Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Der Kostümfilm zum Schloss
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.12.2008. In der FAZ meint Richard Ford: Egal ob Obama Erfolg hat oder nicht: die Rassisten werden es ihm nicht verzeihen. Die NZZ bringt eine vertrackte Statistik zur Tugend des Schlankseins in Japan. Im Spiegel spricht Christoph Schlingensief über seine Krankheit. In der Welt erklärt der Rechtsanwalt und Publizist Klaus Faber, warum er den Begriff der "Islamophobie" absurd findet. Heinrich Breloers "Buddenbrooks"-Verfilmung findet wenig Anklang.
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Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2008
Literatur und Kunst bringt eine Beilage über Tugenden (Editorial). Am meisten interessiert uns Florian Coulmas' Artikel über die regierungsamtlich überwachte Tugend des Schlankseins in Japan. Darin eine interessante Statistik: Wer viel isst, muss auch viel zahlen. Am schlimmsten dran sind die Amerikaner: "Mit 3691 Kilokalorien pro Tag essen sie am meisten und zahlen pro Kopf am meisten für ihre Gesundheit: 6400 Dollar (2006). Die Japaner nehmen nur 2838 Kilokalorien zu sich und brauchen im Schnitt nur 2350 Dollar für ihre Gesundheit aufzuwenden." Und hier ein Hinweis für die Schweizer: "Natürlich lässt diese Korrelation keine Extrapolation nach unten zu. Dass, wer nichts isst, auch für seine Gesundheit nichts auszugeben braucht, stimmt zwar, aber nicht im Sinne der Förderung der Volksgesundheit."
Weitere Artikel in der Beilage: Andrea Köhler schreibt über Dankbarkeit. Roman Bucheli feiert das "Glück des Verlierens". Wilhelm Genazino schreibt eine hübsche vignette über das Warten auf einen verspäteten Zug. Uwe Justus Wenzel mahnt: Unfrei wäre der Mensch, "wenn ihm die Tugend zur bloßen Gewohnheit würde." Angela Schader verfertigt ein Nachtstück über die Gerechtigkeit. Birger P. Priddat fragt, "ob die Finanzkrise eine Tugendkrise sei". Der Musikwissenschaftler Anselm Gerhard fragt: "Braucht herausragende Musik Fleiß?" Und David Albahari erzählt eine kleine Weihnachtsgeschichte.
Im Feuilleton berichtet Beat Stauffer über eine Versöhnungskommission in Marokko, die einige Folterzentren des Königs Hassan II. zu Gedenkstätten umwidmen will und damit erregte Diskussionen im Land auslöst: "Dass aber eine solche Debatte überhaupt öffentlich geführt werden kann, muss positiv gewürdigt werden; Marokko nimmt in dieser Hinsicht einmal mehr eine Vorreiterrolle in der arabischen Welt ein." Andrea Köhler zitiert amerikanische Reaktionen auf die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser". Und Marc Zitzmann hat einen Scoop: "Trotz oder gerade wegen der Krise weihnachtet es in Paris sehr."
Besprochen werden eine Ausstellung mit holländischen Stadtansichten von Vermeer bis Jan Steen im Mauritshuis Den Haag.
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Aus den Blogs, 20.12.2008
(via BoingBoing) Falls Sie noch ein Weihnachtsgeschenk suchen, hat Rhyme in Tyme einen wirklich originellen Vorschlag für Leute, die in jeder Situation arbeiten.
(via turi2) Golem meldet, dass Xing das amerikanische Nachrichtenportal Socialmedian gekauft hat, das ähnlich wie Google News Medieninhalte aggregiert, aber die Nutzer entscheiden lässt, welche Nachrichten sie wichtig finden: "Socialmedian sortiert die Nachrichten aus 19.000 Quellen, darunter Dienste wie Digg, Delicious, Twitter, Flickr, Facebook, Youtube, Google Reader und FriendFeed sowie Blogs und Medien. Dabei können individuelle Newsfilter auch mit anderen Nutzern im Netz von Socialmedian geteilt werden, wodurch Feeds zu speziellen Themen effizienter ausgetauscht werden sollen. Xing will diesen Dienst künftig integrieren und seinen Nutzern individuell gefilterte Nachrichten aus allen Internetquellen automatisch zur Verfügung stellen."
