Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Gespenstische Regelmäßigkeit

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

24.02.2009. Welcher unheimliche Täter verfolgt Veit Heinichen mit finsteren anonymen Briefen, ohne DNA-Spuren oder Fingerabdrücke zu hinterlassen? Die Zeitungen rätseln. Wir verlinken auf Heinichens Artikel in Il Piccolo. Die Welt schildert, wie der deutsche Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank zuvor an sämtlichen deutschen Institutionen scheiterte. Die NZZ macht sich Sorgen um Egon Eiermanns Taschentuchweberei in Blumberg. 

Weitere Medien, 24.02.2009

Der in Triest lebende Krimiautor Veit Heinichen hat die anonyme Denunziationskampagne, deren Opfer er geworden ist und über die heute mehrere Zeitungen berichten, am Samstag in der Triester Lokalzeitung Il Piccolo öffentlich gemacht. Hier der Anfang seines Artikels: "Dies ist keine Erzählung, sondern die wahre Geschichte eines ungeklärten Kriminalfalls. Es ist ein paradoxer Fall, der mich selbst betrifft und aus mir einen unfreiwilligen Hauptdarsteller macht. Es ist eine so lange und unwahrscheinliche Geschichte, dass aus ihr der wohl verrückteste meiner 'triestinischen' Romane wird. Alle Zutaten sind da: der Schatten eines widerlichen Triebtäters, die perfide Denunziation einer Straftat, die ich nie begangen habe, ein geradezu wissenschaftliches Netz anonymer Briefe, eine systematische Kampagne, die darauf abzielt, die Glaubwürdigkeit meiner Person zu zerstören und die polizeiliche Untersuchung gegen den unbekannten und zähen Täter. Fehlt nur ein Detail: die Festnahme des Schuldigen."

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Die Welt, 24.02.2009

Die deutschen Institutionen müssen sich schämen, meint Frank Zander mit Blick auf den einzigen deutschen Oscar-Preisträger. "Denn fünf Mal ist Jochen Alexander Freydank an hiesigen Filmhochschulen abgewiesen worden, zwei Mal in Berlin, drei Mal in Potsdam. Er musste sich mit kleinen Jobs hocharbeiten und schließlich eine eigene Produktionsfirma gründen, um seine Projekte zu fördern. Auch bei 'Spielzeugland' haben fast alle großen Fördertöpfe abgelehnt, drei Jahre hat der Regisseur betteln müssen, um dann fünf Tage lang drehen zu können. Den fertigen Film wiederum haben alle großen deutschen Festivals nicht zeigen wollen, der Erfolg kam erst über das Ausland, wo er insgesamt 18 Preise erntete."


Weitere Artikel: Für Hannes Stein trug die Feier alle Anzeichen einer "Not-Oscar-Verleihungszeremonie", und dann saßen im Publikum auch noch lauter Linksliberale die die "Homo-Ehe für alle" unterstützten! Die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig vermietet ihre Räume für Ausstellungen, berichtet Uta Baier, die das für "ein ganz normales Programm" hält - "nur liegen dieses eine Mal die Geschäftsbeziehungen vollkommen offen". Wolf Lepenies erinnert an den vor 25 Jahre gestorbenen Soziologen Helmut Schelsky.

Besprochen werden eine in Bagdad spielende Inszenierung von Händels Oper "Partenope" im Theater an der Wien, die deutsche Premiere von Enrique Granados' Oper "Goyescas" (wurde 1916 von den Deutschen mit einem Torpedo versenkt, der Dirigent, versteht sich, nicht die Oper), das Auftaktkonzert zur Tour von Mia in Berlin, einige CDs (darunter sämtliche Dresdner Auffnahmen von Fritz Busch) und Matthias Hartmanns letzte Inszenierung als Intendant in Zürich, für die er sich Jon Fosses "Ich bin der Wind" ausgesucht hat ("Für Fosse-Verhältnisse ein echter Action-Blockbuster", versichert Matthias Heine).

