Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute gibt es Hundesuppe

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

22.12.2009. Die Welt verliebt sich in schöne Schweine, keineswegs aber in architektonische Visionen der zugigen Mitte Berlins. In Carta plädiert der Schweizer Blogger Ronnie Grob für mehr direkte Demokratie - in Deutschland. In der Achse des Guten fordert Henryk Broder mehr Geld für ehemalige Zwangsarbeiter. In der SZ kritisiert Dirk von Gehlen den bloß kulturkonservativen Umgang mit dem Internet in Deutschland. Die Zeit baut Christoph Schlingensief einen grünen Hügel für sein Festspielhaus in Burkina Faso.

Die Welt, 22.12.2009

Eckhard Fuhr hat sich verliebt in das Buch "Schöne Schweine" von Andy Case und Andrew Perris, in dem die Schweine glamourös wie Pin up-Girls auf blauem Samt präsentiert werden. Über das Tamworth-Schwein zitiert er folgende Passage: "Das goldrote Tamworth sieht umwerfend aus, wenn es in der Sonne steht. Es ist ein lebhaftes Schwein mit langen Beinen, das wie ein Rennpferd laufen kann. Sein Rüssel ist lang wie eine Pflugschar, zu Beginn seiner langen Geschichte war es als Wald-Schwein bekannt. Es hat guten Speck, wenn es sorgfältig gefüttert wird, obwohl es keinen großen Rückenmuskel besitzt. Ein wunderbares Freilandschwein, aber nichts für Neulinge".


Weitere Artikel: Rainer Haubrich ist ensetzt über die Fantasielosigkeit, mit der Architekten auf die Forderung der Berliner Baudirektorin Regula Lüscher reagierten, Visionen für das zugige Areal zwischen der kommenden Schlossattrappe und dem Alexanderplatz zu errichten, wo sich einst die Berliner Altstadt befand. Marko Martin glossiert die neueste Protestform im Iran: Männer zeigen sich auf ihren Facebookseiten im Tschador. Kai Luehrs-Kaiser beobachtet in den krisengebeutelten Kommunen zwar Kulturkürzungen, aber noch keine "blinde Streichungswut" - für Kultur werden in Deutschland jährlich etwa acht Milliarden Euro ausgegeben, also so viel wie für die öffentlich-rechtlichen Sender.

Besprochen wird die Ausstellung "Jean-Antoine Houdon - Die sinnliche Skulptur" in Frankfurt.

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Aus den Blogs, 22.12.2009

Der Schweizer Blogger Ronnie Grob macht den Deutschen in Carta Mut zu mehr Demokratie: "Das Internet bietet der direkten Demokratie hervorragende Möglichkeiten. Würde die E-Petition tatsächlich zu einer Volksabstimmung führen (ohne Quorum und mit einer daraus folgenden Änderung der Gesetze), wäre sie ein großartiges Instrument, das die bisherigen Möglichkeiten der Schweizer gleich mal überholen würde. Dort müssen nämlich die für eine Volksinitiative erforderlichen 100.000 Unterschriften noch immer auf Papier abgegeben werden, was nicht unerhebliche Kosten nach sich zieht."


In der Reihe "Depressing Christmas Songs" präsentiert The Daily Dish heute Judy Garland mit "After the Holidays":



Gerade hat Deutschland beschlossen, 60 Millionen Euro in die Renovierung des ehemaligen Lagers Auschwitz zu stecken. Henryk Broder zitiert in der Achse des Guten dazu den NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: "Wer das Morgen menschlich machen möchte, muss um das Unmenschliche im Gestern wissen." Und kommentiert: "Die Sorge um das 'Unmenschliche im Gestern' geht so weit, dass Auschwitz inzwischen mehrmals runderneuert wurde. Es gibt praktisch kein Teil mehr, das nicht ausgetauscht wurde. Auch der Stacheldraht ist 'Made in Poland', das Original längst korrodiert. Vermutlich wurde in den Erhalt des NS-Themenparks neben der Kleinstadt Oswiecim mehr Geld investiert als der Bau des Lagers ursprünglich gekostet hat. Derweil vegetieren in Polen noch einige Tausend ehemalige Zwangsarbeiter in erbärmlichen Verhältnissen, die durch alle 'Entschädigungsregelungen' gefallen sind und für die sich keiner zuständig fühlt. Weder die polnische noch die deutsche Regierung und auch nicht die Vertreter der jüdischen Organisationen, die bei jeder Holo-Gedenkfeier in der ersten Reihe sitzen."

