Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Peter Nadas: Parallelgeschichten

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
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- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- Adam Michnik
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- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
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- Das Ende der Berliner Seiten
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- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Öde Langeweile im Paradies
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.11.2009. Etwas ist faul im Staatstheater, das sich von der Krise nicht berühren lässt, ruft der Tagesspiegel. Die Berliner Zeitung würdigt die verantwortungsvolle Tätigkeit der Landesmedienanstalten. Die Zeit mobilisiert ihre letzten Kräfte, um über das Zeitungssterben Auskunft zu geben. Die Verleger sollen sich nicht so haben, meint Blogger Markus Beckdahl: 13 Prozent Rendite können sich doch sehen lassen.
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Der Tagesspiegel, 26.11.2009
"Etwas ist faul im Staatstheater!", ruft Rüdiger Schaper und benennt ein Missbehagen an den jüngsten Produktionen in Berlin: "Der Betrieb läuft rund - und er läuft leer. Kulturpolitisch mag es gefährlich sein, gerade jetzt Künstler und Kunst zu attackieren; in Wuppertal, in Oberhausen bangen Theater um ihre Existenz. Doch kann man die öde Langeweile im Paradies weder ertragen noch verschweigen. Es ist, als hätten sich unsere signifikanten Bühnen von der Realität abgekoppelt. Sie drohen ihre Erzählkraft zu verlieren. Sie haben ihre eigene Krise, die sich auch darin äußert, dass sie mit der Krise nichts zu tun haben."
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Berliner Zeitung, 26.11.2009
Michael G. Meier würdigt die verantwortungsvolle Tätigkeit der zahlreichen Landesmedienanstalten in Deutschland, deren Jahresetat bei insgesamt 160 Millionen Euro liegt: "Entschieden wird neben wichtigen Fragen auch schon mal die Zulassung von Kleinst-Spartensendern wie 'Yacht-TV' oder 'Wein-TV'. Dann wird allen Ernstes auch schon mal die medienpolitische Unbedenklichkeit dieser Mini-Programme geprüft und ob einer dieser Sender eine marktbeherrschende Stellung einnehmen könnte."
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Der Freitag, 26.11.2009
Der Fall der südafrikanischen Sportlerin Caster Semenya, die kein Mann und keine Frau ist und darum auch nicht als Frau laufen soll, führt die "kritische Geschlechtertheorie" in ein schweres Dilemma, schreibt Andrea Reodig: "Wenn sie die körperliche Differenz ernst nehmen will, ist der Widerspruch nicht lösbar. Im Sportsystem eine dritte Kategorie zwischen Mann und Frau einzuführen, verschöbe das Problem nur und wäre, da Intersex so oft nun nicht vorkommt, wenig praktikabel. Bleiben wir beim Entweder-Oder von zwei Geschlechtern, verfügt Semenya, hart formuliert, nicht über die körperlichen Voraussetzungen, am Wettbewerb teilzunehmen. Pech gehabt."
Außerdem: Magnus Klaue ist nicht zufrieden mit den Protesten der Studenten: "Sie fordern, was in wenigen Jahren ohnehin der Fall sein wird."
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Frankfurter Rundschau, 26.11.2009
Heute wird nun nach langen Querelen der Hessische Kulturpreis an die Interreligiösen Navid Kermani, Salomon Korn, Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker verliehen, Joachim Frank und Christian Schlüter dröseln das ganze Hin und Her von Anerkennung und Aberkennung noch einmal auf. In Times mager sorgt sich Sylvia Staude um unsere Aufnahmekapazitäten. Auf der Medienseite unterhält sich Tilman Gangloff mit der Fernsehfil-Chefin des Bayerischen Rundfunks, Bettina Reitz, über Qualität, Quoten und Komprosmisse.
