Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen.

Die Tageszeitung, 10.03.2010

Beate Seel berichtet über die erneuten Repressalien gegen die iranische Lyrikerin und Menschenrechtlerin Simin Behbahan, die von der Teheraner Führung daran gehindert wurde, zu einem Vortrag über Feminismus nach Paris zu reisen. Die 82-Jährige wurde am Flughafen mehrere Stunden lang verhört und aufgefordert, vor Gericht zu erscheinen. Damit reagiert das Regime auf Behbahans Engagement für die Opposition nach der Präsidentschaftswahl im August. "Du magst dir wünschen, mich zu verbrennen oder entscheiden, mich zu steinigen" schreibt die "Löwin des Iran" in einem ihrer Gedichte. "Aber in deiner Hand wird das Streichholz oder der Stein die Macht verlieren, mir etwas anzuhaben."


Auf der Meinungsseite kommentiert Matthias Urbach die Geldforderungen von Gemeinden gegen Google: "Es wirkt wie ein mieser Trick, wenn hilflose Kommunen nun versuchen, Google wenigstens eine Art Sondernutzungsgebühr für Street View abzuverlangen. Angesichts der voraussichtlichen Nutzung der Daten wäre das aber nur konsequent."

Auf tazzwei findet Arno Frank das neue Album der Comicfiguren-Band Gorillaz "bemerkenswert, weil es die erste ernsthafte Auseinandersetzung mit einer ökologischen Katastrophe darstellt - ohne zu langweilen".

Besprochen werden Sebastian Baumgartens Premiere von E.T.A. Hoffmanns "Der Goldene Topf" am Staatsschauspiel Dresden, Jacques Audiards "beeindruckender Gefängnisfilm" "Ein Prophet" sowie der Roman "Haus der fünf Sinne" von Nadeem Aslam (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Aus den Blogs, 10.03.2010

Warum müssen wir eigentlich Jahr für Jahr 7,6 Milliarden Euro an die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen, und warum gilt der Bestand der Gebühren als automatisch garantiert?, fragt Guido Brinkel in einem interessanten Essay auf Carta: "Die Legitimation der meisten Angebote und der aus ihnen folgenden Kostenlast erfolgt heute faktisch nach dem Prinzip 'es gibt sie'. Das Finanzierungssystem der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland kennt keinen objektiven Legitimationsmechanismus, der auch den Bestand in langfristigen, aber regelmäßigen Abständen zur Debatte bestellt."


FAZ-Blogger Stefan Niggemeier schreibt auf seinem eigenen Blog einen Nachruf auf die einstige Netzeitungsrubik Altpapier, die jetzt auch auf ihrem Asyl Dnews.de eingestellt wird, und das, obwohl "diese schöne Medienkolumne .. jeden Perlentaucher alt aussehen lässt."

(Via hemartin) Diese traurige Grafik über die Zahl der Zeitungen pro Haushalt in den USA findet sich in einem Vortrag des Google "Chief Economist" Hal Varian, auf den er in seinem Blog verweist. Die Aussage der Statistik für Varian: "The news industry's financial problems started well before the web came along. "

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Im Interview mit Reinhard Jellen auf Telepolis sagt der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad ("Mein Abschied vom Himmel") zum Thema Islamkritik und Rechtspopulismus: "Erst wenn die etablierten politischen Partien sich ungehemmt kritisch zum Islam und zu jeder anderen Religion äußern können, werden die Rechtspopulisten keine politischen Argumente mehr finden, um Wählerstimmen zu mobilisieren. Der radikale Islam ist der beste Freund dieser Strömungen, denn er bietet ihnen täglich Vorlagen für ihre Kritik. Für mich ist die Islamkritik aber viel zu wichtig, um sie der Polemik zu überlassen. Sie ist viel zu wichtig, um sie in Emotionen zu verwandeln. Diese Kritik darf hart, aber muss ohne Ressentiment daherkommen."

Gestern wurden in Irland sieben Muslime festgenommen, die die Ermordung eines dänischen Karikaturisten geplant haben sollen. Gawker staunt vor allem über die Beteiligung einer gewissen JihadJane, die auf ihrer MySpace-Seite verkündete: "i'm so bored, i want to scream."

(Via BoingBoing) Auf der Website von Alexander McQueen wurden Bilder seiner letzten Kollektion online gestellt:

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Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2010

Der iranische Autor Shahriar Mandanipur sieht sein Land in einem unaufhörlichen Zirkel aus Revolte und Repression gefangen und den Grund hierfür in der Zensur: "Jedes neue Regime wollte zunächst einmal die Vergangenheit aus der Erinnerung der Menschen tilgen und ließ die an Schulen und Universitäten verwendeten Geschichtsbücher umschreiben. Werke, die eben noch Gültigkeit hatten, wurden mit Druckverbot belegt, und nicht selten wurden auch die Namen von Straßen und Plätzen geändert, die nach bedeutenden Persönlichkeiten oder wichtigen Ereignissen benannt waren."


