Bücherschau der Woche
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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Ich könnte an ein Kreuz glauben
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.05.2009. FAZ und NZZ sind fassungslos über die Entscheidung, Navid Kermani vom Hessischen Kulturpreis auszuschließen. In der FR fragt Necla Kelek ihren Soziologenkollegen Claus Leggewie, wie ein emanzipatorischer Ansatz in der Frage des Moscheenbaus aussehen sollte. Die Welt bewundert die Brüste einer Venus von der Schwäbischen Alb.
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Die Welt, 14.05.2009
Auf der Schwäbischen Alb wurde die älteste Skulptur der Welt gefunden, eine Frauenfigur von sechs Zentimetern Höhe, aus Mammut-Elfenbein. Berthold Seewald unterhält sich mit dem Forscher Nicholas Conard: "Wie die meisten Frauenfiguren der Frühzeit hatte sie nie einen Kopf, und die Beine sind nicht detailliert ausgearbeitet. Dagegen sind ihre sexuellen Merkmale sehr stark: Die Brüste sind groß, die Vulva ist ausgeprägt. Es ist also eine Darstellung der Weiblichkeit an sich, nicht einer individuellen Person. Das ist immer so bei den frühen Frauendarstellungen: Selbst wenn sie einen Kopf haben, haben sie kein Gesicht."
Weitere Artikel: Uta Baier kommentiert anhaltende Streitigkeiten über das 1982 ins Leben gerufene Kasseler Baum-Projekt von Joseph Beuys. Hanns-Georg Rodek hat den Eröffnungsfilm von Cannes gesehen, den Pixar-Film "Oben", und er bewundert, mit welcher Diskretion die 3-D-Technik in den Erzählfluss eingepasst ist.
Besprochen werden eine Ausstellung über die Kunst im Jahre 1968 in Bielefeld und Filme, darunter Francois Ozons Fantasy-Variation "Ricky" und Michael Ballhaus' Berlin-Doku "In Berlin".
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Frankfurter Rundschau, 14.05.2009
Sehr kritisch setzt sich Necla Kelek mit einem Buch Claus Leggewies über "Moscheen in Deutschland" auseinander - sie wirft Leggewie vor, durch einen Multikulti-Ansatz ausgerechnet die arabische und türkische Einflussnahme auf Muslime in Deutschland zu unterstützen: "Würde Claus Leggewie seinem emanzipatorischen Anspruch folgen, müsste er sich gerade für die Teilhabe der schweigenden Mehrheit der nichtorganisierten Muslime stark machen, ihre Freiheitsrechte stärken, die rationale Auseinandersetzung mit dem Islam fördern, den politischen Diskurs suchen, anstatt den Männerhäusern der Konservativen das Wort zu reden."
Weitere Artikel: Stephan Hilpold verfolgte die Wiener Festwochen mit Christoph Marthalers "Riesenbutzbach" als Höhepunkt. Peter Michalzik freut sich, dass die Nebenspielstätte des Schauspiels Frankfurt in der Schmidtstraße erhalten bleibt. Christoph Schröder erläutert neueste Peripetien im Drama um das Frankfurter Literaturhaus.
Besprochen werden eine Aleksandra Mir-Ausstellung in der Frankfurter Schirn und Filme, darunter Igor Heitzmanns Film "Nach der Musik" über seinen Vater, den Dirigenten Otmar Suitner, und Francois Ozons "Ricky".
Auf der Medienseite stellt Daniel Bouhs die neue portugiesiesche Zeitung i (für "Informacao") vor, deren Konzept aufregend klingt: kleines Format, wenig Nachrichten, viel Reportage und Recherche, Aufhebung der Ressorts. Und Wolfgang Kunath berichtet über neuen Ärger zwischen dem venezolanischen Populisten Hugo Chavez und dem kritischen Fernsehkanal Globovision.
