Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Ich kotzte, ohne den Kopf zu heben

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

23.07.2009. In der Zeit erzählt Herta Müller, wie sie von der Securitate terrorisiert wurde. In der SZ beklagt sich Steven Soderbergh über die Mittelmäßigkeit von Financiers. Die taz erzählt, warum Jesse Jackson Barack Obama vor laufender Kamera die Eier abschneiden wollte. Das Wall Street Journal zeigt Bilder unerhörter Leidenschaft im südkoreanischen Parlament. Crain's stellt einen neuen Buchverlag ausschließlich für eBooks vor. Unklar bleibt, warum Christian Thielemanns Vertrag in München nicht verlängert wird.

Die Zeit, 23.07.2009

Ein echter Paukenschlag! Schriftstellerin Herta Müller erzählt auf zwei dichtgefüllten durch Mark und Bein gehenden Seiten von dem Terror, mit dem ihr Rumäniens Securitate während der achtziger Jahre zugesetzt hat. Heute sind ihre Akten, für die der Securitate-Nachfolger SRI zuständig ist, gesäubert. Für eine Öffnung der Archive haben sich die rumänischen Intellektuellen so wenig interessiert wie für die heutigen Machenschaften des Geheimdienst, beklagt Müller. Ein Verhör schildert sie so: "Mit acht arabischen Studenten sollte ich Sex gehabt haben und mich mit Strumpfhosen und Kosmetika bezahlen lassen haben. Ich kannte keinen einzigen arabische Studenten. Aber der Verhörer meinte, als ich das sagte: 'Wenn wir wollen, finden wir auch 20 Araber als Zeugen. Wirst sehen, es wird ein exzellenter Prozess.' Ständig warf er meinen Ausweis zu Boden, ich musste mich bücken und ihn aufheben. An die 30 bis 40 Mal. Wenn ich langsamer wurde, trat er mir ins Kreuz. Hinter der Tür schrie eine Frauenstimme. Folter oder Vergewaltigung, hoffentlich nur ein Tonband, dachte ich. Dann musste ich acht hart gekochte Eier und grüne Zwiebel mit Salz essen. Ich würgte das Zeug hinunter. Dann öffnete der Knochige die Blechtür, warf meinen Ausweis hinaus und trat mir in den Hintern. Ich fiel mit dem Gesicht ins Gras neben ein Gestrüpp. Ich kotzte, ohne den Kopf zu heben."


Im Aufmacher singt der Schriftsteller Colum McCann eine Hymne auf den Film "Hunger" des Künstlers Steve McQueen über den Tod von zehn IRA-Häftlingen nach einem Hungerstreik. "Es ist eine Tatsache: Wir sind Glühwürmchen. Aber hin und wieder gibt es einen Film, der das Gras und selbst den Raum zwischen den Halmen aufleuchten lässt. Eines der Dinge, die Steve McQueens wichtigen Film 'Hunger' so verstörend schön machen, ist die Tatsache, dass er uns innehalten lässt, dass er - und sei es auch nur für einen Aufgenblick - unsere Vorstellung unterläuft von dem, was ein Film ist und was er sein soll."

Weitere Artikel: Evelyn Finger erzählt, wie Mario Röllig beim Dreh eines Films über seine unangehmen Erlebnisse mit der Stasi plötzlich statt einer Requisite seine eigene echte Akte in den Händen hielt. Thomas E. Schmidt stellt das Kunst-Projekt "Mauerreise" vor, das zuerst an Koreas Grenze, dann in anderen geteilten Ländern zu sehen sein wird. Claus Spahn fragt sich, ob sachte Neuerungen schon alles sind, was Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier Bayreuth bescheren. Thomas Assheuer schreibt den Nachruf auf Leszek Kolakowski. Ijoma Mangold betrachtet das Drama um Porsche. Dirk Peitz porträtiert in der Reihe "Mitarbeiter der Woche" den Schauspieler und Trompeter Lars Rudolph.

Besprochen werden auf den Literaturseiten unter anderem Inge Jens' "Unvollständige Erinnerungen" und Florian Werners Kulturgeschichte der Kuh.

Im Politikteil beschreibt der italienische Autor Roberto Saviano den Mafia-Kodex für Frauen: Zum Beispiel dürfen sie sich nicht mehr schminken, wenn der Mann im Knast sitzt: "Oft allerdings sind es gerade die bis zur Unsichtbarkeit ungepflegten Frauen der inhaftierten Bosse, die stellvertretend das Sagen haben."

