Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Suchmaschine nach menschlichem Fleisch

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

30.07.2009. Statt einer freien Öffentlichkeit haben die Chinesen Renrou Sousuo, berichtet die Welt. Die vergriffenen Bücher werden in der deutschen Google Buchsuche gar nicht zu sehen sein, hat Ilja Braun für den Perlentaucher herausgefunden. Der Tagesspiegel ist noch ganz Tarantino-trunken: Endlich schlachtet einer die Nazis einfach mal ab. Verstimmt äußert sich der Theaterregisseur Nicolas Stemann in der SZ über Daniel Kehlmanns Theaterregisseurskritik. Carl Hegemann deutet sie im Freitag psychologisch, bei Maxi Obexer führt sie in der taz zu plötzlichem Verständnis für Zertrümmerer wie Castorf.

Die Welt, 30.07.2009

Mal trifft es korrupte Beamte, mal aber auch Verteidiger eines freien Tibet. "Renrou Sousuo" heißt auf Deutsch "Suchmaschine nach menschlichem Fleisch". Damit wird in China eine Praxis kollektiver Brandmarkung per Internet bezeichnet, berichtet Johnny Erling: "Der Begriff 'Renrou Sousuo' wäre in anderen Staaten längst als Unwort des Jahres gegeißelt worden. In China fühlen sich Millionen dagegen stolz als selbsternannte Detektive. Sie poolen ihre Informationen im Netz zum Fahndungsprofil des Gesuchten mit Namen, Adresse, Arbeitstelle und Privatleben zusammen, bevor sie ihn öffentlich in ihren Blogs und Foren enthüllen. Die britische Times sprach vom potenziell 'größten Lynchmob der Welt'."


Weitere Artikel: Sven Felix Kellerhoff stellt neue, vom Historiker Tim Geiger veröffentlichte Erkenntnisse zum Preis für die Geiselbefreigung von Mogadischu vor - der damalige Diktator Siad Barre wurde in Waffen und Geld für Waffen ausgezahlt. Gerhard Midding gratuliert dem Regisseur Peter Bogdanovich zum Siebzigsten. Manuel Brug freut sich über die Wiederentdeckung von Karol Szymanowskis "großartiger" Oper "König Roger", jüngst auch in Bregenz.

Besprochen werden eine Ausstellung über den "Struwwelpeter"-Erfinder Heinrich Hoffmann in Frankfurt eine Retrospektive des Künstlers Thomas Schütte in München und Filme, darunter Sebastian Schippers Goethe-Variation "Mitte Ende August" (mehr hier) und die französische Sommerkomödie "Erzähl mir was vom Regen" (mehr hier) von Agnes Jaoui.

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Perlentaucher, 30.07.2009

Google Deutschland hat gestern einige Journalisten zur Klarstellung nach München geladen. Die ganze Aufregung um das Google Book Settlement, die vor allem vom "Heidelberger Appell" ausging, beruht demnach "größtenteils auf Missverständnissen", berichtet Ilja Braun für den Perlentaucher. "Viele deutsche Autoren hätten nicht verstanden, dass das Book Settlement auf die in Deutschland seit 2004 verfügbare Google Buchsuche keinerlei Auswirkungen habe. Die vom Settlement betroffenen Bücher würden ausschließlich in den USA angezeigt." Und deutsche Leser gucken in die Röhre.

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Der Tagesspiegel, 30.07.2009

Jubel und Szenenapplaus hat es vorgestern Abend bei der Berliner Premiere von Quentin Tarantinos "Inglorious Basterds" gegeben, berichtet Jan Schulz-Ojala selbst noch ganz trunken: Da finde "eine Katharsis statt, eine Befreiung für länger. Statt die Gewalt des historisch Bösen zu perpetuieren und nebenbei auch noch einmal von ihr zu profitieren, schlachtet hier ein Film nach bewegendem, auch mal grausigkomischem, immer hoch spannendem Anlauf von Hitler bis Bormann endlich und buchstäblich jene Nazis ab, die es zuallererst verdient haben. Was für ein nachgetragener Sauerstoffschub: nur durch Bilder."

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Der Freitag, 30.07.2009

Der Dramaturg Carl Hegemann hat Daniel Kehlmanns Salzburger Rede gelesen und versucht eine psychologische Ferndiagnose. Kehlmann ging es nicht um das Regietheater, sondern um seinen Vater, den Theaterregisseur. "Seine Erinnerungen an seinen Vater bringen ihn auf einen seltsamen Gedanken. Vor allem habe sein Vater ihm eingeschärft, erinnert sich der Sohn, der Regisseur solle dem Werk des Autors dienen. Und das löst bei dem Sohn eine interessante, verkappte Wende aus. Er wird selbst Autor und so gelingt es ihm, sich den Vater zumindest virtuell zu seinem Knecht zu stilisieren, der Vater unterwirft sich dem Sohn, wie sich der Regisseur dem Autor unterwirft."


