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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich

Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
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- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Der biedere Untergang
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- Das Ende der Berliner Seiten
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- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Kein roher oder harter Mensch
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
19.02.2009. In der FR erklärt Herbert Rosendorfer, was ein Unsittenstrolch ist. In der Welt plädiert Wolfgang Sofsky für Untreue in Zeiten der Krise. Die FAZ ist böse. Conde Nast-Verleger Newhouse hat sie belogen, die deutsche Vanity Fair macht zu, und schuld sind mal wieder die Amerikaner. In der Zeit will sich Juri Andruchowytsch aber noch nicht ganz von Amerika verabschieden. In der SZ kritisiert der Theologe Friedrich Wilhelm Graf die Position der Kirchen zur Patientenverfügung.
Die Welt | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Neue Zürcher Zeitung | Aus den Blogs | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Die Zeit
Die Welt, 19.02.2009
Die Artikel der Welt waren heute morgen leider nicht online aufzurufen.
Der Soziologe Wolfgang Sofsky schreibt eine Variation über die Untreue, die gerade in Zeiten der Krise zu einem - von Sofsky durchaus positiv eingeschätzten - Wandel allzu stabiler gesellschaftlicher Formationen beitrage. Aber Vorsicht: "Unter den Verlassenen grassieren Ärger, Wut und Ressentiments. Abtrünnige werden als Verräter oder Deserteure beschimpft. Auf Emigranten war man in der deutschen Provinz schon immer schlecht zu sprechen. Statt auf Leistungskorrektur setzt man lieber auf Propaganda. Man appelliert an Verantwortung, verunglimpft Überläufer und Billiganbieter. Als sei der freie Bürger irgendeiner teuren Institution zu Treue verpflichtet. Die kaltschnäuzige Verrechnung von Beitrag und Gegenleistung möchte man um jeden Preis verhindern."
Weitere Artikel: Michael Stürmer freut sich, dass das Land Baden-Württemberg und das darbende Haus Baden ein Arrangement gefunden haben. Berthold Seewald liest eine Studie des Wirtschaftsministeriums über den Kultur- und Kreativmarkt. Michael Pilz porträtiert den Filmkomponisten A.R. Rahman, der von Bollywood kommt und jetzt Musik für Filme wie "Slumdog Millionär" macht. Eckhard Fuhr schreibt über neu aufgefundene Dokumente aus dem Leben Heinrich Manns, die am Dientagabend in der Akademie der Künste vorgestellt wurden. Und Kai-Hinrich Renner schreibt über das Ende der deutschen Vanity Fair.
Besprochen werden Filme.
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Frankfurter Rundschau, 19.02.2009
Zu Herbert Rosendorfers 75. Geburtstag druckt die FR seinen Text über den "Unsittenstrolch": "Die Untiefe ist nicht analog der Unsumme, der Unzahl usf. eine besonders tiefe Tiefe sondern eine - von den Seefahrern gefürchtete - seichte Stelle. (Ein anderes Beispiel ist der Ungar, als der ein besonders weicher, kein roher oder harter Mensch bezeichnet wird.) Der Unsittenstrolch strolcht also durch die Lande, fröhlich pfeifend und verbreitet, wo er geht und steht, Sitte."
Weiteres: Harry Nutt sieht in der Times mager viel Rost durch das Berliner Blattgold hervorschimmern. Auf der Medienseite begräbt Hans-Hermann Kotte die deutsche Vanity Fair: "Vanity Fair blieb bis zuletzt auf der Suche nach einem Profil auf dem Hochglanz-Boulevard, man hatte mit dem beschränkten Glamour-Faktor des deutschen VIP-Wesens zu kämpfen."
Besprochen werden Gus van Sants Biopic "Milk", Paul Schraders Verfilmung von Yoram Kaniuks "Adam-Hundesohn"-Roman "Ein Leben für ein Leben", die Jim-Carrey-Komödie "Der Ja-Sager", eine Schau japanischer Holzschnitte aus der Edo-Zeit im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt. Rüdiger Rossigs Kulturführer zu "Ex-Jugos", ein Bruckner-Konzert mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern.