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Süddeutsche Zeitung, 23.07.2009

Resigniert gibt sich im Interview der Filmregisseur Steven Soderbergh, der den siebziger Jahren in Hollywood nachträumt: "Es gab einfach nur diese kurze Phase der Offenheit, als die Geldgeber es plötzlich aufregend fanden, Risiken einzugehen. Das gibt es nicht mehr. Einzelne Finanziers wagen noch etwas - aber die großen Filmfirmen? Vergessen Sie's. Ich weiß schon, mein Job als Filmemacher ist es, stark zu bleiben und meiner Vision zu folgen - aber es gibt heute so verdammt viele Stimmen, die mitreden wollen, die sich einmischen, die nichts anderes tun, als dich Tag für Tag immer weiter in Richtung Mittelmäßigkeit und Kompromiss zu drängen. Es wird immer schwerer, dagegen Widerstand zu leisten." Der zweite Teil von Soderberghs "Che"-Epos wird außerdem besprochen.


Christian Thielemanns Vertrag mit den Münchner Philharmonikern wird nicht verlängert, berichtet Reinhard J. Brembeck und zitiert die Begründung des Münchner Kulturreferats: "Christian Thielemann hat den ihm angebotenen Vertragsentwurf nicht akzeptiert, der den Münchner Philharmonikern mehr Handlungsspielraum ermöglicht in Bezug auf Gastspiele, Solisten und Programme, die nicht die des GMD betreffen." Thielemann selbst "war zu keiner Stellungsnahme bereit. Im Interview mit dieser Zeitung brachte er aber am 22. Juli seine zentrale Forderung auf den Punkt. Er möchte, wie bisher, die alleinige Entscheidungsgewalt über Programmatik, Gastdirigenten, Solisten."

Gestern hat die SZ das noch anders gesehen. Da schrieb sie im Vorspann zu ihrem Interview mit Thielemann: Der Vertrag sehe vor, "die Planung aller nicht von Thielemann dirigierten Konzerte allein in die Hand des Intendanten der Philharmoniker, Paul Müller, zu legen". Thielemann hat das im Interview bestätigt: "Doch wenn in dem neuen Vertrag gesagt wird, alle Konzerte, die ich nicht selber dirigiere, sollten vom Intendanten verantwortet werden, dann können Sie ausrechnen, wozu das führt: 25 bis 30 Konzerte mache ich in München plus 15 auf Tournee, in München sind aber weitere 60 Konzerte zu bewältigen. Da haben Sie ein Missverhältnis. Und eigentlich zwei künstlerische Direktoren". Offenbar wollte nicht Thielemann alleiniges Entscheidungsrecht will, sondern Müller.

Weitere Artikel: Mit Grundsatzerwägungen zum Feudalismus in der deutschen Kulturpolitik kommentiert Christopher Schmidt Thielemanns Abgang, den er bedauert. Die Krisenlage im Staat Kalifornien schildert im Blick auf dessen Mythos Alex Rühle. Thomas Kirchner erklärt die liberale Schweizer Sterbehilfe-Regelungen aus dem speziellen Pragmatismus des Landes und kritisiert all jene, die diesen mit ihren scharfen Verurteilungen von außen ignorieren. Von neuen Ungewissheiten beim "Pirate Bay"-Verkauf berichtet Bernd Graff. Auf der Medienseite informiert Jörg Häntzschel über ein New Yorker Journalistentreffen, bei dem etwas ratlos in die Zukunft geblickt wurde.

Besprochen werden eine große "Joaquin Sorolla"-Ausstellung im Prado, die Online-Ausstellung "Der Kreuzgang von Monreale", der Film "Kleine Tricks" von Andrzej Jakimowski und die Komödie "Salami Aleikum" von Ali Samadi Ahadi und Bücher, darunter Ljudmila Ulitzkajas Roman "Daniel Stein" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Welt, 23.07.2009

Manuel Brug schreibt mit wenig Sympathie für Christian Thielemann über dessen Krach mit den Münchner Philharmonikern: "Somit zieht der nunmehr 50-jährige Stardirigent, dessen Starrköpfigkeit und Eigensinn längst zu Aushängeschildern geworden sind, weiter eine Spur der Verwüstung hinter sich her. In Düsseldorf und Nürnberg ist er ebenfalls von seinen Positionen im Unfrieden geschieden, am gegenwärtigen Zustand der Deutschen Oper in Berlin ist er als ihr ehemaliger Musikdirektor mehr als nur mitschuldig. Mit seinem ihm lange nützlichen Agenten hat er gebrochen. Und in München, wo er seit 2004 den nach wie vor international zweitklassigen Münchner Philharmonikern als Chef vorsteht, hat er sich nun mit dem nunmehr dritten Intendanten angelegt - und ist demokratisch unterlegen."


