Bücherschau der Woche
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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael

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- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
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- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Nicht meine Mitte
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.08.2009. Die Diskussion über Tarantino geht weiter: Als "Fest der Selbstgerechtigkeit" sieht Jens Jessen in der Zeit den Film. Ekkehard Knörer verteidigt Tarantinos Rachefantasie im Perlentaucher. Michael Kohler hat in der FR ein vernichtendes Lob für Tarantino. Die FAZ hat Madonna live nicht live gesehen. Die Blogs diskutieren über ein Video, in dem Ursula von der Leyen heimlich, aber eben doch öffentlich die Zähne fletscht. Im Guardian plädiert Cory Doctorow für kostenlose Ebooks als Marketinginstrument.
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Der Tagesspiegel, 20.08.2009
Die Schriftstellerinnen Brigitte Burmeister und Felicitas Hoppe unterhalten sich über Wendeliteratur und über das Erinnern an sich. Sagt Felicitas Hoppe: "Ich habe gerade Deine Erzählung 'Abendspaziergang' von Anfang der neunziger Jahre noch einmal gelesen. In der Gegend, in der das spielt, wohne ich jetzt, in Mitte, gleich neben dem Deutschen Theater. In der Erzählung geht es um das noch frische Nach-Wende-Gelände mit alten Patrouillenwegen und Todesstreifen, das plötzlich 'Bauerwartungsland' wurde. Wenn ich heute diesen Weg abschreite, freue ich mich, dass es diesen Text gibt. Denn was da beschrieben wird, ist nicht meine Mitte. Aber meine Hoppemitte gibt es auch. Das kann man jetzt nebeneinander halten. Dann versteht man, was das bedeutet: dieses Retten von Details und das Aufgehobensein einer Erfahrung im literarischen Text."
Weitere Artikel: Jens Mühling und Jan Zappner treffen in London als Deutsche geborene Juden, die nach England geflohen und im Zweiten Weltkrieg - ganz glorious bastards - in britischer Uniform die Deutschen bekämpften. Und Kostas Petropulos meldet: Deutschland ist ein Auswanderungsland! "Erstmals seit 22 Jahren haben mehr Menschen das Land verlassen als zugezogen sind. Vor allem die Abwanderung von jungen Deutschen ins Ausland hat weiter angehalten."
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Aus den Blogs, 20.08.2009
Robin Meyer-Lucht kommentiert in Carta ein zunächst von Netzpolitik aufgespürtes Video (Transskript), in dem Ursula von der Leyern vor einer eingeschworenen CDU-Hörerschaft in der Provinz kräftig für ihre Internetsperren eintritt: "Das Video demaskiert, wie von der Leyen trotz monatelanger politischer Auseinandersetzung bereit ist, das Thema irreführend und polemisch im Wahlkampf einzusetzen. Es zeigt eine ganz andere von der Leyen als jene, die von der Berliner Bühne und aus den Massenmedien bekannt ist. Es zeigt eine atemberaubende Doppelbödigkeit im Auftreten der Ministerin. Von der Leyen hat auch hier das Internet und seine Öffentlichkeit nicht verstanden: In Zeiten dezentraler Online-Distribution und günstiger Aufnahmegeräte gibt es keine Wahlkampfveranstaltungen mehr, deren Inhalt nicht potenziell in die Öffentlichkeit gelangen könne."
Zu dem gleichen Video gab's eine Menge unflätiger Kommentare auf Netzpolitik und Markus Beckedahl ruft seine Leser zu Zivilität auf: "Nun gibt es konkret bei sowas verschiedene Möglichkeiten: Die Optimalste ist, wenn die Kommentatoren vor dem Schreiben den Kopf anschalten und das machen, was man in der politischen Debatte tut: Argumentieren. Und zwar ohne schlechte Nazi-Vergleiche, Gewaltfantasien, Pöbeleien, Chauvinismus und dergleichen."
Eren Güvercin interviewt für sein Blog die uigurische Menschenrechtlerin Rebiya Kadeer, die behauptet, dass die chinesische Regierung den Terrorismusvorurf missbraucht: "Ja, das ist offensichtlich. Vor dem 11. September verfolgte die chinesische Zentralregierung die Uiguren als 'Konter-Revolutionäre', 'Nationalisten' und 'Separatisten'. Aber da wir Muslime sind, entschied man sich in Peking dafür, die tragischen Ereignisse des 11. Septembers propagandistisch auszunutzen."
