Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Artikel von
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Techno und Rap, Pop, Glamour, Fun
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.08.2009. Das Ende des Ammann Verlags schockiert die Feuilletons: Die NZZ hätte sich gewünscht, dass der Verleger über seinen Schatten springt. Die SZ fürchtet, dass es gerade die literarische Passion war, die dem Verlag die Perspektive nahm. Die FAZ hat Ammann interviewt. In der FR schildert Hector Abad das schwierige Leben der Kolumbianer. Die Welt fragt: Gibt es Rassismus in deutschen Orchestern? Die taz plädiert gegen Dekolletes bei CDU-Politikerinnen im Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2009
Roman Bucheli bedauert, dass der Zürcher Verlag Ammann Mitte 2010 die Tore schließt, findet die Begründung der Besitzer Egon Ammann und Marie-Luise Flammersfeld jedoch fadenscheinig: "Man mag nicht recht glauben, dass in der Schweiz oder Deutschland kein leidenschaftlicher Büchermensch mit Sachverstand und Geschäftssinn zu finden gewesen sei, der einen solch bedeutenden Verlag fortzuführen imstande gewesen wäre. Dieses Lebenswerk wird nicht schmäler, wenn der Verlag nun in einem Jahr nicht mehr existieren wird. Aber es wird eine empfindliche Lücke zurückbleiben, und eine Reihe von Autoren wird ohne Verleger sein. Es ist bedauerlich, dass Egon Ammann nicht über seinen Schatten gesprungen ist und dieses Werk in Hände gelegt hat, die es in seinem Sinne fortzuführen, aber mit eigenem Geist zu beleben vermöchten."
Hochstimmung hat Flora Veit-Wild beim Kulturfestival im simbabwischen Harare genossen: "Neben international bekannten Musikern wie dem senegalesischen Griot-Sänger Habib Koite oder der südafrikanischen Afropop-Gruppe Malaika traten Gruppen und Künstler aus allen Kontinenten auf, etwa die koreanische Hip-Hop-Tanzgruppe Last of One, ein italienisches Streicherensemble oder die spritzig-witzige oberbayrische Blaskapelle La BrassBanda."
Weiteres: Ulrich Schmid schreibt den Nachruf zum Tod des Czernowitzer jiddischen Schriftstellers Josef Burg. Besprochen werden die Ausstellung "Landscape of Childhood" in Peking und die Vivaldi-Hebbel-Oper "Judith" bei den Salzburger Festspielen, die Romane "Der Meermann" von Niels Brunse und "Ich verfluche den Fluss der Zeit" von Per Petterson (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 11.08.2009
Der kolumbianische Schriftsteller Hector Abad erzählt vom Leben im "Fegefeuer": "Wir sind 44 Millionen, die hier leben, weitere vier Millionen leben über die ganze Welt verstreut, vor allem in Venezuela, in Europa und den USA. Das Land ist grün und seine Natur alles andere als ärmlich. Medellin, die Stadt, in der ich lebe, ist nicht die schlimmste in Lateinamerika, nicht einmal die gewalttätigste, auch wenn sie bis vor wenigen Jahren noch die Welthauptstadt der Drogenmafia war. Von 6500 Morden pro Jahr haben wir uns auf 650 verbessert, es werden hier weniger Menschen umgebracht als in Caracas, Mexiko oder sogar Washington. Wir sind weder die Hölle noch das Paradies. Wir leben in einem Purgatorium und versuchen, so viele Seelen wie möglich der Verdammnis zu entreißen und zugleich, langsam und mit verzweifelt müden Schritten, auf jenem Weg in Richtung jenes Fortschritts weiter voranzuschreiten, von dem manch einer behauptet, es sei der Himmel."
