Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
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Juan Jose Millas: Meine Straße war die Welt

Georgi Gospodinov: Kleines morgendliches Verbrechen

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Hirn, Zunge, Mark
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.01.2010. In der Welt erklärt der Direktor des Islamischen Museums in Berlin, Stefan Weber, warum er nicht auf die Ausstellung von Mohammed-Bildern verzichten wird. Die taz feiert Gilles Deleuze' Lust an der Willkür des Alphabets. Die amerikanischen Blogs sind begeistert von Googles Drohung, China zu verlassen. Nun sollten Googles Programmierer noch Wege finden, die große chinesische Brandmauer einzureißen, rät Gawker. Die Zeit fordert Flashmobs gegen Google. Die SZ ruft: Toleranz den Intoleranten!
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Die Welt, 14.01.2010
Das im Pergamon-Museum beheimatete Berliner Museum für Islamische Kunst ändert seine Konzeption - von einem mehr kunstgeschichtlichen zu einem kulturhistorischen Ansatz, berichtet Gabriela Walde. Im Gespräch mit Walde erklärt der Direktor des Museums, Stefan Weber, warum er anders als das Metropolitan Museum in New York, nicht auf die Ausstellung von Mohammed-Abbildungen verzichten wird: "In den vergangenen Jahrhunderten wurde Mohammed von muslimischen Malern in der Miniaturmalerei oft dargestellt - wo bei sein Gesicht immer verschleiert ist. Auch unser Haus besitzt solche Miniaturen. Wir sollten nicht anfangen, die Geschichte zu zensieren."
Weitere Artikel: Aus Anlass der Grünen Woche geht Daniele Dell'Agli der Herkunft der Redensart "dumm wie Brot" nach. Manuel Brug begrüßt die Berufung des Basler Operndirektors Dietmar Schwarz zum Intendanten der Deutschen Oper in Berlin. Sven Felix Kellerhoff liest ein Buch über den Nazi-Märtyrer Horst Wessel, der vor achtzig Jahren ums Leben kam. Uta Baier geht der Geschichte des Wiener Vermeer-Gemäldes "Die Malkunst" nach, das sich als ein Raubkunstgemälde erweisen könnte. Manuel Brug würdigt das fünfzigste Bühnenjubiläum Shirley Basseys, die gerade wieder eine neue Platte vorgelegt hat.
Besprochen eine von Umberto Eco kuratierte Ausstellung im Louvre und Filme, darunter Joseph Vilsmaiers "Nanga Parbat" über die Messner-Brüder (mehr hier), TomMcCarthys Film "Ein Sommer in New York - The Visitor" (mehr hier), die deutsche Komödie "Friendship" (mehr hier) und ein Dokumentarfilm über Oscar Niemeyer (mehr hier).
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Die Tageszeitung, 14.01.2010
Ekkehard Knörer empfiehlt die 453 Minuten lange DVD-Box "Abecedaire", auf der Gilles Deleuze Fragen eines Fernsehteams zu philosophischen Themen beantwortet. So erfährt man etwa, dass er Wittgenstein und die Wittgensteinianer als "Verkörperung alles Falschen" in der Philosophie verabscheut wie wenig sonst auf der Welt. "Nicht die Notwendigkeit bestimmt das 'Abecedaire', sondern die Lust an der Willkür des Alphabets... Zu den Schrullen gehört entschieden Deleuzes Haltung zum Essen, für das er nichts übrig hat. Mit der Ausnahme einer Dreifaltigkeit von Speisen: Hirn, Zunge, Mark. Vater, Sohn, Heiliger Geist. An dieser wie an manch anderer Stelle ist zwischen großem Ernst und schalkhafter Selbstironie bei Deleuze nicht wirklich zu unterscheiden."
Weitere Artikel: Andreas Hartmann porträtiert die berüchtigte norwegische Death-Metal-Band Mayhem, die am Sonntag in der Berliner Volksbühne ein Konzert geben wird. Detlef Kuhlbrodt schiebt sein Fahrrad durchs verschneite Berlin. Rudolf Balmer schreibt den Nachruf auf den Philosophen Daniel Bensaid, Kopf der trotzkistischen Linken in Frankreich.
Besprochen wird außerdem Joseph Vilsmaiers Spielfilm "Nanga Parbat" über die Himalaja-Expedition von Reinhold Messner, bei der 1970 sein Bruder Günther ums Leben kam.
Auf der Tagesthemenseite schreibt Tariq Ahmia zur chinesischen Internetpolitik: "Ein aggressiver Cyberkrieg um Informationen zählt seit langem zu den Kernstücken der chinesischen Militärstrategie und ist seit 2003 auch offizielle Parteilinie." Jutta Lietsch betont: "Ein Verlust des chinesischen Marktes dürfte finanziell Google nichts ausmachen - Schätzungen von Goldman-Sachs zufolge erzielt das Unternehmen dort nur rund ein Prozent seines globalen Umsatzes."