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Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2009

Sonja Hildebrand trauert um Egon Eiermanns Taschentuchweberei in Blumberg, die in absehbarer Zeit abgerissen werden soll: "Für die bundesdeutsche Nachkriegsarchitektur ist Blumberg ein kleines Brüssel. 1958 wurde die gläserne Pavillongruppe, die Eiermann und Sep Ruf für die Weltausstellung in Brüssel entworfen hatten, als glanzvoller Wiedereintritt der Bundesrepublik in die internationale Staatengemeinschaft gefeiert. Eine ähnliche Rezeption erfuhr Blumberg schon zu Beginn der fünfziger Jahre: Das formstrenge, Größe mit Eleganz verbindende Fabrikationsgebäude der Taschentuchweberei wurde gleich nach seiner Fertigstellung zu einem Mekka moderner Architektur. ... 'Diese Fabrik gehört ohne Zweifel zum Besten, was Westdeutschland seit dem Kriege an Bauten hervorgebracht hat', hieß es damals in der Architekturzeitschrift Werk."


Besprochen werden ein Konzert des Sinfonieorchesters Sevilla in der Zürcher Tonhalle, Martin Crimps Stück "Auf dem Land" am Theater Basel, Matthias Hartmanns Inszenierung von Jon Fosses "Ich bin der Wind" am Schaupspielhaus Zürich ("Hartmann versteht es zweifellos, Fosses Stücke mit einem edlen Gewand sinnlich zu machen", meint Tobias Hoffmann, der auch einen Vorschlag hat, wie es weitergehen könnte mit Fosse und Hartmann) und Bücher, darunter Guillermo Martinez' Kriminalroman "Der langsame Tod der Luciana B.", Günter Grass' Tagebuchaufzeichnungen "Unterwegs von Deutschland nach Deutschland" und Daniel Zahnos Roman "Die Geliebte des Gelatiere" (mehr ab 14 Uhr in der Bücherschau des Tages).

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Die Tageszeitung, 24.02.2009

Der russische Journalist Sergej Solowkin, der nach einem - nie geahndeten - Mordanschlag auf sich selbst nach Deutschland geflohen ist, betont auf der Meinungsseite die Bedeutung der Geschworenen in der russischen Justiz, die auch der Prozess um den Mord an Anna Politkowskaja gezeigt hat: "Wer Monate in Gerichten zubringt, hat wenig Zeit für den eigenen Broterwerb. Zahlreiche Geschworene wurden entlassen, Selbstständige sahen sich durch die Anforderungen in ihrer Existenz gefährdet. Damit nicht genug, im Russland von heute kann eine solche Tätigkeit die eigene Gesundheit gefährden: Man muss mit Anschlägen auf das eigene Leben rechnen, denn um den Schutz von Zeugen, Geschworenen und anderen wichtigen Prozessbeteiligten ist es in meiner Heimat nicht gerade bestens bestellt. Heute sind die Geschworenen deshalb vor allem Seniorinnen, Militärs im Ruhestand oder zornige Arbeitslose. Zugleich ist die Macht der Staatsanwaltschaft übergroß. Wie in den Zeiten der Sowjetunion gibt sie sich, als sei sie selbst Richterin. Insbesondere in der Provinz findet sich kaum ein Richter, der den Schlussfolgerungen der Staatsanwaltschaft widersprechen würde."


Im Feuilleton: Elisabeth Raether porträtiert die unerschrockene Gesine Schwan in ihrem Wahlkampf um das Präsidentenamt: "Sie scheint grundsätzlich davon auszugehen, dass eine gewisse Komplexität das Gespräch belebt." Bert Rebhandl fasst noch einmal die Verleihung der Oscars zusammen, bei der sich Nazi-Dramen und "globalisierte Ästhetik" gegen Hollywoods Spitzenexporte Komödie und Blockbuster durchsetzten. Christian Broecking taucht in die Londoner Jazz-Szene ab.

Besprochen werden eine Ausstellung des Spätwerks von Maria Lassnig im Wiener Museum Moderner Kunst und Peter Kastenmüllers Deutschland-Revue "Schwarz Gold Rot" im Frankfurter Schauspiel.

Und noch Tom.

