Bücherschau der Woche
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- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Heute in den Feuilletons
Auf Montage
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.02.2010. In der NZZ erklärt Don DeLillo, warum die Regierung Bush den Irak angegriffen hat. In der Berliner Zeitung erzählt Arthur Becker, wie er als 16-Jähriger allein in Polen auf seinen Pass für die Ausreise wartete. Die FR sieht ein Beckett-Licht aus Don DeLillos neuem Roman aufscheinen. Die taz geht mit Benjamin von Stuckrad-Barre spazieren. Die SZ besucht Rapidshare. In der FAZ führt Frank Rieger in die Überwachungsmöglichkeiten des Staates ein.
Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2010
Angela Schader unterhält sich in Literatur & Kunst mit dem amerikanischen Schriftseller Don DeLillo über dessen neuen Roman "Der Omega-Punkt" und das Handwerk des Schreibens. Im "Kampf der Kulturen" sieht er durchaus auch einen Ersatz für den Kalten Krieg, über den er in seinem Roman "Unterwelt" geschrieben hatte. "Ich glaube, die Leute in der Administration Bush wollten tatsächlich eine Neuauflage des Kalten Krieges, Rumsfeld, Cheney und andere haben sich irgendwie nach jener Zeit zurückgesehnt. Deshalb haben sie dann auch den Irak angegriffen - denn das war kein loses Netzwerk von Aufständischen und Terroristen, mit dem sie nicht umzugehen wussten. Sie wollten ein Land mit festen Grenzen, ein Land, wo es eine Armee und Uniformen gab, etwas, das sie zielgerichtet und mit der Aussicht auf ein klares Resultat angreifen konnten; daran haben sie geglaubt."
Außerdem in der Samstagsbeilage: Autor Georg Klein betrachtet in der Rubrik Bildansichten Tamara de Lempickas Gemälde "Le Telephone II".
Im Feuilleton berichtet Susanne Schanda aus Beirut, 2009 Welthauptstadt des Buchs, die für viele Autorinnen und Autoren aus autoritären arabischen Staaten mit strenger Zensur eine Oase der Freiheit darstellt, insbesondere für syrische. Urs Steiner besichtigt das neue Vitra-Haus (Bilder) von Herzog & de Meuron in Weil am Rhein. Mathias Daum schreibt über chinesische Pop-Musik, deren Macht Peking gerade entdeckt. Berichtet wird über ein Gefängnis in Norwegen, in dem "Musik, Gesang und Kultur" einen Akzent setzen und dessen Wände stilvoll mit Kunst für 1,2 Millionen Franken geschmückt sind.
Besprochen werden die Ausstellung der Kunstsammlung Teo Jakob im Kunsthaus Langenthal und die Ausstellung "Confodrama" des Künstlerpaars Anna Kanai und Andreas Dobler im Kunstraum Baden und Bücher, darunter "Der Omega-Punkt" von Don DeLillo, Martin Walsers Novelle "Mein Jenseits" sowie eine akribische Studie über die Familie und den Konzern Flick. (siehe dazu unsere Bücherschau ab 14 Uhr)
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Berliner Zeitung, 20.02.2010
Der Schriftsteller Artur Becker erzählt im Magazin, wie er 1984, mit 16 Jahren, seinen Eltern nach Westdeutschland nachreisen wollte und Stück für Stück seiner Wohnung verkaufen musste, bis er seinen Pass bekam. Hier der Anfang: "Dass meine Wohnung schon seit längerer Zeit im Sterben lag, wurde mir erst wenige Wochen vor der Ausreise richtig bewusst. Dabei war ich derjenige, der dieses schreckliche Sterben herbeigeführt hatte. Es begann unscheinbar, fast schon schüchtern, da materielle Dinge ganz andere Tode erleiden als wir Menschen. Aber auch die Dinge sterben, bloß langsamer und qualvoller. Das liegt daran, dass wir die Welt sehen können, aber sie uns nicht."
