Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Von Lesern empfohlene Bücher

Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich

Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
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- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
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- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Der Totengräber sagt, da war nichts
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.03.2009. Frankfurt ist enorm geistesarm, glaubt Ulla Unseld-Berkewicz, glaubt ein Suhrkamp-Autor in der FR. In der taz findet es Micha Brumlik weder islamophob noch rassistisch, den Einfluss einer totalitären Ideologie auf muslimische Immigranten zu untersuchen. Die Welt möchte, dass Google in die Künstlersozialkasse zahlt. In der NZZ erzählt Ismail Kadare, warum er in die Kommunistische Partei Albaniens eintrat. Die SZ verzweifelt über die Top Ten der deutschen Politik-Blogs.
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Frankfurter Rundschau, 21.03.2009
Als Reaktion auf den "Ratlosigkeit" auslösenden Essay "Wohin zieht Berlin?" von Ulla Unseld-Berkewicz im Spiegel rekonstruiert Christian Thomas den Monolog eines "naturgemäß" anonym bleiben wollenden Suhrkamp-Autors zum Thema Umzug des Verlags nach Berlin. "Daher Berlin, daher Frankfurt nicht mehr. Ist doch Frankfurt, so verstehe ich die Verlegerin, sagt der Autor, mittlerweile als Verlagsstandort nicht nur veraltet, sondern enorm geistesarm, ja regelrecht geistesgelähmt, was nicht heißt, dass nicht auch Berlin, wenn nicht die Hauptstadt so doch die Weltstadt so gut wie Frankfurt, ebenfalls ein alter Verlagsstandort ist, an dem sich Geistesarmut und Geistesschwäche immer wieder zeigen."
Weitere Artikel: Zu lesen ist ein Gespräch mit der Mezzo-Sopranistin Elina Garanca über Träume, Erfolge, Ziele, Regisseure und Diven. In ihrer Kolumne erklärt Marcia Pally, was die Wahl zwischen Ethik- oder Religionsunterricht in der Schule wirklich ist: der Freifahrtschein zur Hölle. Und in Times mager enthüllt Christian Schlüter die eigentliche Botschaft hinter dem neuerlichen Kondomverdikt des Papstes: dass Sexualität doch nicht allein dadurch human werde, dass man durch sie nicht stirbt.
Besprochen wird das Buch "Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts" von Mithu M. Sanyal (mehr in unserer Bücherschau des Tages heute ab 14 Uhr).
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Der Tagesspiegel, 21.03.2009
Gerrit Bartels hat "den Eindruck, als sei Frankfurt für den Suhrkamp Verlag schon jetzt bloß noch Geschichte. Es wirkt aber auch ganz praktisch Gerüchten entgegen, die während der Leipziger Buchmesse die Runde gemacht hatten: Dass Suhrkamp gar nicht nach Berlin ziehen werde, war da zu hören, und wenn, dann höchstens als Potemkinsches Dorf, als repräsentative Hülle. Und dass dem Verlag nun wirklich bald die Puste ausgehe, ökonomisch betrachtet."
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Die Tageszeitung, 21.03.2009
Micha Brumlik kommt noch einmal auf den Streit um die Tagung zu Antisemitismus und Islamophobie zurück und verteidigt den Historiker Wolfgang Benz gegen die Vorwürfe unter anderem von Henryk M. Broder und Matthias Küntzel: "Bei aller Strukturidentität etwa zwischen der christlichen Kritik am angeblich undifferenzierten herrschaftlichen Gottesbild des jüdischen und muslimischen Monotheismus und bei aller ähnlich gelagerten Kritik geschichtsloser Feministinnen an der Unterdrückung jüdischer Frauen im patriarchalisch geprägten orthodoxen Judentum gab es doch niemals eine 'jüdische Kriegserklärung' an jene Gesellschaften, in denen Juden lebten. Das ist jedoch beim radikalen Islamismus aller Spielarten sehr wohl der Fall, und man wird fragen dürfen und müssen, ob und welchen Einfluss diese totalitäre Ideologie (Yehuda Bauer) auf einen Teil der muslimischen Immigranten hat. Diese Frage zu stellen ist weder islamophob noch rassistisch, sie mit einem undifferenzierten, bejahenden Generalverdacht zu beantworten sehr wohl."
