Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Heute in den Feuilletons
So viel wie ein junges Nashorn
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee.
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Die Welt, 03.02.2010
Eckhard Fuhr hat sich eine DVD-Edition mit uralten Kulturfilmen Bernhard Grzimeks angesehen, die noch vor seinen Filmen und Fernsehsendungen in den fünfziger Jahren in Schulklassen gezeigt wurden. Ein Schock: "Was für ein altes Land ist doch diese Bundesrepublik! Und wie fremdartig wirken jene Dokumente, in denen sich der Umwelt-, Arten- und Ökologiediskurs, der heute zum allgegenwärtigen Mediengeräusch geworden ist, ganz roh, unbeholfen und unschuldig darbietet. An Sprache und Bildern kleben noch die Eierschalen des Kolonialismus. Der - europäische - Mensch ist zum Bösen wie zum Guten Herr der Schöpfung."
Wenn sich der Islam irgendwo modernisiert, dann in der Türkei schreibt Zafer Senocak auf der Forumsseite: "Doch wenn heute in Europa über den Islam debattiert wird, ist die Türkei keine Referenzquelle. Europa hat sich abgeschottet und betrachtet den Islam und die islamische Welt zunehmend als homogene Konstruktion im eigenen Kopf. Nicht die türkischen Unternehmerinnen oder Professorinnen, sondern die Burka-Trägerinnen aus Frankreich bestimmen die Islam-Bilder in den Köpfen. Eine hartnäckige Wahrnehmungssperre ist entstanden, die dieses eine Bild von der unterdrückten muslimischen Frau konterkarieren könnte."
Weitere Artikel: Gernot Facius erzählt aus Anlass der Missbrauchsvorfälle am Berliner Canisius-Kolleg eine kleine Kulturgeschichte des Jesuitentums (wobei das Thema des sexuellen Missbrauchs aber gar keine Rolle spielt). Uta Baier erzählt von dem Projekt eines umfassenden wissenschaftlichen Cranach-Archivs, das ins Netz gestellt werden soll. Uwe Schmitt hat Scarlett Johansson in ihrem Broadway-Debüt als Catherine in Arthur Millers "A View from The Bridge" gesehen. Eckhard Fuhr empfindet in der Leitglosse den Protestgestus, mit dem Walser auf den Afghanistaneinsatz und Enzensberger (siehe heutige FAZ) auf die EU einschlagen, als populistisches Einrennen offener Türen. Thomas Kielinger berichtet vom Widerstand Benedikts XVI. gegen ein britisches Gesetz, das eine Gleichstellung Homosexueller (auch in Kirchen!) fordert. Und Hanns-Georg Rodek schreibt ein Doppelporträt über James Cameron und dessen Exfrau Kathryn Bigelow, die mit ihren Filmen bei der Oscar-Verleihung gegeneinander antreten.
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Frankfurter Rundschau, 03.02.2010
Amin Farzanefar berichtet über das Fajr Film Festival in Teheran, dass in diesem Jahr nicht nur von einer Reihe von Filmemachern boykottiert wird: "Dem Teheraner Fajr Film Festival gehen die Juroren aus: Asghar Farhadi, vergangenes Jahr auf der Berlinale für 'About Elly' ausgezeichnet, gab eine Reise als Grund für die Absage an, andere schoben Krankheiten und anderweitige Ausflüchte vor oder revidierten ihre Zusage. Abbas Kiarostami, wohl der enigmatischste aller iranischen Regisseure, hatte seine Ablehnung gar nicht erst begründet. So wurde das Festival Anfang letzter Woche erst einmal ohne Jury eröffnet - sie tage im Geheimen, hieß es, 'um sich besser zu schützen'. Erst gegen Ende der Woche wurden dann einige Namen bekannt gegeben."
Claus-Jürgen Göpfert stellt den neuen Chef des Frankfurter Literaturhauses Hauke Hückstädt vor, der Maria Gazzetti ablöst und gibt dann einer Hoffnung Ausdruck: "Maria Gazzetti hat sehr engagiert für das Literaturhaus und für ihr Programm gekämpft - in den Augen städtischer Verantwortlicher stempelte sie das am Ende fast zur Querulantin ab. Dass der Lyrik-Liebhaber Hauke Hückstädt, der Mann mit den DDR-Wurzeln, ein bequemerer Partner sein wird - diese Annahme könnte sich am Ende als Trugschluss erweisen."
