Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Wenn auch der Böseste nicht verloren ist

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

16.12.2009. Die SZ bringt eine chinesische Rede Martin Walsers mit einer Hommage auf den Kollegen Mo Yan. Die Welt erklärt Internet-Abstinenz zum Luxusgut. Die Blogs diskutieren über den Vorstoß einiger Springer-Zeitungen, die online nur noch im Bezahlabo zu lesen sind (oder durch die Google-Hintertür).  Die taz bringt ein Dossier zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Die Kritiker sind beeindruckt von James Camerons 3D-Spektakel "Avatar". (Aktualisiert)

Die Welt, 16.12.2009

Gleich mehrere Studien zeigen, dass die Internetnutzung mit Bildungsgrad und Status zunimmt. Im Bemühen um Distinktionsgewinn zieht Wieland Freund daraus den Schluss, dass es demnächst ganz anders sein wird: "'Vornehm', das könnte bald heißen: unplugged und privat. 'Luxus' wiederum könnte sein, zumindest zeitweise aus der Digitalität zu emigrieren, während sich 'Leistungsträger' nur nennen darf, wer das auch aushält."


Weitere Artikel: Hendrik Werner stellt zwei Hofmaler neuen Typs vor: die Wanderkünstler Antje Schiffers und Thomas Sprenger, die Bauernhöfe malen und sich im Gegenzug von den Bauern Videodokumentationen ihres Alltags erstellen lassen - beides ist nun in der Städtischen Galerie Nordhorn zu sehen. Matthias Heine schreibt zum 150. Todestag von Wilhelm Grimm. Rainer Haubrich meldet, dass der Bund eine Stiftung Berliner Schloss gegründet hat, die künftig als Bauherr fungiert.

Auf der Meinungsseite glaubt Naomi Wolf, dass der westliche Feminismus die Frauen ruiniert und bei ihnen zu einer "immerwährenden, persönlichen Unruhe" führt. (Deshalb muss sie so viel schreiben!)

Besprochen werden eine Ausstellung sowjetischer Fotokunst im Museum Ludwig in Köln und Peter Brooks afrikanisches Stück "Eleven and Twelve" in Paris.

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Weitere Medien, 16.12.2009

Das Hamburger Abendblatt (und übrigens auch die ebenfalls von Springer betriebene Berliner Morgenpost) ist künftig nur noch gegen Geld im Internet zu lesen. 7,95 kostet die Zeitung künftig monatlich. Der stellvertretende Chefredakteur Matthias Iken fleht seine Leser förmlich, endlich zu zahlen: "Es geht um das langfristige Überleben der Medien, es geht um die vierte Gewalt. Es geht um die Demokratie, wie wir sie kennen. Medien sind gerade im Lokalen, vor Ort, wichtiger denn je. Die Meldung vom Nobelpreis für Obama ist auf vielen Webseiten zu finden, weil alle Nachrichtenagenturen darüber berichten. Aber was ist mit einem Bürgerbegehren in Alsterdorf, einem Umweltskandal in Billbrook...?"


Auch Youtube überlegt, einen zahlbaren Aboservice für einen Kanal einzurichten, auf dem dann die neuesten Fernsehshows und Filme gezeigt werden könnten, berichtet Bobbie Johnson im Guardian: "In an interview with Reuters, Google executive David Eun - who is in charge of partnerships with media companies - confirmed that paid subscription was an option as it tries to convince more TV channels and Hollywood studios to sign up."

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Aus den Blogs, 16.12.2009

Wie man die Bezahlhürde beim Hamburger Abendblatt umgeht, steht schon in den Kommentaren zu Matthias Ikens Editorial, hat Robin Meyer-Lucht in Carta herausgefunden: "Schlagzeile + Abendblatt googeln und man hat den Text." (Denn nur die Abonnenten sollen denken, dass man zahlen muss, für Google sollen die Artikel erreichbar bleiben, so scheint es.)