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Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2009
Der Hessische Kulturpreis, der den interreligiösen Dialog würdigt, sollte in diesem Jahr an den Katholiken Kardinal Lehmann, den Protestanten Peter Steinacker, den Juden Salomon Korn und den Muslim Navid Kermani verliehen werden. Doch nach Lektüre eines Artikels von Navid Kermani in der NZZ über Guido Renis Bild "Kreuzigung", haben Lehmann und Steinacker es abgelehnt, den Preis mit ihm in Empfang zu nehmen, berichtet Joachim Güntner. Kermani schrieb damals: "Für mich aber ist das Kreuz ein Symbol, das ich theologisch nicht akzeptieren kann, akzeptieren für mich, meine ich, für die Erziehung meiner Kinder. Andere mögen glauben, was immer sie wollen; ich weiß es ja nicht besser. Ich jedoch, wenn ich in der Kirche bete, was ich tue, gebe acht, niemals zum Kreuz zu beten. Und nun saß ich vor dem Altarbild Guido Renis in der Kirche San Lorenzo in Lucina und fand den Anblick so berückend, so voller Segen, dass ich am liebsten nicht mehr aufgestanden wäre. Erstmals dachte ich: Ich – nicht nur: man –, ich könnte an ein Kreuz glauben." So viel interreligiöse Toleranz müssen Lehmann und Steinacker erst mal aufbringen. Sollte man nicht ihnen den Preis aberkennen?
Weiteres: Hoo Nam Seelmann berichtet über die Anklage gegen den früheren südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun wegen Korruption. Besprochen werden die Ausstellung "Masken – Metamorphosen des Gesichts von Rodin bis Picasso" im Institut Mathildenhöhe in Darmstadt und T. C. Boyles Roman über den Architekten Frank Lloyd Wright, "Die Frauen" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Aus den Blogs, 14.05.2009
Im Anschluss an das viel kursierende Selbstbekenntnis des Spiegel-Kollegen Jan Fleischhauer, dass er konservativ geworden sei, fragt Hannes Stein auf Achgut, was das eigentlich ist: "In Amerika ist ein Konservativer jemand, der am liebsten mit einem Messer zwischen den Zähnen im Wald herumkrauchen möchte. Unbehelligt vom Staat, den er verachtet, ganz auf sich gestellt, und selbstverständlich ohne Einkommenssteuer. Der amerikanische Konservative ist im Grunde seines Herzens Anarchist... In Europa ist ein Konservativer jemand, der Putin gut findet."
Die neueste Zeitungspropaganda in eigener Sache geht auch Stefan Niggemeier mächtig auf die Nerven, der in seinem Blog auf den FAZ-Artikel von Miriam Meckel zu den großartigen Qualitäten unseres Qualitätsjournalismus antwortet: "Wenn der Zeitungsjournalismus so wäre, wie er in den vielen Zeitungsjournalismus-Verteidigungstexten beschrieben wird, dann müssten Zeitungen zum Beispiel in der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Zukunft des Urheberrechts der Ort für die gepflegte Debatte sein, allen begründeten Standpunkten ihren Raum geben, abwägen und differenzieren und die eigenen Interessen deutlich machen. Ich sehe stattdessen an vielen Stellen Zeitungen als Propagandainstrumente in eigener Sache, die einseitig und penetrant Stimmung machen und dabei grotesk übertreiben."
"Die deutsche Musikindustrie will nach französischem Vorbild ein Internetverbot für Urheberrechtsverletzer auch in der Bundesrepublik", meldet Heise.
Illegale Downloads im Literaturbereich nehmen stark zu, meldet Chris Poley in Internet Evolution.
(Via Immateriblog) Das Börsenblatt interviewt Justizministerin Zypries, die auf eine selten zitierte Zahl hinweist: "So hat die deutsche Musikwirtschaft im Jahr 2004 noch 614 Millionen illegale Downloads gezählt, im Jahr 2008 waren es noch 316 Millionen. Zu diesem Rückgang haben sicherlich auch die Entwicklung attraktiver Geschäftsmodelle und Aufklärungskampagnen beigetragen."