Tom Kummer hockt in Los Angeles auf dem Boden vor einer Martini-Bar und beobachtet auf seinem iPhone, wie Kollegen und Bekannte aus seinem früheren Reporterleben - Nils Minkmar, Ariadne von Schirach, Anne Philippi, Georg Diez, Johanna Adorjan, Moritz von Uslar, Matthias Matussek oder Eckhart Nickel, kurz: Menschen, von denen er glaubt, sie wären "vielleicht schon immer lieber Künstler geworden" - diesen, ähm, Drang jetzt auf Facebook ausleben. "Früher konnte mich keiner hindern, den schmalen Grad zwischen Schein und Sein, Maske und Gesicht, Leben und Kunst zu begehen, die subjektivistischen Exzesse, das Geklaute und Erfundene direkt in meinen journalistischen Texten unterzubringen. Ich glaube, das ist heute offiziell verboten. Das Spiel wird nun auf FB gespielt."

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Die Tageszeitung, 30.07.2009

Daniel Kehlmanns Rede in Salzburg diente in erster Linie der Heiligsprechung der Theatervorstellungen seines Vaters, meint auch die Dramaturgin Maxi Obexer. "Der Regisseur, der sich als 'Diener des Autors sah. Jawohl einen Diener.' Nie, zu keiner Zeit, war je der Regisseur ein Diener seines Autors. Es wäre im Übrigen das Letzte, was sich ein Theaterautor je wünschen wollte. Alles Herrliche eines absolutistischen Theaterzeitalters, das Selbstherrliche und Verherrlichende eingeschlossen, lebt hier wieder auf. Und plötzlich versteht man wieder dessen Zertrümmerer wie Castorf oder Schlingensief."


Kirsten Riesselmann ist in Bayreuth und macht sich gerade auf den Weg, die "Walküre" zu hören. "Auf dem Hinweg zum Festspielhaus esse ich, um mich mit Kraft und Differenz vollzutanken, einen Dürüm Döner und tropfe mir auch gleich noch Knoblauchsauce auf die Nadelstreifenhose."  

Weiteres: Die Regisseurin Agnes Jaoui spricht im Interview über ihren neuen Film "Erzähl mir was vom Regen" und das Frauenbild in ihren Filmen. Daneben gibt es eine Besprechung des Films von Anke Leweke. Auf den vorderen Seite versucht eine Bloggerin aus Teheran, das iranische Puzzle zusammenzufügen.

Besprochen werden weiter Julian Coles filmisches Künstlerporträt "With Gilbert & George", Sebastian Schippers "Mitte Ende August", eine filmische Adaption der "Wahlverwandschaften", Sebastian Nüblings "Judith"-Inszenierung in Salzburg (kein Swing, meint Jürgen Berger).

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2009

Marc Zitzmann kämpft sich mit und durch die Touristentrupps von Versailles und beklagt die "Vermassung" und "Disneyfizierung". Joachim Güntner bemerkt einigermaßen entsetzt, dass Kinder inzwischen mit vier eingeschult werden und die Null- bis Vierzehnjährigen als "Innovationspotenzial" angesehen werden.


Besprochen werden Eva Illouz' Studie "Die Errettung der modernen Seele", und auf der Filmseite preist Susanne Ostwald Michael Manns (in Deutschland erst nächste Woche anlaufenden) "Public Enemies" als "epochemachender Gangsterfilm", der das Zeug dazu habe, "filmhistorisch in die Fussstapfen von Arthur Penns 'Bonnie and Clyde' (1967) zu treten".

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Frankfurter Rundschau, 30.07.2009

Heike Kühn schwärmt von Agnes Jaouis Komödie "Erzähl mir was vom Regen": "Geistreich wie Alain Resnais, komischer als Woody Allen, hat Agnes Jaoui ein Faible für komplizierte Plansequenzen, die in der Auslotung des Raumes und der Tiefe der Gefühle an Max Ophüls erinnern."


