Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Rebmanns Welt ist Oberndorf

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

08.10.2009. Die FR porträtiert den Mann, der demnächst über die Geschicke der SZ bestimmen wird. Die Welt entziffert die karolingischen Minuskeln in C.G. Jungs "Rotem Buch". Die NZZ erweist den Helden von Leipzig ihre Reverenz. Entweder Leistungsschutzrechte oder Informationsfreiheit, schreibt Matthias Spielkamp im Perlentaucher. Die SZ liest im Kindle und dem Kindle die Leviten. In der Zeit setzt Dietmar Dath die Debatte um den Afghanistaneinsatz fort.

Frankfurter Rundschau, 08.10.2009

Bernhard Bartsch stellt den seit 1988 in den USA lebenden chinesischen Schriftsteller Qiu Xialong vor, dessen Krimis in China wenn überhaupt dann nur in zensierter Form erscheinen dürfen. Sein erstes literarisches Werk war eine Selbstkritik, die er 1966 für seinen Vater, einen Geschäftsmann, schreiben musste: "'Mein Vater lag damals wegen einer Augenoperation mit verbundenen Augen im Krankenhaus, aber die Roten Garden bestanden trotzdem darauf, dass er regelmäßig Selbstbezichtigungsschriften verfasst', erzählt Qiu. Also musste sein 14-jähriger Sohn kommen. 'Mein Vater war sehr schwach, und so habe ich einfach selbst geschrieben, was mein Vater für ein Ausbeuter und monströser Verbrecher war.' Qiu machte seine Sache gut - die Revolutionäre hatten an seinen Schuldbekenntnissen nichts auszusetzen."


Weitere Artikel: Jürgen Serke erinnert an den Dramatiker Alfred Matusche, der heute 100 Jahre alt geworden wäre: "Er hat ein Jahrhundertwerk hinterlassen, das kaum noch einer kennt. Niemand sonst schrieb unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von Versöhnung und unverlierbarer Gemeinsamkeit zwischen Deutschen und Polen. Seine Stücke ersetzen ein ganzes Zentrum gegen Vertreibung, wie es in Berlin geplant ist." Auf den ersten Blick ausgewogen findet Jörg Plath das Urteil des BGH zur Bezahlung von Übersetzern. In Times Mager denkt Christian Thomas über das "Monster" nach, das Bundespräsident Horst Köhler gezähmt sehen möchte.

Auf der Medienseite porträtiert Ulrike Simon den Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding vor, Richard Rebmann, der demnächst auch über die Geschicke der Süddeutschen Zeitung entscheidet. "'Rebmanns Welt ist Oberndorf', heißt es im Verlag. Kommunizieren sei seine Sache nicht. Den journalistischen Anspruch einer Qualitätszeitung betrachte er als Luxus. Hauptsache, dass die Erlöse stimmen. Rebmann sagt zu alldem nichts. Der Mann, dem kaum einer traut, ist misstrauisch, erst recht Journalisten gegenüber. In der Branche gilt er als 'harter Hund'. Ihm reiche es nicht, Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu nehmen. Er nehme ihnen auch noch die Würde, sagt einer, der Rebmanns Gebaren kennt."

Besprochen werden die Laszlo-Moholy-Nagy-Schau in der Frankfurter Schirn Kunsthalle (Arno Widmann entdeckt hier Moholy-Nagys "'Selbstveränderungsdrang'. Der Betrachter, der ihn erspürt hat, wird mobilisiert, aufzuhören mit dem Danebenstehen, mit der Klugscheißerei."), die Roman-Adaption "Abgesoffen" in der Frankfurter Box, Nicolas Stemanns Inszenierung des "Nathan" am Hamburger Thalia Theater, Jeff Nichols Debütfilm  "Shotgun Stories" und Ludi Boekens Film  "Unter Bauern".