Und Tom.
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Aus den Blogs, 14.01.2010
Kaschiert Google mit seinem möglichen Rückzug nur seinen ökonomischen Misserfolg in China? Joseph Tartakoff sieht es in paidcontent.com anders: "the company's business was on the way up in that country, as measured by market share. Data from two firms indicates that Google had managed to cut somewhat significantly into Baidu's lead in the Chinese search market in recent months. StatCounter figures, for instance, show that Baidu’s market share had dropped from 71 percent in August to 56 percent in December, while Google’s had risen from 27 percent to 43 percent during the same period." Mike Melanson beurteilt Googles Lage in China im ReadWriteWeb ähnlich.
"In China, the Google News Is Being Censored", meldet Ben Parr in Mashable.
"Bravo!", ruft Ryan Tate Google in Gawker zu und macht gleich Vorschläg,was Gogle als näcstes tun sollte:
"# Sponsor a 20% time employee project to allow Chinese internet users to route around the Great Firewall with greater reliability than ever before.
# Create a Google-sponsored force of gray-hat hackers to oppose the efforts of Chinese hackers, primarily through defensive means. They would work to defend not only Google users but others, as well.
# Publicly detail all threats to non-Chinese computer users from China's hackers."
Jeff Jarvis (Was würde Google tun?) schreibt in seinem Blog BuzzMachine: "I know some will say that Google wasn’t doing that well in China anyway (it controls 31% of the market); they’ll ascribe cynical motives. But I say: Name one other company that finally said 'enough!' and put ethic, morals, and company standards over its lust for the Chinese market. Not Yahoo. Not Cisco. Not Nokia. Not Siemens. Not The New York Times Company."
Vielleicht auch einer der Gründe, warum man als honorig gelten möchte. Google hat die lang erwartete virtuelle Festplatte geschaffen, meldet Pascal im GoogleWatchBlog: "Google gab gestern bekannt, dass man in wenigen Tagen jede beliebige Datei bei Google Docs hochladen kann. Wie auch Dokumente, PDFs, Tabellen und Präsentationen kann man diese dann auch anderen Nutzern freigebe. Das Bearbeiten von Bildern, Videos und MP3s ist aber nicht möglich. Google stellt jedem Nutzer insgesamt 1 GB zur Verfügung. Dies betrifft sowohl Nutzer von Google Apps als auch vom normalen Google Docs. Wer mehr möchte muss Speicher kaufen."
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Frankfurter Rundschau, 14.01.2010
Sebastian Moll unterhält sich mit dem amerikanischen Reporter Mark Bowden, der in einem Essay im Atlantic Monthly das Elend des postjournalistischen Zeitalters beschrieben hat: "Wir verwischen in diesem Land die Grenze zwischen Journalismus und Unterhaltung schon seit so langer Zeit, dass die Leute das nicht mehr unterscheiden können, inklusiver vieler Journalisten. Als wir mit Joe Biden in Osteuropa waren, haben ihn Reporter aus der Region nach den Themen befragt, die ihnen wichtig waren, wie etwa die Erdgasleitung oder den Raketenschutzschild, also wirkliche Sachfragen. Das war für uns ein Aha-Erlebnis, weil wir das gar nicht mehr gewohnt sind. Zirkusgründer P.T. Barnum hat einmal gesagt, dass noch nie jemand Pleite gegangen ist, indem er die Intelligenz des amerikanischen Volkes unterschätzt."
Weiteres: In Times mager erklärt Hans-Jürgen Linke, wie wir dank großzügiger Gehaltserhöhungen die Konjunktur ankurbeln und die Staatsverschuldung senken und Unternehmer glücklich machen. Besprochen werden Thomas McCarthys Abschiebedrama "Ein Sommer in New York", Markus Gollers Ossi-Roadmovie "Friendship", Joseph Vilsmaiers Drama über die Brüder Messner "Nanga Parbat", Nicholas Boyles kleine deutsche Literaturgeschichte (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2010
Mark Siemons schildert - durchaus positive - Reaktionen chinesischer Internet-Nutzer auf Googles Weigerung, den Selbstzensurvorgaben der Regierung weiter zu folgen: "Der Schanghaier Unternehmer Isaac Mao, der vor Jahren einen kritischen offenen Brief an Google geschrieben hatte, zeigte sich jetzt zufrieden, dass das Unternehmen 'seinen Prinzipien folgt und transparente Gesetze in China fordert. Die Regierung Chinas könnte jetzt zusammen mit den Nationalisten harsch reagieren. Aber das wird die Leute nur noch mehr dazu führen, Google zu unterstützen, und Google noch mehr dazu antreiben, fortgeschrittene Werkzeuge zu entwickeln, um zurückzuschlagen. Ich glaube, die Internetnutzer werden dieses Spiel sehr mögen.'"
