Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Keine Nebenrollen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

31.07.2009. Alle würdigen Zadek, den Allwissenden und Naivling. Die taz beschreibt, wie er den Schauspieler Gert Voss auf die Rolle des Shylock vorbereitete. Die FR schreibt: "Zadeks Menschen waren gegenwärtig." Die FAZ weiß sein Shakespeare-Geheimnis. Außerdem beschäftigt sich der Journalismus mit seiner Refinanzierung, etwa durch eine Tonne Nudeln. Die Welt zitiert Bernd Neumann, der schärfere Strafen für Copyrightsünder will. Und die FAZ hat herausgefunden: Google will Geld, viel Geld.

Die Welt, 31.07.2009

Katharina Dockhorn berichtet über illegale Downloads von Filmen im Internet und übernimmt dabei Zahlen der "Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberechtsverletzungen" (ohne eigens zu erwähnen, dass diese Organisation von der Filmindustrie zur Durchsetzung ihrer Interessen geschaffen wurde). Hilfe naht in Gestalt des Bundeskulturministers: "Frankreich zeige, wie Piraterie effektiv verfolgt werden könnte, sagt Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Der will abwarten, wie sich das Gesetz bewährt, setzt aber eher auf freiwillige Vereinbarungen zwischen Produzenten, Providern und Nutzern. Das Justizministerium sei jetzt am Zug, mahnt der Minister, denn bislang liefen alle Vorstöße zur Vereinfachung der Strafverfolgung ins Leere."


Den Nachruf auf Peter Zadek schreibt auf Seite 3 Reinhard Wengierek: "Zadek war Beobachter, nicht Parteigänger. Ein Fantasie-Berserker, ein Allwissender und Naivling zugleich. Ein Außenseiter, und doch für Jahrzehnte eine zentrale Autorität im deutschsprachigen Theater, gerade durch seine Unkorrektheit, seine Stillosigkeit."

Weitere Artikel: Aufmacher ist Jenni Roths Vorbericht zu den Nibelungenfestspielen in Worms, wo der "Siegfried" diesmal als Komödie gegeben wird, denn so Dramaturg John von Düffel in einem beistehenden Interview, das Komische und das Tragische liegen bei diesem Stoff recht nah beieinander. Peter Zander freut sich über die starke deutsche Präsenz bei den kommenden Filmfestspielen von Venedig, wo auch der neue Film von Fatih Akin läuft. Dankwart Guratzsch nimmt den neuen Duden und den neuen Wahrig unter die Lupe und kommt zu dem Ergebnis, dass die Rechtschreibreform "völlig gescheitert" sei: "Soll man laut Duden zum Beispiel 'bei Weitem' schreiben, so schließt sich Wahrig 'bei weitem' noch nicht an" - es ist einfach schlimm (und zeigt, dass man sich zur gemäßigten Kleinschreibung hätte durchringen sollen).

Die Forumsseite bringt einen project-syndicate-Artikel der Chruschtschow-Enkelin Nina Chruschtschowa zum Tod des ungarischen Freiheitshelden Bela Kiraly und Lezek Kolakowskis. Und Maxeiner & Miersch begrüßen in ihrer Kolumne die Meldung, dass McDonalds kein Fleisch von Schweinen mehr verarbeitet, die ohne Betäubung kastriert wurden.

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Frankfurter Rundschau, 31.07.2009

Peter Michalzik schreibt im Nachruf auf Peter Zadek: "Zadeks Menschen waren gegenwärtig. Er hatte kein historisches Interesse, mit keiner Faser war dieser Regisseur ein Philologe. Sie waren da, so selbstverständlich wie reale Menschen, gleichzeitig aber waren sie getrieben von einer Kraft, die wahrzunehmen nur das Theater in der Lage ist. In Shakespeares Komödien, in der Mischung von rauem Scherz und zarter Poesie, fließen die Eigenschaften von Peter Zadek zusammen. Vielleicht stellt man sich am besten vor, dass er eine Mensch gewordene Shakespearekomödie gewesen ist."


Weiteres: In Times Mager sorgt sich Christian Schlüter um Michael Schumacher, der wieder Rennen fahren will. Besprochen werden die Ausstellung "Arbeit" im Dresdner Hygienemuseum, ein Konzert der Pianistin Ewa Kupiec beim Rheingau Musik Festival mit Werken der 1910er-Jahre, "in denen osteuropäische Komponisten sich zu ihren Heimatklängen bekannten", wie ein begeisterter Stefan Schickhaus erklärt, die neue CD von 2Raumwohnung und Julius H. Schoeps' Biografie der Familie Mendelssohn (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Aus den Blogs, 31.07.2009

Dirk Maxeiner porträtiert auf der Achse des Guten den Mathematiker Grigori Jakowlewitsch Perelmann, der die Poincaresche Vermutung bewies, die Field-Medaile dafür aber ausschlug: "Der Ort, an dem man Grigori Jakowlewitsch Perelmann wohl am nächsten kommen kann, ist der fünfte Rang im Marinski-Theater von Sankt Petersburg. Dort, ganz oben im Konzertsaal, soll er öfter gesessen haben und Nabuko oder La Traviata gelauscht haben. Ganz nahe dem Himmel, der auch an die Decke des Saales gemalt war."


