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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Moderedakteurinnen in der zweiten Reihe

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.01.2013. In der FAZ denkt der tschechische Autor Jaroslav Rudis über die irgendwie surreale Präsidentenwahl in seinem Land nach. Die Welt verteidigt David Cameron gegen die beleidigten Leberwürste vom Kontinent. Die NZZ erklärt, unter welchen Umständen die direkte Demokratie funktioniert. Robert Basic wendet sich in seinem Blog gegen Prophezeiungen, dass es mit dem Bloggen ein Ende habe. Hier und dort wird weiter zu Suhrkamp diskutiert und präzisiert.

NZZ, 25.01.2013

Die Nachbarn blicken mit zunehmendem Interesse auf die Schweiz und ihr System der direkten Demokratie. Der Politologe Leonhard Neidhart erläutert, warum das Schweizer Modell nur schwer auf andere Länder übertragbar ist: "In großen Staaten kann das Volk nicht drei- bis viermal pro Jahr an die Urnen gerufen werden, wie das in der Schweiz der Fall ist. Damit die direkte Volksherrschaft zudem nicht nur Nein-Entscheidungen hervorbringt, also jede Entwicklung blockiert, und auch, damit sie nicht in ein System des Populismus abstürzt, müssen die Verhältnisse wirtschaftlich und sozial ausgeglichen und stabil sein - sonst regiert die Angst."

Weiteres: Roman Bucheli berichtet von einer Ausstellung mit frühen Fotografien aus Deutschland im Stadtmuseum München. Besprochen werden eine Aufführung von Wagners "Ring" im Teatro Massimo in Palermo, Luca Ronconis Inszenierung von Rafael Spregelburds "Panik" in Mailand (die Christine Wolter "irr, komisch, grotesk, finster" findet), das neue Album "Anything In Return" von Toro Y Moi und Bücher, darunter Abel Lanzacs und Christophe Blains Polit-Comic "Quai d'Orsay" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Stichwörter: Deutschland, Populismus

TAZ, 25.01.2013

Stefan Reinecke und Christian Semler stellen die Bände 3 ("Vorgeblättert") und 5 ("Vorgeblättert") der Quellenedition zur "Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden" vor: "Wenn man diese Dokumente liest, das ratlose Entsetzen der Vertriebenen, die Hetze der Nazi-Propaganda, die kalte Sprache der Verwaltung, die immer neue Schikanen für die Juden erfindet, die wenigen erhaltenen Dokumente aus Sicht der Opfer, die Massaker bezeugen, enthüllt sich ein Maß an Schrecken, die das Schicksal von Einzelnen bedeutungslos erscheinen lassen."

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Im Fluss der Zeit" mit Aufnahmen des Magnum-Fotografen Steve McCurry im Kunstmuseum Wolfsburg und das Album "Hardcourage" des New Yorker Produzenten Drew Lustman alias FaltyDL.

Und Tom.

Aus den Blogs, 25.01.2013

Der deutsche Ur-Blogger Robert Basic wendet sich gegen Prophezeiungen von Deutschlandfunk und anderen interessierten Medien, dass es mit dem Genre des Blogs bergab gehe, und behauptet das glatte Gegenteil: "Schon mal blasse Moderedakteurinnen in der zweiten Reihe hinter Modebloggerinnen auf Modeschauen gesehen? Süßer Anblick, wenn Zickenaugen töten möchten."

(Via Matthias Rascher) Grauen des Hyperrealismus!
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Twitterfeed der Verlage

Stichwörter: Blogs

Tagesspiegel, 25.01.2013

Die Debatte um rassistische und sexistische Begriffe bei Astrid Lindgren und Otfried Preußler wird von dem Germanisten Lothar Quinkenstein um eine neue Facette bereichert: Antisemitismus bei Christine Nöstlinger? Der Name der tyrannischen Gurke aus ihrem Buch "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" lautet "Kumi-Ori" - eine biblische Umschreibung von Jerusalem. "Betrachten wir nun noch einmal die Geschichte der 1936 geborenen Nöstlinger: An Ostern (!) taucht aus düsteren Kellertiefen der vertriebene König (!) 'Jerusalem' auf. Er ist anmaßend-arrogant, verlangt - in verdrehtem (!) Deutsch -, bedient zu werden und stiftet vom Moment seines Erscheinens an Unfrieden in einer unbescholtenen Familie. Er lügt, intrigiert, zieht Geheimnisse der Familienmitglieder ans Licht, versucht, den Vater mit Versprechungen von Reichtum zum Mord anzustiften. Als die Geduld der Getriezten zu Ende ist, wird er 'abserviert'."

