Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Bitte nehmen Sie Ihre Dose

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

26.03.2009. Die NZZ stieß in Brüssel auf ein Frauengebirge mit Brustwarzen, die sich öffnen lassen wie Gartentüren. Warum gibt's Horst Köhlers Rede nicht auf Youtube?, beschwert sich Carta. Die SZ hat herausgefunden, wie man mit Schwarzgeld der Kunst (oder zumindest ihren Auktionatoren) dienen kann. In der Zeit kritisiert Ai Weiwei die Ideologie der Freiheit, mit der die USA die Welt ins Verderben führt.

Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2009

Die spanische Theatertruppe La Fura dels Baus hat in Brüssel "Le grand macabre" von György Ligeti inszeniert. Und das fängt laut Martin Zähringer so an: "Die von Autohupen bestrittene Ouverture wird durch ein von Franc Aleu erstelltes Video begleitet, das uns Claudia vorstellt. Die etwas füllige Sängerin im Chor der Oper von Barcelona bricht über den Resten eines üppigen Mahls zusammen, greift sich ans Herz und spürt Todesangst. Ihr Schrei gefriert zum Standbild, das sich alsbald zu jener überlebensgroßen Skulptur wandelt, die Alfons Flores auf die Bühne gewuchtet hat. Ein seltsam auf die Knie gefallenes Frauengebirge blickt uns an - mit leeren Augen, die sich bisweilen füllen, mit einem offenen Mund, aus dem dann und wann eine enorme Zunge quillt, und zwei Brustwarzen, die sich wie Gartentüren bedienen lassen."


Weitere Artikel: Matthias Messmer fürchtet um das einstige jüdische Viertel in Schanghai. Besprochen werden Bücher, darunter ein Band mit Kurzgeschichten aus dem Nachlass von Kurt Vonnegut, und Filme.

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Aus den Blogs, 26.03.2009

Robert Littell (der Vater von Jonathan) hat einen Roman ("The Stalin epigram") über Ossip Mandelstam geschrieben, in dem er sich Gedanken über folgende Frage macht: Warum schrieb Mandelstam ein Gedicht über Stalin (mit dem berühmten Vers "wie eine Kakerlake lacht sein Schnurrbart"), obwohl er wusste, dass das tödlich für ihn sein würde. Der Roman ist gerade ins Französische übersetzt worden. Und Pierre Assoluline antwortet in seinem Blog auf die Frage: "aus Mut, gemischt mit Naivität, aus Idealismus und der unumstößlichen Überzeugung, dass es die Berufung des Dichters ist, die Wahrheit zu sagen. Der Dichter ist der, der die Wahrheit sagt, der ein Gedicht am Bart des Diktatoren exlodieren lässt und brüllt: Der König ist nackt."


Robin Meyer-Lucht macht sich in Carta Gedanken über Horst Köhlers Berliner Rede: "Horst Köhler hat gestern eine Rede gehalten, die besser und reicher an Deutungsangeboten war als man erwarten konnte. Doch er blieb in den klassischen Mustern der politischen Rhetorik verhaftet. Die Chance, seine Rede nachträglich als Video in voller Länge und auch eingebettet zu verbreiten, vertut Köhler. Auch einen Feedback-Kanal gibt es nicht. Er ist so gesehen noch ein TV-Präsident, der das Interesse am Neuen und an Bürgerbeteiligung eher plakativ vor sich her trägt."

(Via Immateriblog) Udo Vetter wendet sich im Lawblog gegen Ursula von der Leyens neueste Inititiativen gegen Kinderpornos im Netz: "Ich verteidige viele Betroffene, die des Besitzes von Kinderpornografie beschuldigt werden. Hiervon ist ein nicht unbeträchtlicher Teil unschuldig. Es handelt sich um Menschen, deren IP-Adresse von einem Filterprogramm des Bundeskriminalamtes oder der 'anlassunabhängigen Internetüberwachung' mancher Landeskriminalämter im Zusammenhang mit einer kinderpornografischen Datei protokolliert wurde. Ob es ein willentlicher Zugriff war, ob möglicherweise ein anderer den Computer des Anschlussinhabers genutzt hat oder gar ein WLAN im Spiel war, interessiert zunächst mal nicht. Die Hausdurchsuchung bekommt der Anschlussinhaber, und oft findet sich bei ihm - schlichtweg nichts."

