Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Diskretes Espressivo-Maß

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

31.10.2008. In der Jungle World prangert die Turkologin Corry Guttstadt das feige Verhalten der Türkei im Holocaust an. In der Welt diagnostiziert David Owen: Blair litt am Hybris-Syndrom. In der FAZ erklärt John McWhorter, warum er Hip-Hop für politisch überschätzt hält. In der SZ erklärt Joachim Kaiser, warum er Alfred Brendel keineswegs für überschätzt hält. Im Tagesspiegel antwortet Michael Wolffsohn auf Gregor Gysi.

Jungle World, 31.10.2008

Bush ist an so vielem Schuld, sogar am selbstverschuldeten Niedergang der Linken, meint Jörn Schulz nicht ohne Sarkasmus in der Jungle World: "Bush propagierte zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs noch einmal jenen bürgerlichen Idealismus, der die Bourgeoisie einst zu einer revolutionären Kraft gemacht hatte. Die Antwort aus dem linken Mainstream auf seine Demokratisierungsrhetorik war nicht etwa eine Kritik der bür­ger­lichen Demokratie, sondern eine Mischung aus Ignoranz und Kulturalismus. Zwar unterstützt nur eine Minderheit den irakischen 'Widerstand', noch weniger Freunde haben die Taliban und al-Qaida. Doch wird unermüdlich behauptet, vor allem die Anwesenheit der US-Truppen störe den Frieden und ihr Abzug werde eine Einigung ermöglichen. Diese Einschätzung ist nicht nur naiv, sie lässt auch kein großes Interesse am Schicksal der dortigen Bevölkerung erkennen."


Ebenfalls in der Jungle World unterhält sich Bernhard Schmid mit der Turkologin Corry Guttstadt über das feige Verhalten der Türkei im Holocaust: "Von den türkischen Juden, die zum Beispiel in Berlin lebten, wurden viele ab 1938 ausgebürgert und dann 1941 als Staatenlose erste Opfer der Deportationen. Besonders fatal wirkte sich aus, dass Ankara die Ausbürgerungen zum Beispiel in Deutschland auf dem Wege der Amtshilfe durch die dortigen Behörden durchführen ließ. So richtete das türkische Konsulat in Berlin eine Aufforderung an die Ausländerpolizei, die türkischen Juden vorzuladen und ihnen die Pässe abzunehmen."

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Frankfurter Rundschau, 31.10.2008

Sylvia Staude ist schlichtweg begeistert von Leonard Cohens Konzert in Frankfurt: "Zwar ist sein schmales Gesicht mittlerweile gefurcht wie die Gesichter auf Totempfählen, doch ist seine Stimme nun die noch bessere Cohenlieder-Stimme: Flüssige Bitterschokolade mit fein gemahlenem Krokant. Er schickt sie nach unten und innen, fast immer steht er mit gebeugten Knien, gesenktem Kopf, geschlossenen Augen. Diese Musik braucht nicht zu wachsen und aufzublühen, ihr Reich ist die Dunkelheit, das Rätsel, die Pathetik, die Ironie."


"Das Letzte, was die Stadt im Augenblick braucht, ist das feierliche Zelebrieren des Luxus," bemerkt Sebastian Moll zum jüngsten New Yorker Event: "Aus diesem Grunde ist die Eröffnung eines von Zaha Hadid gestalteten Pavillon im Central Park, in dem der klassischen '2.55'-Handtasche von Chanel gehuldigt wird, nicht einfach nur schlechtes Timing."

Weitere Arikel: Elke Buhr ist gespannt, wie die neuen Direktoren der Berliner Museen, Udo Kittelmann und Michael Eissenhauer, künftig das "Hierarchie-Monster Staatliche Museen" angehen werden. Und Harry Nutt bilanziert, was deren Vorgänger Peter-Klaus Schuster und Klaus-Dieter Lehmann bewirkt haben. In der Times Mager schreibt Ina Hartwig über Knigge und Klaus Mann.

Besprochen werden eine Lesung mit Dieter Kühn und Schauspielerin Fritzi Haberlandt in Frankfurt, bei der Kühns Biografie von Gertrud Kolmar vorgestellt wurde, und ein Konzert-Abend von Moody Blues in Frankfurts Alter Oper.

