Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will.

Die Welt, 27.01.2010

Andrzej Stasiuk reist nach Belzec in Ostpolen, wo die Nazis ein Todeslager unterhielten, von dem heute fast nichts übrig geblieben ist: "Im Juni 1943 haben die Deutschen das Lager aufgelöst und alle Spuren verwischt. Nur die Anwohner wussten, was dort eigentlich geschehen war. Nach dem Krieg, als die Deutschen weg waren, wühlten sie in der Erde auf der Suche nach Gold und Edelsteinen. Es regnete, und außer mir war nur ein Ehepaar aus Mexiko mit einem polnischen Fremdenführer im Lager. Sie versuchten, etwas zu verstehen, doch sie konnten sich nur an den Händen halten und ratlos umherschauen."


Im Gespräch mit Andrea Seibel nimmt Necla Kelek auch zur feministischen Diskussion Stellung und erklärt, warum sie die Frauenfrage als zentral ansieht: "Die Entschleierung der Frau, also die persönliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung, würde den Islam total verändern. Das wäre die eigentliche Revolution. Ohne die Gleichberechtigung der Frau bleibt der Islam ein Apartheidsystem."

Weitere Artikel: Hanns-Georg Rodek unterhält sich mit Bundeskulturminister Bernd Neumann über den gegenwärtigen Stand der Filmförderung. Philipp Haibach berichtet von der Eröffnung der neuen Suhrkamp-Büros in Prenzlauer Berg und sieht den Umzug als Neuanfang nach den Jahren der Trauer um Siegfried Unseld. Matthias Heine freut sich in der Leitglosse über die Wiederzulassung des Haggis - hachierter Schafslunge - in den USA (es hat sich herausgestellt, dass man doch keinen Rinderwahn davon bekommt). Thomas Lindemann schreibt eine kleine Kulturgeschichte des Popmythos vom "Avatar". Manuel Brug bringt eine interessante Hintergrundreportage über das klassische Musikleben in Japan. Igal Avidan stellt eine Kooperation  des Heidelberger Theatermachers Jan Linders mit israelischen Theatern vor. Und Peter Dittmar berichtet vom Kulturhauptstadtjahr an der Ruhr, dessen Etat geringer sei als seinerzeit in Linz.

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Aus den Blogs, 27.01.2010

(via Gawker) Laut Reuters weist die chinesische Regierung alle Vorwürfe zurück, sie würde das Internet zensieren: Man verbiete nur Versuche, "die Staatsmacht zu untergraben und die nationale Einheit zu zerstören, ethnischen Hass zu anzustacheln, Kulte zu propagieren und Inhalt zu verbreiten, der pornografisch, anzüglich, gewalttätig oder terroristisch ist".


Nate Anderson hat für Ars technica chinesische Reaktionen studiert: "Im Qingyuan Daily, einer Lokalzeitung aus der Provinz Guangdong, schrieb am 1. Januar der Chefredakteur Pan Wei einen Leitartikel. Die Schlussfolgerung: 'Der Chefredakteur dieser Zeitung behauptet: die beste Zeitung ist eine, die keinen Ärger macht.'"

Bild zum ArtikelSo könnte das heute kommende neue Wunderding aus Cupertino aussehen. Das Blog Mashable resümiert alle Gerüchte.




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Frankfurter Rundschau, 27.01.2010

Die Ägyptologin und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann schreibt zum Gedenken an den Holocaust, den sich die Deutschen nie vergeben sollten. Kurt Krohn berichtet, wie gravierender Geldmangel die Gedenkstätte Auschwitz gefährdet: "Mehr als 100 Millionen Euro müssten in den kommenden 20 Jahren investiert werden, um die Substanz zu erhalten, schätzt Piotr Cywinsk, Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau. Inge Günther erzählt die Geschichte des Holocaust-Überlebenden Pesach Anderman.