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Der Tagesspiegel, 24.02.2009

Der Berliner Rechtsanwalt Peter Raue wendet sich sehr entschieden gegen ein Urteil des Berliner Landgerichts, dass der Klage auf Restitution der Plakatsammlung stattgegeben hat, die von den Nationalsozialisten bei dem jüdischen Eigentümer Hans Sachs beschlagnahmt worden war. Sachs hatte nach dem Krieg 225.000 Mark Entschädigung bekommen und - als Teile der als verschollen geltenden Sammlung wieder auftauchten - mehrfach erklärt, er sei nur daran interessiert, sie einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Eine Rückgabe hat er nie gefordert, die forderte aber jetzt der Sohn. Sollte dieses Urteil rechtskräftig werden, meint Raue, "wird der Präsident des Landgerichts Berlin eine neue Entschädigungskammer eröffnen müssen, um der Prozessflut Herr zu werden".

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Frankfurter Rundschau, 24.02.2009

Beatrix Langner blickt auf die Geschichte des Adelbert-von-Chamisso-Preises und hätte ein paar Vorschläge, wie man der Zweisprachigkeit generell ein wenig auf die Sprünge helfen könnte: "Bilingualismus, soziales Code-Switching, ist für die Mehrzahl der jüngeren Einwanderer heutzutage selbstverständlich. Warum eigentlich nicht für uns Leser? Deutschland ist ein Einwanderungsland. Nicht nur drei Millionen Türken müssen mit ihren deutschen Mitbürgern klarkommen, sondern die auch mit ihnen. Warum also nicht neben Französisch und Englisch auch Italienisch, Türkisch, Arabisch und Griechisch, die Sprachen der größten Minderheiten, als Wahlfächer an deutschen Schulen?"


Weiteres: In Times mager annonciert Harry Nutt, dass nun alle 83 Folgen des Beatclubs auf insgesamt 24 DVDs zu haben sind. Alles Oscar heute auch in der FR, aber auf den vorderen Seiten.

Besprochen werden Aufführungen von Ravels "Spanischer Stunde" und de Fallas' "Das kurze Leben" an der Frankfurter Oper, die Ausstellung "The Porn Identity" in der Kunsthalle Wien, Einakter von Bartok, Müller und Schönberg an der Stuttgarter Oper, Marc Beckers Farce "Meier Müller Schulz oder nie wieder einsam!" am Staatstheater Oldenburg und Stephen Kinzers Buch "Im Dienste des Schahs" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 24.02.2009

Till Briegleb berichtet im Aufmacher, dass der Leiter der Hamburger Hafencity-Gesellschaft, Jürgen Bruns-Berentelg, versucht, Kritiker des Projektes mundtot zu machen. "Das Fatale an dieser mittlerweile so weit verbreiteten Haltung, ist der Schaden für ein offenes Diskussionsklima, das gerade für Projekte wie die Hafencity von größter Bedeutung wäre. Denn natürlich führen derartige Einschüchterungsmaßnahmen zu Duckmäusertum und Selbstzensur."


Weitere Artikel: Tobias Kniebe resümiert die Oscar-Verleihung. Und Oliver Meiler berichtet über die stolzen indischen Reaktionen auf den Oscar-Regen für Danny Boyles "Slumdog Millionnaire" (der vorher viel kritisiert worden war). Alex Rühle stellt die Website "Academic Earth" vor, die ins Netz gestellte Vorlesungen und Kurse von Universitäten bündelt. Ingo Petz hat das erfolgreiche russische Filmmusical "Stiljagi" des Regisseurs Valerij Todorowski gesehen, das an eine hierzulande so gut wie unbekannte Bewegung grell gekleideter russischer Dandys und Jazzliebhaber nach dem Krieg erinnert. Benedikt Sarreiter spürt neueste Tendenzen elektronischer Popmusik auf, die nicht mehr unbedingt aus den Metropolen kommt - zu den Musikern gehört DJ Diplo mit seinem Sampler "Decent Work For Decent Pay". Tobias Moorstedt denkt über die 96,3 Prozent des E-Mail-Verkehrs nach, die Spam sind. Und Henning Klüver rätselt über den unbekannten Kriminellen, der Veit Heinichen mit anonymen Briefen verfolgt und ihn grauenhafter Straftaten beschuldigt: "Es sind bislang Hunderte von Schreiben, die mit gespenstischer Regelmäßigkeit am Monatsanfang und zur Monatsmitte an Einrichtungen der Stadt, an Buchhandlungen, Vereine, sogar an Schriftstellerfreunde wie den großen alten slowenischen Autor Boris Pahor geschickt werden."

