Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Die Versuchungen des Zynismus

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

19.08.2009. Es wird weiter über Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" debattiert. Er macht Juden zu Nazis, schreibt Daniel Mendelsohn in einer scharfen Attacke in Newsweek. Das Blog Cargo sieht das anders. In der SZ wird Tarantinos Unbekümmertheit um Geschichte und Filmklischees verteidigt. "Nach vier Jahren Resistance nun also Kollaboration" schreibt Pierre Assouline in seinem Blog zur Meldung, dass die Pariser Nationalbibliothek ihre Bestände nun von Google digitalisieren lässt.

Die Welt, 19.08.2009

Berthold Seewald verteidigt den Historiker Egon Flaig gegen die Kritik des Historikers Andreas Eckert, der Flaigs Buch "Weltgeschichte der Sklaverei" in der Zeit pauschale Islamkritik vorwarf. Allerdings hätte sich auch Seewald einen "differenzierteren Umgang" mit dem muslimischen Sklavenhandel gewünscht: "Flaigs apodiktische Feststellung, bei den 'Eliten der afrikanischen Raubstaaten' habe es sich keineswegs um Kollaborateure mit den Weißen gehandelt, sondern um ebenbürtige Partner, die den Europäern ihre Marktbedingungen diktieren konnten. Immer? Überall? Statt vom theoretischen Modell ausgehend zu einer klaren Schwarz-Weiß-Erklärung zu gelangen, würden vergleichende Beobachtungen wohl eher diverse Grauwerte der europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit zu Tage fördern."


Im Interview beklagt der Manager Gerhard Florin das schlechte Image von Videospielen in Deutschland, das vor allem von der "meinungsprägenden Altersgruppe über 40" vermittelt werde. "Jüngere Menschen sind heute mehr durch YouTube und durch Spiele geprägt als durch Spiegel, Stern oder die Tagesschau. Das akzeptieren die Macher der älteren Medien nicht. Dort heißt Kultur immer nur Klassik und Literatur, und dann muss man sich nicht wundern, dass die nachfolgende Generation kaum noch Zeitung liest."

Weitere Artikel: In China darf die Teilnahme chinesischer Künstler an einer Aktion zur Erinnerung an den Tag des Mauerfalls 1989 nicht erwähnt werden, berichtet Johnny Erling, die Chinesen könnten sich womöglich an das Massaker auf dem Tienanmenplatz im selben Jahr erinnern. Bremens Intendant Hans-Joachim Frey wird seinen Vertrag vorzeitig auflösen, meldet Hendrik Werner. Hannes Stein kommentiert die Affäre um die Yale University Press.

Besprochen werden ein Stück von Lola Arias beim Sommerfestival Kampnagel, ein Buch mit einem Masterplan für Köln und ein Liederabend mit Anna Netrebko und einem völlig hingerissenen Daniel Barenboim in Salzburg: "Immer wieder küsst er ihr galant die Rechte, er küsst sie auf die Wangen, er küsst sie auf den Mund", bemerkte Ulrich Weinzierl.

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Berliner Zeitung, 19.08.2009

Der israelische Schriftsteller David Grossman hat einen Sohn im Libanonkrieg verloren. Im Interview mit Natascha Freundel spricht er über seinen neuen Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht", in dem er dies verarbeitet: "Das Buch ist ein Protest gegen die Enge der Situation. Die Versuchungen des Zynismus sind mir wohlbekannt. Man muss sich schützen. Und ich kann es nicht! Ich will es auch nicht, wahrscheinlich weil ich es nicht kann. Mein ganzes Schreiben ist ein Ablegen des Schutzanzugs. Um nackt vor der Realität zu stehen. Ich glaube, wenn wir zynisch sind, kollaborieren wir mit der Brutalität der Situation."

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Weitere Medien, 19.08.2009

(Via Cargo) Daniel Mendelsohn, Autor des Buchs "The Lost - A Search For Six of Six Million" über den Holocaust in der Ukraine, polemisiert in Newsweek sehr scharf gegen Quentin Tarantinos Rachefantasie "Inglourious Basterds". "In 'Inglourious Basterds' Tarantino indulges this taste for vengeful violence by-well, by turning Jews into Nazis. In history, Jews were repeatedly herded into buildings and burned alive...; in 'Inglourious Basterds', it's the Jews who orchestrate this horror. In history, the Nazis and their local collaborators made sport of human suffering; here, it's the Jews who take whacks at Nazi skulls with baseball bats, complete with mock sports-announcer commentary, turning murder into a parodic 'game'.'"

