Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 10.02.2012, 15.10 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Homo Faber, das bist du!

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

15.11.2008. Die NZZ duftet heute nach Tabak. Nicht Habgier ist der Motor des Kapitalismus, sondern Geiz, erklärt Wolfgang Sofsky in der Welt. Die taz liest eine wahnsinnig schräge Gebrauchsanweisung für Indien. Die FR taucht ab in die Büros von Manhattan. Die FAZ wandert durchs krisengeschüttelte New York. Die SZ begutachtet Parallelgesellschaften im akademischen Betrieb.

Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2008

Literatur und Kunst ist heute ganz dem Rauchen gewidmet. John Banville erinnert sich mit Liebe an seine ersten Zigaretten, die er bei einem Wettbewerb gewann, "zweihundert Players Navy Cut, etwas vom Stärksten, was damals im Handel war. Ich sehe die Schachtel noch vor mir, mattes Dunkelblau, doppelt mit feiner Aluminiumfolie und Reispapier gefüttert, auf dem Deckel ein ovales Medaillon, welches das Porträt eines bärtigen Seemanns zeigte, von einer Schlaufe Schiffstau gerahmt, und im Hintergrund zwei Dreimaster unterwegs in jene Ferne, die für mich die grenzenlose Zukunft war... Hier muss ich aufhören; der Rauch trübt mir den Blick."


Vor zwanzig Jahren hat Judith Hermann ihr Geld mit Führungen durch eine Zigarettenfabrik verdient. Sie erzählt: "Neukölln war so trist damals, so wunderschön, so heruntergekommen, dreckig, prächtig grau, es war absolut erhebend, in diesem Kostüm und mit den Tanzschuhen durch die immer regennassen, hässlichen, abweisenden dunklen Straßen ins Industriegebiet hinein bis zur Zigarettenfabrik zu gehen. Über die Brücke am Kanal hinweg. An der Ausfahrtsstraße zur Autobahn vorbei, am Arbeitsamt vorüber, an Kleingartenkolonien, Schrottplätzen, verwahrlosten Parkanlagen. Manchmal fuhr ich eine Station mit dem Bus. Meist lief ich."

Außerdem: Peter Bichsel fragt sich, ob das Leben bald nur noch aus Gesundheit besteht? "Kein Streichquartett von Beethoven mehr, keine Wanderjahre von Goethe, keine Kneipen mehr, kein Blödsinn mehr, keine dunkel gebratenen Bratkartoffeln, keine Innereien, Blutwürste - nur noch Gesundheit." Robert Schindel erinnert sich daran, wie er mit dem Rauchen anfing und vierzig Jahre später aufhörte. Hermann Beil schreibt über Tabak und Theater. Sibylle Berg ist für jede Art von Drogen, nur bitte zu Hause. György Konrad fragt sich, warum von allen Pflanzen ausgerechnet Cannabis der staatliche Zorn trifft. Peter Liechti hat "sechsmal wieder angefangen und sechsmal wieder aufgehört mit Zigarettenrauchen". Kiran Nagarkar erinnert sich daran, welchen Erlösung das Rauchen mit 16 Jahren bot. Hans Ulrich Gumbrecht hat als Raucher in Kalifornien einiges auszustehen.

Im Feuilleton schreibt Andrea Köhler über Amerikas neue First Lady Michelle Obama. Kapitalismuskritik steht in Deutschland derzeit hoch im Kurs, stellt Joachim Güntner fest. Wie das Staatstheater Cottbus seinen 100. Geburtstag feiert, erzählt Marianne Zelger-Vogt.

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Berliner Zeitung, 15.11.2008

Mit weichen Knien und sehr bewegt hat Dirk Pilz eine Inszenierung Berliner Gorki-Theater verlassen, für die der schwerkranke Christoph Schlingensief seine "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" komprimiert hat: "Sie heißt 'Der Zwischenstand der Dinge' und handelt von Schlingensief, seinem Krebs und seiner Angst. Mehr als ein Zwischenstand könne der Abend nicht sein, erläutert Schlingensief. 'Es gibt inzwischen einen neuen Zwischenstand, der ziemlich scheiße ist.' Er ringt mit den Tränen. 'Auf meinem Grabstein soll stehen: Auf Wiedersehen! Das ist die schönste Drohung, die ich mir vorstellen kann.'"