Weiteres: Noch besser als "Love Story" findet Daniel Kothenschulte Zabou Breitmans Melodram "Ich habe sie geliebt". So "bedeutungsvoll-bedeutungslos" wie einen David-Lynch-Film fand Peter Michalzik das Stück "Welcome to Nowhere" beim Young Directors Project der Salzburger Festspiele: "Man flüstert schwergewichtige Sätz von 'Ich bin ich und nicht du' oder 'Jeder hat seinen Dämon'. Das ist sehr wüstenstaubig." Gabriele Renz berichtet von der Stuttgarter Auseinandersetzung um den Abriss der ehemaligen Gestapo-Zentrale. In Times mager gibt Christian Schlüter die Sex-Tipps der Linzer Diözese weiter ("Geht denn das: Weicher Sex mit hartem Schwanz?").

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Bewegte Welt - erzählte Zeit" mit Fotografien aus den postsowjetischen Ländern und Anne Fletchers Komödie "Selbst ist die Braut".

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2009

Richard Kämmerlings denkt mit kulturkritischem Unterton über unsere konsumorientierte Flatrate-Welt nach, in der ständige "Verfügbarkeit" zum Fetisch geworden ist. Der Soziologe Michael Zöller erklärt, warum niemand - und am allerwenigsten der Staat - wirtschaftlich vernünftiger handeln kann als die "anonymen Marktkräfte". In der Glosse rechnet Edo Reents noch mal die Dienstwagenangelegenheiten der Ulla Schmidt nach. Thomas David hat schon Thomas Pynchons selbst in den USA noch nicht erschienenen Roman "Inherent Vice" gelesen. Vom Lincoln Center Festival in New York - unter anderem mit einem Auftritt von Ariane Mnouchkines "Theatre du soleil" - berichtet Jordan Mejias. Nachrufe gibt es auf den Jazztheoretiker George Russell und den Künstler Rudolf Schoofs. Auf der Kinoseite bringt Rüdiger Suchsland die Leserschaft auf den neuesten Stand in Sachen südkoreanischer Film. Auf der Medienseite beschreibt Joseph Croitoru die bedenklichen Tendenzen auf der neuen arabischsprachigen Website des Predigers Yussuf al Qaradawi, dessen fundamentalistische Tendenzen dort nur notdürftig bemäntelt werden.


Besprochen werden die Wiederaufnahmen von "Rheingold" und "Walküre" in Bayreuth, Agnes Jaouis Film "Erzähl mir was vom Regen", die Ausstellung "Wir sind Maske" im Museum für Völkerkunde Wien und Bücher, darunter eine neue Übersetzung von Qian Zhongshus Romanklassiker "Die umzingelte Festung" und Gabriele Beßlers Geschichte der "Wunderkammern" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Aus den Blogs, 30.07.2009

In einem aufsehenerregene Artikel hat Herta Müller neben den Aktivitäten des fortbestehenden rumänischen Geheimdienstes auch die Verwicklung der Banater Landsmannschaft in Deutschland gegeißelt. Ihr Mann, Richard Wagner, trägt in der Achse des Guten Weiteres bei: "Nicht wenige meiner Landsleute fuhren seinerzeit schon bald nach ihrer Ausreise als Besucher zurück ins Banat. Dabei hätten sie doch endlich ungestört nach Italien reisen können. Heimatliebe? Nicht bei allen, wie sich jetzt, nach der Aktenlektüre herausstellt. Manche fuhren ins Banat, um sich mit ihren ehemaligen Führungsoffizieren zu treffen..."

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Süddeutsche Zeitung, 30.07.2009

Der Theaterregisseur Nicolas Stemann kann das Gejammer übers Regietheater nicht mehr hören. Nicht weil er das "Regietheater" verteidigen will, sondern weil der Begriff ihm komplett leer erscheint: "Ganz egal, ob man ein diffuses Unbehagen an der Gegenwart spürt, sich nach der Wärme einer idealisierten Vergangenheit zurücksehnt, Angst vorm Sterben hat oder Angst vorm Leben, noch nie im Theater war und keine Lust hat, sich dafür zu schämen oder in letzter Zeit ein schlechtes Theaterstück gesehen hat und sich darüber ärgert - oder ob man, wie Kehlmann, verletzt ist, weil der Vater sich als weniger allmächtig herausgestellt hat, als man das noch mit vier Jahren dachte: Jeder kann seinen Zorn auf die Schimäre 'Regietheater' lenken, wenn einer auf einem Podium erzählt, dass es sich dabei um eine Institution handelt, in der auf Kosten des Steuerzahlers und zum Befremden des Auslands nackte Menschen irgendwie rumschreien, sich mit Dingen beschmieren und ehrwürdige Autoren zerhacken. Auch ich!"


