Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Hirn, Zunge, Mark

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

14.01.2010. In der Welt erklärt der Direktor des Islamischen Museums in Berlin, Stefan Weber, warum er nicht auf die Ausstellung von Mohammed-Bildern verzichten wird. Die taz feiert Gilles Deleuze' Lust an der Willkür des Alphabets. Die amerikanischen Blogs sind begeistert von Googles Drohung, China zu verlassen. Nun sollten Googles Programmierer noch Wege finden, die große chinesische Brandmauer einzureißen, rät Gawker. Die Zeit fordert Flashmobs gegen Google. Die SZ ruft: Toleranz den Intoleranten!

Die Welt, 14.01.2010

Das im Pergamon-Museum beheimatete Berliner Museum für Islamische Kunst ändert seine Konzeption - von einem mehr kunstgeschichtlichen zu einem kulturhistorischen Ansatz, berichtet Gabriela Walde. Im Gespräch mit Walde erklärt der Direktor des Museums, Stefan Weber, warum er anders als das Metropolitan Museum in New York, nicht auf die Ausstellung von Mohammed-Abbildungen verzichten wird: "In den vergangenen Jahrhunderten wurde Mohammed von muslimischen Malern in der Miniaturmalerei oft dargestellt - wo bei sein Gesicht immer verschleiert ist. Auch unser Haus besitzt solche Miniaturen. Wir sollten nicht anfangen, die Geschichte zu zensieren."


Weitere Artikel: Aus Anlass der Grünen Woche geht Daniele Dell'Agli der Herkunft der Redensart "dumm wie Brot" nach. Manuel Brug begrüßt die Berufung des Basler Operndirektors Dietmar Schwarz zum Intendanten der Deutschen Oper in Berlin. Sven Felix Kellerhoff liest ein Buch über den Nazi-Märtyrer Horst Wessel, der vor achtzig Jahren ums Leben kam. Uta Baier geht der Geschichte des Wiener Vermeer-Gemäldes "Die Malkunst" nach, das sich als ein Raubkunstgemälde erweisen könnte. Manuel Brug würdigt das fünfzigste Bühnenjubiläum Shirley Basseys, die gerade wieder eine neue Platte vorgelegt hat.

Besprochen eine von Umberto Eco kuratierte Ausstellung im Louvre und Filme, darunter Joseph Vilsmaiers "Nanga Parbat" über die Messner-Brüder (mehr hier), TomMcCarthys Film "Ein Sommer in New York - The Visitor" (mehr hier), die deutsche Komödie "Friendship" (mehr hier) und ein Dokumentarfilm über Oscar Niemeyer (mehr hier).

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Die Tageszeitung, 14.01.2010

Ekkehard Knörer empfiehlt die 453 Minuten lange DVD-Box "Abecedaire", auf der Gilles Deleuze Fragen eines Fernsehteams zu philosophischen Themen beantwortet. So erfährt man etwa, dass er Wittgenstein und die Wittgensteinianer als "Verkörperung alles Falschen" in der Philosophie verabscheut wie wenig sonst auf der Welt. "Nicht die Notwendigkeit bestimmt das 'Abecedaire', sondern die Lust an der Willkür des Alphabets... Zu den Schrullen gehört entschieden Deleuzes Haltung zum Essen, für das er nichts übrig hat. Mit der Ausnahme einer Dreifaltigkeit von Speisen: Hirn, Zunge, Mark. Vater, Sohn, Heiliger Geist. An dieser wie an manch anderer Stelle ist zwischen großem Ernst und schalkhafter Selbstironie bei Deleuze nicht wirklich zu unterscheiden."


Weitere Artikel: Andreas Hartmann porträtiert die berüchtigte norwegische Death-Metal-Band Mayhem, die am Sonntag in der Berliner Volksbühne ein Konzert geben wird. Detlef Kuhlbrodt schiebt sein Fahrrad durchs verschneite Berlin. Rudolf Balmer schreibt den Nachruf auf den Philosophen Daniel Bensaid, Kopf der trotzkistischen Linken in Frankreich.

Besprochen wird außerdem Joseph Vilsmaiers Spielfilm  "Nanga Parbat" über die Himalaja-Expedition von Reinhold Messner, bei der 1970 sein Bruder Günther ums Leben kam.

Auf der Tagesthemenseite schreibt Tariq Ahmia zur chinesischen Internetpolitik: "Ein aggressiver Cyberkrieg um Informationen zählt seit langem zu den Kernstücken der chinesischen Militärstrategie und ist seit 2003 auch offizielle Parteilinie." Jutta Lietsch betont: "Ein Verlust des chinesischen Marktes dürfte finanziell Google nichts ausmachen - Schätzungen von Goldman-Sachs zufolge erzielt das Unternehmen dort nur rund ein Prozent seines globalen Umsatzes."