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Die Welt, 15.11.2008

Soziologe Wolfgang Sofsky denkt über die Habgier nach, die allerdings entgegen anderweitiger Meinungen nicht die Welt regiert. Dies tue höchstens der Geiz: "Zwar vermeiden die meisten Prediger des regulierten 'Gemeinwohls' mittlerweile das plumpe, meist antisemitische Bild der nach Gold grapschenden Spinnenfinger, zwischen denen gierig funkelnde Augen auf die Beute lauern. Aber den Kapitalismus missverstehen die allermeisten als ein System der Habgier, obwohl sein Motor nicht persönliche Gewinnsucht, sondern die Angst vor dem ökonomischen Tod, der Zwang zur Akkumulation des Kapitals ist. Sein historischer Aufstieg wurde weniger durch Habgier begünstigt als durch Geiz. Profite wurden ins Geschäft investiert, Kosten und Löhne gedrückt. Luxus war dem frommen Bürger verdächtig. Der solide Kaufherr griff niemals das Kapital oder die Zinsen an, sondern allenfalls die Zinseszinsen."


Außerdem sind in der Literarischen Welt Ulrich Weinzierls Laudatio auf Büchnerpreisträger Josef Winkler und dessen Dankesrede nachzulesen. Tilman Krause erklärt im Editorial, dass ihm Radau in der Literaturkritik - anders als Siegrid Löffler - allemal lieber ist als Leisetreterei.

Im Feuilleton spricht Regisseur Wim Wenders über seinen neuen Film "Palermo Shooting", dessen Kinoversion sich deutlich von der in Cannes gezeigten unterscheidet: "Ich wollte halt unbedingt wieder hin, aber es war halt arg knapp! Ich habe schon während der Vorstellung meiner Frau zugeflüstert: 'Ich bin noch nicht durch.' Der Film war einfach noch nicht ausgereift. Es war, im Nachhinein gesehen, ein Fehler, auf Teufel komm raus nach Cannes zu wollen."

Weiteres: Rainer Haubrich preist den Renaissance-Baumeister Andrea Palladio, zu dessen 500. Geburtstag ihm Vicenca eine große Schau widmet. Elmar Krekeler ärgert sich über den morgigen "Tatort", der doch sehr flach über die Tiefen des Gorleben-Problems hinwegrausche. Manuel Brug lobt den Vorschlag, in die Berliner Lindenoper einen vierten Rang einzubauen. Als "Orgie zum Einschlafen" bespöttelt Ulrich Weinzierl Strawinskys "Rake's Progress" in der Wiener Aufführung von Martin Kusej und Nikolaus Harnoncourt.

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Die Tageszeitung, 15.11.2008

Sehr begeistert sich Shirin Sojitrawalla in einer fast vollständig auf den Inhalt fixierten und von der Form absehenden Besprechung für Aravind Adigas Booker-Preis-Gewinner-Roman: "'Der weiße Tiger' gleicht einer mit absonderlichen Begebenheiten gefüllten Wundertüte. Man könnte auch von einer wahnsinnig schrägen Gebrauchsanweisung für Indien sprechen. Adiga blickt seinen Landsleuten in die schwarze Seele, verrät Grundsätzliches übers Kastensystem, das allerorten grassierende Korruptionsunwesen und das Allheilmittel Whisky sowie über den unbändigen Wunsch vieler Inder, in einer Uniform wiedergeboren zu werden."


Weitere Artikel: Reinhard Wolff begrüßt die Kehrtwende der Stockholmer Literatur-Nobel-Akademie, die nun doch den mit dem Tode bedrohten Autoren Roberto Saviano und Salman Rushdie ein Forum bieten will.

