Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Ich war verstört

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. 

Die Welt, 13.03.2010

Der bislang wichtigste Text zum Thema pädophile Priester. Der österreichische Schriftsteller Joseph Haslinger erzählt von seiner Zeit im Internat, als Erziehung bedeutete, dass er und seine Mitschüler erniedrigt und mit dem Stock geschlagen wurden. "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit. Das Kloster war ein Exzess in dieser und jener Richtung." Heute ist es das wichtigste, dass Kinder geschützt werden - das macht Haslinger unmissverständlich klar, aber eine "Hexenjagd" auf Pädophile, deren Taten längst verjährt sind, lehnt er ab. "Ich hatte zu Gleichaltrigen und Älteren dieselben Kontakte wie andere auch. Ich war kein sozial gestörtes Kind, das hilflos dem Triebleben sakraler Päderasten ausgeliefert war. Ich war verstört, weil ich zu dieser Zeit ja auch noch ein sehr religiöser Mensch war und selbst Priester werden wollte. Die moralische Verstörung war weitaus übler als die erotische Konfusion. Es liegt mir daran, in einem Moment, in dem alle Welt sich plötzlich über solche Vorgänge entrüstet, als hätten sie keine Tradition, nicht nur über die Verstörung, sondern über alle Gefühle Auskunft zu geben. Gefühle, die man gehabt hat, sollte man im Nachhinein nicht einfach zugunsten einer moralischen Entrüstung abschütteln, als hätte es sie nicht gegeben. Es war nicht nur eine Last, ein solches Geheimnis zu haben, es war auch etwas Besonderes."


Außerdem: Elmar Krekeler schickt aus dem Jahr 2040 einen Nachruf auf die Buchwelt. Tilman Krause trifft den Hamburger Lyriker Mirko Bonne. Abgedruckt ist ein Auszug aus Necla Keleks neuem Buch "Himmelsreise".

Besprochen werden unter anderem Philip Roth' Roman "Demütigung", Meir Shalevs Buch über das Alte Testament "Aller Anfang", Tony Judts Buch über "Das vergessene 20. Jahrhundert", Volker Reinhardts Michelangelo-Biografie "Der Göttliche" und Eric Karpeles' Band über "Marcel Proust und die Gemälde aus der 'Verlorenen Zeit'".

Im Feuilleton berichtet Sebastian Seidler über das Ende des Berliner Plattenlabels Louisville - für ihn der Anfang vom Ende der kleinen Indie-Labels. Uta Baier gratuliert dem Künstler Günther Uecker zum Achtzigsten. Dankwart Guratzsch ist fasziniert von der neuen Synagoge in Herford. Eine Meldung informiert uns, dass die Zuschauerzahlen an den Berliner Bühnen im vergangenen Jahr eher zu- als abgenommen haben. Besprochen wird Barbara Freys Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" mit Nina Hoss in Zürich.

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Weitere Medien, 13.03.2010

Im Guardian nimmt Timothy Garton Ash Stellung zur Polen erschütternden Kapuscinski-Affäre. Er hat Artur Domoslawskis Biografie gelesen und den Reporter darin durchaus auch in seiner Großartigkeit wiedergefunden. Und er stellt in Sachen Reporter-Ethos klar: "Ja, in unserer Auswahl der Fakten, der Bilder und Zitate, in der Charakterisierung realer Personen, über die wir schreiben, arbeiten Reporter in vielerlei Hinsicht wie Schriftsteller. Aber angesichts unserer Verantwortung gegenüber der Geschichte wie auch des Non-fiction-Versprechens, das wir unseren Lesern geben, müssen wir bei den Fakten bleiben, wie wir sie vorfinden. Wir dürfen nicht einmal leicht die Reihenfolge der Ereignisse ändern oder etwas 'anspitzen', was sich in Anführungszeichen befindet. Wir machen alle Fehler. Niemand sieht das ganze Bild oder kann wahrhaft objektiv sein. Jeder hat einen Blickwinkel. Aber wenn ich sage, ich habe etwas gesehen, dann hab ich es gesehen. Es war nicht in einer anderen Straße, zu einer anderen Zeit und wurde mir nicht von jemandem an der Hotelbar erzählt."


Die britische Financial Times meldet: "Google legt detaillierte Pläne vor, um seine chinesische Suchmaschine zu schließen und ist heute zu 99,9 Prozent sicher, dass es diese Pläne auch ausführen will, da Gespräche mit der chinesischen Regierung über Zensur in einer Sackgasse geendet  seien."