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Die Welt, 26.03.2009

In Großbritannien gibt es Proteste gegen Googles Street View - ein Dienst, mit dem man Straßen aus der Perspektive eines Fußgängers sehen kann -, weil der Konzern vergessen hat, einige Passanten bei unschicklichem Tun zu anonymisieren. Hendrik Werner findet das etwas seltsam, immerhin "weist Großbritannien die europaweit größte Dichte an CCTV-Kameras (Closed Circuit Television) auf. Kameras, die fast flächendeckend Straßen, Parkplätze, Hauseingänge und öffentlichen Nahverkehr überwachen. Schätzungen zufolge gibt es 4,2 Millionen Kameras, eine für 14 Bewohner. Der neueste Schrei sind multimedial operierende Kameras, die nicht nur Menschen aufnehmen, sondern diese zudem belehren. Trinker beispielsweise, die es im öffentlichen Raum nicht für nötig halten, ihr Leergut zu entsorgen. 'Bitte nehmen Sie Ihre Dose', tönt es bei Fehlverhalten, 'der Mülleimer befindet sich hinter der Telefonzelle'. Angesichts solcher Szenarien kommt es, so könnte man zynisch formulieren, auf die paar Standbilder von 'Street View' auch nicht mehr an."


Weitere Artikel: Protestantische Theologen glauben nicht mehr, dass sich Jesus für unsere Sünden geopfert hat, die Kreuzigung war vielmehr "eine um der Liebe Gottes vollzogene Selbsthingabe", berichtet Matthias Kamann. Uwe Wittstock schreibt zum 50. Todestag Raymond Chandlers. Manuel Brug war mit Ingo Metzmacher und dem DSO auf Tournee in Asien.

Besprochen werden eine Ausstellung über 400 Jahre China und Bayern im Bayerischen Nationalmuseum München und einige Filme, darunter Saul Dibbs Kostümschinken "Die Herzogin" mit Keira Kneightley.

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Berliner Zeitung, 26.03.2009

Gegen hochrangige Vertreter von Islam-Vereinen in Deutschland wird wegen des Verdacht der Geldwäsche, des Betrugs und Missbrauchs von Geldern ermittelt. Ermittelt wird auch gegen den Generalsekretär der an der Islamkonferenz teilnehmenden, nicht gerade als Hort der Freiheitlichkeit bekannt gewordenen Organisation Milli Görüs. Der Anthropologe Werner Schiffauer legt im Gespräch mit Michaela Schlagenwerth ein Wort für ihn ein: "Ich kenne Oguz Ücüncü seit dem Jahr 2000 und erlebe seitdem, wie er sich für die Integration in die deutsche Gesellschaft, für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzt. Ich schätze ihn als aufrechten Demokraten. Aber auch wer diese Einschätzung nicht teilt, wird einräumen müssen, dass seine Botschaft bei vielen seiner Generation angekommen ist. Sie haben sie sich zu eigen gemacht, etwa, wenn sie den interreligiösen Dialog pflegen."

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Süddeutsche Zeitung, 26.03.2009

Stefan Koldehoff hat den Grund für die antizyklischen Spitzenpreise bei Kunstauktionen gefunden: Er "liegt, wie mehrere führende New Yorker Galeristen in Maastricht bestätigten, allein in der Ankündigung der Schweizer Bundesregierung vor einigen Wochen, das bis dahin sakrosankte Bankgeheimnis des Landes wesentlich zu lockern. Sie trug ganz maßgeblich zu den hohen Zuschlägen bei Saint-Laurent bei." Denn die Sammler müsser ihr europäisches Schwarzgeld waschen!


Weitere Artikel: Catrin Lorch zieht eine Zwischenbilanz der Bergungsarbeiten am Kölner Stadtarchiv - sechs von 30 Regalkilometern sind gerettet, aber nun ist die Baugrube durch tagelangen Regen durchnässt. Wie ein rechter US-Comedian gerade den Frieden zwischen den USA und Kanada empfindlich stört, erklärt Roman Deininger (hier das corpus delicti). Jeanne Rubner unterhält sich mit der französischen Politikerin Simone Veil über ihre gerade erschienenen Memoiren. Christine Dössel freut sich über die tollen Sachen, die man über Christoph Marthalers exklusives Hotelstück in Sils Maria so liest - hinfahren kann oder will sie aber nicht. Auf der Literaturseite erinnert Johan Schloemann aus Anlass von dessen 150. Geburtstag an den Dichter und Latinisten A.E. Housman. Jens-Christian Rabe freut sich über einen streitbaren Aufsatz des Philosophen Pirmin Stekeler-Weithofer, der die einschlägigen Ranking-Vorstellungen seines Fachs auseinandernimmt.

Auf der Kinoseite berichtet Susan Vahabzadeh, dass die Zeichen auf den wichtigsten Film-Märkten trotz des augenblicklichen Booms auf Schrumpfung stehen. Kritiken gibt es zu den Neustarts "Notorious B.I.G.", "Die Herzogin" und "Deutschland 09".

