Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Mein Humus ist weg

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

27.03.2009. In Amerika schrumpfen nicht nur die Zeitungen, sondern auch die Vielfalt ihrer Themen, berichtet die NZZ. Die taz sucht nach Geschäftsmodellen, die Google moralisch überlegen sind. Die FAZ wirft einen sorgenvollen Blick auf den kommenden G 20-Gipfel. Der Streit um Open Access geht weiter. Der Verkauf von Holtzbrinck an Holtzbrinck führt zu erfreuten Reaktionen in den Zeitungen.

Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2009

Die amerikanische Zeitungsbranche befindet sich nun schon im dritten Jahr in Folge im freien Fall, berichtet auf der Medienseite Stephan Russ-Mohl, der den Bericht zur Lage der Nachrichtenmedien vom Project for Excellence in Journalism ausgewertet hat: "Um 23 Prozent sind die Erträge aus dem Anzeigengeschäft in den letzten beiden Jahren eingebrochen, etwa ein Fünftel aller Journalisten, die 2001 noch in einer Redaktion gearbeitet haben, sind entlassen - und das schwierigste Jahr steht mit 2009 wohl noch bevor... Spannend an dem Bericht ist vor allem, wie sich der drastische Schrumpfprozess der Redaktionen auf die journalistische Qualität auswirkt. Die Forscher beobachten eine 'deutliche Verengung' der Berichterstattungsagenda. Paradoxerweise erhielten in einer sich fragmentierenden Medienkultur, in der sich die Zahl der Anbieter dank dem Internet vervielfältige, immer weniger Themen Medienaufmerksamkeit. So habe 2008 die Hälfte der verbreiteten Nachrichten nur zwei Themen gegolten, dem Präsidentschaftswahlkampf und der 'metastasierenden Wirtschaftskrise'."


Heribert Seifert ätzt gegen den "Tatort", der in den Würgegriff einer seichten Talkshow-Soziologie geraten sei: "Wenn das Adolf-Grimme-Institut, das solchen Gesinnungskitsch immer wieder auszeichnet, darin eine 'spannende Verhandlung zeitkritischer Stoffe' sieht, dann sagt das nichts über die Qualität der Krimis, wohl aber viel über das Elend einer trendigen Fernsehkritik."

Im Feuilleton findet im Interview mit Maryam Schumacher der Autor Aravind Adiga überhaupt nicht, dass das spirituelle Indien ein Bollwerk gegen die Konsumgesellschaft sein soll: "Ja, sie hat viel Unerfreuliches, aber andererseits ist die sogenannte Welt der Spiritualität - mit ihren Ashrams, Gurus und so weiter - auch nur eine andere Form des Konsumdenkens. Diese Dichotomie zwischen Konsumdenken und Spiritualität ist falsch. Es gibt Befreiung für ein Individuum wie Balram im neuen Indien: Er ist frei, selbständig zu leben, kann nach Wunsch heiraten und die Arbeit übernehmen, die er möchte. Wenn der Kapitalismus in 'The White Tiger' kritisiert wird, dann auch seine Alternativen: Sozialismus, staatliche Regulierung und Spiritualität."

Weiteres: Marc Zitzmann erinnert an den Pariser Stadtplaner und Architekten Baron Haussmann, der vor zweihundert Jahren geboren wurde. Christian Gasser stellt den Comic-Autor Blutch vor, den nächsten Artist in Residence am Luzerner Comix-Festival Fumetto. Besprochen werden Tilmann Lahmes pünktlich zum hundertsten Geburtstag auf den Markt gekommene Biografie Golo Manns und das Album "Wild Young Hearts" der Londoner Band Noisettes.

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Aus den Blogs, 27.03.2009

(Via Immateriblog) Das Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" antwortet auf den "Heidelberger Appell" (mehr hier) und hält fest, "dass Open Access dringend benötigte Alternativen zu der bislang dominierenden kommerziellen Publikationspraxis eröffnet, die in Bildung und Wissenschaft zu unerträglichen Verknappungssituationen bei der Informationsversorgung durch wissenschaftliche Bibliotheken geführt haben. Auch eröffnet Open Access neue attraktive Geschäftsmodelle für die Verlags- und Internetwirtschaft, die zugleich aber auch die Anforderungen der Wissenschaft auf freie Zugänglichkeit zu wissenschaftlichen Informationen erfüllen."