Peter Sennhauser berichtet für Netzwertig von einer Google-Pressekonferenz über einige unmittelbar bevorstehende Vebeesserungen der Google-Suche, die sowohl Websites als auch traditionellen Medien zu schaffen machen werden: "Die heißeste, und noch am tiefsten im Betastadium steckende Anwendung aber ist 'Google Squared'. Google weiß (was weiß Google denn schon nicht), dass ein Großteil der Suchen zur Aggregation von Daten dient: Nutzer durchsuchen das ganze Web nach Informationen, um eine Tabelle mit klassifizierbaren Informationen zu einem Thema zusammenzustellen. Warum also nicht gleich diese Tabelle ausgeben? Das tut squared. Marissa Meyer tippte 'Small Dogs' ein, und Squared lieferte in Sekunden eine Tabelle mit allen kleinen Hunderassen zurück, die es gibt: In der ersten Spalte der Name, in der zweiten ein Bild, in der dritten das Gewicht etc."
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Die Tageszeitung, 14.05.2009
Robert Miessner führt durch eine Ausstellung in London, deren Exponate sich um die nordenglische Kultband The Fall drehen. Frauke Schmickl stellt die Ausstellung @bsolut privat!? im Berliner Museum für Kommunikation vor, die die Geschichte des Tagebuchs vom Logbuch bis zum Weblog untersucht. Aus Cannes berichtet Christina Nord über den Eröffnungsfilm, die 3-D-Produktion "Up" von Pete Docter.
Besprochen werden die Liebeserklärung an die Hauptstadt „In Berlin“ von Michael Ballhaus und Ciro Cappellari, Boulie Lanners in Belgien spielendes Roadmovie "Eldorado", Irene von Albertis erster Langfilm "Tangerine" über die schwierigen Lebensumständen der Marokkanerinnen und "Ricky", der neue Film von Francois Ozon, in dem es um einen fliegenden Säugling geht.
Zu lesen ist in tazzwei außerdem ein Interview mit dem österreichischen Schauspieler Thomas Morris über sein "wahrscheinlich schönstes Dreherlebnis": seine Mitwirkung im Film "Illuminati" an der Seite von Tom Hanks.
Und Tom.
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Süddeutsche Zeitung, 14.05.2009
Als Untergang des Abendlands, wie wir es kennen, so etwa wollen, glaubt man Bernd Graff, die Netz-Piraten aus der Pirate Bay sich verstanden wissen. Jüngster Coup: Man bemüht sich um einen Auftritt bei der Kunstbiennale von Venedig: "Während die analoge Welt, die Welt der Richter und Kläger von den Piraten zur Welt des Ancien Regimes erklärt wird, folgen sie angeblich den reinen Ideen, dem ursprünglichen Geist des Netzes und der wahren Bestimmung von Gesellschaft. Das ist - und hier liegt der Grund für den unverhohlenen Hohn - ein politisiertes Bild von Technik, das zu erfassen vorerst nur dem Zirkel der Netizens gelingt. Wir erleben erstmals die Selbsterhebung einer Elite des Netzes." Andrian Kreye schildert zum selben Thema die Widersprüche, die das französische "Hadopi"-Gesetz per Internet-Sperrung für Mehrfachtäter zu verdrängen versucht.
Weitere Artikel: Susan Vahabzadeh freut sich, dass der Pixar-Cannes-Auftaktfilm "Up" trotz 3D auf alle "Effekthascherei" verzichtet. Jörg Häntzschel porträtiert Rocco Landesman, den neuen Chef der finanziell sehr karg ausgestatteten US-Kulturbehörde National Endowment for the Arts (NEA). Vasco Boenisch hat bei den Ruhrfestspielen bisher wenig Begeisterndes erlebt - es überzeugen ihn weder das Superstartheater des Sam Mendes noch eine eine eisgekühlte "Hedda Gabler" oder ein aufgewärmter Ingmar Bergman. Architektonisch Aufregendes hat dagegen Klaus Englert, nicht erst mit dem Neubau eines Kulturzentrums durch die Stars Herzog & Meuron, auf Teneriffa entdeckt. Lothar Müller skizziert das Dilemma, in dem der Papst nach seiner Rede von Yad Vashem steckt. Skeptisch sieht Kia Vahland die expertisengestützte Behauptung des Kimbell Art Museum (auf der Website auch eine Abbildung) in Fort Worth, man sei im Besitz des als verschollen geltenden frühesten Michelangelo-Gemäldes.