In der zweiten taz entwickelt Reinhard Siemes aus Protest gegen elitäres Fernsehkochen "realistische Rezeptideen für die Tiefkühlkostfraktion". Adrienne Woltersdorf erklärt, warum am kalifornischen Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe die Mormonen eine Hauptschuld tragen. Ulrike Winkelmann ist gespannt, ob es auf dem Grünen-Parteitag in Erfurt zum Generationswechsel kommt.

Besprochen werden die Berliner Aufführung von Heiner Goebbels' neuem Stück ""I Went To The House But Did Not Enter", die Ausstellung "RCA Secret" im Londoner Royal College of Art, Ryan Adams' neue Platte "Cardinology", Philippe Claudels Film "So viele Jahre liebe ich dich" und Bücher, darunter Roddy Doyles neuer Roman "Paula Spencer" und Anton Holzers fotohistorische Studie "Das Lächeln der Henker" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im Dossier des taz mag unterhält sich Georg Löwisch mit Ingeborg Schäuble über ihren Mann Wolfgang, die Welthungerhilfe und anderes. Die Psychoanalytikerin Vera Kattmann informiert über neuere Bemühungen, insbesondere Frauenschicksale in den Jahren 1937 bis 1945 zu erforschen. Abgedruckt wird ein Gedicht von Rose H., das aufs Unheimlichste launig mehrfache Vergewaltigungen schildert.

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 15.11.2008

Christian Thomas nimmt die Verleihung des "Internationalen Hochaus-Preises 2008" an Sir Norman Foster und sein New Yorker Hearst Building zum Anlass, sich die Arbeitsverhältnisse in den Wolkenkratzern Manhattans generell einmal anzusehen. Was er zum Beispiel in den Büroräumen der Zeitschrift "Architectural Review" erblickt, ist wenig erfreulich: "Gemessen an den Standards, die das Magazin setzt, sind die Bedingungen, unter denen das Magazin zustande kommt, karg und monoton. Knowhow und Kreativität werden hier von Arbeitsplatzinhabern, die über Innenarchitektur nachdenken und darüber urteilen, was einen Raum funktional sinnvoll und gestalterisch sinnfällig macht, in Kleinkabinen und Kojen verrichtet, hinter etwa bauchhohen, grauen Zwischenwänden. Man kennt das Dilemma aus Filmen, die im Milieu der amerikanischen Low-Budget-Angestellten spielen. Wer hier, so konnten wir ungehindert zusehen, auch nur ungestört telefonieren will, zieht den Kopf ein. Wer hier, davon wurden wir Zeuge, einen klaren Gedanken fassen will, taucht ab."


Jürgen Otten porträtiert den polnischen Pianisten Rafael Blechacz als hoch begabten "Anti-Lang Lang": "Man darf heutzutage ja schon aufatmen, wenn ein junger Pianist nicht vom Rausch animiert in die Chopin-, Liszt- und Rachmaninow-Fluten hinabsteigt, um sich dort auszutoben (und nie wieder aufzutauchen), sondern sich zur Wiener Klassik hinwendet, zu Haydn, Mozart, zum frühen Beethoven. Und zu Bach. Blechacz liebt Bach, man kann es seinem Spiel anhören. Die Plastizität, die präzise Artikulation und Durchhörbarkeit auch bei Chopin, Liszt und Debussy, sie hat dort ihren Ursprung. Man könnte es auch 'Geist' nennen."

Weitere Artikel: Jamal Tuschik besucht das Schriftstellerpaar Olga Martynova und Oleg Jurjew. Hans-Jürgen Linke denkt in einer "Times Mager" über das Verhältnis von Diamanten und Kapitalismus nach. Marcia Pally sinniert in ihrer US-Kolumne über die bedrohte Autoindustrie, staatliche Interventionen und sich ausbreitenden Multikulturalismus.

Besprochen werden Bob Dylans neue Platte "Tell Tale Signs" mit Rarem und Unveröffentlichtem aus knapp zwei Jahrzehnten, die CD "Cartography" von Arve Henriksen und Jan Bang und der Briefwechsel zwischen Wolfgang Koeppen und seiner Frau Marion mit dem Titel "? trotz allem, so wie du bist" ((mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2008

Verena Lueken schickt eine Reportage aus dem rezessionsgeschüttelten New York, wo sie auch den Schriftsteller Richard Ford getroffen hat. "Der Mann, der kurzatmig im fünften Stock des Yale Clubs am Grand Central Terminal in den Fahrstuhl steigt, kommt aus dem Fitnessraum und sticht mit seiner Sportbermudashorts, dem Sternband und den roten Socken in den Turnschuhen deutlich heraus aus der Gruppe graumelierter, unauffällig geschäftsmäßig gekleideter Männer, die an jenem Morgen hoch zum Frühstücksraum im einundzwanzigsten Stockwerk fahren. 'Könnten Sie bitte den Knopf für die achte Etage drücken', fragt er. 'Yes, we can', sagt Richard Ford, aber niemand lächelt außer mir."

(Kleine Beschwerde am Rande: die letzte Seite des Samstagsfeuilletons wird den zahlenden Abonnenten seit geraumer Zeit im Internet vorenthalten)

Im Aufmacher sieht Andreas Rossmann die Kulturhauptstadt Essen den Bach runtergehen: Die Unfähigkeit der dortigen Politiker erweist sich für ihn besonders am Fall des gefeuerten Intendanten Kaufmann. Am Donnerstag hat man die französische Zeitung Liberation in die Hände der Philosophen gelegt, berichtet Jürg Altwegg. Das Ergebnis und sein Zustandekommen können im Internet besichtigt werden. Jürgen Dollase liest den Avantgardisten unter den Köchen die Leviten: "Eine Summierung wohlfeiler Tricks macht jedenfalls noch keine gute Küche." Auch Amerikas Konservative wissen plötzlich nur Gutes über Barack Obama zu sagen, berichtet Jordan Mejias. Jan Wiele hat sich beim Leipziger Dialog über Literaturkritik amüsiert. Jürg Altwegg wirft einen Blick in Schweizer Zeitschriften.

Besprochen werden eine Aufführung von Strawinskys Oper "Rake's Progress" unter der Leitung von Hanoncourt und Kusej in Wien, eine Ausstellung der Sammlung Würth in Künzelsau, Malgoska Szumowskas Film "33 Szenen aus dem Leben" mit Julia Jentsch, ein Konzert der Blood Red Shoes in München und Bücher, darunter Tomas Gonzalez' Roman "Die Teufelspferdchen" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phono-Seite geht's um die neue CD der Toten Hosen, das Klassik-Techno Fusionsprojekt "Recomposed" und eine Aufnahme von Alexander Glasunovs Streichquintett in A-Dur op. 39 mit dem Utrecht String Quartet und dem Cellisten Michael Stirling.

Für Bilder und Zeiten hat Lena Bopp Museen der Notenbanken in Frankfurt, London und Paris (dort ist das Museum erst geplant) besucht und festgestellt, dass sie keine Erklärung für die Krise haben: "'Nun, die Blase kommt ja aus Amerika', sagt die Museumsführerin in Frankfurt einigermaßen hilflos. Und in London geben sie lieber gar keine Auskunft, schon gar nicht am Tag, nachdem die Bank of England den Zinssatz auf einen seit dreiundfünfzig Jahren nicht gekannten Stand von drei Prozent gesenkt hat, um die in der Folge der Krise drohende Rezession abzumildern."

Außerdem: Gerhard Kaiser erinnert an die Uraufführung von Gerhart Hauptmanns "Iphigenie in Delphi" 1941. Alexander Garcia Düttmann schreibt über Adornos Amerika. Dieter Bartetzko hat einen Ortstermin bei dem Archäologen Sven Schütte. John Le Carre spricht im Interview über seinen neuen Roman "Marionetten", der in Hamburg spielt.

In der Frankfurter Anthologie stellt Heinrich Detering ein Gedicht von Theodor Storm vor:

"Frauen-Ritornelle

Blühende Myrte -
Ich hoffte süße Frucht von dir zu pflücken;
Die Blüte fiel; nun seh ich, daß ich irrte.
..."

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Süddeutsche Zeitung, 15.11.2008

Johan Schloemann schildert die massive universitäre Ausweitung der Exzellenzzone, in der Forschungsfreiheit die Freiheit bedeutet, die Lehre dranzugeben. Die Folge, so Schloemann, sind politisch geförderte Parallelgesellschaften im akademischen Betrieb: "Welt Nummer eins sind die temporären Exzellenzeinrichtungen, die gerade in den Geisteswissenschaften oft gar nicht wissen, was sie mit ihrem vielen Geld machen sollen, und die deswegen eigene Pressesprecher einstellen, flugs weitere Besucher anlocken, indem sie eine weitere Tagung organisieren, die das akademische Reisen insgesamt intensivieren und sich von Agenturen einen hübschen Briefkopf für ihren neuen englischen Namen entwerfen lassen. Welt Nummer zwei, oft nur wenige Meter entfernt, ist der normale Institutsbetrieb mit der lästigen Einheit von Lehre und Forschung, mit übervollen Seminaren und im weltweiten Exzellenz-Vergleich lächerlich knapp gehaltenen Etats und Bibliotheken."


Weitere Artikel: Alex Rühle fährt mit Linie 13 (auf dem Plan in hellblau) der Pariser Metro von Nord nach Süd und erlebt dabei die französische Metropole in ihrer ganzen sozialen Vielfalt. Fritz Göttler macht klar, dass die am Donnerstag beschlossene Novelle des Filmfördergesetzes weiter vor allem auf die Förderung von Großproduktionen zielt. Dem vielseitigen Bassbariton Dietrich Henschel widmet Jörg Königsdorf ein Porträt. Klaus Englert meldet, dass Sir Norman Foster für das "Hearst Building" in New York den - Sachen gibt's -"Internationalen Hochhauspreis" - erhält.

Besprochen werden Nikolaus Harnoncourts und Martin Kusejs Wiener Aufführung von Igor Strawinskys Oper "The Rake's Progress", die Manierismus-Ausstellung "Sturz in die Welt" im Bucerius Kunstforum Hamburg und neue Bücher, darunter Steffen Kopetzkys neuer Roman "Der letzte Dieb" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im Aufmacher der SZ am Wochenende erzählt der Regisseur Volker Schlöndorff in einem autobiografischen Text mit dem Titel "Was ich bin", was ihn zu dem gemacht hat, der er ist: "Homo Faber, das bist du! Mit all der Hybris, dein Leben im Griff zu haben, deine Gefühle zu kontrollieren, deinem Verstand zu folgen! Wohin hat dich das gebracht auf der Höhe des Lebens? Du gehst zweimal die Woche zum Doc und bemitleidest dich! - So überkam es mich auf der Ninth Avenue."

Rebecca Casati schreibt über ein Interview, das sie mit Leonardo DiCaprio - oder vielleicht doch einem als Leonardo DiCaprio verkleideten eiskalten Alien führte. Auf einer offenbar neuen "Kultur"-Seite finden sich ein Artikel über eine Begegnung mit dem "Wiedersehen mit Brideshead"-Darsteller Ben Wishaw, ein Interview mit Uma Thurman und eine Spurensuche zur Frage, was Helmut Schmidt 1981 in den Londoner Abbey Studios trieb. Abgedruckt wird die Erzählung "Eine Liebe in Basra" des Autors Najem Wali. Willi Winkler unterhält sich mit dem "Haus der Kunst"-Direktor Chris Dercon über "Genie".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

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