Sieglinde Geisel sieht die Mittelschichtsidylle vom Prenzlauer Berg in ernster Gentrifizierungsgefahr: "Die großen Investoren bauen keine Wohnungen, sondern Townhouses, Penthouses und Gardenhouses, die in Baukomplexen mit heimelig-prätentiösen Namen stehen: 'Prenzlauer Gärten', 'Choriner Höfe' oder 'Palais Kolle Belle'."

Besprochen werden die Ausstellung der Barockmalerin Judith Leyster im Frans Hals Museum in Haarlem, Heike Görtemakers Eva-Braun-Biografie, die beiden italienischen Bestseller "Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano und "Einfach losfahren" von Fabio Volo (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Die Welt, 10.03.2010

Der 65-jährige Künstler Christian Boltanski erzählt im Interview, dass er den Teufel übers Ohr hauen will: "Ja, ich habe einen Mann kennengelernt, der in Spielcasinos ein Vermögen gemacht hat. Er behauptet, dass er nie verliert. Deswegen habe ich ihm eine Arbeit gegen eine monatliche Leibrente verkauft: Wenn ich in den nächsten acht Jahren sterbe, hat er gewonnen. Denn dann hat er die Arbeit unter Wert bekommen. Jemand, der den Zufall überlisten kann, muss der Teufel sein. Ich hoffe, ich kann den Teufel besiegen. Denn ich möchte gern noch 40 Jahre leben."


Castorfs Volksbühne war mal das ganz große Ding - alles vorbei, weiß Matthias Heine, der die Schauspieler in die Provinz wandern sieht. "Die Volksbühne spielt jetzt in Oberhausen, und in der Volksbühne wird Oberhausen gespielt. Während die Stars des Theaters am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz auf der Suche nach Arbeit bis in die Provinzstädte ziehen, herrscht in ihrer Stammbühne mittlerweile ein Niveau, das 'Oberhausen' zu nennen eine Gemeinheit gegenüber der Provinz wäre."

Weitere Artikel: Der russische Präsident hätte gern kyrillische Internetdomains, erzählt Peter Dittmar. Eckhard Fuhr ist froh, dass er in eine normale Schule ging, in der die natürliche Gegnerschaft von Lehrern und Schülern respektiert wurde. Hannes Stein schickt einen Brief aus New York. Wieland Freund verkündet den Fund eines Predigtfragments von Meister Eckhart - genau zum 750. Geburtstag.

Besprochen werden der neue Jerry-Cotton-Film (Links), Sibylle Bergs Revue "Nur nachts" im Wiener Burgtheater, Stefan Herheims Inszenierung von Wagners "Tannhäuser" in Oslo und die Ausstellung "Aufruhr 1225" im Westfälischen Landesmuseum Herne.

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Frankfurter Rundschau, 10.03.2010

Die Autorin Justine Levy, Tochter von BHL, hat gerade ein neues Buch veröffentlicht, und erzählt im Interview von ihrer Amphetaminsucht: "Aber ich hatte damals nicht das Gefühl gehabt, etwas Verbotenes zu tun. Das war schließlich keine Droge, die man unter dem Tisch verkauft hat. Ich hatte Rezepte." Auch ihr Vater habe eine Zeitlang Amphetamine genommen, "aber er hatte das vollständig unter Kontrolle".


In Times Mager träumt Christian Thomas, eine Nackte lächle ihm zu. Felk Helbig erläutert die Vor- und Nachteile der doppelten Buchführung für die Kommunen.

Besprochen werden eine Vermeer-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien, eine neue CD von Pat Metheny und einige lokale Ereignisse.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2010

Mit zweiundvierzig Jahren hat Miriam Meckel schon drei Karrieren hinter sich, außerdem ein Buch über ihren Burnout, und die Vorstellung ihres Buchs über den Burnout. Sandra Kegel hat sie besucht und staunt: "Man kann sich Miriam Meckel nicht vorstellen, wie sie in Jogginghosen und mit einer Decke unter dem Arm durch die Gänge einer Allgäuer Klinik wandelt. Doch genau das hat sie Anfang vorigen Jahres fünf Wochen lang getan, obwohl ihre Vorurteile gegenüber 'Psychokram' groß waren. ... In der Klinik entstanden auch erste Teile ihres Buches, ausgerechnet während eines 'Inaktivitätswochenendes', an dem die Patienten zum absoluten Nichtstun verdammt sind." (Sieht nach einer Minderbegabung zum Nichtstun aus.)