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Die Welt, 08.10.2009

Jahrzehnte nach seinem Tod ist C.G. Jungs "Rotes Buch" erschienen, in dem der Guru in bizarr-virtuoser Weise sein Seelenleben entfaltete. Thomas Lindemann beschreibt es als "befremdlicher Ritt durch Mythen, Düsternis und verbissene Seelenforschung. Träume, Gedanken, Mini-Essays sind enthalten, auch Dialoge mit imaginierten Personen, die mal 'Seele' heißen oder mal Izdubar sind, der altbabylonische Stiermensch. Jung hat sich, was ein Faksimile-Teil zeigt, den Schriftstil mittelalterlicher Buchkunst angeeignet und in illuminierter Handschrift ähnlich den karolingischen Minuskeln geschrieben. Dazwischen setzt er aufwendige Bilder, die an byzantinische Kunst denken lassen und - diese Assoziation bleibt nicht aus - Plattencover der Siebziger, aus den esoterischen Phasen Chick Coreas oder des Mahavishnu Orchestras."


Weitere Artikel: Uwe Wittstock kommentiert das Urteil des Bundesgerichtshof zur Vergütung der Übersetzer, das für ihn die paradoxe Konsequenz hat, dass Übersetzer simpler Bestseller besser gestellt sein werden als Übersetzer literarisch anspruchsvoller Werke. Der chinesische Germanist Zhang Yushu begrüßt mit Emphase Wolfgang Kubins zehnbändige Geschichte der chinesischen Literatur - ein solches Projekt gibt es nicht mal in China selbst. Gustavo Dudamel hat seine Stelle als Chefdirigent der L.A. Philharmonics angetreten, berichtet Manuel Brug.

Gemeldet wird, dass Herta Müller beim Wettbüro Ladbroke's gleichauf mit Amos Oz als Favoritin für den Literaturnobelpreis gilt.

Besprochen werden die große Ausstellung über die Konkurrenten Tizian, Tintoretto und Veronese im Louvre und einige Filme, darunter Ludi Boekens Film "Unter Bauern" (mehr hier) mit Veronica Ferres.

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Berliner Zeitung, 08.10.2009

Der amerikanische Journalist Steve Kettmann zeigt sich immer noch überrascht von Arnold Schwarzeneggers gar nicht so schlechter Performance als Gouverneur von Kalifornien, das allerdings fast pleite ist - und nun stehen wieder Wahlen bevor: "Wen immer ich bei meinem letzten Besuch in Kalifornien über Arnold befragte: Niemand hatte Lust, über ihn zu reden. Alle hatten schon dermaßen lange über diesen Mann debattiert und sich über ihn die Köpfe zerbrochen, dass die bloße Erwähnung seines Namens eine Art kollektiven Lähmungszustand auslöste. Aber auch das wird vorübergehen. Im Rückblick wird Arnolds Regentschaft als interessante und wahrscheinlich sogar bedeutende Ära in die Geschichte Kaliforniens eingehen."


Marin Majica meldet, dass in Sachen Google Book Settlement bis 9. November ein  neuer Vergleich vorliegen soll.

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Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2009

In Erinnerung an den 9. Oktober 1989 besucht Joachim Güntner Leipziger Bürgeraktivisten und erweist ihnen seine Ehrerbietung: "Unaufgeregtheit ist es auch, was Uwe Schwabe, Rainer Müller und Oliver Kloss ausstrahlen, wenn sie ihre persönliche Bilanz von 1989 ziehen. Keiner gibt an mit dem Mut, den ihr Widerstand damals erforderte; ihr Ton ist nie auftrumpfend, und selbst das Kopfschütteln über Ostalgiker und den Fortbestand saturierter SED-Milieus wirkt eher belustigt denn eifernd." Dass mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Tillich ein ehemaliger Unterstützer der SED morgen Festreden halten wird, finden die drei Bürgerrechtler "trist und schädlich".


Besprochen werden eine Ausstellung der Architekturakademie Mendrisio über das Tessiner Schwimmbad "Bagno pubblico", das, so Roman Hollenstein, heute als wichtigstes Bauwerk der Architekturbewegung "Tendenza" gilt, Christoph Schaubs Film "Guilias Verschwinden" (eine Hommage an den verstorbenen Regisseur Daniel Schmid, schreibt Claudia Schwartz), Marina Zenovichs Filmdokumentation "Roman Polanski: Wanted and Desired" (die Susanne Ostwald einseitig und polemisch findet) und Bücher, nämlich Dorothea Dieckmanns Krimi "Termini" sowie der Roman "Das Zimmer" von Helen Garner (mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr).