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Der Tagesspiegel, 19.02.2009
Zum 100. Jahrestag von Marinettis "Manifeste du Futurisme" ist in Europa ein "stiller Konkurrenzkampf um das Vorrecht am Futurismus" entbrannt, berichtet Bernhard Schulz. "Das Pariser Centre Pompidou hat ihn unlängst ganz der französischen Kunst einverleibt, aus dem frühen Kubismus hervorgehend und von Robert Delaunay wieder eingeholt. Das Moskauer Puschkin-Museum hat zuvor bereits auf die Konfrontation von italienischen Werken und genuin russischen, vorrevolutionärem 'Kubo-Futurismus' gesetzt, zwei industriell unterentwickelte Länder über das bewusste Ungestüm ihrer Kunstäußerungen in Beziehung setzend. Und in Deutschland erinnert man sich gern - demnächst erneut im Sprengel-Museum Hannover - der Verbindungen, die sich vom süddeutschen Expressionismus des 'Blauen Reiter' über Delaunay nach Frankreich und zum Futurismus spannten. Im Herbst zeigt auch der Berliner Gropius-Bau eine Schau."
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Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2009
Bora Cosic macht sich Gedanken um eine Tasche mit Werkzeug, die eine Astronautin im Weltraum verloren haben soll. Sieglinde Geisel beschreibt das Berliner Nicolaihaus, in das bald der Suhrkamp Verlag einziehen wird. Angela Schader schreibt zum Tod des sudanesischen Schriftstellers Tajjib Salich. Michael Wenk schreibt zum 100. Geburtstag von Heinz Erhardt.
Besprochen werden eine Schau des Modemachers Hussein Chalayan im Design Museum London, ein Konzert des Tonhalle-Orchesters Zürich mit Yefim Bronfman, Ursula Meiers Film "Home" und Gus Van Sants Biopic "Milk".
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Aus den Blogs, 19.02.2009
Einen kleinen Ausflug in die Geschichte des Blogs unternimmt Alexander Missal in Carta: "Es ist ein bisschen merkwürdig, dass Blogs als medienhistorisches Thema bisher kaum gewürdigt wurden. Im deutschen Sprachraum ist der Wiener Karl Kraus (1874-1936), dessen Blog Die Fackel 37 Jahre lang existierte, das naheliegendste Beispiel. Der Moralist Kraus legte sich darin mit Gott und der Welt an und natürlich auch mit den etablierten Medien, die er 'Pressmafia' und 'Journaille' nannte. (Letzteren Begriff hat er berühmt gemacht, allerdings zuvor von einem Freund geklaut, was er auch gern zugab.) Als Fabrikantensohn war Kraus finanziell unabhängig, was ihm als Publizist fuckyouability (die Abkürzung FUA stammt von Michael Kinsley) zusicherte: Die Gewogenheit anderer konnte ihm gleichgültig sein."
Zu einem bedauerlichen Gewaltvorfall kam es laut Gawker im Libanon. Der Kolumnist Christopher Hitchens wurde von syrischen Nationalisten geschlagen, berichtet Gawker: "Hitch was beaten by local thugs affiliated with the crazy Syrian Social Nationalist Party, an either left- or right-wing group wishing to see basically all of the middle east joined as 'Greater Syria'. All because-like our very own Poster Boy!-he defaced a poster. Unfortunately it was a poster for the SSNP, and Hitch defaced it by writing 'Fuck the SSNP' on it..."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2009
Auf der Medienseite nimmt Michael Hanfeld Abschied von der gestern plötzlich und zu diesem Zeitpunkt doch unerwartet dahingegangenen deutschen Vanity Fair. Schuld daran sind die Amerikaner: "Diese Krise aber, das sollte man nicht vergessen, kommt aus Amerika, dem Land der unbegrenzten Schuldenmacherei, das zuerst die Finanz- und dann die Weltwirtschaft in den Abgrund gezogen hat. Und so ist es auch bei Conde Nast und der deutschen Vanity Fair, auf die der Verlag angesichts von Investitionen, die sich im dreistelligen Millionenbereich bewegen dürften, nie und nimmer verzichten würde, ginge nicht auch dort die Malaise von den amerikanischen Verhältnissen aus." Im Interview entschuldigt sich Conde-Nast-Chef Jonathan Newhouse vielmals dafür, dass er noch vor elf Wochen an selber Stelle behauptet hatte, der Zeitschrift gehe es prächtig.
Weitere Artikel: Rainer Hank kündigt an, dass statt eines Romans in den nächsten Tagen die Radioansprachen des nachfrageorientierten Ökonomen John Maynard Keynes aus der Zeit der Depression abgedruckt werden. Dort lernen wir, dass der "Staat als Ersatznachfrager einspringen und mit viel Geld klotzen soll" (In eigenartigem Kontrast dazu steht Carsten Knops Kommentar zu GM und Opel auf Seite 1 des politischen Teils: "Es ist Zeit für eine Insolvenz... Ein Konkurs von General Motors aber wäre auch für deren deutsche Tochtergesellschaft Opel die beste Lösung. Nur dann könnte man versuchen, aus der Konkursmasse die Teile von GM zusammenzubauen, die man braucht, um aus Opel tatsächlich wieder einen eigenständigen, mittelgroßen Anbieter von Mittelklasseautos zu machen.")
Dirk Schümer hat sich schon vor der Premiere am Freitag ein Bild von der historischer Aufführungspraxis sich nähernden Inszenierung von Händels Oper "Radamisto" in Karlsruhe machen können. Rainer Hermann erklärt, was es mit der nun tatsächlich kommenden Istanbuler Künstlerakademie Tarabya auf sich hat. Tobias Rüther weiß, wie man mit "Durchhaltefibeln" durch die Krise kommt. In der Glosse meditiert Edo Reents über Eier- und Propellerköpfe. Auf der Kinoseite porträtiert Rüdiger Suchsland den amerikanischen Drehbuchautor ("Taxi Driver") und Regisseur ("Affliction") Paul Schrader, den er anlässlich des Deutschlandsstarts seines neuen Films "Ein Leben für ein Leben" zum Gespräch traf.
Besprochen werden Karsten Wiegands Inszenierung von Charles Gounods "Faust" an der Berliner Lindenoper, Thomas Langhoffs Inszenierung von Federico Garcia Lorcas Stück "Dona Rosita" am Berliner Ensemble, kurz und knapp: Calixto Bietos "Lulu"-Inszenierung in Basel und eine Aufführung von Haydns "Orlando paladino" in Gießen, außerdem die "Rothko/Giotto"-Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie, eine Vitrinenausstellung von neu aufgefundene Dokumenten aus dem Leben Heinrich Manns in der Berliner Akademie der Künste, ein Konzert der Band Bloc Party in Köln, Pierre Morels Thriller "96 Hours" und Bücher, darunter Hari Kunzrus Roman "Revolution" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 19.02.2009
In einem Interview über seinen außergewöhnlichen Holocaust-Film "Adam Resurrected - Ein Leben für ein Leben" auf der Grundlage des Romans "Adam Hundesohn" von Yoram Kaniuk erklärt Paul Schrader, weshalb Jeff Goldblum allein für diese Rolle geboren worden sei und warum der Film, wie wir ihn kennen, inzwischen eine Sache des 20. Jahrhunderts ist. Ronald Berg begeistert sich für das minimalistische Setting der Ausstellung "Rothko/Giotto" in der Berliner Gemäldegalerie, die aus nur drei Bildern besteht und zum eingehenden Vergleich einlädt. Vor allem Sean Penn in der Hauptrolle von Gus van Sants Film über den ersten homosexuellen amerikanischen Politiker Harvey "Milk" überzeugt Diedrich Diederichsen von diesem Biopic, das auch auf aktuelle Backlash-Trends wie massiv homophobe Kampagnen gegen gleichgeschlechtliche Ehen reagiert. Und Thomas Schramme erinnert an Filippo Marinetti und sein erstes Futuristisches Manifest, das am 20. Februar 1909 erschien; der Text erscheint in voller Länge in der April-Ausgabe der Zeitschrift Polar.