Auch andere Blogger kommentieren den Vorstoß des Springer Verlags. Stefan Niggemeier glaubt nicht ans Abo-Modell: "Das Bezahl-'Konzept' des Abendblattes ist kein neues Geschäftsmodell. Es ist der verzweifelte Versuch, das alte, für die Verlage komfortable Geschäftsmodell des Abonnements und des Kaufs ganzer Zeitungen, in ein neues Medium zu retten, das die Kunden von den Fesseln solcher Geschäftsmodelle befreit." Ähnlich sieht es Thomas Knüwer.

Die Akzeptanz für Zahlmodelle ist bei den Deutschen nicht besonders hoch, berichtete schon vorgestern Holger Schmidt im FAZ-Blog Netzökonom: "Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK-Verein) sind nur 9 Prozent der Deutschen bereit, für digitale Informationen im Netz zu zahlen. 11 Prozent sind es im europäischen Durchschnitt. Für Nachrichten wollen 10 Prozent der Nutzer in Deutschland zahlen."

In Bewegliche Lettern vergleicht Thomas Rhode das deutsche mit dem französischen Projekt zur Digitalisierung von Büchern: "Reiche Beute bei französischen Autoren, Fehlanzeige bei deutschsprachigen: Die BnF hat mit ihrem großartigen, seit 1997 laufenden Gallica-Projekt schon jetzt sehr viel mehr zur Europeana beigesteuert als die deutschen Bibliotheken."

Netzpolitik informiert ausführlich über die Verhandlung in Karlsruhe zur Vorratsdatenspeicherung: hier, hier und hier.

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Die Zeit, 16.12.2009

Auf Zeit online geht die Debatte über Filesharing (mehr hier) weiter: Diesmal überlegt die Piratenpartei, wie neue Geschäftsmodelle im Netz aussehen könnten. "Die Möglichkeiten sind vielfältig und werden auch schon vermehrt genutzt. Musik- und Filmemacher können ihre Werke zum Beispiel über Downloadanbieter wie iTunes vertreiben. (...) Aber auch die klassischen Verwertungsmodelle sind nicht zum Scheitern verurteilt. So werden zum Beispiel CDs oder DVDs als aufwendige Editionen auf den Markt gebracht und bieten einen echten Mehrwert gegenüber einem Download. Der Kunde erhält neben dem eigentlichen Werk aufwendig gestaltete Cover, Beilagen, Hintergrundinformationen oder Zusatzangebote und nimmt diese Angebote in der Regel gern an."

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Frankfurter Rundschau, 16.12.2009

Auf wenn die neue Ausgabe von Shakespeares "Maß für Maß" einen hässlichen Fehler hat - "die Seitenangaben bei den Anmerkungen sind durchgehend falsch" -, ist Peter Michalzik einfach begeistert von der Übersetzungskunst B. K. Tragelehns. "In Tragelehns Sprache haben sich unterschiedliche Traditionen und Schichten angelagert. Da ist zunächst natürlich Shakespeare, derb und feierlich, grob und fein. Dann die trockene, weltaufschließende Brecht-Sprache, nah am Gedanken, nah am Sachverhalt. Und die Weiterentwicklung dieser Sprache durch Heiner Müller, die Verstärkung des gravitätisch-klassizistischen Elements, das Majuskelhafte und Mythologische, die Lust am verdichtenden Sprachspiel."


Weitere Artikel: Judith von Sternburg schreibt über Wilhelm Grimm, der vor 150 Jahren starb. Auf der Medienseite porträtiert Lukas Grasberger den Journalisten Matthias Eberl, der für eine Audio-Slide-Show über die X-Cess Bar den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Online gewonnen hat.