Ab heute geht als erste amerikanische Tageszeitung der Christian Science Monitor weitgehend ins Netz, berichtet Ole Reißmann auf Medienlese: "Die Abonnenten bekommen ein wöchentliches Magazin mit 44 Seiten. Ergänzt wird das Angebot um einen täglichen Newsletter, der via E-Mail verschickt wird und ausgedruckt auf drei Seiten passen soll."

Marcel Weiss beklagt in Netzwertig die schlechte Qualität der Internetberichterstattung in Printmedien: "Journalisten, die nichts vom Internet oder ihrer eigenen Situation darin (oder ökonomischen Grundlagen allgemein) verstehen, beeinflussen den öffentlichen Diskurs, auf dessen Grundlage Politiker mit genauso wenig Sachverstand und unter zusätzlicher Bearbeitung von Lobbyisten eine immer weltfremdere, von der eigenen Bevölkerung entfernte Gesetzgebung betreiben."

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Frankfurter Rundschau, 27.03.2009

Harry Nutt schreibt zum hundertsten Geburtstag von Golo Mann und erzählt vom ideologischen Gegenwind, der dem Historiker und Schriftsteller entgegenschlug, auch von links: "Wie schmerzhaft die Rückkehr der Emigranten verlief, geht auch aus einer Episode hervor, die sich um die Berufung Golo Manns an die Frankfurter Universität rankte. Sie wurde von niemand Geringerem hintertrieben als Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Sie fürchteten, wohl zu Recht, Golo Manns aufstrebende Deutungsmacht für ein liberales Deutschland und intervenierten bei der Hochschulleitung laut Zeitzeugen mit Verweis auf Manns Homosexualität und dessen psychische Erkrankungen. Später war gar von "heimlichen Antisemitismus" die Rede. Golo Mann versuchte sich zu wehren, indem er einen Artikel Adornos öffentlich zu machen drohte, in dem dieser sich im Zusammenhang mit musiksoziologischen Überlegungen unverhohlen nationalsozialistischen Überzeugungen angedient hatte."


Auf der Medienseite schreibt Darland Segler zur Übernahme Holtzbrinck durch Holtzbrinck. Eva C. Schweitzer berichtet, dass Abonnenten des Time Magazine sich demnächst ihre persönliche Wunschzeitung aus verschiedenen Publikationen des Time Inc. Verlags zusammenstellen können.

Besprochen werden die Oper "Le Grand Macabre" von György Ligeti in Brüssel, ein Konzert von Elina Garanca in der Alten Oper Frankfurt, Peter Eötvös Instrumentalstück "Chinese Opera" in der Oper Frankfurt, Konzerte von Grace Jones und AC/DC in Frankfurt (Jamal Tuschik erlebte Leadgitarrist Angus Young als eine "Mischung aus Dorian Gray als Saitenzwiebler und Zappelphilipp als Zappelphilipp"), Julia Schochs Roman "Mit der Geschwindigkeit des Sommers" und Enzo Traversos Buch "Im Bann der Gewalt. Der europäische Bürgerkrieg 1914 - 1945" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 27.03.2009

Auf der Meinungsseite kommentiert Andreas Fanizadeh den Heidelberger Aufruf "Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte", der sich gegen die Google Buchsuche und "Open Access" wendet. Prominente Autoren sowie Verlage haben unterschrieben, und Fanizadeh fiel daran auf: "Es findet sich kein einziger Hinweis auf eine eigene selbsttätige, unternehmerische Praxis, auf ein neues Regulationsmodell, das auf den technisch-wissenschaftlichen Fortschritt adäquat reagierte. Und das scheint wiederum typisch für die vermeintlichen Publikationseliten in Good-Old-Europe. Auf die globale technisch-kulturelle Revolutionen aus Übersee reagieren viele vor allem mit dem Ruf nach dem protektionistischen Staat. So überspielt man nebenbei, dass man sich hier zu einer eigenen global-digitalen und moralisch wie sozial überlegenen Geschäftsidee bislang nicht hat durchraufen können. Ganz offensichtlich liegt die Stärke von Google, Amazon, Sony, Youtube und Co in der Verschlafenheit der alteuropäischen Konkurrenz."


