Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 08.02.2012, 16.40 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Errichtung einer Kulturpolizei

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

17.11.2009. In der Welt schreibt Paul Lendvai über den rasenden Antisemitismus der Imre-Kertesz-Gegner in Ungarn. Die FR ist traurig über Minsk: Moderne Geschmacklosigkeiten schwächen den Brutalismus der Stadt. In der taz macht der Medizinhistoriker Klaus Bergdolt keine Hoffnung: Wäre die Schweinegrippe ernst, würden wir Kranke isolieren. Es ist November. In China übernimmt das Wetterveränderungsamt die Verantwortung, berichtet die FAZ.

Die Welt, 17.11.2009

Mit seiner Kritik an Ungarn hat der Schriftsteller Imre Kertesz offenbar in ein Wespennest gestochen. "Die alten Laster der Ungarn, ihre Verlogenheit und ihr Hang zum Verdrängen, gedeihen wie eh und je", hatte der Nobelpreisträger vor kurzem in einem Interview mit der Welt gesagt. Jetzt schäumt Ungarns Rechte natürlich, berichtet Paul Lendvai: "Dieser Tage rief das Wochenblatt Magyar Demokrata (Ungarischer Demokrat) zur 'Errichtung einer Kulturpolizei' auf, bestehend aus drei- bis vierköpfigen Sonderkommandos. Diese sollen die Bücher 'linksliberaler Landesverräter' (György Spiro, György Konrad, Peter Esterhazy und Peter Nadas) aus den Bibliotheken entwenden und, wenn dies nicht möglich ist, die Blätter zumindest beschmieren und zerreißen. 'Wir sollten keine moralischen Hemmungen haben. Diese Leute sind Mörder, ihre Gifte sind aus unserem Organismus auszurotten', forderte der Redakteur des Blattes und rief 'zum Kampf, zum heiligen Krieg' auf. Angesichts der Empörung in und außerhalb Ungarns versuchte der Chefredakteur die beispiellosen Angriffe gegen die herausragenden und - mit der Ausnahme Esterhazys - jüdischen Autoren als eine 'witzige Betrachtung' hinzustellen. All das ... mag nur die Spitze des Eisbergs sein. Mit den Worten György Konrads: 'Die Freiheit erscheint als die Freiheit des Neofaschismus.' Die Juden in Ungarn haben (wieder) Angst." (Hier eine Übersetzung des Pamphlets)


Weiteres: In der Randspalte berichtet Stefan Grund, dass die Besetzung des Hamburger Gängeviertels Wirkung zeigt: Die Stadt will die Häuser vom holländischen Investor zurückkaufen. Besprochen werden eine Solofassung von "Richard II." in Hamburg, die Uraufführung von Michael Frayns Stück über Max Reinhardt in Salzburg, Van Dyke Parks' Konzert in Berlin und Michael Crichtons im Nachlass entdeckter Roman "Gold", Robert Crumbs Comic "Die Bibel".

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Frankfurter Rundschau, 17.11.2009

Katrin Hillgruber reist mit litauischen Künstlern im Rahmen des Festivals European Borderlands nach Minsk, wo sie sich von Arthur Klinau durch die Stadt führen lassen. "Pfeilförmig führt der kilometerlange Boulevard der Unabhängigkeit nach Osten, Richtung Moskau. Die Prachtbauten werden nachts grell angestrahlt, es herrscht mustergültige Sauberkeit. In einem Außenbezirk ist die hypermoderne Nationalbibliothek wie ein eckiger Ufo gelandet. Artur Klinau behauptet, Stalin habe während der deutschen Besatzung ab 1941 gezielt Minsk und damit seine eigenen Landsleute bombardieren lassen, um Platz für seine Paläste zu schaffen. Klinau ist auch Autor des ebenso analytischen wie schwärmerischen Essays 'Minsk - Sonnenstadt der Träume'. Der Titel 'Sonnenstadt' bezieht sich auf Tommaso Campanellas Utopie vom Sonnenstaat und wurde 1961 offiziell proklamiert. Doch das Ensemble, das maßgeblich durch den Architekten Iosif G. Langbard geprägt wurde, ist in Gefahr. Denn mit dem freien Markt kam die Geschmacklosigkeit." (Hm, vielleicht ist etwas Geschmacklosigkeit aber auch genau das, was dem niederdrückenden Betonbrutalismus von Minsk fehlt?)


