Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Die gute, kluge, liebe Violetta
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.12.2012. Laut Spiegel Online ist der CDU-Politiker Norbert Lammert empört: Google hat die E-Mail-Adressen des Bundestags geleaked! Auch Mathias Döpfner vom Springer-Verlag ist in der Zeit nicht gut auf Google zu sprechen: Eine Hehler-Bande sei das, die der Bild die Seite 3-Qualitätsmädchen entführt. Medienpromiskuität auch zwischen Zeit-Magazin und SZ-Magazin, die jetzt füreinander publizieren. Da bleiben wenige reine Kulturthemen: Die Kritiker halten zum siebzigsten Geburtstag unverbrüchlich an Peter Handke fest. Und der FAZ wurde in Andrea Breths "Traviata"-Inszenierung ganz anders.
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Die Tageszeitung, 06.12.2012
Schwer zu ertragen sei Peter Handke, schreibt Jörg Magenau in seinem Kommentar zum 70. Geburtstag des Schriftstellers. "In seinem Fall ist das eine Qualität ... Handke ist einer der wenigen wirklichen Individualisten, die wir haben, und nicht bloß einer, der sich originell ausstaffiert. An ihm kann man ablesen, wie anstrengend das ist, wie viel Rücksichtslosigkeit und Beharrlichkeit man dafür braucht." Und in seiner Hommage würdigt der Essayist und Schriftsteller Stephan Wackwitz Handke als "eine Art literarische Großer-Bruder-Gestalt": "Handke ist unser Klassiker. Von welchem anderen Gegenwartsschriftsteller hätte ich jemals geträumt?"
Weiteres: Antonia Schäfer unterhält sich mit Peter Böhling und Daniel Häuser, die zunächst mit einer einmaligen Jubiläumsausgabe das legendäre Satiremagazin Pardon wieder zum Leben erwecken und dabei auf "Feinsinn. Unsinn. Hintersinn" setzen: "Die Qualität von etwas Satirischem liegt nicht darin, wie viele Anwälte losgehetzt werden. Provokation ist einfach. Das ist in einer Minute gemacht und dann hast du zehn Anwälte beschäftigt und einen riesigen Rummel."
Sonja Vogel berichtet über die erste Konferenz der deutsch-israelischen Schulbuchkommission in Berlin, die unter dem Motto "Differenz übersetzen" stand und die der Historiker Dan Diner mit einer Anekdote eröffnete. Katharina Granzin freut sich über die Kooperation zwischen dem Berliner Radialsystem V und Borusan Müzik Evi in Istanbul.
Besprochen werden Joe Wrights Verfilmung von "Anna Karenina", der Dirk Knipphals "großartige Künstlichkeit" bescheinigt, die DVD von Will Trempers "lässigem" Drama "Die endlose Nacht" von 1963 sowie der Roman "Gute Leute" des israelischen Schriftstellers Nir Baram über junge Karrieristen in der Zeit des Faschismus und Stalinismus. (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)
Und Tom.
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Die Welt, 06.12.2012
Das Land Sachsen fordert Fördergelder zum Abriss denkmalgeschützter Gebäude - womit alte Mietshäuser in den Innenstädten gemeint sind. Dankwart Guratzsch sieht das nach Jahren der Aufhübschung von Plattenbauten und Vernachlässigung älteren Bestands als weiteren "durchsichtigen Versuch, das alte sozialistische Städtebaumodell neu aufleben zu lassen". Kai-Hinrich Renner gratuliert der Tagesschau in einem nicht ausschließlich freundlichen Artikel zum Sechzigsten (in dem er auch die Zeitung als Medium fürs Tiefe und das Internet als Medium fürs Flache verkaufen will). Der Biograf von Thomas Manns Schwester Carla, Willi Jasper, spekuliert über die Umstände ihres Freitods im Jahr 1910.
Besprochen werden Filme, darunter die neue "Anna Karenina"-Verfilmung und Fatih Akins Dokumentation "Müll im Garten Eden".
In einem lesenswerten Interview im politischen Teil erklärt Benjamin Netanjahu den Unterschied zwischen israelischer Kriegsführung und der Kriegsführung der Hamas: "Die palästinensischen Terroristen in Gaza zielen auf Zivilisten, während sie sich hinter Zivilisten verstecken und begehen damit ein doppeltes Kriegsverbrechen. Israel hingegen hat als Reaktion die Raketenoperateure und die Raketen selbst angegriffen, und es ist uns gelungen, das Ende des Raketenbeschusses mit minimalen zivilen Opfern zu erreichen. Darin besteht der ganze Unterschied. Sie wollen möglichst viele zivile Opfer, wir möglichst wenige."