(via BoingBoing) Die Electronic Frontier Foundation hat das Kleingedruckte populärer E-Book-Verkäufer untersucht und "An E-Book Buyer's Guide to Privacy" erstellt, der kurz und knapp erklärt, welche Informationen man "freiwillig" beim Kauf eines E-Books weitergibt. Sehr nützlich.

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Die Tageszeitung, 22.12.2009

Klaus Walther trauert auch noch zehn Jahre nach dem Tod von Curtis Mayfield um den "guten Menschen" des Souls: "Soul-Leute, die heute im Namen von Gleichberechtigung und Integration den Mund aufmachen, marginalisieren sich selbst: Nostalgiker, Sozialromantiker. Message Soul ist Nischenmusik, ein kleines Fach beim Plattenhändler Ihres Vertrauens. In den Charts der wirklichen Welt dominiert der Soundtrack des digitalen und so gar nicht rheinischen Kapitalismus. Ein sexualisierter, warenfetischistischer R & B/HipHop, der den verfassungsmäßig garantierten pursuit of happiness längst wieder zur Privatsache gemacht hat: ver-ent-gesellschaftet. Die Aufstiegsoptionen für schwarze Amerikaner sind wieder die alten: Sport, Entertainment, Gangster-Ökonomie."


Richtig zuhause
hat sich Dietrich Kuhlbrodt in Fatih Akins "Soul Kitchen" gefühlt: "Was hält die Gäste zusammen? Hartz IV? Migration? Wir hören die Antwort. Ein Crossover von Soul, Funk und Rembetiko. 'La Paloma' auf Spanisch findet ihren Platz. Hans Albers wird nicht die Tür gewiesen. Daueranwesend ist die Musik, und die ist schiere, schöne Gegenwart."

Besprochen werden außerdem Jane Campions Film "Bright Star" und Kevin Tancharoens "Fame"-Remake.

Auf der Meinungsseite prangert der Autor William Totok die ungebrochene Macht früherer Securitate-Offiziere in Rumänien an: "Zwanzig Jahre nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur haben sie sich eine komfortable Existenz geschaffen. Sie sind die eigentlichen Gewinner der Revolution, für die Verlierer haben sie nur ein zynisches Lächeln übrig."

Und hier Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2009

Für die Medienseite versucht Michael Marek der amerikanischen Reporterlegende Seymour Hersh etwas über seine Arbeitsweise zu entlocken. "Während Kollegen zu den offiziellen Pressekonferenzen des Pentagons gehen oder zu exklusiven Gesprächskreisen geladen werden, trifft sich Hersh mit Insidern. Ein großer Teil seiner Arbeit spielt sich außerhalb der regulären Bürostunden oder an Wochenenden ab, bei den Informanten zu Hause, in Hotels oder in entlegenen Städten. Weit weg von Washington, 'auf neutralem Boden', sagt Hersh. Bis heute ist er ein Einzelgänger geblieben, der allen misstraut: 'Ich mag es nicht, wenn mich Leute aus dem Regierungsapparat oder vom Geheimdienst anrufen, um mir scheinbar Neuigkeiten zu stecken. Die können mich hereinlegen.' Die meisten seiner Quellen kommen aus der mittleren Führungsebene."


Im Feuilleton identifiziert Joachim Güntner die Bücher aus der DDR-Verlagsproduktion, die keiner mehr haben wollte, als "Opfer der Wende" und beklagt ihre millionenfache Entsorgung vor zwanzig Jahren als einen "Akt der Massenvernichtung". Besprochen werden Christoph Marthalers Inszenierung von Offenbachs Operette "Die Großherzogin" in Basel, die Schau des Architekten David Chipperfield im Londoner Designmuseum, eine Design-Ausstellung im römischen  Museo dell'Ara Pacis, Yiyun Lis Roman "Die Sterblichen", German Sadulajews Klagegesang "Ich bin Tschetschene" und Alma Guillermoprietos Erinnerungen "Havanna im Spiegel".