Weitere Artikel: Christoph Schröder berichtet über den Open-Mike-Wettbewerb in Berlin. Frithjof Schwartz erinnert an den vor 400 Jahren gebornen Ludwig von Siegen, Erfinder der grafischen Drucktechnik Mezzotinto. In Times mager bewundert Natalie Soondrum Abschied die sensationellen Abgänge ihrer weiblichen Verwandten. Auf der Medienseite kommentiert Harry Nutt die Trauerfeier für Robert Enke. Björn Wirth resümiert einen Arte-Themenabend über die Folgen einer beschleunigten Arbeitswelt.

Besprochen werden Barrie Koskys "matte" Inszenierung von Wagners "Rheingold" in Hannover, Calixto Bieitos Inszenierung von Janaceks "Totenhaus" in Basel und Bücher, darunter ein Band von Ivan Nagel über "Gemälde und Drama" und John Burnsides Roman "Glister" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).



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Aus den Blogs, 17.11.2009

Google Books allerorten. Michael Arrington kommentiert in Techcrunch den Streit zwischen google und der Open Book Alliance: "Google says they're saving humanity, or something close. Which is probably a stretch. Their opponents, fueled by donations from Google competitors (among others), says Google wants to "establish a monopoly over digital content access and distribution..."


Carta hat eine interessante Debatte aus dem Insitut für Medien- und Kommunikationspolitik aufgezeichnet, bei der Springer-Geschäftsführer Christoph Keese mit Markus Beckedahl von Netzpolitk und Autor Matthias Spielkamp irights.info über Leistungsschutzrechte diskutierten.

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Der Tagesspiegel, 17.11.2009

Auf den vorderen Seiten stellt Verena Mayer die Arbeit der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen vor, die auch die Beweise gefunden hat gegen John Demjanjuk, "mutmaßlicher Wachmann im Vernichtungslager Sobibor, nach dem Krieg in die USA ausgewandert. Der Vorwurf lautet, dass 27 900 Menschen in Sobibor ermordet wurden, als Demjanjuk dort Dienst hatte, zwischen März und September 1943. Sie mussten sich ausziehen und wurden von den Wachleuten mit Bajonetten in die Gaskammern getrieben. Ein Wachmann warf einen Motor an, die Menschen erstickten an den Abgasen. Ab dem 30. November wird gegen Demjanjuk, der die Vorwürfe abstreitet, in München der Prozess eröffnet. Die Beweislage sei gut, sagt [leitender Oberstaatsanwalt] Schrimm."


Im Kulturteil gibt es ein Interview mit dem Regisseur Joel Zito Araujo, der einen Film über Sextourismus in Brasilien gedreht hat. Und Christina Tilmann bespricht Birgit Schulz' Dokumentarfilm "Die Anwälte" über Schily, Ströbele und Mahler.

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Die Tageszeitung, 17.11.2009

Wenig Hoffnung macht der Medizinhistoriker Klaus Bergdolt im tazzwei-Gespräch mit Matthias Lohre für den Fall einer Epidemie, die weniger glimpflich verläuft als die Schweinegrippe: "Entgegen allen politisch korrekten Beteuerungen würde unsere Gesellschaft im Ernstfall vermutlich eine utilitaristische Abwägung treffen. Das Ergebnis wäre: Wer zu einer Minderheit gehört, welche die Mehrheit tödlich bedroht, muss isoliert werden."


Im Feuilleton liest David Kleingers eine Studie des Filmwissenschaftlers Tobias Nagl über Rassismus im Kino der Weimarer Zeit. Wiebke Porombka verfolgte den 17. "Open Mike"-Wettbewerb in Berlin, wo es auch eine taz-Publikumsjury gab. Besprochen werden ein Auftritt Sasha Waltz' und ihrer Compagnie bei der Eröffnung des neuen Museums für moderne Kunst in Rom und ein Konzert Van Dyke Parks' in Berlin.

