Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Dieses lila Herz

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

30.10.2008. Im Tagesspiegel behauptet Gregor Gysi: Die DDR war antizionistisch, aber nicht antisemitisch. Die Bonner CDU dagegen war vielleicht für Israel - aber antisemitisch. Die NZZ verreißt Sherry Jones' frühislamische Schmonzette über Aisha. Die FR stöhnt: lieber sinkende Börsenkurse als Jeff Koons. Die taz ist einigermaßen entsetzt über die "Sch'tis": unraffiniertes Regionalküchenprodukt. In der SZ wird die Finanzkrise dekonstruiert oder so.

Neue Zürcher Zeitung, 30.10.2008

Als einen Fall von "gut gemeinter Unredlichkeit" betrachtet Angela Schader Sherry Jones' Roman über Aisha, die Frau des Propheten Mohammed. Von Kinderpornografie kann keine Rede sein, meint Schader, eher von Schönfärberei: "Kaum mehr zu rechtfertigen ist die Leichtfüßigkeit, mit welcher Jones über die dunklen Seiten der islamischen Frühgeschichte hinwegtänzelt. Dass Mohammed Kritiker und Spötter kurzerhand beseitigen ließ, ist so verblümt angedeutet, dass nur Eingeweihte wissen können, worauf der Text anspielt. Die Vertreibung zweier jüdischer Stämme aus Medina wird im ersten Fall sozusagen als Kulisse für einen von Aishas Schwerttänzen missbraucht, im zweiten nachgerade als Gnadenakt des Propheten geschildert."


Weiteres: Andrea Köhler spießt "diese blöde Kleidersache" von Sarah Palin auf. Yvonne Volkart berichtet vom Shift-Festival der elektronischen Künste in Basel. Besprochen werden die drei Picasso-Ausstellungen in Paris, Andre Hellers Kindheitsgeschichte "Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein" und Giovanni Orellis Prosa-Werk "Walaceks Traum".

Die Filmseite widmet sich Marco Kreuzpaintners "Krabat"-Verfilmung und dem Debüt des Thailänders Aditya Assarat "Wonderful Town".

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Perlentaucher, 30.10.2008

Das tschechische Magazin Respekt sieht keinen Anlass, sich bei Milan Kundera zu entschuldigen, berichtet Hans-Jörg Schmidt im Perlentaucher. Kundera hatte eine solche Entschuldigung nach den Veröffentlichungen des Magazins verlangt (mehr hier): "'In unseren nächsten Ausgabe wird sich unser Herausgeber zu dem Fall äußern', sagt Chefredakteur Martin M. Simecka am Mittwoch gegenüber Perlentaucher.de. Und er fügt hinzu: 'Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden wir uns nicht entschuldigen.' Diese Formulierung wählt er, um seinem Herausgeber Zdenek Bakala nicht vorzugreifen. Man sehe auch 'sehr gelassen' einem möglichen, von Kundera angedrohten Prozess entgegen. Die nächste Ausgabe von Respekt erscheint am Montag. Simecka besteht darauf, dass das Dokument der tschechoslowakischen Polizei, das Kundera belastet, echt sei."

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Frankfurter Rundschau, 30.10.2008

Elke Buhr lässt sich über Jeff Koons aus, dessen stählerne Skulpturen zur Zeit zusammen mit einer Paul-Klee-Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie zu sehen sind: "Man könnte Koons auch preisen für die Direktheit, mit der er einer geldgeilen Konsumwelt buchstäblich den Spiegel vorhält, und ihn als Verkünder einer Wahrheit feiern, die andere durch vorgetäuschte Intellektualität verschleiern. Aber ach: Man muss es dann ja immer noch angucken, dieses lila Herz. Dann lieber Eskapismus und sinkende Börsenkurse."


