnhof in Berlin eröffnet: "Was war er eigentlich, dieser Unstete, für dessen Selbstporträt ein Sammler unlängst auf einer Auktion vier Millionen Euro hinlegte? War er Maler, Schriftsteller, Musiker, Tänzer? Reisender, Trinker, Radaumacher? Provokanter Selbst-Inszenierer? Sarkastischer Eulenspiegel, Lausejunge, Medienhansdampf? Kippenberger, mal derb, mal verletzlich, war wohl von allem etwas, er arbeitete jedenfalls, wie wir jetzt sehen können, mit Dada und Fluxus, mit allen Mitteln an der Demontage des traditionellen Kunstbegriffs." Bei VernissageTV finden wir ein Video mit ersten Eindrücken von der Großschau:


TAZ, 23.02.2013

Ekkehard Knörer spricht mit Kamboziya Partovi, dem Co-Regisseur von Jafar Panahis zweitem unter Berufsverbot realisierten und auf der Berlinale gezeigten Film "Pardé" (unsere Kritik). Die Frage, ob Panahis neue Filme unter den Bedingungen digitaler Distributionsmöglichkeiten auch in Iran zu sehen sind, kann dieser recht eindeutig beantworten: "Dank des unglücklicherweise - oder in dem Fall vielleicht glücklicherweise - wenig ausgeprägten Urheberschutzes im Iran ist das ... sehr wahrscheinlich. So hat sich etwa auch Bahman Ghobadis Film 'No one Knows About Persian Cats' weit verbreitet, obwohl er verboten war. Übrigens gab es sehr wohl eine Aufführung von [Panahis] 'Dies ist kein Film' in Teheran. Ein Verband von Regisseuren hatte Herrn Panahi darum gebeten, den Film zu zeigen. Er wurde dann, natürlich nicht öffentlich, in einem cineastischen Forum vorgeführt."

Sylvia Prahl ist ganz verliebt in den sommerlich poppigen Post-Rock, den die Chicagoer Formation The Sea and Cake auf ihrem neuen Album "Runner" kredenzt: "Wie ein Flaneur im Sauseschritt nimmt [es] die Hörer mit durch die sonnendurchflutete Stadt. Der Paukenschlag aus Gitarren gleich zum Auftakt des ersten Songs 'On And On' ist ein mundöffnender Weckruf." Berlin ist zwar auch an diesem Samstagmorgen grau und kalt, aber wir sausen einfach frohen Mutes mit:



Weitere Artikel: Andreas Fanizadeh fasst die umstrittenen Thesen aus Wolfgang Kraushaars neuem Buch über die antiimperialistische BRD-Linke und antisemitische Terroranschläge zusammen. "Das Rennen um den besten Film gilt als offen wie schon lange nicht", schreibt Bert Rebhandl zur bevorstehenden Oscarverleihung. Uwe Rada trifft Robert Strom, der im DDR-Jugendknast zu Ikea-Zwangsarbeit verdonnert wurde.Timo Reuter meldet, dass der angeschlagenen FR nach dem abgelehnten Angebot des Investors Burak Akbay nur noch die Hoffnung auf das Angebot der FAZ bleibt. Jan Scheper schreibt zum angekündigten Tod des Digital-Spartensenders ZDFkultur, dessen "Quote kaum messbar war. Geguckt wird und wurde ohnehin im Internet. Die Klickzahlen in der hauseigenen Mediathek haben, zumindest nach Senderangaben, gestimmt." Politclown Jean Peters hat die Schnauze gestrichen voll vom in Ketten gelegten Wohlfühl-Differenzierungsprotest: "Wo Kacke ist, muss man eben auch mal reinhauen, da hilft kein Einseifen." Bettina Gaus schreibt den Nachruf auf Otfried Preußler. Abgedruckt ist außerdem Joey Juschkas Erzählung "SCHAF e.V." ab, mit der die Autorin den Publikumspreis des Berliner Open-Mike-Wettbewerb (hier zum Nachhören) gewonnen hat.

Im tazlab überlässt die taz 13 jungen Journalisten aus Osteuropa das Wort, die im Januar einen taz-Workshop besucht haben (mehr dazu hier). Außerdem lesenswert in der Nord-Ausgabe der taz: Der erste Teil von Heinrich Dubels kurzweiligen Erinnerungen, wie der Punk nach Hannover kam, wo bis dahin Disco die unschuldigen Jungs fest im Griff hatte.

Besprochen werden Knut Wolfgang Marons Foto-Ausstellung "Ein Leben" im Staatlichen Museum Schwerin und eine neue Van-Gogh-Biografie (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

Und Tom.

