Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Rebmanns Welt ist Oberndorf

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

08.10.2009. Die FR porträtiert den Mann, der demnächst über die Geschicke der SZ bestimmen wird. Die Welt entziffert die karolingischen Minuskeln in C.G. Jungs "Rotem Buch". Die NZZ erweist den Helden von Leipzig ihre Reverenz. Entweder Leistungsschutzrechte oder Informationsfreiheit, schreibt Matthias Spielkamp im Perlentaucher. Die SZ liest im Kindle und dem Kindle die Leviten. In der Zeit setzt Dietmar Dath die Debatte um den Afghanistaneinsatz fort.

Frankfurter Rundschau, 08.10.2009

Bernhard Bartsch stellt den seit 1988 in den USA lebenden chinesischen Schriftsteller Qiu Xialong vor, dessen Krimis in China wenn überhaupt dann nur in zensierter Form erscheinen dürfen. Sein erstes literarisches Werk war eine Selbstkritik, die er 1966 für seinen Vater, einen Geschäftsmann, schreiben musste: "'Mein Vater lag damals wegen einer Augenoperation mit verbundenen Augen im Krankenhaus, aber die Roten Garden bestanden trotzdem darauf, dass er regelmäßig Selbstbezichtigungsschriften verfasst', erzählt Qiu. Also musste sein 14-jähriger Sohn kommen. 'Mein Vater war sehr schwach, und so habe ich einfach selbst geschrieben, was mein Vater für ein Ausbeuter und monströser Verbrecher war.' Qiu machte seine Sache gut - die Revolutionäre hatten an seinen Schuldbekenntnissen nichts auszusetzen."

Weitere Artikel: Jürgen Serke erinnert an den Dramatiker Alfred Matusche, der heute 100 Jahre alt geworden wäre: "Er hat ein Jahrhundertwerk hinterlassen, das kaum noch einer kennt. Niemand sonst schrieb unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von Versöhnung und unverlierbarer Gemeinsamkeit zwischen Deutschen und Polen. Seine Stücke ersetzen ein ganzes Zentrum gegen Vertreibung, wie es in Berlin geplant ist." Auf den ersten Blick ausgewogen findet Jörg Plath das Urteil des BGH zur Bezahlung von Übersetzern. In Times Mager denkt Christian Thomas über das "Monster" nach, das Bundespräsident Horst Köhler gezähmt sehen möchte.

Auf der Medienseite porträtiert Ulrike Simon den Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding vor, Richard Rebmann, der demnächst auch über die Geschicke der Süddeutschen Zeitung entscheidet. "'Rebmanns Welt ist Oberndorf', heißt es im Verlag. Kommunizieren sei seine Sache nicht. Den journalistischen Anspruch einer Qualitätszeitung betrachte er als Luxus. Hauptsache, dass die Erlöse stimmen. Rebmann sagt zu alldem nichts. Der Mann, dem kaum einer traut, ist misstrauisch, erst recht Journalisten gegenüber. In der Branche gilt er als 'harter Hund'. Ihm reiche es nicht, Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu nehmen. Er nehme ihnen auch noch die Würde, sagt einer, der Rebmanns Gebaren kennt."

Besprochen werden die Laszlo-Moholy-Nagy-Schau in der Frankfurter Schirn Kunsthalle (Arno Widmann entdeckt hier Moholy-Nagys "'Selbstveränderungsdrang'. Der Betrachter, der ihn erspürt hat, wird mobilisiert, aufzuhören mit dem Danebenstehen, mit der Klugscheißerei."), die Roman-Adaption "Abgesoffen" in der Frankfurter Box, Nicolas Stemanns Inszenierung des "Nathan" am Hamburger Thalia Theater, Jeff Nichols Debütfilm  "Shotgun Stories" und Ludi Boekens Film  "Unter Bauern".

