Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Wie eine Reinkarnation von Baron Samedi

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

19.01.2010. Hans-Christoph Buch spricht in der FR ausführlich über die dunkle Geschichte Haitis. Die taz fürchtet ein neues Bündnis zwischen der Türkei und dem Iran. Die FAZ trauert um die Schweizer Armee, die leider pleite ist. In der Welt polemisiert Hamed Abdel-Samad gegen den feuilltonistischen Dschihad von SZ, FAS und vielen anderen Zeitungen gegen Islamkritiker. Ebenso der Perlentaucher.

Die Welt, 19.01.2010

Im Forum nimmt sich der in München lehrende Politologe und Buchautor Hamed Abdel-Samad die Herren Seidl, Steinfeld und Pflitsch zur Brust, die in ihren Zeitungen (FAS, SZ und Tagesspiegel) der Islamkritik einen Maulkorb verpassen wollten: "Besonders Seidls Schlusswort fand ich amüsant. In Anlehnung an ein Zitat von Voltaire schreibt er: 'Ich mag Ihr Kopftuch nicht, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sich kleiden dürfen, wie Sie wollen.' So resümiert er sein verkürztes Verständnis von Freiheit. Mit seiner eigenen Logik darf man Seidl eigentlich 'Kopftuchmärtyrer' nennen. Aber sonst würde er sein Leben ganz sicherlich nicht dafür opfern, damit eine muslimische Frau in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben jenseits der strengen Moralvorstellung der muslimischen Communities führen kann. Er würde niemals über sie in der FAS einen Artikel schreiben, falls sie vom eigenen Bruder im Namen der Ehre ermordet würde, denn diese 'orientalischen Verhältnisse' sind seines feuilletonistischen Dschihads nicht würdig."


In der Leitglosse des Feuilletons hat Hendrik Werner seine helle Freude an der saftigen Neuübersetzung von Aristophanes' Lustspiel "Lysistrate" durch den Münchner Altphilologen Niklas Holzberg: "Als zugleich plastische und drastische Zumutung mag diese neue Reclam-Übersetzung (101 S., 3 Euro) für heutige Leser anmuten. Zugleich gefällt sie durch klassische Tugenden: Authentizität und Aletheia, lies: Unverborgenheit. Aristophanes, der laut Übersetzer Holzberg das Wort 'Schwanzlutscher' nicht scheute, hätte es gefreut".

Weitere Artikel: Der russische Staat will enteignetes Kirchenvermögen zurückgeben, berichtet Manfred Quiring, auf dass Patriarch Kirill den Russen weiterhin versichert, "die Staatsmacht habe das Beste aus der Situation gemacht, man müsse ihr dankbar sein". Hannes Stein überlegt, warum konservative Kritiker in den USA James Camerons Film "Avatar" als linken Kitsch abfertigen. Hanns-Georg Rodek stellt die Gewinner der Golden Globes vor. Harald Peters gratuliert der Schauspielerin Tippi Hedren zum Achtzigsten.

Besprochen werden der Coen-Film "A Serious Man", Michael Thalheimers Inszenierung von Tschechows "Kirschgarten" und die Aufführung des Pop-Oratoriums "Die 10 Gebote" in der Dortmunder Westfalenhalle.

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Die Tageszeitung, 19.01.2010

Die Türkei, vergrätzt darüber, dass ihr die EU immer wieder die kalte Schulter zeigt, entwickelt nun eine neoosmanische Außenpolitik, schreibt Jürgen Gottschlich: "Die Folgen davon sind bereits unübersehbar. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan nennt nun Mahmut Ahmadinedschad statt des deutschen Bundeskanzlers seinen besten Freund. In der Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm verteidigt er geradezu aggressiv das Recht des Irans, eigene Atomanlagen zu betreiben. Kaum ein arabischer Regierungschef griff Israel wegen des Gazakriegs so massiv an wie der Chef des Nato-Staats Türkei, und kein anderer Nato-Staat pflegt so enge Bindungen an Russland wie die Türkei unter Erdogan. Dafür gibt es zwar auch sachliche Gründe wie die Energieabhängigkeit der Türkei von Russland und Iran, die Debatten in der Türkei zeigen jedoch, dass es um einen klaren Paradigmenwechsel geht."


Weiteres: Julia Grosse schickt einen Brief aus dem verschneiten Großbritannien. Besprochen werden die Ausstellung "Die andere Leipziger Schule - Fotografie in der DDR" in der Kunsthalle Erfurt, Clemens Schönborns Leipziger Inszenierung der "Medea" als Solo für Sophie Rois und Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Dea Lohers neuem Stück "Diebe" am Deutschen Theater Berlin.

Auf den vorderen Seiten gibt es ein Interview mit dem polnischen Historiker Tomasz Szarota über seinen Rückzug aus dem Beraterkreis der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung - leider funktioniert der Link zum Artikel nicht.

Schließlich Tom.