Besprochen werden die Hamburger Klangwerktage auf Kampnagel, Hans Van den Broecks Tanzstück "We Was Them", Kutlug Atamans Videoinstallationen aus Küba und Paradise im Museum Ludwig, die oscar-prämierte japanische Tragikomödie "Nokan - Die Kunst des Ausklang", der zweite Teil von Stephenie Meyers Vampir-Saga "Biss zu Mittagsstunde", der Briefwechsel zwischen Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger und Henning Rischbieters Erinnerungen "Schreiben, Knappwurst, abends Gäste" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
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Die Welt, 26.11.2009
Der arg schuldenbelastete MGM-Filmkonzern steht mal wieder zum Verkauf, berichtet Hanns-Georg Rodek. Chefredakteur Thomas Schmid ist nicht zufrieden mit dem Vorschlag, den EU-Politiker Hans-Gerd Pöttering in der Konrad-Adenauer-Stiftung ein Gnadenbrot zu geben und schlägt dagegen mit Joachim Gauck eine glamourösere Person vor, die die Stidtung auch mal ins Gespräch bringen könnte. Michael Pilz gratuliert Tina Turner zum Siebzigsten. Elke Heidenreich wirbt im Gespräch mit Uwe Wittstock für eine von ihr edierte Buchreihe, in der es ausschließlich um Musik gehen wird. Alexander Kluy lotet die kulturellen Aspekte des "Jahrs der Naturfasern" aus.
Besprochen werden eine Ausstellung über den Sport in der DDR in Leipzig und Filme, darunter der japanische, mit dem Auslandsoscar prämierten Film "Nokan - die Kunst des Abschieds" (mehr hier).
Auf der Forumsseite findet sich eine Rede Henryk Broders über Deutschland, die er auf einer Berliner Diskussionsveranstaltung hielt.
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Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2009
Maria Becker empfiehlt im Feuilletonaufmacher eine Ausstellung über Giovanni Giacometti im Kunstmuseum Bern. Michael Mayer resümiert ein Berliner Symposion über "Musealisierung als Zivilisationsstrategie".
Besprochen werden des weiteren eine Ausstellung über Fellini in Paris, die Ausstellung "Karl der Kühne - Glanz und Untergang des letzten Herzogs von Burgund" in Wien und Bücher, darunter Patrick Hofmanns Roman "Die letzte Sau" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
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Aus den Blogs, 26.11.2009
Markus Beckdahl von Netzpolitik ruft die Verleger in einem Beitrag für Carta zur Ordnung: "Verglichen mit den meisten Wirtschaftszweigen geht es den Medienhäusern in der sog. Wirtschaftskrise gut - nicht zuletzt Springer, die besonders laut tönen - 13 Prozent Rendite laut 3. Quartalsbericht sind kein Grund zum Weinen. Auf diesem Niveau zu jammern, ist eher unverschämt."
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Die Tageszeitung, 26.11.2009
"Bollywood versteht Terrorismus nicht", kommentiert der indische Regisseur Prakash Jha auf den Tagesthemenseiten einen Film über die Anschläge auf Bombay vor einem Jahr. Und erklärt im Interview, warum der Terror Indien kaum in die Knie zwingen konnten. "Indien ist ein sehr tolerantes Land. Wir tolerieren Korruption, Armut, Hunger. Wir tolerieren die Ineffizienz unseres politischen Systems. Auch '26/11' war nicht groß genug, um uns zum Handeln zu zwingen."
Im Kulturteil beschreibt Tilman Baumgärtel das Nicht-Filmland Kambodscha, dessen bis 1975 durchaus blühende Filmindustrie sich vom "Steinzeitkommunismus" der Khmer Rouge, deren Terror sich dezidiert gegen das Moderne und gegen die Kultur richtete, nie erholte. Sabine Leucht berichtet über das Spielart-Festival München, das mit Theater aus Argentinien begann. Nina Apin resümiert das Symposium "Musealisierung als Zivilisationsstrategie" in der Temporären Kunsthalle Berlin, das der Wuppertaler Ästhetikprofessor Bazon Brock als "Trainingslager der Demokratie" begriff.
Besprochen werden der effektvolle Thriller "Die Tür" von Anno Saul, die DVD von Charlie Kaufmans Regiedebüt "Synecdoche, New York" und das Buch "System Error. Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt", in dem der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann strukturellen Schutz vor der Maßlosigkeit des großen Geldes fordert. (mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr)
Und Tom.