Fritz Göttler stellt den aus dem indischen Bundesstaat stammenden Filmemacher Adoor Gopalakrishnan vor, dem eine Retrospektive (pdf) im Münchner Filmmuseum gewidmet ist. Alexander Menden hat Prinz Charles' wider Erwarten nicht sehr skandalträchtigen Auftritt vor der britischen Architektenkammer erlebt. Gottfried Knapp meldet, dass die umstrittene und welterbestatusgefährdende Brücke im Rheintal nun doch gebaut werden soll. Tobias Lehmkuhl informiert darüber, dass Derek Walcott seine Bewerbung auf die Dichtungs-Professur in Oxford wegen lange zurückliegender und auch bekannter Vorwürfe "sexueller Belästigung" zurückgezogen hat. Holger Liebs gratuliert Deutschlands erstem Supermodel Veruschka (d.i. Vera Gräfin Lehndorff) zum Siebzigsten; hier ihre wunderbaren Selbstporträts.
Besprochen werden Carlos Reygadas' unter Mennoniten gedrehtes Liebesdrama "Stellet Licht", Francois Ozons neuer Film über das fliegende Baby "Ricky" und Bücher, darunter Olga Tolgarczuks Erzählungsband (Leseprobe) "Unrast" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2009
Nicht recht fassen kann Lorenz Jäger die "Posse", die sich um den diesjährigen Hessischen Kulturpreis abgespielt hat. Am Anfang stand die noble Idee, zwei Christen, einen Juden und einen Muslim auszuzeichnen. Erst wollte der Muslim (Fuat Sezgin) den Juden (Salomon Korn) wegen seiner Äußerungen zum Israel-Palästina-Konflikt nicht mehr - und verzichtete. Dann aber mochten die Christen (Kardinal Lehmann und Peter Steinacker) den Ersatz-Muslim (Navid Kermani) nicht, weil er was gegen das Kreuz geschrieben hat, das sie noch dazu nicht recht verstanden - und Kermani bekommt den Preis deshalb jetzt auch nicht. Jäger dazu: "Die Posse um den Hessischen Kulturpreis ist ein unschätzbares deutsches Sittenbild. Dialogangebote gleichen hierzulande der Einladung, es sich doch bitte in der Gummizelle nebenan gemütlich zu machen, es tue dort ganz bestimmt nicht weh."
Weitere Artikel: Julia Voss porträtiert Tony Cragg, den neuen Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie. In der Glosse berichtet Gina Thomas von einem uenrwartet samtpfotigen Vortrag von Prinz Charles vor den versammelten britischen Architekten. Florian Balke informiert darüber, dass der Streit um den Rückzug der Frankfurter Literaturhauschefin Maria Gazzetti nun zur Wahl eines neuen Vorstands des Literaturhausvereins geführt hat - Joachim Unseld, der Rainer Weiss folgt, wird sich, so Balke, für den Verbleib Gazzettis einsetzen. Einen "hübschen Auftakt", freut sich Verena Lueken, erlebte das Festival von Cannes mit der Pixar-3D-Produktion "Up".
Ulf von Rauchhaupt berichtet über einen Nature-Artikel, in dem der Fund der ältesten je entdeckten Menschenfigurine- sehr zweifellos eine Frau, 35 000 Jahre alt, Bilder bei welt.de - annonciert wird. Arnold Bartetzky schildert die Entstehung eines Musiccampus für die Leipziger Thomaner-Alumni. Karol Sauerland informiert über Streit um eine Diplomarbeit, in der behauptet wird, Lech Walesa habe seinen Geburtsort Popowo einst verlassen, weil er unehelicher Vater eines Kindes geworden sei. Richard Kämmerlings schreibt zum Tod des Lyrikers Günter Ullmann, "han" hat einen kurzen Nachruf auf den Theaterleiter Roger Planchon verfasst.