Weitere Artikel: Barbara Oertel resümiert die Berliner Tagung "Freiheit im Blick", die sich mit dem demokratischen Aufbruch und den Europavisionen in Osteuropa beschäftigte. Auf der Meinungsseite schreibt Andreas Zumach über die zu erwartende neuerliche Zweckentfremdung der bevorstehenden UN-Konferenz gegen Rassismus Durban II, gegen die nur eines helfe: eine Konferenz zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts. (Hierzu auch unser Link des Tages).
Besprochen werden die Filminstallation "Primitive" des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul im Münchner Haus der Kunst, die Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Autobiografie "Mein Leben" und Bücher, darunter die Studie "Der Aufstieg der Anderen" über das postamerikanische Zeitalter von Fareed Zakaria und eine Neuübersetzung der "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" von Nikolaj Gogol (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Das tazmag druckt Heinz Budes Laudatio auf den Soziologen Richard Sennett zur Verleihung der Heinrich-Tessenow-Medaille. Und Gina Bucher unterhält sich mit der ägyptischen Soziologin Mona Abaza unter anderem über Kairo: "In fünfzehn Jahren wird laut Prognosen ganz Kairo ungefähr zu fünfundsechzig Prozent aus Slums bestehen. Wobei man diesen Begriff vorsichtig gebrauchen muss. Mit 'Slum' ist im Falle von Kairo informelle Stadtentwicklung gemeint."
Und Tom.
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Aus den Blogs, 21.03.2009
Via Gawker. Der iranische Blogger Omidreza Mirsayafi ist im Gefängnis gestorben, berichtet Robert Mackey in seinem Blog in der NYT. Misayafi war zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, weil er die Regierung beleidigt habe. Er soll sich mit einer Überdosis Tabletten selbst getötet haben.
Via Valleywag. Googles Topdesigner Doug Bowman verlässt die Firma und gibt in seinen Gründen einen interessanten Einblick in das Betriebsklima: "When a company is filled with engineers, it turns to engineering to solve problems. Reduce each decision to a simple logic problem. Remove all subjectivity and just look at the data. Data in your favor? Ok, launch it. Data shows negative effects? Back to the drawing board. And that data eventually becomes a crutch for every decision, paralyzing the company and preventing it from making any daring design decisions."
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Die Welt, 21.03.2009
Ilja Braun wirft einen Blick in die Zukunft des Buchmarkts, der wohl eher ein Textmarkt sein wird, und macht einige Vorschläge. Zum Beispiel könnte Google in die Künstlersozialkasse zahlen. Oder: "Eine andere Möglichkeit, die mit der digitalen Verwertung literarischer Werke erzielten Erlöse zugunsten der Urheber umzuverteilen, wäre die viel diskutierte Kultur-Flatrate: eine kollektive Urhebervergütung für Inhalte im Netz. Ein solches Modell würde jedoch voraussetzen, dass die Buchverlage ihren Monopolanspruch aufgeben - denn nichts anderes bedeutet das Beharren auf einem starken Urheberrecht, das es erlaubt, den Zugang zu Werken so weit wie möglich einzuschränken. Dass Letzteres nicht im Interesse von Autoren sein kann, liegt eigentlich auf der Hand."
Weiteres: Thomas Lindemann spricht mit dem Entwicklungspsychologen Herbert Scheithauer, dem Leiter des Projekts Leaking, über Amokläufe an Schulen. Rainer Haubrich kommentiert den Stand der Bauarbeiten für die Dresdner Waldschlösschenbrücke. Hanns-Georg Rodek meldet, dass das Programm von Cannes allmählich Gestalt annimmt.
Besprochen werden das mittlerweile zehnte Album der Pet Shop Boys "Yes", eine Neuinszenierung der Hindemith-Oper "Cardillac" in Dresden und das ZDF-Rührstück über die Familie "Krupp".