Weitere Artikel: Jürgen Otten sieht zu, wie der neue Intendant Sebastian Hartmann das Schauspiel Leipzig umkrempelt und "in einen donnernden Diskurstempel" verwandelt: "Dieses Theater schlägt Wunden, es schlägt zu, es nimmt sich, wenn es mal einen Augenblick nichts zu sagen weiß, laute Musik zur Hilfe, es will den klaren, knallharten, konzisen Konflikt mit der Realität und dem Publikum. Und es will Fragen stellen, große Fragen." In der Times Mager sinniert Hans-Jürgen Linke über Ehre und den Schriftsteller Peter Kurzeck.

Besprochen wird die Rene Magritte Ausstellung in der Frankfurter Schirn, der Film "Let's make money" von Erwin Wagenhofer, "Mein Freund aus Faro" von Nana Neul, der französische Kino-Hit "Willkommen bei den Sch'tis" und ein Buch: "Briefe 1933-1936" der Dichterin Else Lasker-Schüler.

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Die Welt, 30.10.2008

Manuel Brug stellt einige neue junge Pianisten vor. Besonders gefallen ihm der Chopin-Sieger Rafal Blechacz und und der Russe Nikolai Tokarev, der nicht nur ein "schlanker, sehniger Bursche" ist, sondern auch noch Ravels Pianistenalptraum "Gaspard de la Nuit" bewältigt. Er selbst sagt dazu: "Ravels 'Gaspard' erlaubt mit seinen skurrilen Porträts ganz eigenwillige Nuancen der Expression. Das ist fast abstrakt. Was ist eine Undine oder ein Gnom, die Ravel benennt? Ich muss Farben malen, Albträumen und Wassergeistern Kontur geben."


Hier Blechacz mit einem Chopin-Walzer:



Hendrik Werner musste feststellen, dass seine Dissertation aus dem Jahre 2001 bei Google Book Search eingestellt wurde: "Niemand hat mich über diesen Schritt informiert, geschweige denn um Erlaubnis gefragt. Nicht der Verlag. Nicht jene deutsche Bibliothek, aus deren vom Kooperationspartner Google digitalisierten Beständen der online gestellte Text stammen muss. Und Google selbst hat auch nicht bei mir angerufen."

Weitere Artikel: Eckhard Fuhr verfolgte Reden und andere Darbietungen beim Fest für zehn Jahre Bundeskulturministerium. Sascha Lehnartz wundert sich in der Leitglosse nicht besonders darüber, dass Radio France Internationale den deutschsprachigen Dienst abschaffen wird (andere Randsprachen wie Laotisch sind ebenfalls betroffen). Uta Baier begleitet den Umzug der Sammlung Rau in das von Richard Meier entworfene Arp-Museum in Remagen. Auf der Filmseite bespricht Matthias Heine den französischen Erfolgsfilm "Willkommen bei den Sch'tis", und der Autor unterhält sich aus diesem Anlass auch mit der Synchronregisseurin Beate Klöckner, die ein glaubhaftes deutsches Pendant für den nordfranzösischen Dialekt erfinden musste.

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Der Tagesspiegel, 30.10.2008

Das historisch-dialektische Potenzial der PDS ist ungebrochen: Die DDR war antiisraelisch, aber nicht antisemitisch, schreibt der Politiker Gregor Gysi im Tagesspiegel, die Bonner CDU dagegen war zwar für Israel - aber antisemitisch. "Bei der Anerkennung Israels durch die BRD verwandte Konrad Adenauer das antisemitische Argument, wonach die Juden in den USA immer noch sehr viel Einfluss hätten, er glaubte also an das Vorurteil des jüdisch beherrschten Weltkapitals. Die CDU verweigerte nach 1945 jahrelang eine Aufarbeitung der NS-Zeit, förderte alte Nazis, Leute wie Globke und Oberländer, eingefleischte schlimmste Antisemiten. Globke hatte nicht nur die Nürnberger Rassengesetze kommentiert, sondern ist für deren Verschärfung leider erfolgreich eingetreten. Er war trotzdem engster Vertrauter von Adenauer und Staatssekretär im Kanzleramt. Es ist auch nicht atypisch, dass die CDU zur Verschleierung ihrer Spendenaffäre jüdische Vermächtnisse vortäuschte."

