Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert.

Aus den Blogs, 09.03.2010

So etwas wie eine Tendenz zum Revisionismus, zur Leugnung des Geschehenen, macht Bernard-Henri Levy in seiner Website La regle du jeu in den jüngsten Filmen Tarantinos und Scorseses aus. In "Inglorious Basterds" entscheidet Tarantino einfach, dass Hitler in Paris stirbt. Und auch in "Shutter Island" rekonstruiert Scorsese Ereignisse der Nazizeit nach eigenem Gusto: "Die Nazizeit scheint immer mehr zu einem neuen Spielplatz für die Bad Boys von Hollywood zu werden, dessen Mogule wie der Gott in der Philosophie George Berkeleys ihre Schöpfung minütlich überdenken und sich die Entscheidung darüber anmaßen, was geschehen ist und was nicht. Besser: es ist wie in einem Selbstbedienungsladen, wo all jene, die glauben, die Fabel regiere die Welt und die Realität sei nur ein Modus der Fiktion, sich die passenden Versatzstücke aussuchen. Die Kunst kommt dabei auf ihre Kosten. Nicht die Erinnerung."


Der saudische Anwalt Ahmed Zaki Yamani, angeblicher Vertreter aller Nachfahren des Propheten, brachte die dänische Zeitung Politiken mit unverhüllten Drohungen dazu, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen - eine "abscheuliche Entscheidung" dieses Blattes, findet Christopher Hitchens, der in Slate eine Menge Links zu der Affäre setzt. Unter anderem zitiert er Äußerungen des Anwalts auf einer Pressekonferenz, die der nach der Politiken-Entscheidung in Beirut gab: "In our view, all religious icons of all religions, such as the Virgin Mary, Jesus Christ, Moses, and (not to be compared to prophets and messengers) others who are non-religious icons but have contributed to humanity like Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Martin Luther King, the Dalai Lama, and others such as Ibn Sina, Ibn al-Haitham and Albert Einstein all deserve respect and protection from ridicule and defamation." Hitchens' Kommentar dazu: "Cretinism on this historic level is comparatively rare."

(Via BoingBoing) Ethan Zuckerman greift im Blog Worldchanging eine Rede Hillary Clintons über Publikationsfreiheit im Internet auf. Die amerikanische Außenministerin hatte dort angekündigt, Techniken zu unterstützen, die Internetzensur repressiver Regimes umgehen können. Eine von Zuckermans Ideen hierzu: "We need to shift our thinking from helping users in closed societies access blocked content to helping publishers reach all audiences. In doing so, we may gain those publishers as a valuable new set of allies as well as opening a new class of technical solutions."

In der Achse des Guten wundert sich Henryk Broder, welche Gegensätze der amerikanische Historiker und Israelkritiker Norman Finkelstein überwinden kann: "Er bringt Menschen zusammen, die sonst nicht einmal dasselbe Klo benutzen würden. Hermann Dierkes, Wolfgang Gehrke und die junge Welt auf der einen, die National Zeitung auf der anderen Seite. Der 'Sohn von jüdischen Eltern und Holocaust-Überlebenden', der 'renommierte amerikanische Politikwissenschaftler' hats auch der braunen Pest angetan."

Lawrence Lessig ist wahrscheinlich der größte lebende Virtuose der Powerpointpräsentation. In folgendem Vortrag geht es um eine traurige Paradoxie: Es sind die Demokraten, nicht die Republikaner, die mit Zähnen und Klauen ein betoniertes Copyright verteidigen - inklusive der Regierung Obama:



Mediagazer ist ein neuer Aggregator für Mediennews, erfunden von den Machern des technischen Mediendienstes Techmeme. Aus der Eigenwerbung: "Mediagazer presents the day's must read media news on a single page.  -  The media business is in tumult: from the production side to the distribution side, new technologies are upending the industry.  What do news organizations need to do to survive?  Will books become extinct?"

(Via BoingBoing) Rauchen hatte auch seine schönen Seiten. Dieses Video zeigt, was passiert, wenn zwei Rauchringe kollidieren.


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Weitere Medien, 09.03.2010

Die BBC hat eine internationale Umfrage durchgeführt. Fast 80 Prozent der Befragten sehen Internetzugang heute als ein fundamentales Menschenrecht: "The survey - of more than 27,000 adults across 26 countries - found strong support for net access on both sides of the digital divide. Countries such as Finland and Estonia have already ruled that access is a human right for their citizens. International bodies such as the UN are also pushing for universal net access."