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Perlentaucher, 08.10.2009

Entweder Leistungsschutzrechte, wie Hubert Burda sie fordert, oder Informationsfreiheit, aber beides zusammen geht nicht, schreibt Matthias Spielkamp, der unter anderem den Medienrechtler Udo Branahl zitiert: "Auf diese Weise nicht mehr schöpferische Leistungen zu schützen, sondern die darin steckende Information, wäre ein Bruch mit sämtlichen kontinentalen Freiheitstraditionen. Jemand, der eine Nachricht als Erster verbreitet, hätte eine Monopolstellung und könnte die Verbreitung von Informationen verhindern."

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Aus den Blogs, 08.10.2009

Als halben Sieg für die Übersetzer kommentiert Ilja Braun (selbst Übersetzer) auf iRights.info das Urteil des BGH zur Vergütung der Übersetzer: "Trotzdem hat das Urteil auch für Übersetzer einen bitteren Beigeschmack. Die gängige Praxis, Beteiligungssätze im Originaltaschenbuch nur halb so hoch anzusetzen wie im Hardcover, hatte der Übersetzerverband stets als unbegründete Benachteiligung von Taschenbuchübersetzern betrachtet, schließlich sei die Arbeit des Übersetzens genau dieselbe."

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Die Tageszeitung, 08.10.2009

Erst hat sich Verleger Felix Droste nicht getraut, einen Krimi über Ehrenmorde zu publizieren, nun gibt er der Autorin im Interview mit Cigdem Akyol noch einen Tritt: "Ich habe einen sachlichen Regionalkrimi eingekauft. Es landete aber ein mittelprächtiger Roman bei mir, an dem ohnehin noch stark gearbeitet werden musste. Ich habe mir mit Frau Brinkmann große Mühe gegeben, da wir seit Jahren zusammenarbeiten. Doch sie hat bei den Änderungswünschen unseres Fachlektorats auf stur geschaltet. Jetzt führt sie die Medien an der Nase herum, stilisiert sich als ein Opfer. Sie macht einen auf harmlos - völlig zu Unrecht. Wer ihr Manuskript liest, bekommt ein ganz anderes Bild von ihr."


Weiteres: Stefan Reinicke analysiert im Feuilletonaufmacher die Lernresistenz der SPD nach ihrem debakulösen Wahlabstieg. Brigitte Werneburg berichtet über das Kunstfestival Printemps de Septembre in Toulouse. Ekkehard Knörer beschäftigt sich mit der akademischen Filmzeitschrift montage AV, die dem französischen Filmtheoretiker Andre Bazin gewidmet ist. Besprochen wird das Filmdebüt von Jeff Nichols "Shotgun Stories", das von einem Familienkrieg erzählt, im ergänzenden Interview spricht Jeff Nichols passend über verstockte Männer, steigenden Druck und Rache. Verrissen wird der Film "Unter Bauern - Retter in der Nacht" von Ludi Boeken, eine offenbar wirre Geschichte um Judenrettung im Münsterland mit Armin Rhode und Veronica Ferres, dem der Rezensent ehrenhalber "kultiges Trashpotenzial" attestiert.

Und Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 08.10.2009

Andrian Kreye kommentiert den angekündigten Deutschlandstart von Amazons Ebook-Lesegerät Kindle und vergisst dabei nicht den Hinweis auf die brutalen Geschäftspraktiken des Versandhändlers: "Verlage, die die Geschäftsbedingungen seines Konzerns nicht akzeptieren oder sich dem Kindle verweigern, bekommen in Amerika schon seine Macht zu spüren. Bücher und ganze Imprints sollen von Listen oder gar aus dem Programm gerutscht sein. Und die Geschäftsbedingungen sind rigoros. Bis zu 70 Prozent eines Kauf- oder Abopreises behält Amazon für sich. Preispolitik und Kundenkontakte liegen ausschließlich beim Onlinekonzern. Verlage werden da zu reinen 'Content Providern' reduziert."