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Frankfurter Rundschau, 13.03.2010

Arno Widmann lauschte Herta Müller und Ai Weiwei auf der lit.cologne. Besonders Ai Weiwei hat es ihm angetan, schon wegen seiner schieren körperlichen Präsenz: "Ai Weiwei lacht ins Publikum. Dass er mehr als Tausend Chinesen, die niemals eine Chance dazu gehabt hätten, einen kurzen Blick ins ferne westliche Deutschland ermöglicht hat, dass er den Mächtigen ein Schnippchen schlug, amüsiert ihn nicht nur, das macht ihn glücklich. Jetzt ist er einer jener bebauchten, bärtigen Buddhas, die so gar nichts gemein haben mit dem durchgeistigten asketischen Ideal, das uns hier vom Erleuchteten vor Augen steht. Ein heiterer Silen aus Fernost - also jener trunkene Waldschrat, den König Midas in Fesseln schlug, den er folterte, um zu erfahren, wie der Mensch glücklich sein könne. Der Silen gab ihm die fatale Antwort, das Beste für den Menschen sei, nicht geboren zu werden. Dann lachte er und trieb weiter seine Scherze."


Weitere Artikel: Sehr kritisch beschreibt Nikolaus Bernau die vom Büro David Chipperfield für die Berliner Museumsinsel geplante James-Simon-Galerie: Sie werde erstens ihren praktischen Aufgaben nicht gerecht und verdecke zweitens "die kostbare Westfassade des Neuen Museums". Michael Rüsenberg resümiert das Festival Sonic Acts XIII in Amsterdam. Jürgen Otten gratuliert dem Komponisten Dieter Schnebel zum Achtzigsten. Marcia Pally erklärt uns, warum Frauen sich dünn und Männer sich fett saufen.

Besprochen werden einige Bücher, darunter Barbara Yelins Comic "Gift" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2010

Daniel Ender unterhält sich in Literatur und Kunst mit dem Komponisten Beat Furrer, dessen neues Werk "Wüstenbuch" nächste Woche in Basel uraufgeführt wird. Es ist eine Auseinandersetzung mit der altägyptischen Kultur, in die auch der Papyrus Berlin 3024 Eingang gefunden hat: "In den Texten ist immer ein Grundtenor spürbar: Die Gesellschaft verfällt, es gibt keine Freude mehr. Das sind Zerfallsphantasien, die es wahrscheinlich schon immer gegeben hat, die aber bei einer Kultur, die am Beginn der Menschheit steht, doch ziemlich eigenartig sind. Und dann antwortet der Ba dem Mann und sagt ihm etwas Epikureisches: Genieße den Tag, lerne zu leben. Das ist doch etwas Ungeheuerliches inmitten dieser Welt, die immer nur auf den Tod hinlebt und vom Tod phantasiert!"


Sehr bewandert, aber ohne erkennbaren Anlass schreibt Martin Meyer über Churchill und seinen titanischen Kampf gegen Hitler. Martin Seel liest die nun edierten Transkriptionen von Adornos Ästhetik-Vorlesungen. Uwe Justus Wenzel stellt Kurt Flaschs "Meister Eckhart" vor.

Im Feuilleton widmet sich Andrea Köhler ausführlich der amerikanischen Tea-Party-Kampagne, die in einer unangenehmen Mischung aus Mischung aus Ressentiment und Demagogie gegen Steuern und das Establishment agitiert: "Obama, der außer mit allerlei Zoogetier auch mit Hitler verglichen wird, steht im Verdacht, die Krise strategisch herbeigeführt zu haben, um eine sozialistische Diktatur auszurufen."

Außerdem: "Als wundersam schwerelos dahingleitenden und trotzdem klar gezeichneten Traum" hat Barbara Villiger Heilig Barbara Freys Inszenierung von Shakepeares "Was ihr wollt" in Zürich erlebt. Ursula Schnyder porträtiert die Regisseurin Kathryn Bigelow. Albrecht Buschmann schreibt zum Tod des Schriftstellers Miguel Delibes.