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Die Welt, 31.10.2008

Thomas Kielinger unterhält sich mit dem britischen Politiker, Arzt und Autor David Owen, der gerade ein Buch über das "Hybris-Syndrom" veröffentlicht hat, das er ernstlich als medizinisches Phänomen beschreibt. Seiner Meinung war Blair davon befallen, als er den Irak-Krieg vorbereitete: "Ich spüre einem Syndrom nach, das sich im Laufe langer Amtszeiten aufbaut, wenn der Betroffene die Ebene natürlicher Zuversicht in seine Fähigkeiten verlässt und sich äußerster Zuversicht, nicht mehr hinterfragt, hingibt. Wenn aus dem Zuhören ein Nicht-mehr-Zuhören wird, und aus der Usance, Rat einzuholen, die Überzeugung, dass man keinen Rat mehr braucht. Wie bei Margaret Thatcher nach ihrem dritten Wahlsieg 1987."


Weitere Artikel: Eckhard Fuhr zieht eine freundliche Bilanz des Wirkens Peter Klaus Schusters als Chef der Staatlichen Museen zu Berlin. Gabriele Walde bespricht die Koons- und Klee-Ausstellungen, die Schusters Amtszeit krönen. Manuel Brug verdrückt eine Träne für den Flughafen Tempelhof. Heimo Schwilk verfolgte eine mit Henryk Broder, Gloria von Thurn und Taxis und einem Wallfahrtsdirektor apart besetzte Podiumsdiskussion (sie handelte von Ingo Langners Hörbuchbiografie über Ratzinger). Sven Felix Kellerhoff besucht eine Luther-Ausstellung in Halle, die zeigt dass der Reformator aus einer wohlhabenden Familie stammte. Dankwart Guratzsch zeichnet Diskussionen der evangelischen Kirche um ungenutzte Kirchengebäude nach. Jeannette Neustadt stellt den Nachwuchsdramatiker des Jahres, Ewald Palmetshofer vor. Katharina Dockhorn berichtet, dass auf dem Flughafen Tempelhof künftig Filme gedreht werden sollen.

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Die Tageszeitung, 31.10.2008

Brigitte Werneburg verabschiedet den Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin, Peter-Klaus Schuster. Freundliches kann sie sagen, erinnert aber auch an ein großes Debakel: "Schlechte Beratung führte dazu, dass Friedrich Christian Flicks Auftritt, zu seinen in vieler Hinsicht inakzeptablen und im Nachhinein auch samt und sonders revidierten Bedingungen, dann neue Maßstäbe in der Kunstdebatte setzte. Der feste Glaube, Kunst sei an sich ein unschlagbares Argument, gerade in diesem Fall, diese schöne Verblendung einer alles überstrahlenden und einigenden Macht der Kunst, verrät den Romantiker, der nicht wirklich politisch denkt und handelt."


Weiteres: Julian Weber unterhält sich mit der Band Deichkind über Verweigerung und ihr neues Album "Arbeit nervt". Neue House-Alben stellt Tim Caspar Boehme vor. Brigitte Werneburg schreibt außerdem zur Jeff-Koons-Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie.

Auf der Meinungsseite stellt der in Princeton lehrende Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller fest, dass von den drei in den 70er Jahren aufgekommenen Strömungen - Neoliberalismus, Antikommunismus und politischem Islam -, nur die ersten beiden deutlich an Attraktivität verloren haben.

Und Tom.

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Aus den Blogs, 31.10.2008

Richard Wagner gibt in der Achse des Guten Gregor Gysi recht (hier sein gestriger Artikel aus dem Tagesspiegel). Die DDR kann ja gar nicht antisemitisch gewesen sein: "Wenn der ehemalige SA-Mann und NSDAP-Partei-Genosse Günther Kertzscher in den Kommentaren des ND zu Israel als stellvertretender Chefredakteur den Ton angab, so war das natürlich keineswegs antisemitisch. Denn was antisemitisch war, und was nicht, wurde von der Partei, jeweils nach Interessenlage entschieden. Sie entscheidet es heute noch."