In der Literarischen Welt erzählt der Schriftsteller Guy Helminger von seinem aufregenden Jahr als Stadtschreiber in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa: "Einige Tage später erfahre ich über Aiban von einer bevorstehenden öffentlichen Hinrichtung. 10 000 Schaulustige haben sich eingefunden, um zuzusehen, wie ein wegen sexuellen Missbrauchs mit anschließendem Kindsmord Verurteilter von einem Hochhaus geworfen werden soll. Aber die Exekution wird verschoben. Der Druck der Menschenrechtsorganisationen hat Wirkung gezeigt, und nun soll der Mann hinter verschlossenen Türen erschossen werden."
Außerdem weist der britisch-niederländische Autor Ian Buruma darauf hin, wie beliebt auch in Asien antisemitische Verschwörungstheorien sind: "Der Ex-Ministerpräsident Malaysias, Mahatir Bin Mohammed, hat gesagt: 'Die Juden regieren die Welt durch Stellvertreter. Sie lassen andere für sich kämpfen und sterben.' Und neulich erklärte ein Artikel im führenden philippinischen Wirtschaftsmagazin, wie Juden schon immer die Länder kontrolliert hätten, in denen sie leben, darunter heute die Vereinigten Staaten."
Und Karl Schlögel preist schließlich Viktor Jerofejews Buch "Russische Apokalypse": "Jerofejews Texte sind ein einziger Lobpreis auf die Würde des Banalen und Gewöhnlichen."
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Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2009
In der Beilage Literatur und Kunst erklärt der albanische Schriftsteller Ismail Kadare im Interview, warum er in die Kommunistische Partei eingetreten ist: Enver Hoxha wollte es so. "Das scheint nur auf den ersten Blick seltsam. Ich bin Parteimitglied geworden, nachdem ich im Westen veröffentlicht hatte, zu einer Zeit also, wo ich es gar nicht mehr nötig hatte. Mir war es damals sogar recht, dass man mich als westlichen Schriftsteller denunzierte - es grenzte mich ab vom sozialistischen Realismus. Dass ich im Westen Erfolg hatte, führte zu meiner Aufnahme in die Partei. Es war das besagte Paradox: Einerseits gefällt er der 'Bourgeoisie", und anderseits soll er einer von uns sein? Die kommunistischen Hardliner hatten damit zu Recht ein Problem. Eines Tages kam der Parteisekretär des Schriftstellerverbandes zu mir und sagte, ich müsse einen Antrag auf Parteiaufnahme stellen. Ich fragte, warum. Er gab mir den Rat, besser den Mund zu halten - der Wunsch komme von Enver Hoxha. ... Was sollte ich tun? Nein sagen? Das wäre einer Vernichtung gleichgekommen, ein sinnloses Opfer. Irgendwann hätten sie einen Anlass gefunden, mich als Agenten der Franzosen zu verurteilen. Das Volk hätte Beifall geklatscht. Im Übrigen muss man die Bedeutung meiner Mandate relativieren. Was wirklich wichtig war, entschied die Partei."
Weitere Artikel: Karin Hellwig erzählt die Geschichte der Interpretationen von Velazquez' Historiengemälde "Hilanderas". Christoph Wilhelmi erzählt die Geschichte des von Bartolomeo Veneto porträtierten Charles de Bourbon (dass er es ist, zeige ein Vergleich mit einer Zeichnung aus der Clouet-Schule: "Man würde die beiden Gesichter nicht ohne weiteres ein und derselben Person zuordnen. Doch ein Indiz ist übereinstimmend anzutreffen: die abweichende Augenstellung (sein Schielen)", erklärt Wilhelmi.
Im Feuilleton erzählt Frank Stier eine bizarre Geschichte über das Grab des bulgarischen Dichters Nikola Vapcarov, dem gerade seine Nichte zur Seite gelegt wurde: "Was die Hinterbliebenen Elissaveta Nikolovas dazu veranlasst hat, die Verstorbene im Grab des Dichters beizusetzen, bleibt derzeit ebenso ungeklärt wie die Frage, ob Vapcarovs Gebeine im Grab belassen oder daraus entnommen wurden. 'Der Totengräber sagt, da war nichts', behauptete Maja Vapcarova gegenüber der Tageszeitung Trud."