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Die Tageszeitung, 13.03.2010

Die glücklichsten Gesellschaften sind die, in denen die Einkommensunterschiede am geringsten sind, glaubt die britische Sozialepidemiologin Kate Pickett. In einem ausführlichen Interview erklärt sie, warum auch Reiche unter Einkommensungleichheit leiden: "Die soziale Distanz zwischen den Menschen ist größer, die Mühe, die man hat, um sozial aufzusteigen oder oben zu bleiben, ist größer. Der Stress, den das verursacht, ist viel stärker. Wenn ich jemand aus einer ungleicheren Gesellschaft mit einer guten Bildung und gutem Einkommen in eine gleichere Gesellschaft einbinden würde, würde dieser Mensch vermutlich länger leben, und seine Kinder wären besser in der Schule."


Auf der Meinungsseite erklärt Ahmet Altan, Chefredakteur der türkischen Zeitung Taraf, warum er sich nicht gedemütigt fühlt, wenn der amerikanische Kongress den Völkermord an den Armeniern verurteilt: "Sich selbst zu erniedrigen heißt, zu Hause nägelkauend auf das Urteil eines fremden Parlaments zu warten. Die Türkei wird nicht deshalb beleidigt, weil dieser Ausschuss mit der Mehrheit einer einzigen Stimme diese Entscheidung getroffen hat. Sie ist gedemütigt, weil sie ihre Vergangenheit nicht selbst auszuleuchten vermag. Weil sie dies anderen überlässt. Weil sie eine höllische Angst vor ihrer eigenen Geschichte zu haben scheint. Weil sie offenbar alles tut, um die Wahrheit zu übertünchen."

Außerdem: taz-Literaturredakteur Dirk Knipphals versucht anlässlich der anstehenden Leipziger Buchmesse, den Literaturbetrieb zu erklären und führt dazu ein Interview mit seinem besten Gewährsmann - sich selbst. Rainer Wandler porträtiert den spanischen Richter Baltasar Garzon, der durch seine Ermittlungen zu Verbrechen der Franco-Ära ins Visier von Revisionisten geraten ist. Tim Caspar Boehme stellt das hippe Pariser Musik- und Modelabel Kitsune vor.

Besprochen werden die Memoiren von Patti Smith, Margaret Atwoods Roman "Das Jahr der Flut", Jeremy Rifkins Ausführungen zur Klimakrise und Georg Kleins "Roman unserer Kindheit" (hier eine Leseprobe).

Es ist Samstag: Tom in Farbe.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2010

Wir werden Abschied nehmen müssen von der linearen historischen Erzählung, wie sie uns das Papier präsentiert hat, meint der amerikanische Science-Fiction-Autor und Wired-Blogger Bruce Sterling, und unser Wissen ganz neu organisieren. In Zukunft werde sich jedes "intellektuelle Langzeitgeschäft" in der Netzwerkkultur bewähren müssen: "Was uns bevorsteht, ist eher ein Jahrzehnt der Notrettungen, der Elastizität, des Bemühens um Nachhaltigkeit als ein Geradeausmarsch in Richtung neuer zivilisatorischer Gipfelpunkte. Jetzt beginnt ein Zeitalter des Verfalls und der Neuausrichtung zerbrochener Strukturen, eine Dekade neuer sozialer Erfindungen in Netzwerken, eine Welt des Gothic Hightech und des Favela Chic, wie ich es genannt habe, ein betrügerischer vernetzter Basar der Geschichte und Zukünftigkeit - statt einer Kathedrale der Geschichte und einer Utopie der Zukünftigkeit." (Hier der Artikel im Original)


Weitere Artikel: Gerhard Stadelmaier darf in der Randglosse erklären,warum er Barbara Freys "Was ihr wollt" in Zürich verpasst hat: Sein Flieger ging nicht. Jürgen Dollase preist den Bayerischen Hof als vorbildliches Spitzenhotel. Recht missmutig resümiert Oliver Jungen die wohl etwas maue Diskussion zwischen Herta Müller und Ai Weiwei in Köln. Jürg Altwegg liest französische Zeitschriften. Hubert Spiegel stellt die Köchin Daniela Borgnolo vor, die nach Darmstadt nun auch China mit italienischen Restaurants beglücken soll. Walter Haubrich schreibt zum Tod des spanischen Schriftstellers Miguel Delibes.

Auf der Medienseite berichtet Nina Rehfeld, dass amerikanische Zeitungen die berüchtigten Polizeifotos - Mugshots - jetzt auch online stellen.