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Frankfurter Rundschau, 09.03.2010

Regisseur Rosa von Praunheim berichtet für die FR über die Oscar-Verleihung, eine Aufgabe, der er sehr beflissen nachkommt: "Wie immer bot die Oscar Show ein spektakuläres Bühnenbild, faszinierende Showeinlagen, so dass wir alle hier in good old Germany erblassen müssen." Mark Obert porträtiert Oscar-Gewinner Christoph Waltz. Und Daniel Kothenschulte würdigt Kathryn Bigelow, die "unter Filmliebhabern bereits seit zwei Jahrzehnten als beste Regisseurin Amerikas gilt".


Weiteres: In Times mager sorgt sich Hans-Jürgen Linke um Südafrikas Weinbaugebiete. Besprochen werden die in Hamburg uraufgeführte Oper "Le Bal" von Matthew Jocelyn und Oscar Strasnoy, der Gesprächsband "Unser Jahrhundert" von Helmut Schmidt und Fritz Stern sowie Krimis aus Südafrika (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2010

Vielen geretteten Archivalien des Kölner Stadtarchivs geht es wie Tiefkühlkost: Wenn sie länger als ein Jahr eingefroren liegen, droht ihnen Gefrierbrand. Andere zerstörte, nicht eingefrorene Objekte kann man derzeit in einer Ausstellung im Berliner Gropius-Bau betrachten, wie Joachim Güntner informiert: "Sie führt dem Besucher die breite Palette der Schäden vor Augen, zeigt von Nässe und Druck skulptural verformte Akten, geborstene Einbände, zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel. Gewichtiger aber als das Zeugnis des Schreckens ist die Botschaft, der gemäß sich Kölns Archiv auf dem Weg der Wiederherstellung befindet."


Weitere Artikel: Klaus Bartels spürt der etymologischen Herkunft des Wortes "Privat" nach. Besprochen werden Thomas Ostermeiers Aufführung von Lars Norens "Dämonen" an der Schaubühne Berlin, die Ausstellung "Mode sprengt Mieder" im Münchner Stadtmuseum, Miljenko Jergovics Roman "Freelander" (Leseprobe), Ivan Nagels Band "Gemälde und Drama" sowei ein Gedichtband der amerikanischen Dichterin Rae Armantrout. (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Auf der Medienseite berichtet Roger Blum von der erfolgreichen Integration der Berner Zeitung Der Bund in den Berner Tages-Anzeiger. Rainer Stadler hat ein paar Zahlen zur Geräte- und Mediennutzung in der Schweiz. Außerdem weiß er, warum drei Millionen amerikanische Zuschauer zu Anfang der Oscar-Verleihung nur schwarz sahen. Rainer Stadler macht sich anlässlich der Publikation der Genfer Polizeifotos von Hannibal Ghadhafi Gedanken zur Bilderflut.

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Die Tageszeitung, 09.03.2010

Warum haben Institutionen wie die Heinrich-Böll-Stiftung jüdische Israelkritiker wie Norman Finkelstein ausgeladen?, fragt  Iris Hefets, die sich selbst als israelische Israelkritikerin versteht, auf der Meinungsseite. Im Kulturteil unterhält sich Hannes Koch mit dem Kapitalismuskritiker Jean Ziegler. Sven von Reden resümiert die Oscar-Verleihung. Besprochen werden ein Buch über Thinktanks, Stefan Puchers Andersen-Spektakel in Hamburg und die große Ed Ruscha-Ausstellung in München.


Und Tom.

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Die Welt, 09.03.2010

Ziemlich sauer reagiert Matthias Heine auf den Vorwurf Frie Leysens, Chefin des Festivals Theater der Welt, die deutschen Zuschauer hätten "immer noch einen kolonialistisch geprägten Blick auf die Welt": Das sind so die Sprüche einer jener "Dramaturgendominas, die sich das Theater immer nur als eine verschärfte Lehranstalt vorstellen können - ein Mittelding zwischen Kloster Ettal und Marxismusseminar. Zwangsläufig landen diese Frauen immer irgendwann an der Spitze von Theater der Welt."


Kathryn Bigelows Oscar für ihren Kriegsfilm "Hurt Locker" ist kein "Sieg für die Regiefrauen", findet Hanns Georg Rodek, sondern eher Ausdruck eines Unbehagens am Umbruch in der Filmproduktion: "Auch wenn der Digitalisierung die Zukunft gehört, lautet das Signal, bleibt das klassische Kinohandwerk unentbehrlich."

Bigelow selbst zeigt im Interview, dass sie nicht nur übers Filmgeschäft, sondern auch übers Journalistengeschäft Bescheid weiß. Auf die Frage, warum man ausgerechnet ihr nachsagt, eine Spezialistin für den Geschlechterkampf zu sein, antwortet sie: "Weil die meisten Medien voneinander abschreiben. Und sicher habe ich irgendwann mal einen Journalisten erwischt, der meine 1,82 Körpergröße - für die ich beim besten Willen nichts kann - als Bedrohung empfunden hat. Das hat er in seinen Artikel einfließen lassen, und dann haben es andere gelesen und diese Gefühle als ihre eigenen ausgegeben."

