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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Die gute, kluge, liebe Violetta

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

06.12.2012. Laut Spiegel Online ist der CDU-Politiker Norbert Lammert empört: Google hat die E-Mail-Adressen des Bundestags geleaked! Auch Mathias Döpfner vom Springer-Verlag ist in der Zeit nicht gut auf Google zu sprechen: Eine Hehler-Bande sei das, die der Bild die Seite 3-Qualitätsmädchen entführt. Medienpromiskuität auch zwischen Zeit-Magazin und SZ-Magazin, die jetzt füreinander publizieren. Da bleiben wenige reine Kulturthemen: Die Kritiker halten zum siebzigsten Geburtstag unverbrüchlich an Peter Handke fest. Und der FAZ wurde in Andrea Breths "Traviata"-Inszenierung ganz anders.

TAZ, 06.12.2012

Schwer zu ertragen sei Peter Handke, schreibt Jörg Magenau in seinem Kommentar zum 70. Geburtstag des Schriftstellers. "In seinem Fall ist das eine Qualität ... Handke ist einer der wenigen wirklichen Individualisten, die wir haben, und nicht bloß einer, der sich originell ausstaffiert. An ihm kann man ablesen, wie anstrengend das ist, wie viel Rücksichtslosigkeit und Beharrlichkeit man dafür braucht." Und in seiner Hommage würdigt der Essayist und Schriftsteller Stephan Wackwitz Handke als "eine Art literarische Großer-Bruder-Gestalt": "Handke ist unser Klassiker. Von welchem anderen Gegenwartsschriftsteller hätte ich jemals geträumt?"

Weiteres: Antonia Schäfer unterhält sich mit Peter Böhling und Daniel Häuser, die zunächst mit einer einmaligen Jubiläumsausgabe das legendäre Satiremagazin Pardon wieder zum Leben erwecken und dabei auf "Feinsinn. Unsinn. Hintersinn" setzen: "Die Qualität von etwas Satirischem liegt nicht darin, wie viele Anwälte losgehetzt werden. Provokation ist einfach. Das ist in einer Minute gemacht und dann hast du zehn Anwälte beschäftigt und einen riesigen Rummel."

Sonja Vogel berichtet über die erste Konferenz der deutsch-israelischen Schulbuchkommission in Berlin, die unter dem Motto "Differenz übersetzen" stand und die der Historiker Dan Diner mit einer Anekdote eröffnete. Katharina Granzin freut sich über die Kooperation zwischen dem Berliner Radialsystem V und Borusan Müzik Evi in Istanbul.

Besprochen werden Joe Wrights Verfilmung von "Anna Karenina", der Dirk Knipphals "großartige Künstlichkeit" bescheinigt, die DVD von Will Trempers "lässigem" Drama "Die endlose Nacht" von 1963 sowie der Roman "Gute Leute" des israelischen Schriftstellers Nir Baram über junge Karrieristen in der Zeit des Faschismus und Stalinismus. (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

Und Tom.

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Welt, 06.12.2012

Das Land Sachsen fordert Fördergelder zum Abriss denkmalgeschützter Gebäude - womit alte Mietshäuser in den Innenstädten gemeint sind. Dankwart Guratzsch sieht das nach Jahren der Aufhübschung von Plattenbauten und Vernachlässigung älteren Bestands als weiteren "durchsichtigen Versuch, das alte sozialistische Städtebaumodell neu aufleben zu lassen". Kai-Hinrich Renner gratuliert der Tagesschau in einem nicht ausschließlich freundlichen Artikel zum Sechzigsten (in dem er auch die Zeitung als Medium fürs Tiefe und das Internet als Medium fürs Flache verkaufen will). Der Biograf von Thomas Manns Schwester Carla, Willi Jasper, spekuliert über die Umstände ihres Freitods im Jahr 1910.

Besprochen werden Filme, darunter die neue "Anna Karenina"-Verfilmung und Fatih Akins Dokumentation "Müll im Garten Eden".