Weitere Artikel: Regina Mönch kommentiert die Berliner Schulreform, deren Kern die Abschaffung der Hauptschule ist. Mit dem im fortgeschrittenen Alter wieder und noch sehr produktiven Komponisten Hans Werner Henze unterhält sich Eleonore Büning. Jakob Hessing hat (nicht wirklich entscheidende) Neuigkeiten zum Streit um Max Brods Nachlass. Christian Geyer findet, dass sich der Käufer von Rotkäppchen-Sekt besser gleich keine Illusionen gemacht hätte, als jetzt enttäuscht zu sein, dass die Kohlensäure darin zum größeren Teil nicht der Gärung, sondern dem schnöden Zusetzen verdankt ist. Von Kunststudenten, die in Museen eindrangen, um Bilder nicht zu stehlen, sondern hinzuzufügen, berichtet Dirk Schümer. Frank-Rutger Hausmann schildert, wie die Allierten bei der Inhaftierung mit den schlimmsten Naziverbrechern verfuhren. Auf der Kinoseite stellt Bert Rebhandl eine augenöffnende Filmreihe mit italienischen Komödien im Wiener Filmmuseum vor.
Besprochen werden Thomas Langhoffs Inszenierung von Maxim Gorkis "Nachtasyl" am Berliner Ensemble, die Uraufführung von Thomas Jonigks Stück "Ach, da bist du ja!" sowie die Erstaufführung von Mark Ravenhills "Shoot / Get treasure / Repeat" in Düsseldorf, Tom McCarthys Film "Ein Sommer in New York - The Visitor" (mehr), Norah Jones' neues Album "The Fall", die neue CD "Charles Aznavour & The Clayton Hamilton Jazz Orchestra" und Bücher, darunter Heddi Kadours Roman "Waltenberg" und Horst Bredekamps "Michelangelo"-Essays (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2010
Sehr kritisch geht Günter Seufert mit der Kulturhauptstadt Istanbul ins Gericht, die eine positive Rückbesinnung auf die in der türkischen Republik unterdrückten osmanische Tradition der kulturellen Vielfalt proklamiert hatte: "Die Öffnung hin zur Kultur der Minderheiten hatte bisher nicht zur Folge, dass diesen Gruppen tatsächlich ein Mitspracherecht eingeräumt wurde. Und die gut 85 Jahre alte Praxis, ihre Kultur schlicht zu vergessen oder totzuschweigen, ist nirgends Gegenstand von Reflexion oder Kritik. Keine der Aktionen im Rahmen des Kulturhauptstadt-Programms bringt kulturelle Ausgrenzung zur Sprache oder thematisiert Kultur als Mittel in der Hand eines autoritären Staates."
Auf der Filmseite bewundert Christoph Egger Jacques Audiards in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten Gefängnisfilm "Un prophete" als "ausgesprochen hart und zugleich überraschend licht". Alexandra Stäheli sieht sich Marilyn-Monroe-Filme auf DVD an.
Außerdem besprochen werden eine Retrospektive des Bauhaus-Allroundtalents Laszlo Moholy-Nagy in der Frankfurter Kunsthalle Schirn, Dorothea Razumovskys Roman "Letzte Liebe", Sebastian Barrys Roman "Ein verborgenes Leben" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
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Der Tagesspiegel, 14.01.2010
Andreas Pflitsch warnt vor einer allzu kontroversen Debatte um den Islam: "Durch solche Zuspitzungen droht die im Umbruch befindliche islamische Gemeinschaft in Deutschland zwischen Hammer und Amboss aufgerieben zu werden. Da wird es dann eng für Muslime, denen scheinbar nur noch die Alternative zwischen Islamophobie und Islamismus bleibt, zwischen kompletter Selbstverleugnung einerseits und obsessiver Einigelung in den Dogmen der mutmaßlich eigenen Traditionen andererseits."
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Süddeutsche Zeitung, 14.01.2010
"Islamkritiker" wie Henryk M. Broder oder Necla Kelek sind den von ihnen Kritisierten ähnlicher, als ihnen lieb sein kann - behauptet Thomas Steinfeld im Feuilleton-Leitartikel unter der Überschrift "Unsere Hassprediger". Und zwar darum: "Wenn man aber mit den 'westlichen Werten' ebenso kämpferisch umgeht, wie es der radikale Islam mit seinen heiligen Schriften tut, dann verhält man sich wie der, den man sich zum Feind erkoren hat. Und schlimmer noch: Man zerstört die sozialen und moralischen Einrichtungen, die man zu verteidigen vorgibt. Das liegt an der Dialektik dieser 'Werte': Wer auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein anderer nicht tolerant sein will. Wer Freiheit fordert, muss mit der Freiheit zu Niedertracht und Habgier rechnen. Und wer sich der Gleichheit verschreibt, der darf nicht nach der Polizei rufen, wenn er auf individuelle Interessen stößt."
