Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Artikel von
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Tempel des digitalen Zeitalters
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung.
Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 23.01.2010
Claudia Pinl dringt darauf, in der Debatte um Feminismus und Islamkritik auf ein paar Differenzierungen zu beharren. So müsse Kritik an der Frauenfeindlichkeit des Islam noch lange nicht rechts sein. Und sie ist sehr wohl aus der links-emanzipatorischen Tradition des Feminismus erklärbar: "Die Frauenbewegung hat lange auf ein egalitäres Verhältnis der Geschlechter hingearbeitet, nicht nur im Beruf und in der Politik, auch im 'intimen' Bereich von Familie und Sexualität. Das Geschlechterverhältnis aus seiner Machtverstrickung zu lösen ist erst ansatzweise gelungen. Der Wunsch, nicht dahinter zurückzufallen, erklärt die Leidenschaft, mit der die meisten Feministinnen islamisch begründete Vorstellungen über Frauenkörper und Sexualmoral kritisieren und ablehnen."
Weitere Artikel: Zur bevorstehenden feierlichen Einweihung des mutmaßlich provisorischen neuen Suhrkamp-Sitzes in der Berliner Pappelallee analysiert Dirk Knipphals den Zustand des Verlags und die mit dem Umzug verbundenen Hoffnungen. Doris Akrap erkennt am Umgang mit Karnevalsmasken durchaus Ähnlichkeiten zwischen Katholiken und Islamisten. Dago Langhans unterhält sich mit dem Historiker Daniel Siemens über dessen "Horst Wessel"-Biografie. Bereits gestern erzählte Patricio Farrell in der tazzwei eine Geschichte gelungener Integration.
Besprochen werden Scout Nibletts Album "The Calcination of...", und Bücher, darunter der Roman "Spucke" des Ex-Spex-Autors Wolfgang Frömberg und die Neuauflage von Paul Lafargues Schrift "Die Religion des Kapitals" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Und Tom.
Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 23.01.2010
In ihrer Rezension von Seyran Ates' neuem Buch "Der Islam braucht eine sexuelle Revolution" möchte auch die Ethnologin Susanne Schröter differenzieren: "Die dargebotene Montage liest sich flüssig, auch deshalb, weil auf eine genaue Beweisführung ebenso verzichtet wird wie auf eine Reflexion der präsentierten Kontexte... Nahezu nichts verbindet eine gebildete islamische Feministin in den USA mit einer muslimischen Analphabetin aus dem ländlichen Afghanistan oder eine saudi-arabische Ministerin mit einer türkischen Putzfrau in Kreuzberg."
Weitere Artikel: Christian Thomas nimmt eine ZDF-Produktion zum Anlass, über die Argonauten-Sage nachzudenken, und darüber auch, wie heutzutage dem Mythos das Mythische ausgetrieben wird.In ihrer US-Kolumne lässt sich Marcia Pally von Volkes Stimme erklären, warum die Demokraten den so wichtigen Senatssitz in Massachussetts verlieren mussten. Daland Segler mokiert sich in einer "Times Mager" über das Twittern als Dünnbrettbohrer-Aktivität.
Besprochen werden die Uraufführung von Katja Hensels Demografie-Stück "Ins Weite schrumpfen" in Kassel, eine Aufführung von Richard Alfieris Stück "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" im Frankfurter Remond-Theater, die George-Grosz-Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste, (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Aus den Blogs, 23.01.2010
Richard Herzinger wendet sich in der Achse des Guten gegen den Begriff der Islamophie und seine etwas perfide Gleichsetzung mit dem Antisemitismus: "Aversionen gegen 'den Islam' mit dem Antisemitismus gleichzusetzen, abstrahiert von der Tatsache, dass es nicht nur eine reale Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus gibt, sondern auch mächtige islamische Staaten und Organisationen, die nicht nur die Auslöschung Israels, sondern die 'Bekehrung' der ganzen Menschheit zu einer 'islamischen Ordnung' propagieren, in der unter Berufung auf religiöse Gebote schlimmste Menschenrechtsverletzungen praktiziert und gerechtfertigt werden. Allerdings: Tendenzen, 'die Muslime' dafür kollektiv verantwortlich zu machen, muss man entschieden entgegentreten. Das gelingt aber nicht, wenn man jeglichen Zusammenhang zwischen dem politischen Islam und seinem islamischen Glaubenshintergrund schlichtweg ignoriert."
Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2010
Edu Haubensak stellt den amerikanischen Komponisten Conlon Nancarrow vor, der nicht nur ein äußerst bewegtes Leben hatte, sondern auch, nachdem er 1940 nach Mexiko Stadt emigriert war, "eine aufregende und hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere" erfand: "Im Höreindruck wirkt diese Klaviermusik nur anfänglich schroff und abweisend. Je länger man bei diesen Werken verweilt, desto zugänglicher werden die glasklaren Strukturen, trotz ihrer Dichte und Komplexität. Nicht nur die eingängigen frühen Blues- und Boogie-Woogie-Studien frappieren, auch die spanisch inspirierten Stücke sind, auf dem mechanischen Klavier gehört, voll von Humor. Stilistisch ist Nancarrow aber hauptsächlich im Barock zu Hause, er erwähnt Johann Sebastian Bachs Fugen als Inspirationsquelle, und die Imitation, der strenge Kanon, findet sich in den meisten seiner Werke."
Bei Youtube kann man einiges von ihm hören. Hier ein Beispiel:
Weiteres: Daniel Ender ermutigt dazu, sich mit dem radikalen Musikbegriff Helmut Lachenmanns auseinanderzusetzen. Angela Schader porträtiert die Journalistin Martha Gellhorn, deren Briefe gerade erschienen sind (hier eine Leseprobe). Andrea Köhler hat eine Biografie über und ein Buch mit Kurzgeschichten von John Cheever gelesen und zitiert aus dem Vorwort Cheevers zu letzterem Band: "Hier treten die Letzten aus jener Generation von Kettenrauchern auf, die morgens alle Welt mit ihrem Gehuste weckten, die sich auf Cocktailpartys regelmäßig zudröhnten, sich voller Wehmut nach Liebe und Glück sehnten und deren Götter so alt waren wie Ihre (wer immer Sie sein mögen) und meine Götter".
Im Aufmacher des Feuilletons erzählt Martin Meyer, wie Erdbeben das Bewusstsein der Moderne - über Kant, Kleist und Voltaire - prägten. Das Leben außerhalb von Raum und Zeit, in einer Hütte auf den Anden, prägt den Stil des kolumbianischen Schriftstellers Hector Abad, wie er erzählt. Und Andrea Eschbach berichtet von der internationalen Möbelmesse in Köln.
Besprochen werden einige Bücher, darunter Martin Suters Roman "Der Koch" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Welt, 23.01.2010
Berliner Suhrkamp-Autoren begrüßen ihrem Verlag fröhlich im neuen, vielleicht noch etwas kalten Domizil: Durs Grünbein ruft: "Willkommen in der Diaspora, Leute, in der Ost-West-Kapitale Berlin, auf halbem Weg zwischen Atlantik und Sibirien. Willkommen in der Transformation." Und Sibylle Lewitscharoff warnt vor dem unbewaffneten Theaterbesuch: "Falls die Frankfurter von ihrem alten Häuserkampf noch einen Rest Mumm mitbringen, dürfen sie natürlich ins Theater: Tomaten mitbringen und werfen! Gewarnt sei generell vor dem Berliner Publikum. Es sind öde Selbstlacher. Sie lachen ohne Grund, einfach, um über die Runden zu kommen."
Außerdem in der Literarische Welt: Ulrich Weinzierl verehrt Anton Tschechow zu seinem 150. Geburtstag als einen Gründungsvater der Moderne. Der Historiker Arno Lustiger erinnert anlässlich des Holocaust-Gedenktages an drei österreichische Juden, deren Schicksal prototypisch war: den republikanischen Feldmarschall Johann Friedländer, den monarchistischen General Emil von Sommer und den Sozialdemokraten Julius Deutsch.