Weitere Artikel: Thomas Lindemann annonciert die nächsten Konzerte von Jean Michel Jarre. Gernot Facius gratuliert dem tschechischen Schriftsteller Ota Filip zum Achtzigsten. Michael Pilz gratuliert dem Saxofonisten Ornette Coleman zum Achtigsten.

Besprochen werden die Ausstellung "Mel Ramos - 50 Jahre Pop Art" in der Kunsthalle Tübingen, die Ausstellung "Die Umarmung des Mondes" im Antwerpener Provinciehuis, die Uraufführung von Oscar Strasnoys Oper "Le Bal" in Hamburg und einige CDs.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2010

Sehr einverstanden ist Michael Althen mit den vielen Oscars für Kathryn Bigelows Film "The Hurt Locker". Er erklärt auch gerne noch einmal, warum der Film die Preise verdient hat: "Ob das gleich ein Signal fürs unabhängige Filmemachen ist, wie es einer der Produzenten einforderte, darf eher bezweifelt werden. Es ist eher eine Verneigung vor einer Art des Filmemachens, die in Hollywood etwas in Vergessenheit geraten ist: nämlich die Konzentration auf ein Genrekino, das ohne großes Brimborium auskommt und ohne Rücksicht auf Zuschauererhebungen seinen Job erledigt. Kathryn Bigelow hat einen Film gedreht, der nicht mehr sein will, als er ist - und darin hat dieser kleine Film Größe gezeigt."


Weitere Artikel: Andreas Kilb informiert über Diskussionen zur Frage, wie der Bund den notleidenden Kommunen in Kulturdingen helfen könnte. In der Glosse muss Jürg Altwegg konstatieren, dass in der Schweiz die Aufklärung über die Beteiligung am Sklavenhandel ins Stocken geraten ist. Jürgen Kaube sucht den Zusammenhang zwischen Reformschulideologie und Missbrauchsfällen in der Odenwaldschule. Von einer Berliner Tagung zur Kunst der Übersetzung berichtet Katharina Teutsch. Einen Vortrag des Historikers Peter Blickle über "Zwölf Artikel" der Bauern von 1525 referiert Oliver Jungen. Kerstin Holm klärt darüber auf, wie sehr der Religionsunterricht in Russland bislang im Argen liegt - und welche Maßnahmen nun dagegen ergriffen werden sollen. Richard Kämmerlings schreibt einen kurzen Nachruf auf den Musiker Mark Linkous aka Sparklehorse.

Besprochen werden die Uraufführung von Oscar Strasnoys Einakter "Le Bal" im Rahmen einer "Trilogie der Frauen" an der Staatsoper Hamburg und Bücher, darunter Mira Magens Roman "Die Zeit wird es zeigen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 09.03.2010

Jörg Häntzschel hat eine ganze Seite 3 über die Oscar-Verleihung geschrieben. Nicht so zufrieden mit dem Oscar für Kathryn Bigelow ist Tobias Kniebe: "Mit 'Hurt Locker' gewinnt eine Frau erstmals den Oscar für Regie, die den machohaftesten Film der letzten Jahre gedreht hat."


Weitere Artikel im Feuilleton: Anlässlich der Debatten um sexuellen Missbrauch an den Schulen legt Albert von Schirnding noch einmal dar, was Platon unter "pädagogischem Eros" verstand (nämlich Knabenliebe, klarer Fall). Jörg Häntzschel unterhält sich mit der Performance-Künstlerin Marina Abramovic, die siebzig Tage lang im Foyer des Moma an einem Tisch sitzen wird - und jeder darf sich zu ihr setzen. ("Täglich werden zwischen 11.000 und 15.000 lärmende Menschen an mir vorbeilaufen. Ich will die Ruhe im Auge des Orkans sein", sagt sie zu ihrem Konzept.) Volker Breidecker gratuliert dem Konzertveranstalter Fritz Rau zum Achtzigsten. Karl Lippegaus gratuliert Ornette Coleman zum Achtzigsten. Klaus Brill gratuliert Ota Filip zum Achtzigsten. Jens Malte Fischer schreibt zum Tod des Tenors Philip Langridge.

Besprochen werden die kleine Oper "Le Bal" des Argentiniers Oscar Strasnoy, eine Farce nach der Erzählung von Irene Nemirovsky, in Hamburg, Stefan Puchers Stück "Andersen - Trip zwischen Welten" und Bücher (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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