Weitere Medien, 25.01.2013

Titanic macht einige Vorschläge zur Umformulierung von Kinderbüchern: "'Und der "Drache, der zu den Indianern wollte', will nunmehr, klar, 'zu den Amerikanischen Ureinwohnern (um sich zu entschuldigen)'."

Das neue Lied von Prince:


Welt, 25.01.2013

Bei der Welt funktioniert die Paywall inzwischen so gut, dass man die Artikel nicht mehr googlen kann! Also (fast) keine Links heute.

Im Forum verteidigt Alan Posener David Cameron gegen das antibritische Gemurre nach Camerons Ankündigung einer Volksabstimmung über die EU: "Cameron machte den unverzeihlichen Fehler, die Beschwörer des 'mehr Europa' beim Wort zu nehmen. Er forderte mehr - mehr Freiheit in Europa, mehr Wettbewerb, mehr Demokratie, mehr Subsidiarität, mehr Vielfalt und mehr Mitglieder in der EU. Das war der Aufruf zu einem Europa der Offenheit und des Aufbruchs, einem maritimen, nach außen blickenden Europa anstelle eines mit sich selbst beschäftigten kontinentalen Blocks im Geiste Napoleons."

Im Feuilleton erinnert sich Alan Posener, wie er in seiner Jugend als Maoist 1976 im gespaltenen Dörfchen Mödlareuth den Abriss der Mauer forderte. Richard Kämmerlings klärt in der Leitglosse die Faktenlage beim Suhrkamp Verlag. Volker Tarnow erinnert an den Komponisten Witold Lutosławski, der vor hundert Jahren geboren wurde. Und Hanns-Georg Rodek unterhält sich mit Denzel Washington, der in seinem neuen Film "Flight" mal wieder einen tollen Hecht spielt.

FAZ, 25.01.2013

Mit Blick auf die Prager Burg denkt der tschechische Autor Jaroslav Rudis über die "schicksalhafte und zugleich irgendwie surreale Wahl" in seinem Heimatland nach, wo der Wahlkampf zwischen Miloš Zeman und Karel Schwarzenberg kurz vor dem Stichtag zusehends schriller wird, wie Rudis recht ratlos bemerkt: "Wir bekommen entweder einen verlogenen Schwejk oder die Verkörperung des altösterreichischen Adels, gegen den wir Tschechen über Jahrhunderte gekämpft haben."

Außerdem: Andreas Kilb verbringt ein Winterwochenende in Paris, beziehungsweise in dessen Museen, Kino-Diskussionsveranstaltungen und einer spontan einberufenen Pressekonferenz, in der sich Regisseur Olivier Assayas von der Cinephilie der Cahiers du Cinéma lossagt, die seinem jüngsten Film offenbar recht kalt begegnet sind. Paul Ingendaay kommentiert eine peinliche Zeitungsente bei El Pais - die Zeitung veröffentlichte ein Foto Hugo Chavez' auf dem Krankenbett, das in Wirklichkeit einen anderen Patienten zeigte (mehr hier). Dass Hollywood-Choreograf Benjamin Millepied 2014 als Ballettdirektor an der Pariser Oper antreten wird, findet Wiebke Hüster nur auf den ersten Blick schockierend. Jürgen Dollase befreit im Restaurant Dôme in Antwerpen "das Hirschfleisch energisch von der Kräuterkruste".

Besprochen werden neue Schallplatten (darunter ausführlicher eine Aufnahme von Witold Lutoslawskis Sinfonien), Tim Burtons Stopmotion-Animationsfilm "Frankenweenie" ("eine Großtat", jubelt Andreas Platthaus völlig fasziniert), eine Ausstellung aus der Sammlung Patricia Phelps de Cisneros im Reina-Sofiá-Museum in Madrid und Bücher, darunter George Oppens Gedichteband "Die Rohstoffe" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

SZ, 25.01.2013

Andreas Zielcke fasst die Lage im Suhrkamp-Streit zusammen und spielt mehrere Möglichkeiten für den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach durch: Weder eine Übernahme des Verlags (massiver Autorenschwund), noch dessen Auflösung (geringe Renditeaussicht nach Abschluss des Verfahrens) könnten demnach wirklich in Barlachs Interesse liegen. Allein im Verkauf von Barlachs Anteilen an die Familienstiftung sieht Zielcke einen gangbaren und für Barlach profitablen Weg: "Wie man hört, werden hinter den Kulissen bereits von beiden Seiten Zahlen genannt, die Kluft ist allerdings noch erheblich. Allerdings dürfte die Stiftung kaum in der Lage sein, den Kaufpreis allein aufzubringen. Ohne einen wohlgesonnenen Investor (...) wird es nicht gehen."