Weiteres: Ariel Dorfman schreibt den Nachruf auf den argentinischen Autor Tomas Eloy Martinez. In Times Mager nennt Daniel Kothenschulte einige Oscar-Kandidaten. Besprochen werden Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr) und einige lokale Ereignisse.
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Neue Zürcher Zeitung, 03.02.2010
Roman Hollenstein besichtigt das von Ron Arad entworfene Designmuseum in der Tel Aviver Industrievorstadt Holon: "Wie eine gestrandete Arche liegt das Design Museum Holon (DMH) nun zwischen der Mediathek und den Wohnhochhäusern jenseits der Hankin-Avenue und erinnert mit seiner aus massivem, unterschiedlich patiniertem Corten-Stahl bestehenden Hülle manche Besucher an eine gigantisch wuchernde Skulptur von Richard Serra oder aber an eine nudelartige Pop-Skulptur."
Weitere Artikel: Andrea Köhler begutachtet die neu gestaltete Frick Collection in New York. Andreas Breitenstein berichtet von Timothy Garton Ashs Vortrag in Zürich über "Europa in einer nichteuropäischen Welt".
Besprochen werden die Ausstellung "Corpo, automi, robot" in Lugano, eine Inszenierung des "Falstaff" in Wiesbaden sowie ein weiterer Band des Historischen Lexikons der Schweiz (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Berliner Zeitung, 03.02.2010
Anders als Necla Kelek sieht Michaela Schlagenwerth den Islam in Deutschland auf dem besten Wege: "Immer entschiedener bekennen sich die großen Islamverbände zu Demokratie und Pluralismus, immer selbstverständlicher arbeiten die einzelnen Moscheevereine vor Ort mit der Polizei, mit Schulen, in Berlin etwa auch mit dem Quartiersmanagement zusammen."
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Aus den Blogs, 03.02.2010
Kwame Anthony Appiah schlägt im Namen des amerikanischen PEN Clubs Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Aus seinem Brief an das Komitee des Preises: "Liu's writings express the aspirations of a growing number of China's citizens; the ideas he has articulated in his allegedly subversive writings, ideas that are commonplace in free societies around the world, are shared by a significant cross section of Chinese society. Charter 08, for example, is a testament to an expanding movement for peaceful political reform in China. This document, which Liu co-authored, is a remarkable attempt both to engage China's leadership and to speak to the Chinese public about where China is and needs to go. It is novel in its breadth and in its list of signers - not only dissidents and human rights lawyers, but also prominent political scientists, economists, writers, artists, grassroots activists, farmers, and even government officials."
Die chinesische Regierung hat das Nobelkomitee inzwischen davor gewarnt, Liu den Nobelpreis zu geben, meldet Reuters in Indien. Gleichzeitig kursiert eine Unterstützerliste für Appiahs Aufruf: Paul Auster, Ian Buruma, Don DeLillo, Siri Hustvedt, Jonathan Lethem, Philip Roth, Salman Rushdie gehören zu den Unterzeichnern.
Bereits vor knapp einer Woche hatte Perry Link im Blog der New York Review of Books gemeldet, dass Liu Xiaobo gegen sein Urteil Berufung eingelegt hat. Chancen hat er nicht, meint Link: "Yet Liu's response to his sentence-and that of a number of Chinese intellectuals over the past few weeks-suggests that the Charter 08 movement continues to survive, despite extraordinary efforts by the Chinese government to repress it."
Nicht gerade freundlich kommentiert Andreas Moring in Carta den Ruf der Zeitungsverlage nach Leistungsschutzrechten: "Betrachtet man die Lage nüchtern, wären einige Punkte festzuhalten: Das bestehende institutionelle System der Medienwelt ist, so scheint es, nicht in der Lage, aus sich selbst heraus den Wandel zu gestalten, darum soll er mit Verboten und Sperren aufgehalten werden."
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Weitere Medien, 03.02.2010
(via 3quarksdaily) Nalini Rajan bespricht in The Hindu ein Buch über "The Indian Public Sphere" und beginnt mit einem freundlichen Nicken Richtung Westen: "As citizens of a nation in the making, Indian scholars have been deeply interested in the writings of Benedict Anderson and Jurgen Habermas. Anderson has discussed the ways in which print capitalism allows a literate monolingual population to imagine the nation through the newspaper and the novel. Habermas, for his part, has delineated his notion of the public sphere as a realm of free debate and rational argument."