Besprochen werden eine Aufführung von Arnold Schönbergs "Moses und Aron" in Düsseldorf, eine Inszenierung von Dennis Kellys Stück "Liebe und Geld" in Hamburg, die Ausstellung "Die Wittelsbacher und das Reich der Mitte" im Bayerischen Nationalmuseum und Bücher, darunter Willy Vlautins Roman "Northline" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im Interview auf der Medienseite spricht Astrid Frohloff von der Organisation Reporter ohne Grenzen, die gerade einen gut dotierten Preis der Roland-Berger-Stiftung erhalten hat, über Internetzensur: "China hat eine Behörde mit beinahe 40.000 Mitarbeitern eingerichtet. Die tun nichts anderes, als Internetseiten zu überwachen, sie zu sperren oder Internetzeitungen zu verbieten. Wir wissen, dass diese Behörde Hackerangriffe bezahlt und Filtersoftware einsetzt, um bestimmte Begriffe auszulöschen. 'Platz des Himmlischen Friedens' kann man in China nicht mehr googeln. Derzeit sind 67 Personen wegen ihrer Online-Aktivitäten weltweit hinter Gittern."

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Frankfurter Rundschau, 26.03.2009

Arno Widmann erfährt im Interview von Miriam Zöller, Geschäftsführerin des marixverlags, wie man anspruchsvolle Bücher verlegt und preiswert verkauft, ohne als Unternehmen den Bach runterzugehen. Winfried E. Schoeller schreibt zum vierzigsten Todestag des Autors B. Traven, der als deutscher Anarchist nach Mexiko ging und Romane über Desperados und gesellschaftliche Außenseiter schrieb. Knut Krohn berichtet, dass in Polen die Aufregung um den Partisanen-Film "Defiance" verpufft ist, nachdem der erst mal in den Kinos zu sehen war.


Auf der Medienseite ärgert sich Harald Keller, Mitglied der Nominierungskommission Unterhaltung für den Grimme-Preis, über die diesjährige Wahl der Jury im Bereich Unterhaltung: Gewonnen hat die Kankenhaus-Serie "Doctor's Diary", deren Heldin "mit ihrem vermeintlichen Übergewicht hadert und nach der Zuwendung eines Ekels von Oberarzt lechzt".

Besprochen werden Dennis Kellys Stück "Liebe und Geld" am Thalia Theater in Hamburg, eine Ausstellung mit Arbeiten von Rory Macbeth im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden, Kurt Masurs Beethoven-Zyklus in Baden-Baden und die Filme "Deutschland 09" ("Weniger von einer wie auch immer gefassten Krise künden diese Filme als vom Wohlstand einer Nation von Filmförderern", meint Daniel Kothenschulte), "Inside Hollywood" und "Die Herzogin".

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Die Tageszeitung, 26.03.2009

Dietrich Kuhlbrodt sah den Kompilationsfilm "Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation", der jedem etwas bietet: "Noch was? Was Konkretes? Wie wär's, die komplette Redaktion der FAZ per Kopfschuss zu erledigen? Sepp Bierbichler tut's. In 'Fraktur' von Hans Steinbichler ('Hierankl', 'Winterreise'). Warum? Um sich gegen den 'brutalstmöglichen Angriff auf die deutsche Kultur zu wehren', nämlich auf die Frakturüberschrift des Kommentars auf Seite 1. - Das ist ein prima Vorschlag für die Zielgruppe, die deutsche Werte bewahren möchte, plausibel und unaufgeregt erzählt. Ein Dutzend Tote, und es ist getan."


Weiteres: Tilman Baumgärtel unterhält sich mit dem thailändischen Regisseur Apichatpong Weerasethakul, dessen Filme in einer umfangreichen Retrospektive jetzt in Wien, München und Berlin zu sehen sind, über Geldauftreiben und politisches Weltkino. Ursula Wöll stellt das Festival Frauenperspektiven in Karlsruhe vor, in dessen Rahmen engagierte Künstlerinnen aus dem Iran zu entdecken sind. Christian Broecking freut sich auf die Deutschlandtournee des Jazzsaxofonisten Joshua Redman. Besprochen wird die DVD von Nicolas Roegs entspannt manieristischem Alterswerk "Puffball" (2007).

Und Tom.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2009

Die staatlich mit Millionen subventionierte französische Nachrichtenagentur AFP macht den deutschen Nachrichtenagenturen das Leben schwer, berichtet Christian Schubert auf der Medienseite. dpa-Geschäftsführer Michael Segbers "überlegt seit geraumer Zeit, ob er bei der EU-Kommission Klage einreichen soll. Doch AFP ist bei weitem nicht der einzige staatlich gepäppelte Anbieter in der Agenturwelt. In internationalen Partnerschaften sind private, halböffentliche und staatliche Unternehmen vielfach miteinander verbunden, so dass keine Krähe der anderen ein Auge aushacken will." (Mehr dazu hier und hier) Auch die dpa erhält von "deutschen Stellen" Gelder, nur längst nicht so viel.