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Perlentaucher, 20.08.2009
Macht Tarantino in seiner Freude an zerschmetterten Nazischädeln die Juden selber zu Nazis, wie Daniel Mendelsohn gestern in einer scharfen Polemik gegen die "Inglourious Basterds" schrieb? Ekkehard Knörer meint nein: "Die Frage, die er baseballschlägerschwingend und tief in Pulp und Genre greifend, beantwortet, wäre eher: Wohin mit dem Hass? Wohin mit dem Entsetzen, der Fassungslosigkeit, der Ohnmacht angesichts dessen, was die Nazis getan haben? Wohin mit dem Wunsch, es nachträglich diesen Mördern, Henkern und Schergen heimzuzahlen in gleicher Münze?"
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Die Welt, 20.08.2009
Klaus Geitel schreibt den Nachruf auf die große Sopranistin Hildegard Behrens. Der Historiker und Welt-Kolumnist Michael Stürmer reflektiert über die Feststellung, dass die Deutschen stets aus der Mitte regiert werden wollen (was ihnen nur ein-, zweimal nicht recht gelungen ist). Tilman Krause kommentiert die Longlist für den Buchpreis als Wetterleuchten der aufziehenden Saison ("Der überschätzte Ernst-Wilhelm Händler verdankt seine Präsenz der aufdringlichen Lobbyarbeit seines Verlegers, klar"). Martina Scheffler erinnert an das Kinderbuch "Anne auf Green Gables" der kanadischen Autorin Lucy Maud Montgomery (1874-1942), aus dem Astrid Lindgren viele Inspirationen bezog
Besprochen werden zwei Berliner Ausstellungen über die Fotografie der DDR (mehr hier) und einige Filme, die nicht von Tarantino sind, darunter Hape Kerkelings "Horst Schlämmer"-Film, den Peter Zander allerdings genauso lau findet wie den bisherigen Wahlkampf.
Auf der Forumsseite sucht die Politologin Barbara Zehnpfennig nach Vorzeichen des Totalitarismus in den Werken Marx'.
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Weitere Medien, 20.08.2009
Im Guardian erklärt der Science Fiction-Autor und Blogger Cory Doctorow, warum er glaubt, dass kostenlose E-Books ein perfektes Marketingtool sind: "I don't think we can stop others from copying - it's a lost cause. Copying is actually wonderful, and I have copied my head off since I first snuck into the photocopy room at my dad's office in 1980. My problem isn't piracy, it's obscurity, and free ebooks generate more sales than they displace."
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Frankfurter Rundschau, 20.08.2009
Vernichtendes Lob hat Michael Kohler für Tarantinos "Inglourious Basterds" übrig: Der Film sei nicht nur eine Weltkinosensation, sondern auch "ein deutsches Kinoereignis": "Als solches kann es neben Bully Herbigs '(T)Raumschiff Surprise' locker bestehen: Beide Filme sind in ihrer Filmmythenseligkeit gleichermaßen unterhaltsam und in ihrer fröhlichen Weltlosigkeit auf ähnliche Weise ermüdend. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: 'Inglorious Basterds' ist natürlich weit besser geschrieben und tausend Mal besser gespielt."
Sebastian Moll stellt die Theorie des Ökonomen Richard Florida vor, der Blüte und Niedergang der amerikanischen Städte mit ihrer kreativen Klasse erklärt hat: "Städte, die einer Boheme von Schriftstellern, Künstlern, Musikern ein Biotop bieten, so Floridas These, werden über kurz oder lang auch wirtschaftlichen Erfolg haben." (Berlin steht ja bekanntlich auch ganz kurz vor dem Durchbruch)
Weiteres: In Times mager ist Ina Hartwig einverstanden mit der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Harry Nutt verfolgt neue Berliner Debatten über die Zukunft der Gemäldegalerie. Arno Widman schreibt den Nachruf auf den Schweizer Schiftsteller Hugo Loetscher. Stefan Schickhaus verabschiedet die Opernsängerin Hildegard Behrens.
Besprochen werden Stephen Frears' Colette-Verfilmung "Cherie" sowie zwei Neuerscheinungen von und zu Alfred Kubin (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Die Zeit, 20.08.2009
Ein "Fest der Selbstgerechtigkeit" sieht Jens Jessen mit Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" heraufziehen: Gefeiert wird es vom nachgeborenen Publikum, das auf der richtigen Seite das Splattermovie goutieren kann, und den Kritikern, die weihevoll verkünden können, dass das Kino die Nazis besiegt habe: "Es ist wichtig, sich dieses Interpretationspotenzial vor Augen zu führen, damit man nicht überrascht ist, sollte der Film von irgendwem oder irgendwann zu einem Klassiker verklärt werden. Für seine ästhetische Gestalt sind die Deutungsmöglichkeiten indes ohne jeden Belang. Der Film setzt sich in die politisch-moralische Botschaft seines Plots nur wie in ein wärmendes Nest, in dem er nun, gegen alle Einwände geschützt, beliebig herumsauen und -metzeln kann."