"Das heftige umkämpfte 'Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen' kann nicht planmäßig zum 1. August in Kraft treten. Dazu hätte das Normenwerk am heutigen Mittwoch im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden müssen", meldet Heise online.

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Die Tageszeitung, 31.07.2009

Katrin Bettina Müller analysiert Peter Zadeks Umgang mit Schauspielern, der nicht immer ganz frei von Sadismus war: "Als Zadek 1988 in Wien die Rolle des Shylock in Shakespeares 'Kaufmann von Venedig' mit Gert Voss besetzte, hatte er nach einem Schauspieler gesucht, dessen Aura so weit wie möglich von jedem jüdischen Klischee entfernt war und eher an die überkorrekte Haltung eines SS-Mannes erinnerte. Das sagte er zwar nicht Voss, aber in einem Interview. Voss' Empörung dann zu kanalisieren in eine produktive Energie, war ein Merkmal seines Regiestils."


Weitere Artikel: Kirsten Riesselmann flaniert in ihrer Bayreuth-Kolumne durch einen wagnerlosen Tag. Tim Caspar Boehme stellt einige neue Platten vor.

Auf den Tagesthemenseiten porträtiert Kai Schlieter den Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen.

Auf der Medienseite erläutert Spex-Chef Max Dax die ungewöhliche Zusammenarbeit seiner Zeitschrfit mit dem Nudelherstelle De Cecco: "Wir bekommen eine Tonne Pasta für die Spex-Kantine und erwähnen De Cecco dafür ein Jahr lang im eigentlich ja sakrosankten Impressum, erlauben also ein Product-Placement in der Unabhängigkeitserklärung der Zeitschrift. Eine Tonne entspricht übrigens sechs Europaletten, die wir gut sichtbar in der Redaktion platzieren werden. Diese Aktion muss in ihrer Absurdität bis ins Letzte durchdekliniert werden." So müssen die Journalisten wenigstens nicht hungern!

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Berliner Zeitung, 31.07.2009

Dirk Engelhardt porträtiert den Journalisten Tyler Brule, Erfinder des schicken Magazins Monocle, das sich unter anderem mit "Pop-Up-Shops", fliegenden Läden für gehobenen Designbedarf refinanziert: "In den Shops kann man den Eindruck gewinnen, als sei das Magazin das schmückende Beiwerk zu den hochpreisigen Monocle-Accessoires, die es dort auch zu kaufen gibt. Diese werden zum Teil von angesagten Designern exklusiv für Monocle gefertigt: zum Beispiel eine Reisetasche als Handgepäck, 'Baby Boston Bag' geheißen, die den stylebewussten Vielreisenden 250 Pfund kostet."

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Der Tagesspiegel, 31.07.2009

Peter von Becker über Zadek: "War Zadek gut, dann gab es bei ihm keine Nebenrollen, nur Protagonisten einer grandiosen Comedie humaine."

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Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2009

Susanne Schanda schildert, wie Syriens Künstler mit der Zensur umgehen. Zum Beispiel der Schriftsteller Khaled Khalifa, dessen jüngster Roman "Madih al-Karahiya" (Zum Lobe des Hasses) sofort nach Erscheinen verboten wurde: "Khaled Khalifa sitzt im Cafe Nofara gleich hinter der Omaijaden-Moschee in Damaskus und grinst übers ganze Gesicht: 'Ihr Europäer macht immer so ein Theater um Zensur und verbotene Bücher, als ob ein verbotenes Buch besser wäre als ein anderes. Für uns ist Zensur Alltag, wir leben und arrangieren uns seit Jahrzehnten damit.' Er kenne zahlreiche Beamte der Zensurbehörde persönlich, rufe sie an und beschwere sich, wenn sie etwas in einem Roman von ihm streichen wollten, erzählt Khalifa. Das nützt zwar nichts, ist aber gut fürs Selbstvertrauen. Dann sieht er sich um, trinkt seinen Kaffee aus und schlägt vor, das Lokal zu wechseln."