Besprochen werden die Ausstellung "Degas - Intimität und Pose" in der Hamburger Kunsthalle und Bücher, darunter Claude Lanzmans Erinnerungen "Le Lievre de Patagonie" und Laszlo Martons Roman über die Metternich-Zeit "Das Versteck der Minerva" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2009
Der Gartenforscher Robert Pogue Harrison empfiehlt Professoren, öfter mal in den Garten zu gehen. Jordan Mejias stellt ein Buch der Provenienzforscherin Nancy Yeide über Görings Kunstsammlung vor, "Beyond the Dreams of Avarice: The Hermann Goering Collection". Sie fand heraus, Göring fünf- oder sechshundert Gemälde mehr besaß als bislang angenommen. Dazu gibts ein Interview mit Yeide. Günter Jauch misstraut dem Internet, lesen wir in einer Meldung, und hält allein Zeitungen für bildungsreich (besonders, wenn sie Fotos von seiner Hochzeit drucken). Weil die Bundeskanzlerin ihren Minister Peer Steinbrück im Streit mit der Schweiz unterstützt hat, nennt Edo Reents sie in der Leitglosse "Mutti", war wahrscheinlich das Gemeinste, was ihm einfiel. Über Kritik an der polnischen Kirche, die über ihre Stasi-Verstrickungen schweigt, berichtet Karol Sauerland. David Thomas besucht den Schriftsteller Joseph O'Neill im New Yorker Hotel Chelsea.
Besprochen werden Dieter Giesings Inszenierung von "Das weite Land" am Schauspielhaus Bochum, eine Ausstellung der Fotografien von William Eggleston im Münchner Haus der Kunst, Uraufführungen von Martin Schläpfer und Dominique Dumais beim niederländischen Nationalballett, Joachim Schlömers Inszenierung von Schumanns "Das Paradies und die Peri" in Mannheim und Bücher, darunter Philip Roths Roman "Empörung" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Auf der Schallplatten- und Phono-Seite geht's um "zwei stilistisch pisaturmhoch" herausragende Aufnahmen von Händel-Arienrecitals mit Rolando Villazon und Christine Schäfer, Chormusik mit Arvo Pärt, Hans Peter Türk und James MacMillan, Henzes Oper "Junger Lord" auf DVD sowie CDs von Pete Doherty (das ist "Rockmusik, die den Wunsch entstehen lässt, den Namen ihres Schöpfers in Schulbänke einzuritzen", freut sich Eric Pfeil), den Pet Shop Boys ("Nichts Nachpfeifbares bleibt vom neuen Album", bedauert Tobias Rüther) und Christine Tobin.
In Bilder und Zeiten schreibt der Richter-Biograf Dietmar Elger über Briefe, die Gerhard Richter zwischen 1959 und 1964 an Freunde in der DDR schickte: "Schon fast trotzig berichtet er am 11. Oktober 1961 nach Dresden: 'In Paris vegetieren 40.000 Bildende Künstler. In Düsseldorf nur 300 (knapp). Einer hat sich vorige Woche in Paris vom 5. Stock gestürzt. Wo gehobelt wird, fallen Späne.'" Sarah Elsing hat einen Ortstermin im Berliner "Betahaus". Dieter Bartetzko schreibt anlässlich eines neuen Bildbandes eine Hymne auf Barbra Streisand. Der Biologe Lorenz Gygax erklärt im Interview, wie Schafe aussehen, die sich wohlfühlen: "Geht es ihnen gut, lassen sie die Ohren hängen und die Augen sind geschlossener."
In der Frankfurter Anthologie stellt Marie Luise Knott ein Gedicht von Hermann Broch vor:
"Nacht-Terzinen
Die Straße unten ist nun nächtlich leer
Von fern tönt hie und da ein Nebelhorn
Und all das Nichtgetane macht mich schwer:
Der Schlaf ist da, des Lebens End' und Born,
Die leichte Einsamkeit, die Schweres deckt -
Beginn' ich morgen wiederum von vorn?