Weitere Artikel: Reinhard Brembeck unterhält sich mit dem Dirigenten Mariss Jansons, dem Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und zugleich des Concertgebouw in Amsterdam. Alexander Menden porträtiert die neue Booker-Preis-Trägerin Hilary Mantel. Helmut Kerscher erläutert das Gerichtsurteil zum Streit zwischen Verlagen und Übersetzern. Fritz Göttler stellt die Reihe zur Rumänischen Neuen Welle im Münchner Filmmuseum vor. Heidrun Graupner schreibt zum Tod der SZ-Kritikerin Barbara Bondy.

Besprochen werden die Ausstellung "Berlin 89/09" in der Berlinischen Galerie, neue Filme, darunter Agnes Vardas autobiografisches Werk "Die Strände der Agnes", Ulrike Ottingers "Die koreanische Hochzeitstruhe", Simon Verhoevens Komödie "Männerherzen" und "La Vida Loca" des ermordeten Filmemachers Christian Poveda, sowie Bücher, darunter ein Band namens "Migropolis", der Venedig als Migrationsangelpunkt begreift, und David Wagners Roman "Vier Äpfel" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 08.10.2009

Man muss nicht gedient haben oder sein Leben riskieren, um gegen den Afghanistankrieg sein zu dürfen, meint Dietmar Dath, der auf den vorderen Seiten Thea Dorn Paroli bietet, die wiederum vor drei Wochen den von 25 Künstlern - und auch Dath - unterschriebenen Aufruf zum Abzug der deutschen Truppen kritisiert hatte. Um die Errichtung einer Bildungs- und Zivilgesellschaft in Afghanistan geht es doch gar nicht, schreibt Dath. "Nicht für hohe Ideale, sondern für stattgehabte Entscheidungen globaler Machtpolitik hält heute jeder westliche Soldat, der in Afghanistan stationiert ist, den Kopf hin. Die Entscheidungselite der 'Berliner Republik' will bei derlei nicht außen vor bleiben, aus strategischen, prestigegebundenen, ökonomischen und sonstigen Erwägungen. Diese werden von einer angemaßten deutschen Verantwortung für das blutige Chaos, das der Weltkonflikt zwischen der Sowjetunion und dem Westen in Afghanistan hinterlassen hat, mehr verschleiert als erhellt."


Da wir schon bei Idealen sind: Wenn über die Probleme der Verlagsbranche geredet wird, hat man immer den Eindruck, es gebe nur solche Verleger wie Urs Engeler. Im Dossier beschreibt Wolfang Uchatius am Beispiel des jungen Soziologen Friedrich Schorb, der ein Buch über die Diskriminierung von Dicken geschrieben hat, wie das Verlagsgeschäft heute meistens aussieht: "Damit ein Buch ein Erfolg wird, benötigt es Aufmerksamkeit. Die lässt sich kaufen. Durch bezahlte Vorabdrucke, durch Werbekampagnen. Oder direkt vom Buchkaufhaus. In allen 240 Filialen von Thalia stehen große Tafeln, auf denen ein bestimmtes Buch abgebildet ist. Das 'Thalia-Buch des Monats'. Die Tafeln stehen gleich am Eingang oder an den Kassen, man sieht sie sofort. Man denkt sich, da hat der Verlag aber Glück gehabt, dass den Buchhändlern dieses Buch so gut gefallen hat. Irrtum. 50.000 Euro koste es, Buch des Monats zu werden, zahlbar an Thalia - sagt der Vertriebsleiter eines lediglich mittelgroßen Verlages und fügt hinzu: 'Für uns ist das unbezahlbar.' Eine Thalia-Sprecherin sagt, die 50.000 Euro seien aus dem Zusammenhang gerissen."