Weitere Artikel: Thomas Steinfeld sieht, wenn es um Rechtschreibung geht, viel zu viele Ordnungsrufe - und empfiehlt stattdessen Pragmatismus und Sprachbewusstsein. David Steinitz meldet, dass Google in der Angelegenheit des Buch-Scannens auf Gelassenheit setzt, sieht aber nach wie vor viele Probleme. Warum vierzig Prozent der Portugiesen neuerdings gern Spanier wären, kann Sebastian Schoepp erklären. Doris Kuhn lässt, bevor nächste Woche Michael Manns Gangsterfilm "Public Enemies" startet, die reale und die Kinogeschichte des John Dillinger Revue passieren. Tobias Kniebe gratuliert dem Regisseur Peter Bodanovich zum Siebzigsten.

Besprochen werden die Performance "Welcome to Nowhere" der Gruppe Temporary Distortion in Salzburg, die Ausstellung "Looking at Music: Side 2" im Museum of Modern Art in New York, die Wiederaufnahmen von Tankred Dorsts "Ring"-"Rheingold"- und "Walküre"-Inszenierungen in Bayreuth, Agnes Jaouis neuer Film "Erzähl mir was vom Regen" und die Sandra-Bullock-Komödie "Selbst ist die Braut", die Ausstellung "Erleuchtung der Welt" im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig und Bücher, darunter Wolfgang Ullrichs Essay "Raffinierte Kunst" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 30.07.2009

Der Literaturwissenschaftler Claude Haas beschreibt, warum die Kanzlerin trotz ihres eigenen parodistischen Talents mit den Mitteln des Kabaretts "nicht dingfest" zu machen ist. Sie verkörpert ihre Macht nicht: "Angela Merkel tritt weder als Heroine noch als Souveränin in Erscheinung, sie vollzieht den Untergang ihrer Rivalen vielmehr als bürokratischen und administrativen Akt. Sie bindet die Ausübung von Macht an eine Strategie der konsequenten Vermeidung von Glanz. Aus diesem Grund ist die Liste ihrer politischen Opfer auch so lang. Die meisten von ihnen verstehen bis heute nicht, wie ihnen geschah."


Ulrich Greiner besucht den polyglotten Autor Alberto Manguel in seiner 30.000 Bände umfassenden Bibliothek in Südfrankreich und kann eine frohe Botschaft verkünden: "In Alberto Manguel haben wir (Leser) nicht nur einen Fürsprecher gefunden, sondern den König der Leser, der uns sagt: Mein Reich ist von dieser Welt. Denn die Welt ist die Welt der Bücher, sie ist unendlich und unvergänglich. Er sagt uns auch: Fürchtet Euch nicht vor dem Internet. Das ist ein nützliches Medium, mehr nicht."

Weiteres: Peter Kümmel möchte Daniel Kehlmann vor allem in puncto neubürgerlicher Reihenhauskonvention korrigieren: Keiner geht heute noch ins Theater, um sich avantgardistisch zu fühlen: "So wie übers miese Wetter am liebsten jene sprechen, die ihm kaum ausgesetzt sind, so sprechen übers miese Theater am liebsten jene, die 'nicht mehr' hingehen." Adam Soboczinski rückt Ulla Schmidts Dienstwagenaffäre ins rechte Licht: Frankreichs Präsident verfügt regulär über 61 Dienstwagen! Thomas Groß erinnert an Woodstock, die "größte Party der Welt" und der Geschichte. Evelyn Finger schreibt den Nachruf auf Merce Cunningham. Vom niederländisch-amerikanischen Schriftsteller Arnon Grunberg ist eine Geschichte zu lesen, bei der unklar bleibt, ob es sich um eine Reportage, Fiction oder Faction handelt: Er reist mit einer amerikanischen Heiratsagentur zur Brautschau in die Ukraine. (Das Ergebnis ist vorhersehbar) Besprochen werden der koreanische Western "The Good, the Bad, the Weird" und eine Ausstellung mit Rembrandt-Reproduktionen in Amsterdam.

Im Literaturteil bespricht Thomas Assheuer Slavoj Zizeks politische Theorie der Wahrheit, "Auf verlorenem Posten". Im Dossier schreibt Carolin Emcke über das Israel Philharmonic Orchestra. Auf den Meinungsseiten plädiert Ferdos Forudastan dafür, nicht alle Migranten über einen Kamm zu scheren, sondern auch Kategorien wie gesellschaftliche Teilhabe zu beachten.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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