In tazzwei finden wir eine neue Episode aus dem extrem heroischen Kampf der taz gegen die Springer Presse: "Ein Wandfries von Peter Lenk an der Fassade der taz in Berlin polarisiert. Muss die Plastik eines nackten Kai Diekmann mit meterlangem Penis an der Wand hängen?"

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2009

Andrea Köhler feiert das zehnjährige Bestehen der Buchreihe NYRB Classics, die all die Trouvaillen wieder herausgibt, die auf dem amerikanischen Buchmarkt nicht mehr zu haben waren:  "Neben der ästhetisch gelungenen Aufmachung der Paperbacks ist es besonders die breite Palette an Genres, die diese Serie so attraktiv macht. Charles Duffs 'A Handbook of Hanging' (mit einem Vorwort von Luc Sante) steht neben Prosa von Henri Michaux oder Robert Burtons 'Anatomie der Melancholie'."


Weiteres: Lutz Windhöfel gratuliert der Architektin Silvia Gmür zum Siebzigsten. Abgedruckt ist eine Rede der Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey über Calvin, die Freiheit und die Gerechtigkeit.

Besprochen werden die Ibsen-Stücke "Rosmersholm" und "Nora" in Paris, Lydia Davis' Roman "Das Ende der Geschichte", Ignacio Martinez de Pisons Roman "Milchzähne" und Christoph D. Brummes Reisereportage "Auf einem blauen Elefanten" (mehr ab 14 Uhr un inserer Bücherschau des Tages).

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Süddeutsche Zeitung, 17.11.2009

Nach seinem Erfolg in Sachen Google Book Settlement bekommt Europa schon wieder andersrum kalte Füße, berichtet Johanes Boie: "Der Erfolg für die deutschen Verlage und andere Rechteinhaber birgt auch die Gefahr dauerhafter Rückständigkeit. Denn Google ist - so sehr dies hinsichtlich der Monopolgefahr bedenklich stimmen mag - eine der treibenden Kräfte, die die Welt ins digitale Zeitalter bewegen. Kulturgüter, die bei diesem Prozess nicht mitgenommen werden, laufen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten." (Mehr zum Thema im Archivalia-Blog und im Gruppenblog irights.info.)


Weitere Artikel: Jens Bisky schildert im Aufmacher, wie die Stadt Dessau unter Aufbietung all ihrer kulturellen Kräfte (Bauhaus, Kurt-Weill-Fest, Theater) wieder Anziehungskraft gewinnen will: "Die Stadt gibt etwa 12,5 Prozent ihres Haushalts für Kultur aus, etwa 20 Millionen Euro im Jahr. Das ist weit mehr als die im Bundesdurchschnitt üblichen drei bis acht Prozent." In der "Zwischenzeit" kommentiert Evelyn Roll die fortgesetzten Äußerungen des Regisseurs Roland Emmerich, man könne in in einem Katastrophenfilm die Kaaba nicht untergehen lassen - aus Angst vor einer Fatwa: "Der Film hat also gute Chancen, als wirklicher Katastrophenfilm in die Geschichte einzugehen. Als intellektuelle Katastrophe." Johan Schloemann stellt umfassende kulturelle Initiativen der Onassis-Stiftung vor, die Griechenland und Athen auch mal wieder in positiveres Licht stellen sollen. Lothar Müller schildert Konflikte im Deutschen Literaturarchiv Marbach um eine von deren Leitung gewünschte Satzungsänderung. Diese würde ihr gegenüber dem "Volk" der Schillergesellschaft weitreichendere Befugnisse geben - das Dumme ist nur: Das Volk stimmt dagegen. Jean-Michel Berg verfolgte den 17. "Open Mike" (mehr hier) der Berliner Literaturwerkstatt.

Auf der Medienseite stellt Caspar Dohmen einen Vorschlag der Post für ein Micropayment-System vor, das Verlagen bei der Vertreibung ihres "Paid contents" helfen könnte.