Außerdem: Michael Hanfeld ist gar nicht damit einverstanden, dass die zeitgeschichtlich orientierten Fernsehfilme bei Grimme diesmal leer ausgingen: "Mogadischu fehlt!"

Im Feuilleton lässt Felicitas von Lovenberg ihren Blick über die aktuelle Literatur schweifen und stellt fest: "Statt Anfall, Ausfall, Notfall ist die Krankheit willkommener Normalzustand." Dieter Bartetzko berichtet von massiven Anfeindungen, denen das arabisch-israelische Gesangsduo Noa und Mira ausgesetzt ist, das für den Grand Prix Eurovision ein Verständigungslied singt. In der Glosse schreibt Rose Maria-Gropp über den Kunstsammler Steven A. Cohen und eine Million oder Milliarde hier und da. Andreas Rossmann kennt noch nicht ganz spruchreife Umzugspläne fürs verschüttete Kölner Archiv. Michael Hanfeld informiert darüber, dass die Zeitungszeugen weiter erscheinen dürfen.

Auf der Kinoseite findet sich ein Gespräch mit dem "Inside Hollywood"-Regisseur Barry Levinson, der versichert, dass sein Film keine Satire, sondern ganz realistisch ist. Außerdem: ein Porträt des neuen rumänischen Kinos und die Zusammenfassung eines Interviews, das der aus unseren Kinos völlig verschwundene Filmemacher John Sayles der US-Zeitschrift The Believer gab. Hingewiesen wird auf ein Video, in dem Jim Knopf exklusiv für die FAZ erklärt, was es mit der Evolution auf sich hat.

Besprochen werden die Regensburger Ausstellung "Fotoalbum", die Arno Schmidt als Fotografen vorstellt, die Ausstellung "Bauhaus zwanzig-21" im Deutschen Architektur Museum Frankfurt, die Stammbücher-Ausstellung "In ewiger Freundschaft" in Tübingen und Bücher, darunter Robert Olmsteads neuer Roman "Der Glanzrappe" und Albrecht Wellmers "Versuch über Musik und Sprache" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 26.03.2009

Für Ai Weiweis Abgesang auf die USA hat das Feuilleton den Aufmacher freigeräumt. In seinem Schlussbeitrag zur Reihe "Was kommt nach Amerika" beklagt Chinas oberster Künstler die Ideologie der Freiheit, mit der die USA die Welt ins Verderben geführt haben. Zum Glück lägen die "über die letzten hundert Jahre hinweg aufgebauten Machtstrukturen" jetzt in Trümmern: "Die Krise muss andauern, nicht damit unsere Lebensgrundlagen weiter zerstört werden, aber damit die alten Strukturen irreparablen Schaden erleiden und etwas Bedeutungsvolles, Neues entstehen kann. Das Supermonster zu besiegen würde heißen, dass wir persönliche Freiheitswerte wiederentdecken, die nicht dem Materialismus, Geld und Zahlen frönen, sondern ehrlichen Beziehungen zu Natur, Nachbarn und Freunden verpflichtet sind." Das sehen die zwanzig Millionen arbeitslos gewordenen Wanderarbeiter in China bestimmt ganz genauso!


Weiteres: Der Historiker Norbert Frei möchte klargestellt sehen, dass die DDR-Diktatur fachlich gesehen ganz vorbildlich erforscht wird, und warnt vor politischer Instrumentalisierung: "Unter dem Tugendgebot der Erinnerung scheint weiten Teilen der politischen Klasse jeder Begriff von den Vorzügen einer Geschichtsschreibung, die sich unabhängig von politischen Identitätsstiftungsversuchen und Nützlichkeitserwägungen entfaltet, abhandengekommen zu sein." Johannes Voswinkel analysiert die russische Geschichtspolitik, die rigide gegen alle vorgeht, die nicht dem glorreichen Sieg der Sowjetunion huldigen. Gerhard Jörder porträtiert die Schauspielerin Sandra Hüller. Tobias Timm besucht die Kunst-Biennale im kunstsinnigen, aber doch recht reaktionären Emirat Sharjah.

Besprochen werden eine Ausstellung des Zeichners Saul Steinberg im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, der Omnibus-Film dreizehn deutscher Regisseure über "Deutschland 09", Sasha Waltz' Choreografie im Neuen Museum Berlin und Micachus Album "Jewellery".

Im Aufmacher des Literaturteils bespricht Ulrich Greiner Cees Nootebooms Erzählungen "Nachts kommen die Füchse". Das Dossier interviewt den Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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