Besprochen werden unter anderem Alain Claude Sulzers Roman "Privatstunden" und der Abschlussband von Richard Evans' Geschichte des Dritten Reichs, "Krieg".
Im Feuilleton besucht Gabriela Walde das "Bestiarium" des amerikanischen Künstlers Walton Ford im Hamburger Bahnhof in Berlin; Michael Pilz erinnert an den Jazzgitarristen Django Reinhardt, der vor hundert Jahren geboren wurde. Auf der Forumsseite übernimmt die Welt Thierry Chervels Essay "Das Behagen an der Unkultur" (hier in voller Länge).
Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 23.01.2010
Im Interview singt der zum Internetskeptiker gewendete frühere Enthusiast Jaron Lanier wie zuletzt schon auf allen Kanälen das Loblied der Individualität, die er im Internet inzwischen zu kurz kommen sieht: "Die extremen Formen von Kapitalismus, die man online findet, ähneln den Strukturen des Maoismus. Google ist das Äquivalent zur Kommunistischen Partei. Im Gegensatz zu Marx und den meisten Marxisten verachtete Mao die Intellektuellen und glorifizierte die Bauern. Abraham Maslows 'Bedürfnispyramide' ist hier ganz hilfreich: Bevor wir uns höheren Bedürfnissen widmen, müssen die Menschen erst einmal ihren Hunger stillen. Unter Mao wurden alle, die die Pyramide ein Stück hochgeklettert waren, wieder hinabgestoßen und auf die Felder geschickt. Die heutige Online-Kultur tut im Prinzip genau dasselbe."
Und der sonst für theologische Fragen zuständige Alexander Kissler hat ein Buch über Google gelesen (nämlich Ken Aulettas "Googled") und kann jetzt erklären, wie der Konzern tickt, der gottgleich das Internet regiert: "Weltverbesserung und Elendsvermeidung hat man sich auf die Fahnen geschrieben. Ein technokratischer, ein geradezu vulgärkartesianischer Kern wohnt jedoch dieser geschäftstüchtigen Maxime inne: Googles Führungstroika, der neben Brin und Page CEO Eric Schmidt angehört, besteht ausschließlich aus Ingenieuren. Sie träumen den Traum, alle Probleme mit Logik aus der Welt schaffen zu können".
Weitere Artikel: Schlicht und einfach in einer "Parallelwelt" verschwunden sieht Andreas Zielcke die Arbeiter im Finanzsystem, einer Parallelwelt allerdings, die höchst gefährlich mit anderen gesellschaftlichen Wirklichkeiten rückgekoppelt ist. Über den in Schweden tobenden Streit um Stieg Larssons Können als Schriftsteller und um sein Erbe informiert Thomas Steinfeld. Julia Amalia Heyer berichtet über Nicolas Sarkozys Bemühungen, die gesellschaftliche Chancenverteilung durch Sozialquoten für die Elitehochschulen zu verbessern. Burkhard Müller gratuliert dem Literaturnobelpreisträger Derek Walcott zum Achtzigsten. Gottfried Knapp porträtiert zu dessen 90. Geburtstag den einzigen deutschen Pritzker-Preisträger, den Architekten Gottfried Böhm. Karl Lippegaus erinnert an "Europas ersten Jazzmusiker von Weltrang" Django Reinhardt, der heute seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Auf der Medienseite wird gemeldet, dass der gern polarisierende Publizist Henryk M. Broder noch in diesem Jahre eine eigene Fernsehsendung (Titel: "Entweder Broder") in der ARD bekommen soll.
Im Aufmacher der SZ am Wochenende erklärt Franziska Augstein, warum der Krieg in Afghanistan so schnell wie möglich enden muss. Andreas Bernard denkt über die in den letzten Jahren flächendeckend um sich greifende Mode der Schamhaarrasur nach. Auf der Historienseite geht es um die verlustreiche Landung der US-Truppen in der Normandie. Abgedruckt wird Georg Kleins Erzählung "Im Lager der sekundären Träumer". Kristin Rübesamen unterhält sich mit dem britischen Schauspieler Jude Law über das "Alter".