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Perlentaucher, 19.08.2009

Warum berichten die Zeitungen so wenig über die Zensur an den Mohammed-Karikaturen durch die Yale University Press?, fragt Thierry Chervel im Perlentaucher-Blog: "Man kann sich die Redaktionskonferenzen förmlich vorstellen: Ach, nicht schon wieder dieses Thema. Aber ist es wirklich zum Abwinken?"

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Aus den Blogs, 19.08.2009

Ekkehard Knörer nimmt in seinem Blog Cargo Bezug auf Daniel Mendelsohns scharf Attacke gegen Tarantino - aber er sieht es anders: "Der Rachewunsch ist per se faschistisch - nur, wenn man das so eindeutig formuliert, kann man zur These gelangen, eine fiktionale blutige Rache (und ihr Bejubeln) mache trotz aller sonstigen Differenzen einen Juden und dann auch den realen Bejubler der blutigen Taten mehr als nur quasi zum Nazi... Das Ausleben allein schon von Rachefantasien aber für ethisch verwerflich zu erklären, ist kaum weniger als die moralische Absage an die abendländische Kulturgeschichte."


Die Wirtschaftszeitung La Tribune bringt eine ziemlich sensationelle Meldung: Die Pariser Bibliotheque nationale wird die Digitalierung ihrer Bücher Google anvertrauen. Pierre Assouline kommentiert in seinem Blog La Republique des lettres: "In vier Jahren von der Resistance zur Kollaboration."

Und im offiziellen Blog von Google Blog Search wird stolz verkündet: "we're in constant dialog with several prestigious cultural institutions, such as the Spanish National Library and the Bibliotheque Nationale de France, in order to help as many readers as possible around the world search and read public domain books."

In diesem Monat sind in verschiedenen Ländern 164 Auspeitschungen von Frauen geplant, schreibt Jörg Lau in seinem Blog: "Die Malediven haben einen angeblich reformgesinnten Präsidenten, der es offenbar zulässt, dass 150 Frauen für 'außereheliche Affären' ausgepeitscht werden sollen (mehr hier). Hier der Bericht von Amnesty über das Urteil. Wie kann man bloß in so einem Land Urlaub am Strand machen?"

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Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2009

In einem langen Nachruf würdigt Roman Bucheli den am Samstag an den Folgen einer Herzoperation gestorbenen Schweizer Journalisten und Schriftsteller Hugo Loetscher. Suzanne Kappeler spaziert durch die Lausanne Jardins 2009. Eine Meldung berichtet über den Tod der Opernsängerin Hildegard Behrens.


Besprochen werden Bücher, darunter Volker Reinhardts Roman "Blutiger Karneval" und Ueli Oswalds Buch über den Freitod seines Vaters "Ausgang - Das letzte Jahr mit meinem Vater" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 19.08.2009

Kann schon sein, dass es sich Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" um eine Art koschere Rachefantasie handelt, meint Cristina Nord, vor allem aber wirkte er aber bei ihr als Gegengift zur Authentizitätshörigkeit deutscher Filmemacher, die sich - wie beim "Untergang" - nicht mal trauten, Hitlers Selbstmord in Szene zu setzen: "Bei Tarantino ist von solchem Respekt erfrischenderweise nichts zu spüren. Hitler goes kaputt. So verwandelt sich im flirrenden Irrealis des B-Pictures die Ohnmacht, die man angesichts des realen Verlaufs der Geschichte empfindet, in Aggression und Selbstermächtigung. 'Inglourious Basterds' bietet den Raum, diese Empfindungen auszuagieren. Das ist eine befreiende Erfahrung. Ihr von vornherein mit den Argumenten der Vernunft - Rache macht die, die sich rächen, ihrerseits zu Tätern - zu begegnen, unterdrückt die Empfindungen, bevor sie sich artikulieren können."