Aus Solidarität mit dem britischen Autisten Gary McKinnon hat David Gilmour noch einmal die Widerstandshymne "Chicago" aufgenommen, erzählt Jenni Roth: "In den USA ist der Brite McKinnon wegen des 'größten Hacker-Angriffs auf das US-Militär aller Zeiten' angeklagt. Seit Jahren tobt ein Rechtsstreit zwischen Großbritannien und den USA, wohin er ausgeliefert werden soll. Der Hintergrund: Der passionierte Ufologe leidet unter dem Asperger Syndrom, einer Form von Autismus. Als er vor sieben Jahren per Computer nach Existenzbeweisen für Ufos suchte, landete er im Sicherheitssystem des amerikanischen Militärs."

Weitere Artikel: Berthold Seewald berichtet von Pekings Plänen, die Altstadt der uigurischen Stadt Kashgar abzureißen, ihre Bewohner in Betonsilos zu verfrachten und nur ein Freilichtmuseum übrig zu lassen. Hendrik Werner begrüßt ein neues Wörterbuch zur Vermeidung typischer deutsch-englischer Missverständnisse. Gerd Lüdemann liest noch einmal sehr kritisch das Lukas-Evangelium.

Besprochen werden die "Götterdämmerung" zum Abschluss des "Ring"-Zyklus von La Fura dels Baus und auf der Kinoseite Ali Samadi Ahadis Komödie "Salami Aleikum", das Drama "Edge of Love" und der zweite Teil von Steven Soderberghs "Che"-Epos.

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Die Tageszeitung, 23.07.2009

Sebastian Moll kommentiert eine Rede von Barack Obama vor der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), der ältesten und mächtigsten Bürgerrechtsorganisation in den USA. Ausgerechnet dort hatte Obama die internalisierte Opferhaltung der Schwarzen kritisiert, die mittlerweile das Haupthindernis für ihr Fortkommen sei. "Diese Ansicht provoziert freilich die alte Garde der Bürgerrechtsbewegung. Männern aus der Martin-Luther-King-Generation wie Jesse Jackson fällt es schwer, die Verantwortung für die Situation der Schwarzen nicht mehr der weißen Mehrheit zuzuschieben und zu glauben, dass die Schranken mittlerweile vorwiegend im eigenen Kopf säßen. Deshalb rutschte Jackson auch vor laufenden Kameras heraus, dass er Obama 'die Eier abschneiden' wolle, nachdem dieser am Vatertag 2008 afroamerikanische Männer dazu ermahnt hatte, verantwortungsvollere Familienväter zu sein."


In tazzwei überlegt Meike Laaff, wie aus den eigenbrötlerischen Sonderlingen, die Blogger, Hacker und Internetuser ihrer Ansicht nach nun mal sind, eine politische Bewegung werden konnte.

Besprochen werden die erste Einzelausstellung des Malers Armin Boehm im Kunstverein Braunschweig, die Multikulti-Komödie "Salami Aleikum" von Ali Samadi Ahadi, die DVD der Dokumentation "Profit Motive and the Whispering Wind" von John Gianvito zur Geschichte des amerikanischen Volkes, die sich auf Howard Zinns gleichnamigen Klassiker einer Geschichtsschreibung von links und von unten beruft, und die Komödie "The Hangover" von Todd Phillipps.

Hier Tom.

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Spiegel Online, 23.07.2009

Von Burda bis Konken - Konrad Lischka schreibt in Spiegel online: "Wer bestimmte Entwicklungen im Internet fürchtet, sagt inzwischen lieber Google statt Netz."

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Aus den Blogs, 23.07.2009

(Via Gawker) Medienpolitik, so langweilig. Außer in Südkorea!! Dort hat das Parlament drei Gesetze gebilligt, die erstmals die Schaffung privater Medien erlauben, berichtet Evan Ramstad im Wall Street Journal. Das löste Szenen von unvorstellbarer Leidenschaft unter den ehrenwerten Mitgliedern aus. Könnten wir die bitte importieren?


Thomas Knüwer erklärt nach den jüngsten Äußerungen des DJV-Vorsitzenden Michael Konken, der Zeitungen durch Leistungsschutzrechte schützen will, seinen Austritt aus der Journalistengewerkschaft: "Die meisten der hart arbeitenden Kollegen in den Internet-Redaktionen verdienen weniger als Kollegen bei Print. Mehr noch: Es gibt noch immer keinen Tarifvertrag. Der DJV umgibt sich nicht einmal mit dem Anschein, einen solchen vehement zu fordern. Sollen sie doch endlich verschwinden, diese Internetler."