Weitere Artikel: Im ausführlichen Gespräch erklärt Dirk von Lowtzow von Tocotronic Jens-Christian Rabe seine Liebe zur Präzision in der Popkunst von Jennifer Lopez und Britney Spears und wie sich guter von schlechtem Kitsch unterscheiden lässt. Helmut Mauró amüsiert sich über Heinos Dreistigkeit, sich quer durch die deutsche Rockmusik zu covern.

Online erfahren wir, dass die Autorin Pinar Selek in ihrer türkischen Heimat zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Besprochen werden ein "Parsifal" in historischer Aufführungspraxis in Dortmund (von der Kristina Maidt-Zinke glaubt, dass sie in Bayreuth auf verschlossene Ohren treffen wird) und Bücher, darunter ein Band mit Fotografien von Sergei Prokudin-Gorski aus dem Zarenreich zwischen 1855 und 1918, von denen es über 2600 auch online bei der Library of Congress zu sehen gibt (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).
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Archiv: Heute in den Feuilletons

In einer Ära großen Durcheinanders

24.01.2013. In der FAZ erinnert sich Dustin Hoffman an seine WG-Kumpels Robert Duvall und Gene Hackman. Die NZZ macht sich Sorgen ums preußische Kulturerbe. Techcrunch kann es nicht fassen: Apple macht in einem Quartal fast soviel Umsatz wie Microsoft im ganzen Jahr. Das Schweizer Fernsehen erklärt das Leistungsschutzrecht. Die taz… Mehr lesen

Lächeln im Kolkrabengesicht

23.01.2013. In der FR entwirft Robert Menasse Umrisse eines schlanken Europas, auch als Gegensatz zu national ausgefetteten Demokratien. Die NZZ beleuchtet die prekäre Situation der syrischen Christen. In der Welt lernt Dustin Hoffmann die Höflichkeit der Regisseure zu schätzen. Kontrovers wird Steven Spielbergs "Lincoln"-Film aufgenommen: Groß findet ihn die FAZ,… Mehr lesen

Nicht für das brennende Herz der Theresa von Avila

22.01.2013. Die FAZ protestiert gegen Verspargelung der Landschaft und Wattierung von Denkmälern im Zeichen der Energiewende. Die Welt feiert Dan Flavin. In der SZ erklärt Stephane Braunschweig seinem Kollegen Thomas Ostermeier die Vorzüge des französischen Theaters: Kein festes Ensemble bedeutet auch Freiheit. Das Blog journalism.co.uk erklärt Journalisten, wie man Fehler… Mehr lesen

Luxus und Erleuchtung gehen immer

21.01.2013. Wer die FAZ liest, kommt zu dem Schluss: Der gefährlichste Job der Welt muss der Direktorenposten des Bolschoi-Balletts sein. Während amerikanische Zeitungen Paywalls errichten, expandiert das kostenlose Angebot des Guardian mit eigenen Redaktionen in andere englischsprachige Länder, berichtet Mashable. In der SZ erkunden Nir Baram und Abraham B. Yehoshua… Mehr lesen

Dialektik aus Wärme und Distanz

19.01.2013. In der Welt schildert Adam Krzeminski den Kulturkampf, den Polens Rechte gegen das unbehauste und europagläubige Volk der Lemminge führt. In der NZZ erkennt Milton Hatoum im pluralen Brasilien das Land der Zukunft. Die SZ bereitet uns vorsorglich auf das Allerschlimmste vor. Die taz feiert das neue Album von… Mehr lesen

Um sich gerade noch in die nächste Zählzeit zu retten

18.01.2013. Die taz fragt sich, was die SZ zu ihrer "perfiden" Berichterstattung über Pola Kinski und ihre Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Vater treibt. Der Freitag wundert sich, warum die "Holocaust"-Rhetorik Quentin Tarantinos und Spike Lees in Bezug auf die Sklaverei nicht zu mehr Debatten führt. Wir verlinken auch auf ein langes… Mehr lesen