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Die Welt, 08.10.2009

Jahrzehnte nach seinem Tod ist C.G. Jungs "Rotes Buch" erschienen, in dem der Guru in bizarr-virtuoser Weise sein Seelenleben entfaltete. Thomas Lindemann beschreibt es als "befremdlicher Ritt durch Mythen, Düsternis und verbissene Seelenforschung. Träume, Gedanken, Mini-Essays sind enthalten, auch Dialoge mit imaginierten Personen, die mal 'Seele' heißen oder mal Izdubar sind, der altbabylonische Stiermensch. Jung hat sich, was ein Faksimile-Teil zeigt, den Schriftstil mittelalterlicher Buchkunst angeeignet und in illuminierter Handschrift ähnlich den karolingischen Minuskeln geschrieben. Dazwischen setzt er aufwendige Bilder, die an byzantinische Kunst denken lassen und - diese Assoziation bleibt nicht aus - Plattencover der Siebziger, aus den esoterischen Phasen Chick Coreas oder des Mahavishnu Orchestras."

Weitere Artikel: Uwe Wittstock kommentiert das Urteil des Bundesgerichtshof zur Vergütung der Übersetzer, das für ihn die paradoxe Konsequenz hat, dass Übersetzer simpler Bestseller besser gestellt sein werden als Übersetzer literarisch anspruchsvoller Werke. Der chinesische Germanist Zhang Yushu begrüßt mit Emphase Wolfgang Kubins zehnbändige Geschichte der chinesischen Literatur - ein solches Projekt gibt es nicht mal in China selbst. Gustavo Dudamel hat seine Stelle als Chefdirigent der L.A. Philharmonics angetreten, berichtet Manuel Brug.

Gemeldet wird, dass Herta Müller beim Wettbüro Ladbroke's gleichauf mit Amos Oz als Favoritin für den Literaturnobelpreis gilt.

Besprochen werden die große Ausstellung über die Konkurrenten Tizian, Tintoretto und Veronese im Louvre und einige Filme, darunter Ludi Boekens Film "Unter Bauern" (mehr hier) mit Veronica Ferres.

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Berliner Zeitung, 08.10.2009

Der amerikanische Journalist Steve Kettmann zeigt sich immer noch überrascht von Arnold Schwarzeneggers gar nicht so schlechter Performance als Gouverneur von Kalifornien, das allerdings fast pleite ist - und nun stehen wieder Wahlen bevor: "Wen immer ich bei meinem letzten Besuch in Kalifornien über Arnold befragte: Niemand hatte Lust, über ihn zu reden. Alle hatten schon dermaßen lange über diesen Mann debattiert und sich über ihn die Köpfe zerbrochen, dass die bloße Erwähnung seines Namens eine Art kollektiven Lähmungszustand auslöste. Aber auch das wird vorübergehen. Im Rückblick wird Arnolds Regentschaft als interessante und wahrscheinlich sogar bedeutende Ära in die Geschichte Kaliforniens eingehen."

Marin Majica meldet, dass in Sachen Google Book Settlement bis 9. November ein  neuer Vergleich vorliegen soll.

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Twitterfeed der Verlage

Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2009

In Erinnerung an den 9. Oktober 1989 besucht Joachim Güntner Leipziger Bürgeraktivisten und erweist ihnen seine Ehrerbietung: "Unaufgeregtheit ist es auch, was Uwe Schwabe, Rainer Müller und Oliver Kloss ausstrahlen, wenn sie ihre persönliche Bilanz von 1989 ziehen. Keiner gibt an mit dem Mut, den ihr Widerstand damals erforderte; ihr Ton ist nie auftrumpfend, und selbst das Kopfschütteln über Ostalgiker und den Fortbestand saturierter SED-Milieus wirkt eher belustigt denn eifernd." Dass mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Tillich ein ehemaliger Unterstützer der SED morgen Festreden halten wird, finden die drei Bürgerrechtler "trist und schädlich".

Besprochen werden eine Ausstellung der Architekturakademie Mendrisio über das Tessiner Schwimmbad "Bagno pubblico", das, so Roman Hollenstein, heute als wichtigstes Bauwerk der Architekturbewegung "Tendenza" gilt, Christoph Schaubs Film "Guilias Verschwinden" (eine Hommage an den verstorbenen Regisseur Daniel Schmid, schreibt Claudia Schwartz), Marina Zenovichs Filmdokumentation "Roman Polanski: Wanted and Desired" (die Susanne Ostwald einseitig und polemisch findet) und Bücher, nämlich Dorothea Dieckmanns Krimi "Termini" sowie der Roman "Das Zimmer" von Helen Garner (mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr).