SZ, 23.02.2013

Keine Angst vor großen Datenmengen, ruft der Fotograf und Big-Data-Aktivist Rick Smolan Bernd Graff im Gespräch zu und verteidigt seine Vision eines "Big-Data-Humanismus", den die Auswertung immer größerer Datenberge ermögliche. Klar müsse man aufpassen, wer wie mit diesen Daten hantiert, "aber ein positives Beispiel: Japan hat im Jahr 2005 eine halbe Milliarde Dollar in ein Tsunami-Frühwarnsystem investiert. Als der Tsunami 2011 kam, wurden aufgrund der Datenanalysen eine Minute vorher die Produktion in allen Fabriken Japans gestoppt und heruntergefahren, die Gasversorgung unterbrochen, Züge angehalten, Ampeln auf Rot gestellt. Daten haben also Leben gerettet - trotz der verheerenden Wirkung des Tsunami. Heute verwendet man übrigens dort auch die Fall-Sensoren in Notebooks: In Japan wird registriert, ob an einem Ort plötzlich gehäuft Notebooks herunterfallen. Das ist ein Frühwarnsystem - for free." In diesem Vortrag führt Smolan anhand zahlreicher Beispiele aus, was man sich unter Big-Data-Humanismus vorstellen darf.

Außerdem: "Kippenberger ist, weit über die bildende Kunst hinaus, ein entscheidender Katalysator des deutschen Humorproblems", schreibt Jörg Heiser anlässlich der heute eröffnenden großen Kippenberger-Ausstellung in Berlin. Alexander Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels nutzt die Gunst der Stunde, um die Vorteile von Buchhandlungen gegenüber Amazon in Erinnerung zu rufen. Der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wünscht sich einen dem Islam gegenüber aufgeschlosseneren Ratzinger-Nachfolger. Susan Vahabzahdeh schätzt die kommende Oscarverleihung ein und mutmaßt: "Vielleicht sind am Ende die Entscheidungen, die die Academy-Mitglieder getroffen haben, tatsächlich nicht filmästhetisch - sondern politisch." Michael Stallknecht porträtiert die Geigerin Midori. Außerdem druckt die SZ Erinnerungen der russischen Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja ab, die heute 70 Jahre alt wird.

Auf der Medienseite sammelt die SZ Vorschläge zur Änderung des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems. Für die Reportage auf Seite Drei mischt sich Peter Richter in Los Angeles unter die deutsch-österreichischen Abgesandten für den Oscar und erfährt dabei vom Haneke-Produzent Veit Heiduschka warum das österreichische Kino gegenüber dem deutschen so im Vorteil ist: Die deutsche Filmförderung funktioniert nicht, "weil die Fernsehanstalten mit in den Jurys sitzen und deswegen mitsprechen über Inhalte - und natürlich wollen die gerne ein Primetime-Programm für 20.15 Uhr! Kino ist aber anders. Bei uns in Österreich entscheidet eine Jury von Fachleuten, und erst hinterher kann das Fernsehen sagen, ob es Interesse hat oder nicht. Es darf nicht reinreden. ... Wir konnten einfach immer radikaler sein." Und Christopher Waltz kann sich "nicht mehr vorstellen, dass ARD und ZDF noch ohne Blutvergießen zu verändern wären".

Besprochen werden die Ausstellung "Netzwerk Wohnen" im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt und Falk Wiesemanns Buch über die Esther-Rolle (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende singt Hilmar Klute ein Loblied aufs Alleinesein abseits von Facebook-Likes und Twitter-Timeline: "Hätte es keine Menschen gegeben, die gerne allein sind, stünden wir heute weitgehend ohne Kultur da." Peter Münch besucht eine Jerusalemer Boxschule, in der sich Juden und Araber ganz kameradschaftlich was aufs Auge geben. Helmut Martin-Jung besucht die Frankfurter Softwareschmiede Crytek, die Computerspiele im Blockbusterformat produziert. Außerdem unterhält er sich mit Olaf Coenen von Electronic Arts über den Wandel der sich ausdifferenzierenden Computerspielebranche. Cord Aschenbrenner erinnert an die vom NS-Regime ermordete Rote Kapelle.

FAZ, 23.02.2013

Als total schlechter Verlierer erweist sich Michael Hanfeld in Sachen Leistungsschutzrecht. Statt auf die verfassungsrechtlichen Bedenken der Politiker einzugehen, schimpft er auf Google, das unter anderem die Unverschämtheit hatte, ein Gutachten über das geplante Gesetz in Auftrag zu geben, in dem begreiflicher Weise gegen das Gesetz argumentiert wird: "So wandelt sich der Saulus zum Paulus, der Urheberrechtsvernichter Google... wird zum Vorkämpfer der Pressefreiheit. Wer den Leuten einreden will, dass sein ureigenes Wirtschaftsinteresse gleichbedeutend mit dem Allgemeinwohl ist, kann sich Google zum Vorbild nehmen." Das eigene Interesse mit dem Gemeinwohl gleichsetzen - auf so eine Idee würden die Zeitungen selbstverständlich nie verfallen!