Der Schauspieler Antony Sher ist nach Oslo gereist, um sich auf seine Rolle als Dr. Stockmann in Ibsens Stück "Ein Volksfeind" vorzubereiten. Im Guardian erzählt er, wie ihm eine Erleuchtung kam, als er vor Gustav Vigelands muskulösen Nackten im Vigeland Park stand: "Vigeland's style led to accusations that he was a Nazi sympathiser - the thick, muscular bodies look vaguely like Aryan super-people - but his work represents a completely opposite ideology: a celebration of being human, and varied. The negative propaganda is an example of the same short-sighted, narrow-minded thinking that Ibsen battled for much of his career, and that he dramatises so vividly in 'Enemy of the People'. I decided I might have been wrong about the gloom in Ibsen's work. Maybe it's more to do with something in the Scandinavian character, something the writer actively kicks against."
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Die Tageszeitung, 03.02.2010
Marcus Bensmann berichtet von den Schwierigkeiten, die der Filmemacherin Umida Achmedowa wegen ihres Dokumentarfilms "Die Bürde der Jungfräulichkeit" drohen: "Letzte Woche endeten die polizeilichen Ermittlungen. Der Film und das ebenfalls von ihr 2007 veröffentlichte Fotobuch 'Frauen und Männer' hätten das usbekische Volk 'verleumdet' und 'beleidigt'. Der Prozess wird für Mitte Februar erwartet. Der Künstlerin drohen bis zu acht Jahren Haft. Das Schweizer Außenministerium dementiert Berichte, dass es sich von der bedrängten usbekischen Künstlerin distanziert habe. Die Schweizer hätten die Finanzierung ihres Filmes jedoch im Frühjahr 2009 nachträglich eingeschränkt."
Weiteres: Freunden der tiefen Temperaturen kann Tim Caspar Boehme das Ice Music Festival im norwegischen Wintersportort Geilo empfehlen. Gespielt wird hier auf Eisinstrumenten: "Die Temperatur ist entscheidend für die Qualität des Klangs, je kälter, desto größer das Obertonspektrum." Laura Ewert erlebt die Kreuzberger Rapper K.I.Z. in einem schweren Dilemma: Ihr neues Album "Sexismus gegen rechts" wurde gut besprochen. "'Ich finde das widerlich', sagt Tarek über verständnisvolle Journalisten." Besprochen wird Jason Reitmans Komödie aus der Businessclass "Up in the Air".
Auf der Meinungsseite macht Daniel Bax unter der Überschrift "Kelek wird nicht fehlen" noch einmal klar, dass er Necla Kelek bei der neuaufgelegten Islamkonferenz nicht vermissen wird: "Unklar bleibt weiter, wer eigentlich für 'die Muslime' spricht. Klar ist, dass die muslimischen Intellektuellen und die 'Islamkritikerinnen', die noch von Wolfgang Schäuble eingeladen worden waren, vor allem für sich selbst sprachen."
Und noch Tom.
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Süddeutsche Zeitung, 03.02.2010
Christine Dössel berichtet von einem Abend am Stadttheater Fürth mit entlassenen Mitarbeitern von Quelle: "Zu Grabe getragen wurde hier - in aller Wut und Würde - nicht nur ein an Misswirtschaft und Überlebtheit zugrundegegangener Versandhändler; beerdigt wurde auch eine lange Tradition: der Erfolg und der Stolz eines regional verankerten Familienunternehmens samt der Illusion von sicheren Arbeitsplätzen - der ganze Besitzanspruch des Slogans: 'Meine Quelle!'", schreibt Dössel.
Christopher Schmidt hat in einem beistehenden Kommentar wenig Sympathie für diese Art von politisch-dokumentarischer Kunst: "Immer, wenn das Theater sich bedroht fühlt, etwa durch Sparpläne der Politik, verteidigt es seltsamerweise nicht seine künstlerischen Verdienste, sondern seine gesellschaftliche Relevanz."
Weitere Artikel: Für bgr. ist das Einknicken von Amazon vor den Preisforderungen des amerikanischen Buchverlags McMillan ein Beweis für die marktheilenden Kräfte der "elektronischen Leseflunder" iPad (wobei er allerdings nicht erwähnt, dass Apple zur Zufriedenheit der Kunden in seinem Musikstore eine Amazon-ähnliche Preispolitik von 99 Cent pro Song betreibt). Kia Vahland ist zufrieden mit der Neuhängung der Werke alter Niederländer (keine Respektlosigkeit!) in der Berliner Gemäldegalerie. Lothar Müller berichtet von einer Tagung zu Karl Philipp Moritz' Magazin zur Erfahrungsseelenkunde - es ist ein etwas akademischer Artikel, den man aber im Lichte der Enthüllungen zum Missbrauch am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin (Seite 3 Reportage) und sogar zum Streit um die Islamkritiker - "Wirklichkeit kommt hier nur dem Einzelnen, Individuellen zu" - doch mit Interesse liest. Rudolf Herfurtner gratuliert der Kinderbuchautorin Tilde Michels zum Neunzigsten.