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Perlentaucher, 08.10.2009

Entweder Leistungsschutzrechte, wie Hubert Burda sie fordert, oder Informationsfreiheit, aber beides zusammen geht nicht, schreibt Matthias Spielkamp, der unter anderem den Medienrechtler Udo Branahl zitiert: "Auf diese Weise nicht mehr schöpferische Leistungen zu schützen, sondern die darin steckende Information, wäre ein Bruch mit sämtlichen kontinentalen Freiheitstraditionen. Jemand, der eine Nachricht als Erster verbreitet, hätte eine Monopolstellung und könnte die Verbreitung von Informationen verhindern."

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Aus den Blogs, 08.10.2009

Als halben Sieg für die Übersetzer kommentiert Ilja Braun (selbst Übersetzer) auf iRights.info das Urteil des BGH zur Vergütung der Übersetzer: "Trotzdem hat das Urteil auch für Übersetzer einen bitteren Beigeschmack. Die gängige Praxis, Beteiligungssätze im Originaltaschenbuch nur halb so hoch anzusetzen wie im Hardcover, hatte der Übersetzerverband stets als unbegründete Benachteiligung von Taschenbuchübersetzern betrachtet, schließlich sei die Arbeit des Übersetzens genau dieselbe."

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Die Tageszeitung, 08.10.2009

Erst hat sich Verleger Felix Droste nicht getraut, einen Krimi über Ehrenmorde zu publizieren, nun gibt er der Autorin im Interview mit Cigdem Akyol noch einen Tritt: "Ich habe einen sachlichen Regionalkrimi eingekauft. Es landete aber ein mittelprächtiger Roman bei mir, an dem ohnehin noch stark gearbeitet werden musste. Ich habe mir mit Frau Brinkmann große Mühe gegeben, da wir seit Jahren zusammenarbeiten. Doch sie hat bei den Änderungswünschen unseres Fachlektorats auf stur geschaltet. Jetzt führt sie die Medien an der Nase herum, stilisiert sich als ein Opfer. Sie macht einen auf harmlos - völlig zu Unrecht. Wer ihr Manuskript liest, bekommt ein ganz anderes Bild von ihr."

Weiteres: Stefan Reinicke analysiert im Feuilletonaufmacher die Lernresistenz der SPD nach ihrem debakulösen Wahlabstieg. Brigitte Werneburg berichtet über das Kunstfestival Printemps de Septembre in Toulouse. Ekkehard Knörer beschäftigt sich mit der akademischen Filmzeitschrift montage AV, die dem französischen Filmtheoretiker Andre Bazin gewidmet ist. Besprochen wird das Filmdebüt von Jeff Nichols "Shotgun Stories", das von einem Familienkrieg erzählt, im ergänzenden Interview spricht Jeff Nichols passend über verstockte Männer, steigenden Druck und Rache. Verrissen wird der Film "Unter Bauern - Retter in der Nacht" von Ludi Boeken, eine offenbar wirre Geschichte um Judenrettung im Münsterland mit Armin Rhode und Veronica Ferres, dem der Rezensent ehrenhalber "kultiges Trashpotenzial" attestiert.

Und Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 08.10.2009

Andrian Kreye kommentiert den angekündigten Deutschlandstart von Amazons Ebook-Lesegerät Kindle und vergisst dabei nicht den Hinweis auf die brutalen Geschäftspraktiken des Versandhändlers: "Verlage, die die Geschäftsbedingungen seines Konzerns nicht akzeptieren oder sich dem Kindle verweigern, bekommen in Amerika schon seine Macht zu spüren. Bücher und ganze Imprints sollen von Listen oder gar aus dem Programm gerutscht sein. Und die Geschäftsbedingungen sind rigoros. Bis zu 70 Prozent eines Kauf- oder Abopreises behält Amazon für sich. Preispolitik und Kundenkontakte liegen ausschließlich beim Onlinekonzern. Verlage werden da zu reinen 'Content Providern' reduziert."