Und Tom.

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Aus den Blogs, 14.01.2010

Kaschiert Google mit seinem möglichen Rückzug nur seinen ökonomischen Misserfolg in China? Joseph Tartakoff sieht es in paidcontent.com anders: "the company's business was on the way up in that country, as measured by market share. Data from two firms indicates that Google had managed to cut somewhat significantly into Baidu's lead in the Chinese search market in recent months. StatCounter figures, for instance, show that Baidu?s market share had dropped from 71 percent in August to 56 percent in December, while Google?s had risen from 27 percent to 43 percent during the same period." Mike Melanson beurteilt Googles Lage in China im ReadWriteWeb ähnlich.


"In China, the Google News Is Being Censored", meldet Ben Parr in Mashable.

"Bravo!", ruft Ryan Tate Google in Gawker zu und macht gleich Vorschläg,was Gogle als näcstes tun sollte:
"# Sponsor a 20% time employee project to allow Chinese internet users to route around the Great Firewall with greater reliability than ever before.
# Create a Google-sponsored force of gray-hat hackers to oppose the efforts of Chinese hackers, primarily through defensive means. They would work to defend not only Google users but others, as well.
# Publicly detail all threats to non-Chinese computer users from China's hackers."

Jeff Jarvis (Was würde Google tun?) schreibt in seinem Blog BuzzMachine: "I know some will say that Google wasn?t doing that well in China anyway (it controls 31% of the market); they?ll ascribe cynical motives. But I say: Name one other company that finally said 'enough!' and put ethic, morals, and company standards over its lust for the Chinese market. Not Yahoo. Not Cisco. Not Nokia. Not Siemens. Not The New York Times Company."

Vielleicht auch einer der Gründe, warum man als honorig gelten möchte. Google hat die lang erwartete virtuelle Festplatte geschaffen, meldet Pascal im GoogleWatchBlog: "Google gab gestern bekannt, dass man in wenigen Tagen jede beliebige Datei bei Google Docs hochladen kann. Wie auch Dokumente, PDFs, Tabellen und Präsentationen kann man diese dann auch anderen Nutzern freigebe. Das Bearbeiten von Bildern, Videos und MP3s ist aber nicht möglich. Google stellt jedem Nutzer insgesamt 1 GB zur Verfügung. Dies betrifft sowohl Nutzer von Google Apps als auch vom normalen Google Docs. Wer mehr möchte muss Speicher kaufen."

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Frankfurter Rundschau, 14.01.2010

Sebastian Moll unterhält sich mit dem amerikanischen Reporter Mark Bowden, der in einem Essay im Atlantic Monthly das Elend des postjournalistischen Zeitalters beschrieben hat: "Wir verwischen in diesem Land die Grenze zwischen Journalismus und Unterhaltung schon seit so langer Zeit, dass die Leute das nicht mehr unterscheiden können, inklusiver vieler Journalisten. Als wir mit Joe Biden in Osteuropa waren, haben ihn Reporter aus der Region nach den Themen befragt, die ihnen wichtig waren, wie etwa die Erdgasleitung oder den Raketenschutzschild, also wirkliche Sachfragen. Das war für uns ein Aha-Erlebnis, weil wir das gar nicht mehr gewohnt sind. Zirkusgründer P.T. Barnum hat einmal gesagt, dass noch nie jemand Pleite gegangen ist, indem er die Intelligenz des amerikanischen Volkes unterschätzt."


Weiteres: In Times mager erklärt Hans-Jürgen Linke, wie wir dank großzügiger Gehaltserhöhungen die Konjunktur ankurbeln und die Staatsverschuldung senken und Unternehmer glücklich machen. Besprochen werden Thomas McCarthys Abschiebedrama "Ein Sommer in New York", Markus Gollers Ossi-Roadmovie "Friendship", Joseph Vilsmaiers Drama über die Brüder Messner "Nanga Parbat", Nicholas Boyles kleine deutsche Literaturgeschichte (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2010

Mark Siemons schildert - durchaus positive - Reaktionen chinesischer Internet-Nutzer auf Googles Weigerung, den Selbstzensurvorgaben der Regierung weiter zu folgen: "Der Schanghaier Unternehmer Isaac Mao, der vor Jahren einen kritischen offenen Brief an Google geschrieben hatte, zeigte sich jetzt zufrieden, dass das Unternehmen 'seinen Prinzipien folgt und transparente Gesetze in China fordert. Die Regierung Chinas könnte jetzt zusammen mit den Nationalisten harsch reagieren. Aber das wird die Leute nur noch mehr dazu führen, Google zu unterstützen, und Google noch mehr dazu antreiben, fortgeschrittene Werkzeuge zu entwickeln, um zurückzuschlagen. Ich glaube, die Internetnutzer werden dieses Spiel sehr mögen.'"