Außerdem gibt es ein langes Interview mit dem Schauspieler Pierce Brosnan über die Zusammenarbeit mit Polanski, Irland, und den Abschied von James Bond. Und Thomas Leinkauf und Anette Selg besuchen den Steinbildhauer Matthias Körner, der die Fassade des künftigen Berliner Stadtschlosses modelliert.
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Die Welt, 20.02.2010
Aufmacher der Literarischen Welt ist ein Vorabdruck der erstmals auf Deutsch erscheinenden Debüterzählung Alice Munros, "Tanz der seligen Geister". Abgedruckt ist weiter die Dankesrede Albert Ostermaiers zum Bertolt-Brecht-Preis. Michael Kleeberger singt eine kleine Hymne auf den Schriftsteller Manfred Bieler, dessen Roman "Der Mädchenkrieg" nicht mehr lieferbar ist, wie er empört bemerkt. Besprochen werden unter anderem Don DeLillos neuer Roman "Omega Punkt", Jeremy Rifkins Band über "Die emphatische Zivilisation" und Heike B. Görtemakers Eva-Braun-Biografie.
Im Feuilleton erzählt der Pianist und Dirigent Christoph Eschenbach im Interview von seiner schweren Kindheit, seiner Begegnung mit Vladimir Horowitz und seinem Ausstieg als Chefdirigent in Philadelphia. Die Pariser Nationalbibliothek hat das Original-Manuskript von Casanovas Erinnnerungen erworben, erzählt Peter Dittmar.
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Frankfurter Rundschau, 20.02.2010
Fasziniert hat sich Christian Thomas durch Don De Lillos neuen Roman "Der Omega-Punkt" gelesen, den er als eine Art Sprach- und Zeitskulptur beschreibt: "Den Schwebezustand der Prosa, der die Figuren vor dem Panorama der Wüste in eine kristalline Transparenz versetzt, hat Frank Heibert in einen Ton von schier nicht geheurer Lakonie überführt, die Sätze schwingen aus, in Ellipsen, in Synkopen, sie sind durch das Vortasten der erlebten Rede rhythmisiert, die Gedanken rücken nicht vor in einem kontinuierlichen Fluss, vielmehr wie in Zeitlupe. Was sie bezeichnen, ist in ein seltsames Licht gestellt, wie verdämmernd, ein Beckett-Licht: 'Ein Augenblick, ein Gedanke, da und wieder fort, jeder von uns, irgendwo auf einer Straße, und das umfasst alles.'"
Weiterer Artikel: Befragt werden die Filmkritiker aus dem vereinigten Hause Dumont (FR, Berliner Zeitung) nach ihren Bären-Favoriten. Nur ein Film wird zweimal genannt - der türkische Beitrag "Bal - Honig" von Semih Kaplanoglu. Peter Michalzik ruft in einer Times Mager zum Fall Hegemann noch einmal um "Hilfe!". In ihrer US-Kolumne schildert Marcia Pally über Twitter ausgetragene Kochkämpfe. Peter Iden gratuliert dem Bühnenbildner Wilfried Minks zum Achtzigsten.
Besprochen werden zum Berlinale-Abschluss die Wettbewerbsfilme "The Killer Inside Me" von Michael Winterbottom und "Na putu" ("On the Path") von Jasmila Zbanic, ein Konzert des HR-Sinfonieorchester unter Leitung von Andris Nelsons und eine große Robert-Mapplethorpe-Ausstellung im NRW-Forum in Düsseldorf (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 20.02.2010
Wiebke Porombka hat das neue Buch mit Benjamin von Stuckrad-Barres Reportagen gelesen und geht nun mit ihm rund um den Berliner Schlachtensee spazieren. Sie erlebt dabei den Autor als entschleunigten Mann: "'Vor ein paar Jahren', sagt er, 'konnte es gar nicht schnell genug gehen, immer sofort ein neues Projekt, ein neues Buch, eine Lesereise, oder am besten alles gleichzeitig.' Jetzt, mit gerade mal 35, spricht er lieber davon, sich für eine gewisse Zeit auf Montage zu begeben, auch wieder so ein altmodisches Wort. Auf Montage in der Wirklichkeit, könnte man dieses Langzeitprojekt nennen. 'Ich laufe einfach gern mit bei Leuten und gucke, was die so machen.'"