Weiteres: In Time mager sieht Harry Nutt viel Arbeit auf die Wahlbeoabchter der OECD in Deutschland zukommen. Besprochen werden Jossi Wielers "sanfte" Uraufführung von Peter Handkes Beckett-Fortschreibung "Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts" in Salzburg, Beethovens Neunte auf dem Berliner Young Euro Classic, Jannis Ritsos' Gedichte "Monovassia und Ben Katchors Comic "Der Jude von New York" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Welt, 11.08.2009
Warum spielen so wenig Asiaten in deutschen Orchestern, obwohl sie in den Orchester-Studiengängen bis zu 50 Prozent ausmachen, fragt Lucas Wiegelmann. Hat das Methode? "Ein weit verbreitetes Vorurteil in Musikerkreisen besagt, dass sie fleißige, technisch korrekte Instrumentalisten seien. Dass es ihnen aber an Herz und Seele, an interpretatorischer Tiefe fehle. Vor allem das Repertoire der Wiener Klassik falle ihnen schwer. Kolja Blacher [Violinprofessor an der Musikhochschule Hanns Eisler]: 'Es gibt den typischen Spruch: 'Da fehlt einfach noch was.' Da ist viel Rassismus bei den Orchestern, teilweise auch bei den Hochschulen.'"
Weiteres: In der Schweiz kratzt gerade eine Doku-Soap am nationalen Selbstverständnis: In "Alpenfestung - Leben im Reduit" wird drei Wochen lang der Zweite Weltkrieg nachgespielt, der "selbstkritische Vorwurf der Kollaboration mit der deutschen Diktatur geht an die moralische Substanz", erzählt Michael Stürmer. Ulrich Weinzierl sah in Salzburg erstens Jossi Wielers Inszenierung von Becketts "Das letzte Band" mit einem "unvergesslichen" Andre Jung als Krapp und zweitens Peter Handkes Stück "Bis das der Tag euch scheidet", ein "Echo" auf Beckett. Besprochen werden außerdem einige CDs.
Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 11.08.2009
Ein nicht sehr schmeichelhaftes Bild der Kölner Kulturpolitik zeichnet Hans-Christoph Zimmermann: "Psychologisch schwankt Köln ständig zwischen Narzissmus und Depression. Da trägt man mit satter Vollmundigkeit den Anspruch der 'Kulturmetropole am Rhein' vor sich her - und schaut zugleich mit manischer Besessenheit auf jedes Ranking."
Weitere Artikel: Thomas Wulffen besucht die Bundesgartenschau in Schwerin. Der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen denkt in seiner Kolumne "Später mehr" über Sportler nach. Besprochen werden Harry Graf Kesslers Tagebuch aus dem Ersten Weltkrieg und eine CD der Crystal Antlers.
Tom.
Etwas gouvernantenhaft reagiert Ines Kappert auf das Wahlkampfplakat von Vera Lengsfeld, die ihr Dekollete als Argument gegen den drögen Hans-Christian Ströbele im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg einbringt: "Ströbele ist hier eine Ikone. Zwei Direktmandate hat er bereits für die Grünen geholt. Hat Lengsfeld jenem unermüdlichen Juristen nichts anderes entgegenzuhalten als ihre Weiblichkeit? Das wäre erbärmlich."
Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2009
Für Stephan Speicher ist das Ende des Ammann Verlags auch der literarischen Passion der Verleger geschuldet, die auf kommerzielle Belange nicht immer Rücksicht nahmen: "Das größte und prominenteste Projekt aber waren die Neuübersetzungen der Romane Fjodor Dostojewskis durch Swetlana Geier. Jetzt, mit dem absehbaren Ende des Verlags, stellt sich auch die Frage, was davon sich selbst trug. Übersetzungen zu verlegen ist teuer, selbst im Falle der viel bewunderten Dostojewski-Übersetzungen ist man sich in der Branche nicht sicher, ob die Verkäufe die Kosten wieder einspielten."