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Die Zeit, 26.11.2009
In einem Dossier gehen Anita Blasberg und Götz Hamann der Frage nach, was nach diesem Jahr, in dem die Werbeerlöse um 20 Prozent gesunken sind, von der Presse übrig bleibt. Ihre Geschichte beginnt in Anklam, wo gerade in einer Stadtratssitzung der Bürgermeister nach Korruptionsvorwürfen rausgeworfen werden soll und der Reporter vom Nordkurier allein da sitzt: "Im Gemeindesaal ergreift der Fraktionschef der NPD das Wort: 'Ich erwarte lückenlose Aufklärung, meine Damen und Herren!' Ein junger tätowierter Parteifreund neben ihm nickt. Die NPD ist hier so stark wie die SPD. Die stärkste Fraktion aber ist eine Partei lokaler Unternehmer, die auch den Bürgermeister stellt. Das ist 17389 Anklam, ein Ort am äußersten Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns. Am Rande der Demokratie. Der Nordkurier aus dem Neubrandenburger Kurierverlag ist in Anklam die letzte unabhängige Nachrichtenquelle vor Ort. Die Konkurrenz, die Ostseezeitung, hat vor vier Jahren ihr Büro geschlossen - weil es dem Ostseezeitung-Verlag zu teuer wurde. Nur der Anklamer Bote ist auf Wachstumskurs. Inzwischen gibt es auch den Greifwalder Boten, den Boten für Usedom, den Stralsunder Boten. Wie der Anklamer Bote alles Gratisblätter einer NPD-nahen Initiative."
Im Feuilleton verabschiedet Ijoma Mangold den Suhrkamp Verlag, der für seinen Umzug von Frankfurt nach Berlin schon die Kisten packt: "Der Bruch mit der Vergangenheit könnte radikaler nicht sein. Für ein Haus von dieser Tradition und einer solchen soziokulturellen Verwurzelung kommen diese Veränderungen einer Neuerfindung gleich. Es hat etwas von Befreiungsschlag, von Tabula rasa. Als habe sich Ulla Berkewicz von allen Lasten der Geschichte lösen wollen, um in der Stadt einen Neustart hinzulegen, die sich am wenigsten um Herkunft kümmert."
Im Gespräch mit Gero van Randow erklärt der französische Philosoph und Kommunist Alain Badiou, warum er die Demokratie als Staatsform verabscheut: "Alle Staatsformen sind konservativ, dienen der Erhaltung der Staatsmacht, das gilt für Despotien nicht anders als für Demokratie. Der Wechsel zwischen Mehrheit und Minderheit, rechts und links verleiht der Demokratie nur mehr Geschmeidigkeit. Sie passt deshalb besser zum liberalen Kapitalismus als jede andere Staatsform und sichert ihn."
Weiteres: Adam Soboczynski geißelt die Bologna-Reformen, die den deutschen Studenten kaputt machen: "Das Bummeln war, modisch gesprochen, sein Alleinstellungsmerkmal." Katja Nicodemus plaudert in einem weiteren, unterhaltsamen Gespräch mit Regisseur John Waters. Zum Beispiel über seinen Film "Pink Flamingos", in dem der Transvestit Divine Hundescheiße frisst: "Die Szene hat mehr provoziert als jeder Hardcore Sex. Die Staatsanwälte drehten durch." Gerhard Jörder Besucht die beiden Intendanten Barbara Frey in Zürich und Lars-Ole Walburg in Hannover. Alexander Camman feiert den sechzigsten geburtstag der Literaturzeitschrift Sinn und Form. Gerhart Baum schreibt über den Film "Die Anwälte". Sven Behrisch war mit 250 Künstler zur Audienz in der Sixtinischen Kapelle. Hanno Rauterberg besucht die Ausstellung "Taswir - Islamische Bildwelten und Moderne" im Berliner Gropiusbau.
Außerdem gibt es heute eine Literaturbeilage. Im Aufmacher erklärt Alexander Cammann, warum die DDR-Literatur so viel besser war als die aus dem Westen. Recherchen der Zeit zum hundertsten Geburtstag ihrer einstigen Herausgeberin Marion Döhnhoff haben außerdem ergeben: Sie war eine Jahrhundertfrau.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2009
Joachim Müller-Jung hält den hysterischen Umgang der Öffentlichkeit mit der Schweinegrippe wie auch der Impfung für gefährlich und rät nüchtern, sich einfach impfen zu lassen. In der Glosse erregt sich Gerhard Stadelmaier sehr über die Theaterberichterstattung, die er in der 3sat-Sendung "Foyer" erleben musste. Andreas Kilb begutachtet die neue Bibliothek der Berliner Humboldt-Universität. Andreas Rossmann informiert über - nicht zuletzt durch die Vereinheitlichungswünsche der EU entstehende - Probleme der Denkmalschutzorganisatoren. Joseph Croitoru liest in osteuropäischen Zeitschriften Aufsätze zur (Nicht-)Aufarbeitung der kommunistischen Ära nach 1989 in Rumänien und Polen. Gina Thomas schreibt zum Tod des Musikwissenschaftlers H. C. Robbins Landon. Auf der Kinoseite macht Andreas Kilb auf die Filmreihe "Kino der Geheimdienste" im Berliner Zeughaus aufmerksam. Hans-Jörg Rother berichtet vom Filmfestival in Cottbus (Website).