Außerdem: Im Aufmacher des Feuilletons denkt der Soziologe Heinz Bude über den Bürger nach und wie er sich in den Parteien repräsentiert: Die größte Ähnlichkeit, meint er, gibt es zweischen grünen und FDP-Wählern, auch wenn da "immer noch ein harter Ressentiment-Reflex" greift. Hanno Rauterberg hat schon das Neue Museum in Berlin besichtigt, das am 17. Oktober eröffnet, und ist im großen und ganzen einverstanden mit David Chipperfields Mix aus modernen Betonplatten und Konservierung des "wahren Alten". Sven Behrisch fragt sich, ob die Nofretete an Ägypten zurückgegeben werden sollte. Ingo Schulze - und einige Redakteure - erzählen, wie sie die Revolution 1989 erlebt haben. Oliver Fuchs porträtiert den Dandy und Schriftsteller Sebastian Horsley.

Daniel Bax erzählt im Nachruf auf die argentinische Sängerin Mercedes Sosa: "Aufgebahrt im Parlamentsgebäude von Buenos Aires, lag sie wie in einem Heiligenschrein, bevor ihre Asche am Montag in alle Winde zerstreut wurde. Alle Fußballspiele begannen mit einer Gedenkminute". Hier Sosas "Gracias a al vida":



Besprochen werden Michael Hanekes Film "Das weiße Band", einige Kinder- und Jugendbücher (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr) und diverse CDs in einem extra Musikteil. Außerdem liegt der Zeit heute die Buchmessenbeilage bei: Im Aufmacher schreibt Iris Radisch über Stephan Thomes Romandebüt "Grenzgang" (wir werten die Beilage in den nächsten Tagen aus).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2009

Bei der Buchmesse scheint sich etwas wie eine Aufteilung der chinesischen Gäste in "Zensur" und "Dissidenten" zu entwickeln. Für Mark Siemons hat diese alte Sowjet-Logik sehr wenig mit den wirklichen Lebensverhältnissen zu tun: "Man könnte die, die sich da mit wachsendem Selbstbewusstsein und oft unter hohem persönlichem Risiko engagieren, also mit Fug als 'Dissidenten' bezeichnen in dem Sinn, dass sie das Gegebene nicht einfach hinnehmen; zugleich sind sie als Redakteure, Dozenten, Angestellte eines Unternehmens oder einfach nur Inhaber eines Stadtausweises in den meisten Fällen aber auch eingebettet in Strukturen, die von Staat und Partei beeinflusst oder direkt abhängig sind - und müssten sich insofern auch 'Staatsvertreter' nennen lassen."


Weitere Artikel: Hannes Hintermeier kommentiert die Übersetzer-Entgelt-Entscheidung des BGH, die zunächst einmal beide Seiten, Verlage und Übersetzer, nicht recht glücklich macht. Die Chemie-Nobelpreisträger und ihre preiswürdigen Forschungen stellt Reinhard Wandtner vor. Patrick Bahners erläutert, warum das jüngste Verfassungsgerichtsurteil zum Schächten als "schallende Ohrfeige" für Verwaltung und untere Gerichtsinstanzen zu begreifen sei. In amerikanischen Zeitschriften liest Jordan Mejias Texte zum Thema Todesstrafe - auch einen, in dem glaubhaft argumentiert wird, dass vor fünf Jahren in Texas ein Unschuldiger hingerichtet wurde.

Besprochen werden Calixto Bieitos Mannheimer Inszenierung von Frank Wedekinds "Lulu", mehrere Inszenierungen in Kürze, darunter zum Saisonstart in Koblenz Alban Bergs "Wozzeck", die Ausstellung "Dynastie und Göttlichkeit: Ife-Kunst im alten Nigeria" in Madrid, ein Konzert von Florence Welch (Website) in Köln, Barbra Streisands neues Album "Love Is The Answer" sowie Bücher, darunter Doris Lessings in der Werkausgabe neu erschienener Science-Fiction-Roman "Die Entstehung des Repräsentanten von Planet 8" und auf der Kino-Seite einige Filmbücher, darunter Rosa von Praunheims Notizen "Rosas Rache" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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