Besprochen werden Jan Phlipp Glogers "Viel Lärm um Nichts"-Inszenierung am Münchner Residenztheater, ein Münchner Konzert, bei dem das BR-Symphonieorchester unter Zubin Mehta Schuberts "Unvollendete" spielte, und Bücher, darunter Alexander Demandts biografische Studie "Alexander der Große" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2010
Im Leitartikel auf der Seite 1 der FAZ unterstützt Frank Schirrmacher den Vorschlag des CCC für eine Art digitalen Bürgerpass (mehr hier) und plädiert dafür, sich konstruktiv mit Google auseinanderzusetzen: "Google ist der sichtbarste Tempel des digitalen Zeitalters. Aber gerade weil es so sichtbar ist, ist es eben auch eine Akademie der Aufklärung. So paradox es klingt: Wenn ein Unternehmen einen über die Gefahren des digital entmündigten Menschen aufklärt, dann ist es die Suchmaschine des Konzerns. Das heißt nicht, dass Google nicht kritisiert werden sollte. Aber es heißt auch, dass nach Lage der Dinge Google in dieser Frage ein Verbündeter sein kann."
Nicht nur die chinesische KP, auch ultraorthodoxe Rabbiner in Israel halten das Internet für Teufelszeug. Nachdem sie erst versucht hatten, den säkularen Webseiten mit eigenen Internetangeboten Paroli zu bieten, berichtet Joseph Croitoru im Feuilleton, gaben jetzt dreißig Rabbiner per Annonce bekannt, "dass ihren Anhängern die Nutzung der ultraorthodoxen Nachrichtenportale ab sofort untersagt sei". Der Grund: "Um ihre Besucher nicht zu verlieren, ließen die religiösen Portalbetreiber auch unbequeme Lesermeinungen zu, die sonst anderswo veröffentlicht worden wären." (Mehr dazu hier)
Weitere Artikel: In der Glosse nimmt rik. eine Reclam-Reihe für Abiturienten aufs Korn, die gewalttätige Klassiker entschärft. Jürgen Dollase rühmt die Regionalküche der Lübecker "Schiffergesellschaft". Dirk Schümer berichtet über von der Politik angeheizte deutsch-italienische Konflikte in Südtirol. Andreas Platthaus schreibt zum Tode des französischen Zeichners Jacques Martin.
Auf der Medienseite hofft Helmut Markwort im Interview, dass Wolfram Weimar als einer von zwei neuen Chefredakteuren des Focus viele gute Ideen ins Blatt bringt. Michael Hanfeld ärgert sich über die ARD, die auf dem iPhone präsent ist, obwohl der Rundfunkrat doch das Abwarten des Dreistufentests empfohlen hat. Edo Reents reist auf den Spuren Hans Castorps nach Davos.
Im Aufmacher von Bilder und Zeiten erzählt Andreas Kilb die Geschichte von Fritz Langs Film "Metropolis" (eine Kopie der ursprünglichen Fassung ist 2008 in Buenos Aires aufgetaucht). Sonja Hartwig und Kilian Trotier erzählen die Geschichte von Ray Simmons, der mit seinen Bussen Angehörige von Inhaftierten in die entlegenen Gefängnisse des Bundesstaates New York fährt. (Mehr über Simmons in Atlantic und der NYT.) Carolin Pirich hat einen Ortstermin mit dem britischen Fotojournalisten Don McCullin (eine Ausstellung seiner Bilder kann man derzeit im C/O in Berlin sehen). Und Sophie Rois erzählt im Interview mit Irene Bazinger, warum sie so gern an der Volksbühne arbeitet.