Küssende Hasen totschießen

17.01.2013. Es gab noch Zeiten, in denen Kinderbücher drastisch werden durften, aber die sind nun vorbei, meint die Presse in Wien, auch die Zeit befasst sich mit dem Thema. Für die Frankfurter Rundschau wird's langsam knapp, berichten verschiedene Medien. Die taz schildert Oper, Pornografie und Prostitution im Kontext. In der… Mehr lesen

Die Zukunft hat immer recht

16.01.2013. Die NZZ hält fest: Es ist nicht die Schuld der Habsburger, dass das Ungarische zur finnisch-ugrischen Sprachfamilie gehört. Alle feiern Quentin Tarantino, aber nicht die Amerikaner, die taz und die SZ. Alle trauern um Nagisa Oshima. In der FAZ begrüßt Bernard-Henri Lévy den französischen Einsatz in Mali und warnt… Mehr lesen

Sie aßen nur, schliefen, putzten sich

15.01.2013. Die SZ beklagt reaktionären Infantilismus in dem Streit über politisch korrekte Sprache in Kinderbüchern. Das Cabinet Magazine erinnert an ein kulturkritisches Mäuseexperiment. Die Welt meditiert über die Dialektik des Arguments, Antisemitismusvorwürfe schadeten nur der Bekämpfung des Antisemitismus. Die taz wittert Korporatismus in der einhelligen Verteidigung Jakob Augsteins durch Kollegen.In… Mehr lesen

Eine Zukunft, die niemals eingetreten ist

14.01.2013. Lawrence Lessig und Cory Doctorow schreiben zum Freitod des Internetaktivisten Aaron Swartz. Ihm drohten 35 Jahre Gefängnis, weil er wissenschaftliche Artikel einer MIT-Datenbank freigestellt hatte. Der Spiegel enthüllt: Jahrelang wurde in Thomas Gottschalks Show "Wetten dass" Werbung platziert. Die Österreicher sind happy: Golden Globes für Michael Haneke und Christoph… Mehr lesen

Selbst denken macht einsam

12.01.2013. In der Welt entschuldigt sich Henryk Broder bei Jakob Augstein dafür, dass er ihn einen "kleinen Streicher" genannt hat, hält seine Vorwürfe aber aufrecht. In der FR betrachtet Dirk Baecker das BER-Debakel aus systemtheoretischer Sicht. In der NZZ feiert der Romanist Karlheinz Stierle Roberto Calassos großes Baudelaire-Buch. Die taz… Mehr lesen

Aus dem Dauerfrost sexueller Verklemmtheit

11.01.2013. Die SZ erkundet die Tücken der türkischen Zensurgesetzgebung. Die Welt betreibt Animal Studies. Die NZZ schildert die Lage der Frauen in Indien. Die FAZ schildert den Medienkrieg um Gaza. Die taz versucht herauszufinden, was die Suhrkamp-Kultur eigentlich war. In der FR schildert Uli Lommel die Unendlichkeit, die ihm Angst… Mehr lesen

Wenn das kein Kulturschock ist

10.01.2013. Die Welt zitiert die Äußerungen des Viertel-Cherokees Quentin Tarantino über amerikanische Menschheitsverbrechen. Und stellt das Ubuweb vor, das Kunstwerke zum Download feilhält und sich nicht ums Copyright schert - zur Freude der Künstler. Im Freitag stellt sich heraus, dass Musiker im Internet durchaus Geld verdienen können. Die NZZ feiert… Mehr lesen

Einzelkatastrophen

09.01.2013. Die NZZ sieht Italien den Bach hinuntergehen. Außerdem bringt sie Hintergründe zum Fall eines saudischen Intellektuellen Turki al-Hamad , der wegen ein paar Tweets im Gefängnis landete. Die FAZ besucht das einzige Café in Berlin, wo man Kuchen operieren kann. In der Welt erklärt Henryk Broder den modernen Antisemitismus.… Mehr lesen

Weißt du, Berlin ist so ruhig, eine Rentnerstadt

08.01.2013. Die neue Antisemitismus-Debatte geht immer noch weiter. In der SZ erinnert Abraham Cooper vom Wiesenthal-Zentrum an die Durban-Konferenz 2001, wo sich der neue Antisemitismus für ihn erstmals massiv manifestierte. Im Interview mit dem Schwarzwälder Boten erklärt Henryk Broder, warum er glaubt, dass Jakob Augstein "propagandistisch die nächste Endlösung der… Mehr lesen