In einem lesenswerten Interview im politischen Teil erklärt Benjamin Netanjahu den Unterschied zwischen israelischer Kriegsführung und der Kriegsführung der Hamas: "Die palästinensischen Terroristen in Gaza zielen auf Zivilisten, während sie sich hinter Zivilisten verstecken und begehen damit ein doppeltes Kriegsverbrechen. Israel hingegen hat als Reaktion die Raketenoperateure und die Raketen selbst angegriffen, und es ist uns gelungen, das Ende des Raketenbeschusses mit minimalen zivilen Opfern zu erreichen. Darin besteht der ganze Unterschied. Sie wollen möglichst viele zivile Opfer, wir möglichst wenige."

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Freitag, 06.12.2012

Medienforscher Stephan Weichert versucht dem Medium Zeitung Chancen aufzuzeigen und erblickt diese vor allem in der "Synchronisierungsfunktion", die darin bestehe, "breite Teile der Bevölkerung auf gemeinsame Themen und Ereignisse zu verpflichten". An ein privatwirtschaftliches Modell scheint er aber nicht mehr so recht zu glauben. Er fordert eine Ausweitung öffentlich-rechtlicher Föderung für "Qualitätsmedien" und ruft Mäzene zur Rettung der Öffentlichkeit auf. "Es geht bei diesem 'Dritten Weg' nicht um eine großflächige Dauersubvention der Presse wie dies beispielsweise in Österreich der Fall ist, sondern um Finanzierungsalternativen für bestimmte journalistische Bereiche, die sich am Markt in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht mehr behaupten können."

Außerdem: Michael Angele plädiert für Peter Handke als einsamen Spaziergänger und rät, dessen politisches Engagement für Karadzic und weitere Mordbuben in freundliches Vergessen sinken zu lassen. Bert Rebhandl plädiert dafür, die Proteste der Fußballfans gegen das DFL-Papier "Sicheres Stadionerlebnis" ernst zu nehmen.

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Stichwörter: Peter Handke, Österreich

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Weitere Medien, 06.12.2012

Norbert Lammert, CDU-Abgeordneter und Bundestagspräsident, ist total empört über Googles Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht, meldet Spiegel online. "Ebenso dreist wie durchsichtig" findet er sie. "Was den CDU-Politiker Lammert empört: Auf der Google-Homepage können die Nutzer bei ihren Bundestagsabgeordneten direkt nachfassen. Dort zeigt das Unternehmen eine vielfarbige Übersichtskarte der Bundesrepublik und führt zu den Wahlkreisen der einzelnen Parlamentarier - samt E-Mail-Adresse, Postanschrift der Büros sowie Telefon- und Faxnummer." (Abgeordnete anrufen darf halt nur Springer-Lobbyist Christoph Keese!)

SZ- und Zeit-Magazin beschäftigen sich diese Woche unter dem Stichwort "Konkurrenz" mit dem jeweils anderen Heft. Schon die Cover könnten gar nicht besser illustrieren, dass Journalisten nur für andere Journalisten schreiben. Inhaltlich spielt sich die "Konkurrenz" laut W&V dann so ab: "Im Zeit Magazin erscheint etwa eine Insiderreportage über die 'Hell's Angels' in Berlin, im SZ-Magazin ein Porträt der Polizisten, die ihnen die Tour vermasseln. Axel Hacke und Harald Martenstein porträtieren sich in ihren Kolumnen - ['Er ist brillant'] - gegenseitig."

Sieh an, auch Apple-Jünger lernen dazu. Hajo Schumacher erklärt in einem kleinen Ausbruch auf Spiegel online, warum ihm kein Apple-Gerät mehr ins Haus und kein Apple-Dienst mehr auf den Rechner kommt: "Klar, ich bin zu dämlich. Ich kapier's nicht, ich date nicht up, ich synchronisiere zu selten, ich verbringe nicht jeden Abend mit der Lektüre der von Samir empfohlenen Erste-Hilfe-Links. Ich habe eben an das Alles-einfach-Versprechen geglaubt. Früher war Apple wie das Wirtschaftswunderland Deutschland. Alles ging nach vorn, nach oben, kleinere Krisen wurden von großen Verbesserungen locker ausgeglichen. Alles schien verständlich und intuitiv. Und jetzt? ... Ich kapiere bis heute nicht, unter welchen Bedingungen ich welche Stücke auf welchen Geräten abspielen oder gar teilen darf."