Weitere Artikel: Klaus Hillenberger schreibt einen Nachruf auf die deutsche Buchhandlung "Landsberger Books" in Tel Aviv. Detlev Claussen entnimmt der jüngsten Studie von Wilhelm Heitmeyer, dass in der Krise die Gewalt in Deutschland nicht zunimmt.
Auf der Berlinale-Seite zeigt sich Ekkehard Knörer fasziniert von Dominik Grafs im Forum komplett gezeigter zehnteiliger Fernsehserie "Im Angesicht des Verbrechens": "Die Serie kennt Momente traumartiger Intensität, übersteigert grandios manches Klischee und ist oft auch von finsterer Komik... Dominik Graf ist genau der richtige Mann für die Facetten des Buchs: die Bewegungen zwischen Berliner Abwasserkanal und ukrainischem Märchensee, die Vitalität des Verbrechens und die Melancholie und die Schnoddrigkeit seiner Verfolger, all das bekommt er fabelhaft hin."
Außerdem: Brigitte Werneburg berichtet aus der Welt des "Forum Expanded". Andreas Resch erlebt in den Forumsfilmen "Putty Hill" und "Winter's Bone" US-Randexistenzen. Ebenfalls besprochen werden Raoul Pecks Haiti-Film "Moloch Tropical" und Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung "The Killer Inside Me". Ines Kappert spricht mit Jasmila Zbanic, Regisseurin des Wettbewerbsbeitrags "Na putu".
Besprochen werden das Klassiker-Zuendedenkalbum "Now: "Fixin' The Charts, Volume One" von Everybody Was In The French Resistance... Now (hinter dem Projektnamen verbergen sich Art-Brut-Kopf Eddie Argos und Ehefrau) und Bücher, darunter Nicholson Bakers Lyrikroman "Der Anthologist" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Und Tom.
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Süddeutsche Zeitung, 20.02.2010
Johannes Boie besichtigt den Ort des Niedergangs der Unterhaltungsindustrie im schweizerischen Örtchen Cham: die Firma Rapidshare, die mit ihren leistungsstarken Servern unter anderem die technischen Voraussetzungen für illegale Downloads bereitstellt. "Wie viele der 150 Millionen Dateien auf Rapidshares Servern für illegale Downloads missbraucht werden, weiß keiner. ... Nicht mal die fünfzig Mitarbeiter bei Rapidshare wissen Bescheid. Denn zum einen ist die Menge der Dateien zu groß, um sie effizient zu kontrollieren. Zum anderen agieren die Betreiber des Dienstes in einer Grauzone zwischen Urheber-, Medienrecht und Datenschutz. Vielleicht dürfen sie überhaupt nicht in die Dateien schauen, die Privatleute auf ihre Server laden - es gibt nach wie vor kein finales Gerichtsurteil, das Klarheit schaffen würde."
Es sind voll allem die Literaturkritiker, die enttäuschen, schreibt Elke Heidenreich auf den vorderen Seiten zum Fall Hegemann. "Das Feuilleton schreibt füreinander und gegeneinander, man zeigt sich, wer der Gescheiteste, Schnellste, Arroganteste ist - und der Leser ist ohnehin wurscht, so scheint es mir zu sein. (...) Ich wittere zu viele eitle Hahnenkämpfe hinter den Kulissen und weiß auch von solchen. Und ich sehe nur noch selten Respekt vor der Arbeit eines Autors."