Auf der Medienseite wird gemeldet, dass zwei weitere amerikanische Zeitungskonzerne, darunter das Mutterhaus des renommierten Philadelphia Inquirer, Gläubigerschutz angemeldet haben. Hierzu auch die New York Times.

Besprochen werden Händels "Radamisto" in historischer Bühnenfassung in Karlsruhe, eine große Giorgio de Chirico-Ausstellung in Paris, Jon Fosses Stück "Ich bin der Wind" in Zürich und Bücher, darunter eine Studie über "Van Goghs Ohr" und die Frage, ob er es wirklich selbst abgeschnitten hat.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2009

Dirk Schümer beschreibt, wie der in Triest lebende Krimiautor Veit Heinichen, Opfer eines Denunzianten wurde, der ihn mit raffinierten anonymen Briefen als Päderasten anschwärzt - haltlose Vorwürfe. "Der 'Schatten' begann bald, sogar im Namen Heinichens Briefe und Leserbriefe zu schreiben, hinterließ in seiner Korrespondenz - vierzig Briefversionen wurden bislang beschlagnahmt - jedoch niemals einen Fingerabdruck oder auch nur eine DNA-Spur. Bis heute stehen die Fahnder angesichts der Professionalität des anonymen Autors, der ein literarisches Italienisch schreibt und über alle Details von Heinichens Romanen auf dem Laufenden ist, vor einem Rätsel."


Weitere Artikel: Martin Kämpchen kommentiert den Oscar-Regen für Danny Boyles Film "Slumdog Millionnaire" aus indischer Sicht und hofft, dass "diese befremdende Fröhlichkeit der Armut" in Indien, die Boyle nicht leugne, nun nicht ausgebeutet oder romantisiert wird. Michael Althen lässt die Oscar-Verleihung insgesamt Revue passieren. Jordan Mejias besucht die von den Architekten Diller Scofidio + Renfro (dysfunktionale Architektenwebsite in Flashtechnologie) und F.X. Fowle (dysfunktionale Architektenwebsite in Flashtechnologie) neu zugerichtete Alice Tully Hall im New Yorker Lincoln Center. Jörn Jacob Rohwer hat eines der letzten Gespräche mit dem im Alter von 105 Jahren verstorbenen Autor Edward Upward geführt, der sich an einige Freunde und Kollegen wie Isherwood, Spender und Auden erinnert: "Zweifellos überragte Auden uns alle als Dichter; am Ende jedoch war er ein verkommener Opportunist."

Auf der Medienseite beschreibt Gina Thomas, wie die britische "Big Brother"-Entdeckung Jade Goody ihr Krebsleiden im letzten Stadium vor der britischen Öffentlichkeit inszeniert. Auf der letzten Seite beschreibt Jürg Altwegg das Treiben im Pariser Grand Palais vor der Versteigerung der Sammlung von Yves Saint Laurent. Und Güner Y. Balci setzt sich kritisch mit dem Wirken der gut besuchten salafistischen Al-Nur-Moschee in Neukölln auseinander.

Besprochen werden Violinkozerte des wiederzuentdeckenden Komponisten Nikolai Roslawetz, auf CD eingespielt von Alina Ibragimowa, ein Frankfurter Konzert von Paolo Conte, besprochen vom Schriftsteller Andreas Maier ("Der Meister schätzt sein gesamtes Werk und verwaltet es stets mit gerechter Hand. Er war sichtlich verschnupft, hustete bisweilen, und überhaupt hatte er diesmal etwas leicht Abgerissenes, auch sein dunkler Anzug"), Jon Fosses Stück "Ich bin der Wind" in der Regie von Matthias Hartmann in Zürich und zwei Opern-Doppelpremieren in Heidelberg und Frankfurt.


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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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