Weitere Artikel: Thomas Steinfeld mokiert sich über eine Initiative der "Bundeskonferenz Jazz", die sich von Politikern aller Parteien im Wahlkampf die Relevanz ihres im Abschwung befindlichen Genres versichern ließen. Gottfried Knapp besucht das "Zentrum für Internationale Lichtkunst" in Unna und zeigt sich von den eigens angefertigten Installationen in den dunklen Kellern einer ehemaligen Großbrauerei sehr beeindruckt. www.lichtkunst-unna.de. In der "Zwischenzeit" geht Gustav Seibt auf die Suche nach dem Ursprung des Satzes "Weimar liegt bei Buchenwald". Franziska Augstein gratuliert dem Satiriker Pit Knorr zum Siebzigsten. Andrian Kreye würdigt die Arbeit der Fotografen James und Karla Murray, die das Verschwinden bestimmter Gebäude und Ladenfronten in New York dokumentieren. Thomas Urban begutachtet den Neubau der deutschen Botschaft in Warschau, der vom Architekten Holger Kleine entworfen wurde. Alexander Kissler sieht nach einer Gerichtsentscheidung, die es einem frommen Menschen erlaubte, in der Kirche zu bleiben ohne zu zahlen, das Ende der Kirchensteuer nahen.
Auf der Medienseite schildert Thomas Urban die Schwierigkeiten des Springer Verlags mit seiner polnischen Qualitätszeitung Dziennik, deren Auflage sich nach dem Ende der Kaczynski-Episode fast halbiert hat, das populistische Boulevardblatt Fakt bleibt aber die größte Zeitung Polens.
Besprochen werden ein Abend mit Handkes Antwort auf Becketts Stück "Das letzte Band" und diesem selbst in Salzburg und Bücher, darunter zwei Bände über "Behinderung, Kunst und Krüppelbewegung".
Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Berliner Zeitung, 11.08.2009
Jörg Sundermeier, selbst Kleinverleger, sieht in der Aufgabe des Ammann verlags vor allem ein Anzeichen dafür, dass die Literatur in der Gesellschaft immer stärker ins Hintertreffen gerät: "Unlängst musste bereits der ebenfalls in der Schweiz sitzende Verlag Urs Engeler Editor ankündigen, dass es im Jahr 2010 keine Neuerscheinungen von ihm mehr geben werde. Jüngere Verlage wie Heinrich & Hahn oder Tisch 7, die keineswegs von unbedarften Neulingen gegründet worden waren, sind bereits wieder Geschichte. Auch über andere kleinere Verlage in Deutschland hört man nicht viel Gutes - von diesen könnte man, wäre man bösen Willens, noch sagen, dass sie an ihren allzu großen Ambitionen scheitern. Doch selbst weitaus bekanntere, umsatzstarke Häuser sehen sich zusehends dazu gezwungen, lieber schlechte, aber schnell verkäufliche Bücher von Fernsehsternchen zu publizieren, als eine Belletristik, die diesen Namen verdient."
Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2009
Der Schweizer Verleger Egon Ammann hat bekannt gegeben, die Arbeit seines Verlags mit dem nächsten Jahr zu beenden. Im Interview nennt er seine Beweggründe:"So ist etwa der Markt für literarisch anspruchsvolle Innovationen und Entdeckungen dramatisch 'jünger'geworden, will sagen, die Neugier auf die zu lesende Kunst hat, wie wir feststellen mussten, in einem beängstigenden Maß nachgelassen.... Techno und Rap, Pop, Glamour, Fun schieben sich vor das Ernstere. Zerstreuung, Abenteuer, Fantasy, Selbsterfahrung, Internet verbauen den Blick auf das Wesentliche, das wir eines Tages wieder benötigen, wenn viele dieser Phänomene ihre Anziehungskraft verloren haben." Im Kommentar sieht Felicitas von Lovenberg allerdings "die Marktsituation, die für anspruchsvolle Literatur immer schwieriger wird", als wichtige Ursache - und begreift die Aufgabe deshalb auch als "Fanal für die ganze Branche".