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Jungle World, 06.12.2012

Andreas Gebhard und Andre Meister machen auf die Tagung der Internationalen Fernmeldeunion in Dubai aufmerksam, in der Internetregulierungen auf UNO-Ebene diskutiert werden, und empfehlen die Seite WCITLeaks, wo die Vorschläge der üblichen Menschenrechtskandidaten veröffentlicht werden. ein Zitat von dieser Seite: "Mehrere Vorschläge würden der Uno erstmals die Macht geben, unter dem Deckmantel des Schutzes vor Malware oder Spam Online-Inhalte zu regulieren. Russland und einige arabische Staaten fordern Möglichkeiten, um private Kommunikation wie E-Mails zu inspizieren. Russland und der Iran schlagen neue Regeln vor, den Internet-Verkehr an nationalen Grenzen zu messen und diesen so bezahlen zu lassen, wie etwa bei internationalen Telefonaten..."

Stichwörter: Iran, Kommunikation, Russland

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NZZ, 06.12.2012

Zum siebzigsten Geburtstag von Peter Handke beleuchtet der Zürcher Germanist Karl Wagner die verschiedenen Schaffensperioden des Schriftstellers und würdigt dessen Hang zum Kontroversen: "Er hat sich ausgesetzt und bis zur Verranntheit den dichterischen Augenschein gegen jede andere mediale Weltbeobachtung verteidigt - auch um den Preis, damit ins öffentliche Handgemenge zu geraten und so selber das ihm Verhassteste zu produzieren: Meinung."

Besprochen werden außerdem die Inszenierung von Giuseppe Verdis Oper "Simon Boccanegra", die in Rom das Verdi-Jahr einläutet, eine Stuttgarter Ausstellung über Südostasiens grüne Architektur sowie Filme, darunter die Neuverfilmungen von "Anna Karenina" und "Great Expectations" ("der eine Film [ist] so überambitioniert wie der andere uninspiriert", urteilt Susanne Ostwald), und Bücher, darunter "Glückliche Liebe und andere Gedichte" der polnischen Lyrikerin Wislawa Szymborska (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Aus den Blogs, 06.12.2012

In Faust-Kultur liest Bernd Leukert Oleg Jurjews neuen Gedichtband: "Tatsächlich müssen wir uns darauf einstellen, dass es dunkel wird, wenn wir Olegs Jurjews Gedichtband 'In zwei Spiegeln' aufschlagen. Denn in diesem Buch ist es Nacht, überwiegend. Die Nacht verändert unsere Wahrnehmung. Das Ohr wird nicht mehr in dem Maß vom Auge korrigiert, wie das bei Tageslicht geschieht. Es verschärft seine Aufmerksamkeit und interpretiert wild ins Gefahrenbewusstsein hinein. Jenseits des Alltäglichen kreuzt die Welt auch die visuelle Orientierung. Und da zeigen sich Geheimnisse. Diese Frauen nachts, mit Brillen, / medusenäugig, / schreiten in Wölkchen aus Licht, / als deren dunkle Kerne - (Frauen nachts, mit Brillen), ... immer wieder verwandelt Oleg Jurjew das nur zu Bekannte in stille, beunruhigende Notturni".

Ebenfalls für Faust-Kultur hat Isabel Stümpel einige Gedichte der iranischen Lyrikerin und Filmemacherin ("My Teheran for Sale") Granaz Moussavi ins Deutsche übersetzt und auf Persisch und Deutsch aufgenommen.