Weiteres: Seine Eindrücke vom Berliner Suhrkamp-Empfang schildert Harry Nutt, der im neuen Verlagsdomizil schon die Berliner Egalität spürte: "Eine Egalität, die in ihrer Volksnähe anrührend, mitunter aber auch schroff abweisend sein kann." In Times mager beschäftigt sich Nutt anlässlich einer Buchvorstellung mit der Zwangsumsiedlung der Polen aus der Ukraine.

Besprochen werden Christoph Loys Inszenierung von Paul Claudels Beziehungsdrama "Der Tausch" am Schauspielhaus Zürich, das Album "Vexations" von Get Well Soon, Christian Spucks "Falstaff"-Choreografie in Wiesbaden, Tristan Egolfs Roman "Kornwolf" und zwei Bücher über das Ruhrgebiet (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Spiegel Online, 27.01.2010

Nicht nur China, fast alle Staaten spionieren im Netz, schreibt Frank Patalong in einem Artikel über die Hack-Attacken gegen Google und andere US-Firmen: "Die angelsächsischen Länder gelten dabei als weltweit führend, ihre Geheimdienste sind gut vernetzt. Im Rahmen des Echelon-Netzwerkes bauten beispielsweise die USA und Großbritannien zusammen mit Australien und Kanada das größte Netz zur Vollüberwachung internationaler Kommunikation auf. Dabei ging es unter anderem um Wirtschaftsspionage unter Verbündeten. So sollen Echelon-Informationen schon Mitte der Neunziger dem US-Flugzeugbauer Boeing zugeflossen sein, der daraufhin in einem Bieterwettstreit mit Airbus das Gebot der Europäer gezielt unterbieten konnte. Der Fall beschäftigte sogar das Europaparlament."


In einem Brief an Außenminister Westerwelle droht Henryk Broder jetzt, Taliban zu werden. Nur um dann vom geplanten Ausstiegsprogramm zu profitieren: "Nach einer erfolgreichen Karriere als 'Hassprediger' liebäugele ich schon eine Weile mit dem Gedanken, ein Taliban zu werden. Ich brauche Bewegung, frische Luft und - nachdem ich über 40 Jahre allein vor mich hin gearbeitet habe - die Erfahrung von Kameradschaft und Solidarität. Ich fürchte, dass ich für den Einsatz an der Front zu alt bin, aber ich könnte wichtige Aufgaben in der Etappe übernehmen. Ich kann kochen, backen, filmen, fotografieren und Karten lesen."

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Weitere Medien, 27.01.2010

(Via Jeff Jarvis) Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian argumentiert gegen die New York Times, die sich hinter eine Paywall verschanzen will und für die Öffnung von Zeitungen zum Netz. Allerdings kann er mit dem Guardian auch eine Erfolgsgeschichte erzählen: "In an industry in which we get used to every trend line pointing to the floor, the growth of newspapers' digital audience should be a beacon of hope. During the last three months of 2009 the Guardian was being read by 40 per cent more people than during the same period in 2008. That?s right, a mainstream media company - you know, the ones that should admit the game's up because they are so irrelevant and don't know what they are doing in this new media landscape - has grown its audience by 40 per cent in a year. More Americans are now reading the Guardian than read the Los Angeles Times."


In Antwort auf den Verzweiflungsschrei Hilal Sezgins in der Zeit, die zugeben musste, den Perlentaucher nurmehr hassen zu können, ergreift Burkhard Müller-Ullrich im Deutschlandfunk Partei für das Internetmagazin und behauptet glatt, "dass sich der Perlentaucher zum vielleicht wichtigsten Bindeglied zwischen dem gedankenschweren und daher stets ein wenig tempoarmen deutschen Geistesleben und dem Echtzeitmedium Internet entwickelt hat."

Newsweek fragt schon mal, wieviele Industrien das iSlate umstülpen wird, und zwar handelt es sich um: Print (Buch), Print (Medien), Musik, Spiele, Fernsehen, Kino.