Weitere Artikel: Jens-Christian Rabe berichtet, dass der vierten Auflage von Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill" und nach der Plagiatsdiskussion nun ein detaillierter sechsseitiger Anhang "Quellennachweis und Danksagung" hinzugefügt wurde. In einem ausführlichen Essay feiert Joachim Kaiser Frederic Chopin, der übermorgen 200. Geburtstag hat. Laura Weissmüller besichtigt das von Herzog & de Meuron gebaute Vitra-Haus in Weil am Rhein. "eye" hat in The Atlantic gelesen, dass die Wirtschaftswissenschaften jetzt die Gruppe Greatful Dead als Forschungsobjekt entdecken, weil sich in den Strukturen der Grateful-Dead-Organisation vieles von dem finde, was heute die Internetwirtschaft genannt wird. Klaus Brill meldet Vermischtes aus der Kulturszene Prags, darunter den mit Erleichterung begrüßten Abschied des der Phantasielosigkeit bezichtigten Generaldirektors der Nationalgalerie. Wolfgang Schreiber gratuliert dem Pianisten Christoph Eschenbach zum 70. Geburtstag. Als stillen Revolutionär würdigt Jürgen Flimm den Bühnenbildner und Regisseur Wilfried Minks, der achtzig Jahre alt wird. Harald Eggebrecht sieht im ersten Beitrag zum frisch erfundenen Berliner "Boulevard der Stars" für Marlene Dietrich ein "ungefüges Plattenmöbel von erstaunlicher himbeerfarbener Hässlichkeit".
In der SZ am Wochenende hält Heribert Prantl ein Plädoyer für den Sozialstaat. Burkhard Müller fliegt mit Google Earth über die Erde. Wolfgang Hegewald schickte eine Erzählung über Dresden 1972. Hilmar Klute besucht in Glasgow die Schriftstellerin Helen Fitzgerald, die jahrelang Sexualstraftäter im Gefängnis betreut hat und heute Bücher darüber schreibt (ihr Roman "Furchtbar lieb" erscheint jetzt auf Deutsch im Galiani Verlag). Und Andre Agassi spricht im Interview über Väter.
Besprochen werden Berlinalefilme von Benoit Delepine und Gustave Kervern, Natalia Smirnoff sowie Michael Winterbottom, ein Abend mit dem Pianisten Daniel Barenboim in München, Bücher, darunter Clancy Martins Debütroman "Verkaufen" und "Menetekel. 3000 Jahre Untergang des Abendlandes" von Gerhard Henschel. (mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr)
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2010
Am 2. März wird das Bundesverfassungsgericht über die Klage gegen die Vorratsdatenspeicherung entscheiden. Im ersten Teil einer neuen Serie zu den Algorithmen, die unser digitales Leben bestimmen, gibt Frank Rieger vom CCC eine sehr lesenswerte Einführung in die Überwachungsmöglichkeiten, die sich aus der Analyse der sogenannten "Verkehrsdaten" ergeben. Als großes "Spinnennetz" beschreibt er die Struktur, die algorithmisch in der Auswertung von Telefongesprächen, E-Mails etc. erkennbar wird. Aufschlussreich ist schon die Beobachtung einer einzelnen Person. Richtig interessant wird es dann aber beim nächsten Schritt: "Als Nächstes kommt die Ausweitung. Dazu werden die Verkehrsdaten des letzten halben Jahres von allen Personen, mit denen wir in Verbindung stehen, oder mindestens derer, die aus der ersten Auswertungsphase interessant erscheinen, abgefragt. In der Regel ist die Ausweitung mehrstufig: Mit wem unsere Freunde reden und mit wem die Freunde unserer Freunde und wiederum deren Freunde kommunizieren, alles fließt in das große Spinnennetz. Die Menge an Daten vervielfacht sich exponentiell und mit ihr die Tiefe der Erkenntnisse, die gewonnen werden können."