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Der Freitag, 06.12.2012
Medienforscher Stephan Weichert versucht dem Medium Zeitung Chancen aufzuzeigen und erblickt diese vor allem in der "Synchronisierungsfunktion", die darin bestehe, "breite Teile der Bevölkerung auf gemeinsame Themen und Ereignisse zu verpflichten". An ein privatwirtschaftliches Modell scheint er aber nicht mehr so recht zu glauben. Er fordert eine Ausweitung öffentlich-rechtlicher Föderung für "Qualitätsmedien" und ruft Mäzene zur Rettung der Öffentlichkeit auf. "Es geht bei diesem 'Dritten Weg' nicht um eine großflächige Dauersubvention der Presse wie dies beispielsweise in Österreich der Fall ist, sondern um Finanzierungsalternativen für bestimmte journalistische Bereiche, die sich am Markt in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht mehr behaupten können."
Außerdem: Michael Angele plädiert für Peter Handke als einsamen Spaziergänger und rät, dessen politisches Engagement für Karadzic und weitere Mordbuben in freundliches Vergessen sinken zu lassen. Bert Rebhandl plädiert dafür, die Proteste der Fußballfans gegen das DFL-Papier "Sicheres Stadionerlebnis" ernst zu nehmen.
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Weitere Medien, 06.12.2012
Norbert Lammert, CDU-Abgeordneter und Bundestagspräsident, ist total empört über Googles Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht, meldet Spiegel online. "Ebenso dreist wie durchsichtig" findet er sie. "Was den CDU-Politiker Lammert empört: Auf der Google-Homepage können die Nutzer bei ihren Bundestagsabgeordneten direkt nachfassen. Dort zeigt das Unternehmen eine vielfarbige Übersichtskarte der Bundesrepublik und führt zu den Wahlkreisen der einzelnen Parlamentarier - samt E-Mail-Adresse, Postanschrift der Büros sowie Telefon- und Faxnummer." (Abgeordnete anrufen darf halt nur Springer-Lobbyist Christoph Keese!)
SZ- und Zeit-Magazin beschäftigen sich diese Woche unter dem Stichwort "Konkurrenz" mit dem jeweils anderen Heft. Schon die Cover könnten gar nicht besser illustrieren, dass Journalisten nur für andere Journalisten schreiben. Inhaltlich spielt sich die "Konkurrenz" laut W&V dann so ab: "Im Zeit Magazin erscheint etwa eine Insiderreportage über die 'Hell's Angels' in Berlin, im SZ-Magazin ein Porträt der Polizisten, die ihnen die Tour vermasseln. Axel Hacke und Harald Martenstein porträtieren sich in ihren Kolumnen - ['Er ist brillant'] - gegenseitig."
Sieh an, auch Apple-Jünger lernen dazu. Hajo Schumacher erklärt in einem kleinen Ausbruch auf Spiegel online, warum ihm kein Apple-Gerät mehr ins Haus und kein Apple-Dienst mehr auf den Rechner kommt: "Klar, ich bin zu dämlich. Ich kapier's nicht, ich date nicht up, ich synchronisiere zu selten, ich verbringe nicht jeden Abend mit der Lektüre der von Samir empfohlenen Erste-Hilfe-Links. Ich habe eben an das Alles-einfach-Versprechen geglaubt. Früher war Apple wie das Wirtschaftswunderland Deutschland. Alles ging nach vorn, nach oben, kleinere Krisen wurden von großen Verbesserungen locker ausgeglichen. Alles schien verständlich und intuitiv. Und jetzt? ... Ich kapiere bis heute nicht, unter welchen Bedingungen ich welche Stücke auf welchen Geräten abspielen oder gar teilen darf."