Stundenlang hätte Dirk Schümer nach eigenem Bekunden Markus Lüpertz zuhören können, der bei der Eröffnung einer Retrospektive seiner Werke in der Wiener Albertina vom Leder zog: Berlin etwa sei "eine hysterische kleine Nutte, die im Ödland verzweifelt versucht, auf Kunst zu machen".

Weitere Artikel: Sehr angetan ist Eric Pfeil nach einem Konzert in Köln von der britischen Post-Punk-Band Bicycle Club. Jürgen Kesting besorgt den Nachruf auf den englischen Tenor Philip Langridge.  Von neuen Querelen bei der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung berichtet Regina Mönch: Die tschechische Historikerin Kristina Kaiserova hat den wissenschaftlichen Beirat verlassen, Grund dafür sei ein "tendenziöser Bericht der 'Süddeutschen Zeitung'". Holger Noltze wurde Zeuge, wie bei der Bayerischen Akademie der Schönen Künste über den Lieblingsfilm des scheidenden Mitglieds Christian Thielemann diskutiert wurde, Heltmut Käutners Ehedrama "Romanze in Moll" aus dem Jahr 1943 (in dem Akademiepräsident Borchmeyer aber "beim besten Willen nichts Nazimäßiges erkennen" konnte). Von der Debatte über Artur Domoslawskis "apologetische" Kapuscinski-Biografie berichtet Karol Sauerland.

Für die Geisteswissenschaftenseite hat Patrick Bahners einen Vortrag des Schweizer Historikers Jörg Fisch über Hitler und das Selbstbestimmungsrecht der Völker verfolgt. Und der Tübinger Philosoph Manfred Frank nutzt einige historische Ausführungen über die Entstehung der Philosophie, um Sloterdijk zu verdreschen: "Dass Sloterdijk und seine Bücher Erfolg bei deutschen Lesern haben finden können, ist Symptom des Fortbestands der Krise, auf die die Philosophie der Griechen sich einmal als Lösung verstand. Es ist die Krise der Philosophie selbst. Man muss sich Sisyphos als Philosophen vorstellen."

Besprochen werden eine Ausstellung über Vincent van Gogh als Briefeschreiber in der Londoner Royal Academy, Jacques Audiards Film "Ein Prophet" (dessen Hauptdarsteller Tahar Rahim Michael Althen einen Oscar gegönnt hätte). Rezensionen beschäftigen sich mit Steffen Martus' Biografie der Brüder Grimm, Giorgio Agambens unter dem Titel "Signatura rerum" erschienene Ausführungen über Michel Foucaults Methode und Bernd Roecks "Ketzer, Künstler und Dämonen" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 10.03.2010

Kia Vahland stellt den Leipziger Maler Michael Triegel (Bilder) vor, der das offizielle Porträt Benedikts XVI. malen darf. Fritz Göttler mokiert sich über eine Kritik Bernard-Henri Levys an den jüngsten Filmen von Tarantino und Scorsese (unser Resümee). Alexander Kissler verfolgte eine Diskussion zwischen Micha Brumlik und Richard Schröder über den Dekalog bei der "Woche der Brüderlichkeit" in München. Michael Frank erinnert an den Wiener Bürgermeister Karl Lueger, der die Stadt nicht nur als Politiker, sondern besonders durch seinen von Hitler bewunderten Antisemitismus prägte und der vor hundert Jahren gestorben ist. Jörg Häntzschel resümiert amerikanische Kritik an dem Oscar-prämierten Film "Precious", der wenig tue um zu zeigen, dass er auf dem Höhepunkt der längst verebbten Crack-Welle in den Achtzigern spiele und der nicht zeige, "wie viel sich in den letzten 20 Jahren an den katastrophalen Zuständen in Amerikas schwarzen Vierteln gebessert hat. Laut Statistik konsumieren Schwarze zwischen 18 und 25 Jahren tatsächlich weniger Drogen als der Durchschnitt ihrer Altersgenossen." Andrian Kreye gratuliert dem Actionstar Chuck Norris ausführlich zum Siebzigsten.


Besprochen werden Jacques Audiards Gefängnisfilm "Ein Prophet" (mehr hier), die Ausstellung über das ramponierte Kölner Stadtarchiv im Berliner Gropiusbau, das neue Album der Folk-Sängerin Joanna Newsom, die Ausstellung "Painting History - Delaroche & Lady Jane Grey" in London und Bücher darunter Timothy W. Rybacks Untersuchung "Hitlers Bücher - Seine Bibliothek - sein Denken" (Leseprobe auf englisch), besprochen von Hans Mommsen persönlich.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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