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Der Tagesspiegel, 31.10.2008

Oder war die DDR doch antisemitisch? Michael Wolffsohn antwortet auf Gregor Gysi: "Hier einige Tatsachen: In den Jahren 1949 bis 1953 wurden DDR- und andere Ostblockjuden als Juden verfolgt. In der Sowjetunion, Ungarn und der Tschechoslowakei wurden manche sogar hingerichtet. Ihre eigentliche 'Straftat' war ihre jüdische Herkunft. Wie in anderen kommunistischen Staaten wurden in der DDR Anfang der 50er Jahre und 1967 (Israels Sechstagekrieg) regelrechte 'Judenlisten' angelegt. Kaum ein Zweifel besteht daran, dass es Deportationslisten sein sollten."

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Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2008

Die Medienseiten feiern die Einführung der Computerwissenschaft an der ETH Zürich vor vierzig Jahren. Stefan Betschon betrachtet aus diesem Anlass die Technikfeindlichkeit, die in fast allen politischen Lager und geistigen Strömungen in Europa vorherrscht: "In der Schweiz und im europäischen Ausland engagierten sich linke Kreise noch während der 1980er Jahre im Kampf gegen die Informatisierung der Gesellschaft. Die Gewerkschaften riefen zur 'Maschinenstürmerei' auf, die Wochenzeitung (Woz) publizierte eine Anleitung, wie man mit klebrigen Flüssigkeiten, einer Nagelschere oder Aluschnipseln Computeranlagen sabotieren kann. Als die Woz Mitte der achtziger Jahre für die Setzerei selber Computer anschaffen wollte, gab es in der linken Szene einen Aufstand. In Kalifornien dagegen gehörte Computertechnik zur Kultur der progressiven Jugend wie Sex, Drugs und Rock'n'Roll."


Im Feuilleton versichert Carsten Krohn, dass die Temporäre Kunsthalle sehr gut auf den Berliner Schlossplatz passt: "Seit fast zwanzig Jahren werden auf dieser Brachfläche alle Arten von mobiler Architektur realisiert - von Zirkuszelten über Baucontainer bis hin zur Attrappe der Fassade des 1950 gesprengten Stadtschlosses." George Waser stellt Londons neues Kulturzentrum Kings Place vor, das ganz ohne Subventionen auskommen soll: Die Konzertsäle und Galerie befinden sich im Untergeschoss, darüber steht ein gigantischer Bürokomplex, der unter anderem an den Guardian vermietet wird. Andrea Köhler berichtet von der Debatte um Teenager-Schwangerschaften in den USA. "Trauer und Ironie, zwischen Trost und Sarkasmus" hat Ueli Bernays in Grace Jones' offenbar sehr gelungenem Comeback-Album "Hurricane" gefunden.

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Süddeutsche Zeitung, 31.10.2008

Über den Pianisten Alfred Brendel, der dieser Tage seinen Abschied von der Konzertbühne nimmt, schreibt Joachim Kaiser vorwiegend Hymnisches: "Als junger Künstler war Brendel noch über manche Schubertschen Harmonie-Wechsel, wie mir schien, hinweggebraust. Später aber begriff er den langsamen Satz der c-Moll Sonate als eine unendliche Folge immer zarterer, überraschenderer, leiserer Nuancen. Demonstrierte souverän auch die Herrlichkeit der großen A-Dur Sonate. Und fast noch erstaunlicher: Der späte Brendel, der Alt-Meister, nahm sogar das von russischen Schubert-Mystikern forcierte, überlangsame Tragifizieren melancholisch schlendernder Schubert-Andante-Sätze zurück! In diesem Weltbürger steckte halt unaustilgbar ein Wienerisches, diskretes Espressivo-Maß..." Andreas Dorschel hat sich mit Brendel unterhalten.


Weitere Artikel: Kai Strittmatter informiert über Zensureingriffe beim "Culturescapes"-Festival für türkische Kunst in zehn Schweizer Städten. Den Streit um Volker Loeschs - untersagte - Hamburger Millionärsverlesung schildert Till Briegleb. Der US-Autor Darryl Pinckney erklärt, warum die aktuelle Präsidentenwahl für ihn etwas Besonderes ist. Hans Schifferle gratuliert dem Filmemacher-Maverick Eckhart Schmidt, Willi Winkler "Deutschlands letztem Barockpoeten" Horst Tomayer zum Siebzigsten. Auf der Medienseite schreibt Tobias Moorstedt über das Fernsehen der Zukunft, das er bei StudiVZ gesehen hat - oder auch nicht.