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Aus den Blogs, 30.10.2008

Das slowakische Internetmagazin Salon hat anlässlich der Gründung der Tschechoslowakei vor 90 Jahren mehrere Artikel übersetzt: von Adam Michnik, Tibor Pichler, Jiri Kratochvil und Ludvik Vaculik. Mehr dazu hier mit Links zu den Artikeln.  


Don Alphonso verrät seine fünf Lieblingsblocks an potenzielle Medieninvestoren (als würden die sich für Inhalte interessieren!). Und er rät außerdem zu einer Orientierung am WAZ-Dienst Der Westen: "Machen Sie ALLES anders. Übernehmen Sie von denen NICHTS. Basteln Sie keinen Ehrensenf und keinen Spreeblick und anderes Zeug für hypig-nervige Cliquen. Dann könnte es vielleicht sogar was werden mit Ihrer Onlinemarke."

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Die Tageszeitung, 30.10.2008

Einigermaßen fassungslos ist Ekkehard Knörer angesichts der sagenhaften 20 Millionen Franzosen, welche der Komödie "Willkommen bei den Sch'tis" einen Zuschauerrekord bescherten. "Man kann einerseits lange herumrätseln, was die große Film-Haute-Cuisine-Nation Frankreich dazu treibt, sich auf ein derart unraffiniertes Regionalküchenprodukt zu stürzen. Man kann andererseits aber auch an die so viel brachialere deutsche Erfolgskomödienvariante a la Bully Herbig denken, da wird man dann gleich freundlicher gesinnt... Was nichts daran ändert, dass 'Willkommen bei den Sch'tis' nicht mehr und nicht weniger ist als ein etwas lang geratener gespielter Witz, zu dem die Kirchturmglocke ihr 'palim, palim' klimpert."


Weitere Artikel: Cristina Nord berichtet vom Wiener Filmfest, dessen Retrospektive sich dieses Jahr um "Los Angeles - Eine Stadt im Film" drehte und dazu einen fast hundertstündigen Metafilm produzierte. Dominikus Müller besichtigt die Temporäre Kunsthalle, die jetzt für zwei Jahre bis zum Baubeginn des Humboldtforums auf dem Berliner Schlossplatz stehen wird und deren Eröffnungsschau - Videoinstallationen von Candice Breitz - zeige: "Kunst ist der neue Pop." Ganz in Ordnung, aber auch ein bisschen langweilig fand Dirk Knipphals den Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Amts des Kulturstaatsministers.

Besprochen werden der Dokumentarfilm zur Finanzkrise "Lets make money" von Erwin Wagenhofer, der angesichts der aktuellen Entwicklung stellenweise "ungewollt veraltet" wirkt, und das Künstler-Porträt "Botero: Geboren in Medellin" von Peter Schamoni.

Hier Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 30.10.2008

Der Konstanzer Germanist Albrecht Koschorke sieht mit der Finanzkrise endgültig eine vierte (und letzte) Etappe der US-Eroberung von Raum und Zeit jenseits vorhandener Grenzen erreicht: "Jetzt könnte man eine vierte Etappe hinzufügen - nicht nur mit Blick auf die USA, sondern auf die Industrieländer insgesamt. Zukunft ist die letzte frontier. Nach dem Ende des klassischen Kolonialismus und dem Entstehen einer hoch integrierten, aber in räumlicher Hinsicht endlich gewordenen Weltwirtschaft scheint sich der Expansionsdrang in die zeitliche Dimension zu verlagern. Die Energien verlagern sich nun dahin, Raubbau an der Welt künftiger Generationen zu treiben."


Die Schriftstellerin Slavenka Drakulic beschreibt das dichte Netzwerk von Politik und Mafia in Kroatien, das mit der Ermordung des Verleger Ivo Pukanic ins Blickfeld geraten ist: "In den letzten Jahren wurden mehrere Mafia-Bosse mitten in der Stadt ermordet, aber vielleicht nicht nahe genug am Zentrum der Macht. Anders liegt der Fall bei Ivo Pukanic, der dafür bekannt war, dass er ebenso gute Kontakte zum organisierten Verbrechen hatte wie zur Politik. Während angeblich einer der Mafia-Bosse seine Zeitschrift beschützte, war er zugleich per Du mit dem Staatschef, der sich auch bei seiner Beerdigung zeigte. Kein Wunder, dass dieses Verbrechen die Regierungsspitze erschüttert und als politische Tat gedeutet wird. Zum ersten Mal ist in beängstigender Weise klar geworden, dass die staatlichen Organe ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Der Anschlag im Herzen Zagrebs ist das Ergebnis von mindestens zwei Jahrzehnten, in denen Kapitalverbrechen geflissentlich übersehen wurden."

Weitere Artikel: Falk Jaeger hat das "Architektur-Dorado" auf dem Gelände der Firma Trumpf im schwäbischen Ditzingen besucht. Felix Lang schildert, wie die Musik der marokkanischen Sufi-Bruderschaft der Gnaoua sehr geschäftstüchtig dem Weltmusik-Markt zugeführt wurde. In der NYRB-Reihe weiß Frances Fitzgerald, was die religiöse Rechte der USA an Sarah Palin hat (englische Fassung). Über die schönsten Filme auf der soeben zuende gegangenen Viennale (Website) schreiben Hans Schifferle und Susan Vahabzadeh. Kurz bereitet Fritz Göttler auf das heute beginnende Asia Filmfest in München vor. Nicht ohne skeptische Seitenbemerkungen berichtet Jens Bisky von der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Institution des Kulturstaatsministers.

Besprochen werden eine - "entzückende", so Egbert Tholl - Puppenkisten-"Alice" am Augsburger Stadttheater, Erwin Wagenhofers Dokumentation "Let's Make Money" und Bücher, darunter der Band "Wahrheit, Sprache und Geschichte", mit dem die Sammlung der Philosophischen Aufsätze von Donald Davidson abgeschlossen ist (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2008

Einen ganz seltenen und zuvor an keine Glocke gehängten Auftritt des Comic-Künstlers Robert Crumb hat Andreas Platthaus in Dortmund erlebt. Auch Crumbs jüngstes Projekt kennt er schon: "Sein neuestes Vorhaben ist eine zweihundertseitige Adaption des Ersten Buches Moses. 200.000 Dollar eines Verlegers haben ihn überzeugt, 'aber ich fürchte, weder die Christen noch die Juden werden es mögen', und da kommt wieder das Kichern: 'Aber wenigstens die Muslime werden mich in Frieden lassen.' Dabei sind die Genesis-Seiten streng am Text der Bibel orientiert, es gibt keinen grotesken Humor oder Zerrbilder, und doch ist jedes Bild reiner Crumb. Seine Tuschezeichnungen sind seit den frühen neunziger Jahren von einer handwerklichen Qualität, die ihn zum unfreiwilligen Liebling des Kunstmarkts gemacht und 2003 bis ins Kölner Museum Ludwig geführt hat. 'Dem Kurator musste ich allerdings erst einmal erklären, was Comics sind. Er sah darin nur Kunst.'"


Weitere Artikel: In der Glosse fürchtet Lorenz Jäger, dass man in Zukunft nur noch schwer das fiktive und das möglicherweise reale Gepäck des Milan Kundera wird auseinanderhalten können. Über die zwischen Google und amerikanischen Autoren und Verlegern erzielte Einigung zur Büchervolltextsuche bei "Google Buchsuche" informiert Jordan Mejias. Paul Ingendaay hat in Madrid den österreichischen Dokumentarfilmer Günter Schwaiger getroffen, der einen Film über den SS-Obersturmführer Paul Hafner und einen über die Verbrechen des Franco-Regimes gedreht hat. Nina Rehfeld fasst die Diskussionen um die (Nicht-)Veröffentlichung von Sherry Jones' Aisha-Roman zusammen - außerdem schildert sie den durchschlagenden Erfolg, mit dem Tina Fey aus Sarah Palin eine komische Figur gemacht hat.. Andreas Kilb durfte der Berliner Feierstunde zum zehnjährigen Jubiläum des Amts des Kulturstaatsministers beiwohnen.