Susanne Mayer trifft die britische Autorin AL Kennedy, die sehr an ihrem Land leidet: "Die Bürgerrechte wurden eingeschränkt. Unsere Presse löst sich gerade auf, weshalb es noch weniger Widerstand gegen Politiker gibt. Es gibt keine seriösen Zeitungen mehr. Es sind dunkle Zeiten."
Weitere Artikel: Der Schriftsteller Thomas Hürlimann erklärt, warum er den Ammann Verlag braucht: "In seinem Büro türmten sich Welten, und als Weltzentrum war der Verlag Heimat für mich." Sven Behrisch nimmt die Macht der Kunstberater unter die Lupe. Thomas Groß attestiert dem Rapper Jan Delay Willen zum Stil und zur Deutschlandentkrampfung. Ohne ersichtlichen Anlass plädiert der Literaturtheoretiker Terry Eagleton gegen Neokonservatismus, Leo Strauss und Huntingtons "Kampf der Kulturen" und für den Universalismus der westlichen Werte. In kurzen Gedankenstücken lotet die Redaktion aus, wie subversiv heute noch die Subkultur ist.
Besprochen werden Volker Schlöndorffs Inszenierung von Tolstojs "Und das Licht scheint in der Finsternis" in Neuhardenberg und das beim Tanz im August gastierende Stück "Poussieres de Sang" der burkinischen Choreografen Seydou Boro und Salia Sanou (was nicht mal mehr ansatzweise in die etwas krampfige Rubrik Mitarbeiter der Woche passt).
Auf den Literaturseiten streiten Michael Naumann und Iris Radisch um die Meisterwerksqualität von Herta Müllers Roman über die Deportation der Rumäniendeutschen "Atemschaukel" (hier unsere Leseprobe im "Vorgeblättert".)
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Der Freitag, 20.08.2009
"Der Film ist langweilig", stöhnt Matthias Dell im Freitag. Und zwar darum: "'Inglourious Basterds' scheitert am Gros seiner Darsteller, die in ZDF-Fernsehfilmen ihre Bestimmung finden könnten. Er leidet aber auch unter seinen, für Tarantinos Verhältnisse, wenig originellen Dialogen, dem unterkomplexen Plot und seiner Konzeption." Und Georg Seeßlen erzählt die Geschichte des Hollywoodnazis einst und jetzt.
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Die Tageszeitung, 20.08.2009
Fritz von Klinggräff besucht die Ausstellung der Gedenkstätte Buchenwald "Franz Ehrlich. Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager". Christoph Schröder kommentiert die Veröffentlichung der Longlist für den Deutschen Buchpreis, auf der der erwartbare harte Kern von Pflichttiteln mit Exoten, Überraschungsnominierungen oder im Frühjahr zu kurz gekommenen Titeln angefüttert wurde - so erstmals mit einem Krimi von Wolf Haas. Henning Bleyl erklärt, weshalb der Bremer Generalintendant Hans-Joachim Frey mit seinem Versuch, das Stadttheaterwesen umzukrempeln, nun mit dem Musical "Marie Antoinette" baden ging und sein Vertrag vorzeitig gelöst wird.
Besprochen werden Rudolf Thomes neuer Nischenfilm "Pink", der von den Umwegen einer jungen Dichterin zu ihrem Herzensmann erzählt, der Dokumentarspielfilm "Fräulein Stinnes fährt um die Welt" von Erica von Moeller über die zweijährige Abenteuerfahrt der Industriellentochter Clärenore Stinnes Ende der Zwanzigerjahre und die DVD von Vera Chytilovas 1966 gedrehtem Film "Tausendschönchen".
Hier Tom.
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Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2009
Auf der Filmseite rät Christoph Egger sich den neuen Tarantinofilm "Inglourious Basterds" in jedem Fall in seiner französisch-deutsch-amerikanisch-englischen Originalfassung anzusehen: "Denn diese 'fremdsprachigen' Diskurse, in der Originalversion mit knallgelben englischen Untertiteln versehen, erstrecken sich über lange Passagen hinweg. Dort, wo man sich dazu entschlossen hat, die Kopien einsprachig nachzusynchronisieren, um dem Publikum die doppelte Beschwernis der fremden Sprachen und des Lesenmüssens zu ersparen - wie etwa in Deutschland -, amputiert man dem Film freilich einen beträchtlichen Teil seines Witzes."
Alena Wagnerova erinnert sich an ein Projekt zu Transformationsprozessen in postsozialistischen Ländern, während gleichzeitig ihr Keller trocken gelegt wurde. Letzteres war eindeutig nachhaltiger: "Damals hatte sich aber die Wissenschaft so weit entwickelt, dass man mit der Forschung die Ausgangshypothese nicht auf ihre Gültigkeit zu überprüfen beziehungsweise sie zu widerlegen hatte, sondern die ganze Anstrengung der Forschungsarbeit darin bestand, sie zu bestätigen und dafür entsprechende Belege zu finden. Das nannte man ergebnisorientiert, und das Ergebnis hiess dann 'ein Produkt'. Sollte es den Antragstellern nicht gelingen, die Ausgangshypothese durch die Forschung zu bestätigen, galt das Projekt als gescheitert und seine Antragsteller als inkompetent."