Auf der Medienseite findet es Marc Felix Serrao "vielversprechend", dass nach einem Test der Werbeagentur Rod Kommunikation "Facebookless: Mein Monat ohne Facebook", die meisten Probanden ihre Facebook-Aktivitäten eher kritisch beurteilen.
Besprochen werden Jason Reitmans Film "Up in the air" mit George Clooney, die Ausstellung "Art Bin" in der Londoner South London Gallery, Martin Kusejs Inszenierung des "Fliegenden Holländers" in Amsterdam, die Ausstellungen "Post-Oil City" in der ifa-Galerie Stuttgart und "Seismograph City - Hamburg im Dialog" im Berliner Architekturforum Aedes, einige CDs und Bücher, nämlich Roberto Zapperis "Abschied von Mona Lisa" und ein Hörbuch mit Märchen von Oscar Wilde (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2010
Auf der Medienseite darf Jörg Kantel (Autor des Blogs "Der Schockwellenreiter") seinem Ärger über den Ipad-Hype Luft machen: "Das iPad ist also kein Computer im Sinne einer Universalmaschine mehr, sondern eine Abspielplattform für die Inhalte der Medienkonzerne. Das iPad macht aus dem Two-Way-Web wieder eine Einbahnstraße und zwar eine, für deren Nutzung gezahlt werden muss. Das führt letztlich zur Entmündigung der Nutzer... Für mich jedenfalls steht fest: Ein Computer, auf dem keine einzige Programmiersprache läuft, ist kein Computer, sondern eine Fernbedienung."
Im Feuilleton ist leicht gekürzt Hans Magnus Enzensbergers Dankesrede zum Erhalt des dänischen Sonning-Preises abgedruckt. Dank dominiert allerdings nicht darin, sondern Spott, und zwar auf die Regulierungswut der EU. Exemplarisch der Acquis communautaire der Union: "Kein Mensch hat diese Sammlung von Beschlüssen, Direktiven und Verordnungen jemals zu Ende gelesen. Anno 2004 umfasste sie bereits 85.000 Seiten; heute werden es weit über hundertfünfzigtausend sein. Bereits 2005 wog das Amtsblatt der Union insgesamt mehr als eine Tonne, so viel wie ein junges Nashorn. Die französische Fassung hat es unlängst auf 62 Millionen Wörter gebracht. Der Acquis ist für alle Mitgliedsländer rechtsverbindlich. Man schätzt, dass über achtzig Prozent aller Gesetze nicht mehr von den Parlamenten, sondern von den Brüsseler Behörden beschlossen werden. Genau weiß das niemand."
Weitere Artikel: In der Glosse macht sich Michael Hanfeld über den Wertverfall falscher Twitter-Follower lustig. Jan Brachmann berichtet vom Berliner Ultraschall-Festival für Neue Musik.
Besprochen werden ein Wolfmother-Konzert in Köln, Johanna Wehners Inszenierung einer Theaterfassung von Anna Katharina Hahns Roman "Kürzere Tage", Jason Reitmans frisch Oscar-nominierter Film "Up in the Air" und Bücher, darunter Michael Gampers Studie zur "Elektropoetologie" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Geheimsache des Heiligen Offiziums
22.03.2010. Die FR übernimmt Christopher Hitchens' Slate-Artikel zur Verantwortung Benedikts XVI. an der Vertuschung der Sexualdelikte in seiner Kirche. Auch die FAZ kritisiert den Papst. Der Tagesspiegel besucht den Kölner Ground Zero um das versehentlich geschleifte Stadtarchiv und stößt auf das schiere Nichts. In der SZ erklärt der Philosoph Wolfram Eilenberger sein Misstrauen gegen den allseits kompatiblen Begriff der Nachhaltigkeit. Die Meldung vom Tod Wolfgang Wagners kam zu spät für die Zeitungen. Mehr lesen
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen