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Frankfurter Rundschau, 22.12.2009

Ulrich Beck skizziert in einem Vortrag zur Tagung "Rückkehr der Gesellschaftstheorie" das Thema einer Neuen Kritischen Theorie, die "eine ökologische und soziale Zivilisierung des Kapitalismus jenseits der alten Nationalstaaten und diesseits des Weltstaats" ermöglichen will.


Besprochen werden Stefan Puchers Inszenierung von Shakespeares "Antonius und Cleopatra" in Wien, Christoph Marthalers Inszenierung der Offenbach-Operette "Die Großherzogin von Gerolstein" in Basel, die ersten Bände der neuen Ror-Wolf-Werkausgabe und eine Kulturgeschichte der Körperteile (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 22.12.2009

Das kunterbunte, multimediale Charity- Weihnachtsfeuilleton der Zeit haben Christoph Schlingensief und seine Freunde besorgt. Sie sind frisch aus Burkina Faso zurück, wo sie von der Regierung ein fünf Hektar großes Areal bekommen haben, um dort das erste afrikanische Festspielhaus in Remdoogo zu bauen. Froh also verkündet Schlingensief: "Die Weihnachtszeit ist für mich in diesem Jahr wirklich eine fröhliche Zeit, zumal auch meine Medikamente gerade prächtig wirken und die Metastasen im verbliebenen rechten Lungenflügel zum Verschwinden gebracht haben."


Der Bühnenbildner Thomas Goerge beschreibt die Örtlichkeiten so: "Die Savanne beginnt. Esel, Ziegen, Zeburinder kreuzen die Straße. Ein Hund wird überfahren. Ein Radfahrer packt den beigegrauen Kurzhaarmischling auf seinen Gepäckträger. Ich denke: 'Wie ordentlich, dort werden die Kadaver gleich beseitigt, nicht wie bei uns, wo man den Verwesungsprozess einer auf der Straße klebenden Katze genau beobachten kann.' Großes Gelächter: 'Hundesuppe, heute gibt es Hundesuppe.'"

Und die Diplominformatikerin Veye Tatah erklärt, warum sie uns unsere Entwicklungshilfe gar nicht will: "Die Weltgemeinschaft ist aufgerufen, den rücksichtslosen Politikern das Handwerk zu lesen! Man darf keine Gelder mehr blind an korrupte Regierungen überweisen und muss den Eliten Reiseverbote verpassen!" Außerdem erzählt der Architekt Francis Kere von den Planungen des Operndorfs Remdoogo. Bundespräsident Horst Köhler erklärt, was wir von Afrika lernen können. Henning Mankell erzählt eine Weihnachtsgeschichte aus Mosambik. Johannes Hoff outet den Heiligen Augustinus als Berber aus dem numidischen Tagaste.

In Zeit online erklärt Jens Ihlenfeld ausführlich, wozu das neue Google Wave gut ist (der Artikel wurde von golem.de übernommen).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2009

Karen Krüger hat sich in Istanbul auf die Suche nach der religiösen Toleranz begeben, die im osmanischen Reich noch galt. Viel ist, wie sie feststellt, nicht mehr übrig: "Die Synagoge, die griechisch-orthodoxe Kirche und die Moschee, die Sultan Abdülhamid II. auf dem Gelände errichten ließ, existieren bis heute: drei kompakte Kuppelbauten, kein Kirchturm, nur ein Minarett... Die armenische und die katholische Kirche hingegen wurden in Nutzräume umgewandelt - mit der steigenden Anzahl muslimischer Bewohner lohnte sich deren Betrieb nicht mehr. Das Ideal der religiösen Gleichberechtigung war mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches und mit der Geburt der türkischen Republik gestorben. Viele Christen und Juden wurden aus Istanbul vertrieben, viele Armenier umgebracht. Heute ist es in der Türkei fast unmöglich, die Erlaubnis zum Bau einer neuen Kirche oder Synagoge zu bekommen."


Weitere Artikel: Paul Ingendaay kommentiert die Einstellung der Suche nach den sterblichen Überresten des Dichters Federico Garcia Lorca in Spanien. In der Glosse erläutert Dirk Schümer die speziell italienische Verschwörungswissenschaft der Dietrologia (d.i. des "Dahinterismus"). Stephan Sahm fragt, wie sich die anstehende Gesundheitsreform zu den Grundwerten der USA verhält. Andreas Kilb referiert die nun vorgestellten genauen Pläne für den Umbau der Berliner Staatsoper Unter den Linden.

Besprochen werden ein Konzert von Funny van Dannen in Fulda, Christoph Marthalers Inszenierung con Jacqes Offenbachs Operette "Die Großherzogin" in Basel,  Stephan Puchers Burgtheater-Inszenierung von Shakespeares "Antonius und Cleopatra", Claus Peymanns Inszenierung von Carlo Goldonis "Trilogie der schönen Ferienzeit" am Berliner Ensemble; die "Gottesfurcht und Leidenschaft" betitelte Ausstellung des Albani-Psalter im Dom-Museum Hildesheim, und Bücher, darunter Peter Langmans Studie "Amok im Kopf" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 22.12.2009

Während in den USA Autoren wie Tim O'Reilly (Homepage) das Internet als kulturelle Errungenschaft verstehen, die es zum Beispiel gegen Monopolisierungstendenzen zu verteidigen gilt, obwiegt in Deutschland ein platter Kulturpessimismus, klagt Dirk von Gehlen in der SZ: "Hier führen Bewahrer das Wort, die sich lieber mit der eigenen Überforderung befassen (oder dieser widersprechen) als die politische Dimension der Digitalisierung zu thematisieren: Wo wird in breiter Öffentlichkeit die Frage diskutiert, wie die digitale Zukunft aussehen soll, in die wir unbestreitbar gehen? Wo sind die bürgerlichen Stimmen, die sich für Grundrechte und Freiheiten auch im digitalen Raum einsetzen - auch gegen die wirtschaftlichen Interessen einiger globaler Akteure? Wer entwirft Modelle für die vom Internet bestimmte Welt von morgen, in der dieses nicht einzig von wenigen Wirtschaftsunternehmen und deren Interessen bestimmt wird?"


Alex Rühle berichtet, dass der chinesische Dissident Liu Xiaobo, Autor der Charta 08, in den aufmerksamkeitsschwachen Tagen vor Weihnachten zu möglicherweise 15 Jahren Gefängnis verurteilt werden soll (beim Pen American Center kann man eine Eingabe an die chinesische Regierung unterzeichnen).

Weitere Artikel: Tobias Kniebe schreibt zum frühen Tod der Schauspielerin Brittany Murphy. Stephan Speicher begutachtet den Entwurf des Architekten HG Merz für den neuen Zuschauersaal der Berliner Staatsoper, der aber möglichst genauso aussehen soll wie der alte. Jonathan Fischer porträtiert die deutsch-türkische DJane und Aktivistin der türkischen Schwulen- und Lesbenszene DJ Ipek. Paul-Philipp Hanske beobachtet, dass die Regierungen unter Merkel systematisch das Kinderkriegen nur bei bessergestellten Schichten förderte ("Das Unangenehme an der praktizierten Biopolitik ist .., dass sie das zynische Komplement der Tatsache ist, dass in kaum einem anderen Land sozialer Aufstieg so schwierig ist wie in Deutschland").

Besprochen werden die Ausstellung "Von Rodin bis Giacometti" in Karlsruhe, Thomas Bernhards "Ritter Dene Voss" in der Regie Antoine Uitdehaags am Münchner Cuvilliestheater, Theresia Walsers Komödie "Herrenbestatter" in Mannheim und Bücher, darunter Jens Rosteks Biografie über Hans Werner Henze (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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