Lawrence Lessig bringt in The New Republic einen langen Essay gegen das Google Book Settlement - allerdings nicht vom Standpunkt der Vewerterindustrien, sondern vom Standpunkt eines möglichst freien Zugangs zu den Büchern. Er erklärt zunächst, dass es praktisch unmöglich geworden ist, Dokumentarfilme zu zeigen oder aus ihnen zu zitieren (für jeden Schnipsel braucht man eine Genehmigung) und schließt dann auf das Google Book Settlement: "The problem here is not just antitrust; it is not just privacy; it is not even the power that this (enormously burdensome) free library will give this already dominant Internet company. Indeed, the problem with the Google settlement is not the settlement. It is the environment for culture that the settlement will cement. For it practically guarantees that we will repeat the cultural-environmental errors of our past, by now turning books into documentary film."

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Die Tageszeitung, 27.01.2010

Für Dirk Knipphals gab es beim Empfang des Suhrkamp Verlags im neuen Berliner Domizil rein bekleidungstechnisch nur einen Star: "Peter Handke sah toll aus. Hochgekrempelte Jeans, halblanger Mantel, helles Hemd, Schal, nach hinten gekämmte graue Haare, vor allem eine Schlankheit und ein dichtes Faltenmosaik, die etwas Gegerbtes und asketisch Weises ausstrahlten. Dabei ein sehr zugewandtes, sehr freundliches Gesicht."


Weitere Artikel: Christine Niggemann lässt sich in Wien von Thomas Frankl durch eine Ausstellung mit den Bildern seines Vaters, des Auschwitz-Überlebenden Adolf Frankl, führen. Rudolf Balmer spottet über einen Fernsehauftritt Nicolas Sarkozys. Rolf Lautenschläger berichtet von der Jahresbilanz-Pressekonferenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Besprochen werden Phil Lords und Chris Millers Animationsfilm  "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen", Frank Abts Inszenierung von Maxim Billers "Adam und Esra" am Deutschen Theater in Berlin und Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 27.01.2010

Im Interview mit Ramon Schack spricht der türkische Schriftsteller Nedim Gürsel über seinen Roman "Allahs Töchter", der ihm einen Prozess eingebracht hat. Verunglimpfung religiöser Werte lautet die Anklage: "Man kann davon ausgehen, dass gewisse Kreise unbedingt wollen, dass die Türkei weiterhin als ein Land bekannt bleibt, in dem Schriftsteller vor Gericht gestellt werden. Diese Zeiten sollten eigentlich vorbei sein."


Weiteres: Im Aufmacher fürchtet der in Basel Philosophie lehrende Hans Bernhard Schmid, dass bei der Sterbehilfe die Wünsche des Patienten hinter die der Helfer zurücktreten könnten. Besprochen werden eine Ausstellung zu Martin Elsaesser im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, Uwe Radas Lebenslauf der "Oder", Kerstin Ekmans Roman "Hundeherz" und Jochen Hörischs Schrift über die "Bedeutsamkeit" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Der Tagesspiegel, 27.01.2010

Gregor Dotzauer setzt ein Be vor die Jubelmelodien um den Suhrkamp-Umzug: "Ökonomisch aber ringt die Marke hart mit den Wirklichkeiten von Eventkultur und Thalia-Ignoranz, und was der Markt an Bitterkeiten nicht selbst hervorgebracht hat, das hat sich Suhrkamp in den letzten Jahren als Hire-and-Fire-Zentrale der deutschen Verlagslandschaft selbst zugemutet."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2010