Weitere Artikel: Auf der Medienseite porträtiert Hendrik Ankenbrand die russische Journalistin Jelena Kostjuschenko, die investigativ zu recherchieren wagt - naturgemäß, muss man in Russland wohl sagen, unter ständiger Lebensgefahr. Heiner Mühlmann erklärt, warum die Marktwirtschaft nicht mehr länger nur krank macht, sondern inzwischen selbst krank ist. Von Genf aus beobachtet Jürg Altwegg, wie die Franzosen beobachten, was ihre Prominenz im Sommer so treibt. In der Glosse von Oliver Jungen fährt König Kokos mit Angela Merkel und einem betrunkenen Oberbayern mit der Bahn. Oliver G. Hamm begutachtet eine neue Freiraumbibliothek in Magdeburg. Dieter Bartetzko berichtet über die Ausgrabung einer Villa nahe der Stadt Cittareale, die auf die eine oder andere Weise mit Vespasian zu tun haben dürfte.
Besprochen werden Becketts "Letztes Band" und Handkes auf Beckett bezugnehmendes Stück "Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts" in Salzburg, die Ausstellung "Entre deux actes - Loge de comedienne" in der Kunsthalle Baden-Baden,13 CDs mit klangtechnisch überzeugenden Versionen später Furtwängler-Aufnahmen und Bücher, darunter Aravand Adigas Erzählungsband "Zwischen den Attentaten" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Das Verschwinden der Fische
04.09.2010. Die NZZ liefert eine wohltuend nüchterne Besprechung von Thilo Sarrazins Buch und erinnert daran, dass auch Sozialdemokraten einst eugenisches Gedankengut pflegten. Sarrazin droht, gegen eine Entlassung zu klagen, meldet die Welt, die außerdem Claude Lanzmanns nordkoreanische Liebesgeschichte erzählt. In der taz stellt der Theatermann Schorsch Kamerun klar: Er möchte nicht gesponsort, sondern lieber nur subventioniert werden. In der Berliner Zeitung beklagt der Tourneeveranstalter Berthold Seliger das neue Biedermeier in der subventionierten Kultur. In der FR erfahren wir vom Hirnforscher Christian E. Elger: Der Mensch ist gut. Die SZ erzählt die Geschichte der Moschee von München, die ihr erst von einem Amerikaner aufgedeckt werden musste. Die FAZ bringt Auszüge aus Fritz J. Raddatz' Tagebüchern. Mehr lesen
Warum wird gerade die eingeladen?
03.09.2010. Die taz porträtiert den chinesischen Literaturwissenschaftler Yu Jie, der gerade ein Buch über den "größten Schauspieler" Chinas veröffentlicht hat: Premierminister Wen Jiabao. Es gibt auch Unterlassungsrassismus, hält der Philosophieprofessor Markus Tiedemann den Verfechtern multikultureller Toleranz entgegen. Die NZZ liest Necla Keleks Heft über den Freiheitsbegriff des Islam. Slate findet unerwartete Leser-Communities in Zeitungen aus dem 18. Jahrhundert. In der SZ beklagt die Theaterregisseurin Anna Bergmann Deutschlands durchkonventionalisierte Stadttheaterlandschaft. Mehr lesen
Ein feiner Herr
02.09.2010. In der Welt fragen Monika Maron und Necla Kelek, wann wir über die interessanten Seiten in Thilo Sarrazins Buch diskutieren. In der taz erklärt der Politikwissenschaftler Markus Linden, warum Sarrazin gut für die Demokratie ist. Die NZZ betrachtet leicht amüsiert den roten Kopf des "sittlichen" Deutschlands. In der SZ erkennt der Philosophieprofessor Christian Illies, dass es beim Streit um "Stuttgart21" um das gesellschaftliche Selbstverständnis der Stuttgarter Bürger geht. In der FAZ erklärt die Intelligenzforscherin Elisabeth Stern, wie gesellschaftliche Verdummung zustande kommt. Die Zeit blickt in deutsche Redaktionsstuben und sieht nur urdeutsche Mittelschicht. Mehr lesen