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Aus den Blogs, 19.01.2010

Am 27. Januar wird Apple den hysterisch erwarteten Tablet-PC vorstellen, meldet Adam Ostrow in Mashable: "if anything other than the Apple Tablet (potentially named iSlate) is revealed, it would be a bigger surprise than the Tablet itself."

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Weitere Medien, 19.01.2010

Newsweek bringt ein Dossier zu Googles möglichem Abzug aus China. Fareed Zakaria erklärt die Frechheit, mit der China die Google-Konten ausspähte: "Die bedeutendste Veränderung, die in China gerade stattfindet, ist eine wachsende Geringschätzung seiner Beziehung mit Washington und dem Westen." Google-Chef Eric Schmidt betont im Interview, dass die Gespräche mit der chinesischen Regierung noch laufen.

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Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2010

Mona Sarkis berichtet von einem Boom der syrischen Kunstszene und einer neuen Bilderlust in der Gesellschaft: "Alles findet hier hinein: das arabische Schattentheater und die flächige islamische Kunst, die weder Licht noch Schatten kennt. Die kanaanitischen Dämonen, die palmyrenischen Flügelwesen - und der das einstige wie jetzige Syrien prägende Sufismus. Im Unterschied zu anderen muslimischen Ländern verbannte der laizistische Staat diesen mystischen Islam, der auf Kriegsfuss mit dem im Wortlaut des Korans verhafteten Sunnismus steht, nie in den Untergrund. Es sind diese in heftigen Farben ausgeführten Figurationen der heute rund 70-Jährigen (Elias Ziad, Nazir Nabaa) und die ab den 1980er Jahren folgenden, weniger melodramatischen Werke von Eduard Shahda, Asaad Arabi oder Fadi Yazji, die bis dato den Nachwuchs prägen."


Besprochen werden die Verfilmung von Thomas Hürlimanns Roman "Der große Kater", Andras Schiffs Vortrag des "Wohltemperierten Klaviers" in der Tonhalle Zürich (bei dem sich Schiff für Martin Meyer als "Bachs herausragendster Interpret für dessen Klavierwerk" erwies), Alissa Walsers Roman "Am Anfang war die Nacht Musik" und Carl-Johan Vallgrens Roman "Kunzelmann & Kunzelmann" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Perlentaucher, 19.01.2010

Die Feuilletons haben in den letzten Wochen in einem ganzen Artikelschwarm Islamkritiker - allen voran Henryk Broder und Necla Kelek - angegriffen. Einer der Gründe für die Agressivität ihrer Artikel dürfte das schlechte Gewissen über einen Sündenfalll sein, den Nicht-Abdruck der Mohammed-Karikaturen, meint Thierry Chervel: "Der Karikaturenstreit war eine Zäsur in der Geschichte der Medien. Er war zwar noch von einer Zeitung ausgelöst worden, aber die allermeisten anderen Zeitungen dieser Welt - und auch die allermeisten Fernsehanstalten - nahmen den Impuls nicht mehr auf. Sie zensierten die Zeichnungen mit wenigen Ausnahmen. Sie nannten sie plump (oder 'albern', wie Thomas Steinfeld, mehr hier), um behaupten zu können, dass sich eine Veröffentlichung nicht lohne. Eine Kapitulation."

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Frankfurter Rundschau, 19.01.2010

In einem ausführlichen und sehr lesenswerten Interview mit Arno Widmann spricht der Schriftsteller Hans Christoph Buch, den eine kreolische Großmutter mit Haiti verbindet, über den langen Leidensweg des Landes. Zum Beispiel über die Voodoo-Diktatur des Papa Doc: "Die USA besetzten das Land bis 1934. In jenen Jahren besannen sich die haitianischen Intellektuellen auf ihre afrikanischen Wurzeln. Papa Doc war - wenn auch mehr am Rande - einer von ihnen. Damals publizierte er obskure Aufsätze über Voodoo in einer ethnographischen Zeitschrift. Im Wahlkampf in den 50er Jahren trat er dann als Voodoo-Doktor und Voodoo-Priester auf. Mit dicker Hornbrille, schwarzem Hut, schwarzem Anzug und einem Spazierstock. Er wirkte wie eine Reinkarnation von Baron Samedi, Baron Samstag, dem Totengott des Voodoo. Er war selbst der Oberpriester des haitianischen Voodoo. In den Schulen wurde ein Gebet eingeführt, das mit den Worten begann: 'Doc, der Du regierst im Palast, töte alle Deine Feinde.'"


Weiteres: Elke Buhr und Tobi Müller berichten von einer Veranstaltungsreihe in Berlin zum Live-Geschäft in der Musikindustrie. Jürgen Verdofsky schreibt zum Tod des Berliner Dichters Kurt Bartsch. Besprochen wird das Frankfurter Obama-Musical "Hope".

Auf der Medienseite verfolgt Daniel Bouhs Start der dritten Welle des Deutschlandradios, die offenbar die Hörer der Zukunft finden soll: "Im Kölner Funkhaus sprechen sie gar von einer 'Suchmaschine für das Radio von morgen'. "

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Berliner Zeitung, 19.01.2010

Die SZ hat ein App fürs Iphone entwickelt und bei der Gelegenheit eine eigenwillige Auffassung von freier Berichterstattung entwickelt, berichten Katrin Blum und Marin Majica: "Offenbar hat die SZ Blogger dafür bezahlt, dass sie sich in Foren und Blogs ausschließlich lobend über das Programm äußern."