Auf den Tagesthemenseiten erklärt Kommunikationswissenschaftler Friedrich Krotz, warum sich der Kapitalismus selbst ruiniert habe und die derzeitigen Rettungsmaßnahmen die eigentliche Krise darstellen. "Warum aber, so eine der Fragen, über die Medien und Regierung hinweggehen, warum werden dann die Banken mit Geld gefüttert und nicht die Familien und Haushalte, die ihre Kreditzinsen nicht mehr bezahlen können? Dann bekäme das Banksystem Geld, und zugleich würden Eltern und Kinder nicht aus ihren Häusern gejagt. Vermutlich würde dann allerdings deutlich werden, dass die sogenannten faulen Kredite nicht mehr als ein kleiner Auslöser der Krise waren."
Hier Tom.
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Süddeutsche Zeitung, 19.02.2009
Dass die deutsche Vanity Fair möglicherweise doch nicht vom bösen Internet oder den Amerikanern ruiniert wurde, sondern von deutschen Redakteuren und Managern, erfahren wir auf der Medienseite von Marc Felix Serrao: "Es gibt viele Gründe, weshalb Vanity Fair weder unter Poschardt noch unter dem etwas bescheideneren Albrecht profitabel wurde. Der wohl wichtigste Grund, heißt es auch intern, war die eigenartige Vermarktungsstrategie des langjährigen deutschen Conde-Nast-Chefs Bernd Runge, die so gar nicht zur angestrebten elitären Leserschaft passen wollte."
Im Feuilleton geht der Theologe Friedrich Wilhelm Graf beim Thema "Patientenverfügung" recht hart mit den Kirchen in Deutschland ins Gericht: "Im Streit um Sterbebegleitung sind die Kirchen den gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht geworden. Lange Zeit ignorierten sie die Sorgen und Nöte jener Bürger, die an ihrem Lebensende nicht zum wehrlosen Objekt sinnloser 'Apparatemedizin' werden möchten. Und im aktuellen Streit um Reichweite und rechtliche Verbindlichkeit von Patientenverfügungen setzen sie abermals auf autoritäre Bevormundung freier Bürger. Ihre paternalistische Sprache der 'Fürsorge' kann nicht verdecken, dass nur das Grundrecht auf freie Selbstbestimmung unterlaufen wird."
Zwei ganze Sonderseiten widmet das Feuilleton, zu dessen 100. Veröffentlichungstag, dem Futuristischen Manifest und seiner Bedeutung damals und heute. Holger Liebs verortet Marinetti in der Kunst, Lothar Müller untersucht seine Beziehung zur englischen Avantgarde und Reinhard J. Brembeck schreibt über futuristische Musik und ihre Probleme. Kia Vahland erklärt, wie die Futuristen den Humanismus überwinden wollten, Gerhard Matzig weiß, dass nicht Anarchie, sondern nur Ökonomie aus dem Futurismus wurde und Thomas Steinfeld informiert darüber, wie das Jubiläum in Italien begangen wird.
Weitere Artikel: Andrian Kreye kommentiert einen ersten Teilsieg der Filesharing-Schweden aus der Pirate Bay, zweifelt aber ohnehin grundsätzlich am Sinn des Prozesses: "Mehreren Millionen Kleindiebe wird man per Gesetz sowieso nicht Herr." Till Briegleb kann der Hamburger Hafencity aus architektonischer Sicht wenig abgewinnen. Aus der Begeisterung (?) für den neuen Wirtschaftsminister Karl Theodor et cetera Freiherr von und zu Guttenberg glaubt Johan Schloemann ein zum Positiven gewandeltes Adelsbild ablesen zu können. Petra Steinberger weiß, was die Designforschung an Plakaten aus dem libanesischen Bürgerkrieg interessiert. Lothar Müller gratuliert dem Filmemacher und Schriftsteller Thomas Harlan zum Achtzigsten. Auf der Literaturseite schreibt Stefan Weidner den Nachruf auf den sudanesischen Erzählers Tajjib Salich.
Auf der Kinoseite gibt es ein Interview mit Gus van Sant und Dustin Lance Black, Regisseur und Drehbuchautor von "Milk", sowie ein Gespräch mit Josef Hader, der in der dritten Wolf-Haas-Verfilmung "Der Knochenmann die Hauptrolle spielt. Fritz Göttler weist auf Neues von Straub &, postum, auch Huillet hin.
Besprochen werden ein Münchner Konzert des Schlagzeug-Stars Martin Grubinger, Gounods "Faust" an der Berliner Staatsoper, Pierre Morels Film "96 Hours" und Bücher, darunter Egyd Gstättners Roman "Der Mensch kann nicht fliegen - der letzte Tag des Carlo Michelstaedter" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Zeit, 19.02.2009
Im Interview mit Giovanni di Lorenzo und Claus Spahn spricht der Pianist Maurizio Pollini über die Gewissenhaftigkeit italienischer Künstler, die deprimierende politische Lage und den Konservatismus der Jugend: "Was ich bei vielen jungen Künstlern bedaure, ist ihr spärliches Interesse an der zeitgenössischen Musik. Die heute 20- bis 30-Jährigen müssten sich doch unbedingt dafür interesieren. Es wäre außerordentlich wichtig, dass die große und geniale Musik aufgeführt wird, die im zwanzigsten Jahrhundert und bis heute geschrieben wurde. Dass Publikum muss dafür sensibilisiert werden. Bedenken Sie: In den bildenden Künsten genießt die Moderne eine weit größere Aufmerksamkeit als in der Musik."
In der Reihe "Was kommt nach Amerika?" misstraut der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch dem Abgesang auf die USA. Das könnte den Menschenfresser-Regimen dieser Welt so passen, denen eine solch glorreiche Zukunft vorausgesagt wird: "Oh, konstatiere ich, immer dieselben: Brasilien, Russland, Indien, China. Eine ganz einfache private Recherche (per Google, wie Sie sich denken können) führte mich zu den Quellen. BRIC haben 2003 die Analysten der amerikanischen Investmentbank Goldman & Sachs erfunden. Jim O'Neill und seine Leute hatten zweifellos Erfolg - das von ihnen injizierte 'geoökonomische Gedankenvirus' erwies sich als äußerst attraktiv. Am besten gefiel es den Russen. Brasilien, Russland, Indien, China - BRIC. Das sieht ganz zufällig aus - wie eine Qualifikationsgruppe bei der Fußballweltmeisterschaft oder vielleicht eher beim Rasenhockey. Tatsächlich aber ist es viel ernstzunehmender: eine Gruppe von Supermächten, die, folgt man Jim O'Neill und Wladimir Putin, die Welt in einigen Jahrzehnten dominieren werden."
Weitere Artikel: Christiane Grefe besucht Mumbais Elendsviertel Dharavi, über dessen Darstellung in Oscar-nominierten "Slumdog Millionaire" angeblich so große Empörung in Indien herrscht. Katja Nicodemus preist Tilda Swinton für die "Leichtigkeit und unprätentiöse Eleganz", mit der sie über die Berlinale präsidierte. Jens Jessen stellt klar, dass Heinz Erhard nicht harmlos war. Und auch die japanische Free-Jazz-Piansitin Aki Takase verehrt den Wirtschaftswunder-Komiker.
Besprochen werden die Degas-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle und Calixto Bieitos "Lulu"-Inszenierung in Basel.
Im Aufmacher des Literaturteils empört sich Iris Radisch über Tilman Jens' Abrechnung mit seinem Vater Walter Jens. Im Politikteil durchschreitet Wolfgang Büscher 90 Jahre deutscher Geschichte. Im Dossier beschreiben Stephan Lebert und Stefan Willeke, wie die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihrem miesen Programm gerade selbst abschaffen.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