Besprochen werden die Ausstellung "Sesam. Öffne dich!" der Bildhauerin Isa Genzken im Kölner Museum Ludwig und Roumen M. Everts Roman "Die Immigrantin".

Auf der Meinungsseite sieht die deutsch-iranische Autorin Saba Farzan Ähnlichkeiten zwischen den jetzigen Protesten im Iran und der konstitutionellen Revolution von 1909: "Die aus dem historischen Vergleich gewonnene Einschätzung, dass sich die Islamische Republik aus ihrer größten Legitimationskrise mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr erholen kann, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sich auch der zunächst positive Ausgang und Erfolg der Proteste von 1909 einstellen wird."

Und natürlich Tom.

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Frankfurter Rundschau, 19.08.2009

Vor zwei Wochen hatte Arno Widmann nach einem Gang durch das Deutsche Historische Museum festgestellt, dass gar nicht die Frage gestellt werde, was und wer überhaupt deutsch sei. Das würde die SPD-Politikerin Lale Akgün auch gern wissen: "Die preußische Nationalerziehung hat ganzen Generationen an Schulkindern die Idee einer ethnischen Einheit Deutschlands in die Köpfe gepaukt - personifiziert in den Kaisern Wilhelm I und II. Dabei ist allerdings der Gedanke verlorengegangen, dass Deutschland ein Mosaik aus vielen Teilen ist: Die bayerische Tradition gehört ebenso dazu wie die alemannische und die jüdische - und natürlich auch die Traditionen ehemaliger Ostgebiete oder anderer Länder des Ostens. Dazu kommt die geografische Lage im Herzen Europas: Deutschland, ein Transitgebiet für die unterschiedlichsten Menschen. Aber die Preußen hatten ihren Erziehungsauftrag ernst genommen: Noch heute ist die Konstruktion eines ethnisch einheitlichen Volkes in manchen Köpfen fest verankert. Was macht man da als Einwanderin?"


Weitere Artikel: Mäßig amüsiert hat sich Jörg Schindler mit dem Film zur Wahlkampagne von Horst Schlämmer, muss aber mit Blick auf beteiligte Politiker konstatieren: "So willig hat eine Kaste noch selten bei ihrer Demontage mitgewirkt." Eckhard Stengel meldet, dass der Bremer Theater-Intendant Hans-Joachim Frey wegen zu hoher eingefahrener Verluste vorzeitig sein Amt aufgibt. Hans-Jürgen Linke gratuliert dem Jazz-Pianisten Michael Naura zum Fünfundsiebzigsten. In Times mager widmet sich Thorsten Herdickerhoff dem Zusammenhang von Glaube und Fußball.

Besprochen wird Reinhard Kaisers Übertragung des Simplicissimus ins moderne Deutsch.

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Süddeutsche Zeitung, 19.08.2009

Tobias Kniebe verteidigt Quentin Tarantinos fröhlich-verspielten Umgang mit Geschichte und filmischen Klischees: "Ist das nicht zu viel? Na klar. Na sicher. Na und? Auf diese Stimmung muss man sich erst einmal einlassen: Fröhlich. Redundant. Exzessiv. Unbesorgt. Quentin Tarantino schwingt filmische Tautologien, als seien es Baseballschläger. "


Jens Malte Fischer liefert einen interessanten Hintergrundbericht zur Lage der Orchester in Deutschland. Besonders absurd findet er die krassen Unterschiede in den Gehältern von Musikern kleinerer und größerer Orchester: "Auch der Lüneburger Flötist ist ein Berufsmusiker, der genauso lang ausgebildet wurde wie der Münchner Kollege. Wahrscheinlich ist er nicht so gut wie dieser, aber der Münchner ist nicht drei-, viermal besser, das kann man ohne Hörprobe voraussetzen."

Weitere Artikel: Stephan Speicher blättert  angesichts des Ende des amerikanischen Reader's Digest vorsorglich durch die aktuelle deutsche Ausgabe. Kai Strittmatter bringt die erfreuliche Mitteilung, dass in der Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Istanbul eine Künstlerakademie entstehen soll, in der sich sieben Künstler "in residence" mit der Türkei auseinandersetzen sollen. Gemeldet wird, dass Christian Thielemann trotz des Streits mit der Stadt gern in München bleiben möchte und dass der Streit um die Berliner Gemäldegalerie noch nicht ausgestanden ist.