Stephan Herczeg schickt fürs Merkur-Blog Notizen aus Paris: "Typisches Phänomen, in der ganzen Stadt anzutreffen: Glückliche, sehr verliebt wirkende Touristenpaare, die den ganzen Tag in aller Ruhe zusammen Sachen machen, möglichst händchenhaltend, während man als Alleinstehender eher das Gefühl hat, sein Besichtigungsprogramm etwas herzlos und bürokratisch abzuhetzen."

Stichwörter: Faust, Oleg Jurjew

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SZ, 06.12.2012

Jetzt, mit siebzig, fühlt er sich da nicht angekommen, fragt Christine Dössel Peter Handke. Der findet, die Journalisten sollten erst mal Abbitte leisten für die Kritik an seinem Engagement für Serbien: "Wenn Sie die ersten Sätze der 'Winterlichen Reise' lesen, werden Sie sofort merken: Das ist Sprache, da ist Erzählung -und zwar dem entgegengesetzt, was damals gemeinste, tiefsinnigste, nein: triefsinnigste, scheußlichste Anti-Sprache war. Deswegen hat das so schockierend gewirkt. [...] Mein amerikanischer Verleger, der 'A Journey to the Rivers' bei Viking Press publiziert hat, sagte mir damals: 'Nachdem ich Ihre 'Winterliche Reise' gelesen habe, kommt mir alles andere wie Pornografie vor.' Und das stimmt auch."

Darunter bespricht Lothar Müller Handkes Briefwechsel mit Siegfried Unseld (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr)..

Weitere Artikel: Auch in Kathryn Bigelows mit Spannung erwartetem Film "Zero Dark Thirty" über die Suche nach Osama Bin Laden sind "die Leerstellen des Wissens über die epische Geheimoperation (...) auch jetzt nicht gefüllt und [sie werden] sich wohl nie füllen", schreibt Philipp Stadelmaier nach der ersten Pressevorführung des Films. Der Ägyptologe Jan Assmann denkt über die Schönheit der Büste der Nofrete nach, die vor 100 Jahren gefunden wurde. Catrin Lorch hat unterdessen zwei Nofrete-Ausstellungen in Berlin und London besucht. Wolfgang Janisch informiert über einen Prozess zur Klärung, wem das Grundstück gehört, auf dem das Maxim Gorki Theater in Berlin steht. Jan Kedves spricht mit dem Berliner DJ Paul Kalkbrenner. Online finden wir Andrian Kreyes Nachruf auf Dave Brubeck. Hier ein Auftritt von 1966:



Besprochen werden Konradin Kunzes "foreign angst" am Staatstheater Wiesbaden, eine Ausstellung über die Geschichte des Puppentheaters in der villa p. in Magdeburg, die Ausstellung "John Cage: Ryoanji" in der Pinakothek der Moderne in München und Andrea Breths "Traviata"-Inszenierung am Brüsseler Opernhaus.

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Zeit, 06.12.2012

Im Wirtschaftsteil breitet der Springer-Vorstandsvorsitzende und Antikapitalist Mathias Döpfner in einem ausführlichen Interview seine Visionen zur Zukunft des Journalismus aus und enthüllt die wahren Motive von Google: "Wir glauben dem Google-Slogan don't be evil und denken, die Jungs mit dem bunten Logo meinen es doch nur gut. In Wirklichkeit will Google nur erzkapitalistische Interessen durchsetzen und sein Geschäftsmodell optimieren. Das ist so, als würde eine Hehlerbande bei Amnesty International eine Menschenrechtspetition zur Verteidigung der freien Bürgerrechte beim Ladendiebstahl einreichen."

Josef Joffe nimmt die von der SZ angestoßene Debatte über die GEZ-Reform auf und blickt sehnsüchtig aufs Fernsehangebot der USA: "An die 300 Sender summieren sich zu einer Vielfalt, die hier nicht entstehen kann, weil sich das Neue nicht gegen einen öffentlichen Moloch durchsetzen kann, der sich nicht selber finanzieren muss."