Weitere Artikel: Regina Mönch kommentiert die Berliner Schulreform, deren Kern die Abschaffung der Hauptschule ist. Mit dem im fortgeschrittenen Alter wieder und noch sehr produktiven Komponisten Hans Werner Henze unterhält sich Eleonore Büning. Jakob Hessing hat (nicht wirklich entscheidende) Neuigkeiten zum Streit um Max Brods Nachlass. Christian Geyer findet, dass sich der Käufer von Rotkäppchen-Sekt besser gleich keine Illusionen gemacht hätte, als jetzt enttäuscht zu sein, dass die Kohlensäure darin zum größeren Teil nicht der Gärung, sondern dem schnöden Zusetzen verdankt ist. Von Kunststudenten, die in Museen eindrangen, um Bilder nicht zu stehlen, sondern hinzuzufügen, berichtet Dirk Schümer. Frank-Rutger Hausmann schildert, wie die Allierten bei der Inhaftierung mit den schlimmsten Naziverbrechern verfuhren. Auf der Kinoseite stellt Bert Rebhandl eine augenöffnende Filmreihe mit italienischen Komödien im Wiener Filmmuseum vor.

Besprochen werden Thomas Langhoffs Inszenierung von Maxim Gorkis "Nachtasyl" am Berliner Ensemble, die Uraufführung von Thomas Jonigks Stück "Ach, da bist du ja!" sowie die Erstaufführung von Mark Ravenhills "Shoot / Get treasure / Repeat" in Düsseldorf, Tom McCarthys Film "Ein Sommer in New York - The Visitor" (mehr), Norah Jones' neues Album "The Fall", die neue CD "Charles Aznavour & The Clayton Hamilton Jazz Orchestra" und Bücher, darunter Heddi Kadours Roman "Waltenberg" und Horst Bredekamps "Michelangelo"-Essays (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2010

Sehr kritisch geht Günter Seufert mit der Kulturhauptstadt Istanbul ins Gericht, die eine positive Rückbesinnung auf die in der türkischen Republik unterdrückten osmanische Tradition der kulturellen Vielfalt proklamiert hatte: "Die Öffnung hin zur Kultur der Minderheiten hatte bisher nicht zur Folge, dass diesen Gruppen tatsächlich ein Mitspracherecht eingeräumt wurde. Und die gut 85 Jahre alte Praxis, ihre Kultur schlicht zu vergessen oder totzuschweigen, ist nirgends Gegenstand von Reflexion oder Kritik. Keine der Aktionen im Rahmen des Kulturhauptstadt-Programms bringt kulturelle Ausgrenzung zur Sprache oder thematisiert Kultur als Mittel in der Hand eines autoritären Staates."


Auf der Filmseite bewundert Christoph Egger Jacques Audiards in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten Gefängnisfilm "Un prophete" als "ausgesprochen hart und zugleich überraschend licht". Alexandra Stäheli sieht sich Marilyn-Monroe-Filme auf DVD an.

Außerdem besprochen werden eine Retrospektive des Bauhaus-Allroundtalents Laszlo Moholy-Nagy in der Frankfurter Kunsthalle Schirn, Dorothea Razumovskys Roman "Letzte Liebe", Sebastian Barrys Roman "Ein verborgenes Leben" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Der Tagesspiegel, 14.01.2010

Andreas Pflitsch warnt vor einer allzu kontroversen Debatte um den Islam: "Durch solche Zuspitzungen droht die im Umbruch befindliche islamische Gemeinschaft in Deutschland zwischen Hammer und Amboss aufgerieben zu werden. Da wird es dann eng für Muslime, denen scheinbar nur noch die Alternative zwischen Islamophobie und Islamismus bleibt, zwischen kompletter Selbstverleugnung einerseits und obsessiver Einigelung in den Dogmen der mutmaßlich eigenen Traditionen andererseits."

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Süddeutsche Zeitung, 14.01.2010

"Islamkritiker" wie Henryk M. Broder oder Necla Kelek sind den von ihnen Kritisierten ähnlicher, als ihnen lieb sein kann - behauptet Thomas Steinfeld im Feuilleton-Leitartikel unter der Überschrift "Unsere Hassprediger". Und zwar darum: "Wenn man aber mit den 'westlichen Werten' ebenso kämpferisch umgeht, wie es der radikale Islam mit seinen heiligen Schriften tut, dann verhält man sich wie der, den man sich zum Feind erkoren hat. Und schlimmer noch: Man zerstört die sozialen und moralischen Einrichtungen, die man zu verteidigen vorgibt. Das liegt an der Dialektik dieser 'Werte': Wer auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein anderer nicht tolerant sein will. Wer Freiheit fordert, muss mit der Freiheit zu Niedertracht und Habgier rechnen. Und wer sich der Gleichheit verschreibt, der darf nicht nach der Polizei rufen, wenn er auf individuelle Interessen stößt."