Besprochen werden die Konzerte der Varese-Reihe in Salzburg, ein Liederabend Anna Netrebkos ebendort, eine Ausstellung über die Fotografie  der DDR in Berlin, eine Ausstellung über den frühen Buchdruck und also den "Medienwandel im 15. Jahrhundert" in München und Bücher, darunter Szilard Rubins Roman "Kurze Geschichte von der ewigen Liebe". (Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.)

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2009

Auf soziologisch erklärt Tilman Allert, warum der Mittelstand in der Krise so verblüffend ruhig bleibt. Seine Diagnose: An die Stelle alter Vergemeinschaftungsformen sind längst übergreifende Netzwerke getreten. So hat nicht zuletzt, was Familie heißt, sich grundlegend verändert: "Die Familie ist nicht länger eine Gegenwelt gegen das Rationalitätsprinzip des Wirtschaftslebens, vielmehr ist sie zu einem Vorbereitungsmodell avanciert. Keimzelle des Staates - eine Formel aus vergangenen Zeiten. Heute allenfalls Verabredungszentrale. Nicht mehr Widerständigkeit und Sperrigkeit über die Identifikation mit einer Sache, nicht mehr Trost und Muße als atmosphärische Rahmung der moralischen Reifung, die selbstsuggestive Zauberformel von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf diktiert den praktischen Vollzug des Familienlebens." Und das, so Allert, führt zu einer "eigentümlich empörungsfreien" Gesellschaft.


Verena Lueken goutiert den "wilden Tanz" von Quentin Tarantinos Geschichtsfantasie "Inglourious Basterds". Und überhaupt, wer braucht schon historische Wahrheiten? "Filme über historische Ereignisse sind immer fiktiv, Zeugnisse, die wir als Dokumente begreifen, zweifelhaft, wie die Diskussion um das berühmte Foto des fallenden Soldaten von Robert Capa gerade wieder beweist. In Tartantinos Film gibt es kein Bild, das behauptet zu zeigen, wie es war."

Weitere Artikel: Martin Otto sieht sich die Zusammensetzung der Wählerschaft in Friedrichshain-Kreuzberg genau an - und kann auch erklären, warum die CDU-Kandidatin Vera Lengsfeld so wenig wie die Grünen-, SPD- und FDP-Kandidaten auf die sehr vielen islamischen Bewohner des Wahlbezirks setzen: "Derzeit vermitteln alle Kandidaten den Eindruck, dass es auf sie nicht ankommt." In der Glosse geht es um immer schon unrealistische und nunmehr geträumte Pläne vom Besucherbergwerk in der kommenden Kulturhauptstadt Essen. Mark Siemons meldet, dass der kürzlich festgenommene und misshandelte chinesische Künstler Ai Weiwei nun Beschwerde bei der zuständigen Behörde eingereicht hat. Auf der DVD-Seite erinnert Tobias Rüther noch einmal an die große Zeit des jüngst verstorbenen John Hughes. Bert Rebhandl empfiehlt nachdrücklich die "Gay Classics"-Reihe des DVD-Labels Salzgeber. Ebenfalls vorgestellt werden DVDs mit Frühem von David Lynch und mit Original Grindhouse-Trailern. Auf der Medienseite werden "konsternierte" Reaktionen auf die Entscheidung der "Bibliotheque Nationale" zur Kollaboration mit Google vermeldet. Und auf der Geisteswissenschaften-Seite liest Harald Bost Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten" vor dem Hintergrund von Dantes "Göttlicher Komödie".

Besprochen werden Anna Netrebkos von Daniel Barenboim begleiteter erster Liederabend in Salzburg, ein Konzert von The Notwist und dem Andromeda Mega Express Orchestra in Köln und Bücher, darunter Volker Meids die Literaturgeschichte der Epoche auf den aktuellen Stand bringende Studie "Die deutsche Literatur im Zeitalter des Barock" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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