Weitere Artikel: Reinhard Brembeck unterhält sich mit dem Dirigenten Mariss Jansons, dem Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und zugleich des Concertgebouw in Amsterdam. Alexander Menden porträtiert die neue Booker-Preis-Trägerin Hilary Mantel. Helmut Kerscher erläutert das Gerichtsurteil zum Streit zwischen Verlagen und Übersetzern. Fritz Göttler stellt die Reihe zur Rumänischen Neuen Welle im Münchner Filmmuseum vor. Heidrun Graupner schreibt zum Tod der SZ-Kritikerin Barbara Bondy.

Besprochen werden die Ausstellung "Berlin 89/09" in der Berlinischen Galerie, neue Filme, darunter Agnes Vardas autobiografisches Werk "Die Strände der Agnes", Ulrike Ottingers "Die koreanische Hochzeitstruhe", Simon Verhoevens Komödie "Männerherzen" und "La Vida Loca" des ermordeten Filmemachers Christian Poveda, sowie Bücher, darunter ein Band namens "Migropolis", der Venedig als Migrationsangelpunkt begreift, und David Wagners Roman "Vier Äpfel" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 08.10.2009

Man muss nicht gedient haben oder sein Leben riskieren, um gegen den Afghanistankrieg sein zu dürfen, meint Dietmar Dath, der auf den vorderen Seiten Thea Dorn Paroli bietet, die wiederum vor drei Wochen den von 25 Künstlern - und auch Dath - unterschriebenen Aufruf zum Abzug der deutschen Truppen kritisiert hatte. Um die Errichtung einer Bildungs- und Zivilgesellschaft in Afghanistan geht es doch gar nicht, schreibt Dath. "Nicht für hohe Ideale, sondern für stattgehabte Entscheidungen globaler Machtpolitik hält heute jeder westliche Soldat, der in Afghanistan stationiert ist, den Kopf hin. Die Entscheidungselite der 'Berliner Republik' will bei derlei nicht außen vor bleiben, aus strategischen, prestigegebundenen, ökonomischen und sonstigen Erwägungen. Diese werden von einer angemaßten deutschen Verantwortung für das blutige Chaos, das der Weltkonflikt zwischen der Sowjetunion und dem Westen in Afghanistan hinterlassen hat, mehr verschleiert als erhellt."

Da wir schon bei Idealen sind: Wenn über die Probleme der Verlagsbranche geredet wird, hat man immer den Eindruck, es gebe nur solche Verleger wie Urs Engeler. Im Dossier beschreibt Wolfang Uchatius am Beispiel des jungen Soziologen Friedrich Schorb, der ein Buch über die Diskriminierung von Dicken geschrieben hat, wie das Verlagsgeschäft heute meistens aussieht: "Damit ein Buch ein Erfolg wird, benötigt es Aufmerksamkeit. Die lässt sich kaufen. Durch bezahlte Vorabdrucke, durch Werbekampagnen. Oder direkt vom Buchkaufhaus. In allen 240 Filialen von Thalia stehen große Tafeln, auf denen ein bestimmtes Buch abgebildet ist. Das 'Thalia-Buch des Monats'. Die Tafeln stehen gleich am Eingang oder an den Kassen, man sieht sie sofort. Man denkt sich, da hat der Verlag aber Glück gehabt, dass den Buchhändlern dieses Buch so gut gefallen hat. Irrtum. 50.000 Euro koste es, Buch des Monats zu werden, zahlbar an Thalia - sagt der Vertriebsleiter eines lediglich mittelgroßen Verlages und fügt hinzu: 'Für uns ist das unbezahlbar.' Eine Thalia-Sprecherin sagt, die 50.000 Euro seien aus dem Zusammenhang gerissen."