Besprochen werden eine Ausstellung der Tiermalerei von Walton Ford im Hamburger Bahnhof in Berlin, Jan Philipp Glogers Inszenierung von Shakespeares "Viel Lärm um nichts" im Münchner Residenz Theater, die Leanne-Shapton-Ausstellung im Kunstraum Murkudis in Berlin und Bücher, darunter der Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld sowie ein Buch von Leanne Shapton (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Auf der Schallplatten- und Phonoseite geht's um Nikolaj Znaiders Einspielung des Violinkonzerts von Edward Elgar auf dem Instrument der Uraufführung: der "Kreisler"-Guarneri, RIAS-Aufnahmen des jungen Friedrich Gulda aus den Jahren 1950-59 und die neue CD von Tocotronic, die auch ihre alten Sachen gerade wieder neu auflegen lassen ("Wie man hört, plante der Heidelberger Germanist Roland Reuß eine historisch-unkritische Gegenedition von Neupressungen mit allen Originalkratzern", ulkt Patrick Bahners). Claus Lochbihler schreibt zum Hundertsten von Django Reinhardt.
In der Frankfurter Anthologie stellt Klara Obermüller ein Gedicht von Hofmann von Hofmannswaldau vor: "Auf den Einfall der Kirchen zu St. Elisabeth"
Archiv: Heute in den Feuilletons
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
2010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen
Ein Trost am Rand meines Grabes
03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen
Ich saß bereits im Flugzeug
02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen
Eine Kultur der Jetzigkeit
01.03.2010. Die SZ berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat. Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother". Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen
Tack, und der Ton ist weg
27.02.2010. In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen. Mehr lesen
Nicht an das Große rühren
26.02.2010. Von jenseits des Grabes erklingt nochmal die Stimme Johnny Cashs und lässt den einen oder anderen Feuilletonisten erschauern. Die NZZ präsentiert eine gute Idee für einen großen Teil der neuesten Kunst: Michael Landys' Kunstabfallcontainer. Die Welt bringt ein Gespräch mit dem Historiker Norbert Leithold, der einst das Pornokino reformieren wollte. Die FAZ feiert Michael Lentz' Sprache der Liebe, die SZ den Architekten Ole Scheeren, der den Westen schon hinter sich hat. Mehr lesen
Ein Stück Rindfleisch unter der Heizung
25.02.2010. War das wirklich ein guter Scherz?, fragt Dirk von Gehlen in seinem Blog zum Grünbeinschen Hegemann-Späßchen. "Plagiat. Was denn sonst", diagnostiziert der Experte Philipp Theisohn in der NZZ zum selben Fall. Außerdem verweisen wir auf zwei instruktive Prä-Hegemann-Texte. Timothy Snyder klärt im Blog der NYRB über Stepan Bandera und ukrainischen Nationalismus auf. In der Berliner Zeitung krümmt sich der gekerbte Raum der ortsgebundenen Dienste. Die FAZ feiert Caravaggio. Mehr lesen
Und dann die große moralische Frage
24.02.2010. Grünbeins Hegemann-Verteidigung in der FAZ ist zwar von Benn, aber er nimmt kein Wort zurück! Die SZ bringt nochmal mehrere Sonderseiten zum Fall Hegemann. Besonders rigide gegen jegliches Plagiat äußert sich hier der noch selber schreibende Feridun Zaimoglu. In der Welt versichert Petros Markaris: die Griechen sind selber schuld. Jakob Michael Reinhold Lenz ist nicht Kurt Cobain, erfahren wir von Frank Castorf in der taz. In der NZZ fragt Adam Krzeminski: Wie weit im Westen liegt heute der Osten? Oder umgekehrt? Mehr lesen
Jenes 'Lawinengefühl', wie ich es nennen möchte
23.02.2010. "Dass jeder Satz und jeder Dialog durchatmet und durchströmt wird von der Inspiration einer großen Schöpferin": Durs Grünbeins feierliche Verteidigung der Helene Hegemann steht in der FAZ. In der NZZ gesteht Volker Braun, wie ihn die Schweiz zum Schreiben brachte. Für Gabriele Goettle erzählt der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl aus seinem Leben. Im Blog der New York Review of Books erinnert Charles Simic an den Dichter Heimrad Bäcker. BoingBoing rätselt über das Phänomen der singenden Hunde. Mehr lesen