Von der Eröffnung der Kunstsammlung Amalia Lacroze de Fortabat in Buenos Aires berichtet Josef Oehrlein. Neues gibt es aus Felicitas Hoppes Washingtoner Wettbüro. Oliver Jungen porträtiert den Historiker Heinz Duchhardt, der gerade als Vorsitender des Stiftungsrat der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA) berufen wurde. Andreas Rossmann informiert darüber, dass die Gelder für ein Konzerthaus in Bochum nun zusammen sind. Auf die für heute Abend von Schmidt & Pocher geplante Fortsetzung des FAZ-Feuilletons mit anderen Mitteln weist Alexander Camann hin: Die beiden spielen den fünften Band von Hans-Ulrich Wehlers deutscher Gesellschaftsgeschichte mit Playmobil-Figuren nach. Auf der Kinoseite schreiben Weggefährten - von Wim Wenders bis Bernd Eichinger - des Filmmanns Günter Rohrbach, der gerade seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hat, über ihr Leben mit dem Kino.

Besprochen werden Ausstellungen der Porträt-Künstler Albert Watson und Liselotte Strelow in Düsseldorf und Bonn, Peter Schamonis "Botero"-Film, und Bücher, darunter Juri Andruchowytschs Alter-Ego-Autobiografie "Geheimnis" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 30.10.2008

"World Music schmeckt nicht mehr nach Jute und korrekt gehandeltem Kaffee, sie ist Teil des urbanen Lebensstils geworden", stellt Thomas Groß beglückt fest, der vor allem beim Londoner Africa Express einer afrikanischen Musik auf Augenhöhe begegnete: "Afrikanische Musiker wurden nicht nur eingeladen, die ganze Bühne verwandelte sie in eine spontane Jam-Session mit allen Beteiligten, darunter Amadou & Mariam aus Mali, Baaba Maal aus dem Senegal, Flea von den Red Hot Chili Peppers und DJ Adrian Sherwood. Um Eurozentrismusvorwürfen vorzubeugen, fand zwei Tage zuvor im Fela-Kuti-Shrine in Lagos ein vergleichbares Konzert mit Ex-Cream-Drummer Ginger Baker und Fela Kutis Sohn Femi statt."


Im Übrigen hält die Finanzkrise das Feuilleton auch weiter in eisernem Griff. Dietmar Dath schreibt sich in revolutionär-prophetische Trance: "Der Umsturz vollzieht sich mit der paradoxen Anmut beinah zufälliger Zwangsläufigkeit. Es beginnt mit Krawallen in Lübeck." Jens Jessen fleht die "lieben Deutschen und verehrten Volkswirte" an, mit dem Kapitalismus zu machen, was sie wollen, nur die Juden sollen sie bitte aus dem Spiel lassen. Ganz geheuer ist Peter Kümmel die im Hamburger Schauspielhaus geprobte Revolte nicht, bei der Volker Lösch in seiner "Marat"-Inszenierung Namen und Adressen von Hamburgs Supperreichen verlesen ließ: "Das bürgerliche Theaterpublikum wärmt sich an der Wut der wirklich Armen. Es genießt die Gewissheit, relativ unschuldig zu sein am Unglück der Welt."

Besprochen werden die drei großen Ausstellungen zu Kandinsky in München, van Gogh in Wien und Picasso in Paris, eine Edward-Hoppers-Retrospektive im der Wiener Kunsthalle und die supererfolgreiche französische Provinzidyll-Komödie "Willkommen bei den Sch'tis", die Pascale Hugue einigermaßen beklommen fragen lässt, was das für ein Land sei, das "ein derart fantasmatisches Bild seiner selbst feiert".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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