Weiteres: Claudia Schwartz freut sich über drei interessante Schweizer Dokumentarfilme beim Filmfestival in Locarno. Besprochen werden eine Ausstellung zu "Ideen und Natur" des spätromantischen Malers Carl Gustav Carus in Dresden und Bücher, darunter Aravind Adigas Erzählband "Zwischen den Attentaten" und Ottavio Cappellanis Roman "Habe die Ehre! Eine Mafia-Komödie" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr)
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Süddeutsche Zeitung, 20.08.2009
Jens Bisky vermisst grundsätzliche Richtungsunterschiede in der Bundeskulturpolitik - alles scheint sich da auf geringe Differenzen in Verwaltungsideen zu reduzieren. Über den Streit um die Zukunft der Leipziger Kunstakademie informiert Laura Weissmüller. Das neue Museum "Kunst der Westküste" auf der Insel Föhr hat Kia Vahland besucht. Christopher Schmidt glossiert die Selbstbeschreibung des St. Pauli-Theaters als "geil". Andrian Kreye hat den Fotografen Pieter Hugo getroffen, der gerade einen Bildband über die nigerianische Nollywood-Filmindustrie veröffentlicht hat. Johann Schloeman kennt die (finanziellen) Gründe für die sich abzeichnende Zusammenarbeit der Bibliotheque Nationale mit Google. Jens Malte Fischer schreibt zum Tod der Sopranistin Hildegard Behrens. Den Nachruf auf den Schweizer Autor Hugo Loetscher hat Thomas Steinfeld verfasst.
Besprochen werden Rudolf Thomes neuer Film "Pink", Steve McQueens auf DVD und in ein paar Wochen in einem Münchner Kino zu sehender Film "Hunger", eine Aufnahme von Paganinis "Capricci" mit Thomas Zehetmair und Bücher, darunter Herta Müllers Roman (Leseprobe hier) "Atemschaukel" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2009
Michael Althen hat Madonna beim einzigen Deutschlandkonzert ihrer aktuellen Tournee in München erlebt - oder eigentlich auch wieder nicht: "Der Ausdruck 'live' ist im Grunde ein Witz: Man kann jeden Moment dieser Tour auf YouTube besser sehen als im Stadion. Und wo anderswo die Leute ihre Feuerzeuge schwenken, um ihre Gerührtheit zu signalisieren, da leuchten hier durchgängig Hunderte von Handys oder Fotodisplays, die festhalten, was dann ins Netz gestellt wird, um den Eindruck zu vermitteln, es gebe hinter diesen Bildern eine Authentizität, die den Konzertbesuch lohne. Die Handyfotos sind quasi der einzige Ausweis, man sei 'live' dabei gewesen, wo das Erlebnis selbst außer Lautstärke kaum nachhaltigen Eindruck hinterlässt."
Weitere Artikel: Joseph Croitoru informiert über nationalreligiöse israelische Pamphlete in Text und Bild, darunter der Film "Die Bombardierung der Atomanlage in Iran" der Rabbinerin Tova Eliyahu. Bezeichnend für die Geringschätzung der DDR-Kunst findet es Andreas Rossmann, dass man eine seit Jahrzehnten in Oberhausen befindliche Sammlung nun loswerden will und nach Leipzig und Nürnberg vergibt. Die neu erbaute Weimarer "Stadtblick"-Siedlung hat Matthias Grünzig besichtigt. Paul Ingendaay glossiert gefängnisraumsparende Häftlingsverschiebemanöver in Spanien. Jürg Altwegg kommentiert sehr knapp den "Dolchstoß", als den mancher die Kollaboration der Bibliotheque Nationale mit Google begreift. Jürgen Kesting hat den Nachruf auf die Sopranistin Hildegard Behrens verfasst. Jürg Altwegg schreibt zum Tod des Schweizer Schriftstellers Hugo Loetscher.
Auf der Kinoseite erklärt Quentin Tarantino im Interview, dass er sich weder für Politik noch Geschichte interessiert. Kurz rezensiert wird dazu Georg Seeßlens Monografie zu "Inglourious Basterds".
Besprochen werden die Uraufführung eines Oboen-Konzerts, das Jörg Widmann für Heinz Holliger schrieb beim Luzern Festival und Bücher, darunter eine zum fünfzigsten Todestag des Autors erschienene Neuausgabe von Alfred Kubins Roman "Die andere Seite" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