Weitere Artikel: Wie es kam, dass der Komponist und Juraprofessor Ivo Josipovic zum Präsidenten Kroatiens gewählt wurde, erzählt Slavenca Drakulic. Lothar Müller schreibt über den Jemen in der deutschen Gegenwartsliteratur von Michael Roes bis Durs Grünbein. Jörg Häntzschel erklärt, warum die Berufung des Galeristen Jeffrey Deitch zum Direktor des Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles für hitzige Diskussionen sorgt. Wolfgang Schreiber vermeldet als gesichert, dass der Baseler Operndirektor Dietmar Schwarz Intendant der Deutschen Oper in Berlin wird. Susan Vahabzadeh kommentiert das Ende des "Spiderman"-Film-Franchise, wie wir es kannten. Auf der Medienseite geht es um den Abgang des Sat.1-Chefs Guido Bolten; im Interview äußert sich sein Nachfolger Andreas Bartl.

Besprochen werden Thomas Langhoffs Inszenierung von Maxim Gorkis "Nachtasyl" am Berliner Ensemble, ein Konzert mit der Pianistin Janina Fialkowska in München, neue Filme, darunter "Friendship!" (mehr) von Markus Goller und "The Visitor" (mehr) von Tom McCarthy und neue Bücher, darunter Jacques Derridas bislang nur auf Französisch erschienene Seminare zu Tierfiguren und Friedrich Balkes Studien zu "Figuren der Souveränität" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 14.01.2010

Susanne Gaschke ruft die "demokratische Gesellschaft" auf, sich gegen Google und sein "totalitäres Denken" zu wehren. Mit Gesetzen, Demos und Flashmobs vor Googles geheimen Serverzentren: "Dabei geht es nicht allein um werbliche Dauerbelagerung. Der Größenwahn einer Firma, deren Chefs wieder und wieder betont haben, ihre höchste Ambition sei es, künstliche Intelligenz zu schaffen, reicht weiter: Google wolle dem Nutzer auf jede Frage die eine, immer richtige Antwort geben, hat der Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt gesagt. Damit meint Schmidt nicht die Margarine mit den gesündesten Fettsäuren, sondern Existenzielles: Was soll ich morgen tun? Welchen Job soll ich annehmen?" (Und für solche Fragen ist die Zeit zuständig.)


Online kommentiert Kai Biermann Googles möglichen Rückzug aus China (der für die gedruckte Zeit wahrscheinlich zu spät kam). Er kann diesem Versuch, "mit dem Ziel der Gewinnmaximierung auf Staaten einzuwirken", wenig Positives abgewinnen: "So etwas gab es früher schon, es hat uns den Begriff Bananenrepublik beschert. Das bekannteste Beispiel war die United Fruit Company, heute Chiquita, die ihre Macht nutzte, um in Mittelamerika Regierungen zu stürzen und Länder nach ihren Wünschen zu formen."

Im Feuilleton fürchten sich Hanno Rauterberg, Peter Kümmel, Florian Illies und Thomas Assheuer vor Googles Smartphone ("Es ist des Menschen Übersinneszelle, letzten Endes: sein externes Hirn", dichtet Kümmel über das moderne Handy). In Aufmacher verabschiedet Assheuer den Filmregisseur Eric Rohmer ("Rohmers Menschen lieben in alle Himmelsrichtungen und flattern von einem zum anderen.") Peer Teuwsen informiert, dass die Schweizer Rechte nun deutsche Professoren als neues Feindbild erkoren hat. Alexander Cammann blickt - mit sich und dem Land zufrieden - auf die dreißigjährige Geschichte der Grünen zurück.

Besprochen werden der neue Film der Coen-Brüder "A Serious Man", Matthew Weiners neue Kultserie "Mad Men", Dieter Wedels neuer ZDF-Zweiteiler "Gier", Claudio Abbados Aufnahme von Pergolesis "Stabat Mater", Adam Greens CD "Minor Love" sowie das Album "Schal und Wahn" von Tocotronic. Auf den  Literaturseiten geht es unter anderem um die Briefe von Rainer Maria Rilke und Kristof Magnussons Roman (Leseprobe) "Das war ich nicht" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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