(via Netzpolitik) Skandalös! Aus dem Lawblog von Harvard erfahren wir, dass die von Google eingescannten Millionen verwaister Bücher offensichtlich nur für amerikanische Internetnutzer einsehbar sein werden: "it will be available to readers only in the United States." Und wir Europäer bleiben blöd zurück? Auf dem Blog äußert sich in einer einstündigen Audiodatei Alexander Macgillivray, der Copyrightexperte von Google.

(Via BoingBoing) Googles Copyright-Berater William Patry brät in einem liebevollen Nachruf auf Barbara Ringer, ehemalige Chefin der amerikanischen Copyright-Behörde, der Kulturindustrie eins über: "Sie hatte keine Angst, ihre Meinung zu sagen, vor allem, wenn es um die Belange der Autoren ging. Der wirklichen Autoren. Man hört ja dauernd Firmenmanager behaupten, sie kämpften für ihre Autoren, aber wir alle wissen, das ist Blödsinn: Die Autoren sind höchstens ein Kostenpunkt in der Bilanz, der so stark wie möglich reduziert werden muss. Wir hören auch Politiker ähnliche Loblieder auf Autoren singen. Aber wann ist das letzte Gesetz verabschiedet worden, dass Autoren auf Kosten ihrer Verwertungsfirmen profitieren lässt? Wann hat man das letzte Mal ein Regierungsmitglied so etwas vorschlagen hören?"

(Via BoingBoing) Die Verleger John Oakes und Colin Robinson gründen einen neuen Verlag - ausschließlich für e-books, berichtet Matthew Flamm in Crain's. "Das neue Unternehmen will die einzigartige Praxis der Buchindustrie umgehen, unverkaufte Bücher an den Verlag zurückzuschicken (Remittenden), die dann eingestampft werden. Der durchschnittliche Rücklauf beträgt zwischen 35 und 50 Prozent. Da sie nur elektronische Bücher und Print-on-demand verkaufen, wird OR keine Remittenden haben. Das Unternehmen wird seine Erträge auch nicht mit Großhändlern oder Buchläden teilen, die zusammen bis zu 60 Prozent des Verkaufspreises auffressen. Die Einsparungen sollen in Onlinemarketing einfließen, 50.000 bis 70.000 Dollar pro Titel - eine enorme Summe für sogenannte mid-list-Bücher. Print-on-demand-Paperbacks sollen für 15 Dollar das Stück verkauft werden, aber die beiden Partner müssen sich noch entscheiden, zu welchem Preis sie die e-Books verkaufen wollen. Zur Zeit schwankt der Preis zwischen 26 Dollar (so viel wie für das Hardcover) und 9,99 Dollar, die Amazon für die meisten seiner Kindle-Titel nimmt."

Welcher Preis ist der angemessene für eBücher? Jack Shafer findet in Slate die Preispolitik von Amazon für e-Books - im Schnitt 9,99 Dollar - absolut in Ordnung. Mehr zu verlangen, könnte fatal werden für die Verlage: "Es macht mich nicht zu einem Verteidiger des illegalen file-sharing, wenn ich sage, dass die Musikindustrie es vermasselt hat, als sie bis 2003 damit wartete, individuelle Musikstücke für den vernünftigen Preis von 99 Cent zu verkaufen. In der Zwischenzeit, als dieser Markt für [legale] elektronische Musikdateien fehlte [gemeint ist iTunes], erblühte der Markt für illegales file-sharing, verbreitete sich und half, vor allem bei jungen Konsumenten, die Auffassung zu verstärken, Musik 'müsse' frei sein." (Der Verleger John Galassi von Farrar, Straus and Giroux hat dagegen gerade im Magazin Poetry & Writer Autoren, Agenten und Verleger aufgefordert, die Preispolitik für eBücher nicht Händlern wie Amazon zu überlassen. Der Kunde wüsste nach dem Skandal um die zurückgesaugten eBücher bei Amazon allerdings erstmal gern, was genau er eigentlich erwirbt, wenn er ein eBook kauft?)

Michelle Obama hat eine neue Frisur. Gut, oder?

Yahoo hat eine neue Homepage. Langweilig, oder?