Auf der letzten Seite interviewt Johanna Adorjan den israelischen Filmemacher Dror Moreh - er hat für seinen Film "Töte zuerst" sechs ehemalige israelische Geheimdienstchefs interviewt, die allesamt die Politik der Regierung scharf kritisieren. "Was mich bei der Arbeit an diesem Film wirklich erschüttert hat, war zu erfahren, wie viele Chancen auf Frieden die Ministerpräsidenten, die Verteidigungsminister über die Jahre verpasst haben. Wie viele verpasste Gelegenheiten es gab. Auf beiden Seiten."

Weitere Artikel: "Wie konnte das geschehen?", fragt Sandra Kegel, nachdem die Frankfurter Politik offenbar gegen ein erwünschtes "Museum der Romantik", das aus den Beständen des Freien Deutschen Hochstifts hervorgehen sollte, optiert hat.

Besprochen werden unter anderem Rineke Dijkstras Ausstellung "The Crazy House" in Frankfurt, das neue Computerspiel "Dead Space 3" und Bücher, darunter Hilary Mantels neuer Roman "Falken" (mehr hier und in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

Für die Frankfurter Anthologie liest Insa Wilke Wolfgang Hilbigs Gedicht "Aqua Alba -

Ach der ganze Garten überschwemmt vom Mond -
und Schwärme von Fischen am Weg
wie Federn leicht wie zuckende Klingen aus Licht. (...)"
Stichwörter: Google, Zeitungen
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Archiv: Heute in den Feuilletons

Aus dem Schatten der heidnischen Götzen

22.02.2013. Die Welt setzt Jan Assmanns Begriff der "mosaischen Unterscheidung" den Begriff der "abrahamitischen Unterscheidung" entgegen. Die taz wundert sich, wie wenig welthaltig Martin Kippenberger war. Die NZZ sucht den Kommunismus im neuen China. Die SZ wirft Wolfgang Kraushaar vor, einen Generalverdacht gegen die Linke zu schüren. Die FAZ fordert… Mehr lesen

Man hat uns Tier ins Fleisch gemischt

21.02.2013. Der frisch gekürte Börne-Preisträger Peter Sloterdijk interveniert in der Perlentaucher-Debatte zu Monotheismus und Gewalt. Der Kreisanzeiger aus Kirchheim meldet Zweifel an der Amazon-Reportage der ARD an. In Berlin werden die ersten Bauten der IBA von 1987 abgerissen, berichtet der Tagesspiegel. In der NZZ befürwortet die tunesische Autorin Hélé Béji einen… Mehr lesen

Manet beim Denken zusehen

20.02.2013. Die taz und andere Zeitungen berichten über offizielle iranische Proteste gegen die Vorführung von Jafar Panahis Film "Pardé" bei der Berlinale. "Die Welle gegen Amazon rollt", titelt die FAZ, nachdem einige Kleinverlage und Blogger ihr Konto beim Konzern gelöscht haben. Es hat gewisse Vorteile, bestimmte Bücher digital lesen zu können,… Mehr lesen

Tönendes Erz und klingende Bronze

19.02.2013. Die FAZ bringt einen Vorabdruck aus Wolfgang Kraushaars Buch "München 1970" über das Attentat auf ein jüdisches Altenheim und die Kooperation zwischen deutschen und palästinensischen Terroristen. Die Welt geht vor Alexander Tsymbalyuk in die Knie. In der Berliner Zeitung legt Götz Aly ein gutes Wort für die Linkspartei ein.… Mehr lesen

Dann erst stellt ein Sinn sich ein

18.02.2013. Die Berlinale-Resümees fallen alles in allem etwas mau aus - laut Welt steckt das Festival in der Datumsfalle, die FAZ sah Kino aus aller Welt, aber kein Weltkino. Bei aller politischen Korrektheit: Der taz graut vor einem Sexualleben, das reguliert ist wie ein Verkehrsgarten. In der SZ will Ingo… Mehr lesen

Kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Drogen, viel Kaffee

16.02.2013. In der Welt macht sich Boualem Sansal keine Illusionen: auf den arabischen Frühling folgt ein islamischer Sommer. Der Kleinverleger Christopher Schroer geißelt in einem offenen Brief die Marktmacht von Amazon. In der FAZ wünscht sich der Wirtschaftswissenschaftler Philip Mirowski einen ergebnisoffenen Diskurs über den Kapitalismus. Die SZ sieht im… Mehr lesen