Von der Kulturbetriebsversammlung zur Eröffnung des neuen Berliner Suhrkamp-Domizils berichtet Felicitas von Lovenberg - als unerwartetster Überraschungsgast war, wie sie mitteilt, übrigens sogar Martin Walser angereist. Ansonsten ein Neuanfang mit speziellen Pointen: "Die Verlegerin, die ihr derzeitiges Lieblingswort 'resilient' Gershom Sholems Beschreibung der Berliner entlehnt hat, schlug den Bogen von Peter Suhrkamps Anfängen in Berlin über die Eröffnung der Berliner Suhrkamp-Dependance im Februar 2006, als Klaus Wowereit seine 'bürgermeisterliche Vision' entworfen habe, dass Suhrkamps erstem Schritt nach Berlin entscheidende weitere folgen sollten, bis zur Gegenwart. Nur Frankfurt, wo der Verlag mehr als fünfzig seiner jetzt sechzig Jahre verbracht hat, kam mit keinem Wort vor."


Weitere Artikel: Lorenz Jäger analysiert parallele Interessenlagen bei neokonservativen deutschen (Achse des Guten) wie amerikanischen Publizisten (Seine Argumentation: 1. Obama macht tolle Außenpolitik. 2. Nicht näher genannte ausländische Lobbys werfen ihm Knüppel in den Weg. 3. Die Achse des Guten ist gegen Obama und für Israel. 4. Israel ist gegen Obama.) Kerstin Holm besucht das vor Moskau gelegene Millionärsdorf Fürstensee, das sich jetzt eine "uralte Wunder-Ikone" zugelegt hat. Über einer erneute Initiative, Claude Monet ins Pantheon zu überführen, informiert Jürg Altwegg. Jordan Mejias blickt in amerikanische Zeitschriften. Edo Reents versucht in der Glosse zu klären, was eigentlich ein Idiot ist. Vom Wiener Festival für Alte Musik "Resonanzen" berichtet Dirk Schümer.

Besprochen werden Frank Abts Inszenierung einer rechtlich unbedenklichen Theaterversion von Maxim Billers verbotenem "Esra"-Roman am Deutschen Theater in Berlin, eine Carmen-Herrera-Ausstellung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Guy Ritchies actionlastige "Sherlock Holmes"-Verfilmung mit Robert J. Downey und Jude Law und Bücher, darunter Almudena Grandes' Roman "Das gefrorene Herz" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 27.01.2010

Helmut Mauro verteidigt die Pianisten David Fray, Martin Stadtfeld und Lang Lang gegen irrationales Lob ebenso wie gegen Vorwürfe, sie seien exzentrisch oder von "mainstreamigem" Aussehen. Lothar Müller traf beim Empfang des Suhrkamp Verlags "hier auf Hans Magnus Enzensbeger mit seiner abenteuerlichen Pilotenbrille, dort auf einen milde nachdenklichen Peter Handke und en passant auf einen von Uwe Tellkamp deponierten Kinderwagen". Tobias Kniebe überlegt, was der Erfolg von "Avatar" über "uns" sagt. Der Hamburger Senat singt neuerdings ein Loblied auf die "kreativen Milieus", die bei der Stadtentwicklung "Raumpioniere" spielen sollen, berichtet Till Briegleb, die kreativen Milieus reagieren eher skeptisch. Henning Klüver begutachtet das restaurierte Opernhaus von Neapel, das jetzt mit Mozarts "La clemenza di Tito" wiedereröffnet wurde. Die Franzosen freuen sich, dass die Rechte an den Werken Freuds frei geworden sind und wollen ihn gleich neu übersetzen, erzählt Burkhard Müller, der dieses Vorhaben ausführlich würdigt. Jonathan Fischer schreibt zum Achtzigsten des Blues- und Soulsängers Bobby Blue Bland.


Besprochen werden Michael Hoffmans "in den Landschaften von Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen" gedrehter Tolstoi-Film  "Ein russischer Sommer" mit Christopher Plummer und Helen Mirren, Christof Loys Inszenierung von Paul Claudels "Der Tausch" am Schauspielhaus Zürich, Johan Simons' Inszenierung von Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns" im Berliner HAU, einige CDs, Siri Hustvedts Essay "Die zitternde Frau" und Emmanuelle Paganos Roman "Die Haarschublade" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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