Besprochen werden James Camerons Film "Avatar" (den Daniel Kothenschulte trotz "formelhaften Drehbuchs" wegen der 3D-Technik super findet), Volker Löschs Inszenierung von "Berlin Alexanderplatz" an der Berliner Schaubühne, ein Konzert der Pet Shop Boys in der Frankfurter Jahrhunderthalle und Christian Linders Böll-Biografie (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2009

Reines Rezensionsfeuilleton heute in der NZZ: Besprochen werden eine laut Alfred Schlienger eher missglückte Bühnenadaption von Matias Faldbakkens Misanthropie-Trilogie am Theater Basel eine Ausstellung zu Brigitte Bardot im Musee des Annees 30 in Boulogne bei Paris, eine Ausstellung über den Architekten Alfred Messel im Kulturforum in Berlin und Bücher, darunter Felix Philipp Ingolds Kulturgeschichte Russlands "Die Faszination des Fremden", Manil Suris Roman "Shiva" und Claire Beyers Roman "Rohlinge" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).


Bereits gestern stellte Marcel Falk auf der Medienseite das amerikanische Wissenschaftsmagazin Seed vor. Christian Müller besprach Stephan Russ-Mohls Analyse der amerikanischen Zeitungsbranche "Kreative Zerstörung".

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Berliner Zeitung, 16.12.2009

Marin Majica erzählt, wie er sich fühlte, als sein Vorgesetzter ihm eine Freundschaftsanfrage auf Facebook schickte: "als hätte er mir vorgeschlagen, dass wir uns in der Sauna gegenseitig unsere Tagebücher vorlesen".

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Die Tageszeitung, 16.12.2009

Seit gestern überprüft das Bundesverfassungsgericht das vor zwei Jahren von Brigitte Zypries (SPD) entworfene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, wonach alle Telefon- und Internetverbindungen registriert und sechs Monate lang aufbewahrt werden müssen. Doch ist die Zwangsspeicherung "eben kein deutscher Sonderweg, sondern wurde von den 27 EU-Staaten gemeinsam beschlossen", erklärt Christian Rath. "Zwar könnte Karlsruhe Korrekturen bei der Nutzung der Daten vorschreiben, denn hier hat die EU den Mitgliedsstaaten relativ freie Hand gelassen. Doch die Kläger wollen mehr. Sie halten schon die sechsmonatige Speicherung der Telekom-Verbindungsdaten für verfassungswidrig. Für die Überprüfung von EU-Rechtsakten ist jedoch nicht das Bundesverfassungsgericht, sondern der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg zuständig." Rath skizziert vier Möglichkeiten, wie das das Bundesverfassungsgericht darauf reagieren könnte.


In einem zweiten Artikel berichtet Rath über die in Karlsruhe vorgetragenen Argumente. Und Julia Seeliger freut sich: Habemus Bürgerrechtsbewegung 2.0.

Im Kulturteil spricht der Musikkabarettist Rainald Grebe, dessen neues Stück "Die Karl-May-Festspiele Leipzig" heute am Centraltheater in Leipzig aufgeführt wird, im Interview über Ostindianer und 1968. Jan Feddersen berichtet über eine Göttinger Tagung zur Situation schwuler Männer in den Anfangsjahren der BRD. In taz zwei schreiben Klaus Hartung und Max Thomas Mehr den Nachruf auf taz-Mitbegründer Dietrich Willier.

Besprochen wird James Camerons Science-Fiction-Film "Avatar": "Ob das Konzept des 'Zwiebelfilms' - Häutung um Häutung vom Popcornkino über das message picture zum Philosophieseminar - so recht aufgeht, ist schwer zu sagen", meint Georg Seeßlen, der selbst von soviel Kriegs- und Kapitalismuskritik schwer begeister ist.

Und Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 16.12.2009

Martin Walser hat in China einen Preis für seinen Goethe-Roman bekommen und bringt in seiner in der SZ dokumentierten Dankesrede eine kleine Hommage auf Mo Yan ("Die Sandelholzstrafe") unter: "Der Romanerzähler liebt alle seine Figuren. Er lebt in allen seinen Figuren. Auch wenn sie furchtbare Handlungen exekutieren müssen. Das ist für mich die Attraktion schlechthin: Wenn auch der Böseste nicht verloren ist." (Mo Yan gehörte bei der Buchmesse zur offiziellen Delegation, mit der er sich bei einer denkwürdigen Gelegenheit solidarisierte, indem er germeinsam mit ihr aus dem Saal spazierte, die Welt griff das vorgestern noch mal auf.)