Besprochen werden ein von Jürgen Kruse inszenierter "Don Juan" in Leipzig, die große Jeff-Koons-Ausstellung in Berlin, die Candice-Breitz-Ausstellung in der temporären Berliner "Kunsthalle", die Ausstellung "Fundsache Luther" in Halle und Bücher, darunter Stefan Merrill Blocks Roman "Wie ich mich einmal in alles verliebte" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2008

Claus Lochbihler unterhält sich mit dem HipHop-Kritiker John McWhorter über HipHop, Hautfarben und Barack Obama. McWhorter gefällt an Obama gerade das, was ihn vom HipHop unterscheidet: "Obama denkt nach. Der Hip-Hop deklamiert nur und tut so, als ob wir noch die gleichen Probleme wie in den sechziger Jahren hätten. Obama ist kompromissfähig, kein Ideologe, das gefällt mir... Wir Obama-Anhänger, ob weiß oder schwarz, sollten uns eingestehen, dass wir ihn auch wegen seiner Hautfarbe unterstützen. Der Hauptgrund, weshalb sich das schwarze Amerika so sehr für Obama begeistert, hat damit zu tun, dass er ein 'brother' ist, und weniger mit seinen politischen Vorstellungen."


Weitere Artikel: Aus China berichtet Mark Siemons, dass die Politiker des Landes aus Interesse an der Erhaltung des weltpolitischen Gesamtsystems keineswegs mit Triumphalismus auf die Finanzkrise des Westens reagieren. Eine ganze Seite ist dem Wechsel an der Spitze der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin gewidmet. Camilla Blechen schreibt zum Abschied des alten Direktors Peter-Klaus Schuster, Niklas Maak fragt sich nach der Zukunft der Berliner Museen und hat sich gemeinsam mit Julia Voss mit dem neuen Direktor Michael Eissenhauer über seine Pläne unterhalten. Vorsichtig freundlich äußert sich Timo John über einen architektonischen Entwurf, der die Stuttgarter Innenstadt beträchtlich verändern könnte. Den juristisch komplexen, jedenfalls komplizierten Fall des in Texas Anfang August - trotz Einspruchs von George W. Bush - hingerichteten Jose Ernesto Medellin beschreibt in vielen Einzelheiten Alexandra Kemmerer. Günter Gillessen freut sich, dass jetzt doch wieder ein Preis nach dem zum Nationalsozialismus aus eher aristokratischem Geist heraus oppositionellen Historiker Gerhard Ritter benannt wird.

Thomas Jansen stellt eine niederösterreichische Bibelübersetzung aus dem 14. Jahrhundert vor. Felicitas Hoppe berichtet aus ihrem Wettbüro von Washington vor der Wahl. Die Glosse widmet Edo Reents der Ankündigung, dass es in Zukunft in Rostock ein nach dem Schriftsteller benanntes "Kempowskiufer" geben wird. Grad nur so nicht ignorieren will Gerhard Stadelmeier das Skandälchen um Volker Loeschs Theater-Provokation, bei der nun gerichtlich die Verlesung der Namen von Hamburger Millionären untersagt wurde. Jürg Altwegg weist auf "Le cas Sonderberg" hin, das in Frankreich gerade erschienene neue Buch von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, in dem dieser "auf den Spuren Jonathan Littells" die Geschichte eines NS-Täters erzählt. Dem an Manieren reichen äthiopischen Prinzen Asfa-Wossen Asserate gratuliert Martin Mosebach zum Sechzigsten. Martin Thoemmes schreibt kurz zum Tod der Journalistin Katharina Christiansen, die die Tochter von Julius Leber war.

Besprochen werden ein Leonard-Cohen-Konzert in Frankfurt und Bücher, darunter Jose Manuel Prietos Roman "Rex" und ein kunsthistorischer Sammelband über "Lichtgefüge des 17. Jahrhunderts" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Gemeldet wird, dass der FAZ-Leseaal mit dem bayrischen Printmedienpreis ausgezeichnet wurde. (Haben sie ihn für die Jury ausgedruckt?)

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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