Im Kulturteil beobachtet Ronald Berg anlässlich des 90. Geburtstag des Bauhauses in Weimar emsiges Stadtmarketing mit Ausstellungen und Filmprogrammen, vergessen werde dabei allerdings, wie feindselig die Stadt seinerzeit auf Walter Gropius' Ideen reagierte.

Besprochen werden die CD "Final Songs # 1", eine Sammlung von Wunschmusik verschiedener Popkünstler für ihre Beerdigung, das Album "Heavy Ghost" von D. M. Stith und in tazzwei das neue Album der Pet Shop Boys.

Und Tom.

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Die Welt, 27.03.2009

Berthold Seewald macht in der Leitglosse auf einen tragischen Unterschied zwischen den Katastrophen der Anna-Amalia-Bibliothek und des Kölner Stadtarchivs aufmerksam: "In Weimar ging es um Bücher, von denen naturgemäß mehrere Exemplare gedruckt wurden, von denen sich einige irgendwo auf diesem Planeten bis heute erhalten haben. In Köln dagegen geht es um Unikate, die zum Teil nicht einmal bekannt sind. Denn Archivare ordnen Bestände aber nicht einzelne Blätter und Konvolute."


Manuel Brug schreibt über den in einem Eklat verkündeten Abgang Ingo Metzmachers beim Deutschen Sinfonieorchester im Jahr 2010. Die PK war fast schon vorbei, als die Bombe hochging: "Der ihm tags zuvor vorgelegte Plan einer dauerhaften Stellenreduzierung beim DSO sei 'vollkommen inakzeptabel'. Er sehe sich daher außerstande, seinen Vertrag über 2010 hinaus zu verlängern. Das Matthäus-Evangelium zitierend ('an ihren Taten soll ihr sie erkennen') verlies er postwendend den Raum. Worauf sich im großen, leeren Kinosaal Gernot Rehrl, der Chef der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH (ROC), der auch das DSO angehört, sowie Ernst Elitz, der scheidende Intendant des Deutschlandradios als deren Hauptgesellschafter, vor einer Journalistenschar gewunden um Erklärungen für den Eklat bemühten."

Weitere Artikel: Anna Klesse hat die Enkelin John Rabes getroffen, der 1937 Hunderttausenden Chinesen das Leben vor den Japanern rettete - die Verfilmung seines Lebens startet in der nächsten Woche. Peter Beddies unterhält sich mit Robert de Niro über seinen neuen Film "Inside Hollywood". Wolf Lepenies erinnert an die große Zeit der von Andre Gide ins Leben gerufenen Nouvelle Revue Francaise, die jetzt ihr hundertstes Jubiläum feiert.

Besprochen werden die Ausstellung "Der Mond" im Wallraf-Richartz-Museum, eine CD der norwegischen Band Röyksopp und "Frühlings Erwachen" als Broadway Musical in Wien.

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Jungle World, 27.03.2009

Sabine Küper-Büsch unterhält sich mit Mehmet Murat Somer, der Miss Marple des türkischen Schwulenkrimis, über Diskriminierung und Gewalt gegen Homosexuelle und Transvestiten in der Türkei: "In den neunziger Jahren war dieses Milieu ein Teil des sich entwickelnden Nachtlebens von Beyoglu. Jeder kannte die Ülker-Straße, sie liegt im Bezirk Cihangir des Stadtteils Beyoglu. Dort war der Transvestitenstrich, die Leute dort boten sich gegenseitig Schutz und eine Infrastruk­tur. Hassmorde, Prügeleien, Polizeiterror und der Strich auf den Autobahnen, der durchaus lästig und gefährlich für alle Beteiligten ist, expandierten, nachdem ein berüchtigter Polizei­chef von Beyoglu die Ülker-Straße Ende der neunziger Jahre räumen ließ. Er hatte den Spitz­namen 'Süleyman mit dem Schlauch', weil er Transvestiten nach Razzien im Keller der Polizeistation von Beyoglu mit einem harten Gummi­schlauch peitschen ließ. Dieser Terror war so extrem, dass die fortschrittlichen Intellektuellen begannen, ihn als Teil der Menschen­rechtsproblematik in der Türkei zu sehen."