Weiteres: Martin Krumbholz schreibt den Nachruf auf Peter Zadek, den Moralismus langweilte: "Dem Entertainer und Menschenkenner Zadek ging es um Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit, und beides ist mit Moral oft schwer zu vereinbaren." Joachim Güntner diskutiert Vor- und Nachteile einer Kultur-Flatrate. Besprochen werden eine Ausstellung zur Arbeit des Landschaftsarchitekten Alexandre Chemetoff im Arc-en-reve in Bordeaux, Amanda Blanks CD "I Love You" und Alben zur Geschichte des Dub.

Auf der Medienseite beschreibt Hugo Bigi, wie das Himalaja-Königreich Bhutan ohne Umweg übers Festnetz gleich übers Mobiltelefon online geht.

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Süddeutsche Zeitung, 31.07.2009

Christine Dössel versucht den Verlust zu ermessen, den die deutsche Theaterlandschaft mit dem Tod Peter Zadeks erleidet: "Es ist bestürzend, wenn man sich vergegenwärtigt, welch ein bedeutendes Stück Theatergeschichte mit ihm, diesem ebenso berühmten wie berüchtigten Skandal- und Altmeister der Regie, zu Ende geht. Keiner hat das deutsche Theater derart vom Kopf auf die Füße und damit auf den Boden der dreckigsten Tatsachen und menschlichsten Regungen gestellt wie der sinnenfreudige Zadek, der, aus England heranziehend, wie ein Wirbelsturm über die konventionelle, noch in allen Gliedern erstarrte Nachriegstheaterlandschaft fegte, um diese aufzumischen und zu prägen - ein halbes Jahrhundert lang." Christopher Schmidt hat weitere Stimmen gesammelt.


Weitere Artikel: Jonathan Fischer schreibt über die Gründung einer Lobby-Organisation mit dem Namen "Schwarze Filmschaffende in Deutschland" und berichtet über die Schwierigkeiten, die Schwarze in der Branche haben. Spürbar empört ist Gerhard Matzig über das bayerische FDP-Wirtschaftsministerium, das die fortgesetzte "Förderung von Flächenfraß und Bodenversiegelung" zum Programm macht. Reinhard J. Brembeck porträtiert Kent Nagano, seit drei Jahren Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper. Im Interview spricht Kinderbuchautor Helme Heine unter anderem über die Verfilmung seiner "Mullewapps".

Besprochen werden die Pierre-et-Gilles-Ausstellung in Berlin, ein Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie unter Paavo Järvi in Salzburg und Bücher, darunter ein Band mit dreißig Gesprächen, die der heutige Spex-Chefredakteur Max Dax geführt hat. (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2009

Mit großen Worten verabschiedet sich Gerhard Stadelmaier von Peter Zadek: "Zadek nahm Shakespeare wie Ayckbourn - und Ayckbourn wie Shakespeare." Unter den gesammelten Stimmen zu Zadeks Tod auch die emphatische der Eva Mattes: "Peter Zadek war der wichtigste Mann in meinem Theaterleben. Er war so präzise, klug, scharf, witzig, warm, zärtlich, wie er brutal, verachtend, arrogant, grob sein konnte, er war vernünftig und verrückt zugleich, und er war immer ein Verliebter in Menschen, in ihre Extreme, in ihre Gefühle und ihr Verhalten."


Auf der Google-Books-Pressekonferenz in München ist Oliver Jungen endlich des großen Welteroberungsplans des Konzerns ansichtig geworden: "Google strebt an, über den Schleichweg 'Online-Zugang' zum weltgrößten Buchhändler zu werden, zugespitzt formuliert: in naher E-Book-Zukunft den gesamten Handel und in etwas fernerer Zukunft wohl auch die Verlage zu ersetzen." (Hier der Perlentaucher zur selben Veranstaltung.)

Weitere Artikel: In einem seiner juristischen Gutachten geht Patrick Bahners der Frage nach, ob die Nicht-Zulassung der Titanic-Partei Die Partei zur Bundestagswahl in Ordnung war oder nicht. In der Glosse sieht "hd" dem ab 2012 in Ämter und Würden tretenden neuen Salzburger Allmächtigen Alexander Pereira mit Skepsis entgegen. Worum es im Streit um die zukünftige Nutzung des Japanischen Palais in Dresden geht, erklärt Andreas Platthaus. Jürgen Kaube schreibt einen kurzen Nachruf auf den Lyriker und Literaturwissenschaftler Peter Horst Neumann.

Besprochen werden ein Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie unter Paavo Järvi in Salzburg, die Ausstellung der "Sammlung Hoffmann" im Dresdener Lipsiusbau, Sebastian Schippers "Wahlverwandtschaften"-Variation "Mitte Ende August" und Bücher, darunter Penelope Livelys Roman "Wechselspiele" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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