Besprochen werden Juliane Kanns Stück "Wir werden sehen" in Stuttgart, Mariss Jansons Aufführung von Verdis "Requiem", eine Gesamtedition von Franz Liszts Liedern und Bücher, darunter der Venedig-Atlas "Migropolis", Daniel Kehlmanns Erzählungen "Unter der Sonne" als Hörbuch sowie Philip Roth' Roman "Die Demütigung" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

In Bilder und Zeiten spürt die Autorin Alena Wagnerova dem tschechischen Kaufmann Karel Baumann nach, einem angeheirateten Verwandten Kafkas, von dem sie aber vor allem Reiseanträgen und Strafmandate entdeckt hat. Abgedruckt werden die Passagen aus Martin Walsers Tagebüchern, in denen er auf Marcel Reich-Ranickis heftigen Verriss seines Romans "Jenseits der Liebe" reagiert: "Jenseits der Literatur, das klang sofort wie eine Ausweisung. Es ist für einen Schriftsteller schlimmer, aus der Literatur hinausgewiesen zu werden als aus seinem Land ins Exil, in ein anderes Land vertrieben zu werden." Der Roman selbst wird von Felicitas von Lovenberg besprochen. Jürg Altwegg unterhält sich schließlich mit den beiden französischen Filmemachern Isabelle Clarke und Daniel Costelle über ihre colorierte Weltkriegsdoku "Der Krieg".

In der Frankfurter Anthologie stellt Michael Braun Goethes "Erinnerung" vor:

"Er:
Gedenkst Du noch der Stunden
Wo eins zum andern drang..."

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Süddeutsche Zeitung, 13.03.2010

Der Schriftsteller Jonathan Safran Foer hat mit "Eating Animals" ein Plädoyer für den Vegetarismus geschrieben, das in den USA ein Bestseller wurde. Warum? Vielleicht, weil die Zeit einfach reif dafür ist, meint Burkhard Müller. "Die Stärke von Foers Ansatz liegt also in seinem synthetischen Gradualismus. Schon sieht er die Ernährung ohne tote Tiere (und ohne fortgesetzte Qual für die lebendigen) in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Bedenken Sie, sagt er, dass 18 Prozent aller amerikanischen College-Studenten bereits jetzt Vegetarier sind! Aus ihnen aber würden sich ohne Zweifel die politischen, ökonomischen und intellektuellen Eliten der Zukunft rekrutieren. Und man solle sich erinnern, wie sich in kurzer Zeit die Haltung zum Rauchen verändert habe. Er bietet einen Ausweg aus der individuellen Überforderung, die jeder bislang zu spüren bekam, der es mit der Sache des Vegetarismus ernst meinte."


Weitere Artikel: Susan Vahabzadeh untersucht aus Anlass des Regie-Oscars für Katherine Bigelow, die Rolle, die Frauen im amerikanischen Kino spielen - ihr Befund: eine sekundäre. Peter Münch schildert, wie Mitarbeiter des Goethe-Instituts eigenhändig Bücher für ihre Bibliothek in Gaza-Stadt in den Gaza-Streifen schmuggelten - Israel erlaubt seit dem Krieg vor Jahresfrist nur noch die Einfuhr humanitärer Güter, zu denen Bücher ausdrücklich nicht gehören. Christine Dössel stellt die sieben Stücke vor, die um den Mühlheimer Dramatikerpreis konkurrieren. Die Kunstsammlerin Gabriele Henkel gratuliert dem Künstler Günther Uecker zum 80. Geburtstag und Wolfgang Schreiber den Theologen und Komponisten Dieter Schnebel ebenfalls zum Achtzigsten. Javiere Caceres schreibt einen Nachruf auf den spanischen Schriftsteller Miguel Delibes. Gemeldet wird die Verleihung des Hildegard-von-Bingen-Preises für Publizistik an den Autor und Literaturkritiker Fritz J. Raddatz. Catrin Lorch weist auf die diesjährige European Fine Art Fair in Maastricht hin.

Besprochen werden die Ausstellung "L?Eta della Conquista" über die Faszination Roms an der Kunst der Griechen in den Kapitolinischen Museen Rom, Martina Abramovics Performance-Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art, der Roman "Und die Nilpferde kochten in ihren Becken" über einen realen Mordfall, den William S. Burroughs und Jack Kerouac gemeinschaftlich verfassten (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende schreibt Petra Steinberger über das große Missverständnis in der Sehnsucht nach Natur. Harald Hordoych stellt die als Kind missbrauchte Autorin Mona Michelsen und ihr Buch "Flüsterkind" vor, ein "Horrorbuch über eine verlorene Kindheit". Zu lesen ist außerdem ein Interview mit der Sängerin Sade, die ein neuen Album vorlegt.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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