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Jungle World, 06.12.2012
Andreas Gebhard und Andre Meister machen auf die Tagung der Internationalen Fernmeldeunion in Dubai aufmerksam, in der Internetregulierungen auf UNO-Ebene diskutiert werden, und empfehlen die Seite WCITLeaks, wo die Vorschläge der üblichen Menschenrechtskandidaten veröffentlicht werden. ein Zitat von dieser Seite: "Mehrere Vorschläge würden der Uno erstmals die Macht geben, unter dem Deckmantel des Schutzes vor Malware oder Spam Online-Inhalte zu regulieren. Russland und einige arabische Staaten fordern Möglichkeiten, um private Kommunikation wie E-Mails zu inspizieren. Russland und der Iran schlagen neue Regeln vor, den Internet-Verkehr an nationalen Grenzen zu messen und diesen so bezahlen zu lassen, wie etwa bei internationalen Telefonaten..."
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Neue Zürcher Zeitung, 06.12.2012
Zum siebzigsten Geburtstag von Peter Handke beleuchtet der Zürcher Germanist Karl Wagner die verschiedenen Schaffensperioden des Schriftstellers und würdigt dessen Hang zum Kontroversen: "Er hat sich ausgesetzt und bis zur Verranntheit den dichterischen Augenschein gegen jede andere mediale Weltbeobachtung verteidigt - auch um den Preis, damit ins öffentliche Handgemenge zu geraten und so selber das ihm Verhassteste zu produzieren: Meinung."
Besprochen werden außerdem die Inszenierung von Giuseppe Verdis Oper "Simon Boccanegra", die in Rom das Verdi-Jahr einläutet, eine Stuttgarter Ausstellung über Südostasiens grüne Architektur sowie Filme, darunter die Neuverfilmungen von "Anna Karenina" und "Great Expectations" ("der eine Film [ist] so überambitioniert wie der andere uninspiriert", urteilt Susanne Ostwald), und Bücher, darunter "Glückliche Liebe und andere Gedichte" der polnischen Lyrikerin Wislawa Szymborska (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Aus den Blogs, 06.12.2012
In Faust-Kultur liest Bernd Leukert Oleg Jurjews neuen Gedichtband: "Tatsächlich müssen wir uns darauf einstellen, dass es dunkel wird, wenn wir Olegs Jurjews Gedichtband 'In zwei Spiegeln' aufschlagen. Denn in diesem Buch ist es Nacht, überwiegend. Die Nacht verändert unsere Wahrnehmung. Das Ohr wird nicht mehr in dem Maß vom Auge korrigiert, wie das bei Tageslicht geschieht. Es verschärft seine Aufmerksamkeit und interpretiert wild ins Gefahrenbewusstsein hinein. Jenseits des Alltäglichen kreuzt die Welt auch die visuelle Orientierung. Und da zeigen sich Geheimnisse. Diese Frauen nachts, mit Brillen, / medusenäugig, / schreiten in Wölkchen aus Licht, / als deren dunkle Kerne - (Frauen nachts, mit Brillen), ... immer wieder verwandelt Oleg Jurjew das nur zu Bekannte in stille, beunruhigende Notturni".
Ebenfalls für Faust-Kultur hat Isabel Stümpel einige Gedichte der iranischen Lyrikerin und Filmemacherin ("My Teheran for Sale") Granaz Moussavi ins Deutsche übersetzt und auf Persisch und Deutsch aufgenommen.
Stephan Herczeg schickt fürs Merkur-Blog Notizen aus Paris: "Typisches Phänomen, in der ganzen Stadt anzutreffen: Glückliche, sehr verliebt wirkende Touristenpaare, die den ganzen Tag in aller Ruhe zusammen Sachen machen, möglichst händchenhaltend, während man als Alleinstehender eher das Gefühl hat, sein Besichtigungsprogramm etwas herzlos und bürokratisch abzuhetzen."
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Süddeutsche Zeitung, 06.12.2012
Jetzt, mit siebzig, fühlt er sich da nicht angekommen, fragt Christine Dössel Peter Handke. Der findet, die Journalisten sollten erst mal Abbitte leisten für die Kritik an seinem Engagement für Serbien: "Wenn Sie die ersten Sätze der 'Winterlichen Reise' lesen, werden Sie sofort merken: Das ist Sprache, da ist Erzählung -und zwar dem entgegengesetzt, was damals gemeinste, tiefsinnigste, nein: triefsinnigste, scheußlichste Anti-Sprache war. Deswegen hat das so schockierend gewirkt. [...] Mein amerikanischer Verleger, der 'A Journey to the Rivers' bei Viking Press publiziert hat, sagte mir damals: 'Nachdem ich Ihre 'Winterliche Reise' gelesen habe, kommt mir alles andere wie Pornografie vor.' Und das stimmt auch."