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Frankfurter Rundschau, 23.07.2009

Man hätte Felicia Langer, "bekannt als energische, kompromisslose Verteidigerin der Rechte der Palästinenser", nicht das Bundesverdienstkreuz geben müssen, meint Arno Widmann, aber wo sie es nun schon mal habe, sollte man ihre Argumente auch ernst nehmen. In Times Mager beschreibt Christian Thomas mit viel Gefühl die Buße, die Silvio Berlusconi für seine Affären leisten will.


Auf der Medienseite erklärt Ulrike Simon, warum keine Nachrichtenagentur über das einzige Deutschlandkonzert von Britney Spears berichten wird: Das "Künstler-Management" von Spears hat ihnen das Fotografieren verboten. Verständlich, wenn man den Spearsmoppel auf dem Bild betrachtet, das den Artikel garniert.

Besprochen werden ein Konzert von Sonny Rollins in Stuttgart ("Fantastischer Widerspruch: der greisenhafte Körper und der wohlartikulierte Klang, manchmal quietschend und roh, meist stark akzentuiert, in tieferen Lagen eindringlich und frei", schreibt ein beglückter Ulrich Rüdenauer), Todd Phillips' Filmkomödie  "Hangover", Andrzej Jakimowksis "perfekter" (so Daniel Kothenschulte) Kinderfilm  "Kleine Tricks", John Mayburys Film über Dylan Thomas  "Edge Of Love - Was von der Liebe bleibt" und Bücher, darunter Maeve Brennans Erzählband "Der Morgen nach dem großen Feuer" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2009

Lidija Klasic berichtet vom Sprachenstreit auf dem Balkan, der nicht linguistisch, sondern politisch geführt wird. Lilo Weber besichtigt den "Wolkenteich", den die Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa vor der Serpentine Gallery in London errichtet hat. "Leicht und luftig wie einen Schmetterling in der Mittagssonne" findet sie ihn: "Und bunt ist er auch." Angela Schader ärgert sich über den ägyptischen Schriftsteller Gamal al-Ghitani, der in einem Artikel über die Ermordung der Ägypterin Marwa Sherbini ohne erkennbaren Zusammenhang auch den Autor, Übersetzer und Chefredakteur der Kulturaustausch-Zeitschrift "Fikrun wa Fann", Stefan Weidner, als rassistisch und fanatisch verleumdet.


Besprochen werden William T. Vollmanns Reportage "Hobo Blues", Göran Sonnevis Gedichtband "Das brennende Haus" und Martin Provosts Film "Seraphine".

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2009

Mark Siemons berichtet, wie es bei der gestrigen Sonnenfinsternis in China zuging. Ingeborg Harms schreibt über Geschichte und mögliche Zukunft des Berliner Kleist-Grabmals. Die Querele um die Verhaftung des Henry Louis Gates jr. (hier der Polizeibericht) in seinem eigenen Haus schildert Tobias Rüther. Andreas Rossmann beschreibt die Lage in Köln, wo die Bergungsarbeiten beim eingestürzten historischen Archiv jetzt vorerst eingestellt wurden. Patrick Bahners hält es für nötig, in großer Ausführlichkeit vergleichend zu erläutern, warum der ehemalige Bundesverfassungsrichter Ernst Gottfried Mahrenholz mit seiner scharfen Kritik an absichtlichen Niederlagen bei Vertrauensabstimmungen (aktuell: Causa Carstensen) falsch liegt. Die der Bewahrung würdigen Industriedenkmäler im schwäbischen Tailfingen stellt Michael Hakenmüller vor. In der Glosse findet es Holger Noltze wohl eher in Ordnung, dass Christian Thielemann als Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker gehen muss. Uwe Walter schreibt zum Tod des Althistorikers Walter Eder.


Auf der Kinoseite erfahren wir von Rüdiger Suchsland, dass es in Spanien um die Akzeptanz des Autorenkinos auch nicht wirklich besser bestellt ist als anderswo und bei uns. Marco Schmidt erzählt, welche Probleme Deborah Young, Leiterin des Filmfestivals von Taormina, die sizilianische Politik und Gesellschaft bereiten. Auf der Medienseite empfiehlt Jochen Hieber den auf Arte gezeigten Sechsteiler "Milch und Honig" über die jüdische Einwanderung nach Palästina.

Besprochen werden das Konzert eines Jazz-Trios mit Keith Jarrett in Juan-les-Pins, die Aktfotografie-Ausstellung "Nude Visions" im Münchner Stadtmuseum und Bücher, darunter "Zwischen den Kriegen", der Briefwechsel von Werner Riegel, Peter Rühmkorf und Klaus Rainer Röhl mit Kurt Hiller (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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