Außerdem: Im Aufmacher des Feuilletons denkt der Soziologe Heinz Bude über den Bürger nach und wie er sich in den Parteien repräsentiert: Die größte Ähnlichkeit, meint er, gibt es zweischen grünen und FDP-Wählern, auch wenn da "immer noch ein harter Ressentiment-Reflex" greift. Hanno Rauterberg hat schon das Neue Museum in Berlin besichtigt, das am 17. Oktober eröffnet, und ist im großen und ganzen einverstanden mit David Chipperfields Mix aus modernen Betonplatten und Konservierung des "wahren Alten". Sven Behrisch fragt sich, ob die Nofretete an Ägypten zurückgegeben werden sollte. Ingo Schulze - und einige Redakteure - erzählen, wie sie die Revolution 1989 erlebt haben. Oliver Fuchs porträtiert den Dandy und Schriftsteller Sebastian Horsley.

Daniel Bax erzählt im Nachruf auf die argentinische Sängerin Mercedes Sosa: "Aufgebahrt im Parlamentsgebäude von Buenos Aires, lag sie wie in einem Heiligenschrein, bevor ihre Asche am Montag in alle Winde zerstreut wurde. Alle Fußballspiele begannen mit einer Gedenkminute". Hier Sosas "Gracias a al vida":



Besprochen werden Michael Hanekes Film "Das weiße Band", einige Kinder- und Jugendbücher (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr) und diverse CDs in einem extra Musikteil. Außerdem liegt der Zeit heute die Buchmessenbeilage bei: Im Aufmacher schreibt Iris Radisch über Stephan Thomes Romandebüt "Grenzgang" (wir werten die Beilage in den nächsten Tagen aus).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2009

Bei der Buchmesse scheint sich etwas wie eine Aufteilung der chinesischen Gäste in "Zensur" und "Dissidenten" zu entwickeln. Für Mark Siemons hat diese alte Sowjet-Logik sehr wenig mit den wirklichen Lebensverhältnissen zu tun: "Man könnte die, die sich da mit wachsendem Selbstbewusstsein und oft unter hohem persönlichem Risiko engagieren, also mit Fug als 'Dissidenten' bezeichnen in dem Sinn, dass sie das Gegebene nicht einfach hinnehmen; zugleich sind sie als Redakteure, Dozenten, Angestellte eines Unternehmens oder einfach nur Inhaber eines Stadtausweises in den meisten Fällen aber auch eingebettet in Strukturen, die von Staat und Partei beeinflusst oder direkt abhängig sind - und müssten sich insofern auch 'Staatsvertreter' nennen lassen."

Weitere Artikel: Hannes Hintermeier kommentiert die Übersetzer-Entgelt-Entscheidung des BGH, die zunächst einmal beide Seiten, Verlage und Übersetzer, nicht recht glücklich macht. Die Chemie-Nobelpreisträger und ihre preiswürdigen Forschungen stellt Reinhard Wandtner vor. Patrick Bahners erläutert, warum das jüngste Verfassungsgerichtsurteil zum Schächten als "schallende Ohrfeige" für Verwaltung und untere Gerichtsinstanzen zu begreifen sei. In amerikanischen Zeitschriften liest Jordan Mejias Texte zum Thema Todesstrafe - auch einen, in dem glaubhaft argumentiert wird, dass vor fünf Jahren in Texas ein Unschuldiger hingerichtet wurde.

Besprochen werden Calixto Bieitos Mannheimer Inszenierung von Frank Wedekinds "Lulu", mehrere Inszenierungen in Kürze, darunter zum Saisonstart in Koblenz Alban Bergs "Wozzeck", die Ausstellung "Dynastie und Göttlichkeit: Ife-Kunst im alten Nigeria" in Madrid, ein Konzert von Florence Welch (Website) in Köln, Barbra Streisands neues Album "Love Is The Answer" sowie Bücher, darunter Doris Lessings in der Werkausgabe neu erschienener Science-Fiction-Roman "Die Entstehung des Repräsentanten von Planet 8" und auf der Kino-Seite einige Filmbücher, darunter Rosa von Praunheims Notizen "Rosas Rache" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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