..."
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Süddeutsche Zeitung, 21.03.2009
Tobias Moorstedt guckt sich die Internetseiten der politischen Parteien in Deutschland an und findet nur wenig Community: "Eine geringe Mitglieder-Zahl wäre nicht schlimm, wenn sich die vorhandenen Nutzer vernetzen würden. Die meisten Mitglieder-Profile wirken jedoch ungepflegt, zeigen kein Foto und weisen den Makel 'Null Freunde' auf. Der deutsche Bürger hat die Transformation zum 'Netizen' noch nicht abgeschlossen. Das mag daran liegen, dass in Deutschland die Lebensläufe und DSL-Leitungen nicht ganz so verschlungen sind wie in anderen Hightech-Nationen. Oder daran, dass der techno-politische Bodensatz einer engagierten Blogosphäre trotz netzpolitik.org und carta.info hierzulande weiterhin fehlt (unter den Top-Ten der deutschen Politik-Blogs finden sich tatsächlich Seiten mit Namen wie StoiBär, Lummaland und Weissgarnix). Vielleicht sind die Amerikaner einfach besser für das Zeitalter der digitalen Demokratie gerüstet als die aufgeklärten Mittelschichts-Ironiker der BRD.
Ein kleiner Schwerpunkt ist dem 90. Geburtstag des Bauhauses gewidmet. Thomas Steinfeld erinnert an dessen tiefe esoterische Verwurzelung. Gerhard Matzig fragt: Was bleibt vom "Hellen & Grellen & Reinen & Feinen & Hehren" und fürchtet, die Antwort lautet: billiges Bauen. Jens Bisky stellt Philipp Oswalt vor, der das Bauhaus seit Anfang März leitet. Und Alex Rühle bürstet das Thema quer und befasst sich mit der Baumarktkette Bauhaus, in der "die Welt in ihre prosaischen Einzelteile zerlegt [ist], in die Bretter, die hier erstmal nur sich selbst bedeuten". Hier Informationen zu Ausstellungen und Veranstaltungen im Bauhausjahr.
Weitere Artikel: Jörg Häntzschel untersucht, warum die Amerikaner plötzlich wieder ins Kino strömen. Johan Schloemann informiert über den Stand der unaufhaltsamen Einverleibung der Bücher durch die Suchmaschine Google. Oliver Hochkeppel weist auf die erste Deutschland-Tour der Jazzbassistin und Sängerin Esperanza Spalding hin. Als "alle überstrahlenden Sänger" porträtiert Reinhard J. Brembeck den Countertenor Philippe Jaroussky. Alexander Kissler resümiert eine Münchner Veranstaltung, auf der 30 Wissenschaftler aus sechs Ländern die "Phasen eines fruchtbaren Austausches zwischen den drei großen monotheistischen Weltreligionen" ausloten sollten. Johannes Willms berichtet aus Paris über das Verschwinden sehr irdischer Paradiese in Zeiten der Krise. Holger Liebs gratuliert der Künstlerin Yayoi Kusama zum 80. Geburtstag. Dokumentiert werden Auszüge aus einem Offenen Brief an die Stadt Köln, in dem zahlreiche Kulturschaffende Bestürzung und Unverständnis über den "desolaten Umgang mit Verantwortlichkeiten nach dem Einsturz des Historischen Archivs" zum Ausdruck bringen. "Google sägt weiter am Geschäftsmodell der alten Medien", meint auf der Medienseite Marc Felix Serrao, der nicht versteht, dass Google am aller Medien sägt.
Besprochen werden Mario Barths Film "Männersache" und Bücher, darunter der neue Essay von Peter Sloterdijk "Du mußt dein Leben ändern". (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)
In der Wochenendbeilage denkt Sarah Khan über den sonntäglichen "Tatort" nach, und warum dem Menschen nur als Leiche so viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Rolando Villazon erklärt im Interview, warum er seit 14 Jahren zum Psychiater geht: "Meine Frau fand mich chaotisch."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