Florian Eisheuer berichtet zudem von einer etwas fragwürdigen Initiative, die medizinische Güter in den Gaza-Streifen entsenden und die israelische Blockade durchbrechen will, um "der Strangulation und dem Aushungern der Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen" entgegenzuwirken. Zu den Unterstützern gehört auch Bundestagsvize Wolfgang Thierse.

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Der Tagesspiegel, 27.03.2009

Nachgereicht sei noch Wolfgang Benz' gestriger Kommentar zur Antirassismus-Konferenz in Genf, der ebenfalls dafür plädiert, die Teilnahme an diesem durchsichtigen Spektakel zu boykottieren: "Um die Entscheidung über den Boykott der Konferenz (die die USA und Kanada längst trafen) zu verzögern, haben die Diplomaten der EU Druck auf das Vorbereitungskomitee erzeugt. Das skandalöse Dokument wurde gekürzt, die Stigmatisierung Israels gestrichen. Als prozedurale Niederlage gilt auch, dass kein NGO-Forum am Rande der Konferenz veranstaltet werden soll. Aber hilft das wirklich weiter? Die fromme Absicht, den NGOs in Genf nicht den Raum zu geben, den sie in bei der ersten Konferenz in Durban hatten (und den etliche für primitive antisemitische Propaganda nutzten) wird nicht realisierbar sein. Und der Fanatismus der Israelhasser, vorangetrieben von Mitgliedern der Regierungsdelegationen arabischer, afrikanischer und islamischer Staaten, ist gegen Argumente der Vernunft resistent. Wer an die 'Protokolle der Weisen von Zion' glaubt, ist nur an monokausalen Welterklärungen und Schuldzuweisungen interessiert."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2009

FAZ-Blogger Thomas Strobl blickt, das Scheitern einer ähnlichen Veranstaltung im Jahr 1933 im Blick, im Feuilleton mit beträchtlicher Skepsis auf den bevorstehenden G-20-Krisengipfel: "Wie den Amerikanern erklären, dass sie weiterhin in großem Stil und auf Pump aus Deutschland, Japan und China importieren müssten, um die dortige Konjunktur zu beleben, was bei den amerikanischen Produzenten aber keinen einzigen Job sichert? Wie den Deutschen klarmachen, dass die heimische Politik in Konjunkturdingen im Grunde eigentlich machtlos ist, und in unseren Exportpartnerländern über Aufschwung oder Abschwung in Deutschland entschieden wird? Das birgt eine politische Brisanz, die sich auch an den immer stärkeren Spannungen in der großen Koalition ablesen lässt."


Weitere Artikel: Joachim Müller-Jung erklärt, warum die Open-Access-Befürworter mit ihrem nun veröffentlichten scharfen Widerspruch zur "Heidelberger Erklärung" recht haben. Oliver G. Hamm stellt ein Manifest für nachhaltiges Bauen vor. Gina Thomas gibt Einblicke in die nun transkribierten Briefe des britischen Nürnberger-Prozess-Anklägers David Maxwell Fyfe an seine Frau. In der Glosse hält Julia Voss jüngste Äußerungen des chinesischen Vorzeigekünstlers Ai Weiwei nicht für der Weisheit letzten Schluss. Lisa Zeitz weiß von gleich drei geplanten Filmen über Salvador Dali, von denen einer allerdings schon im Vorfeld sehr umstritten ist. Jan Brachmann berichtet von der Berliner "maerzmusik", die in diesem Jahr einen Schwerpunkt bei russischen Komponisten hat. "jbm" informiert über einen Eklat, den Ingo Metzmacher, Chefdirigent des Deutschen Sinfonie-Orchesters Berlin mit seiner Ankündigung ausgelöst hat, seinen Vertrag nicht über 2010 hinaus zu verlängern.