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Süddeutsche Zeitung, 19.01.2010

Johan Schloemann liest "Die empathische Zivilisation", das neue Buch von Jeremy Rifkin, der es anders als unsere Unkenrufer schafft, eine optimistische Vision zu neuen Technologien  zu entwickeln. Die Geschichte der Medien sei eine Geschichte immer weiter gefasster Empathie, und das gelte auch fürs Netz, resümiert Schloemann: "Rousseau, Roman und Romantik, freie Marktwirtschaft, Entdeckung von Kindheit und Jugend, Gruppentherapie und Friedensbewegung. Nur durch die höhere Komplexität der Gesellschaften habe auch das Mitgefühl, wiewohl naturgegeben, überhaupt wachsen können."


Architekturkritiker Ira Mazzoni kämpft gegen die Welle von Schloss- und sonstigen Attrappen in unseren Innenstädten an: "Das Geschichtliche ist heute außer Kraft gesetzt, allenfalls als Alibi wird es noch bemüht."

Weitere Artikel: Andrian Kreye kommentiert die Katastrophe von Haiti. Fritz Göttler gratuliert Tippi Hedren zum Achtzigsten. Alexander Kissler berichtet vom Auftritt des Papstes in der Synagoge von Rom. Franziska Augstein gratuliert dem Regisseur Bernhard Sinkel zum 70. Geburtstag. Helmut Böttiger schreibt zum Tod des Berliner Schriftstellers Kurt Bartsch.

Besprochen werdem "Dantons Tod" in der Regie von Laurent Chetouane in Köln, Choreografien der Tanztruppe "Dorky Park" an der Berliner Schaubühne und Bücher, darunter Ivan Nagels Essay "Gemälde und Drama - Giotto, Masaccio, Leonardo".

Auf der Medienseite berichtet Johannes Boie über die Klage deutscher Zeitungsverleger gegen den Konzern Google, dem vorgeworfen wird, seine Suchergebnisse nicht neutral zu gewichten. Thomas Schuler nimmt die von Stiftungen finanzierten amerikanischen Internetmedien wie das Magazin ProPublica unter die Lupe und fragt nach der Unabhängigkeit ihrer Berichterstattung.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2010

Jetzt geht es wirklich zuende mit der Schweiz - da sind Ouagadougou-Vergleiche nichts dagegen. Es ist nämlich, wie Jürg Altwegg berichtet, nach Swissair und Bankgeheimnis auch noch das Nationalheiligtum Armee am Boden: "Am Wochenende hat der eidgenössische Armee-Chef Andre Blattmann 250 hohe Offiziere zum Jahresrapport in der Innerschweiz zusammengezogen. Er zeichnete ein dramatisches Bild der desolaten Lage: 'Wir haben in den vergangenen Jahren viele Rüstungsbeschaffungen bewilligt und bestellt. Jetzt trifft die Ware ein, doch wir können sie nicht bezahlen.' Die Schweizer Armee ist zahlungsunfähig. Mehr als jeden Feind fürchten ihre Strategen den Gerichtsvollzieher."


Auf der Medienseite kommentiert Jordan Mejias die Online-Bezahlpläne der New York Times: "Die Signalwirkung für andere Blätter ist nicht zu überschätzen. Denn gerade in ihrer beständig expandierenden Internetversion ist die Times nicht irgendeine Zeitung. Sie ist auf dem besten Weg, sich von Amerikas newspaper of record zur globalen Nachrichtenchronik auszudehnen. Als bedeutendstes englischsprachiges Nachrichtenportal wäre sie zugleich die weltweit bedeutendste Informationsquelle. Von zwanzig Millionen Lesern oder unique readers ist die Rede."

Weitere Artikel: In der ersten Glosse erklärt Jürgen Kaube, wie dumm die "nachvollziehbare Umverteilungspolitik" der FDP im Zusammenhang des Wohlfahrtsstaats ist. In der zweiten Glosse erklärt Gerhard Stadelmaier, wie die Verwechslung von Theater und Leben in Frankfurt soeben beinahe zu Alkoholleichen auf der Bühne geführt hätte. Günter Kowa gibt historische Hintergrundinformationen zum Einzug der Leopoldina in das historische Logenhaus "Zu den drei Degen" in Halle.

Besprochen werden die Aufführung von Mark Andres Musiktheaterstück "22,13" im Berliner Radialsystem, Sebastian Nüblings "Endstation Sehnsucht"-Inszenierung an den Münchner Kammerspielen, die Ausstellung "Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland" im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, die Ausstellung mit Fotografien der Sammlung Schirmer in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und Bücher, darunter drei Bände mit posthum gesammelten Texten der langjährigen Kuratorin am Wiener Freud-Museum Lydia Marinelli (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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