Freier Platz in den Synapsen
01.09.2010. In der FAZ sieht Ali Sethi, wie pakistanische Kampfjets gerettet werden, während pakistanische Bauern ertrinken. Die taz berichtet blutige Einzelheiten über den Drogenkrieg in Mexiko. Der Tagesspiegel geht ganz in Thilo Sarrazin auf. In der FR erzählt Karl Schlögel, wie er mit den Toten spricht. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
2010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Die Richtung ist eindeutig
31.08.2010. Thilo Sarrazin auf allen Kanälen. Es ist zwar peinlich, aber es gibt auch einen demokratischen Rassismus, muss die SZ feststellen. Die FAZ erzählt, wie Sarrazin den flachen Haken eines Reporters aus Holland parierte, der ihn mit Geert Wilders verglich. Und was hat es mit den Genen der Juden auf sich?, fragt die Welt. Außerdem: Youtube wird zahlbar, meldet Gawker, zumindest teilweise. Micha Brumlik graut in der taz vor Juden, die der Hamas stolz die Hand drücken. Reuters meldet: Putin will 2012 wieder russischer Präsident werden und findet, dass Demokraten, die demonstrieren, verprügelt gehören. Mehr lesen
Auf dieser Position bleibe ich
30.08.2010. Thilo Sarrazin beherrscht die Debatte. Für Necla Kelek in der FAZ liefert er eine korrekte Beschreibung der deutschen Zustände. In der Welt erklärt er selbst, warum seine Intervention als sozialdemokratisch zu verstehen sei. Außerdem: Die FR ist begeistert von der Architekturbiennale in Venedig, wo Rem Kohlhaas laut SZ die Exzesse des Denkmalschutzes bekämpft. Im Economist warnt Jay Rosen die Zeitungen: Drucken bringt Geld, hat aber keine Zukunft. Mehr lesen
Mit strengem Imperatorenblick
28.08.2010. Die NZZ beschreibt einen Streit zwischen dem Übersetzer Laszlo Kornitzer und dem toten Autor Istvan Örkeny. Die Welt schrumpft unter den kühlen Augen Marianne Brüns auf Hamstergröße zusammen. In der taz sieht Barbara Vinken eine unheilige Allianz aus Reaktionären, Feministinnen und Grünen am Werk, Frauen zurück an den Herd zu scheuchen. Die SZ lernt von Bangkok, wie man tote Plätze neu belebt. Mehr lesen
Ein Hahn auf dem Nacken festgebunden
27.08.2010. Wolf Biermann erzählt in der Welt, wie Manes Sperber ihm einen Zahn zog. In der FAZ schreibt Jan Faktor über das Konzentrationslager Christianstadt, wo seine Mutter und Großmutter Zwangsarbeit für die Nazis leisteten. In der SZ kritisiert Herfried Münkler die Rolle von Wikileaks bei den jüngsten Enthüllungen über Afghanistan. Techcrunch amüsiert sich über die Anwälte von Facebook, die das Wort Face als Markenzeichen schützen wollen. Mehr lesen
Wir brauchen keine Achsen mehr
26.08.2010. In der Jungle World spricht Agnes Heller über die Kontinuität des Antisemitismus in Ungarn. Im Freitag unterhalten sich vier Architekten über Sinn und Unsinn des Stadtschloss-Wiederaufbaus in Berlin. Die FAZ wirft Thilo Sarrazin Rassi... äh, Biologismus vor. In der Zeit sagt Sarrazin: "Ich bin kein Rassist" und stellt dann Thesen über Fertilität und Durchschnittsintelligenz auf. Außerdem feiern wir die Renaissance des Lindy Hop. Mehr lesen
Die kleinen Pfützen