Besprochen werden die Ausstellung "Daniel Hopfer - Ein Augsburger Meister der Renaissance" in München, die Ausstellung "Realite abstraite" des Malers Albert Oehlen in Paris, Shakespeares "Richard II." in der Regie Sven-Eric Bechtolfs im Hamburger Thalia Theater und Bücher, darunter Urs Widmers neuer Roman "Herr Adamson" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2009

Mark Siemons erläutert, warum sich die Allmacht der chinesischen Regierung jetzt schon in ihrer Verfügung übers Wetter äußert: "Interessant ist, dass man in der chinesischen Öffentlichkeit ganz selbstverständlich damit zu rechnen scheint, dass das Wetter keine höhere Gewalt ist, sondern eine Regierungsmaßnahme wie jede andere. Schuld daran ist eine Regierungsinstitution namens 'Wetterveränderungsamt', die in den letzten Jahren verstärkt die Verantwortung für alle möglichen Wechselfälle des Himmels übernimmt, am prominentesten bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele, als sie dafür gesorgt haben will, dass die über der Stadt lastenden Gewitterwolken sich nicht entluden."


Weitere Artikel: Für großen Ärger bei spanischen Konservativen sorgen, wie Paul Ingendaay berichtet, Sexualaufklärungsveranstaltungen von staatlicher Seite, die von Religiösen und Rechten als "Masturbationsworkshops" verunglimpft werden. In der Glosse widmet sich Jürgen Kaube den "Krachern" und "Blindgängern" des "Fatalitätsministers" Brüderle. Irene Bazinger hat das Richtfest der Berliner Staatsoper im Ausweichquartier Schillertheater besucht. Beim diesjährigen Berliner "open mike" hat Wolfgang Schneider viele Opa-Geschichten gehört, gute darunter - und bessern noch gefiel ihm die Lyrik. Joseph Hanimann stellt neue Studien zum Kultur- und Medienrezeptionsverhalten in Frankreich vor. Dirk Schümer informiert über die Entdeckung eines in einem "Bacchus"-Gemälde versteckten Caravaggio-Selbstporträts per "Multispektral-Reflektografie".

Besprochen werden Sven-Eric Bechtolfs solistischer Auftritt als Richard II. am Hamburger Thalia-Theater ("dieser eine Mann ist hier ein ganzes, großes Theater", schwärmt Gerhard Stadelmaier), die Kölner Uraufführung von Wolfgang Rihms "ET LUX"-Requiem, ein Wayne-Shorter-Konzert in der Alten Oper Frankfurt, die Ausstellung "Bauhaus 1919-1933" im New Yorker Museum of Modern Art und Bücher, darunter Hanns-Josef Ortheils Liebeserklärung "Rom. Eine Ekstase" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

Vergegenwärtigungskunst

24.01.2012. In der französischen Huffington Post attackiert Caroline Fourest den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki. Wer sich für Freiheit im Netz einsetzt, arbeitet in Wahrheit dem Kapital in die Hände, findet der Tagesspiegel.  Die Welt begibt sich auf die Suche nach der Kairoer Kunstszene, findet sie aber nicht so recht. Die SZ staunt über Hans Holbeins Schutzmantelmadonna in Schwäbisch Hall. De FAZ bringt eine kleine Hommage auf den Künstler Denis Limonow, der durch eine tollkühne Aktion zwei weißrussische Jugendliche vor der Hinrichtung bewahren will. Mehr lesen

Gewaltige Portion Besserwisserei

23.01.2012. Wahre Hymnen auf Deutschland singt Horace Engdahl aus der Jury des Literaturnobelpreises im Tagesspiegel. Die Welt kann mit Friedrich dem Großen ehrlich gesagt nicht so viel anfangen. Die taz porträtiert die große chinesische Autorin Eileen Chang und die NZZ den Schriftsteller und Psychiater Ion Vianu. Und auch hier noch eine Hymne auf Deutschland, genauer: Berlin - von dem Schweizer Autor Alain Claude Sulzer. Mehr lesen

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