Der Schwerpunkt im Feuilleton gilt diesmal Computerspielen. Maximilian Probst erörtert ihren gesellschaftlichen, Franziska Bulban und Kilian Trotier ihren ästhetischen Mehrwert. Sie folgern: "Wenn Spiele ein Kulturgut sein sollen, müssen wir sie fördern". Zum Vorhaben des Bundestags, Sex mit Tieren wieder unter Strafe zu stellen, merkt Ijoma Mangold an: "Alle Triebbeziehungen neigen zur Asymmetrie." Der französische Schriftsteller Michel Crépu wünscht sich von seinen Landsleuten in der Krise mehr Pragmatismus und Kompromissbereitschaft, aber er macht sich keine Illusionen: "Deutsch werden die Franzosen jetzt jedenfalls nicht". Hanno Rauterberg berichtet angetan von der Eröffnung einer Louvre-Dependance in Lens: "Hier fließt die Zeit nicht, hier strudelt sie." Ilma Rakusa informiert über die von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung initiierte Tagung "What really matters" in Budapest über Nationalismus in Europa. John F. Jungclaussen zieht eine Bilanz des Murdoch-Skandals in der britischen Presse. Jude Law bekennt im Interview mit Moritz von Uslar: "In meinen mextrosexuellen Zeiten war ich vielleicht zu zehn Prozent Frau".

Besprochen werden eine Stuttgarter Inszenierung von Edison Denisovs Oper "Der Schaum in Tage" ("Komik und Trost, Trauer und Wahnwitz werden eins", schwärmt Volker Hagedorn), Fatih Akins Dokumentarfilm "Müll im Garten Eden", das Konsolenspiel "Dishonored" und Bücher, darunter Peter Handkes "Versuch über den stillen Ort" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr). Außerdem gibt die Redaktion literarische Geschenktipps (am häufigsten empfohlen wird "Johann Holtrop" von Rainald Goetz).

Außerdem: In Glauben & Zweifeln verkündet Evelyn Finger die "Niederlage für die Netz-Fundis" von kreuz.net. Eine Spezialausgabe von Wissen widmet sich dem Thema Entschleunigung.

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FAZ, 06.12.2012

Der Vorlage bemerkenswert verbunden ist Andrea Breths "La Traviata"-Inszenierung an der Brüsseler Staatsoper, staunt Eleonore Büning, die auf der Bühne zwar keine neuen Gesangstalente entdecken konnte, sich aber dennoch sehr bewegt zeigt: So wollte sie "am liebsten dazwischengehen und den metallisch brüllenden Alfredo von Sébastien Guèze beruhigen und trösten, den scheinheilig wohltönenden Germont von Scott Hendricks rauswerfen und die gute, kluge, liebe Violetta schützend in die Arme schließen".

Weitere Artikel: Suhrkamp könnte wegen eines internen Streits bald gerichtlich aufgelöst werden, berichtet Sandra Kegel aus dem Gerichtssaal (in dem "Suhrkamp-Autor und Prozess-Dauergast Rainald Goetz fleißig mitschreibt"). Skandal an der Mailänder Scala: Cecilia Bartoli wurde von Berlusconi-Anhängern ausdauernd ausgebuht, meldet Dirk Schümer. Außerdem freut sich Schümer über die Rückgabe von Leonardo da Vincis Tafelbild "Tavola Doria" an Italien. Christoph König schreibt den Nachruf auf den Philologen Jean Bollack. Wiebke Hüster unterhält sich mit Sidi Larbi Cherkaoui, dem Choreografen des Films "Anna Karenina", den Verena Lueken bespricht. Schnäppchen gefällig? Für rund eine Million Dollar dürfte wohl das Piano aus "Casablanca" nächste Woche versteigert werden, meldet Rose-Maria Gropp.

Besprochen werden Grieg-Interpretationen von Martin Tingvall und Henning Kraggerud und Bücher, darunter Peter Handkes und Siegrief Unselds "Briefwechsel" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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