Weitere Artikel: Wie es kam, dass der Komponist und Juraprofessor Ivo Josipovic zum Präsidenten Kroatiens gewählt wurde, erzählt Slavenca Drakulic. Lothar Müller schreibt über den Jemen in der deutschen Gegenwartsliteratur von Michael Roes bis Durs Grünbein. Jörg Häntzschel erklärt, warum die Berufung des Galeristen Jeffrey Deitch zum Direktor des Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles für hitzige Diskussionen sorgt. Wolfgang Schreiber vermeldet als gesichert, dass der Baseler Operndirektor Dietmar Schwarz Intendant der Deutschen Oper in Berlin wird. Susan Vahabzadeh kommentiert das Ende des "Spiderman"-Film-Franchise, wie wir es kannten. Auf der Medienseite geht es um den Abgang des Sat.1-Chefs Guido Bolten; im Interview äußert sich sein Nachfolger Andreas Bartl.
Besprochen werden Thomas Langhoffs Inszenierung von Maxim Gorkis "Nachtasyl" am Berliner Ensemble, ein Konzert mit der Pianistin Janina Fialkowska in München, neue Filme, darunter "Friendship!" (mehr) von Markus Goller und "The Visitor" (mehr) von Tom McCarthy und neue Bücher, darunter Jacques Derridas bislang nur auf Französisch erschienene Seminare zu Tierfiguren und Friedrich Balkes Studien zu "Figuren der Souveränität" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Zeit, 14.01.2010
Susanne Gaschke ruft die "demokratische Gesellschaft" auf, sich gegen Google und sein "totalitäres Denken" zu wehren. Mit Gesetzen, Demos und Flashmobs vor Googles geheimen Serverzentren: "Dabei geht es nicht allein um werbliche Dauerbelagerung. Der Größenwahn einer Firma, deren Chefs wieder und wieder betont haben, ihre höchste Ambition sei es, künstliche Intelligenz zu schaffen, reicht weiter: Google wolle dem Nutzer auf jede Frage die eine, immer richtige Antwort geben, hat der Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt gesagt. Damit meint Schmidt nicht die Margarine mit den gesündesten Fettsäuren, sondern Existenzielles: Was soll ich morgen tun? Welchen Job soll ich annehmen?" (Und für solche Fragen ist die Zeit zuständig.)
Online kommentiert Kai Biermann Googles möglichen Rückzug aus China (der für die gedruckte Zeit wahrscheinlich zu spät kam). Er kann diesem Versuch, "mit dem Ziel der Gewinnmaximierung auf Staaten einzuwirken", wenig Positives abgewinnen: "So etwas gab es früher schon, es hat uns den Begriff Bananenrepublik beschert. Das bekannteste Beispiel war die United Fruit Company, heute Chiquita, die ihre Macht nutzte, um in Mittelamerika Regierungen zu stürzen und Länder nach ihren Wünschen zu formen."
Im Feuilleton fürchten sich Hanno Rauterberg, Peter Kümmel, Florian Illies und Thomas Assheuer vor Googles Smartphone ("Es ist des Menschen Übersinneszelle, letzten Endes: sein externes Hirn", dichtet Kümmel über das moderne Handy). In Aufmacher verabschiedet Assheuer den Filmregisseur Eric Rohmer ("Rohmers Menschen lieben in alle Himmelsrichtungen und flattern von einem zum anderen.") Peer Teuwsen informiert, dass die Schweizer Rechte nun deutsche Professoren als neues Feindbild erkoren hat. Alexander Cammann blickt - mit sich und dem Land zufrieden - auf die dreißigjährige Geschichte der Grünen zurück.
Besprochen werden der neue Film der Coen-Brüder "A Serious Man", Matthew Weiners neue Kultserie "Mad Men", Dieter Wedels neuer ZDF-Zweiteiler "Gier", Claudio Abbados Aufnahme von Pergolesis "Stabat Mater", Adam Greens CD "Minor Love" sowie das Album "Schal und Wahn" von Tocotronic. Auf den Literaturseiten geht es unter anderem um die Briefe von Rainer Maria Rilke und Kristof Magnussons Roman (Leseprobe) "Das war ich nicht" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen
Ein Trost am Rand meines Grabes
03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen
Ich saß bereits im Flugzeug
02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen
Eine Kultur der Jetzigkeit
01.03.2010. Die SZ berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat. Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother". Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen



