Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 10.02.2012, 17.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Krimsekt und Tee

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

14.01.2009. In der NZZ klagt der palästinensische Lyriker Salman Masalha: "Ein grundlegendes Problem arabisch-islamischer Gesellschaften ist die fehlende Tradition der Gewissensprüfung." Die Welt online bringt Durs Grünbeins spöttisches Abschiedslied auf den Palast der Republik. Die FAZ liest die Erinnerungen Dominique Fernandez' an seinen Vater, den Kollaborateur Ramon. Alle Zeitungen (inklusive der Berliner) begrüßen die Übernahme des Berliner Verlags durch DuMont Schauberg.

Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2009

In einem sehr lesenswerten Text beklagt der palästinensische Lyriker Salman Masalha die aufgeblasene Rhetorik der Palästinenser und die Unehrlichkeit gegenüber sich selbst: "Ein grundlegendes Problem arabisch-islamischer Gesellschaften ist die fehlende Tradition der Gewissensprüfung. In anderen Gesellschaften ist dieser Prozess solide in der Denkkultur verankert und ermöglicht ständige Selbstkorrektur, aber die arabischen Gesellschaften kennen diesen Mechanismus nicht. Weder schreibt ihn die Religion vor, noch ist es im Interesse der korrupten Regime, ihn zu propagieren; auch die arabischen Intellektuellen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - führen diesen Artikel nicht im Sortiment."


Jörg Plath gibt eine Vermisstenanzeige auf: Gesucht wird Russlands jüngere Autorengeneration auf dem deutschen Buchmarkt: "Das Imperium ist offenbar verschlossen. Man finde keine Kooperationspartner, klagen in fast identischen Formulierungen Andreas Tretner, Berliner Übersetzer von Pelewin und Sorokin, Oliver Zille, Direktor der in Osteuropa stark engagierten Leipziger Buchmesse, und Thomas Wiedling von der Literaturagentur Nibbe & Wiedling bei München. 'Das Land ist reich, aber misstrauisch', sagt Tretner. Messedirektor Oliver Zille ist 'zehn Jahre lang erfolglos gegen die Festung angerannt', um junge Autoren zu präsentieren, die eine differenzierte Sicht auf das Land böten. Doch die Russen seien beratungsresistent, sie fürchteten ein 'einseitiges Bild': Als der Moskauer Philosoph Michail Ryklin vor zwei Jahren den Leipziger Buchpreis für europäische Verständigung erhielt, wurde beleidigt reagiert. "

Besprochen werden eine Ausstellung zu Europas neuer Urbanität im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, Monografien zu Wilhelm II., der Briefwechsel zwischen Theodor W. Adorno und Siegfried Kracauer sowie neue Gedichte von Richard Dove, Steffen Popp und Rutger Kopland (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Die Welt, 14.01.2009

Das haben wir gestern übersehen, darf Ihnen aber nicht vorenthalten bleiben: Durs Grünbein sang auf Welt online ein Abschiedslied für den Palast der Republik. Hier der Anfang:


"Es gab mal ein Haus in Berlin,
Dort ging man zum Stasi-Ball hin.
Da traf sich zu Krimsekt und Tee
Die SED-Hautevolee.
..."

Bild zum ArtikelHeute im Feuilleton: Manuel Brug amüsiert sich wunderbar in David Aldens Amsterdamer Inszenierung von Francesco Cavallis Barockoper "Der verliebte Herkules" - Balletteinlagen von Lully und einem mit Muskelprothesen aufgebretzeltem Ludwig XIV.: "Zum Schluss wird es dann lupenrein französisch, Lully trägt mit seinen letzten, kaum enden wollenden Tanz-Entrees den stilistischen Sieg davon. Und Alden trägt dem Rechnung: Vor einer surrealen Säulenarchitektur in Gold und Blau geht es jetzt weniger um Typenkomödie, nur noch um zeremonielle Repräsentation. Der tote, dennoch unsterblich gewordene Herkules alias Ludwig, jetzt mit der personifizierten Schönheit verbunden, zeigt was er hat - und tut was er will. Von seinen Plastikmuckis mag er nicht lassen. Und von der am nächsten stehenden Chordame auch nicht." (Foto: Ruth Walz; und hier ein Ausschnitt im Video).

Außerdem: Abraham Lincoln kam es im Bürgerkrieg nicht auf die Befreiung der Sklaven, sondern auf die Rettung der Nation an, schreibt Berthold Seewald. Uta Baier stellt das Nachlassarchiv für Künstler vor, dass gerade in der Abtei Brauweiler bei Köln gegründet wird. Elmar Krekeler freut sich, dass die Vorlage für viele, in der letzten Zeit ausgezeichnete Filme von Schriftstellern stammt. Perus Antiken sind durch Grabräuber und Schmuggler gefährdet, berichtet Alexander Kluy, und deshalb hat die ICOM für das Land eine Rote Liste gefährdeter Antiken erstellt. Jörn Lauterbach annonciert Tina Turners heute beginnende Deutschland-Tournee. BZ und Bild-Zeitung wurde per Einstweiliger Verfügung untersagt, aktuelle Fotos von Christian Klar zu veröffentlichen, damit seine Resozialisierung nicht gefährdet wird, berichtet Sven Felix Kellerhoff.

Drei Artikel sind dem hysterisch erfolgreichen Teenie-Vampirfilm "Twilight" gewidmet. Eberhard von Elterlein schickt die Filmkritik. Wieland Freund stellt die "Twilight"-Autorin Stephenie Meyer vor. Und Rüdiger Sturm porträtiert den Hauptdarsteller des Films "Twilight", Robert Pattinson, als Instant-Star.

Und im Magazin beschreibt Folkert Lenz die Aufzucht von Hummern in Helgoland.

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Die Tageszeitung, 14.01.2009

So richtig was anfangen kann Diedrich Diederichsen mit Lars von Triers neuem Film "The Boss of It All", der in der Tristesse heutigen Bürolebens spielt, wohl nicht. Und doch: "Nur die Strategiebesprechungen zwischen Ravn und Kristoffer spielen an ausgesuchten Schauplätzen der Kopenhagener Realität. Da wird bei einem Treffpunkt im Zoo von jemandem geredet, der ein unglaubliches Gedächtnis hätte, während man dazu missraten kadrierte Bilder von einem Elefanten sieht. Ravn ringt nach Worten und sagt tatsächlich: 'Äh, äh, wie ein Elefant.' Das ist natürlich groß."


Weitere Artikel: Arno Münster erinnert an den utopischen Sozialisten Pierre-Joseph Proudhon, dem wir den Spruch "Eigentum ist Diebstahl" verdanken und der vor 200 Jahren geboren wurde. Lukas Sander verfolgte in Bergen-Belsen eine Tagung von Aufarbeitern über die Zukunft des Erinnerns. Für tazzwei schreibt Barbara Nakaseke eine Reportage über Simbabwe in Zeiten der Cholera.

Und Tom.

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Berliner Zeitung, 14.01.2009

Hier der mit BLZ gezeichnete Artikel der Berliner Zeitung über den Kauf des Berliner Verlags durch Alfred Neven DuMont. Zitiert wird auch die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch: "Für die Titel lägen große Chancen in 'einem langfristigen Interesse eines Verlegers in Qualitätsprodukte', sagte sie. Aber es gebe auch Risiken. Denn DuMont Schauberg 'wird uns in seine Strukturen einbinden'."

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Frankfurter Rundschau, 14.01.2009

Im Interview mit Stefan Schickhaus spricht der Pianist Martin Stadtfeld über Bachs Spiritualität und seine Enspielung des "Wohltemperierten Klaviers": "Eine ganze Welt, hoch verdichtet in einer kleinen Form. Was für die Sternenphysiker ein schwarzes Loch ist, ist für die Musiker ein solches Präludium. Das D-Dur-Präludium ist dabei ein sehr jubelndes, diesseitiges, ja ein vergleichsweise profanes Stück. Das andere Extrem wäre die fis-Moll-Fuge, die die alte, spätmittelalterliche Welt widerspiegelt, wo eine Kerze in einem gotischen Dom flackert."


Weiteres: Nach dem zweiten Konjunkturpaket setzt Harry Nutt auf die "politische Gestaltungsfähigkeit der Gesellschaft". Judith von Sternburg fällt in Times mager wieder ein, dass der Mensch an sich nicht gut ist. Daniel Kothenschulte schreibt zum Tod des französischen Filmproduzenten Claude Berri.

Die Medienseite meldet den Kauf des Berliner Verlags durch Neven Dumont, zu dessen Verlagsimperium auch die FR gehört, und frohlockt: "Finanzinvestoren ziehen sich aus Deutschland zurück".

Besprochen werden Filme zu Charles Dawrin, die Uraufführung von A.L. Kennedys "Altweibersommer" in Oberhausen und Denis Johnsons Vietnam-Roman "Ein gerader Rauch".

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Aus den Blogs, 14.01.2009

Islamische Internetforen rufen zum Boykott von Aldi und Lidl auf, meldete am 10. Januar ufuq.de. "Seit Tagen kursiert in islamischen Internetforen ein Aufruf, die Supermarktketten Aldi und Lidl am 9. und 10. Januar 2009 zu boykottieren. Anlass des Aufrufs ist das Gerücht, die Einnahmen dieser Supermärkte würden an diesen Tagen nach Israel gespendet. In einem dieser Aufrufe heißt es dazu: 'Daher bitte ich euch, vermeidet es Freitags und Samstags dort einzukaufen. Jeder, der dort einkauft, spendet somit automatisch für das israelische Besatzungsregime und ihre Massaker an die Palästinenser. Ich bitte Sie, die Nachricht ernst zu nehmen, sie ist sicherlich kein altbekannter Internet - Hoax.'" Im Blog Muslime wird der Aufruf inzwischen sehr selbstkritisch diskutiert.


Via Jezebel. Die britische Presse hat Kate Winslet für ihren Auftritt bei den Golden Globes geschlachtet: "Bei dieser Rede hätte sich sogar ein Kadaver vor Peinlichkeit gekrümmt". Die englische Schauspielerin war mit zwei Globes ausgezeichnet worden und geriet darüber in, ähm, Erregung (Videos bei Youtube). Der Guardian war angeekelt, die Times hielt sie für beschwipst, und der Independent forderte eine Entschuldigung von Winslet.

Die Sachsen wollen den russischen Ministerpräsidenten Putin mit dem "Sächsischen Dankesorden" auszeichnen. Der Preis ist dem "Kampf für das Gute" gewidmet. Richard Wagner fragt in der Achse des Guten: "Putin und der Kampf für das Gute? Sollte man das nicht auch als einen besonders geschmackloser Kommentar zur Erinnerung an die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja verstehen? Nein, ganz und gar nicht, schallt es einem aus der Oper entgegen. Putins Verdienste um den deutsch-russischen Kulturaustausch wolle man würdigen. So der Jurysprecher Hans-Joachim Frey. Ob damit die Beutekunst gemeint ist, die Russland nicht herausgibt?"

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Weitere Medien, 14.01.2009

In London macht eine atheistische Werbekampagne von sich reden. Auf Bussen steht der Spruch: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Also machen Sie sich keine Sorgen und leben Sie wohl." Cicero online unterhält sich mit einem der Initiatoren, Jon Worth. Auf die Frage, warum da "wahrscheinlich" steht, antwortet er: "Wir Initiatoren müssen dieselben Regeln wie Firmen akzeptieren, deshalb gelten für uns die strengen Werberegeln Großbritanniens: Wenn ich schreibe, ein Bier ist das Beste der Welt, kann das sehr teuer werden, wenn ich das nicht belegen kann. Wenn ich schreibe, es ist wahrscheinlich das Beste, ist man auf der sicheren Seite."

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Süddeutsche Zeitung, 14.01.2009

Sebastian Schoepp schickt eine Reportage aus Bolivien, wo durch eine Verfassungsänderung unter dem linken Präsidenten Evo Morales die Bevölkerungsmehrheit der Indios besser gestellt wird: "Den reichen Nachfahren europäischer Einwanderer zu vermitteln, dass nun jeder Staatsangestellte neben Spanisch eine der mehr als 30 indigenen Sprachen Boliviens beherrschen muss, wird allerdings schwierig."


Weitere Artikel: Johan Schloemann resümiert schwedische Enthüllungen über den Dokumentarroman "Mia" von Liza Marklund, der nicht ganz so präzise auf Fakten zu beruhen scheint, wie er es glauben macht, so dass die mit diesem Roman extrem erfolgreiche Autorin nun in Bedrängnis gerät. Harald Eggebrecht berichtet von einer Pressekonferenz des Internationalen Museumsrats (Icom) im Münchner Völkerkundemuseum, wo eine "Rote Liste der gefährdeten Antiken Perus" vorgestellt wurde. Lothar Müller zeichnet eine kleine Debatte (mehr hier) um eine "Letter of Last Resort" des britischen Premierministers nach, der im Safe eines britischen U-Boots lagert und nur dann geöffnet werden darf, wenn das Land quasi untergegangen ist. Susanne Weinhart berichtet über ein gemeinsames Projekt von Google Earth und dem Prado - Google präsentiert einige Werke des Museums in extrem präziser Auflösung. Stephan Schlak gratuliert dem Literaturwissenschaftler Helmut Lethen zum Siebzigsten.

Besprochen werden der jüngst ausgezeichnete Film "Zeiten des Aufruhrs" nach Richard Yates, Cavallis Oper "Ercole amante" in Amsterdam, die Ausstellung "Political / Minimal" in den Berliner Kunstwerken und Bücher, darunter der zweite Band von Schalamows "Erzählungen aus Kolyma" (mehr hier).

Auf der Medienseite porträtiert Kurt Röttgen den Verleger Alfred Neven DuMont ("Die publizistische Qualität war ihm immer genauso wichtig wie der Profit"), der nun im Alter von 82 Jahren den Berliner Verlag den Klauen ausländischer Heuschrecken entriss.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2009

Jürg Altwegg hat "Ramon" gelesen, das Buch des französischen Schriftstellers Dominique Fernandez über seinen Vater, der einer der eifrigsten intellektuellen Kollaborateure mit den Nazis war: "Mit vierunddreißig Jahren war Ramon Fernandez Sozialist, Schriftsteller und Mitarbeiter einer linken Zeitschrift - der begabteste und gebildetste Rezensent seiner Generation... Mit dreiundvierzig wurde er Faschist und drei Jahre später eine Schlüsselfigur der Kollaboration... Man traf sich auch in der Wohnung von Ramon Fernandez: [Gerhard] Heller, Ernst Jünger. Im Stockwerk darüber wohnten Marguerite Duras und, bis zu seiner Deportation, Robert Antelme. Hier war der Widerstand aktiv. Die Duras hatte Fernandez persönlich informiert und ihm mitgeteilt, dass man sich fortan auf der Straße besser nicht mehr grüße. Im Treppenhaus blieb man freundlich und vertraut."


Weitere Artikel: Seine Schilderung einer abgewiesenen Beleidigungsklage in Karlsruhe schließt der Juraprofessor Christoph Möllers aphoristisch: "Die politische Philosophie mag uns lehren, was richtig ist, aber es mag nicht immer richtig sein, aus dem Richtigen Recht zu machen." In der Glosse erklärt Richard Kämmerlings, was Barack Obama mit der Gartenbaukunst zu tun hat. Sandra Kegel stellt Johanna Adorjans (mehr) autobiografischen Debütroman "Eine exklusive Liebe" vor, den die FAZ ab heute vorabdruckt. Vom Jazzfestival in Münster berichtet Ulrich Olshausen. Wiebke Hüster porträtiert Manuel Legris, der im Herbst Direktor des Balletts der Wiener Staatsoper wird. Über massive Sparmaßnahmen bei Sotheby's und Christie's informiert Gina Thomas. Gerhard Stadelmaier vermeldet: Thomas Oberender tritt vom Rücktritt zurück und bleibt erst einmal noch Schauspielchef in Salzburg. Auf der Medienseite verabschiedet Michal Hanfeld freudig die Heuschrecke David Montgomery vom deutschen Zeitungsmarkt .

Besprochen werden eine Aufführung von Francesco Cavallis "Ercole amante" in Amsterdam, ein Konzert der Band Little Joy in Köln, die Ausstellung "Interieur/Exterieur" im Kunstmuseum Wolfsburg, Sam Mendes' Film "Zeiten des Aufruhrs", und Bücher, darunter Rutger Koplands Gedichte "Dank sei den Dingen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

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