Darunter bespricht Lothar Müller Handkes Briefwechsel mit Siegfried Unseld (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr)..
Weitere Artikel: Auch in Kathryn Bigelows mit Spannung erwartetem Film "Zero Dark Thirty" über die Suche nach Osama Bin Laden sind "die Leerstellen des Wissens über die epische Geheimoperation (...) auch jetzt nicht gefüllt und [sie werden] sich wohl nie füllen", schreibt Philipp Stadelmaier nach der ersten Pressevorführung des Films. Der Ägyptologe Jan Assmann denkt über die Schönheit der Büste der Nofrete nach, die vor 100 Jahren gefunden wurde. Catrin Lorch hat unterdessen zwei Nofrete-Ausstellungen in Berlin und London besucht. Wolfgang Janisch informiert über einen Prozess zur Klärung, wem das Grundstück gehört, auf dem das Maxim Gorki Theater in Berlin steht. Jan Kedves spricht mit dem Berliner DJ Paul Kalkbrenner. Online finden wir Andrian Kreyes Nachruf auf Dave Brubeck. Hier ein Auftritt von 1966:
Besprochen werden Konradin Kunzes "foreign angst" am Staatstheater Wiesbaden, eine Ausstellung über die Geschichte des Puppentheaters in der villa p. in Magdeburg, die Ausstellung "John Cage: Ryoanji" in der Pinakothek der Moderne in München und Andrea Breths "Traviata"-Inszenierung am Brüsseler Opernhaus.
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Die Zeit, 06.12.2012
Im Wirtschaftsteil breitet der Springer-Vorstandsvorsitzende und Antikapitalist Mathias Döpfner in einem ausführlichen Interview seine Visionen zur Zukunft des Journalismus aus und enthüllt die wahren Motive von Google: "Wir glauben dem Google-Slogan don't be evil und denken, die Jungs mit dem bunten Logo meinen es doch nur gut. In Wirklichkeit will Google nur erzkapitalistische Interessen durchsetzen und sein Geschäftsmodell optimieren. Das ist so, als würde eine Hehlerbande bei Amnesty International eine Menschenrechtspetition zur Verteidigung der freien Bürgerrechte beim Ladendiebstahl einreichen."
Josef Joffe nimmt die von der SZ angestoßene Debatte über die GEZ-Reform auf und blickt sehnsüchtig aufs Fernsehangebot der USA: "An die 300 Sender summieren sich zu einer Vielfalt, die hier nicht entstehen kann, weil sich das Neue nicht gegen einen öffentlichen Moloch durchsetzen kann, der sich nicht selber finanzieren muss."
Der Schwerpunkt im Feuilleton gilt diesmal Computerspielen. Maximilian Probst erörtert ihren gesellschaftlichen, Franziska Bulban und Kilian Trotier ihren ästhetischen Mehrwert. Sie folgern: "Wenn Spiele ein Kulturgut sein sollen, müssen wir sie fördern". Zum Vorhaben des Bundestags, Sex mit Tieren wieder unter Strafe zu stellen, merkt Ijoma Mangold an: "Alle Triebbeziehungen neigen zur Asymmetrie." Der französische Schriftsteller Michel Crépu wünscht sich von seinen Landsleuten in der Krise mehr Pragmatismus und Kompromissbereitschaft, aber er macht sich keine Illusionen: "Deutsch werden die Franzosen jetzt jedenfalls nicht". Hanno Rauterberg berichtet angetan von der Eröffnung einer Louvre-Dependance in Lens: "Hier fließt die Zeit nicht, hier strudelt sie." Ilma Rakusa informiert über die von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung initiierte Tagung "What really matters" in Budapest über Nationalismus in Europa. John F. Jungclaussen zieht eine Bilanz des Murdoch-Skandals in der britischen Presse. Jude Law bekennt im Interview mit Moritz von Uslar: "In meinen mextrosexuellen Zeiten war ich vielleicht zu zehn Prozent Frau".