Besprochen werden Stephane Braunschweigs Inszenierungen von Ibsens "Rosmersholm" und "Nora" zu seinem Einstand in Paris, eine Marianne-Hoppe-Ausstellung im Deutschen Theatermuseum in München, ein Natalie-Merchant-Konzert in Berlin, neue CDs mit Vocalrecitals von Vivaldi bis Händel, der rasend erfolgreiche Kriegsspiel-Egoshooter "Call of Duty: Modern Warfare 2" (hier ein Trailer), Michael Glawoggers Verfilmung von Josef Haslingers Roman "Das Vaterspiel" und Bücher, darunter Philip K. Dicks Nicht-Science-Fiction-Roman "Unterwegs in einem kleinen Land" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 26.11.2009
Ein Jahr nach den Anschlägen in Mumbai hat der Schriftsteller Kiran Nagarkar die Nase voll von inkompetenten und korrupten Behörden: "Es wütet ein richtiger 'Bandenkrieg' innerhalb des Polizeiwesens von Mumbai. Loyalität gilt nicht der Truppe, sondern den einzelnen rivalisierenden Beamten, der eigenen Kaste und Gemeinschaft. (...) Wann werden die Inder damit aufhören, sich gegenüber der endlosen Schikanen, Manipulations- und Betrugsaffären ihrer Politiker tolerant zu zeigen. Wann war es das letzte Mal, dass ein für seine Korruptionsaffären berüchtigter Staatsmann, Polizeipräsident oder Hoher Beamter zur Rechenschaft gezogen wurde?"
Weitere Artikel: Der Supreme Court in Großbritannien ist aufgefordert zu überprüfen, wann es rassistisch sei zu sagen, jemand sei ein Jude bzw. kein Jude, berichtet Andreas Zielcke (hier ein Bericht aus dem Guardian von Ende Oktober). Der Hintergrund: Eine jüdisch-orthodoxe Schule wurde erfolgreich wegen "rassischer Diskriminierung" verklagt, weil einem Schüler die Aufnahme aus dem einen Grund verweigert wurde, dass er nicht von einer jüdischen Mutter abstamme. Alexander Menden schüttelt den Kopf über die Talentshow "School of Saatchi" der BBC, bei der angehende Künstler um ein Saatchi-Stipendium ringen. Gottfried Knapp meldet, dass der Internationale Rat für Denkmalpflege den vor dem Radikalumbau stehenden Stuttgarter Hauptbahnhof listigerweise in seiner noch existierenden Form zur Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste vorschlägt. Von einem Berliner Vortrag Nikolaus Bachlers, des Intendanten der Bayerischen Staatsoper, berichtet Wolfgang Schreiber. Auf der Filmseite unterhält sich Frank Arnold mit dem Schauspieler Mads Mikkelsen über seine Rolle in Anno Sauls - daneben auch besprochenem - Horrorfilm "Die Tür". Auf der Medienseite schildert Hans Leyendecker noch einmal die längst in Skandalnähe gerückte Debatte um die höchst wahrscheinliche Nichtwiederwahl des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender.
Besprochen werden Rafael Sanchez' Theaterversion von Lubitschs "Sein oder Nichtsein" am Deutschen Theater in Berlin, die Ausstellung "Der deutsche Impressionismus" in Bielefeld, neue Filme, darunter Michael Glawoggers Haslinger-Verfilmung "Das Vaterspiel", der japanische Auslandsoscar-Gewinner "Nokan" und Sandra Nettelbecks in Hollywood entstandener Film "Helen" und Bücher, darunter Eyal Weizmans Studie "Sperrzonen. Israels Architektur der Besatzung" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