Die Kinoseite ist ganz der Geburtsstunde der Nouvelle Vague vor fünfzig Jahren gewidmet - in Cannes war damals Francois Truffauts "Sie küssten und sie schlugen ihn" zu sehen. Stefan Grissemann porträtiert Jean-Pierre Leaud, der kürzlich um ein Haar zu einer ihm gewidmeten Retrospektive nach Wien gekommen wäre. Tom Tykwer fragt sich, wie sehr die Nouvelle Vague das Kinomachen bis heute beeinflusst, auch in Deutschland ("unser Chabrol heißt eben heute Dominik Graf, unser Rivette heißt Christoph Hochhäusler, unsere Agnes Varda heißt Ina Weisse"). Der angesprochene Dominik Graf schreibt übers "Reden" und klagt über die Wiederkehr des "öden, öden, öden Kinos der gewichtigen Themen". Christian Petzold sieht die Nouvelle Vague unterm Aspekt des "Lesens".
Besprochen werden Tatjana Gürbacas "Carmen"-Inszenierung in Leipzig, Alice Buddebergs "Hedda Gabler"-Inszenierung bei den Ruhrfestspielen und Bücher, darunter Tanguy Viels Roman (Leseprobe) "Das absolut perfekte Verbrechen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Zeit, 14.05.2009
Im Aufmacher des jetzt wieder mit dem Literaturteil vereinten und im ersten Moment dick wirkenden Feuilletons wünscht sich Hanno Rauterberg einen deutschen Politiker, der gegen die Scheußlichkeiten moderner Architektur mal so ordentlich auf den Putz haut wie Prince Charles: "Man könnte glatt zum Monarchisten werden." Jens Jessen fragt in der Leitglosse nach Sinn und Zweck der Woche für das Ehrenamt bei der ARD. Volker Hagedorn schreibt ein schönes Porträt des Komponisten Klaus Huber, der den Siemens-Preis erhält ("Wenn nach den Schreien und Eruptionen, der blasenwerfenden Klanglava zu Beginn seines Werkes 'Die Seele muss vom Reittier steigen' drei Bratschen einen schimmernden Faden spinnen, dann besteht der aus Sechsteltönen, aus drei verschiedenen 'b' so dicht beieinander, dass es nicht dissonant klingt, sondern ungreifbar wie ein Licht.") Im Literaturteil liest Heinrich Wefing Neuerscheinungen zum sechzigsten Geburtstag des Grundgesetzes. Dokumentiert wird ein literarischer Fund, eine etwas pathetische Rede des 23-jährigen Thomas Bernhard über Arthur Rimbaud ("Er steht vor uns wie seine Dichtung: abscheulich, wahrhaft, schön und von Gott!")
Besprochen werden eine Ausstellung des belgischen Künstlers Michael Borremans in Hannover (Kestner Gesellschaft), die neue CD von Eminem (die Jonathan Fischer eher kalt lässt), Francois Ozons neuer Film "Ricky" und eine neue CD des Techno-Musikers Hell.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Darling flüstert die Amsel
23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen
Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes
22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen
In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb
21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen
Das nenne ich totalitär
18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Tagtäglich dem Leser zugemutet
17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen
Ist Gott jetzt zufrieden?
16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen
Samples der Oberflächenwelt
15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen
Filzhaltige Kunstzeichen
14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen
Es zeichnet sich der Morgenstern ab
13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen
Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht
11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen
Was öffentlich ist und was nicht
10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen
Hegemoniale Metaerzählung
08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen. Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen
So sehr haben die Chefs Angst
07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen
Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung
06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen
Die Empörung ist eine europäische Sünde
04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen