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Spiegel Online, 20.12.2008
Im Gespräch mit Anke Dürr und Wolfgang Höbel redet Christoph Schlingensief bestürzend offen über den Stand seiner Krankheit: "Der Stand ist, dass ich circa zehn neue erbsengroße Metastasen habe in dem einen Lungenflügel, der mir nach meiner Operation geblieben ist. Das sieht nicht gut aus."
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Die Welt, 20.12.2008
"Puccini ist einer der am schlechtesten edierten Komponisten. Und das bei seiner Popularität!", ärgert sich der Dirigent Riccardo Chailly. "Ich verbrachte Wochen damit, Hunderte von Alternativen in Toscaninis Dirigierpartitur der 'Fanciulla del West' aufzuspüren, die die Orchestrierung beeinflussen, ein sowieso schon komplexes Werk noch reichhaltiger, aber eben auch schwieriger machen. Puccinis Orchestrierung ist einem Ravel, Debussy oder Mahler ebenbürtig, aber Toscanini kam sehr spät zu den Proben - und hat alles vereinfacht! Das wurde dann als definitive Fassung übernommen. Mit zusätzlichen hohen Cs für Enrico Caruso!"
Außerdem: Manuel Brug schreibt zum 150. Geburtstag Puccinis. Thomas Lindemann spielt "Rise of the Argonauts". Besprochen werden Jan Bosses Inszenierung von zwei Hölderlin-Texten am Berliner Gorki Theater und die Ausstellung "Sitting Bull und seine Welt" im Überseemuseum Bremen.
Ein neuer Antisemitismusstreit in Deutschland? In der Literarischen Welt findet der Rechtsanwalt und Publizist Klaus Faber die Gleichsetzung von "Islamophobie" und Antisemitismus vollkommen abwegig. "Niemand will Muslime in allen Ländern angreifen und ausrotten oder ein muslimisches Land auslöschen." Faber erinnert diese Diskussion an Auseinandersetzungen in der deutschen Nachkriegszeit. "In den 50er, 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts - auch später - wurde in Deutschland gegen den Ausschwitz-'Vorwurf' oft mit einem Dresden-Vergleich ('Bomben-Holocaust') argumentiert. Wir sollten verhindern, dass jetzt eine ähnliche Entlastung mit der 'Islamophobie'-Konstruktion propagiert wird."
Außerdem: Zu Weihnachten schickt Josef Haslinger der Literarischen Welt eine Erzählung, die direkt ins deutsche Kulturleben zu führen scheint. Hans Maier fragt: Was bleibt von 1968? Ulrich Wickert interviewt Helmut Schmidt. Besprochen werden unter anderem Arnold Stadlers Buch "Salvatore" und die Comicbände "Mosaik" von Hannes Hegen.
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Der Tagesspiegel, 20.12.2008
Auch bei Christiane Peitz kommt Heinrich Breloers "Buddenbrooks"-Verfilmung nicht so doll an: "Geschichte als Kulisse: 'Buddenbrooks' ist der Kostümfilm zum Schloss, das Interieur zur historischen Außenfassade. Weihnachten kommt er ins Kino. Und wie beim Berliner Schloss ist es bei so viel Blendwerk müßig, sich zum wiederholten Mal ernsthaft Gedanken über eine neue Bürgerlichkeit zu machen. Breloers Film fehlt die Fallhöhe, um die Lübecker Weltpremiere in Anwesenheit des Bundespräsidenten zum symbolischen Staatsakt zu verklären, zum Symptom für Wertewandel, neuen Familiensinn oder gar neue Verantwortungsethik. Es geht bloß um Stil und Dekor, Kleidermoden und Tischmanieren."
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Die Tageszeitung, 20.12.2008
Sehr gelitten hat der Thomas-Mann-Liebhaber Dirk Knipphals in Heinrich Breloers Film "Buddenbrooks". Wo der Ansatz nicht stimmt, stimmt am Ende gar nichts mehr, klagt er: "Alles an diesem Film soll groß, fett und beeindruckend wirken. Ein Lübecker Freilichtmuseum wäre sicher stolz auf die Requisiten und Nachbauten, die für die Dreharbeiten zusammengetragen wurden. Warum diese Ausstattungsorgie, warum all diese Pracht? Das historisierende Argument, dass es eben damals in Lübeck so ausgesehen habe, zieht nicht; selbst wenn jeder einzelne Frackknopf authentisch sein sollte, fokussiert der Kamerablick viel mehr Aufmerksamkeit auf die prächtigen Details, als es einem alltäglichen Blicken entsprechen würde. Warum also? Die Vermutung ist: weil Heinrich Breloer den Roman nicht eigentlich verfilmen, sondern in ihm schwelgen wollte."
Weitere Artikel: Vor dem seine Schatten vorauswerfenden Gedenkjahr 2009 schaudert es Christian Semler jetzt schon. Dietmar Kammerer schreibt über Til Schweigers Presse-Phobie und kommt auf den neuen Film "1 1/2 Ritter" nur kurz, knapp und vernichtend zu sprechen. Auf der Meinungsseite erklärt Tarik Ahmia, dass in der Wirtschaftskrise nur Pragmatismus hilft. In der zweiten taz gibt es von Detlef Kuhlbrodt die sehr Detlef-Kuhlbrodt-mäßige Weihnachtsgeschichte "Weil das Licht so doof ist" zu lesen. Jan Feddersen hat viele offene Fragen zur Freilassung von Christian Klar.
Besprochen werden Jan Bosses Sophokles-Hölderlin- Doppel-Inszenierung "Antigonae/Hyperion" am Berliner Maxim-Gorki-Theater, Didier Ruiz' Moskauer Dokumentartheater-Inszenierung "Dale recuerdos", die verbesserte Londoner Version der zuvor in Berlin zu sehenden "Babylon"-Ausstellung, und Bücher, darunter Sudhir Venkateshs soziologischer Ghetto-Bericht "Underground Economy" und Tim Wintons Surferroman "Atem" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Im Gespräch mit dem taz mag erklärt der Wiener Kulturwissenschaftler Robert Pfaller, dass die wahren Fallstricke in unseren vermeintlich befreiten Zeiten in der Illusion des Ganz-Man-Selbst-Seins drohen.
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Frankfurter Rundschau, 20.12.2008
Wilhelm von Sternburg erinnert zu dessen fünfzigstem Todestag an den Erfolgsschriftsteller Lion Feuchtwanger. Die Entdeckung eines römisch-germanischen Schlachtfelds im Harz kommentiert germanokritisch Christian Thomas. Harry Nutt sinniert in einer Times Mager über das Zeitalter der Abrufbarkeit im allgemeinen und die Live-Stream-Pläne der Berliner Philharmoniker im besonderen. In ihrer US-Kolumne schreibt Marcia Pally über Caroline Kennedy, die als Senatorin für New York die Stelle Hillary Clintons einnehmen will.
Besprochen werden Simone Blattners Frankfurter Inszenierung von Ödön von Horvaths Volksstück "Kasimir und Karoline", Jan Bosses Sophokles-Hölderlin-Mixtur "Antigonae/Hyperion", die Ausstellung "Atom & Literatur" im Literaturarchiv in Marbach, eine Neuaufnahme von Trevor Nunns "Cats"-Inszenierung in der Frankfurter Alten Oper, und Hubert Wolfs historische Bestandsaufnahme "Papst & Teufel. Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 20.12.2008
Auf der Medienseite wittert Tobias Moorstedt neue Regeln im amerikanischen Nachrichtengeschäft, die vor allem von den großen Fernsehsendern definiert wurden: "Die erbitterte Rivalität von MSNBC und Fox News steht für ein neues Zeitalter der US-Mediengeschichte. Das alte Paradigma des amerikanischen Journalismus ('Opinon is free, facts are sacred') wird abgelöst durch die Herrschaft des Commentariat und der Punditocracy (die anti-demokratischen Neologismen bezeichnen die einflussreiche Kaste der Analysten und Polit-Prediger). Mit dem Motto Attacke statt Analyse sind die Kabelsender sehr erfolgreich. CNN, MSNBC und Fox News haben einen Marktanteil von 46 Prozent im TV-Nachrichtengeschäft - und die großen Sender ABC, NBC und CBS weit hinter sich gelassen."
Auf einer Tagung in München zum sechzigsten Geburtstag des Theologen Friedrich Wilhelm Graf wurde heftig über die Bedeutung von Religion und Normkonsens für den Zusammenhalt des Gemeinwesens diskutiert. Auf dem Podium, aber, wie Johan Schloeman in einem schwer verdaulichen Bericht zusammenfasst, auch abseits: "Der 79-Jährige [Jürgen Habermas] sagte zu dem 39-Jährigen [Christoph Möllers] in der Kaffeepause: 'So kommen Sie in Teufels Küche!' Denn Habermas schien in dieser Debatte auf denkwürdige Weise den klugen jungen Kontrahenten wie eine lebende Bestätigung der 'Erschütterung des Normbewusstseins' zu erleben, vor der er warnt. Grob gegenübergestellt lautet der Gegensatz: Habermas setzt auf Begründungen der Demokratie in der Deliberation; Möllers reicht (in der Nachfolge Luhmanns) das Verfahren, die demokratische Stimmabgabe, als solche zur Legimitätsstiftung. Was aber, so Habermas' Sorge, wenn das ganze System durch fehlenden normativen Konsens auseinanderfliegt? 'Unser Rezept', sagt Christoph Möllers forsch, 'ist die Ordnung, die wir haben.'"
Weitere Artikel: Im Auszug aus einem Seminar, das er in München gab, blickt der marxistische Urbanist Mike Davis ("City of Quartz") alles andere als hoffnungsvoll auf die Zukunft unserer Städte in Zeiten der sich verschärfenden Klimakatastrophe. Alex Rühle ist nach Island gefahren, um die wie eine Naturgewalt über die Insel kommende Finanzkrise mit eigenen Augen zu sehen. Manfred Flügge erinnert zu dessen fünfzigstem Todestag an Lion Feuchtwanger.
Besprochen werden die Uraufführung von drei Neil LaBute-Einaktern in Bonn, die große Peter-Doig-Ausstellung in der Frankfurter Schirn, Til Schweigers Ritterfilmparodie "1 1/2 Ritter" und Bücher, darunter Aharon Appelfelds Roman "Blumen der Finsternis" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Im Aufmacher der SZ am Wochenende erklärt Kurt Kister, was es ist, das die Deutschen am zusehends verklärten Helmut Schmidt so schätzen. Gottfried Knapp wirft Molekularküche und Fast Food in denselben Topf und hält beides für sich schon für ungenießbar. Andrian Kreye hat eine Berliner Ausstellung des Fotografen wowe besucht. Rebecca Casati hat die Schauspielerin Ludivine Sagnier in Paris getroffen. Abgedruckt wird Kay Weiands Erzählung "Weihnachten ist Zahltag". Harald Hordych unterhält sich mit dem "Asterix"-Zeichner und (wie viele finden: nach Rene Goscinnys Tod leider auch) -Autor Albert Uderzo über "Helden" und über die anderen Zeiten, in denen alles begann: "Es gehörte zum guten Ton, über Sartre zu philosophieren. Und niemand verstand niemanden."
"My ending is despair, scheinen diese Verse zu sagen", schreibt Gustav Seibt zu einem nachgelassenen Sonett aus Johannes R. Bechers letzten Lebenstagen, das jetzt in Sinn und Form veröffentlicht wurde. Hier die erste Strophe:
"Er sagte stets zu allem ja und amen,
Das Unerklärliche hat er verklärt
Und gab ihm einen Sinn und einen Namen.
So hatte er sich jahrelang bewährt
..."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2008
Die bloße Tatsache, dass mit Obama ein Schwarzer gewählt wurde, veranlasst Richard Ford ("Die Lage des Landes") noch nicht, seinen festen Glauben an das Böse in Amerika aufzugeben. Sollte Obama Erfolg haben, wird sich der Rassismus "nun noch tiefer in den Untergrund" vergraben. "Das gilt aber einzig und allein, wenn Präsident Obama erfolgreich ist. Sollte er weniger als erfolgreich sein, sollte er scheitern, dann wäre sein eindrucksvoller Status als 'besonderer Präsident', als derjenige, mit dem alles anders wurde, rasch eine Bürde für ihn - und auch eine Bürde für das Land, weil dann das Rassendenken wieder Aufwind bekäme. Das ist das Risiko, das die Wahl Obamas bedeutet."
Weitere Artikel: In der Leitglosse schreibt Tobias Rüther über den Tod von "Deep Throat". Jürgen Dollase feiert in seiner Gastrokolumne den in Hessen praktizierenden Koch Andre Grossfeldt. Wolfgang Sandner nimmt gerührt und endgültig Abschied von Alfred Brendel, der in Wien das letzte seiner letzten Konzerte gab und ausgerechnet mit Mozarts "Jeunehomme"-Konzert beiläufig adieu sagte.
Auf der Schallplatten-und-Phono-Seite stellt Jürgen Kesting einige Ausgrabungn mit Fritz Wunderlich vor (der unter anderem mit Joan Sutherland in Händels "Alcina" sang). Außerdem geht's um eine CD, auf der Charles Aznavour Duos mit berühmten Kollegen singt, um den Rockpianisten Chuck Leavell und um Weihnachtsmusik mit dem Ensemble Singer Pur.
Auf der Medienseite teilt Sabine Pamperrien den neuesten Zwischenstand in der Affäre um die China-Redaktion der Deutschen Welle mit: "Hätte nicht ausgerechnet jene Redakteurin, deren öffentliches Lob für die KP Chinas die öffentliche Debatte auslöste, mit einem manipulierten Interview im Sender das Versagen genau der Kontrollmechanismen unter Beweis gestellt, deren effektives Funktionieren (der Deutsche Welle-Intendeant Erik) Bettermann immer wieder behauptet hatte, wäre die Diskussion womöglich schon im Sande verlaufen." Außerdem erfährt man, dass die Website Hartplatzhelden.de nach einem Gerichtsbeschluss wohl nur unter Auflagen Fußballspiele aus den Amateurligen übertragen darf. Auf der letzten Seite porträtiert Jakob Strobel y Serra den Dreisternekoch Klaus Erfort.
Besprochen werden Horvaths "Kasimi und Karoline " in Frankfurt und Til Schweiger Film "1,5 Ritter" (von Michael Althen in aphoristischer Kürze abgefertigt).
In Bilder und Zeiten schreibt Julia Spinola über neue Erkenntnisse der Musikpsychologie. Rose-Maria Gropp erinnert an die Versteigerung von Andy Warhols Nachlass vor zwanzig. Andreas Platthaus inspiziert das Inventar der Seidelschen Verlagsdruckerei, das wie durch ein Wunder über Jahrhunderte erhalten blieb. Auf der Literaturseite werden Gustav Seibts Studie über "Goethe und Napoleon" und Roger Willemsens Essay "Der Knacks" bsprochen. Für die letzte Seite führt Marco Schmidt ein Hotelzimmerinterview mit Samuel Jackson.
In der Frankfurter Anthologie stellt Hermann Kurzke ein anonymes Kirchenlied aus dem 15. Jahrhundert vor: "Es kommt ein Schiff, geladen
Bis an den höchsten Bord,
Trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
Des Vaters ewig's Wort..."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen
Die Augenbrauen des Holofernes
25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen
Vergegenwärtigungskunst
24.01.2012. In der französischen Huffington Post attackiert Caroline Fourest den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki. Wer sich für Freiheit im Netz einsetzt, arbeitet in Wahrheit dem Kapital in die Hände, findet der Tagesspiegel. Die Welt begibt sich auf die Suche nach der Kairoer Kunstszene, findet sie aber nicht so recht. Die SZ staunt über Hans Holbeins Schutzmantelmadonna in Schwäbisch Hall. De FAZ bringt eine kleine Hommage auf den Künstler Denis Limonow, der durch eine tollkühne Aktion zwei weißrussische Jugendliche vor der Hinrichtung bewahren will. Mehr lesen
Gewaltige Portion Besserwisserei
23.01.2012. Wahre Hymnen auf Deutschland singt Horace Engdahl aus der Jury des Literaturnobelpreises im Tagesspiegel. Die Welt kann mit Friedrich dem Großen ehrlich gesagt nicht so viel anfangen. Die taz porträtiert die große chinesische Autorin Eileen Chang und die NZZ den Schriftsteller und Psychiater Ion Vianu. Und auch hier noch eine Hymne auf Deutschland, genauer: Berlin - von dem Schweizer Autor Alain Claude Sulzer. Mehr lesen