25.08.2010. Das Handelsblatt hat von der Wikipedia gelernt: Es gibt im Leben auch Altruismus. Die FR ist nicht zufrieden mit der neuen Dauerausstellung der "Topografie des Terrors". In der taz macht Dani Levy folgende Alternative auf: Entweder es ist lustig, oder es kostet mich den Kopf. Die New York Times meldet: Die Agentur Wylie wird keine eigenen Ebooks produzieren - Randomhouse hat gewonnen. Carta legt offfen, wie die Stadt Duisburg im Interesse der Transparenz auf Kommunikation verzichtet. Mehr lesen
Noch immer herrscht Ausnahmezustand
24.08.2010. Die NZZ würdigt die Anerkennung des dritten Geschlechts in Indien und Pakistan. In La regle du jeu schreibt Isabelle Adjani an Sakineh Ashtiani, die gesteinigt werden soll. Die Welt schickt eine Reportage aus Thailand, wo der Krieg der Roten und der Gelben nur oberflächlich befriedet ist. Die SZ beschreibt den Kampf des türkischen Pianisten Fazil Say gegen den Arabesk-Pop seines Landes. Die FAZ erstirbt mit Mahlers Neunter unter Abbado. Mehr lesen
Christoph hatte mindestens 11 Dimensionen
23.08.2010. Christoph Schlingensief ist tot. Die Feuilletons feiern ihn als Künstler jenseits der Kunst: "als wäre der Messias, dessen Rolle er als Künstler gespielt hatte, zum Heiland geworden", als ins Scheitern Verliebten, aber auch als zart, verletzlich, zugeneigt. Schlingensief selber dachte bis zum Schluss pragmatisch und erzählt in einem Interview auf seinem Blog, wie er im Kino klauen lernte und diese Kunst im Theater perfektionierte. Mehr lesen
Unmöglich, sich nicht beobachtet zu fühlen
21.08.2010. In der NZZ trauert Roland Barthes um seine Mutter. In der SZ shootet Nicholson Baker sein Ego. Die Welt greift literaturkritische Insiderspielchen auf. Da geht's ums Gstrein und Hettche und FAZ und Zeit und SZ. Und wir setzen die Links! Die FAZ geißelt die Rolle westlicher Handy-Produzenten in den Kriegen im Kongo. In der taz ruft Romani Rose anlässlich der Ausweisung von Roma aus Frankreich: "Die Roma sind Bürger Europas." Mehr lesen
Verbreitet sich in Windeseile massenhaft
20.08.2010. Vor siebzig Jahren starb Leo Trotzki an einem Eispickel. Für die Welt war er ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Die FAZ bringt eine ganze Seite über die Iranerin Sakineh Ashtiani, die zum Tod durch Steinigung verurteilt ist. Im Guardian spricht Christiane Kubrick über ihren Onkel Veit Harlan. Die FR zeigt am Beispiel der Bertelsmann-Stiftung, wie wohltätig Steuernsparen sein kann. Das Wall Street Journal fragt: Warum nimmt Guido Westerwelle seinen Lebenspartner nur in jene Länder mit, in denen Homosexualität erlaubt ist? Mehr lesen
Auf die Mutter kommt alles an
19.08.2010. Die Festivalberichterstattung der freien Mitarbeiter der FAZ setzt sich fort. Nachdem Elke Heidenreich erzählt hat, wie Salzburg für sie war, darf nun Thomas Gottschalk berichten, was ihm in Oberammergau widerfuhr. Der Tagesspiegel plädiert für die Literarizität Thomas Hettches. Huntingtons Diagnose vom "Clash of Civizations" traf zu, erklärt Ayaan Hirsi Ali im Wall Street Journal. Die Zeit feiert Peter Wawerzineks Roman "Rabenliebe". Techcrunch erzählt, wie Facebook den Markt für Lokalanzeigen aufrollen will. Und Aporrea erklärt, wie es zum 11. September kommen konnte. Mehr lesen