Ausgerechnet die Wiederkehr des immer Gleichen ist das eigentlich Spannende an James Cameron, meint Susan Vahabzadeh in einem lauen Lob der neuen Superproduktion "Avatar": "James Cameron kann man, so scheint es, hinschicken, wo man will - in die Zukunft, ins Wasser, ins All: Er findet im Herzen überall dieselben menschlichen Mechanismen wieder; und nur das macht seine intergalaktische Romanze zwischen Jake und Neytiri interessant." Tobias Moorstedt erklärt in einem zweiten Artikel, was es mit dem für den Film entwickelten "Virtual Cinematography System Creator" auf sich hat.

Weitere Artikel: Klaus Birnstiel lauschte einem Vortrag des amerikanischen Philosophen und Religionskritikers Daniel Dennett in München. Der Rechts- und Sozialpsychologie Günter Bierbrauer erzählt, dass das berühmte Milgram-Experiment (man versetzt einem Scheinprobanden, sofern er nicht spurt, auf Anweisung einer wissenschaftlichen Autorität Elektroschocks) wiederholt wurde - mit dem gleichen erschreckenden Ergebnis. Jörg Königsdorf stellt den Schweizer Blockflötenstar Maurice Steger vor. Bernd Graff lässt sich von einem Slate-Artikel zu einer qualitätsjournalistischen Kompilation über die Frage, warum Rapper die Pistole seitwärts halten, inspirieren.

Besprochen werden neue Frankfurter Inszenierungen und eine Ausstellung mit Skulpturen von Pedro Cabrita Reis in Hamburg.

In einer Seite 3-Reportage erzählt Christian Zaschke, wie Übersetzer, Verleger, Buchhändler und Journalisten zwei Bücher, die es verdienen, aber nicht gerade Leichtgewichte sind - nämlich die Romane von David Foster Wallace und Roberto Bolano - zu Bestsellern machten.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2009

Online lesen kann man Andreas Maiers Hommage von gestern an die im Iran festgehaltene Künstlerin Parastou Forouhar und Karen Krügers Reportage vom Samstag über drei Deutschländer, die in die Türkei zurückgehen wollten oder mussten.


Aus dem Feuilleton von heute: Michael Althen ging nicht ohne Skepsis in die Pressevorführung, "Avatar" ansehen, und kam mit der Überzeugung wieder heraus, womöglich tatsächlich die Zukunft des Kinos erlebt zu haben: "Es geht ... gar nicht darum, den Film in gewohnter Weise zu reflektieren, sondern allein darum, dass man sich zum ersten Mal vorstellen kann, wie ein Sechzehnjähriger aus dem Kino kommt und das Erlebnis in 3D fortan für den Maßstab dessen hält, was Film kann."

Weitere Artikel: Der Schriftsteller Richard Wagner legt dar, warum der Dichter und Securitate "IM" Werner Söllner seiner Kenntnis nach weniger unschuldig ist, als jetzt alle tun. Dirk Schümer glossiert die transalpinische Hypobank-Katastrophe. Wie es kommt, dass die Berliner Philharmoniker auch zukünftig in Salzburg zu hören sein werden, weiß Jan Brachmann. In französischen Zeitschriften liest Jürg Altwegg Essays zum Thema Sport, Fußball vor allem. Regina Mönch stellt angesichts aktueller Lebenszeichen erleichtert fest: "Es gibt sie also doch: die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung." Gina Thomas gehen die Augen auf bei ihrem Besuch des nach der Renovierung viel helleren Victoria and Albert Museum in London: "Ein Triumph".

Auf der Medienseite erläutert Hendrik Wieduwilt ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das Internetseiten erlaubt, die Namen der Sedlmayr-Mörder in ihren Archivtexten zu belassen. (Mehr dazu bei Spiegel online)

Besprochen werden eine Aufführung von Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" und Bücher, darunter Palmi Ranches Erzählungsband "Ein bisschen Glück für später" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Muss ich etwas zu sagen haben?

20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

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