Weitere Artikel: In München las Deef Pirmasens, der die frappierenden Übereinstimmungen zwischen Airens "Strobo" und Helene Hegemanns "Axolotl Roadkill" aufmerksam gemacht hat, aus Airens Buch; Julia Bähr war dabei. Vom Prozess über den US-Google-Books-Vergleich berichtet Jordan Mejias - die Entscheidung wurde nach der Verhandlung wieder vertagt. In der Glosse beobachtet Richard Kämmerlings in einem hoffnungslos überfüllten Zug das Bordbistro-Personal bei der Lektüre. Jürgen Dollase beklagt in seiner "Geschmackssache"-Kolumne "Ungenauigkeiten in der theoretischen Fundierung" der französischen Spitzenküche. Einen Seniorenkegelclub in Kreuzberg, der jetzt nicht mehr realiter, sondern virtuell auf der Wii-Konsole kegelt, hat Klaus Ungerer bei der feierlichen Wii-Eröffnung besucht.
Melanie Mühl erzählt die Geschichte eines Farmers in Namibia, der nach einem Aufstand der Lohnarbeiter seine Farm verlor, und die seines einstigen Lohnarbeiters, der das Land erst bekam und dann wieder zum Lohnarbeiter wurde. In China wurde, wie Mark Siemons mitteilt, das harmlos scheinende Zeichen für "bei" zum Schriftzeichen des Jahres gewählt - das hat jedoch eine stark politische Pointe, weil in der umgangssprachlichen Verwendung sehr oft die "Ohnmacht" des einzelnen gegenüber dem Staat damit ausgedrückt wird. Kathleen Hildebrand schreibt zum Tod des Autors und Kritikers Curt Hohoff. Auf einer Berlinale-Seite werden viele Filme sehr kurz abgehandelt, darunter Lisa Cholodenkos Lesbenehefilm "The Kids Are All Right" und der irakische Film "Son of Babylon".
In Bilder und Zeiten erläutert Julia Spinola in einem großen Artikel zum 200. Geburtstag von Frederic Chopin, warum er nur fürs Klavier genial komponierte: Er besaß im Übermaß, wie die Neurobiologie sagt, "motorische Intelligenz". Die Öffnung von Vatikanarchiven für die Jahre 1922 bis 1939 erlaubt, wie Hubert Wolf erläutert, spannende Einblicke in die kirchlichen Entscheidungsprozeduren und die Rolle des Papstes darin. Andreas Lesti besucht die Woody Creek Tavern bei Aspen, die Stammkneipe des Autors Hunter S. Thompson. Sandra Kegel unterhält sich mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt vor allem über deren großes Zittern.
Besprochen werden Silvia Riegers Inszenierung von Hans Henny Jahnns "Pastor Ephraim Magus" an der Berliner Volksbühne, die Uraufführung von Joachim Zelters Walter-Jens-Stück "Professor Lear" im Zimmertheater Tübingen, eine Konzertreihe, bei der sich Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker als "epochale" Sibelius-Interpreten erweisen, die Trompe-l'oeuil-Ausstellung "Täuschend Echt" im Bucerius Kunst Forum Hamburg, eine neue Einspielung von späten Schumann-Klavierstücken, gespielt und dirigiert von Christoph Eschenbach, das Pantha-du-Prince-Album "Black Noise", die neue Eels-Platte "End Times" und Bücher, darunter John Grays Antihumanismus-Streitschrift "Von Menschen und anderen Tieren" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
In der Frankfurter Anthologie deutet Marie-Luise Knott Sarah Kirschs Gedicht "Der Winter".
"Wenn Frost die Gewässer ordentlich durchfror
Und ein paar naturwissenschaftliche Gesetze
Gelten, spricht der den ich liebe: o Freundin
Binde die stählernen Kufen dir unter die Füße
..."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
201212345678910111220111234567891011122010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