Avantgarde, statt retrogarde

15.02.2013. In der Welt findet Antje Ravic Strubel die Sexismusdebatte in Deutschland mehr als überfällig. Schwulenehe ist möglich, aber keine Ehe zwischen Postkolonialismus und Homosexualität, berichtet die taz aus Frankreich. Die Berlinale-Seiten der Zeitungen und des Perlentauchers feiern ein Wiedersehen mit River Phoenix in "Dark Blood". Die NZZ hat herausgefunden:… Mehr lesen

Von der erdabgewandten Seite des Mondes

14.02.2013. "Semlerpedia: ein Schatz, ein Strom von Anekdoten, Analysen, zu jedem Thema mindestens ein Titel des dazugehörigen Standardwerks." Die taz trauert um Christian Semler, auch die anderen Zeitungen würdigen den 68er und großen Journalisten. Anderes Thema des Tages: Der Gerichtstermin in Sachen Suhrkamp, der zwar nur zu einer Verschiebung des… Mehr lesen

Friedrich Christian Delius kickte mit

13.02.2013. Götz Aly erinnert in der Berliner Zeitung an alle Arbeiter, Arbeitslose, Kleinrentner, verarmten Bauern, Dienstboten, Mägde, die ... äh... Nazis waren. In der NZZ zieht der Theologe Jan-Heiner Tück eine keineswegs nur positive Bilanz des Pontifikats Benedikts XVI. Die SZ kritisiert die Schavan-Entscheidung der Uni Düsseldorf als jakobinisch. Gizmodo… Mehr lesen

Dann geht das gestelzte Elend weiter

12.02.2013. Die Berlinale-Seiten der Zeitungen befassen sich Călin Peter Netzers rumänischem Wettbewerbsfilm "Child's Pose" und mit Jane Campions Mystery-Thriller "Top of the Lake". In seinem Blog lästert der Regisseur Dietrich Brüggemann über die Berliner Schule. Die FAZ ist ergriffen vom Rücktritt Benedikts XVI. - Martin Mosebach würdigt noch mal seine… Mehr lesen

Hält aber nur bis morgen

11.02.2013. Die FAZ fragt: Warum liest das neue Politbüro in China Tocqueville? Außerdem rät der Historiker Valentin Groebner angesichts des stets nur unfertigen Internets zu Buch und Zeitschrift. Die NZZ kritisiert die Angst der Museen vor Ruhe. Der Konzertagent Berthold Seliger wundert sich über die Honorarvorstellungen der ARD. Slate.fr ruft… Mehr lesen

Gefühl für den Raum

09.02.2013. In der NZZ erklärt der lettische Regisseur Alvis Hermanis, warum man im globalen Theater viel weniger versteht als gemeinhin geglaubt wird. Im Tagesspiegel formuliert Thomas Arslan sein filmisches Credo. In der Welt lobt der polnische Schriftsteller Zbigniew Mentzel die therapeutische Wirkung von Börsenspekulationen. In der taz philosophiert Schorsch Kamerun… Mehr lesen

Akademisch-politische Kumpanei

08.02.2013. Die Welt besucht Luthers Sterbehaus. Die NZZ fordert - im Sinne Europas - Gerechtigkeit für Richard III.! In Faust Kultur will Detlev Claussen nichts wissen von einer Verteidigung Annette Schavans. Die taz diagnostiziert eine gewisse Betretenheit in Akademikerkreisen. Die SZ findet: Klagen ist auch nicht der richtige Weg. Paris… Mehr lesen

Eine quasi schon bestehende Welt

07.02.2013. Die Welt träumt von einer Tanzmetropole namens Berlin. Der Freitag verortet den deutschen Film zwischen Überproduktion und Desinteresse des Publikums. Stefan Niggemeier erklärt, warum man in Deutschland keine Bücher über eine langjährige Krimireihe der ARD mit sechs Buchstaben schreiben darf. In der Zeit macht sich Hans-Ulrich Wehler Sorgen über… Mehr lesen

Dass hier keine Gesichter zu sehen sind

06.02.2013. In der NZZ erklärt John Burnside, warum er sich zu jener Minderheit von Briten zählt, die sich als Europäer fühlen. Die Welt kritisiert die Aberkennung von Annette Schavans Doktortitel als infam. Abschreiben kann auch eine Tugend sein, findet die FAZ - sofern man bei Meyerbeer abschreibt. Im Perlentaucher fragt… Mehr lesen