Besprochen werden die Ausstellung "Cher ami ... - Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz" im Literaturhaus München, das Berliner Konzert von Franz Ferdinand, Saul Dibbs Film "Die Herzogin" und Bücher, darunter Friedmar Apels Romans "Nanettes Gedächtnis" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 27.03.2009

Alex Rühle hat mit Künstlern (und ihre Erben) gesprochen, deren Nachlass beim Archinveinsturz in Köln verschütt gegangen ist. Abgedruckt wird auch ein Stimmungsbericht der Schriftstellerin Anne Dorn, die ihr Entsetzen in Worte zu fassen versucht: "Am schlimmsten ist der Verlust von den mit Absicht zurückgehaltenen Manuskripten. In die Obhut des Archivs gegeben, weil damit so viel aufgedeckt war: der Hass. Die Wut. Die niemals klein zu kriegende, wilde Sehnsucht nach Liebe. Ins Archiv gegeben als Anfang für irgendwann. Weil damit an eine weitere Tür geklopft war, hinter die ich schauen wollte und immer noch will. Ohne Neugier hört alles auf. Ich sage meinen Kindern und Enkeln: 'Mein Humus ist weg.' Sie sagen: 'Es kann ja noch was gefunden werden.'" Catrin Lorch war dabei, als Kölns Kulturdezernent Georg Quander bei einer Pressekonferenz zum Thema lieber über die Zukunft sprach.


Weitere Artikel: Willi Winkler erinnert anlässlich des Krupp-Fernseh-Mehrteilers daran, wie die Familie einst Rolf Hochhuths "Stellvertreter" verhindert wollte, weil darin von Zwangsarbeit bei Krupp die Rede war. Harald Eggebrecht porträtiert den Geiger Sergey Khachatryan. Till Briegleb informiert über den Aufruhr, den die Pläne ausgelöst haben, die Worpsweder Künstlerstipendien zu Lüneburger Künstlerstipendien zu machen. Verständnis zeigt Wolfgang Schreiber für Ingo Metzmachers unvermittelte Auskunft, dass er seinen Vertrag als Chefdirigent des Deutschen Sinfonieorchesters nicht über 2010 hinaus verlängern will.

Besprochen werden Inszenierungen von Horvaths "Kasimir und Karoline" und Amos Oz' "Black Box" in Düsseldorf, die Ausstellung "My, Berlinczycy! Wir Berliner!" (Website) über die Geschichte der Polen in Berlin (deren Thesenlosigkeit Jens Bisky irritierend findet), und Bücher, darunter Tilmann Lahmes große "Golo Mann"-Biografie (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Auf der Medienseite erläutert Caspar Busse die Abmachung zwischen den Brüdern Stefan und Dieter von Holtzbrinck, die dem älteren Bruder Dieter das Handelsblatt, den Tagesspiegel und die Hälfte der Zeit einbringt - Stefan muss damit Schulden abtragen: "Nun ist Stefan von Holtzbrinck einen aus seiner Sicht gewaltigen Klotz los, auch wenn Insider betonten, es sei kein 'Notverkauf'. Der jüngste Holtzbrinck sieht die Zukunft offenkundig im Internet. Doch die Expansion dorthin, die er mit viel Geld einleitete, lief nicht wie erwartet. Er kaufte die Online-Community StudiVZ mit einigen Ablegern für geschätzte 85 Millionen Euro und viele andere Portale, doch die meisten schufen mehr Probleme, als sie Freude machten. Zuletzt mussten hohe Wertberichtigungen vorgenommen werden." Hans Leyendecker freut sich in einem Kommentar, dass nun mit Holtzbrinck und Neven Dumont Verleger von altem Schrot und Korn antreten, die Bastion Zeitung gegen die Unbilden des Medienwandels zu verteidigen.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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