Besprochen werden eine Stuttgarter Inszenierung von Edison Denisovs Oper "Der Schaum in Tage" ("Komik und Trost, Trauer und Wahnwitz werden eins", schwärmt Volker Hagedorn), Fatih Akins Dokumentarfilm "Müll im Garten Eden", das Konsolenspiel "Dishonored" und Bücher, darunter Peter Handkes "Versuch über den stillen Ort" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr). Außerdem gibt die Redaktion literarische Geschenktipps (am häufigsten empfohlen wird "Johann Holtrop" von Rainald Goetz).
Außerdem: In Glauben & Zweifeln verkündet Evelyn Finger die "Niederlage für die Netz-Fundis" von kreuz.net. Eine Spezialausgabe von Wissen widmet sich dem Thema Entschleunigung.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2012
Der Vorlage bemerkenswert verbunden ist Andrea Breths "La Traviata"-Inszenierung an der Brüsseler Staatsoper, staunt Eleonore Büning, die auf der Bühne zwar keine neuen Gesangstalente entdecken konnte, sich aber dennoch sehr bewegt zeigt: So wollte sie "am liebsten dazwischengehen und den metallisch brüllenden Alfredo von Sébastien Guèze beruhigen und trösten, den scheinheilig wohltönenden Germont von Scott Hendricks rauswerfen und die gute, kluge, liebe Violetta schützend in die Arme schließen".
Weitere Artikel: Suhrkamp könnte wegen eines internen Streits bald gerichtlich aufgelöst werden, berichtet Sandra Kegel aus dem Gerichtssaal (in dem "Suhrkamp-Autor und Prozess-Dauergast Rainald Goetz fleißig mitschreibt"). Skandal an der Mailänder Scala: Cecilia Bartoli wurde von Berlusconi-Anhängern ausdauernd ausgebuht, meldet Dirk Schümer. Außerdem freut sich Schümer über die Rückgabe von Leonardo da Vincis Tafelbild "Tavola Doria" an Italien. Christoph König schreibt den Nachruf auf den Philologen Jean Bollack. Wiebke Hüster unterhält sich mit Sidi Larbi Cherkaoui, dem Choreografen des Films "Anna Karenina", den Verena Lueken bespricht. Schnäppchen gefällig? Für rund eine Million Dollar dürfte wohl das Piano aus "Casablanca" nächste Woche versteigert werden, meldet Rose-Maria Gropp.
Besprochen werden Grieg-Interpretationen von Martin Tingvall und Henning Kraggerud und Bücher, darunter Peter Handkes und Siegrief Unselds "Briefwechsel" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Das nenne ich totalitär
18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen
Tagtäglich dem Leser zugemutet
17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen
Ist Gott jetzt zufrieden?
16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen
Samples der Oberflächenwelt
15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Filzhaltige Kunstzeichen
14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen
Es zeichnet sich der Morgenstern ab
13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen
Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht
11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen
Was öffentlich ist und was nicht
10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen
Hegemoniale Metaerzählung
08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen. Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen
So sehr haben die Chefs Angst
07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen
Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung
06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen
Die Empörung ist eine europäische Sünde
04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen
Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit
03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen
Abkehr vom Mainstream der Alltagsheringe
02.05.2013. In Spiegel online fordert Sascha Lobo viel mehr Investitionen in ein schnelles Internet - und zwar von der Regierung. Im Tagesspiegel stellt Achim Freyer mit Richard Wagner ein Notgleichgewicht her. Die taz beleuchtet die Rolle von Gewerkschaften und SPD in der Nazi-Zeit. In der Zeit spricht Cecila Bartoli über tragische und weniger tragische Frauenrollen. Die FAZ übernimmt Salman Rushdies Aufruf für die Anerkennung von Freiheitshelden als Freiheitshelden. Das WWW ist zwanzig Jahre alt. Das CERN stellt die allerallererste Website wieder online. Mehr lesen
Wo es ernst wird, reicht das Netz nicht aus
30.04.2013. Die FAZ schreitet über die Stege des Mucem ins mediterrane Glitzerlicht der Kulturhauptstadt Marseille. Jürgen Habermas hat in Belgien über Europa gesprochen - und die Deutschen zu Opfern aufgefordert. Die NZZ erkundet die Möglichkeiten des Netzes als Medium des Protestes. Brigitte eröffnet die Berichterstattung über den NSU-Prozess. Und in der Welt hält Matthias Küntzel fest: Richard Wagner war ein Klassiker - und zwar des deutschen Antisemitismus. Mehr lesen






